Posts mit dem Label NFL werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label NFL werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

11. Februar 2010

Die Luft entweicht dem Soufflé à la Forbes

Die einzige Institution, die versucht, der interessierten amerikanischen Öffentlichkeit Einblick in die wirtschaftlichen Verhältnisse von Ligen und Clubs zu geben, ist die Redaktion des Magazins Forbes. Das Blatt ist hinreichend bekannt als Festung neoliberaler Weltsicht. Man könnte sie auch Hurra-Kapitalisten nennen. Denn alles andere als pure Gier als Steuermechanismus der Marktwirtschaft ist ihnen suspekt. Forbes hat einen guten Ruf, weil man ihnen zutraut, dass ihre Listen und Zahlen, wenn sie schon nicht auf Einsicht in die Bücher beruhen, so doch auf vertrauenswürdiger Einschätzung einer Reihe von Datenmaterial. Was solche Kalkulationen wirklich wert sein können, stellt sich dieser Tage heraus. Bei den St. Louis Rams, wo 60 Prozent der Anteile den Besitzer wechseln werden. Und wo man als Bewertungsmaßstab für die 100 Prozent auf eine Ziffer zwischen 725 und 750 Millionen Dollar kam. Erst wenige Monate vorher hatte Forbes den Gesamtwert der Rams auf 913 Millionen Dollar geschätzt.

Die Fehlkalkulation ist nicht exorbitant, aber sicher symptomatisch. Denn man darf angesichts solcher Abweichungen davon ausgehen, dass auch die anderen Clubs in der NFL von der Zeitschrift nicht marktgerecht eingestuft worden sind, sondern zu hoch. Das wiederum ist kein wirkliches Problem, allenfalls für die Spielergewerkschaft, die in der Auseinandersetzung um einen neuen Tarifvertrag solche Nachrichten natürlich überhaupt nicht gerne hört. Der Marktwert der Clubs ist nur eine indirekte Größe, um den wirtschaftlichen Gesundheitszustand der Liga zu ermitteln. Aber in der NFL, in der man geradezu sozialistische Verhältnisse pflegt und alle Fernseheinnahmen und den Merchandising-Topf brüderlich teilt, wäre ein fallender Trend bei den Marktwerten zumindest ein Zeichen: für sinkende Gewinne. Laut Forbes machten im letzten Herbst angeblich nur zwei Clubs Minus: Die Seattle Seahawks und die Oakland Raiders. Die Rams-Eigentümer verdienten hingegen angeblich ganz ordentlich Geld. Was auch an den Mietkonditionen für die Arena liegen kann, die die Rams für so gut wie gar keine Miete nutzen können.

Sportlich hat der Club nicht viel zu bieten. Im Rückblick wirken die Jahre um die Jahrtausendwende mit einem Super-Bowl-Erfolg und einer Finalteilnahme wie ein kurzes Feuerwerk in einer langen Tages Reise in die Nacht. In der letzten Saison produzierte man das Super-Resultat von einem Sieg und 15 Niederlagen. Bis 2014 muss das Team auf jeden Fall noch in St. Louis bleiben. Wenn dann die Stadt die Halle nicht ordentlich aufpeppelt, darf man woandershin umziehen. Die Rams waren einst in Cleveland, wurden dann nach Los Angeles umgetopft und erlebten einen der kurioseren Besitzerwechsel im amerikanischen Sport. Sie wurden von ihrem damaligen Eigentümer Robert Irsay gegen die Baltimore Colts eingetauscht, die einem gewissen Carroll Rosenbloom gehörten. Rosenblooms Witwe Georgia Frontiere übernahm nach dessen Tod den Laden und sorgte für den Ortswechsel in ihre Heimatstadt. Ihren Stiefsohn hatte sie schon vorher aus der Machthierarchie der Mannschaft ausgehebelt. Das Umzugsmodell hatte sie bei Irsay abgeschaut, der die Colts Mitte der achtziger Jahre in einer berüchtigten Nacht- und Nebelaktion nach Indianapolis verfrachtete.

Sohn Rosenbloom macht immerhin jetzt Kasse. Nur nicht ganz soviel wie man bei Forbes angenommen hatte.

5. Februar 2010

Zeit für ein paar Häppchen zum Super Bowl

Hier eine Salatplatte zum Super Bowl zwischen den Indianapolis Colts und den New Orleans Saints (Sonntag in Miami, live ab 23.35 Uhr in der ARD, Kommentatoren Andres Witte, Dirk Forberg, Moderation Rolf Scholt):

Tony Dungy prophezeit überlegenen Sieg seines Ex-Clubs.

• Die beiden Videospiele EA Team und Madden sehen es anders: Beide tippen auf einen knappen Erfolg für die Saints. Die Madden-Vorhersagen sind besonders aufschlussreich. Ihre Super-Bowl-Simulationen liegen in fünf von sechs Fällen richtig.

• Wir dürfen aus gegebenem Anlass auf einen Beitrag von Ende Dezember verweisen. Eine Anlayse der Treffgenauigkeit von Quarterback Drew Brees (mit Video). Mal abgesehen von dem schrägen Vergleich mit den Bogenschützen. Unterm Strich bleibt zumindest eines: Der Mann ist extrem präzise.

• Da Super-Bowl-Ringe so prestigeträchtig sind, lotet diese Geschichte von Mike Wise in der Washington Post eine gewisse emotionale Tiefe aus. Die Hauptperson: ein ehemaliger Redskins-Spieler, der auf die schiefe Bahn kam. Die Nebenperson, der Mann, der dafür sorgte, dass der Ring dabei nicht in den Gully kullerte und weggespült wurde.

• Übrigens: Samstag in der gedruckten Ausgabe der FAZ: ein Porträt der New Orleans Saints, die fast 40 Jahre lang in der NFL nichts zu bestellen hatten, aber sich trotzdem nicht unterkriegen ließen. Big Easy nahm es locker. Jetzt allerdings wird's ernst.

• Jason Whitlock denkt schon eine Ecke weiter: an den anstehenden Tarifstreit zwischen der Liga und der Spielergewerkschaft und dass es vermutlich keine Aussperrung geben wird. Warum auch? Die NFL-Profis sind die härtesten Typen, wenn es darum geht, auf dem Spielfeld ihre Knochen hinzuhalten. Aber die schwächsten, wenn es um Arbeitskämpfe geht. Die werden schon keinen Streik ausrufen – aus lauter Angst, dass er in sich zusammenbricht. Da können die Liga-Fürsten auf die sanfte Tour arbeiten. Was besser fürs Bild in der Öffentlichkeit ist. Allerdings hat der neue Gewerkschaftschef schon mal die Trommel in die Hand genommen und artikuliert lauthals seine Befürchtungen in Sachen Aussperrung. Interessantes Detail in diesem Beitrag: Die NFL hat Fernsehverträge, die ihr die üblichen Einnahmen garantieren, selbst wenn die Spiele einem Arbeitskampf zum Opfer fallen. Dieses Faktum zeigt, welche Macht die Liga gegenüber den TV-Sendern entwickelt hat. Keine andere Sportinstitution, abgesehen vielleicht vom IOC, könnte solche Vereinbarungen durchsetzen. Die Leute von den Sendern würden wohl eher nur leicht lachen, wenn sie mit derartigen Forderungen konfrontiert würden.

