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26. September 2009

Das Gesicht eines Super-Bowl-Gewinners

Das Gesicht einer Super-Bowl-Gewinners ein paar Monate später. Dies ist das offizielle Gefängnisfoto von Plaxico Burress, einst als Wide Receiver bei den New York Giants unter Vertrag, dann eines Nachts Ende des letzten Jahres mit einer geladenen Schusswaffe in einem Nachtclub in Manhattan unterwegs. Die Pistole entlädt sich und verletzt Burress im Oberschenkel. Er braucht ärztliche Hilfe, und so kommen ihm die Polizei und die Staatsanwaltschaft auf die Spur. Waffenbesitz mag in anderen Teilen Amerikas eine Selbstverständlichkeit sein. In der Stadt New York kann so etwas bereits eine Strafe nach sich ziehen. Besonders, wenn man die Öffentlichkeit gefährdet. Um eine höhere Strafe als die zwei Jahre zu vermeiden, gab der Football-Profi die Tat zu. Auch sein ehemaliges Team und die Liga schlugen kräftig zu. Die Strafe könnte bei guter Führung aufg 20 Monate reduziert werden. Die Haftzeit wird er in einem Gefängnis in Beacon verbringen, etwa 70 Kilometer außerhalb von New York. In Einzelhaft, weil er als prominenter Gefangener sonst mit Provokationen von anderen Insassen rechnen muss (via Deadspin und Smoking Gun).

Blick zurück: Nachladen – das Echo auf den Fall Burress

31. August 2009

Der Klingelbeutel: Wenn die guten Geister ausbleiben

Nach einer Schulteroperation und einer langen Pause hat Maria Scharapowa Mühe, den Ball ins Spiel zu bringen. Mehr Doppelfehler denn je. Ihre Probleme haben mit einem veränderten Bewegungsablauf beim Aufschlag zu tun. Der soll gesünder sein für die lädierte Schulter. Das Wall Street Journal hat eine Statistik zum Thema und vergleicht die Werte unterschiedlicher Tennis Ladies miteinander. Der Name Lisicki steht auch auf der Liste. Ach, ja: Heute beginnen die US Open.

• Die Eigentümer der New York Giants haben ein Loch in der Tasche, durch das ihnen 300 Millionen Dollar abhanden gekommen sind. Sie gehören zu den Gläubigern der Konkurs gegangenen New Yorker Investmentbank Lehman Bros., mit deren Hilfe sie Geld zur Finanzierung des neuen Stadions (1,6 Milliarden Dollar) auftreiben wollten. Lehman ging in den ersten Tagen der Finanzkrise unter (und pumpte dadurch die akuten Ängste der Anleger weltweit in nervöse Höhen, während andere Finanzinstitute von der amerikanischen Regierung und der Bundesbank mit enormen Mitteln über Wasser gehalten wurden. Die finanzielle Unterstützung tröpfelt mittlerweile wieder in den Staatshaushalt zurück. Die New York Times berichtet, dass sich der Gewinn für den Steuerzahler bislang auf 4 Milliarden Dollar beläuft. Was aus der angeschlagenen CitiBank (Namensgeber für das neue Stadion der New York Mets) und der noch krankeren Versicherung AIG wird, muss man abwarten. Dort könnte der amerikanische Staat weiter mehr verlieren, als er bisher gewonnen hat.

Das Stadion der Giants ist übrigens kein mit guten Geistern ausgestattetes Projekt. Man erinnere sich an die Episode rund um die Namensrechte für die deutsche Firma Allianz. Selbst mehr als 60 Jahre nach dem Ende des Dritten Reichs, werden Unternehmen, die einst vom Holocaust profitiert haben, nicht den Schattender Vergangenheit los.

• Nach ein paar Wochen der Twitter-Lektüre des geistigen Outputs von Sportlern wie Ian Poulter, Brad Ocho Cinco, Shaquille O'Neal und Shawn Marion zeigt sich: je extrovertierter desto nichtiger. Spannend ist es nur bei Leuten, bei denen nicht klar ist, ob sie's wirklich sind oder ob jemand unter ihrem Namen dummes Zeug fabriziert.

