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15. Juli 2010

Armstrongs Geschichten haben kurze Beine

AVORIAZ, FRANCE - JULY 11: American Lance Armstrong with team RadioShack speaks to the media following the end of stage eight of the Tour de France July 11, 2010 in Avoriaz , France. Armstrong crashed twice and lost 11 minutes to the leading group. The 189 km route through the Alps features two first category climbs from Station Des Rousses to the small alpine town of Morzine Avoriaz. Andy Schleck of Luxembourg from team Saxo Bank won the stage while Australia's Cadel Evans took over the race leader's yellow jersey. The iconic bicycle race will include a total of 20 stages and will cover 3,642km before concluding in Paris on July 25. (Photo by Spencer Platt/Getty Images)
Wenn Leute anfangen müssen, die entscheidenden Kleinigkeiten in ihrem Leben zu vernebeln und wegzudiskutieren, tun sie das oft, weil sie sich in der Vorstufe zu einer schwierigen Lage wähnen. So produziert der Mensch beim Versuch, Dinge zu erklären, die man gar nicht erklären kann, weil sie ganz anders abgelaufen sein müssen, eine fatale Tendenz zum Umgang mit der Wahrheit oder sagen wir besser mit der Wahrhaftigkeit. So wie heute der Anwalt von Lance Armstrong, der in Vertretung seines Mandanten die Glaubwürdigkeitskrise meistern soll, in die der Radfahrer geraten ist.

Armstrong war am Mittwochmorgen vor der zehnten Etappe der Tour de France nach seinen Anteilen an der Radsport-Managementfirma Tailwind gefragt worden, die das US Postal Team aufgezogen hatte, in dem er einst mit Floyd Landis an den Start ging. Und was sagte er in vielen, vielen Worten, die aus seinem Mund immer so farbig und gleichzeitig so eindeutig klingen und so, als ob der Rest der Welt zu doof ist, die Handlungsweise des siebenfachen Tour-Siegers zu verstehen: "Die krasseste Sache ist das Missverständnis, dass ich der Besitzer des Teams war. Das ist komplett falsch. Kein Besitzer, ganz und gar nicht. Es war nicht meine Firma. Ich kann es euch gegenüber nicht klar genug sagen. Ich hatte keine Stelle inne. Ich hatte keinen Anteil. Ich bekam keine Gewinnausschüttung. Ich saß nicht im Vorstand. Ich war ein Fahrer im Team. Klarer kann ich es nicht sagen."

Vielleicht sagt er solche Sachen, weil er denkt, dass der Rest der Welt zu doof ist, seine Einlassungen zu überprüfen. Oder weil er über die Jahre viele Leute in seinem Umfeld eingeschüchtert hat, die Angst bekamen vor dem langen mächtigen Arm seines Einflusses in der Branche. Auch die amerikanischen Medien haben sich lange Zeit als Cheerleader von Armstrong verstanden, weil sie einfach glauben wollten, dass er stets sauber war. Dass die Franzosen einfach nur gehässig waren und ihn zu Fall bringen wollten, weil er Amerikaner ist. Und dass die wenigen Menschen, die den Mut hatten, auszuplaudern, was sie wussten, irgendein niederes Motiv verfolgen. Obwohl sie mit ihren gegen Armstrong gerichteten Aussagen ihre beruflichen Aussichten gefährdeten.

Tempi passati. Es dauerte gestern nicht sehr lange, da hatten die ersten fleißigen Blogger und Reporter die entsprechenden Stellen im Protokoll der Vernehmung von Lance Armstrong in einem Schiedsgerichtsverfahren von 2005 gefunden. In der hatte er unter Eid etwas ganz anderes gesagt. So war also in ein paar Stunden war er und dieser ganze pseudo-puritanische Ernst desavouiert. Und das steht so in vielen Zeitungen. Auf die Frage des gegnerischen Rechtsanwalts, ob er einen Anteil an Tailwind halte, antwortete er damals: "Einen kleinen." Auf die Bitte hin, das zu präzisieren, sagte er: "Vielleicht zehn Prozent." Genaues über den Zeitpunkt seines Geschäftseintritts konnte er nicht mitteilen. Er wirkte so, als ob ihm die Details einer solcher geschäftlichen Beziehung eher wenig interessierten. So hackte der Anwalt nicht weiter darauf herum:
"Wer würde die Antwort wissen, wann Sie einen Anteil an Tailwind erworben haben?", wollte er wissen
Armstrong verwies auf seinen Manager und nannte dessen Namen: "Bill Stapleton."
"Ist das schriftlich dokumentiert? Gibt es einen Anteilsschein oder andere Papiere, die Ihren Anteil an Tailwind bestätigen?"
Armstrong: "Ich bin sicher, dass es das gibt."

Heute nachmittag versuchte Armstrong Anwalt Tim Herman den offensichtlichen und markanten Widerspruch zwischen den beiden Aussagen wegzuerklären. Der Radfahrer habe zwar laut Vorstandsbeschluss aus dem Jahr 2004 einen Anteil erhalten sollen, der wurde aber erst im Dezember 2007 vergeben. Interessant, denn das widerspricht Minimum der Aussage des erwähnten Bob Stapleton aus dem September 2005, der damals in der gleichen Sache vernommen wurde und folgendes erklärte: Armstrong sei einer von zehn oder 15 Tailwind-Partnern. Sein Anteil: 11,5 Prozent. Darauf dass auch diese Aussage unter Eid von damals nicht zur der heutigen Einlassung passt, ging Herman nicht ein. Gleich zwei Leute haben sich damals geirrt? Und war dann auch die Aussage von Stapleton falsch, wonach Tailwind vom Winter/Frühjahr 2003/2004 an von Stapletons Firma Capital Sports & Entertainment gemanaged wurde, an der Armstrong einen beachtlichen Anteil hatte? Auch das wissen wir aus den Protokollen der Vernehmung von 2005. Für die Managementrolle erhielt CSE einen Anteil an Tailwind von 11,5 Prozent.

