Die NBA war in Berlin zu Gast. Was Liga-Chef David Stern zu einem relativ großen Auftritt nutzte und eine Reihe von Medienvertretern zu ziemlich nachdenklichen und skeptischen Abhandlungen über das uralte Gedankenspiel: Bringt die NBA eines Tages einen Ableger nach Europa?
Hier ein Teil der Ernte:
"Ein Tross von zweihundert Menschen – darunter dreißig Basketballprofis und der Commissioner der Liga, David Stern – vertrat die Liga in Berlin und stieg für vier Tage in einem der besten Hotels der Stadt ab. Das Luxusquartier am Potsdamer Platz war eine deutlichere Aussage über die Bedeutung der NBA als das lahme Spiel am Dienstagabend nahe dem Ostbahnhof." (Michael Reinsch in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung)
"Der Jurist Stern, 66, leitet seit einem Vierteljahrhundert die nordamerikanische Basketball-Profiliga NBA, er beherrscht es perfekt, eine Debatte am Leben zu halten, obwohl viele Argumente dagegen sprechen. So sichert er seinem Hochglanzprodukt öffentliche Aufmerksamkeit." (Ronny Blaschke in der Süddeutschen Zeitung)
"Während die NBA versucht, in Europa Tritt zu fassen und andererseits die Besten aus dem alten Kontinent für die NBA rekrutiert, glaubt der 66-Jährige nicht an die Chance für europäische Vereine, amerikanische Top-Stars zur Aufwertung ihrer Liga zu bekommen. "Das ist doch eine Frage des Geldes", doziert er selbstbewusst. "Wir zahlen 57 Prozent unseres Umsatzes an Gehältern aus." Wer wolle da mithalten?!" (Martin Sonnleitner bei SpOn)
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16. Oktober 2008
3. Juni 2008
Wo das Herz von Sönke Wortmann erblüht
Über die Dächer von Berlin fegt bisweilen schon mal der Wind. Aber von dort oben sieht man mehr: den Alex, den Sönke und den Dunst. Man sieht auch mehr, weil man auf einem solchen Dach natürlich viel mehr Platz hat, um gleich zwei Kameras einzusetzen (oder waren es sogar drei?) und hektisch hin- und her zu schneiden, wie das diese Stil-Epigonen vom KDD - Kriminaldauerdienst so gerne machen, weil im Drehbuch eher wenig Dialog und Action vorgegeben sind.
Aber reden wir von dem Sönke, dem Chefideologen des deutschen Fußballgemütszustands, Wunder-Tüte und Märchen-Onkel in einem. Denn den zu interviewen, einfach mal nach Strich und Faden zu interviewen, das hat etwas – über den Dächern von Berlin. Etwas Erhellendes hat es. Das ist zum Beispiel gut für das Üben von Umgangsformen. So wechseln die Gesprächspartner charmant zwischen dem vertrauten "Du" und einem sehr viel förmerlicheren "Sie", ohne auch nur den Anflug von Begründung. Vielleicht hätten Sie das auch gerne rausgeschnitten. Aber was wäre dann noch von dem Video übriggeblieben?
Denn wir lernen tatsächlich noch mehr: dass nämlich die Welt, weil sie groß ist, und dass Europa, weil es etwas kleiner ist, einen proportionalen Einfluss auf die Intensität unserer Empfindungen haben. Deshalb kann es nicht alle zwei Jahr ein Sommermärchen geben. "Der Film hieß zwar so", sagt Sönke Wortmann und streicht sich oft und sanft durch die unbändigen Haare, die der Wind so penetrant zersaust, "aber es hat natürlich ein Lebensgefühl ausgedrückt. Ich glaube nicht, dass das jetzt wiederkommen kann – in dem Maße – weil es ja nicht in Deutschland stattfindet, sondern in Österreich und der Schweiz. Es ist keine Weltmeisterschaft, sondern nur eine Europameisterschaft. Was auch schön ist, aber ist doch halt 'ne Nummer kleiner. Und das sind dann die großen Unterschiede."
