19. Mai 2008
Butter vom Brot
Die Phoenix Suns ließen sich ihre Butter gleich in der ersten Begegnung gegen die San Antonio Spurs vom Brot nehmen. Die New Orleans Hornets erst im siebten Spiel ihrer Serie. Das Resultat war dennoch das gleiche. Jene Mannschaft, die gestern in den entscheidenden Situationen zwei Argentinier, einen Franzosen und einen Mann von der Karibik-Insel St. Croix ins Rennen schickte und damit so unamerikanisch war wie der Senatsausschuss für unamerikanische Machenschaften es vor über 50 Jahren, steht im Westen im Conference-Finale. Gegen die Los Angeles Lakers dürfte die Mannschaft in dieser Form sogar eine echte Chance haben. Und sollte sie die Endspielserie erreichen, muss man sie zum Favoriten erklären. Niemand in der NBA spielt emotionsloser, abgebrühter, unbeeindruckter, mannschaftsmäßiger als der amtierende Meister. Nichts fürs Auge und irgendwie traurig. Aber wahr.
Labels:
Basketball,
NBA,
New Orleans Hornets,
San Antonio Spurs
17. Mai 2008
Larry Birds Name ist heilig
Memo an Dirk Nowitzki: Larry Bird hat es nicht so gerne, wenn sein Name in einem Zusammenhang genannt wird, den sein Anwälte als "völlig unautorisiert" einstufen und von dem sie sagen, dass werde alles nur ganz offen aus einem Grund getan: "um illegal von Larry Birds Name zu profitieren". Larry Birds Name nämlich ist heilig. Und wohlweislich sogar beim Amt für Marken- und Warenzeichen in Washington eingetragen und auf diese Weise besonders geschützt. Den Ärger haben erst mal nur die Leute, die sein ehemaliges Haus im Bundesstaat Indiana gekauft haben und auf der Webseite für ihren Betrieb – ein Bed& Breakfast – ganz unschuldig die nackte Wahrheit verkünden: "the former home of Larry Bird" mit einem Basketballspielfeld, auf dem Bird "Stunden verbracht hat, um seinen Wurf zu trainieren und zu perfektionieren". Wie es in Indiana um die Wahrheit bestellt ist, werden jetzt die Anwälte ausbaldowern. Und wenn die nicht miteinander klarkommen, geht es vor Gericht weiter.
Blick zurück: Nowitzkis neuer Trainer und dessen Bird-Connection
Blick zurück: Nowitzkis neuer Trainer und dessen Bird-Connection
Labels:
Dirk Nowitzki,
Larry Bird,
Markenzeichen,
Rechtsstreit
Sternstunden mit Huub
Ein gewisser Jürgen Schnitgerhans hat neulich bei einem In-Italiener erst ins Glas und dann Fußballtrainer Huub Stevens tief in die Augen geschaut (oder vielleicht auch andersherum). Und dann hat er etwas gesehen: ein Schimmern - und zwar "ein wenig feucht". Oder vielleicht auch nicht. "Habe ich mich getäuscht?" fragte der Sport-Chef von BILD-Hamburg sich und seine Leser. Wie sollen die das wissen, wenn er es nicht weiß?
Und trotz allen Nichtwissens (er kannte zum Beispiel auch noch nicht den Unterschied zwischen Holländern und Niederländern): Es handelte sich um eine dieser Sternstunden des deutschen Sportjournalismus. Denn der Huub war "so ehrlich wie selten". Merke: "Aber so ist er eigentlich." Die Frage, die sich daraus ergibt, hat der Schnitgerhans den Lesern allerdings nicht mehr mit serviert? Wie ist er eigentlich? Selten ehrlich? Oder "ehrlich wie selten".
Auf jeden Fall hat er diese Frage - Hat es Sie überrascht. dass der HSV so lange einen Nachfolger suchen musste? - so richtig ehrlich beantwortet. Mit der besten allen Möglichkeiten: "Ja, vielleicht."
