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3. Februar 2008

Kaymer nach dem Dubai-Turnier auf 22...nein, sogar 21

...und dann war da noch diese Nachricht - für Leute, die die verblüffenden Fortschritte des Golfers Martin Kaymer verfolgen: Er kletterte nach dem zweiten Platz in Dubai von der 33 auf die 22 in der Weltrangliste.

Ebenso verblüffend: Es gibt immer noch einen Kommentator vom Golf Channel, der seinen Namen nicht richtig ausspricht und "käimer" sagt. Spätestens, wenn er bei der Matchplay Championship in zwei Wochen in Arizona antritt, sollte sich das endlich legen. Die Setzliste wird übrigens erst am Sonntag vor dem Turnier festgelegt. Es gibt vier Gruppen, in denen die Spieler anhand der Weltrangliste eingereiht werden. Insgesamt 64 nehmen teil. Matchplay heißt: Man zählt nicht die Schläge, sondern die im direkten Wettkampf zwischen zwei Golfern ausgespielten gewonnenen Löcher ("Lochwettspiel"). Es ist das klassische System des Turniergolfs, das im Laufe der Jahre aus der Mode gekommen ist. Außer im Ryder-Cup, wo das Format dem sportlichen Geschehen die eigentliche Würze gibt. Das Turnier in Tucson funktioniert wie eine Tennis-Veranstaltung. Der Sieger kommt eine Runde weiter. Der Verlierer darf nach Hause fahren. Das Programm ist zeitaufwendig. Deshalb beginnt die Veranstaltung auch bereits am Mittwoch und nicht am Donnerstag.

Nachtrag vom späten Montag: Der Computer muss über nacht noch einmal durchgeatmet haben und hat dann am Morgen einen neuen Wert für Martin Kaymer ermittelt. Statt auf 22 steht er jetzt auf 21. Der Mann klettert selbst dann noch oben, wenn er gar nicht spielt. Welche Magie...

27. Mai 2007

Kaymer macht weiter verblüffende Fortschritte

Ganz langsam wird einem dieser Martin Kaymer unheimlich. Ein 30. Platz beim Turnier in Wentworth mag sich nicht nach viel anhören. Tatsächlich war das Resultat genauso gut wie das von Colin Montgomerie und besser als José Maria Olazábal, Thomas Björn, Paul McGinley und Thomas Levet, um mal die Namen von ein paar europäischen Ryder-Cup-Spielern im Teilnehmerfeld dick zu unterstreichen. Man sollte an dieser Stelle vielleicht auch noch unterstreichen, was der Dritte der BMW PGA Championship, der dreifache Majors-Gewinner Vijay Singh, sehr zur Verblüffung der Amerikaner gemeint hat: Dieses Turnier sei höher einzuschätzen als die Players Championship, die vor zwei Wochen stattfand und die immer gerne als "fünftes Major" hochgejubelt wird. Zu solchen Feinheiten können wir uns von dieser Warte aus keine Meinung erlauben. Nur soviel: Amerikaner leben halt gerne mit diesem dicken Selbstbewusstsein, das oft verdeckt, wie wenig eigentlich an Substanz dahinter steckt. Ein Blick auf die aktuelle Weltrangliste sollte genügen: In den Top 20 sind mal gerade sieben Amerikaner.

Zu Wentworth noch soviel: Besucher können den Platz spielen (genauso wie den TPC in Sawgrass). Aber es kostet viel, viel Geld. Da muss man sich dann mitunter mit solchen Ausflügen begnügen: Am Donnerstag habe ich zum ersten Mal den ältesten Public Course der USA gespielt (1895 eröffnet) - Van Cortlandt in der Bronx, dem gefürchteten Stadtteil von New York, auf dessen Anlage man früher schon mal ein das eine oder andere Mordopfer gefunden hat. Und am Freitag gab es einen Abstecher nach Garrison im Tal des Hudson genau gegenüber von West Point, wo die Offiziersschüler der amerikanischen Armee ausgebildet werden, um in anderen Teilen der Welt die eine oder andere Leiche zu produzieren. Mal abgesehen von den sozialen und politischen Rahmenverhältnissen: Beide Plätze kann man empfehlen. View from Garrison Golf CourseGarrison (Foto zum Vergrößern anklicken) allerdings nur für Leute, die ihre Bälle im relativ hohen Rough finden können und heraushebeln. Must-Carry-Abschläge von 150 Metern gehören ebenfalls zum Pflichtprogramm. Wenn man für so etwas einen Blick hat: die Aussicht von der zehnten Bahn hinunter (Höhenunterschied: 200 Meter) in das weite Tal ist ein Genuss.

