20. April 2008

Danica ganz vorne

Von dieser Frau war hier schon ein paar Mal die Rede. Unter anderem im Rahmen eines Hinweises auf das letzte Indy 500, das eine kleine Invasion von weiblichen Fahrern verzeichnete. Die gingen alle leer aus. Aber Räder müssen rollen bis zum Sieg. Und der kam heute: Danica Patrick gewinnt als erste Frau ein Automobilrennen in einer amerikanischen Serie von Belang und löst also ein, worauf die Vermarkter und Sponsoren im Hintergrund schon immer gehofft hatten. Das Rennen in Japan heute morgen war ihr 50. in der Indy Racing League. "Ich habe immer gewusst, dass ich gewinnen kann." Hier das Interview auf ESPN nach der Siegerehrung.

Das letzte, was wir von der ziemlich klein und leicht geratenen Rennfahrerin gehört hatten, war die Nachricht von einer Spezialbehandlung der Rennaufsicht, um den Wettbewerb im Vergleich zu den korpulenteren Kerlen auszutarieren. Ihre Reaktion war eher beschämend: Es gäbe auch im Football keinen Versuch, das Gewicht der Spieler aneinander anzupassen und im Basketball gebe es extrem lange Menschen, denen auch niemand deswegen einen Vorwurf macht. So sprach sie, wohl vergessend, dass es im Automobilsport jede Menge Regeln gibt, die nichts anderes erreichen sollen, als die Bedingungen zu nivellieren, unten denen die Leute auf die Piste gehen. Sonst gewinnt nämlich meistens der mit der dicksten Antriebsaggregat. Und nicht unbedingt der beste Pilot. Wie groß ist das Mädchen? 1,57 Meter. Und wie schwer? 47 Kilogramm.
Blick zurück: Danica Patrick und Michelle Wie im Vergleich
Blick zurück: Frau am Steuer im Musik-Video von Jay-Z

19. April 2008

Suns verlieren in San Antonio: Unbegreiflich

Unbegreiflich. Wenn sich die Phoenix Suns innerlich auf einen Gegner in den NBA-Playoffs eingestellt hatten, dann diesen - die San Antonio Spurs. Wegen Tim Duncan hatten sie Shaquille O'Neal aus Miami geholt und eine Menge Substanz und Tempo abgegeben. Heute hatten sie erste und beste Gelegenheit zu zeigen, wie man die Umbauarbeit in Erfolg ummünzt.

Unbegreiflich: Die San Antonio Spurs gingen erst zweieinhalb Minuten vor Schluss der regulären Spielzeit zum ersten Mal im gesamten Match in Führung. Sie brauchten einen Dreier von Michael Finley, um sich in die erste Verlängerung zu quälen. Sie brauchten einen Dreier von Tim Duncan - den ersten der gesamten Saison -, um sich in die zweite Verlängerung zu quälen. Und dann machten sie langsam, aber sicher den Sack zu und waren klug genug, die Partie zwei Sekunden vor dem Ende zu entscheiden. Die Suns hatte keine Auszeiten mehr. Ja, und das war's. 117:115.

Unbegreiflich. Denn das war die Begegnung, die die Suns in der Halle der Spurs gewinnen mussten. Denn sie haben in der Best-of-Seven-Serie als schlechter Platzierter nur maximal drei Heimspiele. Das war die Begegnung, die sie dreimal gewinnen konnten. Aber gegen Schluss kulminierte die Leistung in kleinen mentalen Fehlern. Der schwerwiegendste war vermutlich der von Steve Nash im vierten Viertel, als er die Shot Clock aus den Augen verliert und die Suns ohne Wurfversuch den Ball abgeben. O'Neal ist sicher nicht das viele Geld wert, das ihm die Suns bezahlen. Aber er war durchaus ein brauchbarer Fels in der Brandung.

Die San Antonio Spurs mögen diese Art von Basketball innerlich richtig gut finden - ein Sieg ist ein Sieg ist ein Sieg. Aber damit stehen sie vermutlich weit und breit alleine da. Am meisten wird sich Mark Cuban ärgern. Der bezahlt noch immer das Gehalt für Michael Finley. Die Mavericks sind übrigens in ein paar Minuten an der Reihe.