Man kann auch ganz anders mit Huub Stevens reden. Wie Tim Jürgens von 11 Freunde, lang und breit. Wie ehrlich Stevens dabei war, wissen wir nicht. Es war auch nicht so wichtig. Denn irgendetwas von Belang hat er nicht gesagt. Was man schon an der Überschrift ablesen kann: "Am liebsten bin ich zu Hause". Wer ist das nicht? Dem Jürgens hat der Stevens dann aber doch noch etwas anvertraut, was er dem Schnitgerhans womöglich nie gesteckt hätte: Dass er - "ich sage Ihnen ganz ehrlich" – Angst hat. Angst nämlich vor einer Zukunft, in der "Sponsoren oder Medien in die Kabine kommen, um sich dort aufzuhalten und zu berichten." Wenn der Fußball zum Big-Brother-Camp wird, ist Huub Stevens nicht mehr dabei."
Vielleicht weiß der Huub das nicht, dass so etwas in den USA der ganz normale Alltag ist. Und dass es einen simplen Grund hat, weshalb man in den Mannschaftssportarten in den Vereinigten Staaten - auch im Fußball - den akkreditierten Journalisten Zutritt zu den Umkleideräumen gestattet. Damit sie die Gelegenheit haben, mit den Spielern zu reden. Und zwar ganz nach Gusto und eigenem Gutdünken. Der Zugang zur Kabine ist ein wohlverstandener logistischer Kompromiss. Wo sonst soll ein Medienmensch einen Spieler sprechen? Es heißt nicht, dass die Spieler deshalb intelligentere Sachen sagen als in Deutschland. Aber mit Big Brother hat das Ganze nichts zu tun. Entsprang dieser TV-Quatsch nicht ebenfalls der Phantasie eines Holländers? Oder war es ein Niederländer? (Dank an Trainer Baade für den Hinweis).
Und trotz allen Nichtwissens (er kannte zum Beispiel auch noch nicht den Unterschied zwischen Holländern und Niederländern): Es handelte sich um eine dieser Sternstunden des deutschen Sportjournalismus. Denn der Huub war "so ehrlich wie selten". Merke: "Aber so ist er eigentlich." Die Frage, die sich daraus ergibt, hat der Schnitgerhans den Lesern allerdings nicht mehr mit serviert? Wie ist er eigentlich? Selten ehrlich? Oder "ehrlich wie selten".
Auf jeden Fall hat er diese Frage - Hat es Sie überrascht. dass der HSV so lange einen Nachfolger suchen musste? - so richtig ehrlich beantwortet. Mit der besten allen Möglichkeiten: "Ja, vielleicht."
Man kann auch ganz anders mit Huub Stevens reden. Wie Tim Jürgens von 11 Freunde, lang und breit. Wie ehrlich Stevens dabei war, wissen wir nicht. Es war auch nicht so wichtig. Denn irgendetwas von Belang hat er nicht gesagt. Was man schon an der Überschrift ablesen kann: "Am liebsten bin ich zu Hause". Wer ist das nicht? Dem Jürgens hat der Stevens dann aber doch noch etwas anvertraut, was er dem Schnitgerhans womöglich nie gesteckt hätte: Dass er - "ich sage Ihnen ganz ehrlich" – Angst hat. Angst nämlich vor einer Zukunft, in der "Sponsoren oder Medien in die Kabine kommen, um sich dort aufzuhalten und zu berichten." Wenn der Fußball zum Big-Brother-Camp wird, ist Huub Stevens nicht mehr dabei."
Vielleicht weiß der Huub das nicht, dass so etwas in den USA der ganz normale Alltag ist. Und dass es einen simplen Grund hat, weshalb man in den Mannschaftssportarten in den Vereinigten Staaten - auch im Fußball - den akkreditierten Journalisten Zutritt zu den Umkleideräumen gestattet. Damit sie die Gelegenheit haben, mit den Spielern zu reden. Und zwar ganz nach Gusto und eigenem Gutdünken. Der Zugang zur Kabine ist ein wohlverstandener logistischer Kompromiss. Wo sonst soll ein Medienmensch einen Spieler sprechen? Es heißt nicht, dass die Spieler deshalb intelligentere Sachen sagen als in Deutschland. Aber mit Big Brother hat das Ganze nichts zu tun. Entsprang dieser TV-Quatsch nicht ebenfalls der Phantasie eines Holländers? Oder war es ein Niederländer? (Dank an Trainer Baade für den Hinweis).
