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6. Juli 2008

Oilers-Manager gießt Öl aufs Feuer

Ein Jahr hat der Manager der Edmonton Oilers aus der Ferne die ziemlich unflätigen Beschimpfungen ertragen, die sein Kollege Brian Burke von den Anaheim Ducks für ihn übrig hat. Am Freitag hat Kevin Lowe in einem Radiointerview erstmals reagiert und dabei eine Menge Luft abgelassen. "Er ist ein Idiot", sagte er. Und dann ging es los. Über den Auslöser des Zwists haben wir vor einem Jahr aus aktuellem Anlass berichtet und bereits angedeutet, dass dieser Fall das Potenzial hat, dass irgendwann mal die Knallkörper fliegen. Aber dass es so laut wird? TSN hat es für die kanadischen Fernsehzuschauer aufbereitet: die Sprüche von Burke und die Suada von Lowe. Das Video lässt sich leider nicht einbetten.

29. Juli 2007

Die Oilers treiben die Gehälter hoch (und den Frustpegel der Konkurrenz)

Man muss es dem Management der Edmonton Oilers lassen: Mutig sind sie. Und Angst davor, es sich mit anderen Managern von anderen NHL-Club zu verderben haben sie auch nicht. Wir berichteten bereits darüber, wie das Angebot der Oilers an die Adresse von Thomas Vanek sein Gehalt in die Höhe katapultierte, als sie ihn von den Buffalo Sabres loseisen wollten. Letzte Woche haben sie das gleiche mit dem jungen Stürmer Dustin Penner vom Stanley-Cup-Sieger Anaheim Ducks probiert. Diesmal ging es nur um ein Jahresgehalt von etwas mehr als 4 Millionen Dollar. Aber das war genug, um Anaheim-Manager Brian Burke in Rage zu bringen. Er muss nämlich jetzt das viele Geld ausgeben, um Penner zu halten. Wäre ihm Edmonton nicht in die Parade gefahren, wäre der neue Vertrag mit Penner sicher günstiger für ihn und seinen Club ausgegangen.

Natürlich ist an dem Verhalten von Oilers-Manager Kevin Lowe überhaupt nichts verwerflich. Teams konkurrieren am Ende ohnehin auf jeder erdenklichen Ebene miteinander - sei es auf dem Eis, wo man sich auch nicht dafür entschuldigt, wenn man gegnerische Spieler verletzt oder eine Mannschaft mit einer gehörigen Packung nach Hause schickt. Oder sei es hinter den Kulissen im Kampf um neue Verpflichtungen, wenn oft nicht mal die Höhe des Geldes den Ausschlag gibt, sondern der gute Ruf einer Stadt.

Trotzdem provoziert Lowes Verhalten jede Menge ehrenkäsige Reaktionen. So als ob es unausgeprochene Kartellregularien gäbe, die besagen: Eine Mannschaft macht der anderen nicht die Spieler abspenstig. Früher - ehe die Liga nach einem langen und zähen Streit mit der Gewerkschaft die Salary Cap in den Tarifvertrag hineinhieven konnte - wäre der Zorn vielleicht noch verständlich gewesen. Denn damals gab es ungebremste Lohntreiberei, die den ärmeren Teams die Luft zum Atmen nahm. Heute ist das nicht mehr möglich. Alle können/dürfen nur den maximal gleichen Betrag ausgeben. Wie sie den Kuchen unter ihren Spielern verteilen, bleibt ihnen unbenommen. Mit anderen Worten: Die Oilers haben einfach noch Platz im auf die gleiche Summe ausgelegten Budget, den andere nicht mehr haben.

Dass Lowe soviel schlechte Stimmung entfacht, wird sich sicher noch eines Tages niederschlagen: Bei Trade-Geprächen, bei denen normalerweise nicht paranoide Furcht regiert, über den Tisch gezogen zu werden, sondern Kollegialität und gegenseitiges Vertrauen. Aber das kann dem ehemaligen Verteidiger und Stanley-Cup-Gewinner auch egal sein. Ganz abgesehen davon: Demnächst wird ihm der erste Club angesichts solcher obszön wirkender Offerten den angebaggerten Spieler überlassen, und dann muss Edmonton bezahlen. Obendrein besagt das System, dass der neue Club bei dieser Aktion im Tauch mehrere Draftplätze abgeben muss. Auch das kann teuer werden.

