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12. Januar 2010

Es wird ernst: Deutsche Ryder-Cup-Bewerbung gegen starke Konkurrenz

In ein paar Tagen wird sich herausstellen, ob die deutsche Bewerbung für den Ryder-Cup 2018 gut genug war. Oder ob die Konkurrenz aus Ländern wie Frankreich und Schweden die besseren Offerte vorgelegt haben. Für die deutsche Bewerbung spricht einiges: Man schickt Bernhard Langer als treibende Kraft ins Rennen. Der Mann hat als Spieler und als Captain eine beeindruckende Bilanz in dem alle zwei Jahre stattfindenden Kontinental-Wettkampf aufzuweisen. Mit Martin Kaymer dürfte das Land auch noch in den nächsten Jahren wieder einen Publikumsmagneten haben, der sich für das Cup-Team qualifizieren kann. Zum ersten Mal sollte ihm das in diesem Jahr bei der Neuauflage in Wales gelingen. Außerdem lassen sich in Deutschland rund ums Golfspiel lukrative Sponsoren auftreiben, vor allem aus dem Kreis der darunter die Großbanken und die Autofirmen. Die großen Fragezeichen sind der Platz und die Infrastruktur. In den Wettbewerb wird dieses Gelände in Neuburg an der Donau geschickt. Offensichtlich kamen existierende Clubanlagen wie der hervorragende von Nick Faldo entworfene Links Course in Bad Saarow im Umfeld von Berlin nicht in Frage. Der Parcours selbst müsste noch baulich angepasst und ausgebaut werden, was der hochgelobte Architekt Thomas Himmel übernehmen wird.

Der amerikanische Golf-Autor Gary Van Sickle spottet übrigens über das Auswahlverfahren und zitiert einen Artikel aus Golfweek. Er sagt: Man sollte es eine Auktion nennen. Der Ryder-Cup stehe bei solchen Gelegenheiten schlichtweg zum Verkauf.

Der Wettkampf fand bislang nur in den USA und auf den britischen Inseln statt. Ausnahme: der Abstecher 1997 ins spanische Valderrama. Traditionell standen sich beim Ryder-Cup nur Spieler aus den Vereinigten Staaten und Großbritannien gegenüber. Das Kontingent wurde in den siebziger Jahren auf Teilnehmer aus ganz Europa ausgedehnt, um der Dominanz der Amerikaner ein Gleichgewicht entgegenzustellen. Seitdem führten die Europäer die US-Golfer regelmäßig vor. Selbst der Weltranglistenerste Tiger Woods wirkte im Matchplay-Format besiegbar. Geht man nach Ländern außerhalb der britischen Inseln mit dem stärksten Nachschub an Talenten wäre sicher Schweden der attraktivste Kandidat für die Ausrichtung des 2018-Wettkampfs. Ob sie und die Holländer oder Portugiesen, die sich ebenfalls bewerben, beim Thema Geld mithalten können, muss man bezweifeln. Bleiben also allenfalls die Franzosen als ernsthafter Aspirant.

Nachtrag: Artikel von Wolfgang Scheffler auf faz.net

11. Dezember 2008

Pavin der nächste US-Ryder-Cup-Captain

Die Amerikaner haben ihren Captain für den nächsten Ryder-Cup in zwei Jahren in Wales nominiert. Er heißt Corey Pavin und soll in die Schuhe schlüpfen, in denen Paul Azinger vor ein paar Wochen in Louiville den Europäern einen Tritt in den Hintern verpasst hat. Die AP-Meldung zu der Ernennung liest sich so, als sei die Wahl dieses Mannes unvermeidlich gewesen. Sein Kontrahent auf europäischer Seite wird erst im nächsten Jahr ins Amt gehoben. Der Spanier José Maria Olazabal scheint die besten Karten zu haben.

19. November 2008

Der Klingelbeutel: Hoppe, hoppe Ryder

• Das ist doch mal eine gute Nachricht: Bernhard Langer hat die Funktionärsriege im deutschen Golf auf seine Seite gebracht und lässt ausrichten, dass man sich für Deutschland um den Ryder-Cup 2018 bewirbt. Das ist noch lange hin, wird aber schon bald von einem Gremium der European Tour entschieden. Alle anderen Termine zwischen jetzt und dann sind bereits vergeben. Wenn es mit dem Projekt nicht klappt, kommt erst wieder 2022 in Frage, weil der Ryder-Cup nur alle zwei Jahre und im steten Wechsel mal an einem Austragungsort in den USA und mal an einem in Europa ausgespielt wird. Für Deutschland spricht, dass die bisherigen Wettkämpfe auf europäischer Seite (außer 1997 in Spanien und 2006 in Irland) immer nur in Großbritannien ausgetragen wurden, die Mannschaften jedoch längst ein ganz anderes Flavor haben. Es spricht auch dafür, dass man mit Martin Kaymer einen Repräsentanten hat, der in den kommenden Jahren Stammspieler im Team werden dürfte. Den Rest muss Langer selber hinbekommen (was angesichts der Sympathie, die er international genießt, nicht so schwierig sein wird). Der Knackpunkt: Es muss ein neuer Platz gebaut werden, die sowohl sportlich als auch von der infrastrukturellen Anbindung und der Zuschauerkapazität her passt. Man darf davon ausgehen, dass Bernhard Langer rund um diesen Problemkreis hinter verschlossenen Türen bereits einige Pflöcke eingeschlagen hat.

Hiobsbotschaften aus Vancouver 15 Monate vor den Olympischen Winterspielen: Es gibt finanzielle Schwierigkeiten, die durch die derzeitige Finanzkrise noch größer werden können. Der kanadische Steuerzahler wird es ausbaden.

