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27. August 2009

Alles nur Kulisse?

Es gibt nicht so viele Golfplätze auf der Welt, bei dem einem der Ausblick von den meisten Abschlägen schlichtweg die Sprache verschlägt. Manche haben einzelne spektakuläre Bahnen, bei denen man den Ball etwa über windumtoste Meeresbuchten schlagen muss und nach Art von Manni Kaltz eine Flugbahn gegen die Brise absteuern muss. Manche gestatten einem von den höchsten Punkten des Geländes aus ein einladendes Panorama von Ozean und Dünen, Kliffs und Brandung. Aber hinten am Horizont läuft die Optik in flachen Farben und dünnen Linien aus. Wenn da nicht ein Wal aus dem Wasser aufsteigt, wie das schon mal in Kapalua auf der Insel Maui passiert, ist der vorherrschende Eindruck eher Beschaulichkeit.

Deshalb ist der Platz, auf dem an diesem Wochenende die Profi-Karawane der PGA Tour Station macht, so außergewöhnlich: Auf Liberty National bestimmen zwei der eindrucksvollsten Sehenswürdigkeiten die Kulisse: die Freiheitsstatue und die Wolkenkratzerlandschaft von Manhattan. Der Platz wurde vor ein paar Jahren für teures Geld auf eine Schutt- und Giftmüllzone gekleistert, was lange dauerte, weil die Behörden nicht leichtfertig Genehmigungen erteilen. Die New York Times hat diesen Teil der Geschichte neulich ausführlich erzählt. Der Club ist in privater Hand und steht deshalb für Normalsterbliche nicht auf der Wunschliste.

So reizvoll das Visuelle auch sein mag und so leicht es sich auch in attraktive Fernsehbilder und Fotografien umsetzen lässt, irgendetwas an der Entscheidung der PGA Tour für diese Anlage ähnelt einem Griff ins Klo. Das Gefühl jedenfalls erhält man, wenn man den Bericht von John Hawkins in Golf Digest liest, der zwar keinen der Spieler offiziell dazu bringen konnte, sein Missfallen zu Protokoll zu geben, aber hinter vorgehaltener Hand viele Beschwerden eingesammelt hat. Das Besondere: die Tour-Leitung hat ganz offensichtlich die sonst so meinungsfreudigen Profis dazu vergattert, bloß nichts Negatives über den Platz zu sagen. Weshalb sich Tiger Woods zu einer Wischi-Waschi-Aussage bequemte: "Es ist interessant", sagte er über den grünen Teppich mit seinen relativ kleinen Grüns und der künstlich aufgeschütteten Golflandschaft.

Mit dem Turnier auf der anderen Seite des Hudson in New Jersey beginnt die letzte Phase der Saison, das Playoff-Format um den FedEx-Cup. In zwei Wochen wird das Feld auf etwas mehr als die Hälfte zusammengeschrumpft sein und die Crème de la Crème bei der BMW Championship in Cog Hill außerhalb von Chicago antreten. Wie vor zwei Jahren auch werde ich von dort aus berichten. Voraussichtlich auch über das Thema: Was wenn Golf olympisch wird?

Martin Kaymer, der sich bei einem Unfall auf einer Go-Kart-Bahn in Phoenix mehrere Knochen im Fuß gebrochen hat, wäre übrigens sowieso weder in New Jersey noch in Chicago dabei gewesen. Er hatte als Nichtmitglied der PGA Tour mit der PGA Championship das jährliche Kontingent seiner Gastauftritte in den USA ausgeschöpft. Die aktuellen Meldungen über den Weltranglistenzwölften sagen, dass er wohl nach einer notwendig gewordenen Operation sechs Wochen Zwangspause einlegen muss.

