Wenn der Sommer zu Ende geht und die wichtigsten Turniere gespielt sind, gibt es für die besten Golfer auf der amerikanischen Tour nur noch eine Ambition: Sich möglichst weit oben in der Punktewertung für den FedEx Cup festzusetzen. Denn damit steigen die Chancen auf einen warmen Dollarregen am Ende der Saison. Der Wettbewerb um den Silberpokal, der den Charakter eines Play-offs hat und jede Woche reihenweise Spieler aussiebt, ehe schließlich bei der Tour Championship die letzten 30 das Rennen unter sich ausmachen, wird sportlich zwar nie ganz den Rang der Majors erreichen. Aber in einem Jahr, in dem Tiger Woods ungewohnte Schwächen zeigt und schon mal am Cut scheitert, verbreitet er einen eigenen Reiz. Und sei es nur für jene Zuschauer, die jemandem wie Steve Stricker die Daumen halten.
Der 42-jährige Amerikaner, der eine Woche zuvor im Weichbild der Skyline von Manhattan knapp einen Putt verpasst hatte, mit dem er in das entscheidende Stechen gekommen wäre, hatte am Montag mit zwei Birdies auf der 17 und der 18 die Deutsche Bank Championship in Boston gewonnen und sich damit in der FedEx-Cup-Wertung vor Woods an die Spitze geschoben. Seine konstant gute Form schlägt sich auch in der Weltrangliste nieder. Dort kletterte er mit dem Sieg auf den zweiten Platz. So weit oben stand er noch nie.
Der Mann, den seine Kollegen sowohl wegen seiner stillen, bedachten Art als auch wegen seines Feingefühls beim kurzen Spiel schätzen, könnte dieser Tage denn auch keinen besseren Ort finden als den Cog Hill Country Club vor den Toren von Chicago. Denn der Mittlere Westen der USA mit seinen welligen Parkland-Plätzen ist im weitesten Sinne die Heimat von Stricker. Er wuchs im Nachbarstaat Wisconsin auf und lebt auch dort noch und nicht etwa wie soviele Profigolfer im Steuerparadies Florida. Außerdem verbrachte er seine Studienzeit im Rahmen eines Golfstipendiums an der University of Illinois, dem Bundesstaat, in dem die Metropole Chicago liegt.
Mit einer Einschränkung allerdings. “Sie haben ihn verändert. Keiner ist wirklich mit ihm vertraut”, sagte Stricker über den Platz, an dem im Wechsel mit dem Belle Rive Country Club in St. Louis und dem Crooked Stick Country Club in Carmel/Indiana die BMW Championship ausgetragen wird. Die kosmetische Operation wurde dem für seine Renovierungsarbeiten an klassischen anspruchsvollen US-Open-Schauplätzen wie Bethpage und Torrey Pines bekannten Architekten Rees Jones übertragen. Der durfte vier Millionen Dollar ausgeben und schuf neue, welligere Grüns, tiefere Bunker und zog das Layout auf 6900 Meter in die Länge. Trotz der Veränderungen glaubt Stricker, dass er sich wie zuhause fühlen wird: “Ich habe hier 1996 gewonnen und bin sehr erfreut, wieder hin zugehen. Ich habe viele Fans dort.”
Die werden heute von Anfang an erleben können, ob er die Nerven hat, um in der Aura des besten Golfers der Welt seine Form zu halten. Die Turnierverantwortlichen haben ihn mit Tiger Woods und seinem Landsmann Heath Slocum in einer Gruppe gesteckt. Stricker, der sich in Boston ganz bescheiden vor dem Weltranglistenersten verneigte (“Er ist der Mann. Es seine Welt, in der wir unseren Platz einnehmen.”), spielt bei solchen Gelegenheiten aber womöglich ein kluges taktisches Spiel. Er inszeniert sich als Außenseiter, der “langsam wieder mehr Selbstvertrauen” hat. Auch so kann man Druck abbauen.