Ehe wir uns in den Details verlieren, hier noch mal das Ganze vereinfacht: Armstrong bestreitet heute, was er und sein Manager 2005 unter Eid ausgesagt haben. Warum? Weil er gehört hat, dass ihm die ermittelnden Behörden, die die Landis-Vorwürfe ernst nehmen, als Teilhaber einen Anklage wegen Betrug und Verschwörung an die Kappe heften wollen. Also wird bestritten, dass er Teilhaber war. Interessant ist aber auch, mit welcher Nebelkerze sein Anwalt heute gearbeitet hat. Danach soll Armstrong Ende 2007 Anteilseigner von Tailwind geworden sein, obwohl die Firma just zu diesem Zeitpunkt ihre einzige relevante Einnahmequelle einbüßte - das Sponsorengeld des Discovery Channel? Das Discovery Team war schon vorher aufgelöst worden.

Erneut dauerte es nicht lange, bis heute ein amerikanisches Medien-Outlet – NBC Sports – diesen Sachverhalt aufdeckte und damit aufzeigte, dass sich Lance Armstrong beim Bau seiner Kartenhäuser einen schlechten Architekten ausgesucht hat: sich selbst. Der Druck der staatsanwaltlichen Ermittlungen und der ziemlich präzisen Beschuldigungen von Floyd Landis werden nicht weniger, sondern mehr. Eine Firma namens Tailwind Sports Corporation, die in Kalifornien registriert worden war, führte übrigens seit 2002 als Adresse die gleiche Anschrift wie Capital Sports & Entertainment und ein von Armstrong aufgemachter Fahrradladen.

Zur Einordnung: meine Geschichte für die Freitagausgabe der FAZ. Dazu der Hinweis auf ein informatives Interview von Sebastian Moll mit einem amerikanischen Spezialanwalt für dopingbeschuldigte Sportler in der Financial Times.

23. Juli 2009

...und rollt und rollt und rollt

Lance Armstrongs Firma Capital Sports & Entertainment hat am Montag die Domain teamradioshack.com angemeldet und wurde am Donnerstag von einer Nachricht auf espn.com aufgescheucht, die eine rasche offizielle Reaktion erzwang. Dazu gehörte die Stellungnahme des Pedaleurs und das Aufschalten der neuen Website. Der neue Hauptsponsor des dritten amerikanischen Profi-Radteams ist eine Ladenkette, die sich auf den Verkauf von Elektronik, Telefonen und anderen Gadgets spezialisiert hat und der Filialen über ganz Amerika verstreut anzufinden sind. Für die neue Mannschaft will Armstrong nach Angaben der Los Angeles Times auch als Langstreckenläufer und Triathlet antreten.

Sein Wert für einen amerikanischen Sponsor ist weiterhin sehr hoch. So meldete der Fort Worth Star-Telegram, dass seine Teilnahme an der Tour de France die Einschaltquoten des Spartensenders Versus, der die Übertragungsrechte an dem Rennen für die USA besitzt, vom letzten Jahr zu diesem um 88 Prozent gestiegen sind. RadioShack (das ist die offizielle Schreibweise ohne Leerraum zwischen den beiden Wörtern) steckt bereits einen Teil seiner Werbeausgaben ins NASCAR-Geschäft.

9. Juli 2009

Neues vom Velo-Jesus

Es ist sicher unfair darauf hinzuweisen, dass Lance Armstrong einst auch Metastasen im Hirn hatte, die im Rahmen seiner Krebsbehandlung herausoperiert wurden. Denn der Typ war schon vorher ziemlich unerträglich. Außer vielleicht, um darauf hinzuweisen, dass die Ärzte damals eine Form der Metastisierung nicht in den Griff bekommen haben: die langsame, aber unaufhaltsame Transformation zum Velo-Jesus, der alles und jeden instrumentalisiert, um sich zu mehr als nur zu einem Helden der Landstraße aufzubrezeln. Natürlich hat so ein Jesus auch seine Apostel. Die mit dem lautesten Megaphon sind die von Nike. Die verstehen viel vom Zuschnitt von Marketing-Botschaften und der Außendarstellung von Kotzbrocken jeder Preisklasse. Das war einst Teil des gesamten Markenauftritts.

Mit Armstrong kann man allerdings noch einen Schritt weiter gehen. Der Mann hat schließlich einen Verfolgungskomplex allererster Güte und sieht hinter jedem Baum einen Gegner, den es aus dem Weg zu rempeln gilt. Und so kommen Werbespots zustande, die den Eindruck erzeugen, als sei er der einzige Mensch auf der Welt, der wirklich etwas für die Krebsbekämpfung und gegen eine Krankheit tut, deren Ursachen, Auslöser und Mechanismen das wissenschaftliche Establishment auch nach hundert Jahren Forschung nicht versteht. Der einzige, dessen Methoden man nicht kritisch hinterfragen darf. Denn, merke, wer Lance Armstrong angreift, bedroht das Wohlergehen von Millionen....