31. Januar 2010

"Das Elend der Gladiatoren"

Ein kurzer Programmhinweis in eigener Sache. Am Montag gleich nach den Tagesthemen im Ersten gibt es auf WDR 3 wie jeden Montag die Sendung sport inside (Sendebeginn 22.45 Uhr) – wie meistens mit drei Beiträgen. Diesmal allerdings mit einer Novität: mit einem Film aus meiner Werkstatt. Titel: Das Elend der Gladiatoren.

In dem fast zehn Minuten langen Film geht um die Spätfolgen, mit denen ehemalige amerikanische Football-Profis zu kämpfen haben – ein Thema, auf das ich durch den Dokumentarfilm Blood Equity zum ersten Mal aufmerksam wurde, das inzwischen aber ziemliche Kreise gezogen hat. Kein Wunder. Es geht um rund 13.000 Ehemalige, für deren durch den Football verursachten Probleme sich weder die Liga noch – sehr viel tragischer – die Spielergewerkschaft verantwortlich fühlen. Viele Veteranen werden nicht nur körperlich von der Knochenmühle verschlissen. Eine beachtliche Zahl entwickelt als Folge von allzuvielen Gehirnerschütterungen früh Demens und Alzheimer-Krankheit (eine Studie spricht von sechs Prozent). Wer medizinische Hilfe oder gar Pflege braucht, braucht auch Geld. Denn vom amerikanischen Krankenversicherungssystem werden solche Menschen ignoriert.

Der Beitrag dokumentiert – eine Woche vor dem Super Bowl, der von der ARD live übertragen wird – den Stand der Dinge sowie den langsamen Umdenkprozess, zu dem beachtlicher Druck aus dem amerikanischen Kongress beigetragen hat. Der Film entstand im Laufe des Januar und wurde in der letzten Woche beim WDR in Dortmund fertiggestellt. Mehr Informationen gibt es hier.

Aufgrund der Arbeit an dem Projekt kam das Bloggen zuletzt ziemlich kurz. Vorsatz: Das soll nicht so bleiben. Ab heute gibt es wieder frischen Lesestoff.

17. Januar 2010

Die Luxus-Suite und der Scrabble-Haufen

Vier Spiele und nur eines davon war halbwegs spannend. Leider war das mehr ein Punt-Festival und eine Ansammlung von unsinnigen Penalties und die Implosion eines Kickers, der in der laufenden Saison eine formidable Präzision an den Tag gelegt hatte, aber heute aus dem Tritt kam. Mit anderen Worten: Die NFL dokumentiert gegen Mitte der Playoffs eine Zweiklassen-Gesellschaft von krassem Zuschnitt: Die New Orleans Saints, die Minnesota Vikings und die Indianapolis Colts repräsentieren die Luxus-Suite. Der Rest wirkt wie ein Haufen zusammengeschüttete Scrabble-Buchstaben, aus dem man so gut wie keine vernünftigen Wahrheiten herausschnitzen kann. Die drei Top-Teams hingegen lassen sich leicht beschreiben: Rund um die hervorragenden Quarterbacks existieren quicklebendige, ideenreiche und zielstrebige Spieler. Die Defensivformationen sind unglaublich schnell zu Fuß unterwegs und kaltblütig.

Und was ist mit den New York Jets, die im letzten Spiel der Divisional Playoff-Runde in San Diego die Chargers demontierten? Die konnten echt froh sein, dass ihnen die Chargers einen Teil der schweren Arbeit abgenommen haben. Die Jets brauchten bis kurz vor Ende der ersten Halbzeit, um ihren allerersten First Down zu erzielen. Der entscheidende Touchdown entsprang einer Interception in der Nähe der Chargers-Endzone – in der Wirkung gedoppelt durch ein albernes Head-Butt-Foul, durch das die Jets noch ein paar wichtige Yards näher ans Ziel heranrücken durften. Und selbst danach hätte es San Diego zumindest in die Verlängerung schaffen können. Aber Kicker Nate Keading hatte heute einen tiefdunklen Tag. Er verschoss im entscheidenden Augenblick aus harmloser Distanz auf trockenem Rasen und ohne irgendwelchen Wind. Vermutlich werden die Jets den Colts in einer Woche das Leben schwer machen. New York hat zwar eine beeindruckende Defensive. Aber selbst wenn die Offensive 17 Punkte gegen die Colts schaffen sollte wie heute gegen die Chargers, wird das nicht reichen. Und viel mehr sind nicht drin.

Allerdings wird einem angesichts der Jets die Football-Saison wenigstens einigermaßen schmackhaft. Denn die straften die sogenannten Fachleute Lügen, von denen sage und schreibe vier im Studio der übertragenden Network CBS herumsitzen (auch Fox hat vier dieser Bauchredner im Einsatz). Alle vier erklärten die San Diego Chargers vor der Begegnung zum Sieger. Und alle vier werden wir nächste Woche wiedersehen (Colts gegen die Jets). Solche Leute werden einfach nicht entlassen.

Das Spiel der Woche wird allerdings auf Fox laufen. Mehr als 100 Oktan stecken in der NFC Championship-Begegnung zwischen den Vikings und den Saints im Tank. Die Auseinandersetzung im Superdome in New Orleans ist ein Sahneklecks auf zehn Jahre einer Evolution des Spiels zu einer ungemein schnellen und (vor allem auch) reaktionsschnellen Angelegenheit. Eine Spielkultur, die wirkt wie herausgemeißelt aus den Köpfen genialer Videospiel-Designer, die den Mut hatten, sich Spielzüge auszumalen, bei denen Quarterbacks zentimetergenaue Pässe werfen. Diese NFL sieht neuerdings wie eine Versammlung von Feinmechanikern aus. Gut, dass man das alles inzwischen auf HD serviert bekommt.

12. Januar 2010

Patriots im Tief – aber vermutlich nicht lange

Baltimore Ravens v New England Patriots - Wild Card Round
Wenn eine Mannschaft wie die New England Patriots von dem strikten Regime der Salary Cap in der NFL in die Mangel genommen wird, dann kommt irgendwann der Tag, an dem man die Auswirkungen mit Händen greifen kann: Raus in der ersten Playoff-Runde, ohne die Spur einer Chance. Ein Team von dieser Güteklasse mit drei Super-Bowl-Erfolgen und einer weiteren Super-Bowl-Teilnahme kann man nämlich nicht ewig zusammenhalten. Genauso wie man nicht den alten Trainerstab bezahlen kann, wenn von anderen Clubs lukrative Angebote an die Assistenten eintreffen. Angebote mit dem hochdekorierten und bestens bezahlten Posten des Head Coach.