16. Mai 2008
O. J. Mayo: Jetzt kommt das große Kleckern
Aus der Sicht von einem jungen Menschen wie O. J. Mayo bedeutet die Ersparnis gar nichts. Der würde als begabter Basketballspieler lieber gleich nach dem Abschluss der High School seinen Namen in den Draft-Hut werfen und darauf hoffen, dass es ihm so ergeht wie den NBA-Profis Kobe Bryant, Kevin Garnett, LeBron James und so manchem anderen. Das sind Spieler, die ohne den Umweg über das College direkt in die beste Basketball-Liga der Welt eingestiegen sind. Dass die drei Genannten derzeit die Aushängeschilder der NBA sind, macht die Sache noch dubioser. Die Sache? Die Entscheidung von Commissioner David Stern, dass man im Alter von 18 Jahren noch nicht alt genug ist, um von einem seiner 30 Teams angeheuert werden zu können.
Ob die Restriktion sportlich begründet ist oder nicht oder ob sie nicht sogar rechtswidrig ist, soll an dieser Stelle nicht das Thema sein. Sondern vielmehr, welche Auswirkungen sie auf den Collegesport hat, der auf den einen Seite einem puristischen Amateurgedanken von anno dunnemals nachhängt und auf der anderen Seite ein riesiger Entertainmentbetrieb geworden ist - mit enormen Fernsehlizenzen und Zuschauerzahlen. Studentensport, ja. Aber in seinem angeblichen Edelmut und seiner angeblichen Reinheit so sehr verklärt, dass sich das Volk locker darüber hinwegsetzt, dass das Leistungsniveau dessen, was sie da sehen, deutlich unter dem der Profis liegt.
Die erste Auswirkung der NBA-Politik geht so: Spieler wie O. J. Mayo oder Greg Oden sind gezwungen, wenigstens ein Jahr an einem College zu verbringen und sich in das Leben dort einzufügen, obwohl sie nichts anderes im Sinn haben, als endlich mit den big guns um die Wette zu ballen. Abgesehen von dem Stipendium dürfen sie keine Geld- oder Sachgeschenke annehmen, die irgendetwas mit Sport zu tun haben. Keine Agenten treffen. Mit keinem Club über irgendeine Vorabsprache verhandeln. Sie sind die modernen Galeerensklaven eines Systems, das ihnen nur eine Chance ließe: ein Jahr aussetzen oder nach Europa gehen und dort spielen. Das jedoch kommt aus Vermarktungsgründen nur für die wenigstens in Frage. Sie wollen sich schließlich exponieren. Wie gesagt: Collegesport genießt eine enorme Beachtung.
Natürlich kann man den meisten selbstbewussten 18jährigen nicht einfach sagen, wo's lang geht. Regeln hin oder her. Und so wagten wir schon vor einem Jahr, als jene Geschichte über Mayo bekannt wurde, eine Prognose: "O. J. Mayo, das vielgepriesene Basketballtalent, das soeben seine High-School-Karriere beendete, und sein guter Freund, der den Kontakt zu Tim Floyd und USC in Los Angeles strickte, könnten gemeinsam noch in einen tiefen Topf Tinte geraten.") Heute stehen wir am Rand des Tintentopfes und weisen auf den neuesten Stand hin (besonders in den Kommentaren wird eine ganze Menge Müll hochgespielt, von dem niemand weiß, ob er stimmt),
Für Mayo bleibt die Sachlage ziemlich schlicht. Ihn kann die Aufsicht von der NCAA nicht belangen, auch wenn er gegen die Regeln verstoßen haben sollte. Denn er wird sicher in der ersten Draft-Runde von einem notleidenden NBA-Club verpflichtet. Ganz anders sieht es mit der Universität aus. Und wo wir schon dabei sind: Das ganze System gehört in Frage gestellt. David Stern, der als einer der Hauptschuldigen zu betrachten ist, sieht sich allerdings nicht in der Verantwortung. Er hat bereits eine neue Idee: Das Mindestalter auf 20 hochzuschrauben.
