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27. August 2009

Alles nur Kulisse?

Es gibt nicht so viele Golfplätze auf der Welt, bei dem einem der Ausblick von den meisten Abschlägen schlichtweg die Sprache verschlägt. Manche haben einzelne spektakuläre Bahnen, bei denen man den Ball etwa über windumtoste Meeresbuchten schlagen muss und nach Art von Manni Kaltz eine Flugbahn gegen die Brise absteuern muss. Manche gestatten einem von den höchsten Punkten des Geländes aus ein einladendes Panorama von Ozean und Dünen, Kliffs und Brandung. Aber hinten am Horizont läuft die Optik in flachen Farben und dünnen Linien aus. Wenn da nicht ein Wal aus dem Wasser aufsteigt, wie das schon mal in Kapalua auf der Insel Maui passiert, ist der vorherrschende Eindruck eher Beschaulichkeit.

Deshalb ist der Platz, auf dem an diesem Wochenende die Profi-Karawane der PGA Tour Station macht, so außergewöhnlich: Auf Liberty National bestimmen zwei der eindrucksvollsten Sehenswürdigkeiten die Kulisse: die Freiheitsstatue und die Wolkenkratzerlandschaft von Manhattan. Der Platz wurde vor ein paar Jahren für teures Geld auf eine Schutt- und Giftmüllzone gekleistert, was lange dauerte, weil die Behörden nicht leichtfertig Genehmigungen erteilen. Die New York Times hat diesen Teil der Geschichte neulich ausführlich erzählt. Der Club ist in privater Hand und steht deshalb für Normalsterbliche nicht auf der Wunschliste.

So reizvoll das Visuelle auch sein mag und so leicht es sich auch in attraktive Fernsehbilder und Fotografien umsetzen lässt, irgendetwas an der Entscheidung der PGA Tour für diese Anlage ähnelt einem Griff ins Klo. Das Gefühl jedenfalls erhält man, wenn man den Bericht von John Hawkins in Golf Digest liest, der zwar keinen der Spieler offiziell dazu bringen konnte, sein Missfallen zu Protokoll zu geben, aber hinter vorgehaltener Hand viele Beschwerden eingesammelt hat. Das Besondere: die Tour-Leitung hat ganz offensichtlich die sonst so meinungsfreudigen Profis dazu vergattert, bloß nichts Negatives über den Platz zu sagen. Weshalb sich Tiger Woods zu einer Wischi-Waschi-Aussage bequemte: "Es ist interessant", sagte er über den grünen Teppich mit seinen relativ kleinen Grüns und der künstlich aufgeschütteten Golflandschaft.

Mit dem Turnier auf der anderen Seite des Hudson in New Jersey beginnt die letzte Phase der Saison, das Playoff-Format um den FedEx-Cup. In zwei Wochen wird das Feld auf etwas mehr als die Hälfte zusammengeschrumpft sein und die Crème de la Crème bei der BMW Championship in Cog Hill außerhalb von Chicago antreten. Wie vor zwei Jahren auch werde ich von dort aus berichten. Voraussichtlich auch über das Thema: Was wenn Golf olympisch wird?

Martin Kaymer, der sich bei einem Unfall auf einer Go-Kart-Bahn in Phoenix mehrere Knochen im Fuß gebrochen hat, wäre übrigens sowieso weder in New Jersey noch in Chicago dabei gewesen. Er hatte als Nichtmitglied der PGA Tour mit der PGA Championship das jährliche Kontingent seiner Gastauftritte in den USA ausgeschöpft. Die aktuellen Meldungen über den Weltranglistenzwölften sagen, dass er wohl nach einer notwendig gewordenen Operation sechs Wochen Zwangspause einlegen muss.

29. April 2007

Wie man heißt, wie man heißen sollte

Das Rad der Geschichte dreht sich auf kuriose Weise. Aber es dreht sich. Und normalerweise können Politiker nur wenig tun, um es zu stoppen oder den Rückwärtsgang einzulegen. Aber der Versuch ist bekanntlich nicht strafbar. Also haben drei Volksvertreter im Abgeordnetenhaus des Staates New York ein Gesetz eingebracht, dass den drei Mannschaften New York Giants, New York Jets und New York Red Bulls untersagen soll, ihre geographisch falschen Namen weiterhin zu benutzen. Die beiden Football-Clubs und die MLS-Fußballer spielen nämlich auf der anderen Seite des Hudson River - in New Jersey. Die Initiative findet in politischen Kreisen in New Jersey durchaus Zustimmung. Dort pflegt man einen gewissen Minderwertigkeitskomplex, eine Haltung, die man oft in unmittelbarer Nachbarschaft von solchen Attraktionen wie New York City finden kann. Die erste Reaktion der fraglichen Teams war vorhersehbar. Sie haben nicht das Gefühl, dass ihnen eine staatliche Institution vorschreiben kann, unter welchem Namen sie ihr Geschäft abwickeln.

Der Bundesstaat New Jersey wird übrigens demnächst einen seiner zwei Clubs an New York verlieren. Die Nets aus der NBA, die in diesem Jahr den Toronto Raptors den Weg ins Viertelfinale verlegen dürften und in der Serie mit 2:1-Siegen führen, werden in einen neuen Komplex in Brooklyn umziehen. Niemand dort wollte sie haben. Aber die Baumaßname hat alle Hürden genommen. Die Mannschaft war früher mal am östlichen Stadtrand von New York zu hause, dort wo das NHL-Team der New York Islanders spielt. Die Region wird von vielen Long Island genannt, was die Menschen hundert Kilometer weiter draußen in den Hamptons ziemlich lächerlich finden. Pedanten nennen es meistens Nassau County, weil das Gebiet mit seinen vielen kleinen Gemeinden kein richtiges Oberzentrum hat. Damals lief der Basketball-Club unter New York Nets, was ein geschicktes Wortspiel auf existierende Namen war: New York Jets (Football) und New York Mets (Baseball). Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass das Team auf den alten Namen zurückgreifen wird.