Trotz des ständigen Talentabflusses hat der ewige Griesgram Bill Belichick seinen Laden auf erstaunliche Weise jahrelang in Schuss gehalten. In manchen Phasen generierte er die Überlegenheit aus klugem und genau getaktetem Tun, vor allem in der Defensive. Dann griff er nach Spielern, die woanders als untrainierbare Diven in die Ecke gestellt worden waren und nicht halb so viel kosteten, wie sie in seinem gut geölten Spielschema wert waren (man denke an Randy Moss 2007 für einen Viert-Runden-Draftplatz oder an Corey Dillon für einen Zweit-Runden-Pick 2004 oder auch an Wes Welker, der 2007 aus Miami kam und sich seitdem auf Platz eins der Wide Receiver in der Liga in der Kategorie Receptions vorgearbeitet hat).

Und dann waren da noch jene couragierten und konsequenten Entscheidungen gegen den Strich eines konventionellen Football-Wissens. Man kann mit dem Namen Tom Brady das eine Ende der Zeitachse markieren. Und mit dem Namen von Sebastian Vollmer das andere Ende. Niemand gab nur einen Rattenschiss auf Vollmer, als vor ein paar Monaten die Draft anstand. Und niemand, der das Team und den Trainer einigermaßen zu kennen glaubte, konnte sich ausmalen, was Belichick an dem relativ unbeschriebenen deutschen Blatt gesehen hatte. Die Saison der Patriots ging am Sonntag in der kalten Brise des Gillette Stadium zu Ende. Vollmer war die Offenbarung schlechthin. Er spielte absolut fehlerfrei, ließ keinen Ravens-Spieler an sich vorbei und zeigte nach einem von Baltimore abgefangenen Brady-Wurf, dass er im Falle einer Interception nicht den Stecker aus dem mentalen Stromnetz zieht. Er war einer der beiden Tackler, der sich lang machte und sich dem Gegner entgegenwarf, um das Schlimmste zu verhindern.

Ein Vollmer ist natürlich nicht genug. Schon gar nicht an einem Tag, an dem man mindestens zwei gebraucht hätte. Und obendrein einen motivierten Randy Moss, einen gesunden Wes Welker und einen Tight End, der besser blockt. Aber warum sollte Belichick nicht im Frühjahr den einen oder anderen Nachwuchsspieler von Format aus dem Topf ziehen? Wieder mal scheinen die Patriots vorbereitet – auch auf dieses zwangsläufige Formtief einer unabwendbaren zyklischen Entwicklung – mit dem die Buffalo Bills, die Detroit Lions, die Kansas City Chiefs und andere nicht umgehen können. Sie haben für die beiden kommenden Jahre eine ganze Reihe von guten Draftplätzen gehortet. 2010 sind dies zwei zusätzliche Picks in der zweiten Runde. 2011 ist es ein zusätzlicher Pick in der ersten Runde und zwar der von den Oakland Raiders, die noch immer schlecht genug sind, um daraus einen Spitzenplatz werden zu lassen.

Ehemalige Belichick-Assistenten, die sich woanders den Chefposten sichern konnten und die beim letzten Super-Bowl-Erfolg der Patriots 2004 noch zu Belichicks Stab gehörten, wirken nachträglich weniger als Aderlass, wie man das annehmen durfte. Unterm Strich: Alle vier haben ohne Belichick nichts für ihren Ruf tun können. Nur ihr Bankkonto sieht inzwischen sehr viel besser aus.

• Romeo Crennel, vier Jahre bei Cleveland Browns – kein einziges Mal in den Playoffs. Im letzten Jahr entlassen und ersetzt durch

• Eric Mangini, der vorher die New York Jets trainiert hatte, die ohne ihn endlich wieder in Fahrt gekommen sind und am Wochenende gegen die San Diego Chargers spielen.

• Charlie Weis wurde soeben nach vier Jahren in Notre Dame entlassen, nachdem er kein besonders gutes Bild abgegeben hatte. Was nicht an seiner Leibesfülle lag.

• Josh McDaniels, der zu Beginn der laufenden Saison die Denver Broncos übernahm und nach einem Blitzstart aus dem Ruder laufen ließ.

Noch ein paar Namen aus der Zeit, als Belichick in Cleveland amtierte: Dort hatte er Rex Ryan als Linebacker-Coach, jetzt hauptverantwortlich für das Defensivmonster in Grün besser bekannt als New York Jets. Dazu: Jim Schwartz (Detroit Lions) und die College-Cheftrainer Nick Saban (Alabama), Kirk Ferentz (Iowa), Pat Hill (Fresno State) and Al Groh (Virginia).

24. Dezember 2009

Rätselraten zu Weihnachten: Warum treffen die NFL-Kicker nicht mehr so gut?

Es ist der einzige relevante Teil an einem Footballspiel, der einen daran erinnert, weshalb das Spiel überhaupt so heißt, das im Prinzip nichts anderes ist als ein abgewandelte Form von Rugby. Aber das inspiriert die Spezialisten, die sich darum kümmern, so scheint es – überhaupt nicht. Zumindest die Jungs in der NFL nicht, wo die Kicker bekanntlich ordentlich bezahlt werden, um ein paar mal pro Match auf den Platz zu gehen und einen oder drei Punkte zu verbuchen. Wie das? Man schaue sich nur mal diese Statisitik an: Die Liga mit ihren 32 Teams fiel ein Jahr nach der besten Saison aller Zeiten (Treffergenauigkeit der Kicker: 84,5 Prozent) auf die niedrigste Quote seit 2003 (zur Zeit liegt man bei 80,5 Prozent). Die New York Times nennt das einen slump. Wir nennen das ein an den Haaren herbeigezerrtes Thema. Vor allem, wenn man es mit einer Bewertung für Wahnsinnige untermauern muss: Angeblich ist das der stärkste Leistungsabfall seit...seit...seit 1976. Also Panik-Modus an.

Damals lagen übrigens die Vergleichswerte bei um die 60 Prozent. Mit anderen Worten: Die viel besseren Kicker von heute, stehen wegen einer statistischen Auffälligkeit sogleich im Verdacht, so schlecht zu sein wie die aus der Zeit des Bulldozer-Footballs, als man die Wide Receiver noch überall auf dem Platz nach Belieben auf den Rasen donnern durfte. Wie immer, wenn man einen solchen Fund journalistisch abstützen will, aber keine vernünftigen Daten zur Hand hat, kommen kuriose Verknüpfungen dabei heraus: Das Nachlassen sei "besonders überraschend", weil noch vor gar nicht so langer Zeit "das Kicken so automatisch schien, dass es Diskussionen darüber gab, die Torstangen näher aneinander zu stellen oder die Markierungen auf dem Platz weiter auseinander zu ziehen, um schwierigere Winkel für den Schützen zu erhalten".