12. Juli 2007

NHL: London on Ice

Erst die NFL, jetzt die NHL: London ist das neue heiße Pflaster für den amerikanischen Ligasport auf der Suche nach den Erträgen in der Welt von morgen. Was sich die Eishockey-Leute dabei gedacht haben, zwei Teams aus Kalifornien - Stanley-Cup-Sieger Anaheim Ducks und die Los Angeles Kings - acht Zeitzonen weiter östlich antreten zu lassen, um gleich zwei Begegnungen gegeneinander auszutragen (am 29. UND 30. September), die in der Heimat als Lokal-Derbys sicher sehr viel mehr Aufsehen erregen würden, lässt sich einfach nicht erkennen. Also verzichten wir hier auf weitere sarkastische Anmerkungen. Austragungort: die 02 Arena. Anpfiff: so das die Fans zuhause morgens um 9 Uhr ihre Fernseher einschalten müssen, wenn sie live dabei sein wollen.

6. Juni 2007

Entenhausen steht Kopf: Anaheim gewinnt den Cup

Dies wäre der Ordnung halber zu vermelden, weil damit die NHL-Saison zu Ende ging: Die Anaheim Ducks besiegen im fünften Match der Serie in eigener Halle die Ottawa Senators mit 6:2 und holen sich den Pott. Ottawa mag zwar in der Auseinandersetzung qua Geographie als das kanadische Team gelten. In Wirklichkeit sind die Ducks (die am Anfang der Saison das Wort "Mighty" eingebüßt hatten) die kanadische Mannschaft. Kein NHL-Club beschäftigt soviele Profis aus dem Mutterland des Sports wie Anaheim. Scott Niedermayer wurde zum MVP ernannt. Er war der einzige, der den Stanley Cup schon mal gestemmt hatte (in New Jersey). Ausnahmetalente wie Teemu Selänne und Chris Pronger, denen auf ihren bisherigen Stationen der Erfolg verwehrt geblieben war, können nun ebenfalls beruhigt ihr Pferd besteigen und in den Sonnenuntergang reiten.

Hier noch ein Schlenker zu Ottawa, wo man nun vom nächsten Jahr träumt. Die Passage ist aus einem Text, der vor Beginn des Finales durch die Ritzen fiel:
"Wenn die Anhänger einer Sportmannschaft in Nordamerika nach eine Erklärung dafür suchen, weshalb ihr Club seit Jahrzehnten keinen Titel mehr gewonnen hat, kommt schon mal Aberglauben in Spiel. Es ist so viel einfacher, sich vorzustellen, dass ein Fluch auf einem Team lastet, als die tausend Gründe aufzulisten, die für den Mangel an Erfolg verantwortlich sind. In Ottawa, wo einst die besten Eishockeyspieler des Kontinents einen Stanley-Cup nach dem anderen gewannen, ist man deshalb irgendwann auch auf eine solche Vorstellung verfallen. Denn kaum hatten die Senators anno 1930 ihren überragenden Verteidiger Francis “King” Clancy (Foto) an ihren größten Rivalen, die Toronto Maple Leafs, verkauft, da gingen sie auch schon pleite. Und es dauerte bis 1992, ehe man in der kanadischen Hauptstadt wieder das Geld zusammen hatte, um eine Mannschaft für die National Hockey League auf die Beine stellen zu können.

Den Fluch soll damals der kleine Clancy ausgesprochen haben, weil er sich ärgerte, dass sein alter Club für ihn mehr Geld bekam, als er selbst verdiente. “Ich werde zwanzig Jahre tot sein, ehe ihr wieder den Cup stemmen könnt”, soll er Ottawas damaligem Trainer vor seiner Abreise zugerufen haben.

Den neuen Senators mit dem Emblem eines wehrhaften altrömischen Soldaten auf der Brust dürfte das nur Recht sein. Die zwanzig Jahre sind - nachdem Clancy 1986 gestorben war - vor kurzem abgelaufen."
Memo nach Ottawa: Kommt Zeit, kommt Cup.