Man spürt es: Dass dieses Lebensgefühl nicht wiederkommen kann, ist eine traurige Erkenntnis. Noch trauriger allerdings, weil es der Sönke sagt, der ja von nichts anderem lebt als von den wiederkommenden Lebensgefühlen. Man macht sich Sorgen um so einen. Auf was soll sich der jetzt freuen? Allen Ernstes auf solch ein Projekt, wie das, das er mit Lesern der Bild am Sonntag produziert? Vielleicht freut er sich schon ein bisschen: "Welche Videos würden Ihr Herz erquicken und erblühen lassen?" fragt der Reporter, der wohl innerlich hofft, dass ein Erblühen des Wortmann-Herzens noch ein weiteres Märchen oder gar ein Wunder produziert, ehe es irgenwann mangels neuer Themendüngung verwelkt. "Der Fantasie freien Lauf lassen, wäre mal 'ne Empfehlung", sagt der Sönke und schaut dem Reporter so nett in die Augen, dass die beiden – Du, Sie, whatever – wissen: über Dinge von einer solchen Tragweite kann sich der Genie-Darsteller so früh noch nicht verbindlich äußern.
Aber reden wir von dem Sönke, dem Chefideologen des deutschen Fußballgemütszustands, Wunder-Tüte und Märchen-Onkel in einem. Denn den zu interviewen, einfach mal nach Strich und Faden zu interviewen, das hat etwas – über den Dächern von Berlin. Etwas Erhellendes hat es. Das ist zum Beispiel gut für das Üben von Umgangsformen. So wechseln die Gesprächspartner charmant zwischen dem vertrauten "Du" und einem sehr viel förmerlicheren "Sie", ohne auch nur den Anflug von Begründung. Vielleicht hätten Sie das auch gerne rausgeschnitten. Aber was wäre dann noch von dem Video übriggeblieben?
Denn wir lernen tatsächlich noch mehr: dass nämlich die Welt, weil sie groß ist, und dass Europa, weil es etwas kleiner ist, einen proportionalen Einfluss auf die Intensität unserer Empfindungen haben. Deshalb kann es nicht alle zwei Jahr ein Sommermärchen geben. "Der Film hieß zwar so", sagt Sönke Wortmann und streicht sich oft und sanft durch die unbändigen Haare, die der Wind so penetrant zersaust, "aber es hat natürlich ein Lebensgefühl ausgedrückt. Ich glaube nicht, dass das jetzt wiederkommen kann – in dem Maße – weil es ja nicht in Deutschland stattfindet, sondern in Österreich und der Schweiz. Es ist keine Weltmeisterschaft, sondern nur eine Europameisterschaft. Was auch schön ist, aber ist doch halt 'ne Nummer kleiner. Und das sind dann die großen Unterschiede."
Man spürt es: Dass dieses Lebensgefühl nicht wiederkommen kann, ist eine traurige Erkenntnis. Noch trauriger allerdings, weil es der Sönke sagt, der ja von nichts anderem lebt als von den wiederkommenden Lebensgefühlen. Man macht sich Sorgen um so einen. Auf was soll sich der jetzt freuen? Allen Ernstes auf solch ein Projekt, wie das, das er mit Lesern der Bild am Sonntag produziert? Vielleicht freut er sich schon ein bisschen: "Welche Videos würden Ihr Herz erquicken und erblühen lassen?" fragt der Reporter, der wohl innerlich hofft, dass ein Erblühen des Wortmann-Herzens noch ein weiteres Märchen oder gar ein Wunder produziert, ehe es irgenwann mangels neuer Themendüngung verwelkt. "Der Fantasie freien Lauf lassen, wäre mal 'ne Empfehlung", sagt der Sönke und schaut dem Reporter so nett in die Augen, dass die beiden – Du, Sie, whatever – wissen: über Dinge von einer solchen Tragweite kann sich der Genie-Darsteller so früh noch nicht verbindlich äußern.
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19. November 2007
Nicht mal Zeit für Currywurst
Es gab da letzte Woche ein Treffen, an dem ich auch gerne teilgenommen hätte. Auch wenn es schwer geworden wäre, von Berlin aus und einem vollen Programm mit vielen Terminen einen Abstecher zu machen. Ich habe nicht mal Leodator anrufen können, um mit ihm zusammen die beste Currywurst der Stadt zu inhalieren. Keine Zeit. Schon gar nicht, wenn man die wenige freie auch noch im Verkehr verdaddelt, weil man denkt: Berlin, das schaffe ich auch ohne Stadtplan.
