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18. Juli 2010

British Open: Kaymer schleicht sich an

ST ANDREWS, SCOTLAND - JULY 17: Martin Kaymer of Germany putts onto 18th hole during the third round of the 139th Open Championship on the Old Course, St Andrews on July 17, 2010 in St Andrews, Scotland. (Photo by Stuart Franklin/Getty Images)
Am 18. Grün legte Martin Kaymer am Samstag den Putt zur Annäherung an die Fahne ganz nah am Loch ab. Das Resultat: Birdie. Der Score für die Runde: eine 68. Der entscheidende Aspekt: Der Weltranglistendreizehnte arbeitete sich auf den dritten Platz der Zwischenwertung der British Open vor und geht am Sonntag mit seinem Freund Henrik Stenson und dessen Caddie Fanny Sunesson (seiner langjährigen Beraterin in Fragen der Spieltaktik) auf die entscheidende Runde. Sein Rückstand zum führenden Südafrikaner Louis Oosthuizen beträgt sieben Schläge.

Das ist durchaus eine Menge Holz. Aber auch nur dann, wenn Oosthuizen keine Fehler macht und die Nerven behält. Das gibt es im Golf jedoch so gut wie nie, dass einer vier Tage lang durch die Bank besser spielt als die Konkurrenz. Meistens kommt irgendwann der Einbruch – entweder früher oder später. Entweder weil man patzt. Oder weil man sich innerlich verspannt. Der letzte klassische Aussetzer: neulich bei den US Open, als der Amerikaner Dustin Johnson nach drei Tagen das Ding schon im Sack zu haben schien. Kollege Ron Sirak, mit dem ich einst eine Runde auf dem schweren US Open-Platz von Shinnecock gespielt habe, dem besten Links-Platz in den USA, erinnert an folgende Episoden neben Johnson:

"And how about Aaron Baddeley, who looked unbeatable in the third round of the U.S. Open at Oakmont in 2007 when he opened a two-stroke lead, and then unraveled to an 80 on Sunday that commenced with a triple bogey on the first hole? And don't forget the immortal Jean Van de Velde, who took a five-stroke lead into the final round of the 1999 British Open at Carnoustie and closed with a 77 -- including that memorable 7 on the final hole and lost the title to Paul Lawrie in a playoff."

Moral: Bei vielen Spielern, die sich zum ersten Mal in einer solchen Situation erleben, stottert irgendwann die Maschine, die drei Tage gut geölt gelaufen war.

14. Juli 2010

Schwere Jungs und alte Männer

Foto: Spider.Dog/flickr/creative commons/Attribution 2.0

Morgen beginnen in St. Andrews an der schottischen Ostküste die British Open, das dritte Major des Jahres im Golf. Abgesehen von der Tatsache, dass es ein wenig langweilig anmutet, wenn ein solch bedeutendes Turnier alle fünf Sommer auf demselben Platz stattfindet, verführt er die Golf-Journalisten zu verschnörkelten Reminiszenzen der Geschichte des Spiels. Denn – so geht die Saga – St. Andrews ist die Geburtsstätte der Sportart. Tatsächlich hat sich das Spiel seit seiner Geburt gravierend verändert. Nachdem zunächst die Bälle durch eine enorme technische Revolution gingen, wurden auch die Schläger zu Präzisionswerkzeugen, und beides zwang die Golfplatzbesitzer, ihre Anlagen immer mehr in die Länge zu ziehen. Länger ist nicht besser, sondern einfach nur länger. Da ist es umso angenehmer zu sehen, dass die Spieler selbst sich nur unwesentlich verändert haben. Im Gegenteil. So wie die Bevölkerung in den reichen westlichen Ländern, deren Ernährungsgewohnheiten in naher Zukunft eine Gesundheitskrise heraufbeschwören werden (zusätzlich zum Bedarf an breiteren Sitzen in Flugzeugen und den Wartezimmern der Ärzte), wirken derzeit eine Menge ziemlich erfolgreicher Golfprofis. Rundlich, übergewichtig, um nicht zu sagen dick. Und auch alte Spieler, woanders in der Alterskategorie "Männer IV" eingestuft, halten mit. Mit anderen Worten: Golf wirkt selbst in der Zeit des roboterhaften Erfolgsprofis Tiger Woods noch immer irgendwie ganz menschlich.