17. Januar 2008

Manchen Sachen hängt etwas Herbes an

Das Ereignis selbst hat im medialen Getöse neulich nur wenige beschäftigt. Ein paar gingen darauf ein, meldeten die Mikrofonsperre und ließen ansonsten die schlafenden Hunde ruhen. Das Fachblatt Golfweek muss diese schlappe Welle aus dem großen Teich ziemlich angenervt haben, sonst hätten sie nicht in dieser Woche mit einer Titelgeschichte und einem heftigen Coverfoto reagiert: Es zeigt eine Henkerschlinge. Jetzt ist die Aufregung auf einmal groß. Nicht über Kelly Tilghman, die wir hier bereits hinreichend als überfordert beschrieben haben, sondern über die provokative Haltung des Magazins. Für die PGA Tour ging sogar ihr Chef, Commissioner Tim Finchem, in die Bütt, um sich zu beklagen. Das wiederum riecht nach einer klassischen Vertuschungshaltung, die ganz in der Tradition der alten elitären Welt der Golf-Clubs steht, wo man noch bis in die frühen neunziger Jahre gerne vermieden hat, schwarze Spieler aufzunehmen. Am liebsten sah man dunkelhäutige Amerikaner schon immer nur als Caddies und als Bedienungspersonal im Clubhaus.

Nachtrag einen Tag später: Und wessen Kopf hat es gekostet? Den vom Chefredakteur. Er wurde soeben entlassen.

14. Dezember 2007

Comeback-Künstler

Es spricht nicht gerade für die Intelligenz der besten Golfspieler der Welt, wenn sie einen der ihren gleich zwei Jahre nacheinander zu seinem Comeback gratulieren. Ein Jahr, gut. Aber zwei? Wie soll das gehen, besonders wenn man zwischendurch beim besten Willen keinen Leistungsknick zu verzeichnen hatte? Das hat sich der auf diese Weise geehrte Amerikaner Steve Stricker auch gefragt. Aber dann er hat er auf seine nette Art die Auszeichnung trotzdem akzeptiert und gewitzelt: "Ich habe darüber nachgedacht, was man tun muss, um das drei Jahre nacheinander hinzubekommen." Vielleicht durch noch mehr Turniere gewinnen und noch besser spielen?

Der Mann aus Madison/Wisconsin, mit dem ich in diesem Jahr beim ProAm-Turnier der BMW Championship spielen durfte, hat noch Luft nach oben. 2005 war er vom 162. Platz der Geldrangliste und einer desolaten Karriereperspektive auf den 34. Platz geklettert. 2006 erreichte er den vierten Platz und war ein ernsthafter Kandidat für den Gewinn des neuen FedEx-Cups. Die drei, die vor ihm lagen, könnte er 2008 durchaus noch aus dem Weg räumen. Vor allem, wenn er so gut weit spielt wie zuletzt und jene Bescheidenheit ablegt, die zu seinem Markenzeichen geworden ist. Eine Taktik, sich nicht unnötig von der Klasse eines Tiger Woods beeindrucken zu lassen, hat er bereits: "Es geht nicht, dass du dir anschaust, was er macht. Du musst dich auf dein eigenes Spiel konzentrieren."

14. November 2007

Timberlake für Golfer

Aus Kindern werden Leute. Aus Boy-Band-Sängern werden Golfturnier-Gastgeber. Selbst wenn das keiner Logik folgt und Justin Timberlake aufgrund seiner Rolle in der Entblößung von Janet Jacksons Brust beim Super Bowl eigentlich eine persona non grata sein sollte. Aber das ganze wird in Las Vegas (Spitzname: Sin City) spielen, wo man ohnehin ein anderes Verhältnis zu Erotik und Ethik hat und zu Showstars erst recht. Timberlake ist, rein golferisch gesehen, keine schlechte Wahl. Der Sänger hat sich im Laufe der Zeit auf Handicap 6 heruntergespielt. PR-mäßig passt er auch: Er hat vier Grammys gewonnen und gehört zu den berühmtesten Musikern in den USA. Das Turnier findet vom 16. bis 19. Oktober 2008 statt.

Aus diesem Anlass dürfen wir hier an den letzten Erfolg von Timberlake erinnern: ein Song im Rahmen der Comedy-Sendung Saturday Night Live (wurde inzwischen vom Host gelöscht).