Die Bloggerei hat natürlich erst recht gelitten. Wie schon auf mehreren Deutschlandreisen zuvor. Zwischen Tür und Angel und immer auf dem Sprung - das haut nicht hin. Und wenn man mal Zeit hat, weil man von jemandem versetzt wurde und man ganz entspannt in einem Café an der Schönhauser Allee sitzt und auf ihn wartet, dann ist das Lesen der Berliner Zeitung keine schlechte Alternative. So war ich hinterher trotzdem ganz zufrieden. Vor allem mit den Gesprächen, deretwegen ich nach Berlin gereist bin (alles Projekte, über die hier nicht weiter gesprochen wird, solange sie nicht einen gewissen Reifegrad erreicht haben). Und mit einem Fund im Buchladen auf dem Flughafen Tegel: eine Ulrike-Meinhof-Biographie. Leider ist (wie ich bereits auf dem Rückflug auf den ersten knapp hundert Seiten feststellen konnte) die Autorin Jutta Ditfurth eine vergleichsweise staksige Schreiberin, deren Eloquenz im Fernsehen oder in Interviews wie diesem im Stern vielversprechender wirkt, als sich das dann auf den vielen Seiten in einem dicken Buch materialisiert. Vielleicht gibt es von dieser Stelle aus noch irgendwann eine abschließende Bewertung.
Die Bloggerei hat natürlich erst recht gelitten. Wie schon auf mehreren Deutschlandreisen zuvor. Zwischen Tür und Angel und immer auf dem Sprung - das haut nicht hin. Und wenn man mal Zeit hat, weil man von jemandem versetzt wurde und man ganz entspannt in einem Café an der Schönhauser Allee sitzt und auf ihn wartet, dann ist das Lesen der Berliner Zeitung keine schlechte Alternative. So war ich hinterher trotzdem ganz zufrieden. Vor allem mit den Gesprächen, deretwegen ich nach Berlin gereist bin (alles Projekte, über die hier nicht weiter gesprochen wird, solange sie nicht einen gewissen Reifegrad erreicht haben). Und mit einem Fund im Buchladen auf dem Flughafen Tegel: eine Ulrike-Meinhof-Biographie. Leider ist (wie ich bereits auf dem Rückflug auf den ersten knapp hundert Seiten feststellen konnte) die Autorin Jutta Ditfurth eine vergleichsweise staksige Schreiberin, deren Eloquenz im Fernsehen oder in Interviews wie diesem im Stern vielversprechender wirkt, als sich das dann auf den vielen Seiten in einem dicken Buch materialisiert. Vielleicht gibt es von dieser Stelle aus noch irgendwann eine abschließende Bewertung.
11. September 2007
Hallo Berlin
Es gibt nicht viele Amerikaner, die sich mit fremden Städten in anderen Ländern beschäftigen und dann auch noch einen Kurzfilm darüber auf die Beine stellen. Aber wenn, dann finden sie gerne einen Weg, das Mitgebrachte auf eine amerikanische Weise darzustellen: mit einem durchgehenden Faden (der dann eher inkonsequent geknüpft wird). Mit einer Moderatoren-Person, die der inszenierten Chronologie des Films einen leicht verständlichen Erzählablauf gibt. Und diesem verqueren Denkansatz, bei dem die Hauptperson so tut, als wolle sie herausfinden, ob sie an dem anderen Ort leben will, um am Ende zu der gar nicht überraschenden Schlussfolgerung zu kommen, dass das keinen Sinn macht. Wenn man das alles ignoriert ist der Film von Grace Lee aus Los Angeles (Titel: Best of the Wurst) ein reizvolles Sammelsurium an Eindrücken und Personen aus Berlin. Auf amerikanische Betrachter wirkt das Resultat vor allem deshalb so exotisch reizvoll, weil da eine Stadt und deren Bewohner über deren Vorliebe für eine Zwischenmahlzeit beschrieben wird - die Currywurst. Der Film aus dem Jahr 2004 ist vor einer Weile in einem Nische bei der Berlinale gelaufen und vor ein paar Tagen beim ersten NYC Food Film Festival (via foodea). Keine Ahnung, wieviele Leute nach der Vorführung in den örtlichen Imbiss namens Hallo Berlin gestiefelt sind. Dort gibt es die beste Currywurst in Manhattan.
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