Dies ist der neueste Werbespot:


Und dies sind Stimmen aus den USA von Leuten, die sich mit den Augen reiben, wenn sie so etwas sehen – hier und hier. Deadspin sieht in dem Werbespot die Arbeitsweise aus der amerikanischen Politik, wo Republikaner seit Jahren einen trickreiche Methode kultivieren und sich als Opfer der Medien, der gesellschaftlichen Elite und anderer Bösewichter darstellen und sich auf Schritt ins Sternenbanner hüllen, um im gleichen Atemzug die wildesten Politikprojekte durchzusetzen oder den Fortschritt zu torpedieren. Das nennt man auf gut Englisch resentment politics. Der Hinweis auf Sarah Palin wirkt allerdings eher daneben. Armstrong wäre auch ohne Dope ein ziemlich guter Radrennfahrer. Sarah Palin ist wirklich nur ein Schwätzer.

17. April 2009

Good bye, Tyler

Wir verabschieden uns von Tyler Hamilton, der angesichts des ihm drohenden Strafmaßes wegen eines zweiten Dopingvergehens seine Karriere als Berufsradfahrer beendet. Diesmal hat er gar nicht solche hanebüchenen Geschichten wie einen damals im Mutterleib neben ihm verstorbenen Zwilling als Ursache für den Befund angegeben. Der verbotene Stoff DHEA befand sich in einem Präparat, das man in den USA ohne Rezept im Laden kaufen kann. Immerhin schönte er seine Geschichte noch etwas in Richtung Mitleidserheischung. Er bezeichnete das Produkt als Anti-Depressivum. Wikipedia weiß genug über die Substanz, um diesen vermeintlichen Wirkmechanismus zu erklären und zeigt gleichzeitig auf, dass man beim IOC solche Einschätzungen nicht weiter wichtig nimmt. DHEA ist ein Prohormon und verboten.

Blick zurück: Die Sache mit dem Zwilling

28. September 2008

Die Aura des Befreiten


Man kann nicht überall sein. Leider. Aber es sieht so aus, als ob unsereins die interessantere Pressekonferenz mit Lance Armstrong diese Woche verpasst hat. Die gehübschte Veranstaltung in New York aus Anlass der Clinton Global Initiative war allerdings sehr viel einfacher zu erreichen. Das bedeutete eine Fahrt, drei Stationen, mit der U-Bahn. Und danach ein Spaziergang durch den Central Park, um das Gehörte zu verdauen und um wenig später über den Auftritt zu berichten. Als Armstrong einen Tag später in Las Vegas saß (siehe Video), war denn auch im Prinzip das meiste schon gesagt und geschrieben. Aber halt: In Nevada bei der Interbike Messe saß niemand anderer als Greg LeMond in der ersten Reihe und stellte gleich die erste Frage.

Es ist ein interessantes Duell, das die beiden da öffentlich ausfechten. Denn LeMond, der einst den amerikanischen Straßenradsport aus dem Dornröschenschlaf geholt und dreimal die Tour de France gewonnen hatte, ist nicht irgendein Dopinggegner. Er ist der Mann, dessen langjähriger Vertrag über die Herstellung von teuren LeMond-Rädern von Radhersteller Trek gekündigt wurde, weil man seine Äußerungen zu Armstrong nicht länger hinnnehmen will. Schon gar nicht, nachdem man ihn schon einmal – 2001 – massiv an die Kandarre genommen und zu einer Entschuldigung genötigt hatte. Die beiden Parteien streiten sich vor Gericht.

LeMond läuft seit seinem Auftritt im Landis-Doping-Verfahren eine Aura des Befreiten herum. Die Taktik der Landis-Leute, die ihn mit Enthüllungen über seine Erfahrungen als sexuell missbrauchtes Kind unter Druck setzen wollten, scheint eher das Gegenteil produziert haben: ihn an sein kämpferisches Ich zu erinnern. Es gibt keine Berichte darüber, weshalb er sein Haus verkauft, in dem er noch vor einem Jahr der Londoner Times das Interview gab. Aber er braucht sicher auch Geld, um diesen Rechtsstreit in Montana zu finanzieren, wo sich in um den Yellowstone Club herum eine hässliche Gemengelage ergeben hat (Bei dem Club handelt es sich um einen Privatberg mit einem Gipfel in 3000 Metern Höhe im Bundesstaat Montana mit allem, was ein typisches amerikanisches Ski-Resort hat: viele Lifte, Pulver ohne Ende, aber alles exklusiv. Greg LeMond hatte sich hier 12 Hektar gekauft und einen Wohnkomplex aus sechs opulenten Holzfäller-Hütten errichten lassen).

Dass Armstrong übrigens so mir nichts dir nichts in Australien im Januar an einem Etappenrennen teilnehmen wird, glauben längst nicht alle. Diese AFP-Meldung streut Zweifel.

25. September 2008

Der Klingelbeutel: Weihnachtsmänner im September

• Gestern hat Lance Armstrong in New York an der Seite von Bill Clinton und anschließend bei einer Pressekonferenz seine Absichten erläutert, noch einmal in den Sattel zu steigen. Man hätte eigentlich über Bono schreiben sollen, der bei der Gelegenheit mal wieder ein richtiges Fass aufgemacht hat, um das Land anzurempeln, in dem man locker mal 700 Milliarden Dollar auftreibt (10.000 Dollar pro Privathaushalt), um die Weihnachtsmänner von Wall Street zu beschenken, aber fast nichts für die Armen im Rest der Welt. Aber die Aufgabenstellung war eine andere: Es ging darum, über den Auftritt des Sportlers zu berichten.

