29. Juni 2010

Ein Zustandsbericht

Wie so oft bei solchen Dingen schleicht sich das ganz langsam ein: das Bedürfnis, nur noch auszuatmen und zu pausieren. Und dass man sich mit anderen Dingen beschäftigen möchte. Irgendwann gibt es keine richtige Erklärung mehr dafür, was einen eigentlich Monate vorher in eine andere Richtung gelockt hat. Und was einen davon abgehalten hat, sich mit der Fortsetzung einer scheinbar unendlichen Geschichte zu beschäftigen. Wahrscheinlich gehen so viele Beziehungen kaputt. With a whimper, not with a bang.

Ich schulde sicher allen Besuchern, Lesern, Feedreader-Abonnenten und Interessenten noch einen Beitrag über diesen Zustand. Auch wenn der nichts Besonderes ist, weil ihn jeder – Blogger oder nicht – irgendwann mal erlebt. Ich wurde daran heute erinnert, weil mich einer dieser sehr geschätzten Leser auf Facebook ganz direkt danach gefragt hat. Ich habe ihm eine kurze Antwort geschrieben, die ich aus diesem Anlass gerne etwas ausführlicher formulieren möchte.

Ausführlich bis zu einem gewissen Punkt. Mein Hauptproblem an diesem besagten Punkt: Ich bin noch immer nicht sicher, was als nächstes anliegt. Und Ungewissheit lähmt.

Ich bin einerseits ein bisschen müde, den täglich durchlaufenden Kram zu verfolgen und dazu immer wieder neue Gedanken abzuliefern. Andererseits liebäugele ich mit einem Neuanfang für American Arena mit einer anderen Domain – americanarena.net – wo ich im Unterschied zum Google-Basis-Programm vom Layout mehr machen könnte (auch was die Kommentare angeht). Ich frage mich, ob ich nicht für eine neue Plattform einfach ambitionierte Mitstreiter rekrutieren sollte, um die Schlagzahl zu erhöhen. Ich bin noch immer unentschlossen, was eventuelle Buchprojekte angeht, die vielleicht auch irgendwie in die Blog-Landschaft passen würden. Ich weiß nur: Ich habe keine Lust, einfach jeden Tag so weiterzumachen wie dereinst.

Es ist eigenartig. Nach mehr als 2000 Beiträgen plus einigen Experimenten in Richtung Video sowie Podcast (in Zusammenarbeit mit sehr talentierten Fußball-Bloggern) empfinde ich zunächst mal nur ein beträchtliches Nichts. Man fühlt sich nicht voll und satt und rundum zufrieden, sondern leer. Das wäre übrigens nicht anders, wenn eine solche Arbeit irgendeinen finanziellen Ertrag abwerfen würde. Obwohl: Ehrlich, natürlich wäre es nicht schlecht, wenn die Online-Arbeit einem die Miete zahlen würde. Denn es wäre ein Beleg dafür, dass man mit seinem publizistischen Angebot einen Gegenwert erzeugen konnte.

Allerdings: Um so weit zu kommen, braucht man tausende von Lesern, ein paar hundert reichen nicht. Und um tausende zu erreichen, muss man sich noch mehr einfallen lassen, und denen etwas bieten, was sie woanders nicht bekommen. Die Installation eines Flattr-Knopfs ist nicht die Lösung.

Nach meinem Eindruck haben die beständig besten deutschen Sport-Blogs vor allem eines gemeinsam: Sie unterscheiden sich deutlich genug voneinander und liefern Kernkompetenz. Ich nenne mal allesaussersport, Indirekter Freistoß, Jens Weinreich und Trainer Baade, um zu illustrieren, was für Türme und Zinnen da inzwischen in der Landschaft stehen und den anspruchsvollen Sportkonsumenten auf der Suche nach hochwertigen Informationen und Meinungen sowie nach Gleichgesinnten als Orientierungspunkte dienen. American Arena hatte selbst in den ergiebigsten Zeiten nie einen solchen Status. Das ist nicht schlimm. Denn New York sorgt automatisch für eine ganz bestimmte Standortprägung. Hier verfolgt man nicht das deutsche Fernsehangebot (und reagiert deshalb auch eher gelassen darauf). Hier liest man nicht den Kicker oder Sportbild. Nicht mal online. Die haben – für Amerika – keine Relevanz.

