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30. August 2008

Kaymer kann den Ryder-Cup abhaken

Martin Kaymer kann aufhören, an den Ryder-Cup zu denken. Zumindest an den in diesem Jahr in Louisville/Kentucky. Das hat sich am Freitag von selbst erledigt, als er mit einem Schlag zuviel auf der Karte in Gleneagles in Schottland den Cut verpasste. Er artikulierte sich hinterher ungewohnt kritisch über die Bedingungen auf dem von Jack Nicklaus designten Platz: "Ich habe ziemlich gut gespielt, aber die Grüns waren lächerlich. Wirklich uneben." Man darf davon ausgehen, dass Kaymer als gewöhnlich eher moderater Mensch nicht nur aus purer Enttäuschung seiner Einschätzung freien Lauf ließ. Es muss für die Beschwerde wirklich Gründe gegeben haben. Kein Problem allerdings für Kaymers Hauptkonkurrenten um den zehnten Platz im Team. Der Engländer Oliver Wilson arbeitete sich heute auf einen der besseren Plätze im Klassement vor und ist eine Bank für Louisville.

Die anderen Aspiranten vor allem aus England und Schottland scheinen sich mit scharfen und spitzen rhetorischen Mitteln gegenseitig zu enervieren. Das sind vor allem Ian Poulter und Colin Montgomerie, die beide stark darauf hoffen, dass sie von Captain Nick Faldo berufen werden. Zehn qualifizieren sich automatisch. Faldo kann zwei Spieler nach Gutdünken benennen. Für Poulter spricht die gute Form und eine ordentliche kämpferische Einstellung. Für Montgomerie eine nahezu perfekte Ryder-Cup-Bilanz, die selbst in solchen Jahren nie angekratzt wurde, in denen er auf der Tour hinterherhinkte.

Dass man Poulter reizen kann, der an diesem Wochenende in Boston spielt, um seine Chancen auf das viele Geld im FedEx-Cup aufrecht zu erhalten, ist nicht überraschend. Seine Haare brauchen zwar sicher Spray, um igelig nach oben ab zu stehen. aber wahrscheinlich nicht sehr viel. Montgomerie ist die Totalmimose schlechthin. Weshalb er früher in den USA vom Publikum am Rand des Turniers regelmäßig mit beleidigenden Sprüchen attackiert wurde. Die britischen Journalisten wissen das natürlich und heizten die Kontroverse mit aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten in beide Richtungen an.

20. Juli 2008

Norman geht die Puste aus

Das war nicht der Tag für Greg Norman, der heute von Anfang an jeden Anflug von Lockerheit eingebüßt hatte, die ihm drei Tage lang dabei half, den besten Spielern der Welt (minus Tiger Woods) eine Vorführung in Sachen Links-Golf zu geben. Der Australier konnte denn auch nicht nachlegen, als Titelverteidiger Padraig Harrington auf der zweiten Neun von Royal Birkdale aufdrehte. Sieger: der Ire. Mit vier Schlägen Vorsprung auf den Engländer Ian Poulter. Norman wurde Dritter.

Diese British Open in Royal Birkdale, bei denen vor allem der massive Wind sehr schwierige Bedingungen produzierte, gaben einen gutem Vorgeschmack auf die Qualität des europäischen Teams beim Ryder-Cup im September. Mit Harrington und Ian Poulter (Zweiter), Henrik Stenson (Dritter), David Howell, Paul Casey und Robert Karlsson (alle drei auf dem siebten Platz) zeigte sich ein erheblicher Teil des Kontingents von einer vielversprechenden Seite. Martin Kaymer, der zwar den Cut schaffte, aber auf den 80. Platz abdriftete, darf froh sein, wenn er sich tatsächlich für Nick Faldos Auswahl qualifiziert. Vermutlich kommt der Wettbewerb jedoch in diesem Jahr noch zu früh für ihn.

Noch ein Wort zu Ian Poulter. Der hatte am Sonntag viel Dampf, nachdem er sich aus dem Kleiderschrank ein paar dezente Stücke herausgesucht hatte. Man kann seine Klamotten übrigens kaufen. Mehr über ihn hat der Guardian neulich herauszufinden versucht – am Telefon. Lesenswert. Besonders vor dem Hintergrund jenem Satz, mit dem er sich Anfang des Jahres in die Nesseln gesetzt hatte: "Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, Ich respektiere jeden Golfprofi. Aber ich weiß, ich habe noch nicht mein Potenzial ausgeschöpft. Wenn das passiert, dann sind da nur noch ich und Tiger."