Zu diesem Thema habe ich vor ein paar Wochen für die Züricher Sonntagszeitung einen Text geschrieben. Er passt noch immer in die Zeit:

Von allen Kennziffern, die die amerikanische PGA Tour über ihre Profis veröffentlicht, wirkt eine besonders kurios. Die Statistik nennt nicht nur das gewonnene Preisgeld, das Geburtsdatum oder die Körpergrösse. Die Unterlagen machen ein weiteres Detail publik: das Körpergewicht des Golfspielers. So konnten Zuschauer, die noch nie etwas über einen gewissen Brendan de Jonge aus Simbabwe gehört hatten, rasch ermitteln, wieviel der rundliche 29-jährige aus Simbabwe auf die Waage bringt, nachdem der überraschend nach dem ersten Tag der US Open den ersten Platz belegte: satte 103 Kilogramm.

Das Turnier auf dem schwierigen, 6300 Meter langen Platz von Pebble Beach ist kein Spaziergang. Die vier Tage verlangen den Teilnehmern in Wind und Wetter eine Menge ab. Weshalb sich im Laufe der Jahre ein Typ von Golfprofi durchgesetzt hat, der dem Vorbild des im Fitness-Studio gestählten Weltranglistenersten Tiger Woods ähnelt: Der verfügt über wohlproportionierte Muskelpäckchen in den Armen und Schultern.

Doch ein Erfolgsrezept ist das nicht. Man denke nur an all jene Herren, die mit schwerem Schritt über den Platz wandern, aber am Ende die bedeutendsten Titel gewinnen. Ob der Argentinier Angel Cabrera (Gewinner US Open 2007 und Masters 2009, Gewicht laut offiziellen Angaben: 95 Kilo und dazu Kettenraucher) oder ob Phil Mickelson (Sieger beim Masters 2004, 2006, 2010, 91 Kilo) – sie alle schleppen bei wichtigen Ereignissen stärker an dem Gewicht der eigenen Erwartungen als an der Masse aus überflüssigem Fettgewebe. So zählte der Amerikaner Mickelson bei diesem Turnier zu den Favoriten, nachdem er sich am Freitag mit einer hervorragenden zweiten Runde von 66 Schlägen auf den zweiten Rang im Zwischenklassement vorgearbeitet hatte (hinter dem späteren Sieger, dem Nordiren Graeme McDowell).

Aber nicht nur Körperumfang scheint im Spitzengolf kein Problem zu sein. So konnte sich für die US Open in diesem Jahr ein Spieler qualifizieren, der vor zwei Jahren bereits sein zweites neues Herz eingepflanzt bekommen hatte. Die Geschichte des Amerikaners Erik Compton, der am Freitag allerdings am Cut scheiterte, zeigt zumindest eines: Die wahren Qualitäten eines Golfers müssen aus etwas anderem bestehen, als jenem Schaltkreislauf, den Athleten in Sportarten wie der Leichtathletik oder beim Radrennen inzwischen zunehmend mit Dopingmitteln manipulieren.

Man denke nur an die British Open im schottischen Turnberry im letzten Jahr, als bis zum vorletzten Loch ein 59-jähriger an der Spitze lag. Der amerikanische Ausnahmegolfer Tom Watson, der vier Tage lang mit einer erstaunlichen Präzision gespielt hatte, verlor erst im Stechen gegen den um 23 Jahre jüngeren Landsmann Stewart Cink. Eine ähnlich ungewöhnliche Leistung hatte 2008 der Australier Greg Norman geschafft. Der ging in Royal Birkdale als Führender in die entscheidende Runde und wurde Dritter – im Alter von 53 Jahren.