Wenn es diese Diskussionen wirklich gegeben haben sollte – dort wo ich mir meinen Footballkonsum abhole, gab es die nicht. Das einzige, was es wirklich gab: Weil die Kicker besser wurden, wurden die Trainer mutiger und ließen ihre Special Teams immer häufiger Kicks aus Distanzen probieren, die man früher gar nicht erwogen hätte. Heute sind Versuche aus mehr als 50 Yards, je nach Witterungsverhältnissen und Kicker, keine Seltenheit mehr. Aber mit der größeren Entfernung steigt unweigerlich auch das Risiko. Den ganzen Rest kann man in der Abteilung Wetter einordnen. Das ändert sich jedes Jahr. Da gibt es keinen Automatismus. Und ja, selbst in Zeiten von Global Warming gibt es Wintereinbrüche mit tiefen Temperaturen und viel Schnee.

Aber wer sich trotzdem in diese vermeintliche "Analyse" vertiefen will: hier noch mal das Link. Mit dem passenden Kommentar von Dallas-Cowboys-Trainer Wade Phillips: "It's a mystery to us."

Panik-Modus aus.

17. Dezember 2009

Bengals Wide Receiver tödlich verletzt

Die frühen Spekulationen über seinen Tod auf Twitter wurden gestern abend wieder zurückgedreht. Aber sein Zustand war ernst. Sehr ernst. Heute morgen ist Cincinnati Bengals Wide Receiver Chris Henry an den Folgen von schweren Verletzungen gestorben. Die Umstände bleiben mysteriös. Der Football-Profi war – in Charlotte/North Carolina und nicht etwa in Ohio – Meldungen zufolge von der Ladefläche eines Pickup-Trucks gestürzt, auf die er kurz vorher zuhause aufgesprungen war. Am Steuer: seine Lebensgefährtin. Henry spielte zuletzt eine wichtige Rolle in der Leistungsexplosion der Bengals, die in der AFC zu den ernsthaften Konkurrenten der Indianapolis Colts um den Einzug in den Super Bowl gehört. Henry war zwischendurch wegen seiner zahllosen strafrechtlichen Probleme von einem Club entlassen worden, der wie kein anderer in der NFL Spieler anzuziehen schien, die in den Arrestzellen der Polizei landeten. Aber nach ein paar Monaten wurde er wieder verpflichtet. Zuletzt war er wegen eines in einem Spiel gegen die Baltimore Ravens erlittenen Armbruchs nicht im Einsatz. Zur Liste seiner Missetaten gehörten Waffen- und Körperverletzungsdelikte.

14. Dezember 2009

Vollmer vielseitig auf rechts und links im Einsatz

Sebastian Vollmer hat am Sonntag wieder ein gutes Pensum in der Offensive Line der New England Patriots abgeliefert. Und zwar, wie zu vermuten war, diesmal hauptsächlich auf der rechten Seite (aber mitunter auch auf der linken). Denn der Left Tackle, dessen Stammplatz er auf der linken Seite zwischendurch besetzt hatte, Matt Light, spielt nach einer Verletzung wieder. Vollmer hatte neulich eine Kopfverletzung erlitten, die ihn zum Aussetzen zwang. Was es genau war, ist noch immer nicht bekannt. Er kam am Sonntag in der ersten Hälfte gegen die Carolina Panthers erstmals zum Einsatz und machte einen besseren Eindruck als Starter Nick Kaczur. Nur einmal versemmelte er einen Angriffszug, bei dem es Quarterback Tom Brady an die Wäsche ging. Trainer Bill Belichick war zufrieden, mit der Rotation und dem Rookie, den er in der zweiten Runde gedraftet hatte: "Wir haben versucht, Sebastian wieder einzuarbeiten und das ist ihm mit einer einer guten Anzahl von Spielzügen gelungen."

4. Dezember 2009

Vollmer trainiert wieder

Sebastian Vollmer steht vor dem nächsten Spiel der New England Patriots gegen Gruppenrivalen Miami Dolphins noch immer als "fraglich" in der Verletztenliste seiner Mannschaft. Aber kehrte inzwischen zum Training zurück. Es gibt keine Informationen darüber, welche Verletzung er hatte. Es darf allerdings angenommen werden, dass es sich um eine Gehirnerschütterung handelt. Und dass er aufgrund einer neuen strengen Regelung der NFL zum Schutz der Spieler zu einer Pause gezwungen wurde. Gehirnerschütterungen und deren Folgeschäden für die Gesundheit der Footballprofis wurden in dieser Saison erstmals intensiv thematisiert. Liga- und Gewerkschaftsvertreter waren sogar zu einem Hearing im Kongress geladen, bei dem auch Mediziner aussagten. Die Begegnung war ursprünglich als Monday Night Football-Termin geplant, wurde aber von der Liga auf den regulären Sonntagstermin vorgezogen.

28. November 2009

Vollmers Kopfverletzung: Belichick schweigt

Sebastian Vollmer hat sich am Sonntag im Spiel der Patriots gegen die Jets verletzt. Er kehrte zwar nach einer Pause auf den Platz zurück. Aber seit Montag hat man ihn nicht mehr beim Training gesehen. Der offizielle Report des Clubs spricht von einer Kopfverletzung. Trainer Bill Belichick ließ sich am Samstag bei der Pressekonferenz nach dem letzten Training vor der Abreise nach New Orleans (am Montagabend findet dort die Begegnung gegen die noch ungeschlagenen Saints statt) nicht abringen, was den deutschen Footballprofi plagt. "Es ist das, was in dem Verletzungsbericht steht", sagte er und lächelte dabei. "Ist das eine Hilfe?"

Natürlich ist es keine. Aber so sind die Verhältnisse in der NFL (und auch in anderen Ligen wie der NHL). Die Mannschaften müssen keine genauen Angaben machen, nur sagen, ob der Einsatz eines verletzten Spielers wahrscheinlich oder fraglich ist. Das sind keine Informationen für den Gegner oder die Fans, sondern für die Buchmacher. Denn das gehört zu den Grundsätzen in der National Football League, dass man den Zockern gerne so weit entgegen kommt wie möglich.

Zurück zu Vollmer, der bereits in seiner ersten Profi-Saison in der Abwesenheit des verletzten Matt Light durch pure Leistung seinen Anspruch auf einen Stammplatz auf der Left-Tackle-Position unterstrichen hatte. Es spricht vieles dafür, dass er eine Gehirnerschütterung erlitten hat und dass man ihn wegen der neuen Aufmerksamkeit für solche medizinischen Probleme und der Gefahr für Dauer- und Spätschäden lieber schont. Light trainierte in dieser Woche zum ersten Mal.

