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25. September 2009

Gretzky gibt auf

Die Nachricht von gestern lautete: Wayne Gretzky hat in Phoenix die Kelle abgegeben und den Trainerposten der Coyotes verlassen. Die erste Reaktion darauf: Was die Coyotes hatten einen Trainer? Braucht man, um in den NHL die Playoffs nicht zu schaffen und in einer halbleeren Halle zu spielen, einen Coach?

Hier die Bilanz von vier Jahren und mehr als 300 Spielen in der regulären Saison: 143 Siege, 166 Niederlagen. Für diese Leistung wurden ihm 6,5 Millionen Dollar Gehalt pro Jahr vom Club zugestanden. Trainer, die weniger verdienen, wären in anderen Clubs angesichts solcher Mißverhältnisse schon vor langer Zeit rausgeworfen worden. Aber Gretzky hatte es besser. Einem Miteigentümer setzt man nicht den Stuhl vor die Tür.

Mehr über die Verhältnisse, vor dem großen Bankrott, kann man hier lesen. Zum letzten Stand des Konkursverfahrens, das sich weiter hinzieht, weil der Schuldner und Ex-Besitzer Jerry Moyes keine Ruhe gibt, hat die Hockey News vor ein paar Tagen alles zusammengetragen. Aus dem Hickhack nach der vom Gericht durchgeführten Auktion (das Resultat ist offiziell noch nicht bekannt), muss man schließen, dass der Richter den Club in Glendale halten will und damit den Willen der Liga erfüllt. Wenn auch sicher aus anderen Gründen. Die Stadt Glendale ist als Besitzer der Hauptgeschädigte, wenn die Coyotes nach Kanada abwandern.

15. September 2009

Der Klingelbeutel: Was Wie wo macht

Wir warten auf den Gretzky-Dokumentarfilm, den ESPN Anfang Oktober ausstrahlen will. Titel: Kings Ransom. Hier eine erste Einschätzung der Arbeit von Filmemacher Peter Berg.

• Die kleine Fernsehreporterin Suzy Kolber ist die unfreiwillige Namensgeberin des Blogs Kissing Suzy Kolber, wozu es eine schlichte Entstehungsgeschichte gibt (ein offensichtlich betrunkener Joe Namath rückte ihr während eines Live-Interviews allzu nahe). Nach ihrem Einsatz nach dem Auftaktsieg (25:24) der New England Patriots gestern gegen die Buffalo Bills, der auf mirakulöse Weise zustande kam, sollte man sich nicht wundern, wenn es bald schon wieder einen Blog gibt, der auf ihre Arbeit anspielt. So etwas wie: Running with Suzy Kolber. Vor laufender Kamera mühte sie sich auf geradezu kuriose Weise ab, Quarterback Tom Brady direkt nach dem Schlusspfiff eine Frage zu stellen. Der wollte nämlich unbedingt in die Kabine joggen. Also musste Kolber mitjoggen. Die Szene zeigt einmal mehr, dass das Konzept, sogenannte Sideline Hotties im Sportfernsehen einzusetzen, ein Schuss in den Ofen ist. Es ist nicht Kolbers Fehler, die als Studiomoderatorin sehr gute Arbeit macht. Es ist die Denke der Fernsehverantwortlichen. Übrigens das inzwischen klassische Namath-Interview fand am Rande eines Patriots-Spiels statt (via The Big Lead).


• Michelle Wie bloggt – und das klingt anders, als der normale Kram, den Sportler von sich geben. Natürlich muss man einrechnen, dass die junge Frau erst 19 Jahre alt ist und ihre Weltsicht von nur wenigen ungebremsten Erfahrungen geprägt ist. Der Blog ist anonym. Aber wer sie auf Twitter verfolgt, konnte Spuren finden, die den Schluss zulassen, dass sie die Autorin ist.

• Selten genug: ein Profisportler mit Sinn für Politik und Geschichte. Cornerback Domonique Foxworth von den Baltimore Ravens hat eine ganze Sammlung von Memorabilia angehäuft, die die Menschenrechtsbewegung der schwarzen Amerikaner in den sechziger Jahren dokumentiert, die von Figuren wie Martin Luther King und Malcom X angeführt wurde. Den Fund hat die New York Times ausgegraben.