2. Juni 2007

Eine starke Tour? Der Rest der Golfwelt sehnt sich nach einer Fusion

Die Andeutungen und Diskussionen rund um eine starke neue Profi-Golf-Tour außerhalb der USA nehmen zu. Während die amerikanische PGA Tour durch Tiger Woods und andere Topspieler bis auf weiteres in ihrer starken Position kaum zu bedrängen ist, machen andere so langsam schlapp. Was gibt es so?
• Die Japan Golf Tour, die in ihrem Heimatland wirtschaftlich akzeptabel funktioniert, aber kaum Wetklassegolfer hervorbringt.
• Die Asian PGA Tour, die in den Ländern Thailand, Südkorea und Indien Station macht und ebenfalls nur selten mal bemerkenswerten Nachwuchs produziert.
• Die PGA Tour of Australasia ist der Frühbeetkasten aus dem junge Talente wie Adam Scott und Geoff Ogilvy und eine ganze Reihe von Australiern entsprungen sind. Ihgre Unterstützung basiert hauptsächlich auf dem intensiven Sportförderungssystem in ihrem Heimatland, nicht auf den finanziellen Möglichkeiten der Profitour.
• Die Sunshine Tour in Südafrika fungierte bislang ebenfalls als Sprungbrett für Golfer von Format, kann aber keine Spieler halten. Die Abgesandten des Landes wandern meistens zuerst nach Europa aus und ziehen im Erfolgsfall in die USA weiter.
• Und dann ist da die European Tour, die sich im Laufe der letzten Jahre immer mehr zu einer Rest-der-Welt-Tour entwickelt hat - mit Abstechern nach Singapur, Malaysia, China, Südafrika und Dubai. Die hat zumindest die Sponsoren, um großrahmig zu denken und möglicherweise demnächst die anderen Organisation zu absorbieren. Das neue Kind bräuchte zuallererst einen klangvollen Namen (World Tour scheint nicht in Frage zu kommen, weil es zu prätentiös klänge). Dann bräuchte es eine Regularium, das sicher stellt, dass sich die Juniorpartner von den anderen Kontinenten nicht einfach nur absorbiert vorkommen. Niemand will irgendetwas übers Knie brechen. Aber zumindest in Großbritannien scheint man den Gedanken zu akzeptieren. Was nahezu erstaunlich ist. Denn die Rolle der Briten in einem größeren Ganzen wäre kleiner denn je.

27. Mai 2007

Bernhard Langer: Manchmal hilft ein Brief

In Gedanken ist er zwar schon fast auf der Champions Tour, auf der er im Herbst spielen kann, wenn er 50 geworden. Dann werden die Plätze leichter und die Konkurrenz ist nicht halb so stark. Man spielt nur drei Runden und verdient trotzdem sehr viel Geld. Aber bis dahin wollte Bernhard Langer sein Spiel nicht schleifen lassen. Also hat er vor ein paar Wochen dem Turnierdirektor vom Colonial in Fort Wort/Texas einen Brief geschrieben und um einen der zwölf Startplätze gebeten, die der Sponsor vergeben kann. Zu solchen Maßnahmen sind Golfprofis mitunter gezwungen, wenn sie beim Meldeschluss auf der Geldrangliste zu weit unten stehen und trotzdem gerne mitmachen wollen. Langer erhielt die erhoffte Einladung und bedankte sich mit einem bestechenden Auftritt. Er hätte das Turnier sogar gut und gerne gewinnen können. Am Ende gab ein Birdie auf der ersten Bahn in einem Sudden-Death-Playoff mit drei Spielern den Ausschlag, den der Südafrikaner Rory Sabbatini verwandelte. Der zweifache Masters-Gewinner hätte mit seinem Putt aus zweieinhalb Metern gleichziehen können und eine Verlängerung erzwingen. Der Ball rollte jedoch knapp am Loch vorbei. Langer wurde zusammen mit dem Amerikaner Jim Furyk Zweiter. Fürs erste hat Langer damit genug Geld auf dem Konto, um an jedem Turnier teilnehmen zu können. Es könnte sogar knapp für eine direkte Qualifikation für die US Open reichen, die im kommenden Monat in Oakmont/Pennsylvania ausgetragen werden.

Während dessen sah Alex Cejka zwar auf dem geteilten 36. Platz auch nicht schlecht aus. Er krebst aber auch nach diesem Wochenende weiterhin im Mittelfeld der Geldrangliste herum und wird auch den Rest des Jahres sein Beißen haben.

