Mit sechzehn beim Dopen erwischt zu werden, ist für einen Baseballspieler in den USA vergleichsweise preiswert. Duanel Jones verlor zwar seinen Vertrag mit den San Francisco Giants, der ihm als hoch gehandelten jungen Third Baseman 1,3 Millionen Dollar garantierte. Aber die 50 Spieltage Sperre kann er gemütlich absitzen, sobald ihm ein neues Team eine Vereinbarung offeriert. Als Free Agent kann er mit jedem Club verhandeln. Jones kommt aus der Dominikanischen Republik, dem Land, aus dem sich Alex Rodriguez jahrelang die Anabolika besorgte.
• Wer weiß, ob er solche Anwandlungen wie sein Altersgenosse Brett Favre bekommt, der einfach nicht aufhören will und letzten Sonntag mit Minnesota nur knapp vor dem Einzug in den Super Bowl abgefangen wurde? Aber vielleicht tritt er endgültig ab? Von Kurt Warner ist die Rede, der von der Nachrichtenagentur Reuters zum Abschied mit dem Attribut "brilliant" ausgestattet wurde. Bilanz: so viele Super-Bowl-Erfolge wie Favre (einen mit den St. Louis Rams, aber mehr Auftritte im Finale – nämlich zwei weitere, einer mit den Rams und einer im letzten Jahr mit den Arizona Cardinals).
• Der Präsident der Vereinigten Staaten als Aushilfs-Fernsehkommentator beim College-Basketball mit Verne Lundquist, einem der besten der Branche. Auf dem Spielfeld Duke und Georgetown in einem Match in Washington, zu dem Barack Obama nicht weit fahren musste.
Jemand am Resultat des Spiels interessiert? 89:77 für die Hoyas. Coach K hatte seine Republikaner-Fahne wohl freiwillig vorher eingerollt.
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31. Januar 2010
23. Januar 2010
Ein aufgepumpter Feigling
Mark McGwire hat neulich versucht, sein Dopinggeständnis mit einem netten Aperçu zu dekorieren. "Mir hat man das Geschenk gegeben, Home Runs zu erzielen", sagte er Interviewer Bob Costas. "Anabole Steroide habe ich nur aus gesundheitlichen Gründen genommen." Mit anderen Worten: Ja, er hatte sich aufgepumpt. Aber nein, seine Leistung auf dem Spielfeld wurde dadurch nicht beeinflusst. Jetzt hat der Doping-Lieferant der ersten Jahre in einem Interview erklärt, dass er solch eine Darstellung einfach nur lächerlich findet. Der Cocktail aus Testosteron und Anabolika, den sich McGwire gespritzt hat, diente nur einem Zweck: "größer, schneller, schneller" zu werden. So schnell kommt also jemand vom Regen, in dem er in den letzten Jahren stand, in die Traufe. Von einer Lüge und Beschwichtigung zu einer nächsten (abgeschwächten) Lüge und Beschwichtigung. Eigentlich seltsam, dass jemand, dem man eine offene und freundliche Art nachsagt, derart planvoll und ängstlich mit der Wahrheit hantiert. Sein weinerlicher Auftritt vor dem Kongress unter Eid war demnach tatsächlich der Blick in die Seele dieses Menschen. Schon damals hatte er nicht den Mumm, endlich die Hosen herunterzulassen und beschimpfte stattdessen seinen Ex-Freund Jose Canseco, dessen Buch die Washingtoner Abgeordneten auf den Plan gerufen hatte. Was ihn damals zu solchen Scheingefechten führte, gab er inzwischen zu: Er hatte Angst, dass ihn ein Staatsanwalt anklagt, weil die Verjährungsfrist für seinen Drogenmissbrauch noch nicht abgelaufen war. Sein Anwalt versuchte damals, mit dem Kongress-Ausschuss Straffreiheit im Tausch für ein offenes Wort auszuhandeln. Das Privileg wurde ihm damals nicht gewährt. Gut so, sonst hätte McGwire damals noch sein Image günstig aufpoliert. Statt dessen wissen wir nun, was er wirklich ist: ein aufgepumpter Feigling.
Blick zurück: Der mutmaßliche Grund für das Geständnis jetzt
Blick zurück: Der mutmaßliche Grund für das Geständnis jetzt
21. Januar 2010
Der Klingelbeutel: Nicht alles im Griff
Die Ambitionen von David Beckham, sich über den Winter in Mailand für die englische WM-Mannschaft zu empfehlen, produzieren immer wieder ein paar widrige Nachrichten. In der vergangenen Saison gab es das Tauziehen über seine Rückkehr zu Los Angeles Galaxy. Das wurde beigelegt. Nun musste er sich von einer Italienerin fürs Fernsehen das Gemächt begrapschen lassen. Warum? Weil sich aufgrund der Emporio-Armani-Unterwäsche-Anzeigen und eines (mutmaßlich getürkten) Nacktfotos, das online kursiert, das Gerücht hält, Becks habe schwer zu tragen. Die Dame brüllte vor laufender Kamera: Das sei alles nicht halb so wild. Der Fußballer war über solch eine Attacke entsetzt und stürmte davon.
• Nichts Genaues weiß man nicht, aber das kann sich noch ändern: Nachdem die NBA als erste US-Liga die Vermarktugsmöglichkeiten in anderen Erdteilen entdeckte und die NFL nach einer Reihe von gescheiterten Experimenten den Pflichtspiel-Abstecher nach London installierte und die NHL ihre Fühler nach Europa ausstreckte und nun vor Beginn der Saison zwei Teams schickt, sucht Major League Baseball noch immer nach einer eigenen Lösung für ein Schaufenster zur Welt. Was schwierig ist angesichts der Großwetterlage. Mittelamerika und Venezuela sowie Japan im fernen Asien sind die einzigen Länder, in denen man wirklich Widerhall erzielen kann. Nun wurde eine alljährliche Begegnung zwischen dem amerikanischen World-Series-Sieger und dem japanichen Meister ins Gespräch gebracht. Da man die "Welt" bereits in den USA intern als Namensgeber gepachtet hat, dürfte es vor allem an der passenden Bezeichnung hapern. Unter "global" oder "Universum" dürfte es nicht abgehen.
• Der Stanley Cup ist viel unterwegs. Denn jedes Mannschaftsmitglied des Siegerteams kann den riesigen Pott einen Tag bei sich zuhause vorzeigen. Egal, in welchem Land zuhause ist. Manchmal wird das Ding aber auch falsch verladen und landet dann am falschen Ort. So wie jetzt, als der Transport von Newark nach Vancouver gehen sollte. Ausgeladen wurde der Cup in Toronto. Was irgendwie verständlich ist. Denn dort ist die Hall of Fame. Und die ist sein zuhause (via The Big Lead).
• Nichts Genaues weiß man nicht, aber das kann sich noch ändern: Nachdem die NBA als erste US-Liga die Vermarktugsmöglichkeiten in anderen Erdteilen entdeckte und die NFL nach einer Reihe von gescheiterten Experimenten den Pflichtspiel-Abstecher nach London installierte und die NHL ihre Fühler nach Europa ausstreckte und nun vor Beginn der Saison zwei Teams schickt, sucht Major League Baseball noch immer nach einer eigenen Lösung für ein Schaufenster zur Welt. Was schwierig ist angesichts der Großwetterlage. Mittelamerika und Venezuela sowie Japan im fernen Asien sind die einzigen Länder, in denen man wirklich Widerhall erzielen kann. Nun wurde eine alljährliche Begegnung zwischen dem amerikanischen World-Series-Sieger und dem japanichen Meister ins Gespräch gebracht. Da man die "Welt" bereits in den USA intern als Namensgeber gepachtet hat, dürfte es vor allem an der passenden Bezeichnung hapern. Unter "global" oder "Universum" dürfte es nicht abgehen.