Labels:
Basketball,
College-Sport,
David Stern,
NBA,
O. J. Mayo,
USC
15. Mai 2008
Müllabfuhr beim Giro
Wenn die Kette abspringt, hat man nicht immer Zeit für eine ordentliche Reparatur. Weshalb David Millar beim Giro d'Italia gleich das ganze Arbeitsgerät entsorgte - mit einem kräftigen Wurf über die Bande.
via With Leather und FanIQ
via With Leather und FanIQ
Labels:
David Millar,
Giro d'Italia,
Radrennen,
Video
Kotau vor Kahn
Einem dankenswerten Hinweis von nolookpass folgend, habe ich gerade die beiden empfohlenen Texte von Henning Sussebach gelesen. Bei denen handelt es sich rein vordergründig um zwei sehr bemerkenswerte Versuche, die Seelenlandschaft eines Torwarts zu vermessen. Tatsächlich, so stellt sich heraus, offenbart die Arbeit von Sussebach etwas sehr viel Interessanteres: Den Stand der Dinge im Verhältnis deutscher Printmedien zu Interviewpartnern von einem gewissen gesellschaftlichen Kaliber. Sie haben Angst. Sie knicken ein. Sie machen sich zu Handlangern einer Propaganda-Industrie, die ohne ihre liebedienerischen Bemühungen gar nicht existieren würde. Sussebach hat damals noch ganz gut beackert, das aufgepfropfte Dilemma, für das er nichts konnte. "Jede Zeile ist mit dem Rechtsanwalt der ZEIT abgestimmt", schrieb er, ehe er uns ein Interview präsentierte, das nur seine Fragen publizierte. Das Drucken der Antworten hatte sich Oliver Kahn verbeten.
In welchem Gesetz in Deutschland steht eigentlich, dass ein Gesprächspartner das Recht hat, die Aufzeichnungen eines Medienarbeiters vor Veröffentlichung gegenzulesen? Gegebenfalls zu verändern? Oder gar rechtsverbindlich zu erklären: "Ja, doch, es sei so geredet worden, wie es nun aufgeschrieben sei, alles authentisch, nur dürfe das niemand lesen. Nicht vor seinem Karriereende, das müsse man verstehen"?
Man muss vielleicht mal darauf aufmerksam machen, dass es so etwas in Ländern wie den USA oder Großbritannien nicht gibt. Dieses Abstimmen und Autorisieren von Gesprächen im Print-Journalismus. Gesagt ist gesagt. Man teilt schon mal hin und wieder ein paar Sätze und Gedanken "off the record" mit und kann und darf erwarten, dass der Journalist das nicht verwendet. Man bekommt manchmal Informationen auch nur "on background" oder "deep backgrund". Aber das heißt nur, dass man im Falle des Zitierens die redende Person so verschleiern muss, dass niemand die wahre Identität erkennen kann. Das Protokoll eines kompletten Gesprächs blockiert niemand. Buyer's remorse geht auf die Kappe des Befragten nicht auf Kosten der Leser einer Publikation, deren verdammte Aufgabe es sein sollte, das aufgesetzte Antlitz eines Selbstdarstellers abzuarbeiten und dahinter zu schauen.
Es geht bei diesem Thema gar nicht um diesen Einzelfall, zumal Sussebach nach Kräften Öffentlichkeit hergestellt und den Fall, so gut es ging, transparent gemacht hat. Tatsächlich häufen sich die Eingriffe wie man an Diskussionen in Medienblogs wie dem von Stefan Niggemeier erkennen kann. Hier ein anderes Beispiel im Nachklang eines spektakulären Interviewfalls: Reporter interviewt Geiselnehmer per Telefon in der Bank. Kuriosität am Rande: Der Reporter selbst will hinterher sein Gespräch mit einem Medienvertreter nicht autorisieren, während er vermutlich den Geiselnehmer nie um so etwas gebeten hätte.