• Die NFL und das Wettgeschäft: Am Sonntag ging das Match zwischen den Pittsburgh Steelers und den San Diego Chargers auf merkwürdige Weise zu Ende. Zum Leidwesen von tausenden, die mit Millionen von Dollar gewettet hatten.

21. September 2008

Ryder-Cup 2008: Besitzerwechsel

Fünf Spiele vor dem Ende hatten die Amerikaner die Sache besiegelt. Jim Furyk gewann sein Match und brachte die US-Mannschaft auf den Zwischenwert von 14 1/2 Punkten. Genug um die nächsten zwei Jahre den Ryder-Cup in Verwahrung nehmen zu dürfen. Während es am Anfang des Tages noch ziemlich vielversprechend aussah, obwohl es schwierig ist, einen Zwei-Punkte-Rückstand aufzuholen, ging wenig später eine nach der anderen Kerze aus. Und da war es dann auch egal, dass Padraig Harrington in der letzten Partie schlapp machte. Und dass Lee Westwood langsam aber sicher die Luft ausging. Die beiden verstärkten damit nur den Gesamteindruck eines erstaunlich schwachen Auftritts und ließen das Endergebnis noch ein wenig unangenehmer aussehen.

Tatsächlich hatte sich die Niederlage am ersten Tag abgespielt, als die Europäer mit drei Punkten zurückfielen – tief die Kellertreppe hinab, von wo nur einer den Himmel sah: Ian Poulter, dem man nicht mal das verlorene Spiel am Freitagmorgen an der Seite von Justin Rose ankreiden konnte. Denn ihm hatte Rose dummerweise und unnötigerweise auf dem 18. Grün einen viel zu schwierigen Putt überlassen, den der nicht verwandeln konnte.

Theoretische Frage: Hätte Martin Kaymer in Louisville mehr gerissen als, sagen wir mal, Oliver Wilson, der ihm den letzten Startplatz streitig gemacht hatte? Kaum zu erwarten. Wilson machte seine Sache am Samstag im Foursome ("Klassischer Vierer") hervorragend und hatte es im Einzel mit Boo Weekley zu tun, dem Dumminator und Inbegriff des hässlichen Amerikaners. Die Partie ging erst auf der 16 zu Ende. Er hatte keinen Bogey gespielt. Publikumsliebling Weekley jedoch mehrere Birdies. Gegen Weekley hatte Kaymer bereits das Vergnügen im Matchplay-Format: im Frühjahr in Tucson/Arizona. Der Deutsche verlor.

Noch zu den Spekulation von gestern vor den Einzeln: Garcia war schlechter als erhofft. Poulter, Rose und der besagte eine Schwede bestätigten das Vertrauen, genauso wie McDowell. Hätte Hansen heute mehr Saft in der Batterie gehabt, ändert sich die Dramaturgie und die Jungs weiter hinten in der Spielfolge reißen sich vielleicht noch mal zusammen. Hat nicht geklappt. In zwei Jahren geht es in Wales weiter. Sicher nicht mit Nick Faldo als Captain. Der hat sein Pulver verschossen. Aber wahrscheinlich mit Paul Azinger getreu der Maßgabe: Never change a winning team.

20. September 2008

Ryder-Cup 2008: Geht bei Harrington jetzt endlich der Knopf auf?

Die magische Zahl für Sonntag lautet 5 1/2. Soviele Punkte benötigen die Amerikaner am letzten Tag vom Ryder-Cup in Louisville, um den Pokal zu gewinnen. 5 1/2 Punkte aus zwölf Einzeln, mit denen der Erdteilwettkampf traditionell abgeschlossen wird. Sonst behalten die Europäer das Teil. Man darf davon ausgehen, dass Nick Faldo nach dem Zwischenstand vom Samstag – 7:9 - und selbst nach dem damit verbundenen Rückstand, noch nicht die Flinte ins Korn geworfen hat. Schließlich zeigte seine Mannschaft heute zum ersten Mal, dass sie mithalten kann. Und auch die Maßnahme, die vermeintlich stärksten im Team, Sergio Garcia und Lee Westwood, am Vormittag aussetzen zu lassen, wirkte im Nachhinein eher wie ein guter Schachzug. Oliver Wilson machte seine Sache hervorragend. Geht man nach dem Papier und den Weltranglistenplätzen, sollte es den Europäern möglich sein, sieben Punkte zu machen und ein Remis zu erzielen, das ihnen erlauben würde, den Cup wieder mitzunehmen. Aber dazu müsste sich Padraig Harrington rehabilitieren (als Letzter am Start gegen den nicht besonders guten Chad Campbell). Vier weitere Punkte könnten Poulter (gegen Stricker), Westwood (gegen Curtis), McDowell (gegen Cink) und Rose (gegen Mickelson) beisteuern. Den Rest müssten sie mit Unentschieden zusammenkratzen: Mit Garcia, Jiménez, einem der beiden Schweden und noch einem Freiwilligen und die Sache wäre geritzt. Ab 18 Uhr deutscher Zeit geht's in die Bütt.

19. September 2008

Ryder-Cup 2008: Das Problem Nick Faldo

Nach einer superben Bilanz von acht Siegen in acht Foursome-Matches hat Sergio Garcia am Freitagmorgen in Louisville in Spiel Nummer neun einen halben Punkt geholt und wenig etwas später etwas extrem Merkwürdiges erlebt: Dass man auf einem Platz wie Valhalla auf eine Art und Weise beerdigt werden kann, die den Ruf ruiniert. Denn niemand anderer als sein eigener Team Captain hatte die Schaufel in der Hand. Symbolisch gesprochen. Nick Faldo beschied, dass der Spanier am Samstagmorgen trotz solcher Credentials besser mal eine Runde aussitzt. Es muss eine Reaktion auf die Four-Ball-Niederlage vom Nachmittag an der Seite Miguel Angel Jiménez gewesen sein. Aber es war eine wilde Idee. Erst recht, wenn man berücksichtigt, dass seine Mannschaft nach den ersten acht Begegnungen überraschend klar mit 2 1/2 zu 5 1/2 zurücklag.