• Der Stanley Cup ist viel unterwegs. Denn jedes Mannschaftsmitglied des Siegerteams kann den riesigen Pott einen Tag bei sich zuhause vorzeigen. Egal, in welchem Land zuhause ist. Manchmal wird das Ding aber auch falsch verladen und landet dann am falschen Ort. So wie jetzt, als der Transport von Newark nach Vancouver gehen sollte. Ausgeladen wurde der Cup in Toronto. Was irgendwie verständlich ist. Denn dort ist die Hall of Fame. Und die ist sein zuhause (via The Big Lead).
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12. Januar 2010
McGwires Doping-Geständnis – ein Flashback
Übrigens: Falls sich jemand fragt, weshalb Mark McGwire nach so vielen Jahren den Mund aufmacht und zugibt, was er im Grunde nie bestritten, sondern immer nur pflaumenweich umschifft hatte. Dies wäre eine Spur: Sein Bruder Jay, mit dem er schon jahrelang keinen Kontakt mehr hat, wird nach Angaben von Amazon in ein paar Tagen mit einem Buch auf den Markt kommen, dass das Doping-Thema Schwarz auf Weiß belegt. Jay hatte eigenen Angaben zufolge einst als Bodybuilder und Fitnesstrainer den Baseball-Bruder mit Anabolika bekannt gemacht und ihm wohl auch die ersten Spritzen verpasst. McGwire wollte vermutlich den neuerlichen Anschuldigungen (die alten kamen konkret von seinem ehemaligen Mannschaftskameraden Jose Canseco) den Wind aus den Segeln nehmen. Trotzdem hat er mit dem späten Eingeständnis aus heiterem Himmel gestern keine Sympathiepunkte gesammelt. Der Tenor vor allem unter anderen ehemaligen Spielern, ist eindeutig: Die Leistungen von Leuten wie McGwire haben in dem statistikversessenen Spiel natürlich ihre eigenen Werte schlechter aussehen lassen. Wer weiß, wer alles in jener Zeit als Trainer oder redlicher Spieler seinen Job verloren hat, weil plötzlich die aufgepumpten Michelin-Männchen antraten und die Maßstäbe für Erfolg verschoben.Mir ist in diesem Zusammenhang übrigens eine Episode aus dem Jahr 1998 wieder eingefallen, als ich für den Züricher Tages-Anzeiger zunächst über McGwire schrieb: "Zu seinem Aufbauprogramm gehören nicht nur Steaks und Hamburger, sondern ebenso die unter Amerikas Profis populäre Muskelsubstanz Kreatin und das testosteronfördernde Mittel Androstenedion, das ausser im Baseball und Basketball in fast allen Sportarten auf der Dopingliste steht." Wenige Tage später monierte ich die Art und Weise, wie man in den USA das Auslöschen des alten Rekords von Roger Maris gefeiert hatte: Mit einer Unterbrechung mitten im Spiel, in der McGwire ein Mikrofon in die Hand gedrückt bekam und eine Ansprache halten durfte. Parallel liefen damals auf der Anlage in Flushing Meadow die US Open im Tennis. Und die Schweizer Spielerin Martina Hingis wurde tatsächlich von den anwesenden Journalisten in der Pressekonferenz genötigt, zu diesem Baseball-Theater eine wohlwollende Stellungnahme abzugeben.
Ich charakterisierte diesen Vorgang als "krankes Wir-Gefühl". Das gefiel den Baseball-Fans in der Schweiz ganz und gar nicht. Und so findet man noch heute in den Archiven der Zeitung einen ärgerlichen Leserbrief mit pauschalen und völlig überzogenen Vorwürfen an meine Adresse.
Schwamm drüber. Es war natürlich krank. Und ein Symbol für all das, was an dem Massenwahnsinn des amerikanischen Sports bisweilen durchknallt. Ja, und Mark McGwire war gedopt. Seinen Ruf als Sportbetrüger zementierte er allerdings erst vor vier Jahren, als er bei einer Anhörung im Kongress in einem denkwürdigen Auftritt unter Eid wiederholt einer Antwort auf die zentrale Frage auswich. Ein Betrüger. Geständig, ja. Aber ein Mann ohne Mumm, der sich immer nur Sorgen um sich selbst machte, weil der Anabolika-Konsum gegen Gesetze verstoßen hatte und die Verjährungsfrist für seine Vergehen noch nicht abgelaufen war. So jemand wirkt im Jahr 2010 denn einfach nur wie eine Karikatur.
Die nächste Frage lautet: Wann wird Major League Baseball darüber nachdenken, die Rekorde aus der Anabolika-Zeit zu streichen? Mit jedem Geständnis der Top-Spieler wie zuletzt Alex Rodriguez fällt die Blase in sich zusammen. Aber wahrscheinlich darf man von Commissioner Bud Selig in der Richtung nichts erwarten. Amerikas nostalgisch angehauchte Sportart leistet sich im höchsten Amt einen Menschen, der aussieht wie einen Schluck Wasser in der Kurve.
4. November 2009
New York Yankees gewinnen
Die New York Yankees haben das sechste Match der World Series mit 7:3 gewonnen. Pedro Martinez war als Pitcher für die Philadelphia Phillies kein ernthafter Gegner. Hideki Matsui mit einem Home Run und insgesamt sechs RBIs war der Mann der Stunde. Die Yankees gewinnen zum 27. Mal die World Series. Alex Rodriguez zum ersten Mal. Über ihn wird noch zu reden sein.
Nachtrag: Die Nachrede ist soeben bei faz.net erschienen: Gestelzter Stolz des geläuterten Stars
Nachtrag: Die Nachrede ist soeben bei faz.net erschienen: Gestelzter Stolz des geläuterten Stars
3. November 2009
Wie Hollywood Frauen Baseball erklärt
Weil die World Series schon heute zu Ende gehen kann, hier eine kleine Reminiszenz. Im Film Woman of the Year (1942) lädt Sam Craig (Spencer Tracy), der Sportkolumnist des New York Chronicle, Tess Harding (Katherine Hepburn), eine politische Journalistin bei der gleichen Zeitung, zu einem Baseballspiel zwischen den Yankees und den A's ein (ab 6:35). Die Szene in der Pressbox ist von feinsinniger Komik. Nicht nur, weil man zu jener Zeit noch laut rufen durfte: "No women in the pressbox!", sondern weil Tracy der Dame die Grundzüge der Baseballregeln zu erklären versucht. Bei den A's dürfte es sich übrigens um die Philadelphia Athletics handeln, die zu den Gründungsmitgliedern der American League gehörten und später abwanderten (1955 nach Kansas City und dann 1968 weiter nach Oakland).
Frau Hepburn wundert sich übrigens an einer Stelle darüber, dass die gemeinsame Zeitung zwar gleich zwei Reporter zum Baseball schickt, aber nur einen an den provisorischen französischen Regierungssitz Vichy, von dem aus nach dem Überfall der deutschen Armee 1940 das teilbesetzte Land verwaltet wurde. Tracys Reposte ist ein Klassiker: "Vichy? Are they still in the league?"
Frau Hepburn wundert sich übrigens an einer Stelle darüber, dass die gemeinsame Zeitung zwar gleich zwei Reporter zum Baseball schickt, aber nur einen an den provisorischen französischen Regierungssitz Vichy, von dem aus nach dem Überfall der deutschen Armee 1940 das teilbesetzte Land verwaltet wurde. Tracys Reposte ist ein Klassiker: "Vichy? Are they still in the league?"
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2. November 2009
A-Rod in der World Series: Wie befreit
Wenn jetzt noch jemand erklären könnte, weshalb Alex Rodriguez in diesem Jahr zum ersten Mal so spielt, wie man das von ihm erwarten durfte und wie er bezahlt wird, wäre das sehr schön. Welche Knöpfe sind bei dem Mann aufgegangen, seit er sich von seiner Ehefrau und dann von Madonna trennte, seit er sich aus den Armen seines Agenten Scott Boras befreite und sich am Knie operieren ließ? Seit er öffentlich zugab, dass er Doping à la DomRep betrieb? Und seit er mit Kate Hudson liiert ist? Ganz viele. Der Mann wird einem plötzlich fast sympathisch. Und die Yankees des Jahres 2009, gesteuert von Skipper Joe Girardi, dessen verspanntes Gesicht im Dugout immer so aussieht, als ob ihm gleich das Gebiss rausflutscht, weil er er die zugekorkte mentale Energie nicht länger in sich halten kann, werden einem auch sympathisch. Sagte ich schon, dass die Yankees gestern dank A-Rod mit 3:1 in der World Series gegen die Philadelphia Phillies in Führung liegen? Damit dürfte das meiste gesagt sein.