10. Juli 2009

Coyotes-Konkurs: Das Geheul will nicht enden

Die Nerverei um die Lösung unlösbarer Probleme rund um die Phoenix Coyotes geht weiter. Das liegt unter anderem daran, dass der Eigentümer, der den Laden zum Konkurs angemeldet hat, behauptet, er sei so etwas wie ein bevorrechtigter Gläubiger. Klingt komisch, oder? Nicht für Jerry Moyes, der zuerst die Klitsche am hellichten Tag an die Wand gefahren hat, über 400 Firmen nicht bezahlt hat, die alle noch immer auf ihr Geld warten, Darlehen und Vorschüsse von der NHL verbraucht hat, bis nichts mehr da war, und sich nun hinstellt und: Mir steht das Geld aus einem Verkauf der Restbestände zu, ehe die anderen abgefunden werden.

Der arme Konkursrichter versucht angesichts des Durcheinanders, für das die Liga und die Stadt Glendale mit der eigens für die Coyotes gebauten Halle und der Big Spender aus Kanada, der den Club nach Hamilton in Ontario verpflanzen will, genauso verantwortlich sind wie Jerry Moyes noch die Übersicht zu behalten. Schwierig, so etwas. Der einzig klare Sachverhalt ist die Tatsache, die vor dem Richter bekannt wurde, wonach Wayne Gretzky als Trainer der Coyotes sieben Millionen Dollar im Jahr erhalten hat. Das ist wäre schon viel, wenn man nur an die Verhältnisse in der NHL denkt. Aber es ist extrem hoch, wenn das in Beziehung zu der Leistung des Great One setzt. Wie oft war Phoenix unter Gretzky in den Playoffs? Kein mal. In wie vielen Saisons? In vieren.

In einer anderen Konkurssache fiel diese Woche Gretzkys Name noch einmal. Wenn auch nur als Vorbesitzer einer Villa außerhalb von Los Angeles, die er an den Papiertiger Lenny Dykstra verkaufen konnte, als man für solche Anwesen noch viel Geld erzielen konnte. Rund 18 Millionen Dollar gab es für diesen Schuppen mit Tennisplatz, Swimmingpool, Muckibude und Gästehaus. Dykstra wollte neulich 25 Millionen dafür haben. Ohne Möbel, denn die wurden inzwischen von gewitzten Gläubigern abgeholt.


Blick zurück: Dykstra lebte einst auf großem Fuß

2. Juni 2009

Zahlensalat: Wohl bekomm's

Auch nach mehrfachem Lesen dieser Geschichte im Toronto Star ist mir nicht klar geworden, welche Zahlen in welchem Zusammenhang und auf welche Weise relevant sind. Sicher ist nur: Es geht um die Phoenix Coyotes und ihr Konkursverfahren und das Angebot zweier Käufer, den Club zu übernehmen. Es geht auch irgendwie um Wayne Gretzky und das Geld, das er in der Wüste in den Sand gesetzt hat (haben könnte). Dafür wie scheinbar informativ dieser Text daher kommt, ist er ziemlich löchrig. Die seltsamen Zahlen in der Übersicht:

Wert des Clubs (laut dem derzeitigen Besitzer): 67 Millionen Dollar
Verbindlichkeiten des Clubs: 244 Millionen Dollar
Kaufangebot einer amerikanischen Interessenengruppe rund um Jerry Reinsdorf (will das Team in Arizona lassen): 130 Millionen Dollar
Kaufangebot von Jerry Balsillie (verbunden mit dem Umzug nach Hamilton): 215 Millionen Dollar
Geld, das Wayne Gretzky zusteht: 9,3 Millionen Dollar (davon 8 Millionen aus gestundeten Honoraren – mutmaßlich in seiner Rolle als Trainer der Mannschaft)
Geld, das Wayne Gretzky bekommen könnte, wenn er als Trainer zurücktritt: 14,5 Millionen Dollar
Geld, das Wayne Gretzky als Anteilseigner im Rahmen einer Pleite verliert: nicht beziffert.

Erklärung dafür, weshalb Wayne Gretzky sich nicht für den der Verkauf an Balsillie und den Umzug nach Kanada einsetzt, in einen Ort in der Nähe seiner Heimatstadt, obwohl ihn das doch viel Geld kosten könnte, weil Balsillie ihn doch angesichts dieser Daten besser entschädigen würde als Reinsdorf: Keine

Warum ist das interessant? Wenn Wayne Gretzky keinen Wert auf das viele Geld legt und lieber in Arizona bleiben will, muss er für den Verzicht ein starkes Motiv haben. Ist es Geld? Ist es sein mangelndes Interesse daran, in sein Heimatland zurückzukehren, wo man ihn einst in den Himmel gehoben hat?

Ach und übrigens – hier ist noch ein Körnchen, das so wirkt, als ob der Schreiber schon geistig in der Kneipe war, ehe er den Text ablieferte:
"The NHL is owed about $34 million – although the league says the true number is closer to $13 million – as the first secured creditor."
Ja, was gilt denn nun? Das Wort der Liga?