Warten auf Gegenwind

Es wird einem schnell schon mal vorgeworfen, man sei eingenommen oder - noch schlimmer - voreingenommen von irgendeiner Leidenschaft oder auch nur Sichtweise. Das bringt das Veröffentlichen von Texten in angesehenen Publikationen wohl mit sich, dass sich im Publikum Widerwillen regt. Denn natürlich gibt es Menschen, die den beschriebenen Sachverhalt ganz anders sehen. Gelegentlich bläst der Gegenwind von anderen Schauplätzen sogar hier durch. Was eigenartig ist, denn die FAZ bietet ihre eigene Kommentarmöglichkeit und hat sicher nichts dagegen, wenn Leser sich dort ausgiebig zu Wort melden.

A propos voreingenommen: So einseitig wie Neal Pollack in Slate würde ich auch gerne häufiger an ein Thema herangehen. Erst recht bei dieser MVP-Sache in der NBA. Aber am Ende wurde aus meiner Beschäftigung mit dem gleichen Stoff ein eher zarter Versuch, herauszuarbeiten, dass dieser Tage der extrem überschätzte Kobe Bryant zum angeblich wertvollsten Spieler der Saison hochgeschrieben wird. Die inneren ph-Werte von Pollack hat eben nicht jeder. Der angesprochene Text erscheint übrigens morgen in der gedruckten Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Kommentiert werden darf gerne auch hier. Je mehr desto besser.

Blogger leben gefährlich (2)

Wenn man einen fest Job bei einer Zeitung wie der Washington Post hat, ist es keine gute Idee, in der Freizeit unter Pseudonym für Blogs zu schreiben. Oder wenn man schon unbedingt nebenbei etwas machen möchte, was man nicht tun soll, dann sollte man nicht einfach die Tarnkappe absetzen. Darauf hätte Michael Tunison bei Lektüre seines Vertrages eigentlich selber kommen müssen. Aber vielleicht hatte er keine Lust dazu. Und so musste er in der letzten Woche von jetzt auf gleich seinen Schreibtisch in der Redaktion räumen und das Haus verlassen. Der Mann, der bei den Sportblogs Kissing Suzy Kolber und Deadspin unter dem kuriosen Alias-Namen Christmas Ape schrieb, steht auf der Straße. Obwohl: Kissing Suzy Kolber ist ziemlich populär und Tunison meinte in einem ersten Kommentar, dass er dort genausoviel Geld verdienen wird wie bei dem etablierten Blatt. Das klingt eher wie eine Übertreibung. Zumindest muss er nicht mehr jeden Tag stundenlang pendeln, sondern kann von Zuhause aus arbeiten.
Blick zurück: Bloggen ist nicht nur gefährlich, sondern mitunter tödlich

17. April 2008

Dirk und das Glück

Morgen in der gedruckten Ausgabe der FAZ, aber schon jetzt online: Der Vorbericht zu den NBA-Playoffs über die Dallas Mavericks und ihren Gegner, die New Orleans Hornets. Dallas sein Nowitzki gab es übrigens heute morgen live im Rahmen einer Telefon-Pressekonferenz am Rohr, wovon jedoch aus Termingründen nichts mehr in den Artikel einfließen konnte. Seine Einschätzungen hätten, ehrlich gesagt, den Text nicht bereichert. Der gute Dirk redet bei seinen Antworten - egal, um was es geht - an den kitzligen Stellen leider oft von Glück und Unglück, also von metaphysischen Gegebenheiten, die alles und nichts erklären. Auch für seine rasche Rehabilitation nach der schweren Knöchelverletzung machte er vor allem sein Glück verantwortlich. Er hat darüberhinaus die Fähigkeit entwickelt, die jeweils aktuelle Lage zu kosmetisieren. Letztes Jahr, als sie als mit Abstand beste Mannschaft in die Playoffs gingen und dann gegen die Golden State Warriors untergingen, fand er den Leistungsdruck völlig in Ordnung. Diesmal ist alles anders, aber genauso probat. Nicht zu den Favoriten zu gehören, ja, das sei gut. Merke: Es ist wahrscheinlich immer gut, Dirk Nowitzki zu sein. Come rain or come shine.