Immerhin: Sowohl Watson als auch Norman haben im Unterschied zu vielen Kollegen auf der Champions Tour der Profis über 50 kein überflüssiges Gramm zugenommen. Ein Aspekt, von dem vor einiger Zeit der ehemalige Weltranglistenerste David Duval sprach, als er davon hörte, mit welchem Argument der übergewichtige Engländer Lee Westwood (offiziell: 94 Kilo) jede Frage nach seinen Essensgewohnheiten abschmetterte: “Hätte ich Athlet werden wollen, dann wäre ich 400-Meter-Läufer geworden. Ich bin kein Athlet, ich bin Golfer.”

“Der Golfschwung ist ein sehr athletischer Bewegungsablauf”, rechtfertigte Duval seine damalige seine rigorose Hinwendung zu intensivem Hanteltraining. Wenig später gewann er die British Open. “Fitness", so meinte er, "sorgt für eine längere Karriere und hilft Verletzungen zu vermeiden.”

Tatsächlich leidet Duval seit dem größten Erfolg seiner Karriere an einer unerklärlichen Formschwäche und liefert nur noch selten und inzwischen auch mit einigem ziemlichen Extra-Gewicht in der Bauchgegend bemerkenswerte Resultate ab. Westwood hingegen spielt seit ein paar Jahren bei den wichtigen Turnieren ständig um den Titel mit und steht auf Platz drei der Weltrangliste. Nach zwei Runden in Pebble Beach lag er in Lauerstellung auf dem 16. Platz. “Ich habe gute Chancen”, sagte er.

31. Juli 2009

Gal: Absacker am zweiten Tag

Hart ist der Boden aller Realität: Sandra Gal hat auf dem Par-72-Platz bei den British Open in der zweiten Runde eine 80 gespielt, gestandene elf Schläge schlechter als am Tag davor. Das heißt, sie ist so gut wie mit keinem einzigen Loch zurecht gekommen. Nach dem Absacker liegt sie im vorderen Mittelfeld und schafft den Cut, genauso wie Martina Eberl, die einen Schlag mehr auf dem Konto hat. Bettina Hauert ist noch unterwegs und könnte sich noch nach oben hangeln. Sie liegt einen Schlag unter der derzeitigen Cut-Linie.

30. Juli 2009

Aber Hallo: Gal führt bei den British Open

Man mag nichts beschreien und nichts beschwören, wenn man liest, dass Sandra Gal nach dem ersten Tag der British Open auf dem schweren Linksplatz in Lytham St. Annes in England mit einem Schlag Vorsprung auf dem ersten Platz liegt. Aber vermelden will man es dann doch. "Um 21.15 Uhr und am Ende einer Runde, die fast sechs Stunden dauerte, chippte Gal aus dem Rough am Grün am letzten Loch den Ball über einen Hügel und legte ihn rund 30 Zentimeter von der Fahne entfernt ab und lochte ihn zu einem brillianten Par ein", schwärmte AP. Die Agentur zitierte Gal hinterher folgendermaßen: "Du gewinnst kein Major in der ersten Runde, aber es ist immer nett, wenn man oben steht. Es steht noch viel Golf auf dem Programm, und ich freue mich darauf."

Noch drei Runden, um genau zu sein. Und das auf einem Platz, auf dem kleine und große Fehler zum täglichen Brot gehören. Weshalb am Ende genauso wichtig sein wird, wer am entspanntesten spielt und wer sich aus der Ruhe bringen lässt. Martina Eberl liegt sechs Schläge hinter Gal auf dem 24. Platz und kann sich gute Chancen auf eine Platzierung ausrechnen, die ihr für eine Qualifikation für den Solheim Cup nützlich sein würde. Bettina Hauert auf Platz 106 mit 9 über Par kämpft mit der Cut-Linie.