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19. Oktober 2009
Der Roboter schreibt die Spielberichte
Studenten vom Intelligent Information Laboratory der Northwestern University in der Nähe von Chicago ist etwas gelungen, was außergewöhnlich klingt, worüber man sich aber eigentlich gar nicht wundern sollte: Sie haben ein Programm entwickelt, das journalistische Spielberichte von Baseball-Begegnungen schreibt und die Reporter arbeitslos macht. Man gibt einfach nur während des Matches alle statistischen Details ein (und das sind in der statistikverliebten Welt des Baseball ziemlich viele) und drückt am Ende auf eine Taste, die aus dem Material einen lesbaren Text verfertigt. Lesbar und durchaus sinnig geschrieben, wirkt das Resultat, wie die New York Times berichtet. Was daran liegt, dass die Beschreibung von repetitivem Sportgeschehen auch in den Köpfen von klassischen Sportjournalisten mit Hilfe von irgendwelchen Baukastenschemata passiert. Gewinner und Verlierer, Favorit und Außenseiter, Erwartungen und Überraschungen – die Denkschablonen, die man braucht, um das geistig in den Griff zu bekommen, sind gar nicht so vielfältig. Man kann sich leicht vorstellen, dass das System auf fast alle Sportarten anzuwenden ist. Auch auf Fußball, dessen Free-Flow-Dynamik in Agenturberichten auf Kernauskünfte reduziert wird, die – angereichert – um ein paar Zitate von Trainern und Spielern, ebenso austauschbar werden wie in datendefinierten Sportarten. Wann das ganze in die Praxis vor allem der Agenturarbeit, weiß noch keiner. Nur soviel steht fest: Es wird kommen. Der Kostendruck in den Medien wird dafür sorgen.
1. Oktober 2009
Die Ankündigung des Jahres
Wären wir beim Tennis würde es vielleicht eine Kommission geben, die ernsthaft herausfinden möchte, ob da irgendetwas manipuliert wurde. Aber da wir beim Baseball in den USA sind, geht man mit solchen Vorfällen nach guter alter Art eher folkloristisch und humorvoll um. So wie bei einem Hole-in-One beim Golf.
Wenn ein Ex-Profi wie Mike Blowers vor einem Spiel der Seattle Mariners voraussagt, dass ein soeben von der Minor League hochgeholter Spieler in seinem ersten Spiel bei seinem zweiten Auftritt am Schlag bei einem 3:1 Pitch-Count einen Home Run in die linke Zone und dort in die zweite Etage der Zuschauertribüne drischt, und genau das eintrifft, dann verneigen sich die naiven Fans vor soviel Prognosen-Glück. Skepsis? Nicht beim Baseball. Aber schauen wir doch einfach der Kommentatorin Rachel Maddow zu, die sich normalerweise um die hohe Washingtoner Politik kümmert und alles kritisch hinterfragt, einfach mal dabei zu, wie sie so etwas feiert. Wie ein kleines Kind.
20. September 2009
Podcast-Premiere: "Baseball zieht in den Krieg"
In Europa läuft zur Zeit eine bemerkenswerte Veranstaltung, die in mehreren Ländern parallel stattfindet und in der ersten Phase unter anderem in Regensburg Station machte: Der World Cup 2009 der IBAF – die Baseball-Weltmeisterschaft. Das Kürzel steht für den Internationalen Baseballverband, der gemerkt hat, dass man das stark wachsende Interesse an der Sportart östlich vom Atlantik vor allem dann weiter anschieben kann, wenn man dem Publikum das ganze Spektrum bietet: Spieler aus den Hochburgen und Talentschmieden und aus den aufstrebenden Baseball-Ländern. Angereichert mit einer Prise Nationalstolz.
Bei dem Versuch, den Zuschauern den World Cup schmackhaft zu machen, sind die Produzenten eines Werbevideos in Italien, wo das Finale stattfindet, jedoch weit über das Ziel hinausgeschossen. Sie inszenierten in Anspielung an eine der blutigen Schlachten des Zweiten Weltkriegs in Italien eine Landeoperation für die Kamera. Die Baseballspieler kommen vom Meer und stürmen – nur mit Baseballschlägern bewaffnet – den mit Panzersperren und Stracheldraht übersäten Strand. Vermutlich haben sich die Macher an der Auftaktsequenz des Films Saving Private Ryan (deutscher Titel: Der Soldat James Ryan, spielt in der Normandie) orientiert und fanden das militaristische Sujet irgendwie passend (hergestellt von der italienischen Werbeagentur Link, Regisseur Mauro Mancini).
Tatsächlich ist die Darstellung nichts anderes als eine Verhöhnung all jener, die von ihren Generälen in den Kugelhagel geschickt wurden, um das von den Nazis besetzte Europa zu befreien. Die Webseite The Daily Tube meinte über den Missgriff, bei dem am Ende im Stile der Reality-TV-Serie Survivor ein Baseball-Schläger als Fackel über dem leeren Strand lodert, das Video zeige "eine generelle Unfähigkeit".
Der eingeblendete englische Text am Anfang des Videos lautet:
"Am 22. Januar 1944 landeten 36.000 Soldaten an der italienischen Küste zwischen Anzio und Nettuno südlich von Rom. Sie wurden in eine der berühmtesten Schlachten des Zweiten Weltkriegs verwickelt. In diesem Jahr machen sich Wettkämpfer aus allen Teilen der Welt bereit, über dasselbe Feld der Ehre zu laufen."
Die historischen Fakten: Die Landeoperation, an der auf alliierter Seite Truppen aus den USA, Kanada und Großbritannien beteiligt waren, wurde vor allem deshalb berühmt, weil sie als abschreckendes Beispiel für einen militärischen Fehlschlag gilt. Sie führte zu monatelangen Gefechten auf engstem Raum und kostete auf beiden Seiten knapp 10.000 Soldaten das Leben. Die Zahl der Verwundeten lag bei über 30.000.
Es geht auch anders, wie ein zweiter Werbefilm aus dem gleichen Haus zum gleichen Anlass zeigt: Hier ließ man sich von einem der erfolgreichsten Baseballfilme aller Zeiten inspirieren: Field of Dreams (Feld der Träume, Hauptrolle Kevin Costner), der in den Maisfeldern von Iowa spielt und die Sportart und einen ihrer Traditionsclubs mythologisiert.
Über beide Videos und den Baseball World Cup (der noch bis Ende September läuft) geht es im ersten America-Arena-Podcast. Gesprächspartner ist der deutsche Baseball-Journalist Philipp Würfel, der unter anderem für die Webseite Mister Baseball und den MLB Insider schreibt.
Den Podcast wird es von jetzt ab regelmäßig geben – zu unterschiedlichen Themen und aktuellen Anlässen. Ziel ist nicht, einfach nur geschriebene Texte zu vertonen oder zu bebildern, sondern die vielen technischen Möglichkeiten da zu nutzen, wo sie sich anbieten: um Impressionen und Atmosphären einzufangen, wie man sie sonst nur aus dem Radio oder dem Fernsehen kennt. Der inhaltliche Anspruch? Alles aus dem weiten Feld der Themen, die American Arena seit den Anfängen abdeckt.
Feedback? Sehr willkommen.