18. November 2009

"Der schlimmste Klubbesitzer aller Zeiten"

Washington Redskins v Carolina Panthers
Es wäre ganz nützlich, den scharfen Verriss zu verlinken, den Matt Taibbi vom Rolling Stone in der letzten Ausgabe vom 12. November dem Besitzer der Washington Redskins hat angedeihen lassen. Aber das Magazin stellt nicht alle Texte online. Und so muss man sich auf Zitate stützen. Diese hier hat Dan Steinberg vom D. C. Sportsbog ausgewählt, der seit langem zu den Kreuzrittern der Washington Post gehört, die einen Kleinkrieg mit Klubeigentümer Dan Snyder führen:

O-Ton Taibbi:
"In typical Washington spirit, he spent a decade throwing gazillions at perpetual failure and this year attacked a crisis of his own making (in his case, an NFL team that couldn't score 17 points against a 145-pound-and-under Pop Warner club) with the same policies that got him there: big-ticket free agents, bad coaching hires and enough neurotic meddling to make George Steinbrenner look like the Dalai Lama."

"His performance this year has been a tour de force of executive [badwordery], solidifying his status as the very worst owner not just in football but in sports."

"He looks like a cross between Mitt Romney and a male nurse, with a spray-helmeted cube of black mannequin hair atop the pinched, entitled face of a guy [complaining to] a Howard Johnson's waitress about his curly fries not being curly enough."

"The players, for all the money he throws at them, look like they wouldn't touch him with a two-foot Whizzinator."

Anmerkungen zum besseren Verständnis der Passagen (ich habe das Heft mit dem Artikel vor mir liegen):

Das bad word lautet: douchery und geht auf die Slang-Verwendung für das Wort Vaginaldusche (douche bag) zurück. Ein Begriff, der Leute charakterisiert, die arrogant sind und sich anstößig betragen. George Steinbrenner ist der berühmt-berüchtigte Eigentümer der New York Yankees, der sich in seinen frühen Jahren in alles einmischte, was mit dem Spiel auf dem Platz zu tun hatte, Ein Whizzinator ist ein Gerät, mit dessen Hilfe man versucht, bei Urintests etwas von Arbeitgebern auf Drogenkonsum zu die Resultate zu verfälschen. Howard Johnson ist eine amerikanische Billighotelkette. Mitt Romney einer der republikanischen Präsidentschaftskandidaten aus dem letzten Jahr, der zuvor die Olympischen Spiele von Salt Lake City gemanagt hatte und Gouverneur in Massachusetts gewesen war.

Das soll zur Einstimmung genügen. Denn eigentlich wollte ich auf einen Artikel über Dan Snyder in der FAZ hinweisen. bei dem es sprachlich nicht ganz so in die Vollen geht. Der in der Substanz aber nichts anderes sagt: Snyder ist "Der schlimmste Klubbesitzer aller Zeiten".

16. November 2009

Vollmer ohne Fehl und Tadel

New England Patriots 2009 Headshots
Die Niederlage der New England Patriots gegen die Indianapolis Colts war kein Beinbruch. Aber medienpsychologisch gesehen war sie auf jeden Fall von Nachteil für einen Mann: Sebastian Vollmer. Denn alle Berichte beschäftigten sich mit der Entscheidung von Bill Belichick, kurz vor Schluss beim Fourth Down in der eigenen Hälfte nicht den Punter und das Special Team einzusetzen. Hätten die Patriots das Match gewonnen, hätte man unweigerlich nach den Vätern des Sieges geforscht und wäre dabei immer wieder auf einen Mann gekommen: die Numer 76 aus Kaarst. Denn während sein Mannschaftskollege Nick Kaczur auf der rechten Seite oft dem Ansturm seines Gegenüber nicht genug entgegensetzte und zwei Sacks auf dem Gewissen hatte, schirmte Vollmer links gegen Dwight Freeney alles ab. Der gleiche Freeney, der zur statistisch gesehen besten Verteidigungsreihe der laufenden Saison gehört, mühte sich redlich. Aber der Liga-Neuling schob ihn wie der Kran von Schifferstadt im griechisch-römischen Stil jedes Mal von Tom Brady weg. Jemand vom Providence Journal, der die Mannschaft ständig beobachtet, mutmaßte nach diesem Auftritt, dass die eigentliche Nummer eins auf der Position, der am Knie verletzte Matt Light, womöglich seinen Stammplatz eingebüßt hat. Von da bis zu der Spekulation, dass der sehr viel teurere Light in der nächsten Saison aus Salary-Cap-Gründen von Belichick abgegeben wird, ist dann nur noch ein kurzer Weg.

Eine Alternative, die in dem Artikel nicht angesprochen wird: Vollmer wurde unter anderem auch deshalb gedraftet, weil er ebenso als Right Tackle eingesetzt werden kann und auch dort einen guten Ausputzer abgeben würde. Deshalb mal von dieser Stelle folgende Prognose: Sobald Matt Light wieder fit ist, wird man bei den Patriots den Rookie auf rechts testen.

11. November 2009

Der Klingelbeutel: Triangle Offense mit Shaq und Agent Zero?

Shaquille O'Neal & Oscar De La Hoya Tape TV Show "Shaq Vs."
Neu-Clevelander Shaquille O'Neal, dessen gekittete Ehe wohl endgültig auseinandergeht, und die Verlobte von Gilbert Arenas haben angeblich einen anregenden E-Mail-Verkehr. Wie die Protokolle der Kommunikation zwischen den beiden (Textprobe: "as long as u taste me and make me cum LOL") an die Öffentlichkeit geraten sind, ist noch nicht klar. Oder ob sie überhaupt echt sind. Wir erinnern uns: Das letzte Opfer einer größeren gefälschten Kampagne in der NBA war der Franzose Tony Parker von den San Antonio Spurs. Auch hier wurden Textmessages als Pseudo-Belege für die behauptete Affäre vorgelegt. Die Schwierigkeiten in seiner Beziehung hatte Agent Zero einst in seinem Blog öffentlich gemacht (via Huffington Post, die seit neuestem auch eine Sportseite betreibt).

• Die Oakland Raiders sind im Begriff, den amtierenden Trainer Tom Cable herauszukomplimentieren, nachdem der in eine hässliche Szene verwickelt war, nach der ein Assistenzcoach einen gebrochenen Unterkiefer hatte. Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf eine Anklageerhebung, nachdem sie die Ermittlungen aufgenommen hatte. Bei Al Davis, dessen Team mit den Lions und den Rams um die Wette um die Laterne in der NFL spielt, gehört das Kappen von Vertragsverpflichtungen zum Alltag. Zur Auffrischung des Gedächtnisses: ein Link zu einem Beitrag für die FAZ über das Geschehen in Oakland in der vergangenen Saison.