Kasperletheater in Ottawa


Das Kasperletheater von Ottawa zeigt, was passiert, wenn man Profi-Sport als Gladiatorenveranstaltung verkaufen will. Wieso die Senators an dieser seltsamen Krankheit leiden, kann man schwer sagen. Es beginnt schon damit, dass sie ein Logo haben, das keinen römischen Senator darstellt, sondern einen Centurion der römischen Legion. Das heißt, statt sich an das geistige Niveau eines Senats der Ära Cicero heranzurobben, spielt man Krieg. Das wurde in diesem Jahr auf die einzig wahre Weise abgewimmelt: Durch die jungen Pittsburgh Penguins in der ersten Playoff-Runde, die Ottawa viermal klar das Heft (und die Kelle und das Schwert und den anderen Driss) aus der Hand nahmen. Für Christoph Schubert und Martin Gerber, die beiden Vertreter vom D-A-CH-Verband, heißt das: Jetzt sind Ferien.

Fundamental anders

In New York ist es am Wochenende zu einer seltsamen Aktion gekommen: zu einer rabiaten Reaktion des Yankees-Management, das eine kleine, aber ungewöhnliche Sabotage-Handlung eines Bauarbeiters mit einer Presslufthammer-Brigade bekämpfen ließ. Es passierte beim Gießen des Fundaments des neuen Yankees Stadium und war es wert, in einer Geschichte in der FAZ nacherzählt zu werden. Wer mehr wissen will, bitte klicken.

16. April 2008

Mavericks gegen New Orleans

Die Dallas Mavericks haben sich in die Playoffs gehangelt und spielen dort gegen einen Gegner, gegen den sie am Mittwochabend im letzten Spiel der Tabellen-Saison sehr gut aussahen: Die New Orleans Hornets. Die Konstellation ist nur halb so reizvoll wie die gegen die Golden State Warriors im vergangenen Jahr. Aber trotzdem wird es einiges zu schreiben geben. Zuerst mal in der FAZ (Freitagausgabe). Und dann je nach dem Fortgang der Ereignisse auch hier. Schade um Don Nelson, der diesmal nur einen neunten Platz herausholte und nicht jene Begeisterung entfachen konnte, an die man sich so gerne gewöhnt hätte. Verlierer machen wehmütig. Weshalb wohl auch die Süddeutsche Pat Riley und den Miami Heat einen ausführlichen Bericht gewidmet hat. Riley gehört zu den Dinosauriern der Trainerzunft, der bald nur noch als Skelett (mit gegelten Haaren) im Museum zu bewundern sein wird. Phil Jackson, der alte Rivale von Riley, hingegen bastelt an einem Ausrufezeichen für eine außergewohnliche Karriere. Er könnte mit den Lakers einen neuen Rekord für Meisterschaftserfolge von NBA-Trainern aufstellen und dürfte alles andere als persönliche Niederlage empfinden. LA ist durch Pau Gasol effektiv zu einem Team geworden, dass jeden Gegner besiegen kann.

Schlaflos in Seattle: Der Kaffeebaron schlägt zurück

Eigentlich wollte der Erfinder von Starbucks, einer Kaffeehaus-Epidemie, die in Manhattan inzwischen jede Straßenecke mit einem Ableger bedeckt, nicht mehr viel arbeiten. Er hat schließlich mit dem Konzept eines hochgehypten teuren Capuccino im Pappbecher wirtschaftlich hinreichend ausgesorgt. Aber zuerst hatte er das Gefühl, dass es in seinem Imperium nicht mehr richtig rund läuft, und er begann, sich wieder in die Managementarbeit einzumischen. Einmal warm gelaufen, entdeckte er plötzlich noch mehr Energie in sich. Zum Beispiel, um sich auf eine öffentliche Schlammschlacht mit den neuen Besitzern der Seattle SuperSonics einzulassen. Die hatte er im Juli 2006 ziemlich achtlos weiterverkauft, nachdem er - eher erstaunlich für einen Bewohner der Stadt - ganz offensichtlich seinen Spaß an dem Spielzeug verloren hatte. Aber auf einmal ist sein Interesse entfacht. Weshalb? Keine Ahnung.