Stricker gehört übrigens zu jenen Figuren, die das Achterbahn-Gefühl einer Karriere im Profigolf besonders krass erlebt haben. Nachdem er in den neunziger Jahren zahlreiche Achtungserfolge erzielte, knickte er weniger später psychisch ab und wirkte wie ein Mann auf der Suche nach dem verlorenen Schwung. Vor vier Jahren fand er ihn wieder und schaffte etwas, was niemand vor ihm erreicht hatte und kaum jemand jemals wiederholen wird: Er wurde sowohl 2006 als auch 2007 zum Comeback-Spieler des Jahres der PGA Tour gewählt. 2008 belegte er in der FedEx-Cup-Wertung den 14. Platz.
Der von Tiffany produzierte Pokal wird in diesem Jahr zum dritten Mal ausgespielt. Während nach jeder Saison zahlreiche kleinere Facetten am Regelwerk geändert wurden, blieb die eigentliche Idee intakt: Der Spieler mit den meisten Punkten am Ende der Tour Championship erhält ein Preisgeld von zehn Millionen Dollar. Auch die Nächstplatzierten werden noch hervorragend bezahlt: Der Zweite bekommt drei Millionen, der Dritte zwei Millionen Dollar.
Keine Chance auf das Geld hat Vijay Singh, der 2008 den Wettbewerb in Abwesenheit des verletzten Tiger Woods überlegen gewonnen hatte. Er schaffte es am Wochenende nicht bis in die Top 70 der Punkteliste.
Posts mit dem Label FedEx-Cup werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label FedEx-Cup werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
10. September 2009
27. August 2009
Alles nur Kulisse?
Es gibt nicht so viele Golfplätze auf der Welt, bei dem einem der Ausblick von den meisten Abschlägen schlichtweg die Sprache verschlägt. Manche haben einzelne spektakuläre Bahnen, bei denen man den Ball etwa über windumtoste Meeresbuchten schlagen muss und nach Art von Manni Kaltz eine Flugbahn gegen die Brise absteuern muss. Manche gestatten einem von den höchsten Punkten des Geländes aus ein einladendes Panorama von Ozean und Dünen, Kliffs und Brandung. Aber hinten am Horizont läuft die Optik in flachen Farben und dünnen Linien aus. Wenn da nicht ein Wal aus dem Wasser aufsteigt, wie das schon mal in Kapalua auf der Insel Maui passiert, ist der vorherrschende Eindruck eher Beschaulichkeit.Deshalb ist der Platz, auf dem an diesem Wochenende die Profi-Karawane der PGA Tour Station macht, so außergewöhnlich: Auf Liberty National bestimmen zwei der eindrucksvollsten Sehenswürdigkeiten die Kulisse: die Freiheitsstatue und die Wolkenkratzerlandschaft von Manhattan. Der Platz wurde vor ein paar Jahren für teures Geld auf eine Schutt- und Giftmüllzone gekleistert, was lange dauerte, weil die Behörden nicht leichtfertig Genehmigungen erteilen. Die New York Times hat diesen Teil der Geschichte neulich ausführlich erzählt. Der Club ist in privater Hand und steht deshalb für Normalsterbliche nicht auf der Wunschliste.
So reizvoll das Visuelle auch sein mag und so leicht es sich auch in attraktive Fernsehbilder und Fotografien umsetzen lässt, irgendetwas an der Entscheidung der PGA Tour für diese Anlage ähnelt einem Griff ins Klo. Das Gefühl jedenfalls erhält man, wenn man den Bericht von John Hawkins in Golf Digest liest, der zwar keinen der Spieler offiziell dazu bringen konnte, sein Missfallen zu Protokoll zu geben, aber hinter vorgehaltener Hand viele Beschwerden eingesammelt hat. Das Besondere: die Tour-Leitung hat ganz offensichtlich die sonst so meinungsfreudigen Profis dazu vergattert, bloß nichts Negatives über den Platz zu sagen. Weshalb sich Tiger Woods zu einer Wischi-Waschi-Aussage bequemte: "Es ist interessant", sagte er über den grünen Teppich mit seinen relativ kleinen Grüns und der künstlich aufgeschütteten Golflandschaft.