• Gefühlte 150 Jahre nach dem Ende des amerikanischen Bürgerkriegs wurde in Mississippi den Anhängern der Universitäts-Footballmannschaft von Ole Miss in Oxford das Abspielen eines Instrumentals untersagt (“From Dixie With Love”), weil Zuschauer während der Darbietung den Schlachtruf anstimmen: "The south will rise again". Das erste ist harmlos, das zweite sowohl geschmacklos als auch verräterisch. So ähnlich wie die alte Südstaaten-Flagge, die sich die Konföderierten gaben, als sie 1861 die Abspaltung vom Norden betrieben. Die wird zwar heute gerne eher als Symbol für eine rebellische Haltung und einen unabhängigen Geist angesehen, wird aber von den Nachfahren der Sklaven, die damals befreit wurden, als kompletter Affront empfunden. Also ungefähr das, was Nicht-Deutsche erleben, wenn sie heutzutage die erste Strophe vom Lied der Deutschen hören. Die wurde durch die Assoziation mit den militärischen Überfällen der Nazi-Wehrmacht auf halb Europa komplett desavouiert. Und das obwohl Textautor August Heinrich Hoffmann von Fallersleben mit seinem "Deutschland, Deutschland über alles" einen ganz anderen Gedanken verband.

10. November 2009

Vollmer im Mittelpunkt

Sebastian Vollmer hat erst drei komplette Spiele in der NFL abgewickelt. Aber wie er das gemacht hat, überrascht so einige, die die New England Patriots von Berufs wegen ganz genau beäugen. Schließlich ist dies sein erstes Jahr in der Liga. Eigentlich hätte man erwarten dürfen, dass er meistens draußen am Spielfeldrand steht und von seiner Chance träumt. Ich habe ihn vor zwei Wochen im Stadion in Foxborough getroffen und mich länger mit ihm unterhalten. Daraus ist ein Text für die FAZ geworden, der in der letzten Woche zuerst gedruckt wurde und dann auch online lief. Dass man in in seiner Heimat an dem Werdegang des 25-jährigen aus Kaarst Interesse hat, liegt auf der Hand. Es gibt außer ihm keinen NFL-Profi aus dem Football-Entwicklungsland Deutschland. Obendrein war er der erste Bundesbürger, der gedraftet wurde und einen Mehr-Jahres-Vertrag bekam (3,105 Millionen Dollar Volumen, davon 1,76 Millionen garantiert). Dass jetzt auch die Amerikaner immer wieder Vollmer-Geschichten produzieren, ist schon sehr viel bemerkenswerter. Das jüngste Beispiel heute im Blick auf das bevorstehende Match gegen die Indianapolis Colts kommt von der Online-Redaktion des lokalen Bostoner Sportkanals NESN.

Der Artikel geht auf eine Besonderheit ein, mit der Vollmer am Sonntag in Stadion der Colts zum ersten Mal konfrontiert werden wird. Die enorme Lautstärke der Zuschauer, die versuchen, den Snap Count der gegnerischen Angriffsreihe zu ersticken. Für eine eingespielte Angriffsreihe ist eine solche Ausgangslage schon schwierig genug. Einen Neuling muss es geradezu nervös machen. Das Problem: Wer zu schnell loslegt, verursacht womöglich eine Strafe, bei der die Mannschaft an Yards verliert. Wer von den Offensive Linemen zu langsam reagiert, so Coach Bill Belichick, kommt einen halben Schritt zu spät: "Das bedeutet nicht nur Tackles und Sacks, sondern gewöhnlich Ballverlust."

Das Match findet am Sonntagabend Ortszeit statt und wird von NBC übertragen. Indianapolis ist noch ungeschlagen. Die Patriots haben von ihren acht Partien zwei verloren.

Bild: New England Patriots

6. November 2009

NFL: Sorgenkind Jacksonville

New York Jets vs Jacksonville Jaguars - October 8, 2006
Der Favorit für einen Umzug nach Los Angeles, wo die NFL seit Jahren keine Franchise hat: die Jacksonville Jaguars. Das sagt ESPN-Autor Greg Garber, der sich das Elend in Florida genauer angeschaut hat. Der Club hat in diesem Jahr 17.000 Jahreskarten weniger abgesetzt als in der Vergangenheit. Das Stadion ist nicht ausverkauft, weshalb die Heimspiele in Jacksonville und Umgebung nicht vom Fernsehen ausgestrahlt werden dürfen. Ein weiterer Faktor, der die Chancen der Jaguars reduziert, sich seinem Publikum zu empfehlen.

Man hat die Zuschauerkapazität schon händisch verkleinert. Aber auch das nützt nichts. 67.164 gehen rein. Nur 68,3 Prozent des Gestühls sind besetzt. Was Platz eins in der Liste der Sorgenkinder bedeutet. Die anderen Durchhänger Detroit Lions kommen immerhin auf 76,5 Prozent Auslastung. Die Oakland Raiders auf 77,8 Prozent. Die Eintrittskarte kostet im Schnitt 45 Dollar. Eigentlich nicht schlecht, aber auch das nützt nichts. Zumal die Ansetzungen in dieser Saison solche Schlappmeier wie die St. Louis Rams und die Tennessee Titans nach Jacksonville gebracht haben. Man könnte sich natürlich – mit einiger Verspätung – fragen, was hat die NFL eigentlich dazu gebracht, in einer solchen Region einen Club zu installieren? Denn dass das Einzugsgebiet ähnlich wie in New Orleans und in Green Bay eher klein ist, war ja kein Geheimnis.

Diese Geschichte auf foxsports ruft die fatale Begeisterung einer Reihe von einflussreichen Clubbesitzern der frühen neunziger Jahre wach und dokumentiert, mit welchen Arzneimitteln man zur Zeit in Jacksonville an der Saison laboriert: Man träumt davon, einige Heimspiele in Orlando austragen zu dürfen, um die Football-Fans dort neugierig machen zu können. Die beiden Städte liegen rund zweieinhalb Stunden mit dem Auto voneinander entfernt. Das wäre also etwas so, wie wenn man mit dem TSV 1860 München in Nürnberg ankommen würde, um dort Wurzeln zu schlagen.

Nur eines scheint klar: Die Taschen von Jaguars-Besitzer Wayne Weaver (Bild) sind tief genug. Er kann Geld zubuttern, egal wie hoch die Verluste auch ausfallen. Und auch das scheint klar: Wer diesen Winter in Florida Ferien macht, könnte sich in Jacksonville ohne Probleme eine Karte für ein NFL-Spiel besorgen. Nicht dass ich deshalb gleich dorthin fahren würde, aber wenn man in der Nähe ist...

30. Oktober 2009

Wenn Dummheit bestraft wird

Es ist nicht ganz leicht nachzuvollziehen, worüber sich Kerry J. Byrne eigentlich beschwert. Da listet er zuerst in einem ellenlangen Artikel eine Reihe von statistischen Auffälligkeiten auf, die allesamt einen eindeutigen Trend bestätigen: Dass die 32 Clubs der National Football League in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zerfallen und dass die oft geäußerte Behauptung der Liga-Führung, man habe Ausgewogenheit ("parity") und Chancengleichheit in der NFL pure Propaganda ist. Und dann beschließt er diesen Beitrag mit der Feststellung, dass das gegenwärtige Regularium mit seinen strengen Salary-Cap-Regeln, den nicht garantierten Verträgen und einer ernormen Mobilität unter den Trainern und Spielern diesen Effekt hat: "Die NFL hat ein System geschaffen, das gut gemanagte Teams belohnt und schlecht gemanagte Teams bestraft. Die Colts, Patriots und Steelers verfeinern weiterhin jahrein, jahraus und eine erfolgreiche Saison nach der anderen dieses System. Die Browns, Lions und Teams (wie zuletzt) die Redskins machen Fehler bei ihren verzweifelten Entscheidungen abseits vom Spiefeld, die dafür sorgen, dass sie auf dem Platz nicht mithalten können."