Die erste Frage lautet: Woran liegt es?
Ganz sicher nicht nur an Garcia oder am stärksten Spieler im Team, Padraig Harrington, der trotz guter Puttleistungen nicht mehr zusammenkratzte als einen halben Punkt. Sondern vor allem am Gegner. Die zwei Gespanne Phil Mickelson und Anthony Kim sowie Justin Leonard und Hunter Mahan wirken perfekt aufeinander abgestimmt. Sie holten dreieinhalb Punkte .

Die zweite Frage ist schwieriger: Wie geht's weiter?
US-Captain Paul Azinger verzichtete für die Foursome-Begegnungen am Vormittag auf jedwedes Experiment. Das sagt schon viel. Faldo bastelt und setzt auf den Engländer Oliver Wilson anstatt auf seinen persönlichen Pick Paul Casey. Wilson hatte Martin Kaymer im Rennen um den zehnten Platz in der Qualifikation knapp geschlagen. Faldo vermied es, den Journalisten vor Ort seine Maßnahme zu erklären. Wozu auch gehört, Lee Westwood, den oftmaligen Partner von Sergio, ebenfalls auf die Bank zu setzen. Die Medienleute aus Großbritannien hätten ihn sicher gerne so auseinander genommen wie die Amerikaner vor vier Jahren Hal Sutton. Darauf wird man nun leider warten müssen.

Ein Hinweis für alle, die nicht Premiere schauen können: Es gibt Public Viewing und Streams.

Ryder-Cup: Die Stärke der Europäer

Der Ryder-Cup, Ausgabe 2008, hat heute morgen angefangen. Während die Hauptdarsteller in Valhalla über den Platz trotten, rätseln die Amerikaner noch immer, weshalb ihre Golfer seit Jahren bei diesem Mannschaftswettbewerb schwächeln. In der New York Times hat Bill Pennington aus diesem Grund die schon oft gehörte These aufgestellt, dass die Europäer im Rahmen des Turnieralltalltags ihrer Tour mehr Kontakt zueinander finden und oft Freunde werden. Die Tatsache, dass sie aus unterschiedlichen Ländern kommen und wirklich unterschiedlich Typologien repräsentieren, mache ihre Stärke aus. Die US-Spieler scheinen hingegen allesamt aus einer Fabrikation zu kommen und gehen sich auf der PGA Tour auch noch nach Möglichkeit aus dem Weg.

Wenn Teampsychologie so einfach wäre. Denn tatsächlich gibt es jede Menge Mannschaftssportarten, in denen Amerikaner trotz ihrer Homogenität durchaus zusammenwachsen. Und es gibt hinreichend Beispiele dafür, dass die Chemie in einem Team überhaupt nicht funktioniert, wenn die Persönlichkeiten zu unterschiedlich sind. Denn da entsteht Reibung. Und Reibung im Inneren stört die Laufruhe jeder Maschine.

Dabei braucht man sich gar nicht Kopf zu zermartern, um die Antwort zu finden. Die US-Golfer haben keinen sense of purpose, wie man das hier so gerne nennt. Es mangelt ihnen an einer Idee, weshalb sie sich überhaupt richtig ins Zeug legen und miteinander beschäftigen sollten. Gewinnen wollen oder – die andere Seite der Medaille – nicht verlieren liefert niemandem genug Motivation für drei Tage, um sich in einem komplexen Ablauf zu integrieren, in dem ein Captain die Gespanne festlegt und als Entscheidungsträger für das große Ganze verantwortlich ist. Kein U-S-A-Geschreie aus der Galerie kann das ersetzen. Und die Lippenbekenntnisse der Spieler können es schon gar nicht.

Wenn die Amerikaner in Louisville diesen sense of purpose finden sollten, haben sie gute Chancen, den Cup zu gewinnen. Wenn nicht, haben die Europäer immer ein Plus: Sie mögen das Format. Sie genießen die Zeit zusammen. Sie sehen in diesem Europa mit der blauen Fahne und den vielen Sternen das Identifikationssymbol einer Idee, für die es sich zu arbeiten lohnt: die Integration von Europa, die auf allen anderen Sektoren Fortschritte macht, kann auch im Sport funktionieren. Gemeinsam ist man stärker.

18. September 2008

Lang und breit und ziemlich fraglich

Neben den Fotostrecken auf deutschen Online-Seiten, die offensichtlich keinem anderen Zweck dienen, als die Klickzahlen nach oben zu bringen, gibt es noch ein ähnlich simples Konzept, das nur der Aufplusterung dient: Der Quiz. Die Tests, die sich Leute für die Sportseiten ausdenken, mag man im Prinzip noch gar nicht mal bemängeln. Sport ist ein faktenreiches Geschehen und Fans wissen gerne so viel es geht und frischen ebenso gerne ihre Erinnerungen auf. Aber ob der Ryder-Cup genug Stoff für einen brauchbaren Quiz abwirft, darf man wohl bezweifeln. Und viel Interesse produziert er auch nicht. In diesem Jahr fehlt Tiger Woods, und Martin Kaymer schaut nur zu.