10. Juli 2008

Der Klingelbeutel: Es bleibt in der Familie

• Es wird nicht ganz so herbe ausgehen wie damals zwischen Kain und Abel. Aber die Sachlage kann man durchaus vergleichen. Mit nur einem Unterschied: Die Jungs aus dem Alten Testament hatten einen gemeinsamen Promi-Vater. Die Burschen in Thousand Oaks in Kalifornien haben zwei verschiedene: Joe Montana und Wayne Gretzky. Aber beide Söhne haben ein ähnliches Problem. Sie streiten sich um die Erbfolge auf der wichtigsten Position in derselben Mannschaft: die um den Quarterback im High School Team. Wir reden von Football, bekanntlich ein ruppiges Spiel. Übrigens der Sohn von Will Smith spielt auch in der Mannschaft.

• Manchmal erfährt man über die seltsamsten Umwege, dass es Sportarten gibt, die vermutlich mehr Beachtung verdient haben. Diesmal Slamball, und zwar die Profiversion. Obwohl: erstmal verdient vermutlich diese Fernsehreporterin Beachtung und ihre Geschichte von dem Kerl, der sie geschlagen hat (via Deadspin).

• Das Porträt in der FAZ von Chris Kaman kann man jetzt auch online lesen. Alles weitere von den fachkundigen Kollegen vor Ort. Der letzte Stand: Er hat noch immer nicht gespielt, und ohne ihn haben sie ganz bestimmt keine Chance in Athen. Wie er sich einfindet ins Team? Das werden wir bald wissen.

9. April 2007

Gretzky und die Coyotes: Zum Jaulen ist es wohl zu spät

Aaah, die Aura von Wayne Gretzky. Der Mitbesitzer und Cheftrainer der Phoenix Coyotes hat gerade das schlechteste Jahr des Clubs seit seinem Umzug nach Arizona auf die Beine gestellt. Congrats. Das Team trug nicht nur die zweitwenigsten Punkte in der NHL zusammen, sondern produzierte einem Bericht in der örtlichen East Valley Tribune zufolge auch noch 30 Milllionen Dollar Verlust. Das tut dort weh, wo es wirklich zählt. Vier Jahr ein Folge nicht in den Playoffs. So etwas können sich nur Clubs mit tiefen Taschen leisten - wie die New York Rangers vor ein paar Jahren. Dennis Seidenberg konnte das alles spätestens ab Ende Januar egal sein. Aber dem Verteidiger aus Schwenningen passierte so etwas ähnliches, wie den deutschen Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg, die zu Hauf aus einem Lager in Arizona ausbrachen: Sie kamen nicht weit. Seidenberg kam bis nach Raleigh in North Carolina, wo die Hurricanes das Kunststück fertig brachten, den Stanley Cup an der Playoff-Pforte abzugeben. Aah, die Aura des Stanley Cups.

So bleibt noch nachzureichen, dass das bereits skizzierte Duell zwischen den Buffalo Sabres und den Toronto Maple Leafs nicht stattfindet. Die New York Islanders schoben sich in letzter Sekunde noch auf den achten Tabellenrang vor und dürfen deshalb gegen die beste Mannschaft der regulären Saison ihr Glück versuchen. Die Teams haben im Verlauf des Winters vier Begegnungen gegeneinander absolviert. Die Sabres gewannen drei.
Blick zurück: Buffalo schließt die Saison als Punktbester ab - das Geld ist wichtiger als die Ehre

13. März 2007

Jedem Star sein Denkmal

In Green Bay hat man vor ein paar Tagen ein neues Kapitel in der künstlerischen Darstellung sportlicher Leistungen aufgeschlagen: die Reggie White Statue wurde enthüllt. Die was? Reggie White war der Grundstein für die Wiederbelebung der Green Bay Packers in den neunziger Jahren. Der Defensive End mit der Nummer 92 wechselte 1993 nach einer ausführlichen Erkundungstour zu zahlreichen Clubs als hoch bezahlter Free Agent von den Philadelphia Eagles in den kalten Norden, wo ihm (dank unter anderem einem jungen Quarterback namens Favre) gelang, worauf man in Philly noch immer wartet: der Sieg im Super Bowl. White spielte sechs Jahre in Wisconsin, ehe er sich vom aktiven Sport zurückzog. Er starb jedoch Weihnachten 2004 im Alter von 43 Jahren.