18. Juli 2009

Der alte Mann und das Mehr

Vor einem Jahr hatten wir das schon mal so ähnlich. Da stand Greg Norman am Sonntagmorgen am ersten Abschlag der British Open, nachdem er drei Tage lang locker und gekonnt gespielt hatte. Er lag in Führung und wirkte wie jemand, dem man das Unwahrscheinliche zutrauen konnte. Im hohen Alter jenseits der 50 noch einmal alles zu zeigen und alles zu geben und ein bedeutendes Turnier zu gewinnen. Daraus wurde nichts. Andere waren zäher, konzentrierter, präziser.

In diesem Jahr heißt der Frührentner, der mit einem Schlag Vorsprung auf Leute, die halb so alt sind wie er, die letzten 18 Löcher attackiert, Tom Watson. Der wird in zwei Monaten 60 Jahre alt und kann bei einem solchen Turnier nur deshalb mitmachen, weil ihm als ehemaligem Champion bis in dieses hohe Alter das automatische Startrecht zusteht. Fünfmal hat er allein die British Open gewonnen, darunter eine denkwürdige direkte Auseinandersetzung gegen Jack Nicklaus hier in Turnberry. Watson brauchte vor kurzem ein neues Hüftgelenk und läuft auch damit ziemlich eckig über den Platz. Das Gesicht verrät einen Grübler, der ganz offensichtlich nicht aufgehört hat, über das Golfspiel und seinen eigenen Schwung nachzudenken. Sein Rezept besteht aus stoischer Ruhe, einem akkuraten und kontrollierten Abschlag, dem auch der Seitenwind nichts anhat und der Fähigkeit, auf diesen nur leicht ondulierten Grüns den Ball auch aus der Distanz im Loch zu versenken.

Als er heute vom amerikanischen Fernsehen interviewt wurde, ließ er durchblicken, dass er nicht einfach nur Golf spielt. Er setzt einen Plan um, den er sich für die letzten 36 Löcher überlegt hat. Einen Tag vor der Entscheidung hatte er das Gefühl, genau das erreicht zu haben, was er sich ausgemalt hatte. Mehr verriet er nicht. Weshalb wir morgen zuschauen müssen, wenn wir wissen wollen, wie das mit dem Plan ausgeht. Nur soviel ist klar. Von hinten wird sich kaum jemand auf diesem Parcours mit einer niedrigen Schlagzahl nach vorne arbeiten können. Dazu ist Turnberry zu schwer. Der einzige Gegner, den Watson wirklich in Schach halten muss, ist er selbst.

Martin Kaymer kann sich allerdings sicher noch einen besseren Platz erspielen. Auch nach den acht Bogeys von heute und einer 74er Runde, durch die er auf den 27. Platz zurückfiel. Vom zehnten Rang ist er nur zwei Schläge entfernt.

Tom Watson gibt zusammen mit Werbepartner Cadillac hin und wieder Unterricht. Hier sind seine Ausführungen dazu, wie er das Geheimnis des Golfschwungs gelöst hat.
Das Publikum lacht, wenn er sagt, er habe das das Geheimnis 1992 geknackt. Kein Wunder, denn damals hatte er bereits die beste Zeit hinter sich.

16. Juli 2009

"Am besten mit Demut wappnen"

Die British Open in Turnberry rufen Erinnerungen an eine Runde wach, die ich vor ein paar Jahren auf dem Platz an der schottischen Westküste gespielt habe, und an einen Artikel, den ich anschließend für das Schweizer Golf-Magazin Drive geschrieben habe.

"Es ist grau und nass an dem Morgen, als das Flugzeug in Glasgow landet. Pfützen auf dem Asphalt. Linksverkehr, an den man sich gewöhnen muss. Stau auf der Autobahn. Und eine Vorahnung im Bauch, dass dies alles keine guten Vorzeichen für eine Reise durch jenes Land sind, an das man als Golfer unweigerlich gewisse Ansprüche stellt. Das miserable Wetter ist aus Irland herangefegt, wo es in den Tagen zuvor den Profis im K-Club außerhalb von Dublin zugesetzt hat. Nun toben sich die letzten Reste der Front über Schottland aus. Mit Windböen in einer Stärke von über 50 Stundenkilometern.