Trotzdem hat man sich bei SpOn die Mühe gemacht und wartet auf Online-Hobos, die sich von Info-Waggon zu Info-Waggon schwingen auf der Reise in das Land der Golf-Erkenntnis. "Was ist Ihr Handicap?" lautet die Einstiegsfrage. Und damit geht es los. Nun, Leuten, die Golf spielen, muss man diese Frage nicht stellen. Die kennen ihre Kennziffer auswendig und sind darin meist genauso pedantisch wie Marathonläufer mit ihren Zeiten. Die Antwort lässt sich also leicht geben: Ich kann 18 und ein paar Zerquetschte anbieten. Wer bietet weniger?

Nachdem ich dem SpOn-Zählwerk mehr als 20 Impulse geschenkt und mich durch
zehn Fragen und zehn Antworten durchgetastet hatte (multiple choice mit vielen absurden Alternativantworten), erhielt ich folgende Information: "Sie haben 9 von 10 Punkten. Ein Hole-in-One! Wenn Sie diesen Schwung mit auf den Golfplatz nehmen, wird das einstellige Handicap nur eine Frage der (kurzen) Zeit sein." Was für eine Aufmunterung und was für ein schiefes Bild. 9 von 10 Richtige kann doch wirklich nicht das gleiche sein wie ein Hole-in-One, das perfekteste Resultat im Golf (das ich noch nie hinbekommen und nur einmal auf einem Platz in einem Flight mit eigenen Augen gesehen habe). Ich bin sicher, bei SpOn weiß man über solche Feinheiten Bescheid. Oder etwa nicht?

Klickzahlen mit Golf hochzuputschen ist bestimmt nicht einfach. Vor allem, wenn man schon zu solchen Überschriften greifen muss wie "Jetzt hält keiner mehr Holmes für einen Pornostar". Denn so oft lässt sich der Kunstgriff bestimmt nicht mehr hinbekommen: Man male sich die Zeile an ein paar absurden Beispielen aus: "Jetzt hält keiner mehr Sabine Christiansen für einen Pornostar". "Jetzt hält keiner mehr Wayne Rooney für einen Pornostar". Wie oft kann solche Geschichten schreiben? Die sogenannten Nicht-Geschichten, in denen ein Faktum angerissen wird, dass nicht (mehr) existiert?

Der Artikel selbst ist natürlich durchaus interessant. Und zwar wegen eines Eiertanzes erster Ordnung. Denn man könnte neben dem Bild des amerikanischer Ryder-Cup-Golfers J. B. Holmes ein Bild des fraglichen Pornostars bringen und dokumentieren, was an ihm so bemerkenswert war: die Länge seines Geschlechtsteils. Aber das ist dann so ähnlich wie in dem Quiz bei SpOn: Der Leser muss raten. Und so erfährt er nicht mal, dass der Triple-X-Darsteller an AIDS gestorben ist, dass er drogenabhängig und in einen Mordanschlag verwickelt war. Und dass er in den USA außerordentlich berühmt war. Eine Figur im Kabinett der Populärkultur der siebziger und achtziger Jahre.

Dabei könnte man dank Internet jede Menge Links setzen, um das Phänomen zu beleuchten. Oder sogar das Thema komplett ignorieren und statt dessen einfach ein vernünftiges Porträt über den Golfer schreiben, der von US-Captain Paul Azinger ja nicht grundlos als einer von vieren für Valhalla nominiert wurde. Aber das würde bedeuten, dass man souverän genug ist, auf die Klickzahlen zu verzichten, die man über die Google-Suche mit den Wörtern Holmes und Pornostar einstreichen will. Mehr über den Golfer gibt es hier und hier und hier.

16. September 2008

Kaymer beim Ryder-Cup auf der Reservebank

Martin Kaymer hat Anfang des Jahres einem Wunsch von Nick Faldo Folge geleistet, was aus der Ferne ein wenig voreilig und allzu strebsam schien. Er ließ sich nicht lange vom europäischen Ryder-Cup-Captain bitten, der die Aspiranten für sein Team aufgefordert hatte, sich in England einem Fitness-Test zu unterziehen. Viel Zeit gab es nicht in Wentworth, um alles überprüfen zu lassen. Aber immerhin: Während sich der Mann aus Mettmann dem Examen unterzog, blieben andere der Übung lieber fern. Zu anstrengend? Wahrscheinlich.

Es existiert nämlich noch immer unter professionellen Golfern eine alte Form des Sportsgeistes, zu dem Zigarren und scharfe Getränke gehören und Rettungsringe aus Fleisch und Blut in Nabelhöhe. "Angewandte Wissenschaft", wie sie Nick Faldo anzuwenden versucht, betrachten diese Herren allenfalls im Fernsehen – auf dem National Geographic Channel. Dabei ist – jenseits aller Technik und Nervenstärke – längst belegt, dass man vor allem körperlich leistungsfähig sein muss, wenn man im entscheidenden Moment Leistung im Hirn abrufen will. Oder in den Worten von Faldo, der mittlerweile 50 Jahre alt ist: "Erschöpfung spielt bei Golfern, die an den ersten beiden Tagen 36 Löchern angehen, eine große Rolle. Ich will sicher gehen, dass wir da einen Vorteil haben."

