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9. November 2008

Der Klingelbeutel: Patriarch o muerte

• Zwei Hinweise in eigener Sache: Die FAZ druckt in der Montagausgabe einen Text aus meiner Werkstatt über die seltsamen Verhältnisse bei den Oakland Raiders, wo ein 79 Jahre alter Patriarch für Chaos sorgt. Er wurde vorab online gestellt. Nicht online: Der Beitrag heute in der Schweizer Sonntagszeitung über die bahnbrechende Vorarbeit der schwarzen amerikanischen Sportler, ohne deren Erfolge und deren Akzeptanz in der Gesellschaft Barack Obama sicher nicht Präsident geworden wäre.

• Walujew gegen Holyfield in Zürich am 20. Dezember. Gevatter Tod, ick hör dir trapsen.... Oder ist das nur der Weihnachtsmann? Nachtrag: Ein Anruf bei der in Aussicht genommenen Arena (Hallenstadion) ergab heute, Montag: Es gibt Gespräche, aber noch keine unterzeichneten Verträge. Man hätte allerdings an diesem Tag noch Platz im Kalender. Mal sehen, was passiert.

Ashton Kutcher hat beschlossen, der Welt zu zeigen, dass er neben den anderen Dingen, die er nicht kann, noch etwas anderes nicht beherrscht: Footballtrainer. Seine jugendlichen Schützlinge reagierten denn auch cool auf sein Fachwissen und seine Herangehensweise. Sie haben ihm einen griffigen Spitznamen gegeben: Aston Doucher.

• Nicht mehr lange bis zu den Olympischen Winterspielen in Vancouver, wo man festgestellt hat, dass das Bauprojekt "Olympisches Dorf" unter einem ziemlichen Dachschaden leidet. 100 Millionen kanadische Steuer-Dollar (angeblich nur in Form eines Kredits) wird es kosten, das Problem zu beseitigen. Aber wer wird sich beklagen: Es ist ja für einen guten Zweck...

• Und wo wir schon über Geld reden: Jetzt kommt im amerikanischen Collegesport die Rechnung auf den Tisch, wo Teams gerne allen Schwimmern den über 500 Dollar teuren rekordfördernden Schwimmanzug der Firma Speedo verpassen würden. Aber wer soll das bezahlen? Vielleicht hat Michael Phelps ein Einsehen und spendet interessierten Universitäten einen Teil der enormen Werbeeinnahmen, die er seit diesem Jahr scheffelt. Es wäre nur gerecht. Er verdankt einen Teil seiner Goldmedaillen dem Ganzkörpergummistrumpf (via Deadspin)

1. Oktober 2008

Der alte Mobbing-Meister


Die Geschichte der Oakland Raiders ist die Geschichte von Al Davis. Und die ist ungewöhnlich genug. Denn es gibt in der NFL keinen Club-Besitzer, der bei seinem Laden als Cheftrainer angefangen hat und sich später mit einer Einlage einkaufte. Und der im Laufe der Jahre seinen Hang zu eigenwilligem diktatorischen Tun so profitabel und konsequent durchgesetzt hat. So ist Davis, der jeweils im Streit mit den beiden Stadtverwaltungen einmal von Oakland nach Los Angeles umzog (1981) und 14 Jahre später wieder zurückkehrte, der Hauptgrund, weshalb sich heute keine Liga mehr traut, einem Clubbesitzer den Weg zu verlegen, wenn er die Umzugslaster bestellt und in eine andere Stadt abwandern will: Er gewann den Kartellrechts-Prozess gegen die NFL, als sich die Liga gegen den Ortswechsel nach Los Angeles aussprach.

Für einen Mann, der seit Jahrzehnten immer wieder entscheiden musste, welche Trainer er heuert und welche Spieler er draften lässt, hat er eine jämmerliche Bilanz. Sicher, es gibt noch andere jämmerliche Teams: die Browns, die Bengals in Ohio, nicht zu vergessen die Cardinals in Arizona. Aber dort sitzt niemand in der obersten Etage, der mit soviel an vermeintlichem Football-Wissen gesegnet ist wie Al Davis. Und niemand pflegt den Mythos einer Piratenbande, und einer Spielkultur, die angeblich alles und jeden flach machen kann.

Trotzdem hat man in den USA seit Wochen auf so etwas wie diesen Auftritt des 79jährigen Gaucho der weißgestrichelten Pampa gewartet: Der Tag, an dem er den nächsten Trainer vor die Tür setzt. Lane Kiffin, der vor etwas mehr als einem Jahr angestellt wurde, war der jüngste Head Coach in der Geschichte der Liga und hatte sich vorher im College-Football bei der University of South California unter Pete Carroll einen Namen gemacht. Mit Oakland waren es 5 Siege und 15 Niederlagen unter seiner Ägide, begleitet von einer extrem gereizten Stimmung im Umfeld der Mannschaft. Das ließ sich nicht länger wegschieben oder wegdiskutieren.

Was Kiffins Rauswurf so interessant macht, ist die Entscheidung von Davis, sich aufs Arbeitsrecht zu beziehen, um den Rest eines Gehalts von 2 Millionen Dollar für die laufende Saison einsparen zu können. Also stellte er eine Kündigung "for cause" aus. Davis hat bereits angedeutet, wie er diese Rechtfertigung juristisch untermauern will: Kiffin habe zuletzt eine Arbeitsleistung gezeigt, die so wirkte, als wolle er rausgeworfen werden. Und er nannte ihn einen Lügner. Mit solchen Anwürfen aus dem Arsenal eines Mobbing-Meisters mussten vermutlich unter Davis schon viele NFL-Trainer fertig werden. Genauso wie mit der Schmach, nur wenige Spiele nach Beginn der Saison nach Hause geschickt zu werden. Den Rekord bei den Raiders hält Mike Shanahan (Denver Broncos), der 1989 nach nur vier Begegnungen gefeuert wurde.

Das amerikanische Arbeitsrecht ist übrigens ein ziemliches Dickicht. Denn jeder Bundesstaat hat seine eigenen Regeln. In einer Reihe von Staaten gibt es gesetzliche Bestimmungen, die den Arbeitnehmer einen Hauch besser stellen und vor offener Willkür schützen. Kiffins Situation liegt ein bisschen anders. Nicht nur weil es sich um ein befristetes Arbeitsverhältnis handelt und vermutlich im Vertrag sehr viele Paragraphen enthält, die eine Auflösung desselben spezifizieren, sondern auch weil es um viel Geld geht und sich Kiffin einen guten Anwalt leisten kann.