Überall auf der Welt erklären einem die Einheimischen, dass man, wenn man mit dem Wetter nicht zufrieden ist, einfach ein paar Stunden warten soll, dann ändert es sich garantiert. In Schottland versprechen sie einem gar nichts. Die unausgesprochene Aufforderung lautet: dass man immer mit allem rechnen soll. Aber dies ist dann doch ein kleines Wunder: In Ayrshire, eine Stunde südlich von Glasgow, am Ende einer Strecke, die der Küstenlinie folgt und an Schafherden und kleinen Bauernhöfen vorbeiführt, reißt plötzlich der Himmel auf.Und so beginnt die Reise in die Geschichte der Freizeitsportart Golf dort, wo einst das Schloss des schottischen Königs Robert Bruce stand, der 1314 in der Schlacht von Bannockburn die Unabhängigkeit von England erkämpfte, fast wie bestellt: Auf dem Ailsa Course von Turnberry. Mit Sonne. Mit brutalem Wind. Mit einem zufälligen Weggefährten, der als Sportreporter bei der Sunday Mail in Glasgow arbeitet. Und mit einer Runde auf einem dieser schwierigen British-Open-Plätze, für die sich der Besucher am besten mit Demut wappnet. Mit ein paar mehr Bällen als gewöhnlich. Und mit der Vision von einem heißen Tee danach.

Der Platz, auf dem sich 1977 die beiden Amerikaner Jack Nicklaus und Tom Watson bis zum 18. Grün ein dramatisches Duell lieferten und auf dem 1994 Nick Price gewann, der Mann aus Simbabwe, verrät heute nichts mehr von seiner kuriosen Geschichte. Zu der gehört, dass ihn die Royal Air Force im Zweiten Weltkrieg zu einem Flugplatz umfunktioniert hatte. Ein Zustand, aus dem er Jahre danach mit sehr viel Geld herausgerissen wurde."


Heute hatten die Profis überhaupt keinen Wind und kehrten aufgrund dessen mit vergleichsweise guten Resultaten ins Hotel zurück. Tiger Woods hatte jedoch Schwierigkeiten und produzierte eine 71 (eins über Par). Martin Kaymer ist noch unterwegs und scheint ebenfalls eine 71 anzupeilen. Für Freitag ist schlechteres Wetter angekündigt. Die Überraschung des Tages ist der schon erwähnte Amerikaner Tom Watson, der in seiner besten Zeit die British Open fünfmal gewonnen hat. Er ist inzwischen 59 Jahre alt und ging am Morgen mit einer 65 in Führung. Die Leistung ist vergleichbar mit dem, was Greg Norman im letzten Jahr vorlegte. Niemand gab dem Australier auch nur die geringste Chance. Trotzdem ging er in Birkdale als Erster in die letzte Runde und verlor erst am Sonntag die Lockerheit, mit der er das gesamte Feld in Schach gehalten hatte. Er wurde immerhin noch Dritter. Norman hatte 1986 das Turnier in Turnberry gewonnen. Heute kratzte er nur eine 77 zusammen.

Update 13.35 h Ortszeit New York: Kaymer hat sich gegen Ende der Runde noch gesteigert und zwei Birdies erzielt. Eine 69 ist sein Resultat für den ersten Tag. Vier Schläge hinter Watson, dem Amerikaner Ben Curtis und dem Spanier Miguel Ángel Jiménez, die sich den Spitzenplatz teilen.

Update 13.46 h: Jiménez spielt eine 64 und setzt sich an die Spitze. Plus: Er unterstreicht auf diese Weise, dass die nostalgischen Wünsche, die Watson auch morgen wieder begleiten wetden, eben doch nicht mehr sind als das: nostalgisch. Mehr über Watson auf faz.net.

Update 13.52 h: Beim Blick aufs Klassement bleibt der Blick ganz unten bei einem alten Bekannten hängen: Sir Nick Faldo. SIR Nick Faldo? Ja. Die Königin hat den Maybach-Besitzer geadelt.