• Die Entwicklung Richtung Internet im amerikanischen Livesport schreitet voran. USA Today beschäftigt sich mit der Entwicklung in Sachen Streams in der National Football League und der National Hockey League.

• Stephon Marbury tut so, als könne er nicht nur den Knicks noch viel Gutes tun, sondern dem ganzen Planeten. Von den 22 Millionen Dollar, die ihm für die kommende Saison laut Vertrag zustehen, wird er natürlich auch nichts abgeben. Selbst wenn er auf den Bank versauert. Er sollte mal mit Allen Iverson reden, den in der klaren, kühlen Höhenluft am Fuß der Rocky Mountains eine Vision erreicht hat, die nichts anderes sagt als: Basketballer sind ersetzlich. Selbst solche, die ohne jeden Selbstzweifel durchs Leben gehen.

9. September 2008

Auch Enten werfen Schatten

Manchmal sieht man erst nur einen langen Schatten und erst danach kommt die ganze Person in den Blick. So wie gestern im Fall von Lance Armstrong. Sein Schatten ist riesig und verfügt über die magische Kraft, ganze Heerscharen von Reportern an die Computer zu treiben. Aber von ihm selbst haben wir noch immer nichts gesehen oder auch nur gehört. Also warten wir auf eine Antwort auf die Frage, die auf das von VeloNews in die Welt gesetzte Gerücht zurückgeht: Kehrt er im kommenden Jahr mit 37 tatsächlich zurück ins Renngeschäft? Oder handelt es sich hier um eine Ente (auch Enten werfen Schatten)? Den Zwischenstand beschreibt dieser Bericht für die FAZ. Es folgt mehr, sobald es – wirklich – Neues gibt.

Nachtrag: Es gibt Neues. Das Comeback ist beschlossene Sache.

28. Juli 2008

Hand am Trikot

Ein amerikanischer Blog hat ein Foto von der Tour de France aufgespürt, das die Frage aufwirft: Was machen der Hollywood-Schauspieler Michael Douglas und Pat Riley, der Coach und Manager der Miami Heat, in Frankreich mit einem Gelben Trikot in der Hand? Brauchen die Radsportler neuerdings Promis aus den USA bei ihren Siegerehrungen, damit der Rest der Welt noch hinschaut? Die beiden hatten es übrigens sehr bequem. Sie wurden mit einem Hubschrauber zum Ziel nach Alpe d'Huez gebracht und auf die gleiche Weise wieder abtransportiert. Wir erwarten als Nächstes ihren Auftritt in Peking. Irgendien Financier für solche Ausflüge muss sich doch auftreiben lassen.

30. Juni 2008

Landis und ein Ende is'

Klappe zu. CAS hat gesprochen. Floyd Landis hat gedopt. Das Labor hat akzeptabel gearbeitet. Die Versuche seiner Anwälte, die Arbeit der Dopingfahnder zu diskreditieren, verdienen was auf die Augen. Wir sehen uns wieder im Januar 2009, wenn die zweijährige Sperre des Amerikaners ausläuft und er zum ersten Mal seine schon nicht mehr ganz neue, künstliche Hüfte unter Wettkampfbedingungen testen kann. Wir haben das Thema so ausgiebig durchgekaut, dass die pauschale Empfehlung an alle, die es nacharbeiten wollen, lautet: Es möge die Versatzstücke aus dem American-Arena-Archiv nachlesen, wer noch immer nicht genug hat. Von Landis.

27. Juni 2008

Höher, schneller, härter

Die Wissenschafter beim amerikanischen Pharmakonzern Pfizer haben vor langer Zeit eher zufällig herausgefunden, dass der Wirkstoff, den sie eigentlich Herzpatienten verabreichen wollten, ganz vielen Männern mit Potenzproblemen hilft. Sie nannten das Produkt Viagra und gingen in die Werbung. Seitdem bekommen wir alle mehr Spam und probieren Athleten aus, ob es ihnen ihre Wettkampfleistung steigern kann. Es gibt erste Untersuchungen, die andeuten, dass zum Beispiel Radrennfahrer mit Hilfe dieser Droge mehr aus sich herausholen können (was aber noch nicht erklärt, wie Lance Armstrong an Frauen wie Sheryl Crow und Kate Hudson kommt). So viel steht fest: Der Stoff steht nicht auf der Dopingliste.