Obwohl: Vordergründig gibt es da diesen Fall von Empörung, wonach die Käufer nach außen hin immer so getan haben, als würden sie ernsthaft an einer Lösung arbeiten, die dem Club eine wirtschaftlich gesunde Zukunft in der ziemlich lebenswerten Kaffee-, Bier-, Musik- und Computer-Metropole ermöglichen würde. Aber tatsächlich haben sie nie an etwas anderem gebastelt als dem Umzug des Teams nach Oklahoma City. Was jetzt auch durch interne Memos belegt werden kann. Erst diese späte Information hat unserem Starbucks-Gründer Howard Schultz zu einem Rächer der Enterbten gemacht. Dass die Burschen, denen er für etwas mehr als 300 Millionen Dollar den Laden angedreht hatte, alle aus Oklahoma kamen, schien ihm damals nicht weiter suspekt. Bei manchen fällt der Groschen eben später.

Jetzt kommt der Teil der Geschichte, zu dem man die Lach-Konserve aus der Sitcom einspielen sollte: Schultz hat einen Anwalt beauftragt, der überprüfen soll, ob er die Käufer auf Herausgabe des Clubs verklagen kann. Allein die Geste sorgt für viel positive PR, besonders in Seattle, wo Schultz das gut gebrauchen kann. Ob eine Klage überhaupt Chancen hat, weiß kein Mensch. Es klingt eher nach einer Gurke.
Blick zurück: Das Unwesen der Oklahoma-Gang

14. April 2008

Immelman, geh du voran


Wir schulden von dieser Stelle aus noch eine Nachbetrachtung zum Masters in Augusta, das am frühen Sonntagabend mal wieder in einem Sonnenbad erster Güte zu Ende ging und einen Sieger hervorbrachte, den keiner auf dem Zettel hatte. Obwohl: Dieser Trevor Immelman war schon immer überdurchschnittlich gut. Scratch-Golfer mit 12. Mit 15 Junioren-Weltmeister. Und nun im reifen Alter von 28 Mitglied eines exklusiven Zirkels. ESPN hatte hinterher das aktuelle Interview mit ihm. Der Golf Channel legte eine Reportage neu auf, die man vor ein oder zwei Jahren in Südafrika gedreht hatte. Mit anderen Worten: das amerikanische Golfpublikum wurde rasch mit Eindrücken über Mister Unbekannt versorgt, dabei allerdings ein wenig zu sehr mit den Einschätzungen von Gary Player gefüttert.

Player, einer der ganz ganz Großen, der in dieser Woche sein 51. Masters bestritt und ein eindringlicher Botschafter des Spiels ist, verglich den Schwung von Immelman mit dem von Ben Hogan. Größeres Lob gibt es nicht. Die Reminiszenzen an Hogan (war leider wegen eines schweren Unfalls und seiner unfreundlichen Haltung gegenüber Medien und Sponsoren nie ganz der Übertyp, der Nicklaus später werden sollte) sollten jeden neugierig machen. Zum Beispiel auf dieses quintessentielle Ratgeber-Buch, das bei jedem Golfer im Schrank stehen sollte: Five Lessons.

Die wirklich bemerkenswerte Statistik rund um den Immelman-Erfolg ist: Südafrika hat seit Player sehr viele hervorragende Spieler herausgebracht. Doch alle schienen in Augusta auf den zweiten Platz abonniert. Ernie Els und Retief Goosen gelang das sogar zweimal. Tim Clark und Rory Sabbatini einmal. Immelman beendete die Serie. Mit enormer Konzentration und erstaunlicher Konsistenz. Wäre ihm nicht der Ball am Sonntag am 16. Loch ins Wasser geplumpst, hätte er Woods und den Rest um fünf Schläge abgehängt. So waren es nur drei.

Was war mit Tiger Woods los? Einen Teil kann man im Video sehen. Er war die ganze Woche unzufrieden und fand neue Wege, sich über sich selbst zu ärgern.