20. Juli 2008

Norman geht die Puste aus

Das war nicht der Tag für Greg Norman, der heute von Anfang an jeden Anflug von Lockerheit eingebüßt hatte, die ihm drei Tage lang dabei half, den besten Spielern der Welt (minus Tiger Woods) eine Vorführung in Sachen Links-Golf zu geben. Der Australier konnte denn auch nicht nachlegen, als Titelverteidiger Padraig Harrington auf der zweiten Neun von Royal Birkdale aufdrehte. Sieger: der Ire. Mit vier Schlägen Vorsprung auf den Engländer Ian Poulter. Norman wurde Dritter.

Diese British Open in Royal Birkdale, bei denen vor allem der massive Wind sehr schwierige Bedingungen produzierte, gaben einen gutem Vorgeschmack auf die Qualität des europäischen Teams beim Ryder-Cup im September. Mit Harrington und Ian Poulter (Zweiter), Henrik Stenson (Dritter), David Howell, Paul Casey und Robert Karlsson (alle drei auf dem siebten Platz) zeigte sich ein erheblicher Teil des Kontingents von einer vielversprechenden Seite. Martin Kaymer, der zwar den Cut schaffte, aber auf den 80. Platz abdriftete, darf froh sein, wenn er sich tatsächlich für Nick Faldos Auswahl qualifiziert. Vermutlich kommt der Wettbewerb jedoch in diesem Jahr noch zu früh für ihn.

Noch ein Wort zu Ian Poulter. Der hatte am Sonntag viel Dampf, nachdem er sich aus dem Kleiderschrank ein paar dezente Stücke herausgesucht hatte. Man kann seine Klamotten übrigens kaufen. Mehr über ihn hat der Guardian neulich herauszufinden versucht – am Telefon. Lesenswert. Besonders vor dem Hintergrund jenem Satz, mit dem er sich Anfang des Jahres in die Nesseln gesetzt hatte: "Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, Ich respektiere jeden Golfprofi. Aber ich weiß, ich habe noch nicht mein Potenzial ausgeschöpft. Wenn das passiert, dann sind da nur noch ich und Tiger."

Wenn einer einen Fingerabdruck hinterlassen will

In vier Stunden werden wir wissen, ob Greg Norman, der oftmalige Zweite, der viele Turniere nicht gewann, obwohl er am Samstagabend vor der letzten Runde in Führung lag, mit 53 Jahren das Zeug hat und dem Druck standhält und ein bedeutendes Golfturnier gewinnt. Das Turnier: Die British Open. Der Australier hat in den letzten Tagen phantastisch gespielt und läge mit etwas Glück mit mehr als nur zwei Schlägen in Führung. Aber wenn man zurückdenkt an den Einbruch vor zwölf Jahren, als er beim Masters in Augusta am Sonntag sechs Schläge Vorsprung auf Nick Faldo hatte, weiß man: Norman wäre auch mit einem Plus von vieren oder mehr nicht auf der sicheren Seite. Gehen wir kurz ins Archiv, um das Phänomen Norman von zwei Seiten zu illustrieren.

Da wäre zuerst die katastrophale Niederlage vor zwölf Jahren, die ich damals für den Tages-Anzeiger in Zürich nachgezeichnet habe, als Norman, der einzige Profi, der Playoffs in allen vier Majors verloren und dazu noch dreimal einen Grand-Slam-Titel am letzten Loch verspielt hat, zum sechsten Mal in seiner Laufbahn bei einem Major als Spitzenreiter in die letzte Runde ging und zum sechsten Mal den Sieg verpasste. Hier ein Auszug:

"Wie ein soeben gestrickter Pullover an dem einen Faden, der ihn zusammenhält, so ribbelte sich Normans Nervenkostüm innerhalb von nur einer Stunde vom neunten Loch bis zum 12. Loch auf, als er all jene Fehler machte, die er drei Tage lang vermieden hatte. In den vier Löchern verlor er fünf Zähler. Und sein Vorsprung, der ohnehin bereits auf drei Schläge geschrumpft war, verwandelte sich in einen Rückstand von zwei Schlägen. "Ich habe schlecht mit den Eisen gespielt und den Preis dafür gezahlt", versuchte er den unerklärlichen Leistungskollaps zu rechtfertigen.

