27. Mai 2007

Kaymer macht weiter verblüffende Fortschritte

Ganz langsam wird einem dieser Martin Kaymer unheimlich. Ein 30. Platz beim Turnier in Wentworth mag sich nicht nach viel anhören. Tatsächlich war das Resultat genauso gut wie das von Colin Montgomerie und besser als José Maria Olazábal, Thomas Björn, Paul McGinley und Thomas Levet, um mal die Namen von ein paar europäischen Ryder-Cup-Spielern im Teilnehmerfeld dick zu unterstreichen. Man sollte an dieser Stelle vielleicht auch noch unterstreichen, was der Dritte der BMW PGA Championship, der dreifache Majors-Gewinner Vijay Singh, sehr zur Verblüffung der Amerikaner gemeint hat: Dieses Turnier sei höher einzuschätzen als die Players Championship, die vor zwei Wochen stattfand und die immer gerne als "fünftes Major" hochgejubelt wird. Zu solchen Feinheiten können wir uns von dieser Warte aus keine Meinung erlauben. Nur soviel: Amerikaner leben halt gerne mit diesem dicken Selbstbewusstsein, das oft verdeckt, wie wenig eigentlich an Substanz dahinter steckt. Ein Blick auf die aktuelle Weltrangliste sollte genügen: In den Top 20 sind mal gerade sieben Amerikaner.

Zu Wentworth noch soviel: Besucher können den Platz spielen (genauso wie den TPC in Sawgrass). Aber es kostet viel, viel Geld. Da muss man sich dann mitunter mit solchen Ausflügen begnügen: Am Donnerstag habe ich zum ersten Mal den ältesten Public Course der USA gespielt (1895 eröffnet) - Van Cortlandt in der Bronx, dem gefürchteten Stadtteil von New York, auf dessen Anlage man früher schon mal ein das eine oder andere Mordopfer gefunden hat. Und am Freitag gab es einen Abstecher nach Garrison im Tal des Hudson genau gegenüber von West Point, wo die Offiziersschüler der amerikanischen Armee ausgebildet werden, um in anderen Teilen der Welt die eine oder andere Leiche zu produzieren. Mal abgesehen von den sozialen und politischen Rahmenverhältnissen: Beide Plätze kann man empfehlen. View from Garrison Golf CourseGarrison (Foto zum Vergrößern anklicken) allerdings nur für Leute, die ihre Bälle im relativ hohen Rough finden können und heraushebeln. Must-Carry-Abschläge von 150 Metern gehören ebenfalls zum Pflichtprogramm. Wenn man für so etwas einen Blick hat: die Aussicht von der zehnten Bahn hinunter (Höhenunterschied: 200 Meter) in das weite Tal ist ein Genuss.

Kommentare:

Unknown hat gesagt…

Ich hoffe, Sie können mir den folgenden Abschnitt besser erklären:

"Amerikaner leben halt gerne mit diesem dicken Selbstbewusstsein, das oft verdeckt, wie wenig eigentlich an Substanz dahinter steckt. Ein Blick auf die aktuelle Weltrangliste sollte genügen: In den Top 20 sind mal gerade sieben Amerikaner"

Ich finde sieben von 20 ist primär schonmal keine schlechte Quote. Dann sind die ersten drei der Weltrangliste US-Amerikaner. Auch nicht schlecht fürs Selbstwertgefühl der Nation. Unter den ersten 20 sind ebenfalls fast ausschließlich Profis, die die Mehrzahl der Turniere inzwischen auf der amerikanischen Tour bestreiten. Ein Indiz, das die Amerikaner zumindest nicht völlig unrecht haben, wenn sie den Nabel der Golfwelt bei sich sehen.

Anonym hat gesagt…

Ich bin erstaunt, eigentlich sollte kurtspaeter als Schreiber des vorigen Kommentars erscheinen. Na ja.

Jürgen Kalwa hat gesagt…

Im Golf basiert das Selbstbewusstsein auf historischen, aber nicht immer plausiblen Faktoren. Sicher: Es gibt mehr Preisgeld. Aber die Plätze sind eher leichter - vor allem bei den B-Turnieren der PGA Tour, die parallel stattfinden, wenn die Top-Leute bei den Majors und den WGC-Turnieren antreten. Trotzdem tun viele der zahllosen gesichtslosen Spieler in der zweiten Reihe hinter Woods und Mickelson gerne so, als würde man ihnen nicht hinreichend Weltranglistenpunkte zuschustern. Da wird gerne Quantitât mit Qualität verwechselt. Und beim Ryder Cup sieht man dann das Resultat. Aber während viele junge Spieler aus Europa und Übersee die Herausforderung akzeptieren und sich in den USA dem Wettbewerb stellen, bleiben die Amerikaner lieber in ihrem Heimatland und spielen notfalls auf der Nationwide-Tour. Warum? Man hat Sponsoren und kann dort auch Geld verdienen und ständig vom unmittelbaren Wiederaufstieg ins Oberhaus träumen. Erst wenn gar nichts mehr zu gehen scheint, wie im Fall von Notah Begey, dann setzt sich jemand dem Abenteuer aus.
Übrigens: Ich habe ein paar Stichproben im Archiv der Weltrangliste gemacht und bestätigt gefunden, an was ich mich zu erinnern glaubte: Der Anteil der Amerikaner in den Top 20 ist rückläufig. Das waren vor ein paar Jahren meistens zehn oder elf.