16. Mai 2007

Nun auch als Buch: Q steht für Qual

John Feinstein ist ein amerikanischer Sportautor, der hauptsächlich davon lebt, Bücher zu schreiben. Die meisten waren rechercheaufwändig und setzten Maßstäbe in der Art und Weise, wie man das Geschehen hinter den Kulissen und die Stimmung der Aktiven vor und nach großen Ereignissen einfängt. Sein jüngstes Produkt ist ein Buch über die Q School der PGA Tour, jenes legendäre Qualifikationsturnier, bei dem sich selbstgestandene Profis sechs Tage und sechs Runden lang bewähren müssen, um die sogenannte Tourkarte zu erwerben. Es wird extrem gesiebt und bedeutet für die meisten Teilnehmer Frust und Enttäuschung. Feinstein hat das Turnier im Jahr 2005 unter die Lupe genommen und seine Beobachtungen in dem Buch Tales from Q School zusammengetragen. Hier das Radiointerview mit ihm zum Thema vom Anfang der Woche beim Sender NPR, für den er hin und wieder als Mitarbeiter tätig ist.

11. Mai 2007

Overkill an der 17

Von allen Sportarten, die es in den USA bis in die oberen Ränge des Einschaltquotentabelle geschafft haben, ist Golf vermutlich die kurioseste. Im Mittelpunkt steht ein klitzekleiner Ball, der sich beim Abschlag an den meisten Bahnen fast einen halben Kilometer vom Zielpunkt entfernt befindet - einem kleinen Loch. Das Spieltempo ist so langsam wie ein Gletscher in den Alpen. Die taktischen Entscheidungen der Hauptpersonen - welchen Schläger sie warum nehmen, wohin sie zielen - bleiben dem Betrachter verborgen (unter anderen auch deshalb, weil ein Golfprofi im Turnier kein Interesse daran hat, seinen Gegnern/Mitspielern wichtige Informationen zukommen zu lassen). Und die erhabenen Worte der zahllosen Reporter, die die ziemlich leere Tonspur (manchmal hört man Vogelgezwitscher) mit ihren ständigen Beobachtungen und Einschätzungen vollquatschen, reichern das allgemeine Rätselraten der interessierten Zuschauer nur an. Antworten auf offene Fragen geben sie nur selten.

Obwohl praktizierender Golfer, Autor einer Tiger-Woods-Biographie und häufig mit dem Thema Golf befasst (wer sich für den 2005 produzierten Dokumentarfilm über die fast hundertjährige Geschichte meines Golfclubs interessiert und mehr wissen möchte, möge sich melden): Der Erfolg von Golf als Fernsehsportart bleibt ein Mysterium. Denn der begann lange vor Tiger Woods, der als neue Galionsfigur die bereits vorhandene enorme Popularität zwar weiter gesteigert hat, aber auf den bereits ziemlich komfortabel ausgebauten Wegen von Leuten namens Jack Nicklaus und Arnold Palmer und Greg Norman losmarschieren konnte.

Man muss davon ausgehen, dass sich ein Fernsehsender wie NBC Sorgen macht, dass das alles auch so bleibt. Sonst würden sie nicht bei der Players Championship in Florida, die seit Donnerstag läuft und gerne als fünftes Major hochgelobt wird, elf Kameras installiert haben, die nur ein einziges Loch im Auge haben: das 17. mit dem inzwischen berühmten Inselgrün. Ich hatte noch nicht die Ehre, das Original zu spielen, sondern nur die Möglichkeit, eine ziemliche perfekte Kopie auf einem Platz in Dallas, der nur aus nachgebauten berühmten Bahnen besteht ("Tour 18"). Ich kenne also das Problem aus Sicht des Spielers, das den Schlag über rund 120 Meter je nach Windverhältnissen zu einem ziemlich riskanten Unternehmen macht. Obendrein liegt die Aufgabe den Turnierteilnehmern kurz vor Schluss der Runde im Weg, was den Kitzel zumindest am Sonntag bei der letzten Runde erhöht. Denn wenn der Ball im Wasser landet, bedeutet das fast immer eine 5 auf der Scorekarte (das Loch ist ein Par 3). Das kann einem die besten Chancen auf einen Sieg oder eine gute Platzierung rauben.