White war ein herausragender Spieler, weshalb ich ihm in meinem Buch American Sports ein eigenes Kapitel zugestand. Überschrift: "Knochenbruch in Gottes Namen". White war ordinierter Baptistenprediger. Ein Mann mit einer sanften tiefen Stimme, der seine Gegner mit einer Energie in den Boden rammte wie kaum ein anderer.

Braucht so jemand ein Denkmal? In einem Land, in dem jede noch so ausgefallene Sportart eine Hall of Fame betreibt, wird diese Frage gar nicht gestellt. Manche Sportler werden einfach besonders geehrt. Punktum.


Michael Jordan Statue
Foto by davespectral

Wie etwa Michael Jordan, dessen Statue vor dem United Center in Chicago errichtet wurde (links), als die Mannschaft Anfang der neunziger Jahre in die neue Halle umzog und eine wirklich schmuddelige Kaschemme zurückließ, die kurz darauf abgerissen wurde. Jordans Beziehung zu Chicago ist noch immer intakt. Dort hat er sein Büro und die riesige Villa vor den Toren der Stadt.

Wayne Gretzky und Edmontons Beziehung hingegen ist schon lange erkaltet. Er ist zwar in letzten Jahren in seiner Rolle als Mitbesitzer und Trainer der Phoenix Coyotes häufiger in der Halle gewesen, vor der er in Bronze geossen steht und eine Nachbildung des Stanley-Cups hochwuchtet. Aber das sind Pflichtreisen. Die Jahre in Edmonton mit allen Erfolgen in einer der besten Eishockey-Clubmannschaften die es je gab, sind einfach zu lange her. Und Edmonton, geplagt mit der kleinsten Halle in der National Hockey League und einem ständigen Kampf um genügend Einnahmen, war gezwungen, sich auf andere Dinge zu konzentrieren.

Bezeichnend im Vergleich der drei Denkmäler, was da eigentlich visuell zelebriert wird: bei Reggie White ist es die Rückennummer, bei Jordan seine Sprungkraft und bei Gretzky die Freude über den Gewinn des riesigen Potts, der zeigt wie klein der Eishockey-Crack ist und wie riesig die Trophäe.

Blick zurück: Rocky Balboas Statue landet vor einem Kunstmuseum in Philadelphia

27. Februar 2007

Neuer Versteigerungsrekord bei Baseballkarten: 2,35 Millionen Dollar

Die teuerste Sammelkarte der Sportgeschichte hat erneut ihre Besitzer gewechselt und dabei den erstaunlichen Preis von 2,35 Millionen Dollar erzielt. Über den neuen Eigentümer aus Kalifornien hüllen sich die Auktionäre in Schweigen. meldet Associated Press (via yahoo) Die Karte mit dem Konterfei von Honus Wagner, Shortstop der Pittsburgh Pirates, aus dem Jahr 1909, gehörte einst Wayne Gretzky und einem Geschäftspartner, die dafür Anfang der neunziger Jahre die damals schon stattliche Summe von 451.000 Dollar aufgewendet hatten. Das fragliche Exemplar ist eines von noch existierenden 60, die damals von einer Tabakfirma herausgebracht worden war, die sie in Zigarettenpackungen als Werbemaßnahme wegschenkte. Baseballkarten und ihr Sammelwert beschäftigen vor allem junge Amerikaner seit Generation. Viele kaufen jahrelang alles auf, was aktuell auf den Markt kommt, parken es im Keller oder auf dem Dachboden und hoffen darauf ähnlich wie junge Briefmarkensammler, dass sie eines Tages einen Schnitt machen können. Weil die Leidenschaft für die Karten sich mit der Leidenschaft für das Baseballspiel verbindet, sind sie Teil einer ausgeprägt nostalgischen Beziehung vieler Amerikaner zur Geschichte der Sportart, die seit mehr als hundert Jahren professionell betrieben wird.

Wagner war einer der ersten Spieler, der in die Hall of Fame in Cooperstown berufen wurde, nachdem er 1917 nach einer erfolgreichen Karriere vom aktiven Sport zurückgetreten war.

Übrigens: die Spezialfirma Topps, die heute das Geschäft mit Baseball Cards dominiert, brachte vor dieser Saison die erste gephotoshoppte Version mit Derek Jeter heraus (angeblich ein Versehen - wer's glaubt, wird selig). Unter den Zuschauern auf den Rängen sieht man unter anderem Präsident George W. Bush und den legendären Yankees-Star Mickey Mantle. Die Karte wird inwischen bereits bei ebay versteigert. Aktueller Stand acht Stunden vor dem Ende der Auktion: 122,50 Dollar
Blick zurück: Reminiszenz an Cooperstown
Blick zurück: Eine ganze Generation von schwarzen Baseballprofis wird geehrt