P. S. Zu einem gewissen Grad geht die Inspiration zu diesem Podcast auf die ambitionierte und vielversprechende Arbeit einer Gruppe von Fußballbloggern in Deutschland zurück, die soeben – noch immer im Stadium des Experimentierens (deshalb auch der Arbeitstitel Nullnummer) die vierte Ausgabe aufgenommen hat. Diesmal auch mit einem kleinen Beitrag von dieser Stelle aus. Federführend ist probek in München, der am Montag übrigens zum ersten Mal im Alleingang eine Produktion gefahren hat und das hervorragend hinbekommen hat. Zu seinem Live-Mitschnitt in seiner Küche schalten sich regelmäßig Blogger aus anderen Städten über einen parallel laufenden Chat ein. Die Mitstreiter wiederum können die Studioarbeit über Stream live im Netz per Video verfolgen. Auf probeks Blog laufen auch die Kommentare ein. Reinhören lohnt sich.
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16. September 2009
Patriotismus im Sportstadion: Aufstehen, bitte
Vorsorgliche Warnung an alle Amerika-Besucher, die auf ihrer Reise die eine oder andere Sportveranstaltung besuchen wollen. Man kann aus Stadien und Hallen geworfen werden, wenn man während des Abspielens der Nationalhymne (am Anfang) oder der patriotischen Weise God Bless America (meistens irgendwann zwischendurch) aus welchen Gründen auch immer nicht aufsteht. Aufstehen und sicherheitshalber die Baseballkappe abnehmen, gelten als Respektbezeugungen, die man in den USA sehr wichtig nimmt. Natürlich stellt sich bei so etwas immer die Frage: Haben Veranstalter überhaupt das Recht, einem Ticketzahler solches Verhalten aufzunötigen? Vermutlich nicht. Weshalb auch zur Zeit drei Jugendliche einen Minor-League-Baseball-Club in Newark/New Jersey verklagen, dessen Chef sie exakt solches vorwerfen. Das Problem: Der bestreitet die Vorwürfe. Also müssen die Teenager erst einmal nachweisen, dass die Geschichte so abgelaufen ist, wie sie behaupten. Persönliche Anmerkung: Wundern würde es mich nicht, wenn die Version der jungen Herren den Fakten entspricht. Siehe oben: Aufstehen und sicherheitshalber die Baseballkappe abnehmen, gelten als Respektbezeugungen, die man in den USA sehr wichtig nimmt. Da nützt es nichts, dass der sehr geschätzte Woody Guthrie God Bless America kritisierte und als Reaktion darauf This Land Is Your Land schrieb (und es zunächst God Blessed America For Me nannte).
Falls jemand wissen möchte, wie das Lied von Irving Berlin aus dem Jahre 1938 klingt, wenn es eine Kanadierin mit öligem blechernem Timbre singt:
Falls jemand wissen möchte, wie das Lied von Irving Berlin aus dem Jahre 1938 klingt, wenn es eine Kanadierin mit öligem blechernem Timbre singt:
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18. August 2009
Der Klingelbeutel: Magazine zu verschenken
Die Kanadier hatten enorme Schwierigkeiten, ein Trikot für ihre Olympia-Eishockeynationalmannschaft zu entwerfen. Es gab fünf Versuche. Und das obwohl man in Kanada normalerweise nur mit zwei Farben und einem Symbol (dem Ahornblatt) arbeitet. Das IOC will außen drauf keine Logos der Hersteller mehr sehen. Da will man als Veranstalterland natürlich nicht unangenehm auffallen. Trotzdem wird in Geschichten über solche Dinge gerne der Name der Firma genannt, die die Produkte herstellt. Das muss an Werbung reichen.
• Schwer zu sagen, ob solche Methoden die Moral im Trainerstab der Los Angeles Raiders kurz vor Beginn der neuen NFL-Saison verbessert. Aber ernsthaften Gerüchten zufolge hat der neue Cheftrainer Tom Cable einem Assistenten eine gesemmelt. Der musste daraufhin ins Krankenhaus. Im Club tut man so, als seien solche Dinge reine Privatangelegenheit. Mal sehen...
• ESPN The Magazine schien lange auf einem unwiderstehlich erfolgreichen Weg und zu einem gewissen Teil verantwortlich für den langsamen Abstieg von Sports Illustrated. Das Cross-Branding und der knapper und und frischer anmutender journalistischer Auftritt kamen zwar sehr koffeinhaltig rüber, aber im letzten Jahr kletterte man auf eine Auflage von stattlichen 2 Millionen verkauften Exemplaren. Seitdem muss das Blatt die Grenze des Wachstums erreicht haben. Die neuesten Supersonderangebote an die Abonnenten klingen so, als habe man keine Angst die Postille wie ein Postwurfsendung zu verschleudern. Für einen Dollar für ein ganzes Jahr – mithin über 120 Dollar weniger als der nominelle Preis für alle 26 Ausgaben zusammen, der pro Ausgabe behi 5 Dollar liegt – ist man dabei. Zwar werden in den USA die Zeitschriftenabonnements traditionell sehr billig abgegeben, um auf diese Weise die Auflage nach oben zu bringen und so das Anzeigengeschäft anzukurbeln. Aber solch eine ruinöse Preispolitik kann sich kein Verlag leisten. Das sieht so aus, als ob man bei ESPN Geld aus anderen Abteilungen nehmen würde und das Magazin subventionieren. Finanziell möglich ist das durchaus. Die Disney-Tochter erwirtschaftet pro Jahr mehr als zwei Milliarden Dollar Gewinn. Ob solche Dumpingaktionen überhaupt vom amerikanischen Wettbewerbsrecht her erlaubt sind, kann ich nicht beurteilen. In Deutschland ginge das jedenfalls nicht (via The Big Lead).
• Die Zahl der Ausländer in den Baseball Minor Leagues ist gewaltig angeschwollen. Der Hintergrund ist ein Gesetz, das unter Präsident Bush verabschiedet wurde und die Visa-Restriktionen aufhob, die einst für ein ziemlich knappes Kontingent an Zuwanderern gesorgt hatte. Über die jungen deutschen Spieler, die davon profitieren, demnächst mehr.
• Schwer zu sagen, ob solche Methoden die Moral im Trainerstab der Los Angeles Raiders kurz vor Beginn der neuen NFL-Saison verbessert. Aber ernsthaften Gerüchten zufolge hat der neue Cheftrainer Tom Cable einem Assistenten eine gesemmelt. Der musste daraufhin ins Krankenhaus. Im Club tut man so, als seien solche Dinge reine Privatangelegenheit. Mal sehen...
• ESPN The Magazine schien lange auf einem unwiderstehlich erfolgreichen Weg und zu einem gewissen Teil verantwortlich für den langsamen Abstieg von Sports Illustrated. Das Cross-Branding und der knapper und und frischer anmutender journalistischer Auftritt kamen zwar sehr koffeinhaltig rüber, aber im letzten Jahr kletterte man auf eine Auflage von stattlichen 2 Millionen verkauften Exemplaren. Seitdem muss das Blatt die Grenze des Wachstums erreicht haben. Die neuesten Supersonderangebote an die Abonnenten klingen so, als habe man keine Angst die Postille wie ein Postwurfsendung zu verschleudern. Für einen Dollar für ein ganzes Jahr – mithin über 120 Dollar weniger als der nominelle Preis für alle 26 Ausgaben zusammen, der pro Ausgabe behi 5 Dollar liegt – ist man dabei. Zwar werden in den USA die Zeitschriftenabonnements traditionell sehr billig abgegeben, um auf diese Weise die Auflage nach oben zu bringen und so das Anzeigengeschäft anzukurbeln. Aber solch eine ruinöse Preispolitik kann sich kein Verlag leisten. Das sieht so aus, als ob man bei ESPN Geld aus anderen Abteilungen nehmen würde und das Magazin subventionieren. Finanziell möglich ist das durchaus. Die Disney-Tochter erwirtschaftet pro Jahr mehr als zwei Milliarden Dollar Gewinn. Ob solche Dumpingaktionen überhaupt vom amerikanischen Wettbewerbsrecht her erlaubt sind, kann ich nicht beurteilen. In Deutschland ginge das jedenfalls nicht (via The Big Lead).