Aber aus Sicht der Zuschauer? Ist das bereits die Essenz der Faszination Golf? Dass ein Ball im Wasser landen kann anstatt auf dem trockenen Grün? Auf dem TPC in Sawgrass hat man ebenso wie auf anderen Golfplätzen der Welt eine ganze Menge an Wasserlöchern zu bewältigen. Die 17 bietet nur mehr Nass und weniger Land. Reicht das bereits aus? Wahrscheinlich liegt der Erfolg dieser einst sehr innovativen Idee von Architekt Pete Dye einfach nur daran, dass die Aufgabe so überschaubar und verständlich zugleich ist. Und dass man beim Bau des Platzes dafür gesorgt hat, dass eine Art Amphitheater entsteht und ein enormes Publikum auf den Rängen das Geschen verfolgt. Die sorgen für Atmosphäre. Die wollen etwas erleben. Die sind wirklich ganz nah dabei.

3. Mai 2007

Kissen für die Kinder - von Hand bestickt

Veranstalter von Golfturnieren der PGA Tour müssen sich viel einfallen lassen, um die besten Spieler anzulocken. Im Unterschied zu Europa oder Asien sind in den USA Antrittsprämien - das Lockmittel schlechthin - nicht zugelassen. So arbeiten die Ausrichter gerne auf der Außenbahn und kümmern sich mit der sehr viel Aufmerksamkeit um die Frauen und Kinder der Profigolfer. Phil Mickelson hat jetzt am Rande der Wachovia Championship in Quail Hollow außerhalb von Charlotte/North Carolina aus dem Nähkästchen geplaudert. Wobei: "Nähkästchen" ist schon ziemlich nah dran an der Sache. Dieserorts halten die Spielerhotels handbestickte Kissen und Handtücher mit den Namen der mitreisenden Kinder der Profis bereit. Spielzeug gibt es obendrein im Überfluss. Und wir dachten schon, dass die Tatsache, dass 29 der 30 Topspieler von der Money List auftauchen hätte etwas mit der Qualität des Platzes zu tun. Der gehört nämlich den schwersten der Turniersaison. So kann man sich täuschen.

Noch eine persönliche Anmerkung: Ich habe zwar in der letzten Woche beim Interview mit Butch Harmon in Las Vegas auch über die neue geschäftliche Beziehung der beiden zueinander gesprochen. Aber solange sich nicht abzeichnet, was der Linkshänder unter seinem neuen Coach anders macht als vorher, macht es wenig Sinn darüber zu schreiben. Grau ist bekanntlich alle Theorie. Total grau.

18. März 2007

Jemand anderem die Stange halten? Nur mit Erlaubnis

Als erstes sah ich, wie der FOREMENblog.de ein Thema anriss, das in Golferkreisen ganz schön Aufsehen erregt hat: "Der Hillbilly kassierte zwei Strafschläge für zuviel Freundlichkeit." "Hillbilly" war wohl ironisch gemeint. Denn der betroffene Amerikaner Boo Weekley kommt aus der Nähe von Pensacola in Florida, wo es keine Hügel gibt. "Zuviel Freundlichkeit" wohl nicht. Denn so - oder so ähnlich - legten fast alle Kommentatoren den Zwischenfall aus, der sich am Samstag in der dritten Runde beim Bay Hill Invitational in Orlando ereignete. Fast jeder empfand Sympathien für einen Mann, der selbst bestraft worden war, weil er verhindern wollte, dass sein Gegenspieler eine Strafe erhält.

