Posts mit dem Label Hautfarbe werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Hautfarbe werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

11. August 2008

Cullen wer?

Die 4-mal-100-Meter-Freistilstaffel der Amerikaner, die heute mit ein paar Hundertstel Vorsprung die etwas zu vorlauten Franzosen absaufen ließ, besteht – wie der Wettbewerb schon sagt – aus vier Leuten. Wird allerdings gerne vergessen. Phelps und seine Goldmedaillen-Ambitionen: Das interessiert die Leute. Schlussschwimmer Jason Lezak und sein unglaubliches Finish: Darüber schreiben jetzt alle. Aber was ist eigentlich mit Cullen Jones, der sich mannschaftsintern im Vorlauf für das Finale qualifizierte? Will eigentlich niemand etwas über den ersten schwarzen US-Weltrekordler im Schwimmen wissen? Falls doch – hier wäre der passende Fernsehbeitrag:

8. Januar 2008

Mit den Waffen einer Frau: Warum nicht mal Tiger "lynchen"?

Die erste Frau, die regelmäßig als Hauptkommentator im Fernsehen Golfturniere der Männer überträgt, sitzt seit einem Jahr auf diesem Stuhl. Und der wackelte schon mehr als einmal. Der letzte Klops war schon so kräftig, dass er sogleich in anderen Medien Aufsehen erregte. Was sagte sie vor ein paar Tagen in einer Live-Ausstrahlung vom Saisonauftakt der PGA Tour in Maui? Die jungen Spieler von heute sollten den scheinbar unbezwingbaren Tiger Woods "in einer finsteren Seitengasse lynchen". Kelly Tilghman, eine dieser amerikanischen Fernsehdamen ohne Temperatur in der Stimme und mit der Ausstrahlung eines kantigen Kofferradios, wollte sicher nur einen Jux machen. Da sie aber bereits seit Jahren in Programmen des Golf Channel zeigt, dass sie keinen Humor besitzt, ging der Spruch natürlich über jene unsichtbare Grenze, entlang der in den USA das Thema Hautfarbe besprochen werden kann. Gelyncht wurde in diesem Land noch in den ersten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts, und selten genug wurden die Täter gesucht, gefunden und dafür bestraft. Denn die Opfer waren Menschen mit jenem Teint, den Tiger Woods, Sohn eines dunkelhäutigen Vaters repräsentiert. Menschen angeblich zweiter Klasse.

Der Ordnung halber sei angemerkt, dass sich die Dame inzwischen für diesen völlig unverständlichen Satz entschuldigt hat. Es sei aber darauf hingewiesen, dass so manche Fernsehleute wegen ähnlicher Ausraster bereits ihren Job verloren haben. Weshalb sollte das diesmal anders sein? Weil sie eine Frau ist?

19. Oktober 2007

NFL: Die Weißwäsche hat begonnen

Als der Name Jason Whitlock zum ersten Mal in diesem Blog erwähnt wurde, geschah das mit einer bestimmten Absicht. Amerika ist - was man trotz der vielen Verrückten und Chaoten am Rand der Gesellschaft nicht vergessen sollte - das Heimatland des Begriffs political correct. Und selbst wenn der amtierende Präsident eine Oligarchen-Fascho-Gesinnung hat (gepaart mit einer unglaublichen Inkompetenz, was unser aller Glück ist) und seine Parteifreunde gerne mitmachen: die Strömung darunter, gelebt von den sogenannten kleinen Leuten, wird von dieser Sorge geprägt, dass man jemand anderem auf die Schuhe treten könnte und ihn wegen seiner Hautfarbe, seiner sexuellen Vorlieben, seines enormen Gewichts und Essgewohnheiten diskriminert.

Was macht Jason Whitlock? Er bürstet gegen den Strich. Und ist damit derzeit der einzige, der öffentlich und konsequent bemängelt, wie sich eine beachtliche Zahl von schwarzen amerikanischen Sportstars besonders in der NFL verhalten. Verhalten ist milde ausgedrückt:
"Afroamerikanische Footballspieler, gefangen in der Rebellion und Possenreißerei der Hip-Hop-Kultur, haben NFL-Besitzern und Trainern einem guten Grund gegeben, ihre Kader weißer zu machen. Das wird das Erbe von Chad, Larry und Tank Johnson, Pacman Jones, Terrell Owens, Michael Vick und all den anderen Football-Clowns sein."
Kaum jemand habe es bemerkt, schreibt Whitlock, aber die beiden vorbildlichen Clubs in der Liga - die Indianapolis Colts und die New England Patriots - haben die weißesten Mannschaften. Und warum? Hip-Hop-Athleten werden zunehmend abgelehnt, "weil sie nicht gut fürs Geschäft sind", und weil sie nicht zu einer konstant erfolgreichen Arbeitsatmosphäre beitragen. Hautfarbe sei nicht der Grund für den Unterschied zwischen positiver oder negativer Haltung eines Sportler. "Es ist die Kultur."