Die Meinungsbeiträge auf dieser Seite der Akademie für Publizistik in Hamburg zeigen, wie weit die Kotau-Gesellschaft vorangeschritten ist. Große hohle Worte wie Medien-Ethik flattern da herum, um ein Verhalten zu rechtfertigen, dass in der Konsequenz die Grundsätze der Medienarbeit aushöhlt. Eine der merkwürdigsten Gedankenansätze zu diesem Thema ist die Behauptung von Bernhard Debatin, es gebe ein "Gebot der Autorisierung von Interviews (Pressekodex Ziffer 2)". Den Pressekodex, aufgestellt vom Presserat, kann jeder selber nachlesen. Da steht das blanke Gegenteil: "Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben. Ihr Sinn darf durch Bearbeitung, Überschrift oder Bildbeschriftung weder entstellt noch verfälscht werden." Sie werden aber entstellt und verfälscht, wenn Gesprächspartner hinterher entscheiden können, ob ihre Aussagen veröffentlicht werden dürfen oder nicht. Mit anderen Worten: Wem etwas an der Wahrheit liegt, der lässt keine Interviews autorisieren. Woraus sich zwingend ergibt, dass er nicht vorher sein Recht auf freie Berichterstattung freiwillig aufgibt und vorab einer Autorisierung zustimmt. Mehr dazu in den Richtlinien.
Wer jetzt noch Lust auf das zweite, aktuelle Stück von Sussebach verspürt, sollte es ebenfalls lesen. Und vielleicht auch mal mit dem ersten vergleichen. Und überlegen, wieviel Aufwand ein Autor treiben muss, der einst an die Kandarre genommen wurde, um am Ende einen so uninteressanten Menschen wie Oliver Kahn zu porträtieren. Und was unterm Strich herauskommt. "Aber die Leere, die dann kommt, die muss ich aushalten lernen.", hatte der Torwart über die Zeit nach dem Ende seiner Karriere gesagt. Zapperlot, wie tief.
In welchem Gesetz in Deutschland steht eigentlich, dass ein Gesprächspartner das Recht hat, die Aufzeichnungen eines Medienarbeiters vor Veröffentlichung gegenzulesen? Gegebenfalls zu verändern? Oder gar rechtsverbindlich zu erklären: "Ja, doch, es sei so geredet worden, wie es nun aufgeschrieben sei, alles authentisch, nur dürfe das niemand lesen. Nicht vor seinem Karriereende, das müsse man verstehen"?
Man muss vielleicht mal darauf aufmerksam machen, dass es so etwas in Ländern wie den USA oder Großbritannien nicht gibt. Dieses Abstimmen und Autorisieren von Gesprächen im Print-Journalismus. Gesagt ist gesagt. Man teilt schon mal hin und wieder ein paar Sätze und Gedanken "off the record" mit und kann und darf erwarten, dass der Journalist das nicht verwendet. Man bekommt manchmal Informationen auch nur "on background" oder "deep backgrund". Aber das heißt nur, dass man im Falle des Zitierens die redende Person so verschleiern muss, dass niemand die wahre Identität erkennen kann. Das Protokoll eines kompletten Gesprächs blockiert niemand. Buyer's remorse geht auf die Kappe des Befragten nicht auf Kosten der Leser einer Publikation, deren verdammte Aufgabe es sein sollte, das aufgesetzte Antlitz eines Selbstdarstellers abzuarbeiten und dahinter zu schauen.
Es geht bei diesem Thema gar nicht um diesen Einzelfall, zumal Sussebach nach Kräften Öffentlichkeit hergestellt und den Fall, so gut es ging, transparent gemacht hat. Tatsächlich häufen sich die Eingriffe wie man an Diskussionen in Medienblogs wie dem von Stefan Niggemeier erkennen kann. Hier ein anderes Beispiel im Nachklang eines spektakulären Interviewfalls: Reporter interviewt Geiselnehmer per Telefon in der Bank. Kuriosität am Rande: Der Reporter selbst will hinterher sein Gespräch mit einem Medienvertreter nicht autorisieren, während er vermutlich den Geiselnehmer nie um so etwas gebeten hätte.
