Das erste Mal, als ich bei einem Besuch in Bremen die beiden hinlänglich bekannten Vorzeigestücke gefunden habe – die Stadtmusikanten und den Roland – war ich ziemlich enttäuscht. Auf jemanden aus einer Großstadt wirken die beiden Figurinen so, als habe sie jemand aus einem Museum in Liliput gestohlen. Wie sie den Rang von Wahrzeichen erhalten haben, ist mir noch immer ein Rätsel. Das Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald – das ist ein Wahrzeichen. Der olle Bismarck in Hamburg – das ist ein Denkmal (so groß, dass die Nazis im Zweiten Weltkrieg im Sockel einen Luftschutzraum einrichten ließen).
Wenn also dieser Tage in Brockton im Bundesstaat Massachusetts Debatten darüber ausbrechen, wie groß die Statue sein darf, die man zur Erinnerung an einen Sohn der Stadt, den Boxer Rocky Marciano, bauen will, möchte man den Leuten dort zurufen: Je größer desto besser. Solange ihr das Geld auftreiben könnt, nur zu.
Der gegenwärtige Plan spricht von rund acht Metern, hat aber in der Region zu Naserümpfen geführt, weil man die Proportionen gewahrt wissen will. Schließlich hat man selbst den einstigen Präsidenten John F. Kennedy in Boston nicht mit mehr bedacht als einer Figurine in Lebensgröße. Und ganz abgesehen davon scheint sich auch im Sport das Format eins-zu-eins durchgesetzt zu haben. Alles andere gilt wohl als Hybris. Siehe die Abbildungen von Sportgrößen wie Michael Jordan (in Chicago verewigt) oder Wayne Gretzky (in Edmonton).
Aber reden wir mal von Proportionen. Fangen wir mal mit dem offensichtlichsten an: Marciano ist tot, aber es gab ihn wirklich (nicht so wie die Stadtmusikanten von Grimm oder der gute Roland, den man wohl als fiktives Kompositum bezeichnen muss). Und dann erhöhen wir ihn noch um folgenden Wert: Marciano war als Schwergewichtler ungeschlagen. Keinem anderen Profiboxer ist das je vorher oder nachher gelungen. Wir erhöhen weiter: Er war vier Jahre lang unumstrittener Weltmeister (nicht so wie heute, wo jeder dank der vielen Verbände jeder bessere Puncher sich so nennen kann). Und er hat 87 Prozent seiner Kämpfe mit K.O. gewonnen. Wir erhöhen weiter: Er starb früh den Tod von Otis Redding und Buddy Holly, beim Absturz eines Privatflugzeugs, was allein schon Legendenstatus bedeutet. Na, ich sag mal: acht Meter sind zu wenig. Zwölf bis sechzehn wären angemessener. Mehr über diesen Rocky in diesem Video.
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10. November 2008
13. März 2007
Jedem Star sein Denkmal
In Green Bay hat man vor ein paar Tagen ein neues Kapitel in der künstlerischen Darstellung sportlicher Leistungen aufgeschlagen: die Reggie White Statue wurde enthüllt. Die was? Reggie White war der Grundstein für die Wiederbelebung der Green Bay Packers in den neunziger Jahren. Der Defensive End mit der Nummer 92 wechselte 1993 nach einer ausführlichen Erkundungstour zu zahlreichen Clubs als hoch bezahlter Free Agent von den Philadelphia Eagles in den kalten Norden, wo ihm (dank unter anderem einem jungen Quarterback namens Favre) gelang, worauf man in Philly noch immer wartet: der Sieg im Super Bowl. White spielte sechs Jahre in Wisconsin, ehe er sich vom aktiven Sport zurückzog. Er starb jedoch Weihnachten 2004 im Alter von 43 Jahren.White war ein herausragender Spieler, weshalb ich ihm in meinem Buch American Sports ein eigenes Kapitel zugestand. Überschrift: "Knochenbruch in Gottes Namen". White war ordinierter Baptistenprediger. Ein Mann mit einer sanften tiefen Stimme, der seine Gegner mit einer Energie in den Boden rammte wie kaum ein anderer.
Braucht so jemand ein Denkmal? In einem Land, in dem jede noch so ausgefallene Sportart eine Hall of Fame betreibt, wird diese Frage gar nicht gestellt. Manche Sportler werden einfach besonders geehrt. Punktum.
Michael Jordan Statue
Foto by davespectral
Wie etwa Michael Jordan, dessen Statue vor dem United Center in Chicago errichtet wurde (links), als die Mannschaft Anfang der neunziger Jahre in die neue Halle umzog und eine wirklich schmuddelige Kaschemme zurückließ, die kurz darauf abgerissen wurde. Jordans Beziehung zu Chicago ist noch immer intakt. Dort hat er sein Büro und die riesige Villa vor den Toren der Stadt.
Wayne Gretzky und
Edmontons Beziehung hingegen ist schon lange erkaltet. Er ist zwar in letzten Jahren in seiner Rolle als Mitbesitzer und Trainer der Phoenix Coyotes häufiger in der Halle gewesen, vor der er in Bronze geossen steht und eine Nachbildung des Stanley-Cups hochwuchtet. Aber das sind Pflichtreisen. Die Jahre in Edmonton mit allen Erfolgen in einer der besten Eishockey-Clubmannschaften die es je gab, sind einfach zu lange her. Und Edmonton, geplagt mit der kleinsten Halle in der National Hockey League und einem ständigen Kampf um genügend Einnahmen, war gezwungen, sich auf andere Dinge zu konzentrieren.Bezeichnend im Vergleich der drei Denkmäler, was da eigentlich visuell zelebriert wird: bei Reggie White ist es die Rückennummer, bei Jordan seine Sprungkraft und bei Gretzky die Freude über den Gewinn des riesigen Potts, der zeigt wie klein der Eishockey-Crack ist und wie riesig die Trophäe.
Blick zurück: Rocky Balboas Statue landet vor einem Kunstmuseum in Philadelphia
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