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31. August 2009

Der Klingelbeutel: Wenn die guten Geister ausbleiben

Nach einer Schulteroperation und einer langen Pause hat Maria Scharapowa Mühe, den Ball ins Spiel zu bringen. Mehr Doppelfehler denn je. Ihre Probleme haben mit einem veränderten Bewegungsablauf beim Aufschlag zu tun. Der soll gesünder sein für die lädierte Schulter. Das Wall Street Journal hat eine Statistik zum Thema und vergleicht die Werte unterschiedlicher Tennis Ladies miteinander. Der Name Lisicki steht auch auf der Liste. Ach, ja: Heute beginnen die US Open.

• Die Eigentümer der New York Giants haben ein Loch in der Tasche, durch das ihnen 300 Millionen Dollar abhanden gekommen sind. Sie gehören zu den Gläubigern der Konkurs gegangenen New Yorker Investmentbank Lehman Bros., mit deren Hilfe sie Geld zur Finanzierung des neuen Stadions (1,6 Milliarden Dollar) auftreiben wollten. Lehman ging in den ersten Tagen der Finanzkrise unter (und pumpte dadurch die akuten Ängste der Anleger weltweit in nervöse Höhen, während andere Finanzinstitute von der amerikanischen Regierung und der Bundesbank mit enormen Mitteln über Wasser gehalten wurden. Die finanzielle Unterstützung tröpfelt mittlerweile wieder in den Staatshaushalt zurück. Die New York Times berichtet, dass sich der Gewinn für den Steuerzahler bislang auf 4 Milliarden Dollar beläuft. Was aus der angeschlagenen CitiBank (Namensgeber für das neue Stadion der New York Mets) und der noch krankeren Versicherung AIG wird, muss man abwarten. Dort könnte der amerikanische Staat weiter mehr verlieren, als er bisher gewonnen hat.

Das Stadion der Giants ist übrigens kein mit guten Geistern ausgestattetes Projekt. Man erinnere sich an die Episode rund um die Namensrechte für die deutsche Firma Allianz. Selbst mehr als 60 Jahre nach dem Ende des Dritten Reichs, werden Unternehmen, die einst vom Holocaust profitiert haben, nicht den Schattender Vergangenheit los.

• Nach ein paar Wochen der Twitter-Lektüre des geistigen Outputs von Sportlern wie Ian Poulter, Brad Ocho Cinco, Shaquille O'Neal und Shawn Marion zeigt sich: je extrovertierter desto nichtiger. Spannend ist es nur bei Leuten, bei denen nicht klar ist, ob sie's wirklich sind oder ob jemand unter ihrem Namen dummes Zeug fabriziert.

21. September 2008

Wenn ein Unternehmen von seiner Geschichte eingeholt wird

Kleiner Hinweis zu einem Thema, das vor etwas mehr als einer Woche in New York interessierte Kreise beschäftigte. Es ging darum, ob der deutsche Versicherungskonzern Allianz mit seiner Geschichte während des Dritten Reichs die Möglichkeit erhalten würde, vor den Toren von New York seinen Namen an ein Stadion zu heften. Die Jets und Giants planen eine neue Arena, die 1,6 Milliarde Dollar kosten wird. So teuer wie noch kein Sportkomplex. Die Assekuranz hatte die Idee ernsthaft erwogen, über eine Laufzeit von Jahren insgesamt 750 Millionen Dollar beizusteuern. Nach den guten Erfahrungen mit der Allianz Arena in München (90 Millionen Euro für die Namensrechte) sah dieses Vorhaben ziemlich attraktiv aus. Doch daraus wird nichts. Die Allianz hat Gebäude und Personal in den Konzentrationslagern Auschwitz und Dachau versichert. Als diese Information in den Medien auftauchte, wurde die Firma von der Vergangenheit eingeholt.

In New York und Umgebung leben tausende jüdischer Einwanderer, die der Nazi-"Endlösung" knapp entkommen sind und die Erinnerung an den Holocaust wach halten wollen. Aber manche fragten sich im gleichen Atemzug, ob nicht andere Unternehmen mit Interesse an den Namensrechten unter dem Tisch eine geschickte Kampagne losgetreten hatten. Wir werden sehen, welche Firma für wieviel Geld den Zuschlag bekommt. In der heutigen Sendung Sport am Sonntag im Deutschlandfunk habe ich das Thema beleuchtet.