• Die Zahl der Ausländer in den Baseball Minor Leagues ist gewaltig angeschwollen. Der Hintergrund ist ein Gesetz, das unter Präsident Bush verabschiedet wurde und die Visa-Restriktionen aufhob, die einst für ein ziemlich knappes Kontingent an Zuwanderern gesorgt hatte. Über die jungen deutschen Spieler, die davon profitieren, demnächst mehr.
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16. August 2009
Kopftreffer
Deshalb tragen Baseballspieler Helme, wenn sie am Schlag stehen. Pitcher: Matt Cain, San Francisco Giants. Batter: David Wright, New York Mets. Geschwindigkeit des Balles: 145 km/h. Diagnose: Gehirnerschütterung.
Nachtrag: Die Sportfirma Rawlings hat einen neuen Helm für Baseballspieler entwickelt, der bei solchen Treffern den Kopf wirksamer vor der Wucht des Lederklopses schützt. Problem: Die Spieler sind womöglich zu eitel, um ihn zu tragen. Obwohl er Fluggeschwindigkeiten Stand hält, die etwa zehn Stundenkilometer höher sind als im Fall von Wright (via New York Times)
Nachtrag 2: So sieht es aus, wenn der Pitcher am Kopf getroffen wird. Auch das passierte am Wochenende und regt die Gemüter auf.
(via The Big Lead)
Nachtrag: Die Sportfirma Rawlings hat einen neuen Helm für Baseballspieler entwickelt, der bei solchen Treffern den Kopf wirksamer vor der Wucht des Lederklopses schützt. Problem: Die Spieler sind womöglich zu eitel, um ihn zu tragen. Obwohl er Fluggeschwindigkeiten Stand hält, die etwa zehn Stundenkilometer höher sind als im Fall von Wright (via New York Times)
Nachtrag 2: So sieht es aus, wenn der Pitcher am Kopf getroffen wird. Auch das passierte am Wochenende und regt die Gemüter auf.
(via The Big Lead)
2. August 2009
Baseball-Gewerkschaft: Veröffentlichung der Doper-Namen "ein Verbrechen"
Der Manager der Chicago White Sox hatte neulich eine gute Idee: Veröffentlicht doch endlich alle Namen auf der "dummen Liste" der im Jahr 2003 positiv getesteten Baseball-Profis. "Das ist lächerlich", sagte Ozzie Guillen, nachdem die Namen David Ortiz und Manny Ramirez bekannt geworden war. "Das ist beschämend, das ist ein Witz. Wer drauf steht, steht drauf. Mach die Namen bekannt und Schluss damit."
Ein guter Gedanke. Aber so schnell wird das wohl nicht passieren. Die Spielergewerkschaft, die die Akten mit den Namen verwaltet hatte, die von der Staatsanwaltschaft im Barry-Bonds-Meineidprozess beschlagnahmt wurde, hat eine andere Idee: Warum nicht Reporter Michael S. Schmidt und die New York Times verklagen? Das sei kriminell, was die Zeitung da mache. Einfach Informationen zu veröffentlichen, die sie sich besorgt habe, damit muss jetzt Schluss sein.
"Das Heraussickern von Informationen, die ein Gericht zur Verschlusssache erklärt hat, ist ein Verbrechen", erklärte die Arbeitnehmer-Organisation, deren Mitglieder im Schnitt 3,2 Millionen Dollar brutto im Jahr verdienen, in einer Stellungnahme. "Das aktive Bestreben, Informationen zu erhalten, die auf legale Weise nicht veröffentlicht werden dürfen, weil sie von einem Gericht zur Verschlusssache erklärt wurden, ist ein Verbrechen. Dass die Informanten nach Angaben der Times Rechtsanwälte sind, ist zugleich schockierend und traurig."
Vermutlich wäre nach dieser Rechtsauffassung auch das Schreiben über die Beschwerde der Gewerkschaft ein Verbrechen, denn es zwingt einen dazu, die Recherchen der New York Times zu zitieren. Aber diesen Vorwurf hat man am Freitag nicht erhoben, als man die entsprechende Presseerklärung herausgab. Sonst hätte ja niemand darüber berichtet. Und das wollte Donald Fehr sicher überhaupt nicht.
Eine solche massive Drohung an die Adresse von Journalisten ist übrigens nicht neu. Rund um den BALCO-Skandal wurde zwei Journalisten des San Francisco Chronicle zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt, weil sie die Quellen für die Informationen in ihrem Buch – unter Verschluss gehaltene Protokolle von staatanwaltschaftlichen Vernehmungen – nicht preis geben wollten. Die Angelegenheit wurde schließlich niedergeschlagen, nachdem sich ein Anwalt als Informant geoutet hatte und bestraft wurde.
Ein guter Gedanke. Aber so schnell wird das wohl nicht passieren. Die Spielergewerkschaft, die die Akten mit den Namen verwaltet hatte, die von der Staatsanwaltschaft im Barry-Bonds-Meineidprozess beschlagnahmt wurde, hat eine andere Idee: Warum nicht Reporter Michael S. Schmidt und die New York Times verklagen? Das sei kriminell, was die Zeitung da mache. Einfach Informationen zu veröffentlichen, die sie sich besorgt habe, damit muss jetzt Schluss sein.
"Das Heraussickern von Informationen, die ein Gericht zur Verschlusssache erklärt hat, ist ein Verbrechen", erklärte die Arbeitnehmer-Organisation, deren Mitglieder im Schnitt 3,2 Millionen Dollar brutto im Jahr verdienen, in einer Stellungnahme. "Das aktive Bestreben, Informationen zu erhalten, die auf legale Weise nicht veröffentlicht werden dürfen, weil sie von einem Gericht zur Verschlusssache erklärt wurden, ist ein Verbrechen. Dass die Informanten nach Angaben der Times Rechtsanwälte sind, ist zugleich schockierend und traurig."
Vermutlich wäre nach dieser Rechtsauffassung auch das Schreiben über die Beschwerde der Gewerkschaft ein Verbrechen, denn es zwingt einen dazu, die Recherchen der New York Times zu zitieren. Aber diesen Vorwurf hat man am Freitag nicht erhoben, als man die entsprechende Presseerklärung herausgab. Sonst hätte ja niemand darüber berichtet. Und das wollte Donald Fehr sicher überhaupt nicht.
Eine solche massive Drohung an die Adresse von Journalisten ist übrigens nicht neu. Rund um den BALCO-Skandal wurde zwei Journalisten des San Francisco Chronicle zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt, weil sie die Quellen für die Informationen in ihrem Buch – unter Verschluss gehaltene Protokolle von staatanwaltschaftlichen Vernehmungen – nicht preis geben wollten. Die Angelegenheit wurde schließlich niedergeschlagen, nachdem sich ein Anwalt als Informant geoutet hatte und bestraft wurde.
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Verbrechen
30. Juli 2009
Schmutzige Socken: Auch Ortiz war gedopt
Die Mannschaft, die im Jahr 2003 2004 nach Jahrzehnten der Erfolglosigkeit die World Series gewinnen konnte, hatte mehr als nur einen Doper im Team. Das berichtet die New York Times, die sich seit Wochen um die Frage kümmert: Welche Spieler wurden im Rahmen der damals durchgeführten so genannten anonymen Proben positiv getestet? Der neue Name ist David Ortiz von den Boston Red Sox. Offiziell sind die Namen unter Verschluss, auch nachdem die Ermittlungsbehörden bei einer Beschlagnahmeaktion bei der Spielergewerkschaft die fraglichen Daten sichern konnten. Statt die Unterlagen zu schreddern (etwas, was die Spieler vermutlich gerne gehabt hätten), waren sie aufbewahrt worden. 104 Spieler wurden vor sechs Jahren als Doper identifiziert, eine Zahl, die hoch genug war, um eine Vereinbarung der Liga mit der Gewerkschaft wirksam werden zu lassen, wodurch ab 2004 ein reguläres Testprogramm begann.