Was genau ist daran so verwerflich, dass Dummheit für Misserfolg sorgt und Intelligenz für Super-Bowl-Siege? Nun Mr. Byrne sagt es uns: Früher hätten auch die schlecht geführten Clubs zwischendurch eine Chance gehabt, wenn sie kurzfristig viel Geld in die Mannschaft pumpten. Geld sei "der große Gleichmacher".

Wenn man so etwas unter der Rubrikenüberschrift Cold Hard Football Facts auf der Seite von Sports Illustrated liest, runzelt man erst mal die Stirn. Das Blatt, in dem einst Dr. Z. für die Auswertung der harten Fakten zuständig war und Peter King jeden Stein (und seinen schwergewichtigen Korpus) in Bewegung setzt, um den Lesern erhellende Informationen zu liefern, ist jetzt auch eine Anlaufstelle für Dummschwätzer?

Zunächst ist die Beobachtung, dass Denver, New England, Indianapolis und Pittsburgh in den letzten Jahren die NFL dominiert haben, nicht von der Hand zu weisen. Wobei wir aus New England wissen, dass man das geschafft hat, obwohl man ständig gute Spieler und Trainer ziehen lassen musste. Es ist auch richtig, dass Mannschaften wie Denver, Indianapolis und New Orleans in diesem Jahr ein Kunststück fertig gebracht haben, das es noch nicht gab. Drei Mannschaften, die nach sieben Spieltagen ungeschlagen sind.

Wer New Orleans sagt, sollte allerdings vielleicht auch erwähnen, dass diese Mannschaft einst weder mit viel Geld noch mit guten Worten irgendetwas Bemerkenswertes auf die Beine stellen konnte. Sie war das, was die Lions heute sind: abgrundtief schlecht. In sofern kam hier parity zum Tragen. Auch die Arizona Cardinals, die im Februar zum ersten Mal den Super Bowl erreichen konnten, waren früher einfach nur eine Fußmatte für die anderen Clubs. Zur Zeit muss man mit ihnen rechnen.

Erstes Fazit: Wer parity nur an einer Handvoll von Teams misst, die Super Bowls gewinnen, hat keinen Blick fürs große Ganze.

Zweitens: Wer die Tatsache ignoriert, dass die NFL mit 32 Mannschaften, aber nur 16 Spieltagen einen hochgradig manipulierten Spielplan hat, der versteht nicht das kleine Einmaleins der Tabelle. Gute Mannschaften haben nicht nur Erfolg, weil sie gut gemanagt werden, sondern, weil sie im Schnitt leichtere Gegner haben. Pittsburgh trägt vier Spiele pro Saison gegen die Cleveland Browns und die Cinicinnati Bengals aus. Das waren zuletzt Spaziergänge. New England hat im Osten der AFC mit Buffalo und Miami und den Jets zu tun. Auch das waren Aufbauprogramme und keine Leistungstests.

Drittens: Eine Liga mit 32 Teams und mithin 1600 Footballprofis kann nicht auf ewige Zeiten davon ausgehen, dass sie genug gute Spieler anlocken kann. Die Expansion der Liga hat zwangsläufig für eine Ausdünnung der Leistungsdecke gesorgt. Die NHL konnte das gleiche Problem mit dem Import von hochtalentierten Eishockeyspielern aus Europa kompensieren. Auch die NBA vertritt eine Politik der offenen Tür. Major League Baseball holt sich mittlerweile einen erheblichen Teil des Nachwuchs aus der Karibik und lockte gute Japaner an. Welches Reservoir hat die NFL? Den Collegesport in den USA. Trainer und Scouts, die in einer solchen Landschaft die Spieler mit Potenzial und Lernbereitschaft erspähen, erarbeiten sich selbstverständlich auf diese Weise sehr viel leichter ein Fundament für Erfolg. Die Leute mit Tomaten auf den Augen werden als das entlarvt, was sie sind: blind.

Was sollte daran falsch sein?

26. Oktober 2009

NFL in London: Vogelscheuchen und rostige Messer

Die griffigste Depesche zum diesjährigen Ausflug der NFL nach London, wo die New England Patriots eine Demonstration ihrer Sportart gaben (und bei der Gelegenheit die Tampa Bay Buccaneers als Versammlung an ziemlich unbeweglichen Vogelscheuchen entlarvten), kann man heute in der Online-Ausgabe des Wall Street Journal lesen:

"Wir sind sehr für eine Expansion, aber das London-Spiel kommt einem wie der alljährliche Besuch beim Onkel vor: Pflicht, unbeeindruckend und kaum zu erklären. Trotz all dem Getöse um den guten Eintrittskartenverkauf – das Wembley-Stadion verkaufte angeblich die ersten 20.000 Tickets innerhalb von sieben Minuten, was uns glaube machte, das Spiel sei als Partie zwischen New England und Robbie Williams und der Königin angepriesen worden – sah es im dritten Viertel bereits so aus, als hätte ein Großteil der Zuschauer bereits vor ihrem Bier im Pub gesessen. Wer könnte es ihnen verübeln? Die Patriots nahmen die Rostigen-Messer-Piraten von Beginn an auseinander und gewannen 35:7. Amerikaner behaupten gerne, dass ihre Football-Version im Fernsehen sehr viel funkelnder aussieht. Aber wir schauen uns lieber an, wie Wayne Rooney eine Stunde lang seinen Kopf gegen den Torpfosten rammt als die Buccaneers."

Enough said.

15. Oktober 2009

Sport und Politik: Limbaugh scheitert

Eine der erfolgreichsten fachspezifischen neuen Webseiten aus dem Sportbereich in den USA ist ProFootballTalk. Gegründet wurde das Projekt 2001 von Mike Florio. Im Juni wurde es von NBC Sports übernommen. Im Umgang mit den Nachrichten aus der NFL hat die Seite einen leicht ironischen Ton. Das gilt nicht für ernsthafte Themen wie die Absicht des ultrarechten und ultrareichen Talk-Radio-Magnaten Rush Limbaugh, sich zusammen mit anderen die darbenden St. Louis Rams einzuverleiben. Aus der Absicht wird zwar nichts, weil nicht nur Spieler und die Spielergewerkschaft nervös wurden, als der Plan bekannt wurde. Selbst Leute wie Dallas-Mavericks-Besitzer Mark Cuban meldeten sich zu Wort und zeigten auf, welche Schwierigkeiten der NFL bevorstehen würden, sollte der Radio-Mann auch als Club-Eigentümer weiterhin jeden Nachmittag über Mittelwelle landesweit seine hasserfüllten Tiraden auf die derzeitige Regierung, auf selbstbewusste Frauen (Limbaugh: "Feminazis") und seine Haltung gegen über schwarzen Amerikanern ausspucken. Der wichtigste Partner im Übernahmeprojekt – der Sportmanager Dave Checketts – zog die Reißleine und trennte sich gestern von Limbaugh.

