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17. Januar 2008

Manchen Sachen hängt etwas Herbes an

Das Ereignis selbst hat im medialen Getöse neulich nur wenige beschäftigt. Ein paar gingen darauf ein, meldeten die Mikrofonsperre und ließen ansonsten die schlafenden Hunde ruhen. Das Fachblatt Golfweek muss diese schlappe Welle aus dem großen Teich ziemlich angenervt haben, sonst hätten sie nicht in dieser Woche mit einer Titelgeschichte und einem heftigen Coverfoto reagiert: Es zeigt eine Henkerschlinge. Jetzt ist die Aufregung auf einmal groß. Nicht über Kelly Tilghman, die wir hier bereits hinreichend als überfordert beschrieben haben, sondern über die provokative Haltung des Magazins. Für die PGA Tour ging sogar ihr Chef, Commissioner Tim Finchem, in die Bütt, um sich zu beklagen. Das wiederum riecht nach einer klassischen Vertuschungshaltung, die ganz in der Tradition der alten elitären Welt der Golf-Clubs steht, wo man noch bis in die frühen neunziger Jahre gerne vermieden hat, schwarze Spieler aufzunehmen. Am liebsten sah man dunkelhäutige Amerikaner schon immer nur als Caddies und als Bedienungspersonal im Clubhaus.

Nachtrag einen Tag später: Und wessen Kopf hat es gekostet? Den vom Chefredakteur. Er wurde soeben entlassen.

10. Januar 2008

Nicht so harte Sperre für Frau "Lynch"

Zwei Wochen Mikrofonverbot - das ist die Strafe, die sich Fernsehkommentatorin Kelly Tilghman eingehandelt hat, weil ihr ein Witz von der Zunge rollte, der viele verstört. Mit anderen Worten: zwei Wochen Ferien am Anfang der Golfsaison der amerikanischen PGA-Tour, die sich zur Zeit in Hawaii warm läuft. Der Agent von Tiger Woods hatte zwischendurch das Öl weggestellt, das andere so gerne aufs Feuer gegossen hätten. Woods und die Dame seien befreundet. Na, denn. Dann darf sie ihn natürlich ganz anders in der Öffentlichkeit abhandeln als jeder normale Kommentator.

8. Januar 2008

Mit den Waffen einer Frau: Warum nicht mal Tiger "lynchen"?

Die erste Frau, die regelmäßig als Hauptkommentator im Fernsehen Golfturniere der Männer überträgt, sitzt seit einem Jahr auf diesem Stuhl. Und der wackelte schon mehr als einmal. Der letzte Klops war schon so kräftig, dass er sogleich in anderen Medien Aufsehen erregte. Was sagte sie vor ein paar Tagen in einer Live-Ausstrahlung vom Saisonauftakt der PGA Tour in Maui? Die jungen Spieler von heute sollten den scheinbar unbezwingbaren Tiger Woods "in einer finsteren Seitengasse lynchen". Kelly Tilghman, eine dieser amerikanischen Fernsehdamen ohne Temperatur in der Stimme und mit der Ausstrahlung eines kantigen Kofferradios, wollte sicher nur einen Jux machen. Da sie aber bereits seit Jahren in Programmen des Golf Channel zeigt, dass sie keinen Humor besitzt, ging der Spruch natürlich über jene unsichtbare Grenze, entlang der in den USA das Thema Hautfarbe besprochen werden kann. Gelyncht wurde in diesem Land noch in den ersten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts, und selten genug wurden die Täter gesucht, gefunden und dafür bestraft. Denn die Opfer waren Menschen mit jenem Teint, den Tiger Woods, Sohn eines dunkelhäutigen Vaters repräsentiert. Menschen angeblich zweiter Klasse.

Der Ordnung halber sei angemerkt, dass sich die Dame inzwischen für diesen völlig unverständlichen Satz entschuldigt hat. Es sei aber darauf hingewiesen, dass so manche Fernsehleute wegen ähnlicher Ausraster bereits ihren Job verloren haben. Weshalb sollte das diesmal anders sein? Weil sie eine Frau ist?