Die Einführung von Tests sorgte für ein auffälliges Phänomen: Spieler, die bis dahin wie Popeye-Klone aussahen, schrumpften gleich reihenweise. Die Home-Run-Flut ging zurück. Zu den Spielern, die inzwischen die Einnahme von Anabolika zugegeben haben, gehört der höchst bezahlte Spieler der Liga, Alex Rodriguez von den New York Yankees.
Bei den Red Sox konnte man bislang immer sehr ahnungslos tun. Denn ihr ehemaliger Outfielder Manny Ramirez wurde erst neulich offiziell positiv getestet. Er spielt jedoch seit dem letzten Jahr bei den Los Angeles Dogders und nicht mehr in Boston. Dank der Sache mit Ortiz wird man sich nun wohl doch befleißigen müssen, das Thema abzuarbeiten. Die Flecken auf der Weste werden wohl trotzdem bleiben.
Blick zurück: Der Name Sosa befindet sich vermutlich auch auf der Liste
Die Einführung von Tests sorgte für ein auffälliges Phänomen: Spieler, die bis dahin wie Popeye-Klone aussahen, schrumpften gleich reihenweise. Die Home-Run-Flut ging zurück. Zu den Spielern, die inzwischen die Einnahme von Anabolika zugegeben haben, gehört der höchst bezahlte Spieler der Liga, Alex Rodriguez von den New York Yankees.
Bei den Red Sox konnte man bislang immer sehr ahnungslos tun. Denn ihr ehemaliger Outfielder Manny Ramirez wurde erst neulich offiziell positiv getestet. Er spielt jedoch seit dem letzten Jahr bei den Los Angeles Dogders und nicht mehr in Boston. Dank der Sache mit Ortiz wird man sich nun wohl doch befleißigen müssen, das Thema abzuarbeiten. Die Flecken auf der Weste werden wohl trotzdem bleiben.
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29. Juli 2009
Sehnsucht nach dem kleinen Karo
Wenn man mal in Cooperstown und in der Baseball Hall of Fame gewesen ist, versteht man die besondere Stellung der Sportart in der amerikanischen Mythologie. Eine kleine, herausgeputzte Stadt am See in einer attraktiven Mittelgebirgslandschaft, die provinziell und traditionell zugleich wirkt, ist das perfekte Passepartout zu jener Mythologie wie sie von solchen kuriosen und gleichzeitig populären Politikern wie Sarah Palin beschworen wird. Die Mehrheit der Amerikaner mag in großen Städten wie New York und aufgedunsenen Agglomerationen wie Los Angeles und den in den Sand gebaggerten exurbanen Ausläufern von Metro-Wohnmaschinen wie Phoenix, San Diego oder Atlanta leben – die Idee, dass das real America, also das echte Amerika, woanders zuhause ist, lässt sich davon nicht beeinflussen. Die Sehnsucht nach dem kleinen Karo in einem so großen Land. Ja, die gibt es. Und sie ist stark.Es gibt Vorläufer für diese Beharrlichkeit, die zeigen, dass man in den USA unter Selbstreflektion eben nicht so etwas versteht wie Vergangenheitsbewältigung, sondern so etwas wie eine geschönte und gefönte Nachbearbeitung der Realität. Geschichtsbewusstsein kommt so nicht zustande. Man denke nur an den langen Lauf der Cowboy-Filme in Hollywood und im Fernsehen. Bis in die siebziger Jahre wurde ohne Unterlass dieses Genre-Bild gefüttert, das zu dem Zeitpunkt mehr als hundert Jahre alt war und (von wenigen Ausnahmen abgesehen) zu keinem Zeitpunkt den authentischen Westen abzubilden versucht hatte, im gleichen Atemzug aber roboterhaft alle Klischees von Gut und Böse durchratterte.
Wie angenehm zu lesen, dass es im selben Land durchaus Stimmen gibt, die die Luftblase der Wohlanständigkeit und den aufgetragenen Lack des Klischees zum Platzen bringen. Konkret: Das Buch Cooperstown Confidential: Heroes, Rogues and the Inside Story of the Baseball Hall of Fame von Zev Chafets. Mit dem Anstrich "Confidential" produziert das Buch allerdings Erwartungen, die es nicht einlöst. Da wird nichts enthüllt, was nicht bereits bekannt wäre. Sondern einfach nur kompakt zusammengetragen, was oft gerne unter den Teppich gekehrt wird: Dass zu den in Cooperstown geehrten Baseballspielern Leute gehören, die als Drogenhändler verurteilt wurden oder sogar zugegeben haben, dass sie die Regeln ausgetrickst haben, um es in dieses Walhall der Sportart zu schaffen. Das passt übrigens ganz gut zu den aktuellen Diskussionen über die eventuelle Rehabilitation von Pete Rose (der als Trainer auf den Ausgang von Majore-League-Spielen gewettet hat) und die Stimmung gegen die gedopten Stars, denen man gerne die Aufwertung zur Sportlegende verweigern möchte. Man muss wohl nicht das Buch kaufen, aber man sollte vielleicht mal diese Besprechung in der New York Times lesen.
22. Juli 2009
Pfusch mit dem Alter: DNA-Tests schaffen Klarheit
Major League Baseball nutzt DNA-Tests, um das wahre Alter von Spielern zu ermitteln, die aus Mittelamerika kommen. Der Hintergrund: Die Dominikanische Republik gehört seit Jahren zu einer der Hauptnachwuchsschmieden der amerikanischen Profiligen. Aber immer wieder gibt es eindeutige Hinweise darauf, dass das wahre Alter nach unten korrigiert wird. Der Grund ist einleuchtend: Wenn man stärker ist, als die angeblich gleichaltrige Konkurrenz, hat man bessere Chancen auf einen Vertrag. Inzwischen werden prospects ziemlich gut bezahlt, selbst dann wenn nicht klar ist, ob sie jemals das höchste Spielniveau erreichen.
Auf den ersten Blick wirken solche Tests wie eine gute Sache. Aber juristisch gibt es da ein Problem: die Geninformationen gehören zur Privatsphäre und obliegen dem Datenschutz. Mehr in einem ausführlichen Bericht in der New York Times von heute (via The Big Lead, wo das Thema als "gefährlicher Tanz" aufgebauscht wurde). Im Grunde geht es um nichts anderes als bei den Dopingregeln auch. Die greifen weit über das Übliche im normalen gesellschaftlichen Alltag in die Privatsphäre ein und verstoßen dabei sogar gegen einen im Alltag geltenden Rechtsgrundsatz, wonach erst einmal ein begründeter Verdacht vorliegen muss, ehe die Sanktionsautorität ermittelt. Für den Dopingbereich wurde der Grundsatz festgezurrt: der Athlet muss bei den Kontrollen mitmachen, sonst kann er nicht mitmachen. Leistungssport ist schließlich freiwillig. Genauso wurde das Prinzip verankert, wonach der Athlet für den Befund in seinem Körper verantwortlich ist, ganz egal ob die Substanzen mit Absicht, aus Versehen oder ganz ohne seinen umittelbaren Einfluss in diesen Körper gelangt sind.
In der Welt der amerikanischen Baseball-Profis wird man vermutlich die Nachricht über das DNA-Thema mit Widerwillen und bösen Vorahnungen quittieren. Man erinnere sich: Die Befunde aus der anonymisierten ersten Doping-Kontrollphase wurden am Ende von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt, obwohl die Sportler sich nur unter der Prämisse hatten testen lassen, dass die Resultate anonym bleiben.
Davon abgesehen, was hindert eigentlich den Internationalen Turnverband und das IOC, solche Tests auch bei den chinesischen Turnerinnen vorzunehmen, die ganz offensichtlich bei den Olympischen Spielen gegen die Altersregeln verstoßen haben?