Nach Ansicht von Norman-Kennern lag das Problem jedoch erneut im mentalen Bereich. Norman, der in seiner Freizeit Düsenflugzeuge, Hubschauber, Motorboote und schnelle Autos steuert, trat nach drei Tagen, in denen er mit der Sorgfalt eines Feinmechanikers zu Werke gegangen war, mit einem Hauch von Hochmut auf den schweren Platz. Alle Sicherheitsgedanken hatte er am Vorabend weggewischt: "Ich werde so spielen, als ob keiner in Front liegt."

Ein paar Jahre später habe ich Norman für die Zeitschrift Architectural Digest in seiner Rolle als erfolgreicher Golfplatzarchitekt interviewt, nachdem ich mir vor Ort den formidablen Links-Platz Doonbeg an der Westküste von Irland angesehen hatte. Es ging nicht ums Verlieren, sondern um die Fähigkeit, einem Stück Land ein kleines architektonisches Kunstwerk abzuringen. Das ist der andere Norman - der ohne Schläger in der Hand.

Mr. Norman, was macht einen guten Golfplatz aus?:

GREG NORMAN: Dass er so ausgelegt ist, dass ihn jeder spielen kann - von der Freizeitgolferin bis zum Spitzen-Professional.

Und was macht ihn zum Kleinod?

GREG NORMAN: Die herausragenden Plätze haben alle eine entscheidende Qualität, Sie fordern jeden - egal wie gut er ist - derart intensiv heraus und sind so abwechslungsreich, dass man sich nach der ersten Runde an jeden einzelnen Schlag erinnert.

Was ist eigentlich schwieriger: Plattes Land mit dem Bulldozer umzumodeln oder das Design der Natur abzulauschen?

GREG NORMAN: Es ist eine ziemliche Herausforderung, aus einem langweiligen Grundstück etwas zu machen. Aber wenn das Terrain perfekt ist, dann kommt eine andere Sorge ins Spiel: Du willst die Sache nicht versauen. Der Druck, etwas Großartiges zu entwerfen ist groß. Vor allem, weil ich das mit Leidenschaft betreibe. Ich möchte einen Fingerabdruck auf dem Gelände hinterlassen, an dem auch noch spätere Generationen ihre Freude haben.

Wie imaginiert man einen Golfplatz?

GREG NORMAN: Ich mag es nicht, wenn das Design künstlich aussieht. Ich schaue mir die Gegend in einem Umkreis von bis zu 50 Kilometern an. Ich lasse mich vom Horizont inspirieren, von Bergketten in der Ferne, von Seen und Bächen. Während des Baus bin ich so oft wie möglich vor Ort. Wenn man das macht, lernt man die Verhältnisse kennen, das Klima, der Wechsel der Temperaturen, die wechselnden Winde. Man wird dadurch einfach sehr aufmerksam und einfühlsam. Je stärker der Eindruck, desto besser wird der Platz.

In vier Stunden werden wir wissen, welchen Eindruck Royal Birkdale anno 2008 auf Greg Norman hinterlassen hat.

15. Juli 2008

Kaymer spielt

Martin Kaymer wird in Royal Birkdale an den British Open teilnehmen und in den ersten beiden Runden mit dem Amerikaner Scott Verplank und dem Südafrikaner Ernie Els spielen. Die Nachricht über seine Teilnahme so kurz nach dem Tod seiner Mutter hätte man eigentlich nur aus Deutschland erwartet. Aber Anteilnahme gibt es auch in Irland, in den USA und in Kanada, wo der 23jährige mit den Worten zitiert wird: "It's been a sad time for our family, but everyone has been wonderful. I definitely know there will be someone special looking down on me this week. And this is such a great tournament, I didn't want to miss it. And I know my mother would not want me to miss it, either."