15. Mai 2008

Müllabfuhr beim Giro

Wenn die Kette abspringt, hat man nicht immer Zeit für eine ordentliche Reparatur. Weshalb David Millar beim Giro d'Italia gleich das ganze Arbeitsgerät entsorgte - mit einem kräftigen Wurf über die Bande.

via With Leather und FanIQ

8. März 2008

Apotheose einer kranken Sportart

Ein Maler, der sich für den Radsport interessiert und deshalb die Helden der Landstraße auf die Leinwand bannt, muss nicht unbedingt ein Auge für die Legitimität ihres Schaffens haben. Allerdings taucht die Frage womöglich dann später trotzdem auf. Sagen wir mal dann, wenn es ums Verkaufen der Bilder geht. Oder anders formuliert: Wer bezahlt wirklich 1600 Dollar für ein Gemälde wie dieses, das einen als Dopingsünder überführten und gesperrten Radprofi zeigt? Ein Maler namens Steve Dennis aus Brooklyn, der seine Bemühungen auf der Webseite www.velopaint.com präsentiert, scheint das zumindest zu hoffen. Erst recht, nachdem die Blogger-Firma Gawkermedia ihn im Rahmen einer Goodwill-Aktion als Hätschelfall eingestuft hat und nun dafür sorgt, dass einem 'Kessler' (die Anführungsstriche sind vom Künstler persönlich) im alten Magenta-Trikot immer wieder von den Seiten der Firma entgegenbrüllt. Lang soll er leben, der 'Kessler', genagelt an irgendeine Wand, hoffentlich unverkäuflich, die eingefrorene, kunstgewordene Apotheose einer kranken Sportart, in der offensichtlich alles ging, solange niemand genau hingeschaut hat. Steve Dennis betrachtet seine Arbeit als Versuch, "den Geist, die Emotion und die Essenz des Radsports einzufangen". Wir sehen das ziemlich anders. Solange jemand nicht auch die Werkzeuge und die Helfershelfer der Doper widerspiegelt, hat er die Essenz des Radsports nicht verstanden. Und die von 'Kessler' auch nicht.

20. September 2007

Landis und ein Ende is: Es war Doping, sagt das Schiedsgericht

Floyd Landis hat das Schiedsgerichtsverfahren verloren, das die amerikanische Anti-Dopingagentur gegen ihn im letzten Jahr angestrengt hatte, nachdem er bei der Tour de France 2006 mit synthetischen Testosteron im Urin aufgefallen war. Landis hatte die Rundfahrt im Schweizer Phonak-Team auf dem Papier gewonnen, wird nun aber den Titel und die damit verbundenen Einnahmen verlieren. Die anstehende automatische zweijährige Sperre läuft rückwirkend ab 30. Januar 2007. Landis hat sich selbst noch nicht geäußert. Es wäre aber eine Überaschung, wenn er nicht in die Berufung geht. Die Appellations-Instanz (CAS) sitzt im schweizerischen Lausanne. Das dreiköpfige Gremium mit zwei Kanadiern und einem Amerikaner hatte 2:1 entschieden, dass trotz gewisser Schlampereien im Labor in Frankreich die Analyse-Resultate nicht anfechtbar sind.
Blick zurück: Das Link zu der Übersicht aller Landis-Beiträge in American Arena
Blick zurück: Highlights der Berichterstattung mit Infos über den deutschen Professor, die deutsche Ärztin, die Stimmung im Gerichtssaal von Malibu, den amerikanischen Teamsponsor, der sich nach dem Bekanntwerden der Affäre zurückzog, über Landis an der Tour 2006 (in der FAZ). Da ist im Laufe der Monate eine Menge zusammengekommen.

27. Juli 2007

Die Pest in Zeiten der Cholera

Es hat eine Weile gedauert, bis ich vom Standort New York aus herausfiltern konnte, wo und wie in Deutschland ein erheblicher Teil der Sportnachrichten fürs Internet produziert wird. Selbst Wochenmagazine wie Sport-Bild und andere namhafte Zeitschriften produzieren nicht selbst, sondern lassen sich von einem Dienstleister beliefern, der redaktionell völlig unabhängig arbeitet. Er heißt IMG GmbH und nennt sein Nachrichtenstandbein sportal.

Das Wort "unabhängig" muss man in diesem Fall mit Vorsicht in den Mund nehmen. Erstens handelt es sich bei sportal um einen Ableger der zur Zeit noch größten Sportagentur der Welt. Deren Umgang mit den Nachrichten darf man bis zum Beweis des Gegenteils vor allem bei Agenturkunden wie Tiger Woods, Roger Federer, Maria Scharapowa von vornherein als positiv gefärbt einstufen. Dazu kommt, dass dieser Ableger, obwohl im Prinzip journalistisch aufgestellt, ganz offensichtlich keine Scheu vor der Zusammenarbeit mit Vermarktern hat und für gute Kunden jeder Zeit schöne "crossmediale Kommunikationskonzepte" aus der Schublade ziehen kann. Wen man bei IMG alles im Koffer hat, kann man auf dieser Seite lesen. Das journalistische Credo auf dieser Seite:
"Im Mittelpunkt steht dabei die Recherche und das Verfassen von Artikeln der gesamten journalistischen Bandbreite. Inhalte können auf Kundenwunsch individualisiert werden."
Welche Konsequenzen diese Haltung auf die Berichterstattung über die Bundesliga, Formel 1 und andere in Deutschland populären Sportbereiche hat, kann man von New York aus kaum nachvollziehen. Aus dem Blickwinkel des amerikanischen Sports waren die Stichproben ganz und gar nicht ermutigend. Das jüngste Beispiel für die ideologische Verfärbung und den Standpunkt sind die Beiträge zur Tour de France, aus denen eine journalistisch verbrämte, aber im Grunde zynische Haltung spricht. Attackiert werden nicht die Betrüger und ein wirtschaftliches System aus Vermarktern und Sponsoren, die derzeit gemeinsam eine ganze Sportart ruinieren, sondern am liebsten die Überbringer der schlechten Nachrichten - also die Konkurrenz von sportal:
"Macht sportliche Berichterstattung überhaupt noch Sinn? Ja! Die Tour de France ist und bleibt eines der faszinierendsten Events der Welt. Perfekte Organisation, wunderschöne Landschaften, vielfältige Herausforderungen und drei Wochen Spannung. Was will man mehr?" (4.7.2007)
"Viele deutsche Medien wollen nur noch über Doping berichten." (16.7.2007)
"Ebenso kann man jetzt feststellen, dass die Medien, die am begeistertsten den Radsportboom in Deutschland mitgefeiert haben, sich nun am schärfsten davon distanzieren....Dabei ist das Dopingproblem im Radsport nicht neu." (19.7.2007)
Und wenn dann mal die tiefschürfende Analyse zum Thema ansteht (man kann das schließlich angesichts dieser Tour de Farce mit ihren ständigen Doping-News nicht vom Tisch wischen) dann kommt folgendes dabei heraus: ein Wehklagen darüber, dass sich die Fahrer wie Konkurrenten verhalten, statt sich solidarisch gegen die Epidemie zu stemmen. Dass sich die Verbände und Organisationen nicht einig sind. und dass die Medien "inzwischen viel mehr Interesse an Skandalgeschichten" haben als daran, "wie es dem Radsport geht", muss natürlich auch an dieser Stelle noch einmal angebracht werden. Aber das scheint nicht das Hauptproblem, sondern dies: Es fehle "eine zuständige Stelle", die sagt, wo's lang geht. "Niemand übernimmt Verantwortung für den Sport und sein Ansehen."