Er hat nicht gesagt, dass er den Leibesumfang bei Spielern wie Darren Clarke oder Colin Montgomerie für ein Problem hält. Aber wenn man sich anschaut, welche zwei er nominiert hat, darf man zumindest spekulieren, dass Fitness und der Fitness-Test vom Anfang des Jahres eine Rolle gespielt hat. Er wählte Poulter und Casey aus. Und er setzte Martin Kaymer als Nummer 13 auf die Reservebank, von wo aus er mit großer Wahrscheinlichkeit drei Tage lang nur zuschauen wird. Denn es müsste schon jemand vorher krank oder verletzt ausfallen, sonst käme er nicht zum Einsatz. Sobald der Cup begonnen hat, wird nicht mehr eingewechselt. Dann greift eine andere Regel, die dafür sorgt, dass in den Einzeln am Sonntag der nicht betroffenen Mannschaft kein Vorteil erwächst (die erklären wir notfalls dann, wenn es dazu kommt). Wieder reagierte der 23-jährige genau richtig: Statt sich in Selbstmitleid zu aalen und zu schmollen, weil er die Qualifikation fürs Team nur knapp verpasst hatte, griff er zu und flog nach Kentucky. Und zwar mit Vergnügen, wie er am Rande der Mercedes-Benz-Championship in Gut Lärchenhof erklärte.

15. September 2008

Ryder-Cup 2008: Zwei Kapitäne, die sich nicht leiden können

Manche alten und sehr guten Golfplätze in den USA haben seltsame Namen: Medinah im Weichbild von Chicago ist ein solcher Fall. Denn so heißt die andere wichtige große Stadt in Saudi-Arabien, die dem Islam als Wallfahrtsort sehr viel bedeutet. Aber das war den Gründungsvätern vermutlich egal. Sie hatten Lust auf ein Clubhaus im byzantinischen Stil, das an eine Moschee erinnert und ließen nach Darstellung von Wikipedia auch noch ein paar orientalische, französische (aus der Epoche des Sonnenkönigs) und italienische Facetten hineinmischen. Fertig war die Laube. 2012 gastiert hier der Ryder-Cup.

Valhalla in Louisville im Bundesstaat Kentucky ist auch so ein wirres Konstrukt. Eine Anspielung an die nordische Mythologie und deren Bestattungsriten. Sicher, die Wikinger haben tatsächlich mal in langer Vorzeit in Schottland ihre Spuren hinterlassen. Und ja, manche Golfplätze sehen wie Friedhöfe ohne Grabsteine aus. Aber man braucht trotzdem viel Einbildungskraft, um eine Beziehung zwischen Wort und Wirklichkeit herzustellen. Schwamm drüber. Valhalla richtet den Ryder-Cup 2008 aus.

Der fängt am Freitag an und wird unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Hinfahren hat leider nicht geklappt. Also heißt das Motto: stundenlang Fernsehen schauen. Und sich schon mal darauf einstimmen, wie die beiden Mannschaften so ganz ohne Tiger Woods (und Colin Montgomerie) zur Sache gehen. Weil es an der Strahlkraft der Spieler mangelt, müssen vorneweg die beiden Captains das zitierfähige Material liefern. Und das tun sie gerne. Denn obwohl sie beide zwischendurch ziemlich kollegial als Fernsehkommentatoren nebeneinander saßen, können sie sich deutlich nicht riechen.

Azinger wirkt immer wie ein wuscheliger netter Mann, der mit einer sanften Stimme fast väterlich kleine Kinder zeiht. Faldo ist Mr. Klapptaschenmesser aus Schweizer Produktion: Er mag charmant in die Kamera blinzeln und etwas entspannter auftreten als einst auf dem Golfplatz, wo niemand so intensiv war wie er. Aber seine Rhethorik sticht, schnippelt, feilt und knipst ab. Je nach Bedarf.

Azinger, schreibt die Londoner Times, sei eigentlich eher der kriegerische Typ, durch und durch Republikaner, der nicht mal Golffanatiker Bill Clinton die Hand schütteln wollte, weil der sich seiner Ansicht nach damals in Zeiten des Vietnam-Kriegs um den Wehrdienst gedrückt hat. "Zinger" (so sein Spitzname) hätte demnach so etwas wie Prinzipien. Faldo hat solche Schmerzen nicht. Aber sicher viele gute Erinnerungen daran, wie die Amerikaner in all den Jahren beim Cup aufgetreten sind, wenn sie den Europäern ihre vermeintliche Großartigkeit unter die Haut reiben wollen. Obendrein hat der Engländer zwar einen exquisiten Ryder-Cup-Rekord als Spieler, aber in den Auseinandersetzungen mit Azinger gab's meistens Saures. Das hat Faldo ebensowenig vergessen. Mehr über die Rivalität in der New York Times. Mehr über den Cup in den folgenden Tagen.

9. September 2008

Kann Kaymer doch noch nach Louisville?

Der englische Golfprofi Lee Westwood leidet unter einer hartnäckigen Mandelentzündung, die ihn davon abgehalten hat, am Wochenende in der Schweiz bei den European Masters anzutreten. Nun regen sich bereits erste Stimmen, die das Szenario zuspitzen: Wenn Westwood zum Ryder-Cup kommende Woche in Louisville nicht wieder fit sein sollte, kommt eigentlich nur ein Mann als Ersatz in Frage: Martin Kaymer. Der würde über die Punkteliste nachrücken dürfen. Deutsche Golfanhänger können ihn derweil in dieser Woche in Gut Lärchenhof sehen. Dort findet Bernhard Langers Mercedes-Benz Championship statt, ein Turnier das zur European Tour gehört.

2. September 2008

Was wird wohl aus dem Ryder-Cup?

Der arme Paul Azinger wollte den Job und wollte die Regeländerung für die Aufstellung der Mannschaft. Seit heute nachmittag wissen wir, was das dabei herauskam: Eine Versammlung von Golfspielern, für die sich in den USA keiner interessiert. Ich weiß, aus europäischer Sicht vermag man sich das gar nicht auszumalen. Denn von dort aus sieht der Ryder-Cup seit mindestens zehn Jahren wie ein faszinierender Wettbewerb aus, bei dem die Zuschauer auf der politisch eher nur sehr vage zu definierenden Landmasse Europa die gute alte grenzenüberschreitende Solidarität entdecken. Der einzige Termin auf dem Sportkalender, der ein derartiges Phänomen bereit hält und auch noch pflegt.