Die Sympathieerklärungen waren mehr als irreführend. Es hat nichts mit Freundlichkeit zu tun, wenn ein Golf-Professional die Regeln nicht kennt, sondern mit Unwissen. Man könnte auch sagen: mit Dummheit. Regel 17-2, eine Weiterführung von 17-1, ist ziemlich unmissverständlich: Du ziehst den Flaggenstock mit der Fahne nicht ohne Einwilligung des betreffenden Spielers aus dem Loch, wenn der puttet (oder auf dem Grün chippt, wie hier geschehen). Dass der Gegenspieler zwei Strafschläge kassieren würde, falls sein Ball die Stange touchiert, ist dessen Problem.
"Bedienen ohne Ermächtigung
Wenn ein Gegner oder dessen Caddie im Lochspiel oder ein Mitbewerber oder dessen Caddie im Zählspiel den Flaggenstock ohne Ermächtigung oder ohne vorherige Kenntnis des Spielers während des Schlages oder solange, wie der Ball in Bewegung ist, bedienen, entfernen oder hochhalten, so zieht sich der Gegner oder Mitbewerber die anwendbare Strafe zu, falls diese Handlung die Bewegung des Balls beeinflussen könnte."
Sicher, die Angelegenheit war kurios: Weekleys Gegenspieler kam durch dessen Hilfs-Aktion um die zwei obligatorischen Strafschläge herum. Er selbst jedoch musste sich am Ende einer ziemlich gute Runde zwei Strafschläge aufschreiben. Aber jetzt kommt der Kicker: "Ich wusste nicht, dass man dafür eine Strafe erhält", sagte Weekley. "Ich denke, man lernt jeden Tag etwas Neues." Der begünstigste Gegenspieler Tom Johnson regte sich noch mehr auf: Er habe in 27 Jahren Golf noch nie von so etwas gehört. Da kann man mal sehen: Da waren also zwei Dösköppe unterwegs, die am liebsten noch den Aufstand der Entrechteten starten und die uralten Regeln des Spiels über den Haufen werfen würden.

Dabei war die Affäre noch harmlos im Vergleich zu der Geschichte von vor zwei Wochen, als ein Spieler bestraft wurde, weil sein Caddie gegen eine Regel verstoßen hatte (siehe hier). Damals ging die Sache noch mal gut aus. Der Spieler gewann trotzdem das Turnier.

5. März 2007

Erst teure Strafe, dann doch noch Sieg: Ein Golfer mit Fortüne

Dieses hübsche Detail wird wahrscheinlich in keiner Agenturgeschichte über das Honda Classic-Golfturnier auf dem schweren PGA National Champion Course in Palm Beach Gardens in Florida stehen. Und wenn, dann irgendwie verdreht oder vermurkst (siehe hier und hier). Schade, wenn es unterginge. Denn es bringt eine Dimension der Sportart Golf ins Spiel, die anderen Disziplinen komplett abgeht: Turniersieger Mark Wilson (Foto) hatte sich selbst am Freitag auf seiner zweiten Runde zwei Strafschläge zuerkannt, was ihm am Sonntag beinahe die Chancen auf ein Playoff zunichte gemacht hätten. Was war passiert? Sein Caddie hatte aus Versehen dem Caddie von Rundenpartner Camilo Villegas Informationen über die Schlägerwahl am Abschlag des fünften Lochs - einem Par 3 - gegeben. Das verstößt gegen die Regel, die unter Punkt 8 folgendes erklärt:
Während einer festgesetzten Runde darf ein Spieler
(a) niemandem im Wettspiel, der auf dem Platz spielt, ausgenommen seinem Partner, Belehrung erteilen oder
(b) nicht von irgendjemand anderem außer seinem Partner oder einem ihrer Caddies Belehrung erbitten.
Der Partnerbegriff bezieht sich darauf, dass es Golfwettbewerbe gibt, bei dem zwei Spieler ein Team bilden - wie etwa im Ryder-Cup. Die dürfen sich gegenseitig ohne Ende beraten. Villegas (und sein Caddie) gehörten in die Kategorie Wettspiel-Gegner. Das Golfspiel basiert darauf, dass Turnierteilnehmer traditionell ohne Schiedsrichter werten. Als Kontrolleure und Zeugen, die später die Scorekarte unterschreiben, kommen die Rundenpartner ins Spiel. Doch etwaiges Fehlverhalten wird nicht einfach in dem Moment getilgt, sobald man seine Scorekarte offiziell eingereicht hat. Kommt später irgendjemand - und sei es ein Fernsehzuschauer - auf die Idee, einen mutmaßlchen Regelverstoß zu melden und wird der von der Turnier-Spielleitung nachträglich als gegeben eingestuft, folgt Disqualifikation - für eine falsch ausgefüllte (unterschriebene) Scorekarte. Einer der peinlichsten Momente im Leben eines Golfprofis.

