Major League Baseball hängt schon eine ganze Weile am Tropf. Denn immer mehr junge Spieler kommen aus armen Ländern im kulturellen Einzugsbereich wie der Dominikanischen Republik und Venezuela. Die kann man mit billigen Verträgen ködern, um sie zu tausenden ins Ausbildungssystem der Minor Leagues einzuspeisen. Wie das so ist mit dem Selektionsprozess im Profisport: Die Jungs vom Dorf sind froh um die Chance. Die Liga-Bosse sind froh, dass sie auch weiterhin ein preiswertes Farm-Team-Konzept finanzieren können, das als Unterbau in den Anfängen der MLB entwickelt wurde. Gar nicht froh ist Venezuealas Präsident Hugo Chávez, dessen Land derzeit nach der DomRep mit 50 Abgesandten die zweitmeisten Ausländer in der Major League stellt. Er hätte gerne für den Baseball-Betrieb in seinem Land im Gegenzug einen Anteil an den Bonuszahlungen, die die Spieler bei Vertragsunterzeichung in der Top-Klasse bekommen.
Solche Verhältnisse gelten in anderen Mannschaftssportarten als ganz normal oder werden, weil etwa die Russen im Eishockey die von der NHL gezahlten Summen nicht akzeptieren, zu normalen Störfällen im täglichen Geschäft. Man darf davon ausgehen, dass Major League Baseball das Thema dazu benutzen wird, den vor einer Weile zum Feindbild hochstilisierten Politiker aus Südamerika als Beelzebub zu verunglimpfen. Dass sie dabei dass klassische Motto (Wir sind die USA. Wir plündern den Rest der Welt nach Belieben aus. Und Lateinamerika sowieso.) gerne verschweigen, versteht sich von selbst. Wenn sich ein kleines Land den wirtschaftlichen Interessen der Vereinigten Staaten in den Weg stellt, wird es als Feind der Freiheit abgestempelt.
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27. Februar 2008
15. Dezember 2007
Diego grüßt Hugo
Wir erinnern uns: Argentinier haben beim Tätowieren nicht immer eine glückliche Hand. Wahrscheinlich weil "die Hand Gottes" nicht immer zur Verfügung steht und auch nicht die richtige Tinte. Aber das hält Diego Maradona nicht davon ab, sich jetzt noch ein Abbild von einem prominenten Politiker in die Haut hineinträufeln zu lassen. Er trägt bereits seinen Landsmann Ernesto Che Guevara mit sich spazieren, der im Rahmen der kubanischen Revolution eine wichtige Rolle spielte und im Guerillakampf in Bolivien
ums Leben kam. Er trägt Fidel Castro, zu dem es nicht nur eine Beziehung über Guevara gibt, sondern eine unmittelbare (Maradona hat zwischendurch sein Reha-Programm auf Kuba absolviert). Wer soll sich nun zu den beiden Legenden des antiimperaialistischen, antiamerikanischen Aufbegehrens gesellen? Hugo Chávez heißt er, der Mann, den soeben die Wähler in Venezuela vor seiner eigenen Eitelkeit und Machtgier verschont haben. Der Fußballer praktiziert seit Jahren lautstarke Solidarität mit dem neuen starken Mann Südamerikas, erstaunlicherweise auch, wenn es um die Innenpolitik des Öl-Landes geht.
Wir warten übrigens noch immer auf den Dokumentarfilm des Serben Emir Kusturica über Maradona, an dem der Regisseur angeblich schon seit einer ganzen Weile schneidet. Nachtrag: Das Magazin von L'Équipe meldete letzte Woche, dass der Film beim Festival in Cannes im nächsten Jahr eingereicht werden soll. Das findet im Mai statt.
ums Leben kam. Er trägt Fidel Castro, zu dem es nicht nur eine Beziehung über Guevara gibt, sondern eine unmittelbare (Maradona hat zwischendurch sein Reha-Programm auf Kuba absolviert). Wer soll sich nun zu den beiden Legenden des antiimperaialistischen, antiamerikanischen Aufbegehrens gesellen? Hugo Chávez heißt er, der Mann, den soeben die Wähler in Venezuela vor seiner eigenen Eitelkeit und Machtgier verschont haben. Der Fußballer praktiziert seit Jahren lautstarke Solidarität mit dem neuen starken Mann Südamerikas, erstaunlicherweise auch, wenn es um die Innenpolitik des Öl-Landes geht.Wir warten übrigens noch immer auf den Dokumentarfilm des Serben Emir Kusturica über Maradona, an dem der Regisseur angeblich schon seit einer ganzen Weile schneidet. Nachtrag: Das Magazin von L'Équipe meldete letzte Woche, dass der Film beim Festival in Cannes im nächsten Jahr eingereicht werden soll. Das findet im Mai statt.
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25. November 2006
Baseball und Politik: Spekulationen aus Caracas
Der bekannteste Baseballprofi aus Venezuela heißt Bob Abreu und spielt bei den New York Yankees. Der beste Pitcher heißt Johan Santana und steht bei den Minnesota Twins unter Vertrag. Die beiden repräsentieren jenen Teil der lateinamerikanischen Invasion in die Gefilde von Major League Baseball, der bislang eher unbeachtet geblieben war: Spieler aus Venezuela, die hinter den Importen aus der Dominikanischen Republik auf Platz zwei liegen.