Ganz anders das, was man in den USA seit vielen Jahren mit Blick auf den Wettkampf gegen einen (siehe oben) nur vage zu definierenden Gegner pflegt. Ich erinnere mich noch an die Blasiertheit, mit der man auf Kiawah Island die Aufgabe betrieb (und Bernhard Langers entscheidenden vergebenen Putt belächelte) . Dann begannen die Tiger-Woods-Jahre mit der absoluten Gewissheit, dass die Amerikaner nun mal die besseren Golfer seien. Das produzierte einen wirklich skandalösen Auftritt in Brookline 1999 (und den einzigen Sieg in dieser Phase). Aber gleichzeitig begannen die sägenden Selbstzweifel: Warum sind wir keine Mannschaft? Warum wollen unsere langen Putts beim Matchplay-Format nicht ins Loch? Weshalb fällt uns kein Plan, keine Strategie, kein Auswahlmodus ein, damit wir beweisen können, wie sehr wir uns bemühen und wie sehr wir uns selbst gefallen?

Ich bin weit davon entfernt, dieser Mannschaft aus lauter Nobodys in ein paar Wochen die Chance abzusprechen, den Pokal ausnahmsweise doch mal wieder zu gewinnen. Aber viel wahrscheinlicher ist, dass sie verlieren. Was ihre Unlust auf weitere Kontinentalvergleiche weiter steigern wird. Ihre Forderung, doch endlich Geld für ihre Arbeit zu bekommen, wird lauter werden. Weshalb sich in den kommenden vier Jahren ein paar Funktionäre die Frage ernsthaft vorlegen müssen: Wie wollen wir den Ryder-Cup retten?

Werden sie ihn retten können? Die Antwort hängt davon ab, wie man den Presidents Cup einstuft. Der wurde vor einer Weile erfunden, um die sehr guten Spieler aus dem Rest der Welt (Südamerika, Kanada, Afrika, Asien und Australien) nicht links liegen zu lassen. Das Format allerdings ist seltsam. Auch hier stellen die USA den Gegner. Das heißt: Während die Europäer und die Internationals nur jeweils alle zwei Jahre antreten, müssen die Amerikaner jedes Jahr ran. Und zwar die gleichen Amerikaner, die von den Europäern zuletzt zweimal geradezu platt gemacht wurden. Einen Kontinentalwettkampf zwischen Europa und den Internationals hingegen hat es noch nie gegeben. Warum nicht? Weil sportliche Gesichtspunkte bei solchen Entwicklungen immer weit weniger eine Rolle spielen als die Vermarktung und das Geschäft mit den Fernsehrechten. Das heißt in diesem Fall: amerikanische Golfindustrie und amerikanisches Fernsehen, die in erster Linie an den US-Markt denken.

Dabei könnte man sich angesichts der Dreier-Konstellation durchaus ein neues Wettbewerbsformat vorstellen. Die reizvollste Idee geht so: Der Ryder-Cup bleibt das Statussymbol Nummer eins. Wer den in einem klassischen Drei-Tage-Team-Wettbewerb gewinnt, ist als Titelverteidiger für die Neuauflage zwei Jahre danach gesetzt. Die beiden anderen treten im Presidents Cup im Zwischenjahr an. Der Sieger dort darf im Jahr darauf im Ryder-Cup mitmachen. Das Format garantiert niemandem eine permanente Pole Position. Es kitzelt aber als zweistufige Konstruktion den Ehrgeiz von jenen, die das Gefühl haben, sie müssten beweisen, was sie können. Sollten die Amerikaner auch dann noch immer wieder verlieren, wissen wir, dass sie eine absteigende Golfnation sind. Mitleid wäre in dem Fall völlig Fehl am Platz.

31. August 2008

Faldo setzt auf Poulters Geist

Nick Faldo hat sich entschieden und die freien Plätze im europäischen Ryder-Cup-Team mit zwei Landsleuten besetzt: mit Ian Poulter (keine Überraschung) und Paul Casey (große Überraschung). Denn irgendwie hätte man da gerne lieber den Namen Darren Clarke gelesen, denn der Nordire hat in diesem Jahr wieder gute Form gezeigt. Poulter und Casey gehörten vor vier Jahren zum Team in Oakland Hills, das den Amerikanern den Zahn zog (optimal eingestellt vom damaligen Kapitän Bernhard Langer). Das war ihre Premiere. Damals waren sie die Europäer die Außenseiter. Das sind sie diesmal beim besten Willen nicht. Die USA wirkt ohne Tiger Woods (der im Ryder-Cup kein Bringer ist, aber trotzdem ein Gegner von Format) schlapper als schlapp. Aber das heißt nicht, dass es diesmal alles ganz anders laufen wird.

30. August 2008

Kaymer kann den Ryder-Cup abhaken

Martin Kaymer kann aufhören, an den Ryder-Cup zu denken. Zumindest an den in diesem Jahr in Louisville/Kentucky. Das hat sich am Freitag von selbst erledigt, als er mit einem Schlag zuviel auf der Karte in Gleneagles in Schottland den Cut verpasste. Er artikulierte sich hinterher ungewohnt kritisch über die Bedingungen auf dem von Jack Nicklaus designten Platz: "Ich habe ziemlich gut gespielt, aber die Grüns waren lächerlich. Wirklich uneben." Man darf davon ausgehen, dass Kaymer als gewöhnlich eher moderater Mensch nicht nur aus purer Enttäuschung seiner Einschätzung freien Lauf ließ. Es muss für die Beschwerde wirklich Gründe gegeben haben. Kein Problem allerdings für Kaymers Hauptkonkurrenten um den zehnten Platz im Team. Der Engländer Oliver Wilson arbeitete sich heute auf einen der besseren Plätze im Klassement vor und ist eine Bank für Louisville.