Die Brutalität der Selbstbestrafung wird besonders dann deutlich, wenn man weiß, wie minimal das Vergehen im Vergleich zu anderen denkbaren Verstößen eigentlich war. Und besonders dann, wenn man auf die Preisgeldliste schaut. Als Turniersieger erhielt Wilson 990.000 Dollar und das Teilnahmerecht für die kommenden zwei Jahre auf der PGA Tour. Doch dafür musste er sich am Sonntag mächtig strecken, um das Stechen zu erreichen und nicht gleich auf dem ersten Playoff-Loch aus dem Rennen der vier Erstplatzierten auszuscheiden. Sein Caddie war hinterher im Fernsehinterview den Tränen nah. Gewöhnlich führen solche Schnitzer zum Rauswurf. Wilson hatte ihm stattdessen versichert: "Ich mache auch Fehler. Wir machen weiter."

In den meisten anderen Berichten wird diese Information ganz oben stehen: Bernhard Langer wurde Zehnter. Nicht schlecht für den inzwischen fast Fünfzigjährigen. Aber keineswegs die interessanteste Facette eines Turniers, das erst am Montagmorgen auf dem dritten Playoff-Grün entschieden wurde, weil man am Sonntag bei Einbruch der Dunkelheit vertagen musste.

20. Oktober 2006

Hello, Q School: Cejkas Saison ist zu Ende

Alex Cejka ist nicht aus dem Holz, das man in den USA braucht, um auf der PGA Tour mitspielen zu dürfen. Zum zweiten Mal in nur zwölf Monaten brachte er nicht die notwendigen Prämienbeträge zusammen, um sich auf direktem Weg eine Tourkarte zu erspielen. Er schied heute in Disney World nach der zweiten Runde aus. Das heißt: Wir wird keinen Cent mehr dazu verdienen und in der Endabrechnung dieser Saison weit abgeschlagen hinter den besten 125 der Geldrangliste landen. Natürlich bleibt ihm erneut die Chance, sich einen der 30 Plätze zu erkämpfen, die es bei der Qualifying School (Q School) der PGA Tour zu gewinnen gibt. Aber vielleicht sollte der Münchner einfach mal eine Saison lang über den Stand der Dinge nachdenken, über sein Können, seine Bedürfnisse und seinen Spaß am Spiel. Die Turnierhetze ist keine Hilfe, wenn man Bilanz ziehen will. Aber weiß? Vielleicht will er das gar nicht, sondern einfach stur weiter machen wie bisher?

17. Oktober 2006

Diese Woche siebt die PGA Tour die besten aus

Alex Cejka hat noch eine Chance, um sich über die Geldrangliste die amerikanische Tourkarte für 2007 zu sichern: Beim Funai Classic, das in dieser Woche in Disney World außerhalb von Orlando stattfindet. Die Aussichten sind allerdings denkbar schlecht. Der Münchner muss mehr als 100 000 Dollar einspielen, wenn er sich vom 142. Platz noch ans rettende Ufer (Platz 125 oder besser) vorkämpfen will. Das bedeutet: Nur ein Klassement unter den besten Fünf beseitigt alle Sorgen. Ansonsten heißt es: packen.

Auch für Bernhard Langer sieht die Situation nicht vielversprechend aus. Er befindet sich zur Zeit zwei Ränge hinter Cejka. Da er sich aber geistig auf die Champions Tour eingestellt hat, wird ihm dies nichts ausmachen. Andere prominente Golfer, die in diesem Jahr ihre Startberechtigung zu verlieren drohen: der Brite Lee Westwood, die Amerikaner John Daly, Lee Janzen und Brad Faxon, der aus Simbabwe stammende Nick Price und der Australier Steve Elkington. Dazu: David Duval, der noch im Sommer etwas frech behauptet hatte, er werde das schon schaffen mit den Punkten für den Ryder-Cup, hat sich in die Gegenrichtung entwickelt: nach unten. Sein Problem: Die letzten fünf Jahre hatte er eine Spielberechtigung auf der PGA Tour auf der Basis seines British Open-Erfolgs 2001. Die ist in diesem Jahr ausgelaufen.

Wer wieder mitmachen will, muss sich durch die Qualifying School durchkämpfen, wo 30 Plätze für 2007 vergeben werden. Das entscheidende Turnier findet vom 29. November bis 4. Dezember in PGA West im kalifornischen La Quinta statt.

Das Cejka-Bild stammt von seiner Webseite