10. Oktober 2006

Keiner kennt Kaymer - dabei wird es höchste Zeit

Die Recherche in den Archiven der größten deutschen Zeitungen hat ein erstaunliches Resultat zutage gefördert: Deutschland hat einen phänomenalen jungen Golfer. Aber keiner schreibt über seine Erfolge. Keiner außer der Wuppertal-Ausgabe der Westdeutschen Zeitung, die ihn als lokale Größe feiert.

Dann wollen wir hier mal den Scoop der Woche loslassen. Der Mann heißt Martin Kaymer, ist ganze 21 Jahre alt und steht auf Platz 148 der Weltrangliste. In Worten: einhundertachtundvierzig!). Er hat damit fast Bernhard Langer übertroffen, der nur 18 Plätze vor ihm liegt und ganz langsam in Richtung Champions Tour der über 50jährigen Profis abdriftet. 148 - das heißt aber auch: 204 Plätze VOR Alex Cejka, der in den USA ebenfalls abdriftet: in die Zweitklassigkeit. Zwar könnte der Münchner auch in diesem Jahr die schwere Q-School bestehen, was schon im letzten Winter gelungen war. Aber das Problem dürften irgendwann die Finanzen werden. Mit 500 000 Dollar an Prämieneinnahmen im Jahr ist das teure Leben auf der Tour (Steuern, Caddie, Trainer, Haus in Las Vegas, Reisen, Hotel, Abstecher nach Europa) kaum noch zu finanzieren. Ganz abgesehen davon kommt man mit dem Lappen auch nicht in jedes Turnier. Die PGA hat ein ausgetüfteltes Startberechtigungssystem, das unter anderem Woche für Woche den aktuellen Stand der Money List in Betracht zieht. Wenn man da unterhalb der 125 steht wie Cejka seit Wochen, dann rutscht man bei attraktiveren Terminen auf die Standby-Liste. Nicht gut fürs Ego.

Aber zurück zu Martin Kaymer und seiner "Saison des Lebens" (WZ). Der 21jährige aus Mettmann fing das Jahr auf der drittklassigen EPD Tour an (European Professional Development Tour), wo noch viele andere deutsche Nachwuchsspieler mitmachen und spielte sich wie in einen Rausch. Vor der Deutsche Bank Players' Championship in Gut Kaden im Juli entdeckte ihn zwar die FAZ und schürte prophylaktisch Hoffnungen. Aber in Alveslohe überstand er nicht den Cut. Und so wurde all das, was danach kam, einfach ignoriert (wenn man von einer Geschichte in der Süddeutschen Zeitung absieht). Der Mann hat (noch) keine Lobby.

Dann wollen wir hier mal den Korken knallen lassen: Kaymer hat sich mit seinen Resultaten auf der Challenge-Tour für die European Tour qualifiziert, wo er im nächsten Jahr auf Marcel Siem treffen wird (Platz 224 der Weltrangliste und mit dem 53. Platz auf der Order of Merit sicher qualifizert). Und zwar in einem Durchmarsch sondergleichen: Im ersten Teil der Saison arbeitete er sich auf der EPD-Tour mit einem Parforce-Ritte nach vorne (dazu gehörte eine 59er Runde, etwas, was noch kein deutscher Spieler bei einem Turnier geschafft hat - siehe Scorekarte). Damit sicherte er sich den Zutritt zu den Turnieren der Challenge Tour, wo er erneut brillierte (siehe Bilanz hier). "Martin beherrscht jeden Schlag, spielt ohne Furcht, aber mit einer jederzeit kontrollierten Aggressivität Er erkennt den richtigen Moment anzugreifen oder defensiv zu spielen", lobt Martin Hasenbein, der Chefcoach des Golf Teams Germany.

Kaymers Biographie zeigt, wie schwer es der deutsche Fußball heutzutage hat, gescheiten Nachwuchs heranzuziehen. Denn er sagte dem Mannschaftssport ade, obwohl er mit 14 Jahren in der B-Jugend von Fortuna Düsseldorf Nordrhein-Westfalen-Meister geworden war. Die Entscheidung sei "schon ungewöhnlich" gewesen, sagt er. Aber sie hat sich als klug herausgestellt.