Bei ProFootballTalk spielte sich die Entwicklung unter anderem in den Kommentaren ab. Limbaugh-Fans - und Apologeten (Spitzname: "Dittoheads") schrieben sich in den Kommentaren die Finger wund und beschuldigten Florio, er sei eine Marionette von NBC und deren Eigentümer General Electric und damit der Regierung. Ein Teil der Meinungsäußerungen dokumentierte allerdings eine subtile und sehr viel gefährlichere Haltung: Der Anspruch von rechts gestrickten Sportanhängern, dass man ihnen in einem Sportblog möglichst keine Texte serviert, die auch nur im entferntesten etwas mit Politik zu tun haben. Diese Gruppe von Lesern stellt gerne die Behauptung auf, dass das eine (Sport) und das andere (Politik) nichts miteinander zu tun haben, um auf Basis dieses denkschwachen Axioms die Inhalte zu beeinflussen.

An dieser Haltung ist zumindet soviel bemerkenswert: Sie dürfte bei einer großen Mehrheit der Sportjournalisten auf Zustimmung stoßen. Anders ist es nicht zu erklären, dass Sportberichterstattung nach Möglichkeit jeden systemkritischen und systemanalytischen Ansatz vermeidet. Obwohl die Strukturfehler des kommerziellen Sports (sei es die Abhängigkeit von Fernsehgeldern und Sponsoren, Doping zur Leistungssteigerung, Korruption und Betrug) nicht mehr von der Hand zu weisen sind. Ob und wie Mike Florio der Gegenwind aus den Kommentaren beeinflusst, wird man sehen.

7. Oktober 2009

Der Apfel fiel endlich vom Stamm

Wer sich den Namen Michael Crabtree merken will, sollte sich eine Eselsbrücke basteln: Der erste Teil des Wortes deutet als Ursprung den crab-apple an (malus pumila), der auf Deutsch als Johannisapfel firmiert und als Urvater vieler gekreuzter Apfelsorten gilt. Oder er sollte ab demnächst mal bei den San Francisco 49ers vorbeischauen. Denn nach vier Spielen der laufenden Saison hat sich der talentierte Wide Receiver endlich dazu entschlossen, einen Vertrag mit dem Club zu unterschreiben. Die späte Einigung kam vor allem deshalb zustande, weil der in der ersten Draft-Runde gezogene Football-Spieler begriffen hatte, dass er sich mit seiner Weigerung karrieretechnisch in eine miserable Situation hineinmanövriert. Vermutlich hatte er vor Beginn der Spielzeit angenommen, dass sich der Club die Hacken abläuft, um ihn zu verpflichten. Denn die 49ers, einst der Goldstandard der NFL, waren zuletzt extrem schlecht und schienen auf jeden guten Spieler angewiesen. Die ersten Begegnungen (Zwischenstand 3:1) haben jedoch gezeigt, dass die Mannschaft theoretisch auch ohne Crabtree klar kommt, weil die von Trainer Mike Singletary geformte Gruppe diszipliniert spielt und sich nicht länger selber schlägt. San Francisco sah keinen Grund, den Johannisapfelbaum an einen anderen Club abzugeben und zwang ihn auf diese Weise in die Enge. Seine einzige Alternative wäre gewesen: Sich für den Draft-Pool des Jahres 2010 anzumelden und dort auf ein besseres Resultat zu hoffen. Mal abgesehen von dem Geld, das man auf diese Weise nicht verdient: Solch eine Strategie birgt viele Risiken.

Der jetzt unterschriebene Vertrag bindet ihn für mindestens fünf Jahre an die 49ers und dürfte eine ordentliche Vorabbonus-Garantie enthalten, mit der man dem Wide Receiver eine derart lange Laufzeit schmackhaft machen konnte. Dass er noch in dieser Saison groß zum Zuge kommen wird, ist eher unwahrscheinlich. Zumal die Mannschaft mit Shaun Hill keinen besonders begabten Quarterback besitzt, von dem man lange exakte Pässe erwarten kann.

Die Angelegenheit wird noch ein Nachspiel haben, weil die 49ers den New York Jets vorwerfen, sich hinter den Kulissen eigenmächtig eingemischt zu haben. Angeblich soll Ex-Profi Deion Sanders, der zur Zeit für NFL Network als Fernsehmann arbeitet, beteiligt gewesen sein. Die Liga wird den Sachverhalt untersuchen.
P.S.: Wie Football-Profis ticken, hat die Frauenzeitschrift Cosmopolitan zu ergründen versucht. Das Resultat ist nicht ermutigend. Aber vielleicht liegt es auch an den Reportern des Magazins. Die sollten vielleicht mal die Frauen fragen, die sich nichts Besseres vorstellen können, als sich einen Profisportler zu angeln. Auf diese Weise müssten eigentlich viel interessantere Details zu ermitteln sein.

29. September 2009

Raiders: Heimliche Tipps vom suspendierten Assi

Bei Hertha BSC wurde gestern ein Trainer gefeuert, der nach Ansicht seines Co-Trainers das Opfer des sabotierenden Verhalten einiger Leistungsträger wurde. Der Alltag eines Fußballkaders und das Resultat einer oft zitierten, aber dann doch nie wirklich erklärten Chemie im Mannschaftssport. Solche Geschichten schreiben sich leicht und schnell, vor allem wenn man jemanden zitieren kann, dem die Galle überläuft. Ganz anders sieht es aus, wenn folgendes passiert, dann muss man weiter ausholen. Im wörtlichen Sinne. Erst mal zum Sachverhalt: Da haben Spieler der Oakland Raiders neulich doch tatsächlich einen Club-Computer mit Informationen über Spielzüge und taktische Feinheiten einem Assistenztrainer zukommen lassen, damit der ihnen wichtige Tipps gibt. Der Assistenztrainer heißt Randy Hanson und war der Empfänger eines Fausthiebs von Cheftrainer Tom Cable, durch den er – dem Vernehmen nach – den Bruch seines Unterkiefers erlitt.

Seit dem Zwischenfall war Hanson vom Dienst suspendiert und durfte nicht mehr aufs Trainingsgelände, erhielt aber weiter sein Gehalt. Inzwischen ermittelt die Polizei. Nicht ausgeschlossen, dass die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Körperverletzung erhebt. Das Resultat der geheimen Computer-Aktion: Die Defensive Back spielten besser. Nun muss Cable um seinen Job fürchten.