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4. Januar 2010

Eine Witz-Bolt-Geschichte

Keiner vermag zu sagen, ob man diese Herausforderung überhaupt ernst nehmen sollte oder nicht. Aber sie stand zunächst mal im Raum: Chris Johnson von den Tennesse Titans wollte gegen 100-Meter-Weltrekordler Usain Bolt aus Jamaika antreten, weil er sich eine Chance ausrechnet, ihn zu schlagen. Das Spektakel sollte Geld einspielen. Und dieses Geld soll an eine karitative Einrichtung gespendet werden. Der Witz-Bolt schien einem solchen Renntermin nicht abgeneigt gegenüberzustehen. Aber dann meldet sich doch noch der Verstand in Form seines Agenten. Der ließ ausrichten: "Usain verfolgt die NFL nicht aufmerksam und kennt die Spieler gar nicht. Er mag Fußball und Cricket. Aber was noch wichtiger ist: Er hat einen Zeitplan und einen Trainer, denen er folgt. Und es gibt keine Möglichkeit, dass wir solch ein Ereignis ausrichen würden."

Gut. Denn anders als so viele in dieser schnelllebigen Zeit seltsamer Sport-Schlagzeilen kann ich mich noch das hochgehypte Rennen zwischen dem Kanadier Donovan Bailey und dem Amerikaner Michael Johnson in Toronto erinnern. Ich bin eigens hingeflogen, um darüber zu berichten. Die Veranstaltung am 1. Juni 1997 brachte die beiden Olympiasieger von Atlanta über die 100 einerseits und die 200 und 400 Meter anderseits zusammen. Man einigte sich auf eine Strecke über 150 Meter. Heike Drechsler trat im Weitsprung im Vorprogramm auf.

Es war ein totaler Reinfall. Hier die Aufzeichnung des amerikanischen Fernsehens.

20. August 2008

Was tun bei hinreichendem Tatverdacht?

Die Reaktion von Tobias Unger auf den Erfolg von Usain Bolt bei den Leichtathletikwettbewerben in Peking hat etwas Erfrischendes: "Die springen auf ihrer Insel rum, wie sie wollen, denen passiert gar nichts. Ich muss mich allein hier bei Olympia an- und abmelden, für den Fall, dass wir eine Dopingkontrolle haben. Ich habe langsam keine Lust mehr.“ Das Erfrischende besteht darin, sich auszumalen, was eigentlich passieren würde, wenn noch mehr Sprinter die gleiche Empfindung beseelt und sie das tun, was saubere Sportler schon immer getan haben sollten: einfach den Wettkampf verweigern. Nicht frustriert nach Hause gehen und sich zurück ziehen vom Sport, sondern Organisieren, Demonstrieren, Boykottieren, Inkriminieren. Endlich mal Staatsanwälten erzählen, was sie wissen – über Lieferanten, Trainer, Substanzen.

Wäre das nicht mal eine ernsthafte Maßnahme angesichts der massiven Manipulationsversuche, über die es im Fall von Jamaika überhaupt keine Zweifel geben sollte? Schluss mit der Schimäre der sogenannten Unschuldsvermutung, sondern Auftakt für einen neuen Denkansatz, ausgeliehen aus der Strafprozessordnung: den Anfangsverdacht. Wenn nicht sogar den hinreichenden Tatverdacht.

Wäre das nicht mal etwas, um die routinierte Abwicklung von hochgehypten Sportereignissen und ihrem Rekordwahn aus dem Gleis zu werfen: Ein Boykott nicht aus sehr abstrakten politischen, sondern aus ganz sportlichen und eigennnützigen wirtschaftlichen sowie strafrechtlichen Erwägungen? Nicht mehr starten, wenn eindeutig fragwürdige Personen auflaufen und die Farce aus der Sicht des eigentlichen Opfers attackieren – aus der Sicht des betrugsgeschädigten Athleten? Nicht mehr als Staffage und Pappkamerad zur Verfügung stehen und nicht mehr das absurde Abhalten von Vorläufen und Zwischenläufen rechtfertigen, die keiner braucht, wenn der Gewinner doch sowieso schon feststeht.

Man fragt sich: Wo und unter welchen Umständen würde Bolt dann noch laufen? Würde er vielleicht so wie einst Jesse Owens gegen Pferde antreten? Oder würde er und seine Mitstreiter endlich die Wahrheit sagen? Tobias Unger, das wäre doch den Versuch wert, oder nicht?