Auf die Idee, dass erst das konsequente kritische Verhalten der Medien für jenen Druck sorgt, den man braucht, um die Indolenz der Unbelehrbaren im Radsport niederzuringen, ist man bei sportal bislang noch nicht gekommen. Dass ausgerechnet die diffamierten Medien die einzige verbleibende "zuständige Stelle" sind, der noch so etwas wie "Verantwortung für den Sport" anzumerken ist, mag man wohl nicht wahrhaben. Das erfordert ein Maß an Selbstreflektion, für das Angestellte von IMG im Zeitalter der "crossmedialen Kommunikationskonzepte" nicht bezahlt werden. Pest in Zeiten der Cholera.

25. Juli 2007

Auf die konsequente Tour: Schweizer Zeitung hakt Frankreich-Rundfahrt ab

Ein Silberstreif am Horizont der Sportberichterstattung: Der Züricher Tages-Anzeiger vollzieht als erstes deutschsprachiges Printprodukt nach der Berliner Zeitung den einzig konsequenten Schritt im Umgang mit der Tour de France. Das Blatt verzichtet darauf, wie Chefredaktor Peter Hartmeier heute schrieb, "den Rennverlauf der verbleibenden Etappen der Tour im Einzelnen zu rapportieren. Wir beschränken uns auf die Rangliste." Der Boykott betrifft nicht die Dopingaspekte. Die werden weiterhin abgehandelt. Die Entscheidung kam überraschend und fand ob ihrer expliziten Natur sogar in amerikanischen Meldungen ihren Niederschlag. (Disclaimer: Artikel von mir erscheinen seit mehr als zehn Jahren im Sportressort des Tages-Anzeiger).

1. Juli 2007

Landis: Warten auf den Schiedsspruch

Wir warten schon seit ein paar Wochen auf das Urteil des Schiedsgerichts in Sachen Doping und Floyd Landis. Aber während wir Däumchen drehen, ist Floyd wenigstens fleißig. Zuletzt wurde er in seiner Heimatregion in Pennsylvania erspäht, wo er sein neues Buch mit persönlichen Auftritten in Buchläden bewirbt. Der Mann braucht schließlich noch immer Geld, um die extravaganten Prozesskosten zu finanzieren (und die Reisen durchs Land, um das Geld aufzutreiben). Er findet zwar keine Top-Medienvertreter in den USA mehr, die sich seine ellenlange Geschichte anhören wollen. Aber es gibt ja noch andere, die in die Harfe greifen wollen. Und so entstehen dann so umfängliche, unkritische neue Texte wie dieser, in denen nicht die Spur von den ständig zunehmenden Geständnissen und Enthüllungen aus Deutschland die Rede ist, die beweisen, dass jede Menge Leute im Radsport gedopt waren, die nie erwischt wurden. Da kann einer wie Landis behaupten, dass er das Opfer irgendwelcher Machenschaften ist und dass er 10 Millionen Dollar Einnahmeeinbuße verzeichnet hat, weil er nicht fahren darf. Und niemand fragt auch nur nach und will wissen: Sag mal, Floyd, um dich herum bricht gerade ein Radsportkartenhaus zusammen, von dem sich potenzielle Sponsoren mit Schrecken abwenden. Und du willst behaupten, da seien für Leute wie dich noch Millionen mitzunehmen? Da wird in einer Woche eine Tour de France auf die Reise gehen, deren Version des Jahres 2007 man als den Anfang vom Ende einer großen Sporttradition ansehen muss. Dieses Rennen wird bald nicht länger die Alpen hoch gehen, sondern den Bach runter. Und da stellst du den Anspruch in den Raum, da sei doch nichts gewesen (außer einer behaupteten Vendetta gegen amerikanische Radrennfahrer wie Lance Armstrong und dich)? Das Buch trägt übrigens den Titel: Positively False: The Real Story of How I Won the Tour de France. Keine Ahnung, wie lange der Verlag an dieser Zeile gebastelt hat. Die Ironie an der Wortwahl muss ihm entgangen sein. Der Titel sagt beim genauen Lesen nämlich nichts anderes, als dass seine "wahre Geschichte" schlichtweg falsch ist. Und das hatten wir schon immer vermutet.
Blick zurück: Beim Ende der Beweisaufnahme vor Wochen war bereits klar: Das dauert:

24. Mai 2007

Doping-Tsunami brandet an...als leichtes Geplätscher

Der Rest der Welt ist heute endlich aufgewacht und hat den Doping-Tsunami in Deutschland zur Kenntnis genommen. Auslöser war eine AP-Meldung und eine Reuters-Nachricht mit den Namen Zabel und Aldag und einem Verweis auf die beiden Freiburger Ärzte. Für eine Beurteilung darüber, wie die amerikanischen Medien etwa die Geständnisse einordnen, ist es noch zu früh. Vor allem, weil da mal wieder die alten Kameraden Unkenntnis, Ignoranz und Desinteresse aufeinandertreffen. Bis die ihren Platz am Tisch räumen, wird noch etwas Zeit vergehen. Leider.

Die Crux ist wirklich kaum zu erklären und doch typisch Medienalltag (und gilt so auch für andere Länder): Wenn kein Amerikaner unmittelbar verwickelt ist, muss die Geschichte extrem spektakulär sein, sonst wird kaum berichtet. Es tut nichts zur Sache, dass man in diesen Tagen in Deutschland einen weiteren mächtigen Mosaikstein inspizieren kann (mehr Fahrer, Betreuer, Ärzte qua Selbstanzeige entlarvt als Mitglieder einer organisierten mafiösen Bewegung, die eine ganze Sportart unterwandert hat), um sich mit dem langjährigen Lügengebäude des internationalen Radsports zu beschäftigen und um die üblen Attacken von erwischten Sportlern Richtung Wada, Usada, Richard Pound und andere Ritter der ehrenwerten Tafelrunde zu entlarven. Nein, hier in Amerika seziert man lieber phasenklein den Fall Landis - und zwar geistig auf dem Stand vom Anfang der neunziger Jahre - wo man wirklich noch so tun konnte, als sei Doping die absolute Ausnahme. Hier in Amerika tut man noch immer so, als wäre die gute alte Unschuldsvermutung im juristischen Neuland "Sportbetrug" eine Heilige Kuh und dürfe nicht angetastet werden. Und alles nur, weil die Tests nicht gut und genau genug sind und in den Labors ein paar Schlamper sitzen, die nicht peinlich genau arbeiten.

Demnächst - hoffentlich - mehr. Wenn amerikanische Reporter mal richtig rangehen, sind sie ziemlich ergiebig und gut.

16. Mai 2007

Wie auf Montage: Der undankbare Job, die Landis-Affäre zusammenzustückeln

Wir werden uns ab heute die Mühe machen und ein Bild zusammensetzen. Ein Bild von der Landis-Doping-Affäre, die seit heute morgen Ortszeit in der Pepperdine Universität im kalifornischen Malibu (Bild rechts) von den Vertretern der USADA aus ihren Einzelteilen in einer Collage zusammenmontiert wird. Und von den Anwälten des amerikanischen Radfahrers sicher ganz konsequent auseinandergenommen wird. Wer also am Ende noch einen Überblick oder gar einen Durchblick haben will, muss wohl in der Lage sein, sehr viele Stücke zusammenzumontieren.

Hier Auszüge aus dem Bericht, der am Mittwoch in der Printausgabe der FAZ erscheint:
"Es gibt Augenblicke im Leben eines Athleten, die geben auf den ersten Blick optisch nicht viel her. Aber Mütter denken oft anders. Und so stand Arlene Landis am Montagmorgen von ihrem Platz in der ersten Zuschauerreihe auf und knipste ein Erinnerungsfoto. Ihr Sohn kaute Kaugummi und lächelte, ehe das Dopingverfahren der bereits offiziell begann. Und die alte Frau mit dem weißen Kopftuch, das an die strengen Bräuche ihrer mennonitischen Religionsgemeinschaft in Pennsylvania erinnert, lächelte ebenfalls. “Er weiß, dass er unschuldig ist,” sagte sie. “Also gibt es auch nichts, dass einen frustrieren kann.”

Die Szene aus dem fensterlosen Gerichtssaal in der juristischen Fakultät der Pepperdine University in Malibu wird sich in den nächsten zehn Tagen vermutlich noch häufiger abspielen. Denn der amerikanische Radrennfahrer Floyd Landis hat beschlossen, dass er auf seine Art gegen den Vorwurf der Leistungsmanipulation antreten will: mit einer öffentlichen pauschalen Anklage gegen das ganze System der Dopingkontrolleure, Labore und Schiedsgerichte....

...Floyd Landis kämpft seit neun Monaten gegen den Vorwurf, dass er einen Tag nach einem massiven Leistungseinbruch bei der 17. Etappe der Tour de France mit synthetischem Testosteron gedopt war. Die Entscheidung über die Beweislage werden in den nächsten Tagen drei eigens für dieses Verfahren berufene Schiedsmänner treffen, die nach den Regeln der American Arbitration Association agieren, einer Institution, die sich um viele Streitfälle im amerikanischen Geschäftsalltag kümmert. Eigentlich sind sie die Hauptpersonen: die beiden kanadischen Rechtsanwälte Richard McLaren und Patrice Brunet und der ehemalige Ringer Chris Campbell, ein Jurist aus Boston, der im Verfahren gegen Olympiasieger Tyler Hamilton in der gleichen Rolle gewirkt hat und damals als einziger im Gremium für einen Freispruch des amerikanischen Radrennfahrers gestimmt hat.