5. August 2009

Eli sahnt ab

Eli Manning verdient jetzt richtig gut. Sein neuer Vertrag mit den New York Giants: sechs Jahre, 97 Millionen Dollar. Damit ist er die Numer eins in der NFL. Wie die Giants das mit der Salary Cap deichseln, steht auf einem anderen Blatt.

30. November 2008

Früher begann der Tag mit einer Schusswunde, heute endet er damit

Richtig klar ist die Sache noch immer nicht. Sieht man mal davon ab, dass Wide Receiver Plaxico Burress im Krankenhaus war und dass er einen Anwalt hat, der mit ihm am Montag zur Polizei stiefeln will. Die Medienberichte sind sich zumindest so weit einig: Der NFL-Profi hatte eine Handfeuerwaffe dabei, als er am Freitag in einer New Yorker Kneipe war. Und mit der hat er sich selbst eine Schwusswunde im Oberschenkel zugefügt. Antonio Pierce, ein Mannschaftskollege von den New York Giants war wohl mit Burress zum fraglichen Zeitpunkt gemeinsam unterwegs. Der Mann mit dem kuriosen Vornamen gehört zu den eitlen Figuren in der Liga und steht anderen Wideouts wie Terrell Owens (Dallas Cowboys) und Chad Ocho Cinco (Cincinnati Bengals) kaum nach. Wie undiszipliniert Burress ist, wurde Ende September klar, als berichtet wurde, dass er in den fünf Jahren seiner Karriere in New York vom Club zwischen 40- und 50mal mit einer Geldbuße belegt wurde. Die Mannschaftsführung sah sich am Anfang der Saison gezwungen, die Daumenschrauben mit einer Spielsperre etwas anzuziehen. Zuletzt musste er schon früh mit einer Verletzung den Platz verlassen.

Nachtrag: Genau genommen handelt es doch um einen Schuß zum Tagesbeginn (Sorry, Mr. Wondratschek für die Konfusion). Die Szene spielte sich nämlich kurz nach Mitternacht ab. Was danach passierte, ist bester Lesestoff. Die New York Post hat das ganze Klavier gespielt und folgende Partitur rekonstruiert: Der Club hat den Zwischenfall nicht den Behörden gemeldet (verstößt gegen die Waffengesetze). Das Krankenhaus hat die Behandlung der Wunde nicht den Behörden gemeldet (verstößt gegen die Waffengesetze). Die Pistole vom Kaliber 40 wurde von der Polizei bei Burress in der Küche gefunden. Der Spieler und seine Freunde haben vor dem Gang ins Krankenhaus eine kleine Geschichte erfunden und dafür gesorgt, dass er sich unter falschem Namen registriert. Er wurde trotzdem vom Personal erkannt.

15. Oktober 2008

Ein Stadion, zwei Ansichten

Man kann die Panne nur verstehen, wenn man weiß: die New York Giants und die New York Jets spielen im selben Stadion. Trotzdem hat es Sports Illustrated hinbekommen, in ihrem Stadion-Ranking die Giants auf Platz 22 einzuordnen und die Jets auf Platz 29. Wieso die beiden in der Unterkategorie "Zugänglichkeit" nicht auf dem gleichen Platz logieren? Keine Ahnung. Die Zuschauer haben in beiden Fällen den gleichen Weg. Angeblich basieren die Bewertungen auf den Ansichten der Fans. Die Fans der Teams oder die Fans von Sports Illustrated?

5. Februar 2008

Zwei Tage nach dem Super Bowl: der Super Tuesday

Heute abend dürften wir und der Rest der Welt wissen, wer - mit aller größter Wahrscheinlichkeit - der nächste Präsident der USA wird. Klingt vermessen? Ja und nein. Wir werden ja im November sehen und können dann noch mal zurückblättern.