Unterm Strich ist das sicher ein Nachteil. Allerdings dürfte es auch Vorteile haben, wenn man sich nicht in diesem Strom der konventionellen veröffentlichten Sportinformationen bewegt. Man findet auf diese Weise leichter seine eigene Stimme. Aber man muss als Blogger diese Vorteile in eine Blog-Leistung umsetzen, die Leser interessiert. Tag für Tag. Woche für Woche.

Dazu habe ich im Moment einfach nicht die Energie. Ich werde mir noch ein bisschen Bedenkzeit gönnen. Ich bitte um Verständnis und danke allen ganz herzlich für die Loyalität.

Kommentare:

nedfuller hat gesagt…

Ich hoffe du findest was du suchst. Es wäre schade dein blog zu verlieren!

Viel Erfolg.

Olaf hat gesagt…

Ich hoffe auch, dass es in der American Arena weitergeht - mich haben vor allem immer die Einblicke in den amerikanischen Sport interessiert...

Kid Klappergass hat gesagt…

Wenn die Energie fehlt, tut eine Pause nicht nur gut - sie ist notwendig. Die Gründe für die Pause kann ich nur allzu gut verstehen, aber - und da bin ich Egoist - ich hoffe natürlich, dass es hier - oder an anderer Stelle im Netz - weiter geht. Dieses Blog hat für mich eine Ausnahmestellung. Hier wurde mein Interesse für Sport geweckt, der mir vorher so nah lag wie Frankfurt an New York.

Ich - das sei nur am Rande bemerkt - verbringe nahezu jeden Tag meine knappe Freizeit mit dem Aufschreiben der Geschichte von Eintracht Frankfurt in Form von Spielberichten. Den einen oder anderen Bericht, auf den ich mehrere Stunden oder - mit Recherche - sogar Tage verwendet habe, wird vielleicht kaum gelesen werden. Er ist aber da, falls jemand Informationen sucht. Das ist ein gutes Gefühl. Und ein ebenso gutes Gefühl ist es, dass da draußen tatsächlich eine Handvoll Menschen diese Berichte lesen. Dem Internet sei Dank - früher wären die Berichte in einem privaten Ordner gelandet, der spätestens nach meinem Ableben ziemlich sicher im Papiermüll gelandet wäre.

Und immer wenn ich am Aufgeben bin oder während einer Pause darüber nachdenke, warum und für wen ich diesen Aufwand weiter betreiben soll, und mir viele, viele Leser wünsche, denke ich an die, die sich tatsächlich für mein Geschreibe interessieren und mir ihre Zeit schenken. Und dann bin ich dankbar - für diese Handvoll Leser.

Wenn Goethe im Vorspiel zum "Faust" schreibt, dass man die Masse nur durch Masse zwingen kann, hat er recht. Und, gute Güte, wie^sehr würde ich beispielsweise Randy Newman den Bekanntheitsgrad und die Plattenverkäufe von Michael Jackson oder Madonna wünschen, denn Newman hätte diese Popularität verdient. Aber wenn er sie bekäme, würde er dann noch die Musik machen (können), die mir etwas bedeutet? Die Antwort kann offen bleiben - er wird nie so populär werden, weil das, was er tut, nicht populär ist.

Aber abseits der Popularität ist das, was er macht, von Bedeutung - nur eben nicht für alle oder sehr viele. Und so ähnlich geht es mir mit diesem Blog. Wenn Madonna in diesem Leben keine CD mehr veröffentlicht, wird es mir kaum auffallen, hier aber habe ich seit Monaten neue Einträge vermisst.

Gruß vom Kid

jan hat gesagt…

Juergen, deine Leser brauchen dich !

Jürgen Kalwa hat gesagt…

Herzlichen Dank für die Kommentare. Ich bin wieder auf Sendung gegangen. Mal sehen, wohin die Reise geht.

Herrmann hat gesagt…

Schön, daß Du wieder da bist! Dein Blog war immer mit das Beste, was man im deutschsprachigen Raum zu Ameriacn Sports finden kann.

Rumpler hat gesagt…

Schön, dass Sie wieder schreiben. Ich lese ihre Berichte über Dirk, Tiger & Co hier oder in der FAS immer sehr gerne.

Sascha hat gesagt…

Wünsche Dir alles Gute. Wenn die Reise in Richtung publizieren geht, in welcher Form auch immer, dann freut mich das umso mehr. "American Arena" war ganz großartig, solang es war. Mal schaun...

Anonym hat gesagt…

Schön, dass es hier weiter geht! War eine lange Zeit...