Aber am liebsten würde wohl Maurice Suh, der das vielköpfige Landis-Team aus Anwälten und Medizinern vertritt, die drei gleich mit anklagen. “Dieser Fall ist eine absolute Katastrophe”, erklärte er, ehe er die vielen angeblichen Fehlleistungen im französischen Labor auflistete, die seinem Mandanten eine mehrjährige Sperre und den Ruf des Sportbetrügers einhandeln könnten....

23. April 2007

Landis und kein Ende is'

Floyd Landis - den Namen hatten wir schon fast vergessen. Jetzt bringt er sich höchstpersönlich wieder in Erinnerung. Mit einer Attacke auf die Franzosen (immer wieder populär in den USA) und auf die US-Anti-Doping-Agentur Usada (das dürfte schon sehr viel weniger Sympathien finden). Der seit vergangenem Sommer von Dopingvorwürfen verfolgte Radrennfahrer fand es gar nicht gut, dass heute die Nachricht durchsickerte, dass die nachträglich gestesteten B-Proben von im letzten Jahr als negativ eingestuften A-Proben Spuren von synthetischem Testosteron aufweisen. Das lässt wohl nur einen Schluss zu: Der Amerikaner, der ursprünglich als Tour-de-France-Sieger über die Champs-Elysée rollte, hat sich offensichtlich mit System gedopt. Was ja auch viel mehr Sinn macht als ein einmaliger Schluck aus der Ampulle am Tag nach dem grotesken Leistungsabfall.

Landis hatte zuletzt eine Amerika-PR-Tour absolviert, auf der seine Berater eine umfassende Strategie zur Diskreditierung der Laborarbeit in Frankreich präsentierten. Danach müsse man davon ausgehen, dass Landis' fragliche Probe mit der von einem anderen Fahrer verwechselt worden sei. Vielleicht sogar mit Absicht... (entweder weil die Franzosen keine Amerikaner leiden können oder weil sie inkompetent sind). Die ganze Reinwaschungskampagne bekam heute mit einem Schlag wieder dicke Flecken ab.

Landis klagte sogleich laut und vernehmlich an (Émile Zola und sein "J'accuse" waren ein Dreck dagegen): Die Usada und das französische Labor hätten bei dem Verfahren mit ihm im Mittelpunkt seine Bürgerrechte verletzt und das Gerechtigkeitsprinzip verspottet. Es habe "absichtliche Verfälschungen von Resultaten" gegeben. In jedem anderen Industriezweig würden solche Fehlleistungen als kriminelle Unterlassungssünden verfolgt. Der 31jährige hatte ausdrücklich den Tests der B-Proben widersprochen.
Blick zurück: Der Hinweis auf 300 Seiten Online-Material und die Links zur Vorgeschichte

24. Februar 2007

Basso-Premiere bei Discovery Channel im Schatten von Leipheimer

Foto: flickr/creativecommons/Jeff Archer

Die Tour of California geht am Sonntag zu Ende. Und zwar programm- und standesgemäß. Der Amerikaner Levi Leipheimer, der im letzten Jahr für Gerolsteiner fuhr und nun bei Discovery Channel unter Vertrag steht, liegt vorne und sollte das einwöchige Etappenrennen gewinnen. Die New York Times meldet, das der Wettbewerb, der mit einem Zeitfahren in San Francisco begann und nach Long Beach außerhalb von Los Angeles führt, mehr als eine Million Zuschauer angelockt hat. Offensichtlich hat sich in Kalifornien der Rennrad-Virus enorm verbreitet, eine Folge der Erfolge von Lance Armstrong in Frankreich. Armstrong ist am Discovery-Channel- Verwicklungen in den noch immer ungeklärten spanischen Dopingskandal umstritten. Obwohl er von den Aufsichtsgremien in Italien einen Persilschein erhielt. Er gilt seit Jahren als guter Freund von Armstrong.Team beteiligt und muss demnächst wieder nach einem neuen Sponsor suchen. Der Fernsehsender hat seinen Abschied vom Radsport bereits angekündigt. Vorher will das Team mit dem Italiener Ivan Basso bei der Tour de France und dem Giro d'Italia möglichst viel Eindruck schinden und Geld einspielen.

Das Rennen wurde von einem Mini-Skandal eingeläutet: Hauptsponsor Amgen, der Hersteller des Dopingmittels EPO fand heraus, dass das während der Erstauflage des Rennens vor einem Jahr nicht auf EPO getestet wurde. Man setzte die Veranstalter unter Druck: "Wir haben klar gemacht, dass Amgen nur dann weiter mitmacht, wenn das Rennen sauber ist und auf EPO getestet wird", sagte eine Firmensprecherin. "Wenn jemand bei dieser Veranstaltung EPO nimmt, wollen wir es wissen."

Das ist wohl das Mindeste. Der zusätzliche Test sorgt zwar für eine Verdopplung des Postens "Laborkosten" - von rund 10 000 auf 20 000 Dollar. Aber er ist immer noch minimal im Vergleich zu dem, was an Preisgeldern an die Fahrer ausgeschüttet wird: mehr als 150 000 Dollar.
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