Was wir jetzt schon wissen:
Teil eins: Heute finden in mehr als 20 Bundesstaaten Vorwahlen in den beiden großen Parteien statt. Das Feld der Kandidaten ist zusammengeschmolzen. Bei den Demokraten sind es noch zwei: Präsidentengattin Hillary Clinton und Barack Obama. Bei den Republikanern sind es vier, aber mit zweien, die es unter sich ausmachen: John McCain und Mitt Romney. Da sich unter den teilnehmenden Staaten auch ein paar große befinden wie Kalifornien und New York, werden heute sehr viele Delegierte für die Nominierungsparteitage gewählt.

Teil zwei: Es zeigen sich Trends bei den Umfragen. Bei den Demokraten ein Kopf-an-Kopf. Bei den Republikanern ein entscheidender Popularitätszuwachs für John McCain, der im Jahr 2000 parteiintern gegen George W. Bush verloren hatte und damit automatisch einen Bonus haben sollte. So zeichnen sich für die Wahlen im November zwei Modelle ab: McCain gegen Clinton oder McCain gegen Obama. Die Prognose von dieser Stelle aus: im ersten Fall gewinnt McCain. Im zweiten gewinnt Obama.

Teil drei: Dubios wie so vieles am amerikanischen Wahlsystem, das inzwischen jedes Mal mehr als eine Milliarde Dollar nur an Werbung verschlingt (das meiste verdienen die Fernsehsender, die inzwischen in einer großen Koalition Wahlkämpfe im Stil von Sportveranstaltungen übertragen). Der Charakter der Auseinandersetzungen produziert die simpelsten Slogans und Wahlaussagen, die man sich nur vorstellen kann. Wenn überhaupt, geht es um Persönlchkeitsmerkmale, die allerdings null mit der ideologischen Ausrichtung zu tun haben. Typisch sind Figuren wie Joe Lieberman, der vor anderthalb Jahren bei den Vorwahlen der Demokraten in Connecticut um den Posten des Senators in Washington verlor, aber das Resultat nicht akzeptierte, weil er sich erhaben fühlt. Er gewann das Mandat als unabhängiger Kandidat und unerstützt jetzt McCain. Die pikante Note: Er war vor acht Jahren der Mann neben Al Gore für das Amt des Vize-Präsidenten, wäre also, wenn alles richtig gelaufen wäre und nicht rechtens, derzeit in seiner zweiten Amtsperiode der zweite Mann im Staate. (Wer übrigens mal wissen will, wie ein Chamäleon grinst, sollte sich Videos von Lieberman anschauen.)

Teil drei: Wo ist Al Gore und warum kandidiert er nicht? Der Mann hat seine Ansprüche auf das Amt schon mehrfach verraten. Wenn es jemals so etwas hätte geben müssen wie einen Oppositionsführer (ein Posten, der aufgrund des präsidialen und parlamentarischen Systems in den USA formal nicht existiert), dann war es Al Gore, der ab 2001 vier Jahre lang nichts anderes hätte tun sollen, als den Millionen von Wählern, die für ihn gestimmt hatten (und das waren mehr als die für Bush), dass er noch da ist, dass er wieder antritt, dass er bessere politische Ideen hat und dass er sich nicht von der derzeit regierenden Junta des militärisch-industriellen Komplexes ins Bockshorn jagen lässt). Es gab keinen legitimeren Kandidaten, denn schließlich hatte er die Wahl 2000 gewonnen. Aber er ließ sich bereitwillig in eine Ecke drücken, wo ihn die Medien als schlechten Verlieren brandmarken konnten. Aus der kam er nie wirklich wieder heraus. (Ich habe mich mit Gore vor einem Jahr ausführlich in der Zeitschrift FELDhommes beschäftigt, als er zumindest theoretisch noch hätte einsteigen können ins Karussell. Den Artikel gibt es nicht online. Ich hatte den Eindruck, dass ihm auch etwas fehlt, ähnlich wie Lieberman, nur nicht ganz so schlimm).