Doch dieser Gruppe dürfte alsbald weit mehr Publizität erhalten. Denn die politische Spannung zwischen beiden Ländern, die auf die Einmischungsversuche der amerikanischen Regierung zurückgeht, könnte im Fall einer Wiederwahl des amtierenden venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez in wenigen Wochen eine neue Facette erhalten. Die Londoner Times spekuliert, dass der Regierungschef im Sinn hat, die landeseigene Profiliga zuzumachen und den Nachwuchs die Arbeitsmöglichkeiten in den USA zu verbauen. Der Artikel - Überschrift: Game Over? Politics May Pitch Baseball into Crisis - produziert allerdings nicht die Spur eines Hinweises auf eventuelle Absichten aus dem Chávez-Lager. Mit anderen Worten: Er ist tendenziös und offensichtlich politisch motiviert.
Venezuela ist eines der wichtigsten Erdöllieferländer der USA und besitzt über die Firma Citgo Raffinerien und ein Netz von Tankstellen, über das die Regierung des Landes weit stärker Einfluss auf die Beziehungen der beiden Länder nehmen kann als durch Baseball. Citgo hat sich in der Vergangenheit durch Sozialprogramme hervorgetan und bietet ärmeren Amerikanern im Winter Heizöl zu ermäßigten Preisen. Sehr zum Missfallen der US-Ölbarone, die Präsident Bush zu ihren Freunden zählen und seit dem Anstieg des Ölpreises auf das Niveau um 60 bis 70 Dollar pro Barrel Rekordprofite einfahren.
Der Anteil ausländischer Baseballprofis in der American und der National League ist so hoch wie nie zuvor. Laut Erhebungen der National Foundation for American Policy aus der Saison 2006 liegt der Anteil bei 23 Prozent (175 von insgesamt 750 Spielern). Aus welchen Ländern kommen die meisten?
1. Dominikanische Republik: 81 Spieler
2. Venezuela: 45 Spieler
3. Mexiko und Kanada: 10 Spieler
5. Japan: 8 Spieler
6. Panama: 6 Spieler
7. Kuba: 4 Spieler
8. Südkorea: 3 Spieler
9. Kolumbien und Taiwan: 2 Spieler
Wer etwas Zeit hat, dies ist der definitive Dokumentarfilm über den bisherigen Höhepunkt der Anti-Chávez-Hysterie, die 2002 in einem Putsch mündete, der wenige Tage später zusammenbrach: The Revolution Will not Be Televised - eine irische Produktion, komplett auf Google zu sehen. Die Präsidentschaftswahlen finden am 3. Dezember statt. Die kommende Amtszeit geht über sechs Jahre.
Doch dieser Gruppe dürfte alsbald weit mehr Publizität erhalten. Denn die politische Spannung zwischen beiden Ländern, die auf die Einmischungsversuche der amerikanischen Regierung zurückgeht, könnte im Fall einer Wiederwahl des amtierenden venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez in wenigen Wochen eine neue Facette erhalten. Die Londoner Times spekuliert, dass der Regierungschef im Sinn hat, die landeseigene Profiliga zuzumachen und den Nachwuchs die Arbeitsmöglichkeiten in den USA zu verbauen. Der Artikel - Überschrift: Game Over? Politics May Pitch Baseball into Crisis - produziert allerdings nicht die Spur eines Hinweises auf eventuelle Absichten aus dem Chávez-Lager. Mit anderen Worten: Er ist tendenziös und offensichtlich politisch motiviert.
Venezuela ist eines der wichtigsten Erdöllieferländer der USA und besitzt über die Firma Citgo Raffinerien und ein Netz von Tankstellen, über das die Regierung des Landes weit stärker Einfluss auf die Beziehungen der beiden Länder nehmen kann als durch Baseball. Citgo hat sich in der Vergangenheit durch Sozialprogramme hervorgetan und bietet ärmeren Amerikanern im Winter Heizöl zu ermäßigten Preisen. Sehr zum Missfallen der US-Ölbarone, die Präsident Bush zu ihren Freunden zählen und seit dem Anstieg des Ölpreises auf das Niveau um 60 bis 70 Dollar pro Barrel Rekordprofite einfahren.
Der Anteil ausländischer Baseballprofis in der American und der National League ist so hoch wie nie zuvor. Laut Erhebungen der National Foundation for American Policy aus der Saison 2006 liegt der Anteil bei 23 Prozent (175 von insgesamt 750 Spielern). Aus welchen Ländern kommen die meisten?
1. Dominikanische Republik: 81 Spieler
2. Venezuela: 45 Spieler
3. Mexiko und Kanada: 10 Spieler
5. Japan: 8 Spieler
6. Panama: 6 Spieler
7. Kuba: 4 Spieler
8. Südkorea: 3 Spieler
9. Kolumbien und Taiwan: 2 Spieler
Wer etwas Zeit hat, dies ist der definitive Dokumentarfilm über den bisherigen Höhepunkt der Anti-Chávez-Hysterie, die 2002 in einem Putsch mündete, der wenige Tage später zusammenbrach: The Revolution Will not Be Televised - eine irische Produktion, komplett auf Google zu sehen. Die Präsidentschaftswahlen finden am 3. Dezember statt. Die kommende Amtszeit geht über sechs Jahre.
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