Auf den ersten Blick wirken solche Tests wie eine gute Sache. Aber juristisch gibt es da ein Problem: die Geninformationen gehören zur Privatsphäre und obliegen dem Datenschutz. Mehr in einem ausführlichen Bericht in der New York Times von heute (via The Big Lead, wo das Thema als "gefährlicher Tanz" aufgebauscht wurde). Im Grunde geht es um nichts anderes als bei den Dopingregeln auch. Die greifen weit über das Übliche im normalen gesellschaftlichen Alltag in die Privatsphäre ein und verstoßen dabei sogar gegen einen im Alltag geltenden Rechtsgrundsatz, wonach erst einmal ein begründeter Verdacht vorliegen muss, ehe die Sanktionsautorität ermittelt. Für den Dopingbereich wurde der Grundsatz festgezurrt: der Athlet muss bei den Kontrollen mitmachen, sonst kann er nicht mitmachen. Leistungssport ist schließlich freiwillig. Genauso wurde das Prinzip verankert, wonach der Athlet für den Befund in seinem Körper verantwortlich ist, ganz egal ob die Substanzen mit Absicht, aus Versehen oder ganz ohne seinen umittelbaren Einfluss in diesen Körper gelangt sind.
In der Welt der amerikanischen Baseball-Profis wird man vermutlich die Nachricht über das DNA-Thema mit Widerwillen und bösen Vorahnungen quittieren. Man erinnere sich: Die Befunde aus der anonymisierten ersten Doping-Kontrollphase wurden am Ende von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt, obwohl die Sportler sich nur unter der Prämisse hatten testen lassen, dass die Resultate anonym bleiben.
Davon abgesehen, was hindert eigentlich den Internationalen Turnverband und das IOC, solche Tests auch bei den chinesischen Turnerinnen vorzunehmen, die ganz offensichtlich bei den Olympischen Spielen gegen die Altersregeln verstoßen haben?
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1. Juli 2009
Der Klingelbeutel: Wenn man nicht zählen kann
Die Boston Red Sox zeigen einen interessanten Fall von Regelkenntnis. Sie traben in einem Inning gegen die Baltimore Orioles bereits nach zwei Outs vom Feld. Der Fernsehkommentator sagt, so was habe er noch nicht gesehen. Musst du gucken.
• Im Automobilrennsport haben Familien und deren patriarchalischen Strukturen schon immer einen Einfluss auf die Geschäfte gehabt. Man denke an die Familie France und NASCAR auf der Organisatorenseite oder an die Pettys und Earnhardts und Andrettis auf der Fahrerseite. Auf diese Weise wurde dann auch Familienmitglied Tony George in Indianapolis zum Chef in Sachen Speedway. Er spaltete CART, holte NASCAR und die Formel 1 auf die langweilige Rennstrecke (in deren Innenraum sich immerhin Teile eines ganz ordentlichen Golfplatzes befinden) und strickte weiter an dem völlig überkandidelten Anspruch, dass die Stadt der Nabel der PS-Welt sei. Was selten vorkommt (und ein hübsches Echo auf die ganze Mosley-Geschichte in der Formel 1 darstellt): Jetzt wurde George, obwohl jahrelang erfolgreich und noch jung an Jahren aus dem Amt hinausbefördert. Quelle: die Ortszeitung.
• Der erfolgreichste Trainer in der Geschichte der NBA wird wohl ab der kommenden Saison einen Gang zurück schalten. Phil Jackson soll aus gesundheitlichen Gründen die Reisen der Lakers nicht mehr mitmachen. Das sind eine Menge Spiele, denn die NBA hat eine Tabellenrunde mit 82 Begegnungen. Die Andeutungen, die es dazu gibt, haben Spekulationen verursacht, dass man in Los Angeles einen Nachfolger installieren will – und zwar niemand anderen als Coach K, den Mann aus Duke und Trainer der US-Nationalmannschaft, die sich in Peking rehabilitieren konnte. Der Herr mit dem unaussprechlichen Namen verneint. Er gehört nicht mehr zu den Jüngeren und hat finanziell längst ausgesorgt. Allein die Uni zahlt ihm reichlich. Nicht zu reden von seinen anderen Einnahmequellen. In diesem Wikipedia-Eintrag gibt es übrigens eine Unterweisung, wie man seinen Namen auf Polnisch phonetisch korrekt ausspricht. Das hätte man sich für diesen deutschen Wikipedia-Beitrag auch gewünscht und nicht diesen Unfug, er habe einen "komplizierten" Nachnamen.
• Falls es Leser des Blogs noch nicht gemerkt haben sollten: Das Schicksal von Moneyball und dem Versuch, das Buch zu verfilmen, geht uns nach. Über die jüngste Entwicklung hatten wir bereits berichtet. Dieser Nachklapp soll die Sache denn auch nur abrunden. Die Chefproduzentin von Sony erläutert, weshalb sie Regisseur Steven Soderbergh in den Arm gefallen ist und das Projekt gestoppt hat. Der Mann hatte doch tatsächlich versucht, einen kunstvollen Film zu drehen und den Anspruch formuliert, dass der Inhalt mit der Realität übereinstimmt. Nein. Realität im Kino, das geht nun echt zu weit.
• Im Automobilrennsport haben Familien und deren patriarchalischen Strukturen schon immer einen Einfluss auf die Geschäfte gehabt. Man denke an die Familie France und NASCAR auf der Organisatorenseite oder an die Pettys und Earnhardts und Andrettis auf der Fahrerseite. Auf diese Weise wurde dann auch Familienmitglied Tony George in Indianapolis zum Chef in Sachen Speedway. Er spaltete CART, holte NASCAR und die Formel 1 auf die langweilige Rennstrecke (in deren Innenraum sich immerhin Teile eines ganz ordentlichen Golfplatzes befinden) und strickte weiter an dem völlig überkandidelten Anspruch, dass die Stadt der Nabel der PS-Welt sei. Was selten vorkommt (und ein hübsches Echo auf die ganze Mosley-Geschichte in der Formel 1 darstellt): Jetzt wurde George, obwohl jahrelang erfolgreich und noch jung an Jahren aus dem Amt hinausbefördert. Quelle: die Ortszeitung.
• Der erfolgreichste Trainer in der Geschichte der NBA wird wohl ab der kommenden Saison einen Gang zurück schalten. Phil Jackson soll aus gesundheitlichen Gründen die Reisen der Lakers nicht mehr mitmachen. Das sind eine Menge Spiele, denn die NBA hat eine Tabellenrunde mit 82 Begegnungen. Die Andeutungen, die es dazu gibt, haben Spekulationen verursacht, dass man in Los Angeles einen Nachfolger installieren will – und zwar niemand anderen als Coach K, den Mann aus Duke und Trainer der US-Nationalmannschaft, die sich in Peking rehabilitieren konnte. Der Herr mit dem unaussprechlichen Namen verneint. Er gehört nicht mehr zu den Jüngeren und hat finanziell längst ausgesorgt. Allein die Uni zahlt ihm reichlich. Nicht zu reden von seinen anderen Einnahmequellen. In diesem Wikipedia-Eintrag gibt es übrigens eine Unterweisung, wie man seinen Namen auf Polnisch phonetisch korrekt ausspricht. Das hätte man sich für diesen deutschen Wikipedia-Beitrag auch gewünscht und nicht diesen Unfug, er habe einen "komplizierten" Nachnamen.
• Falls es Leser des Blogs noch nicht gemerkt haben sollten: Das Schicksal von Moneyball und dem Versuch, das Buch zu verfilmen, geht uns nach. Über die jüngste Entwicklung hatten wir bereits berichtet. Dieser Nachklapp soll die Sache denn auch nur abrunden. Die Chefproduzentin von Sony erläutert, weshalb sie Regisseur Steven Soderbergh in den Arm gefallen ist und das Projekt gestoppt hat. Der Mann hatte doch tatsächlich versucht, einen kunstvollen Film zu drehen und den Anspruch formuliert, dass der Inhalt mit der Realität übereinstimmt. Nein. Realität im Kino, das geht nun echt zu weit.