Die Meinungsbeiträge auf dieser Seite der Akademie für Publizistik in Hamburg zeigen, wie weit die Kotau-Gesellschaft vorangeschritten ist. Große hohle Worte wie Medien-Ethik flattern da herum, um ein Verhalten zu rechtfertigen, dass in der Konsequenz die Grundsätze der Medienarbeit aushöhlt. Eine der merkwürdigsten Gedankenansätze zu diesem Thema ist die Behauptung von Bernhard Debatin, es gebe ein "Gebot der Autorisierung von Interviews (Pressekodex Ziffer 2)". Den Pressekodex, aufgestellt vom Presserat, kann jeder selber nachlesen. Da steht das blanke Gegenteil: "Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben. Ihr Sinn darf durch Bearbeitung, Überschrift oder Bildbeschriftung weder entstellt noch verfälscht werden." Sie werden aber entstellt und verfälscht, wenn Gesprächspartner hinterher entscheiden können, ob ihre Aussagen veröffentlicht werden dürfen oder nicht. Mit anderen Worten: Wem etwas an der Wahrheit liegt, der lässt keine Interviews autorisieren. Woraus sich zwingend ergibt, dass er nicht vorher sein Recht auf freie Berichterstattung freiwillig aufgibt und vorab einer Autorisierung zustimmt. Mehr dazu in den Richtlinien.
Wer jetzt noch Lust auf das zweite, aktuelle Stück von Sussebach verspürt, sollte es ebenfalls lesen. Und vielleicht auch mal mit dem ersten vergleichen. Und überlegen, wieviel Aufwand ein Autor treiben muss, der einst an die Kandarre genommen wurde, um am Ende einen so uninteressanten Menschen wie Oliver Kahn zu porträtieren. Und was unterm Strich herauskommt. "Aber die Leere, die dann kommt, die muss ich aushalten lernen.", hatte der Torwart über die Zeit nach dem Ende seiner Karriere gesagt. Zapperlot, wie tief.
Labels:
Autorisierung,
Die Zeit,
Interview,
Medien,
Oliver Kahn
Das Grußwort des Monats
Mit diesen Worten endet auf spox.com am 13. Mai ein Beitrag über den neuen Trainer der Miami Heat.
"Miami grüßt Herten. Was für eine Geschichte."
Danke für die Reminiszenz. Die Geschichte stand am 29. April übrigens bereits hier.
"Miami grüßt Herten. Was für eine Geschichte."
Danke für die Reminiszenz. Die Geschichte stand am 29. April übrigens bereits hier.
Labels:
Basketball,
Erik Spoelstra,
Miami Heat,
NBA,
spox
Vom Hunger in Dallas
Diese Anekdote hat Nowitzki am Mittwoch erzählt. Und er klang dabei sehr zufrieden. So als ob er die Zeit mit Avery Johnson bereits abgehakt hat. Die Journalisten haben ihn dann noch gelockt, diesen Johnson ("Die Kommunikation mit den einzelnen Spielern – das hat Avery ein wenig gefehlt") noch etwas krasser zu zeichnen. Aber er ging darauf nicht ein.
Später am Abend saß der von seinem Amt enthobene "kleine General" steif auf einem Stuhl im Studio in Atlanta, wo die Crew des Kabelsenders TNT die Playoff-Übertragungen anmoderierte und analysierte. Das ist einfach sein Stil, mit dem er sich für die frei gewordenen Trainerposten in der NBA bewirbt: Am liebsten über irgendwelche statistischen Auffälligkeiten reden und andeuten, wie hellseherisch man ist, wenn man den Zahlensalat durchharkt und sagt: "Hier fehlt noch eine Vinaigrette."