Teil vier: Super Bowl und Super Tuesday. Nicht nur im Kalender ganz nah beieinander. Auch im geistigen Spektrum der Medien und dadurch automatisch eine Dimension für die gesellschaftliche Wahrnehmung. In diesem Zusammenhang lohnt die Lektüre dieses Beitrags auf Internet und Politik: "Super Bowl vs. Super Tuesday". Dazu eine passende Kuriosität: Ausgerechnet heute werden die New York Giants ihre Konfetti-Parade am Broadway in Manhattan abhalten. Politik-Experten rechnen damit, dass so viele Zuschauer kommen, die dann wiederum keine Lust mehr haben, wählen zu gehen. Das hätte theoretisch in erster Linie einen Einfluss auf die Chancen von Hillary Clinton. Sie müsste als Senatorin von New York nämlich von den Sympathien her vorne liegen.
Blick zurück: Obama spielt Basketball

4. Februar 2008

Fehldruck


Wenn die andern feiern, geht der Grafiker in die Küche und kocht ein kleines Süppchen. Zum Abschmecken bräuchte er einen Schlussredakteur. Hat er aber nicht. Also kommt so etwas heraus: ein Fehldruck zum Preis von 29,95 beim Home Shopping Network (via Awful Announcing).

17 Punkte


Tom Brady wurde in der Woche vor dem Super Bowl zu der Prognose von Giants-Wide-Receiver Plaxico Burress gefragt, der einen Sieg seiner Mannschaft mit 23:17 angekündigt hatte. Der Patriots-Quarterback war mit einer Zuteilung von 17 Punkten nicht ganz einverstanden. Warum auch? Seine Mannschaft hatte in diesem Jahr im Schnitt doppelt so viel zusammengeballert. Am Ende waren es nicht mal 17. Wenn es Brady tröstet: Auch die Giants blieben hinter den Erwartungen von Burress zurück. Die Vince Lombardi Trophy dürfen sie aber trotzdem behalten.

3. Februar 2008

Eli Manning...wie zu erwarten

Es wird gerade offiziell bestätigt: Eli Manning ist der Most Valuable Player. Die Entscheidung durfte man vorausahnen. Auf solche eine Weise tritt das Komitee der MVP-Wähler komplett die Leistung der Giants-Verteidigung in die Tonne. Wieviele Pässe hat Randy Moss gefangen? Wieviele kamen nicht an? Wer hat Patriots-Quarterback Tom Brady ständig unter Druck gesetzt? Wie oft musste die beste und punktestärkste Hochgeschwindigkeits-Angriffsreihe der Liga nach ein paar Downs wieder vom Platz? Oft. Sie produzierte nur einen brillianten Angriffs-Drive. Der führte zur 14:10 Führung kurz vor Schluss. Aber was soll's.... Das Spiel im Kasten. Das Genie Bill Belichick hat nicht die perfekte Saison hinbekommen.

Hier noch eine Kleinigkeit: Die Giants können froh sein, dass sich Jeremy Shockey im Laufe der Saison das Wadenbein gebrochen hat und ausfiel. Manchmal erzielt man im Sport Addition durch Subtraktion. Zwei Rookies Kevin Boss und Ahmad Bradshaw konnten sich dadurch rechtzeitig ins Gefüge hineinspielen.

Super Bowl: Giants schlagen die Patriots

Wer ist der MVP von solch einem Spiel, in dem keiner richtig herausragt? Nicht die Quarterbacks. Nicht die Wide Receiver (sieht man ab von Wes Welker von den Patriots, dessen Mannschaft verloren hat). Nicht die Running Backs, niemand von den Special Teams. Also werden sie wahrscheinlich Eli Manning zum Helden erklären. Es braucht ja einen, auch wenn ich Tom Coughlin dazu erklären würde. 17:14 für die New York Giants in Super Bowl XLII. Mehr später.

26. Januar 2008

Eddie Murphy hat es schon damals kommen sehen...

Ist es wirklich schon eine Woche her, das mit den Packers und den Giants im Conference Final? Offensichtlich. Aber Wahrsager in Hollywood haben es schon vor vielen Jahren vorhergesehen. Weshalb das Match wohl auch noch in vielen Jahren auf diese Weise im Gedächtnis verankert bleiben wird: als Szene in dem Film Der Prinz aus Zamunda (Originalltitel: Coming to America). Premiere war bereits im Jahr 1988.