Die anderen Aspiranten vor allem aus England und Schottland scheinen sich mit scharfen und spitzen rhetorischen Mitteln gegenseitig zu enervieren. Das sind vor allem Ian Poulter und Colin Montgomerie, die beide stark darauf hoffen, dass sie von Captain Nick Faldo berufen werden. Zehn qualifizieren sich automatisch. Faldo kann zwei Spieler nach Gutdünken benennen. Für Poulter spricht die gute Form und eine ordentliche kämpferische Einstellung. Für Montgomerie eine nahezu perfekte Ryder-Cup-Bilanz, die selbst in solchen Jahren nie angekratzt wurde, in denen er auf der Tour hinterherhinkte.

Dass man Poulter reizen kann, der an diesem Wochenende in Boston spielt, um seine Chancen auf das viele Geld im FedEx-Cup aufrecht zu erhalten, ist nicht überraschend. Seine Haare brauchen zwar sicher Spray, um igelig nach oben ab zu stehen. aber wahrscheinlich nicht sehr viel. Montgomerie ist die Totalmimose schlechthin. Weshalb er früher in den USA vom Publikum am Rand des Turniers regelmäßig mit beleidigenden Sprüchen attackiert wurde. Die britischen Journalisten wissen das natürlich und heizten die Kontroverse mit aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten in beide Richtungen an.

28. August 2008

Kaymer kämpft

Der PGA Centenary Course in Gleneagles ist schwer. Schwerer als die beiden alten Golfplätze gleich nebenen, die einst den Ruf des elegangen Resorts in der hügeligen Moorlandschaft von Perthshire begründet haben. Deshalb wurde die Anlage als Austragungsort für den Ryder Cup 2014 ausgewählt. Und deshalb ist sie auch in dieser Woche ein guter Test für Spieler wie Martin Kaymer im Kampf um die letzten Plätze im europäischen Ryder-Cup-Team 2008. Am Sonntag wird abgerechnet. Vielleicht aber schon vorher. Denn der 23jährige hängt nach einer 76er Runde am ersten Tag im hinteren Feld und muss sich morgen schon sehr steigern, um den Cut zu schaffen. Nur die obere Hälfte im Klassement eines Turniers spielt an den zwei letzten Tagen um Geld. Und nur wer Geld verdient, kann sich in der Ryder-Cup-Qualifikation nach oben arbeiten. Kein Cut: Kein Cup mit Kaymer. Kaymer muss zwar an diesem Wochenende theoretisch nur den Engländer Oliver Wilson abhängen, der heute ebenfalls eine 76 zusammenkratzte und damit eine brauchbare Vorlage gab. Aber um dieses Ziel zu erreichen, braucht er ein sehr viel besseres Resultat. Freitag, Abschlag: 8.20 Uhr Ortszeit.

Das Turnier findet auf einem Platz statt, für den die meisten Freizeitgolfer nicht viel übrig haben. Das von Jack Nicklaus entworfene Layout ist zwar sportlich anspruchsvoll, aber amerikanisch langweilig ausgearbeitet und vermag insbesondere gegen den King's Course und seinen landschaftlichen Charme nicht anzukommen. Attraktive Inland-Golfplätze in Schottland sehen anders aus. Wer die Debatten nachvollziehen will, sollte mal hierhin klicken. Da haben sich britische Freizeitgolfer vor ein paar Jahren geäußert. Die European Tour hat eine Animation mit simulierten Hubschrauberflügen von allen Löchern (unter Hole-by-hole Course Guide).

22. August 2008

Kaymer hat immer noch Chancen auf den Ryder-Cup

Die Hatz auf Platz neun und zehn im europäischen Ryder-Cup-Team ist noch immer offen. Martin Kaymer, der heute in Zandvoort den Cut gut geschafft hat, steht zwar im Moment auf dem elften Platz (genau gesagt steht er auf dem zehnten Platz der Europa-Punkteliste, aber die Feinheiten dieser Regelung erklären wir weiter hinten). Der Abstand zu den vor ihm rangierenden Oliver Wilson und Søren Hansen ist nicht uneinholbar. Das Problem: Die beiden sind formstark und müssten schon deutlich patzen, wenn ihnen der 23jährige aus Mettmann noch die Teilnahme an dem Prestige-Wettbewerb nächsten Monat streitig machen will. So wie Darren Clarke zur Zeit spielt, wirkt er wie ein Aspirant auf den Captain's Pick. Alternative: Für den anderen müsste Ian Poulter als gesetzt gelten. Denn Faldo will sicher das Kontingent der Spieler von der Insel stärken.

Zurück zum Qualifikationsreglement: Weil viele der besten Europäer in den USA spielen (Sergio Garcia, Paul Casey, Ian Poulter, Henrik Stenson) und dadurch kaum eine Chance hätten sich über die Teilnahme an einer Handvoll von Turnieren in Europa zu qualifizieren, hat man vor ein paar Jahren zwei Punktetabellen eingeführt. Die ersten fünf Spieler kommen von der sogenannten Weltpunkteliste. Die anderen fünf von der Europa-Liste. Da die Weltliste Priorität hat, heisst das, dass auf der Europaliste auch Golfer eine Chance haben, die einen Hauch weiter unten rangieren.