Nachdem die Chicago Bulls den Coach nicht bekommen haben, den sie wollten und das auch noch mit öffentlichem Jammer seitens des Club-Besitzers sehr laut bestätigt haben, würde Johnson in Chicago übrigens nur noch wie die zweite Wahl wirken und nicht wie der Retter eines Kaders im Chaos. Obendrein zahlt Jerry Reinsdorf eher niedrige Preise. Weshalb es sehr viel wahrscheinlicher ist, dass Avery ein Jahr aussetzt. Wir könnten alle eine Pause von diesem Mann gebrauchen.
Labels:
Avery Johnson,
Basketball,
Dallas Mavericks,
Dirk Nowitzki,
NBA,
Rick Carlisle
14. Mai 2008
Konzentration aufs Wesentliche: Sport als Spiel der Despoten
Gäbe es nicht diese Tageszeitungskrise, die zum Abbau von Arbeitsplätzen für Journalisten führt und zu ausgedünnten Blättern mit abnehmendem Profil, könnte man mit den Achseln zucken, wenn jemand wie die Familie Dolan eine Zeitung kauft. (Zu Dolan: der Blog-Beitrag hier unter der Überschrift "Der Patient ist krank"). Aber wenn man diese Geschichte in der New York Times liest, denkt man eher an Orwell und daran, wie sich die Transaktion unter anderem auf die Sportberichterstattung auswirken kann.
Überraschend kommt das nicht. Denn das Ganze ist im Prinzip nur eine logische Konsequenz aus einem ungebremsten Konzentrationsprozess, in dessen Rahmen der Sport zur extrem teuren Entertainmentware wurde. Und in dem die Medien, die das Volk über Brot und Spiele auf dem Laufenden halten, von den gleichen Leuten gelenkt werden, denen die Arenen und die Clubs gehören. Am Ende ist dann auch egal, ob sie New York Knicks heißen oder Chicago Cubs, Madison Square Garden oder American Airlines Arena. Ob sie schlecht spielen oder gut. Wichtig ist, dass die Oligarchen ungestört machen können, was sie wollen. Die Arbeit der Despoten hat überall ein anderes Gesicht. Man denke nur an das IOC und seine Anweisung an die Athleten (gefunden im Blog von Jens Weinreich). ihre Rechte auf Rede- und Meinungsfreiheit an der Tür abzugeben (dort, wo es die Akkreditierungen gibt).
Wer diese Uhr zurückdrehen möchte, der träumt.
P.S. Dolans New York Knicks haben einen neuen Trainer. Mike D'Antoni, der in Phoenix diesen grandiosen Schnellst-Basketball kultiviert hat. Der soll zusammen mit dem neuen Manager Donnie Walsh die Spuren und Reste einer verkorksten Ära wegfegen. Ganz so schnell wie die Suns immer gespielt haben, ehe sie Shaqiulle O'Neal holten, wird es wohl nicht gehen. Erst wenn Spieler wie LeBron James und Dwayne Wade auf dem Markt sind und nach New York gelotst werden können, wird die Mannschaft wieder zu einem Faktor in der Liga werden.
Labels:
Basketball,
Medien,
Mike D'Antoni,
New York Knicks
Timing und Takt
Duplizitäten gibt es, das glaubt man gar nicht: An jenem Tag, an dem die Nachricht die Runde macht, dass Annika Sörenstam am Ende der Saison vom aktiven Golfsport zurücktritt, werden Rücktrittsgedanken des amtierenden Präsidenten bekannt. Nein. Nicht von seinem Posten als Kriegsmaschinist mit der tropfenden (Erd)ölkanne in der Hand. Sondern als Golfspieler. Das soll angeblich schon 2003 passiert sein, als er den Eindruck gewann, dass jemand wie er nicht einfach auf dem grünen Rasen herumballern kann, wenn im Irak amerikanische Soldaten sterben. Wie taktvoll. Wir erinnern uns nämlich noch an diese Szene:
(aus dem Michael-Moore-Film Fahrenheit 9/11)
(aus dem Michael-Moore-Film Fahrenheit 9/11)
Labels:
Annika Sörenstam,
George W. Bush,
Golf,
Video
Abonnieren
Posts (Atom)