20. Januar 2008

Giants gewinnen in Green Bay

Die Green Bay Packers hat es eiskalt erwischt: Die New York Giants gewinnen in der Verlängerung mit 23:20 durch ein 47 Yard Field Goal und gehen zur Belohnung nach Arizona, wo in zwei Wochen Super Bowl XLII stattfindet. So wie die Mannschaft vor einer Woche und diesmal die Spiele gewinnt, haben sie auch gegen die New England Patriots eine Chance. Wir erinnern uns: Diese Chance hatten sie bereits im letzten Saisonspiel, als sie so geackert haben, als ob es um etwas ginge. Vielleicht haben wir heute Brett Favres letztes Spiel gesehen. Mit 38 gehört man als NFL-Profi wirklich zum alten Eisen. Aber Favre rostet nicht. Wenn er will, wird denn auch weiter machen können.

15. Januar 2008

Carl ist happy - auf seine perverse Art


Es wird höchste Zeit, den Rest der Welt mit Carl bekannt zu machen. Carl, Nachname Brutananadilewski, ist schließlich ein Mann von Statur, mit Mut zur Meinung und damit ein typischer Vertreter der Region New York. Carl lebt normalerweise in der Welt von Adult Swim auf dem Fernsehkanal Comedy Central, wo er eigentlich zu den Antitypen gehört, der missgelaunte Nachbar der Aqua Teens, die in der Sendung viel wichtiger sind als er. Wer das alles verstehen möchte, sollte sich Zeit nehmen und diesen Wikipedia-Eintrag durchstöbern. Wer sich mit Carl und seinen lautmauligen Einschätzungen zum Football und speziell zu seinem Team - den New York Giants - begnügen will, braucht nur das Video zu starten. Um Udo Lattek zu kapieren, braucht man bekanntlich auch keine Vorbildung.

14. Januar 2008

Es liegt am Kollen

Manchmal möchte man einfach ein neues Wort erfinden, weil man mit den existierenden Begriffen nicht ausdrücken kann, was man sagen will. Der Playoff-Sonntag gestern in der NFL zum Beispiel - der schreit danach. Wie soll man schließlich erklären, dass mit den Indianapolis Colts und den Dallas Cowboys gleich zwei Favoriten vor eigenem Publikum ausgeschieden sind? Und wie, dass sie das beide auf ähnliche Weise hinbekommen haben - durch das Versieben von zahlreichen Chancen im letzten Spielabschnitt? Denn sie waren beide wirklich nicht die schlechteren Mannschaften.

Ich sage: es liegt am Kollen. Komisches Wort, sicher. Aber man wird sich daran gewöhnen. Kollen ist so etwas wie die Schnittmenge aus Wollen und Können. Ist die Essenz aus der antrainierten athletischen Fähigkeit und der mentalen Kraft, im entscheidenden Moment das richtige zu tun. Dass die Colts nicht immer kollen, war ja eigentlich bekannt. Man hatte es nur nach dem Super-Bowl-Erfolg im letzten Jahr schlichtweg vergessen. Aber jetzt fällt einem das wieder ein: dass Tony Dungy immer so an der Seitenlinie steht, als wisse er nicht weiter, und dass Peyton Manning die Bälle streut, als spiele er in einer Fata Morgana - das gab's früher dauernd. Und nun war es wieder da. Gegen die San Diego Chargers, deren bester Mann, Running Back LaDainian Tomlinson, über weite Strecken genauso ausfiel wie Stamm-Quarterback Philip Rivers. Und gegen einen Coach wie Norv Turner, der noch nie gekollt hat und dies auch nächste Woche gegen die New England Patriots dokumentieren wird.