24. Juni 2009
Brad Pitt kann's nicht ändern: Verfilmung von Moneyball gestoppt
Die Nachrichtenhappen der letzten Tage über die Verfilmung von Moneyball hatten alle einen Hauch von bizarr. Nicht weil die Chefproduzentin drei Tage vor Beginn der Dreharbeiten das 57-Millionen-Dollar-Projekt abgeblasen hatte. So etwas dürfte in Hollywood am laufenden Band vorkommen. Sondern weil einem nicht klar war, wieso diese Ambitionen nicht schon sehr viel früher beendet worden waren. Denn nicht mal Michael Lewis, der Autor des erfolgreichen Baseball-Sachbuchs, hatte verstanden, was so prominente Kinoleute wie Brad Pitt und Regisseur Steven Soderbergh in dem Stoff gesehen hatten (nicht dass er sich deshalb gegen die Verfilmung gesperrt hätte, was dafür spricht, dass die Lizenzgebühren im mittleren sechsstelligen Bereich liegen).
Immerhin hat sportsbybrooks seitdem weiter recherchiert und eine schöne Fundsache aufgetrieben: ein Drehbuch, das der Dreh- und Angelpunkt der Auseinandersetzung zwischen Produzentin und Regisseur ist. Niemand vermag zu sagen, ob dies eine alte oder eine aktuelle Version ist. Aber sicher ist es nicht die, die Soderbergh zuletzt daraus gemacht hatte. Denn die war zum Stein des Anstoßes geworden.
Kompliziert? Wenn man mal die Blaumilchkanal-Welt von Hollywood wegstreicht, wo sich Produzenten weniger Gedanken über die Qualität von Stoffen machen als viel mehr darüber, wie man wieviel Publikum ins Kino locken kann und ob Frauen die Filme sehen wollen und ob man mit einem solchen Werk im Ausland die Lichtspielhäuser füllen kann, bleibt immer noch ein Lesestück (als pdf-Datei). Der Drehbuchautor ist übrigens kein Unbekannter. Steven Ziaillian hat Schindlers Liste, American Gangster, Gangs of New York und Mission:Impossible geschrieben. Die Szene über die alle reden, ist allerdings kein Meisterwerk. Da hat der Oakland A's-Manager Billy Beane in einem Restaurant Sex mit der Kellnerin, die ihm das Essen serviert hat.
Blick zurück: Die Meldung über den Einstieg von Brad Pitt ins das Projekt,
Blick zurück: Wie Oakland im Baseball gegen die reichen Clubs besteht
Kleines Extra: Autor Michael Lewis in einem Interview zu seinem Football-Buch The Blind Side.
Immerhin hat sportsbybrooks seitdem weiter recherchiert und eine schöne Fundsache aufgetrieben: ein Drehbuch, das der Dreh- und Angelpunkt der Auseinandersetzung zwischen Produzentin und Regisseur ist. Niemand vermag zu sagen, ob dies eine alte oder eine aktuelle Version ist. Aber sicher ist es nicht die, die Soderbergh zuletzt daraus gemacht hatte. Denn die war zum Stein des Anstoßes geworden.
Kompliziert? Wenn man mal die Blaumilchkanal-Welt von Hollywood wegstreicht, wo sich Produzenten weniger Gedanken über die Qualität von Stoffen machen als viel mehr darüber, wie man wieviel Publikum ins Kino locken kann und ob Frauen die Filme sehen wollen und ob man mit einem solchen Werk im Ausland die Lichtspielhäuser füllen kann, bleibt immer noch ein Lesestück (als pdf-Datei). Der Drehbuchautor ist übrigens kein Unbekannter. Steven Ziaillian hat Schindlers Liste, American Gangster, Gangs of New York und Mission:Impossible geschrieben. Die Szene über die alle reden, ist allerdings kein Meisterwerk. Da hat der Oakland A's-Manager Billy Beane in einem Restaurant Sex mit der Kellnerin, die ihm das Essen serviert hat.
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Blick zurück: Wie Oakland im Baseball gegen die reichen Clubs besteht
Kleines Extra: Autor Michael Lewis in einem Interview zu seinem Football-Buch The Blind Side.
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17. Juni 2009
Sosa in der Falle
Sammy Sosa ist in Schwierigkeiten. Denn nachdem die New York Times gestern die begründete Vermutung publizierte, dass der Baseball-Profi 2003 genauso wie Alex Rodriguez bei anonym durchgeführten Dopingtests mit einem positiven Resultat erwischt wurde, interessiert sich der Kongress für ihn. Warum? In jenem legendären Hearing im Abgeordnetenhaus im Jahr 2005, als mehrere Spieler unter Eid aussagen mussten, hatte der ehemalige Home-Run-Held schlichtweg folgendes erklärt: “Ich habe mir nie etwas injiziert oder wurde von niemanden mit etwas injiziert. Ich habe weder die Gesetze der Vereinigten Staaten gebrochen noch die der Dominikanischen Republik [sein Heimatland]. Ich bin zuletzt 2004 getestet worden, und ich bin sauber." Des weiteren mimte er den Ausländer mit dem kräftigen spanischen Akzent, dem man verzeihen möge, dass er nicht alles richtig versteht und sich nicht in jedem Fall sehr gut ausdrücken kann.
Die Sätze klingen im Nachhinein ziemlich messerscharf gewählt. Vor allem dann, wenn sich Sosa statt per Spritze den Stoff oral verabreicht haben sollte, was man einst in der DDR hinreichend praktizierte. Dann hätte er nicht mal gelogen. Und die Feststellung, dass er keine Gesetze gebrochen habe, müsste man ihm als legitime Meinungsäußerung durchgehen lassen. Auch wenn der Besitz von nicht verordneten Anabolika in den USA damals strafbar war. Ein positives Testresultat aus dem Jahr 2003 wäre aber zumindest die Basis für den Vorwurf, dass er die Politiker unter Eid bewusst an der Nase herumgeführt haben könnte. In wie weit das justiziabel ist, wird man sehen.
In der Zwischenzeit sei die Lektüre dieser Kolumne von Rick Reilly anempfohlen, in der der ehemalige Sports-Illustrated-Autor beschreibt, wie er im Jahr 2002 Sosa in der Umkleidekabine ansprach und ihm anbot, mit ihm zu einem Labor zu gehen. Ziel: Herauszufinden, ob der Baseballprofi wirklich so sauber ist, wie er immer behauptet hatte. Was war an der Konfrontation so ungewöhnlich? Sosa hatte zuvor öffentlich posaunt, man könne ihn jeder Zeit testen. Reilly wurde jetzt noch einmal zu dieser Geschichte befragt, die damals viel Staub aufwirbelte.
Die Sätze klingen im Nachhinein ziemlich messerscharf gewählt. Vor allem dann, wenn sich Sosa statt per Spritze den Stoff oral verabreicht haben sollte, was man einst in der DDR hinreichend praktizierte. Dann hätte er nicht mal gelogen. Und die Feststellung, dass er keine Gesetze gebrochen habe, müsste man ihm als legitime Meinungsäußerung durchgehen lassen. Auch wenn der Besitz von nicht verordneten Anabolika in den USA damals strafbar war. Ein positives Testresultat aus dem Jahr 2003 wäre aber zumindest die Basis für den Vorwurf, dass er die Politiker unter Eid bewusst an der Nase herumgeführt haben könnte. In wie weit das justiziabel ist, wird man sehen.
In der Zwischenzeit sei die Lektüre dieser Kolumne von Rick Reilly anempfohlen, in der der ehemalige Sports-Illustrated-Autor beschreibt, wie er im Jahr 2002 Sosa in der Umkleidekabine ansprach und ihm anbot, mit ihm zu einem Labor zu gehen. Ziel: Herauszufinden, ob der Baseballprofi wirklich so sauber ist, wie er immer behauptet hatte. Was war an der Konfrontation so ungewöhnlich? Sosa hatte zuvor öffentlich posaunt, man könne ihn jeder Zeit testen. Reilly wurde jetzt noch einmal zu dieser Geschichte befragt, die damals viel Staub aufwirbelte.
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