Mit dem Turnier auf der anderen Seite des Hudson in New Jersey beginnt die letzte Phase der Saison, das Playoff-Format um den FedEx-Cup. In zwei Wochen wird das Feld auf etwas mehr als die Hälfte zusammengeschrumpft sein und die Crème de la Crème bei der BMW Championship in Cog Hill außerhalb von Chicago antreten. Wie vor zwei Jahren auch werde ich von dort aus berichten. Voraussichtlich auch über das Thema: Was wenn Golf olympisch wird?
Martin Kaymer, der sich bei einem Unfall auf einer Go-Kart-Bahn in Phoenix mehrere Knochen im Fuß gebrochen hat, wäre übrigens sowieso weder in New Jersey noch in Chicago dabei gewesen. Er hatte als Nichtmitglied der PGA Tour mit der PGA Championship das jährliche Kontingent seiner Gastauftritte in den USA ausgeschöpft. Die aktuellen Meldungen über den Weltranglistenzwölften sagen, dass er wohl nach einer notwendig gewordenen Operation sechs Wochen Zwangspause einlegen muss.
Labels:
FedEx-Cup,
Golf,
Martin Kaymer,
New Jersey,
PGA Tour
21. Juni 2007
FedEx-Cup ohne Langer
Drüben bei Plock (via foremenblog) kam gestern aus Anlass der BMW International in Eichenried das Thema FedEx-Cup auf. Und zwar hochgeharkt aus dem Blickwinkel von Bernhard Langer, der trotz einer relativ guten Ausgangsposition signalisiert, dass ihn dieser neue Wettbewerb nicht interessiert. Er will sich nicht mehr bei jeder Gelegenheit mit den Topleuten seiner Branche messen, die in diesem neuen Punkterennen, einer Art Playoff-System, das die PGA Tour der NASCAR-Serie und den Mannschaftssportarten abgeschaut und extrem verfeinert hat, um einen Siegerscheck von 10 Millionen Dollar spielen. Der Mann hat damit die eigentliche Schwäche des FedEx-Cups auf den Punkt gebracht: Wer keine realistische Chance darauf hat, sich in bis in die Tour Championship der besten 30 vorzuarbeiten, braucht gar nicht erst seine Zeit damit vertun, es zu versuchen. Das Pensum besteht aus vier Turnieren. Die Verlockung besteht (im Fall von Langer) aus dem unbehaglichen Gedanken, dass man gegen Konkurrenten antreten muss, die 20 oder gar 30 Jahre jünger sind (und dass man nur mithalten kann, wenn die alle schlapp machen) und sehr viel stärker motiviert. Ganz viel Geld kann Langer ab dem Herbst sehr viel entspannter auf der Champions Tour gewinnen.Im Moment zeichnet sich noch nicht ab, ob andere Spieler in den USA es Langer gleich tun werden und souverän diesem prestigelosen, aber geldsäckigen Format den Rücken zudrehen. Das dürfte jedem Spieler schwer fallen, der keine gute Entschuldigung hat (Verletzung, Frau ist hochschwanger, Vater liegt im Sterben etc.). Die Veranstalter von Turnieren und das Netzwerk aus Sponsoren auf der PGA Tour zeigen Spielern, die sich allzu offensichtlich verächtlich geben, schon mal die sprichwörtliche kalte Schulter (nur John Daly hat den Narren-Bonus und kommt auch so durch). Das kann dann manchmal weh tun. Zum Beispiel, wenn man einen Brief schreiben und darum bitten muss, zu einem Turnier eingeladen zu werden, an dem man unbedingt teilnehmen möchte.
Langer passiert so etwas nicht. So kantig er oft auch rüber kommt (das liegt an seiner Geradlinigkeit), - er ist einer der großen Stilisten und Diplomaten des Spiels. Er fand eine wunderbare Ausrede für sein Desinteresse: Man hat ihn und seinen 17jährigen Sohn Stefan zu den KLM Open in die Niederlande eingeladen (23. bis 26. August). So wirkt die Entscheidung nicht brüsk, sondern nachgerade sympathisch. Vater und Sohn beim Golf. Wer hätte dafür kein Verständnis?
Abonnieren
Posts (Atom)