Zu Dallas fällt einem auch eine Menge ein, sobald man mal das richtige Wort gefunden hat. Kollen hieße, die Finger von einer Trutsche wie Jessica Simpson zu lassen und sich damit den ganzen Gossip-Trubel zu ersparen. Kollen hieße eine Angriffsgestaltung zu betreiben, bei der man nicht ausgerechnet dann mit dem Ball Richtung eigene Endzone rennt, wenn man plant, den Ball festzuhalten (Sack mit Verlust von ganz vielen Yards), ihn aber dann ins Aus zu werfen, wenn man sich noch in der Pocket befindet (Intentional Grounding, also Strafe). Wade Phillips, der Trainer hat das Kollen auch nicht gelernt, sonst würde er im entscheidenden Moment andere Spielzüge bestellen (siehe auch Kommentar von freddy7 bei allesaussersport, wo dogfood beide Spiele mitgebloggt hat).

Nun fliegen also die Chargers nach Boston und die Giants nach Green Bay und ermitteln in den Conference Finals die zwei Teilnehmer für den Super Bowl. Alles andere als Pats gegen Packers wäre eine Sensation. Denn die zwei Mannschaften sind jene, die die ganze Saison über gezeigt haben, dass sie kollen.

P.S.: Terrell Owens, der einst mit Tatütata ins Krankenhaus gebracht wurde, weil seine Assistentin glaubte, er wolle sich mit einer Überdosis Tabletten das Leben nehmen, hat die Niederlage und den Simpson-Faktor sehr persönlich genommen. Ihm sind nach dem Spiel die Tränen gekommen. Extrem sehenswert.

2. Februar 2007

NFL News: London, Favre, Geld für Ex-Spieler

Das Wembley-Stadion wird Schauplatz des ersten NFL-Spiels außerhalb der Grenzen der USA sein, bei dem es um etwas geht. Die Mannschaften stehen ebenfalls fest: Wie schon spekuliert worden war, werden zwei Ostküstenteams gegeneinander antreten: die Miami Dolphins (offiziell die Heimmannschaft) und die New York Giants. Auch das Datum wurde am Freitag am Rande des Super Bowl offiziell bestätigt: der 28. Oktober. Die Zeit für den Kick-off passt bestens: 18 Uhr in London ist 13 Uhr im Osten der USA. Exakt die Uhrzeit, wenn die erste Hälfte der Sonntagsspiele angepfiffen werden. Fox wird übertragen. Hier die Meldung vor einiger Zeit über den Umstand, dass man bei der NFL den deutschen Footballfans mit der Entscheidung für London eine lange Nase dreht.

In einer Geschichte über Brett Favre, den Quarterback der Green Bay Packers in der Welt stand vor ein paar Wochen, dass er mit dem Footballspielen aufhört. Die Information kam verfrüht. Totgesagte leben länger. Solche Schnellschüsse gibt es manchmal. Die verwegenste Aussage des Textes ging allerdings in eine andere Richtung. Da hieß es, der 37jährige sei "vermutlich der beste Spielmacher, den die National Football League je gesehen hat". Zu solchen Schlüssen kann man nur kommen, wenn man Joe Montana nie spielen gesehen hat. Vielleicht kann man ihn in Berlin jetzt wieder vom Podest herunterholen, nachdem er angedeutet hat, dass er weitermachen will, ihn abstauben und noch einmal ganz genau anschauen.

Commissioner Roger Goodell hat bei seiner Pressekonferenz in Miami die Pensionsregelung für ehemalige NFL-Profis als Problemfall akzeptiert. Die Spielergewerkschaft konnte zwar im Laufe der Jahre im Rahmen der Tarifvertragsverhandlungen das innovative Grundprinzip durchsetzen, wonach ausgemusterte Spieler ab der Mitte ihres Lebens monatliche Zahlungen beziehen. Aber für viele ist das weniger als der bekannte Tropfen auf den heißen Stein. Über die gegenwärtige Situation gibt es einen guten Beitrag im Blog Sports Frog. Die Schätzungen über den finanziellen Bedarf, um jenen zu helfen, die zu einer Zeit gespielt haben, als es noch keine riesigen Gehälter gab: 8 Millionen Dollar im Jahr. Das entspricht mal gerade etwa dem Sechsfachen eines heutigen Durchschnittsgehalts (2005: 1,4 Millionen Dollar laut New York Times).