25. Mai 2008

Gal wie Kaymer: Langsam, aber sicher immer besser


Sandra Gal macht in ihrem ersten Jahr als Golf-Profi eine ähnliche Erfahrung wie Martin Kaymer 2007. Am Anfang läuft es noch nicht rund. Aber irgendwann sehen die Resultate sehr vielversprechend aus. Vor einer Woche schaffte die 23jährige auf der amerikanischen LPGA-Tour einen 18. Platz und damit ihr bisher bestes Resultat. Heute kam sie in Corning auf Rang 21. Das Ganze wäre sehr viel ermutigender, wenn neben ihren guten statistischen Durchschnittswerten beim Spiel (Green in Regulation, Fairways, Länge der Abschläge) auch ein vernünftiger Platz auf der Geldrangliste herauskäme. Aber da die Preisgeldkaskade im Profigolf vor allem die Top-Ten- und erst recht die Top-Five-Resultate extrem begünstigt, befindet man sich mit kontinuierlichen Mittelfeldergebnissen eher weiter hinten in der einzigen wirklich wichtigen Saisonwertung.

Für den angesprochenen Martin Kaymer sieht die Welt nach den guten Turnieren und einem 16. Platz in Wentworth diese Woche schon wieder sehr viel angenehmer aus als nach dem Masters in Augusta, bei dem er den Cut verpasste. Wohl auch deshalb akzeptierte er die Einladung von Ryder-Cup-Captain Nick Faldo, sich zusammen mit anderen Aspiranten auf Fitness untersuchen zu lassen. Faldo ist zu der Ansicht gekommen, dass die europäische Mannschaft immer dann, gegen die USA unterliegt, wenn sie Leute ins Rennen schickt, deren körperliche Voraussetzungen einer drei Tage langen Nervenschlacht nicht gewachsen sind (siehe die Erfahrung von 1993). Die Beschäftigung mit dem Thema kann allerdings nur auf der psychologischen Schiene ihre Wirkung entfalten. Der Ryder-Cup-Zampano, ein strebsamer , ehrgeiziger Typ wie er im Buche steht, kann nur zwei der zwölf Mannschaftsmitglieder nach Gutdünken benennen. Die anderen zehn qualifizieren sich automatisch über ein Punktsystem. Würde heute abgerechnet (und nicht erst nach der PGA Championship) wäre Kaymer dabei.

Das Video zeigt Gal im Studio in einem Interview für golfweek.com

19. Oktober 2007

Kaymer: Scorekarte zum Sammeln

Die Scorekarte vom Donnerstag an der Algarve sollte sich Martin Kaymer gut aufheben. Eine 61er Runde (auf einem Par 72 Platz) bei einem Turnier der European Tour ist eine Rarität und wirklich sehr bemerkenswert. Die vom heutigen Freitag kann ruhig in die Tonne. Die zeigt nur, dass Kaymer noch nicht so weit ist, wie man sich das immer wünscht. Man wird eben leicht vermessen, wenn man sieht, wie jemand wie er mit so viel Talent Fortschritte macht und hofft dann bereits insgeheim, dass er sich vielleicht im Laufe der kommenden Monate sogar noch für den Ryder-Cup qualifiziert. Realistisch ist das nicht. Nur zehn Spieler kommen über die Punktetabelle ins Team. Zwei werden von Captain Nick Faldo nominiert. Und der wird auf Erfahrung setzen und im Zweifel auf britische Spieler.

17. Februar 2007

Ryder-Cup 2018 in Deutschland?

Na also, es kommt doch etwas in Bewegung: Der Deutsche Golf-Verband, die PGA of Germany und die Langer Golf GmbH haben eine Bewerbung bei den europäischen Ryder-Cup-Verantwortlichen eingereicht, um die Veranstaltung im Jahr 2018 nach Deutschland zu holen. Dass Bernhard Langer mitmacht, ist vermutlich der wichtigste Faktor, um das Projekt auch an Land ziehen zu können. Denn erstens ist er das Aushängeschild, zweitens war er einer der erfolgreichsten Ryder-Cup-Spieler, drittens hat er vor zwei Jahren als Captain triumphiert und dabei auch die allerskeptischsten Briten überzeugt und viertens versteht er etwas vom Golfplatz-Bau. Der letzte Punkt ist besonders wichtig, denn keine Anlage in Deutschland erfüllt die vielen sportlichen und logistischen Kriterien für eine solche Veranstaltung. Und die es womöglich bringen würden, sind in Privatbesitz und nicht darauf erpicht, ihren Club aus Anlass eines solchen Ereignisses wochenlang aus den Händen zu geben. Was schade ist. Alteingesessene Clubs in den USA sind da sehr viel geschickter. Sie lassen sich ihre Gastgeberrolle großzügig entlohnen und erhalten hinterher obendrein einen von den besten Designern architektonisch auf Vordermann gebrachten Platz zurück.

Da die Deutschen lieber neu bauen wollen, wird das Auftreiben von Geld zur größten Schwierigkeit. Sollte es fürs Jahr 2018 nicht reichen, käme erst wieder 2022 in Frage. Der Ryder-Cup wird im Zwei-Jahres-Rhythmus und im Wechsel zwischen Europa und den USA ausgetragen. Die nächsten beiden Ausrichter in Europa sind Wales (2010) und Schottland (2014).

13. November 2006

Woods gibt seinen Segen

Tiger Woods hat der Bestallung von Paul Azinger ("Zinger") als neuem Ryder-Cup-Captain seinen Segen gegeben. Und gleichzeitig auch dem veränderten Modus, der dem man an verantwortlicher Stelle mehr Freiheiten einräumt als seinen Vorgängern. "Mit Paul wird es Spaß machen. Paul ist großartig." Besonders wenn Paul auch noch die Putts für die Spieler versenkt, die sie selber nicht ins Loch schieben können.