Das Problem sitzt tiefer: Denn innerhalb der letzten 50 Jahren hat es keinen größeren Kampf im amerikanischen Sportalltag als den um Chancengleichheit für Schwarze gegeben. Die Integration brachte eine NBA, in der Weiße zeitweilig nur Randfiguren waren, und eine NFL, in der irgendwann die letzten Bastionen fielen: die Positionen des Quarterbacks und die des Head Coaches. Dass sich die nachgewachsenen Generation auf den Erfolgen ihrer Vorläufer ausruht und so tut, als ginge sie das alles gar nichts an und als seien die Millionen von Dollar, der teure Schmuck und die Unmengen von Groupies einfach Standardbelohnung für Leute, die schnell laufen und hoch springen können, führt jedoch nicht nur zu Konflikten mit den Ordnungshütern (und ins Gefängnis). Am Ende reagieren auch die Verantwortlichen in den Sportorganisationen.

So wurden immer mehr Ausländer in die NBA geholt (darunter übrigens sehr viel Schwarze, die sich aber nicht als Entertainer betrachten, weil sie in einem anderen kulturellen Umfeld aufgewachsen sind). Der Trend in der NFL ist nur ein weiterer Beleg für den Umschwung. Auch Major League Baseball darf man in diesem Licht betrachten. Dort hat eine andere Minderheit enorm an Bedeutung zugelegt: Spieler aus den Ländern in der Karibik und drumherum. Die Nachwuchsförderung, die sich einst in den Metropolen nach jungen Talenten umsah (die dann oft aus den schwarzen Ghettos kamen), hat sich komplett auf die Latino-Welt und Japan eingepolt.

Den kompletten aktuellen Whitlock zum Thema gibt es hier. Was er zum All-Star-Wochenende der NBA in Las Vegas zu sagen hatte, wurde damals ausführlich zitiert. Es lohnt sich, die Tags durchzugehen. Der Mann wird hier relativ oft erwähnt.

29. Juli 2007

Warum Vick es reingerieben bekommt

Der rote Teppich, auf dem Michael Vick durchs Leben spazieren konnte, ist irgendwann mal ziemlich lang und breit gewesen. Was unter anderem daran liegt, dass Vick als exzellenter Athlet in Amerikas populärster Mannschaftsportart demonstrieren konnte, wie man eine ziemlich mechanische Arbeit auf eine eigensinnige, aber ebeno ertragreiche Weise abwickeln kann: mit überraschenden Sololäufen. Der Quarterback als Running Back, der im schnellen Zickzack durch die gegnerischen Reihen stürmt, aber ebenso leicht einen langen Pass nach vorne werfen kann. Auf den Gegenentwurf zu einem schmächtigen, aber nervenstarken Mann wie Joe Montana, der im letzten Augenblick den Ball an einen gut postierten Mitspieler abgab, ehe er von den herandampfenden Gegnern platt gemacht wurde, hat man lange warten müssen. Aber irgendwann dreht sich wohl auch im konservativen Football das Rad weiter.

Weißen Quarterbacks konnte man das jahrzehntelang einfach ausreden, diesen Hang zur Improvisation und Eigeninitiative, und sie zu einem anderen Verhalten nötigen - zu dieser Passivität, diesem Zocken und Zögern. Denn das hatte man ihnen von Anfang an eingetrichtert, dass der Capo di Capi auf dem Platz nur das brav umsetzt, was sich der wahre Boss, der Trainer, ausgedacht hat - das von einem Genie im Hintergrund inszenierte Chaos, das zeigt, wer das Spiel mit eiserner Hand im Griff hat: der Head Coach.

Schnellen schwarzen Athleten war das schon länger viel zu dämlich, weil es schließlich auch anders geht. Aber ihnen wurde von Trainern auf allen Ebenen jahrzehntelang der Weg auf die Position des Quarterbacks nach Kräften verlegt. Wenn sie wendig und willig waren, wurden sie auf andere Aufgaben umgeschult, wenn nicht, wurden andere angeheuert. Es gab stets genug Nachwuchs. Selbst in jener Phase, die vor etwa zehn Jahren begann, als die Dämme brachen und sich immer mehr schwarze Talente aufdrängten, waren NFL-Trainer überaus nervös angesichts des umfassenden Könnens und unkontrollierten Spielwitzes. So landete Charlie Ward, der Heisman Trophy-Gewinner des Jahres 1993, bei den New York Knicks in der NBA, nachdem er bei der NFL-Draft von allen Team ignoriert wurde. Was war das Problem? Scouts hatten übereinstimmend erklärt, dass seine Collegeleistungen bei den Profis nichts wert sein würden. Er hatte hauptsächlich in einer Shotgun-Offense gespielt. Der nächste Fall war das Multi-Talent Kordell Stewart bei den Pittburgh Steelers. Erneut zeigte sich, dass die eingefahrenen halsstarrigen Trainer mit einem Mann nicht viel anfangen konnten, der ihnen mehr spielerische Möglichkeiten bot, aber auch mehr Risikofaktoren brachte. Improvisation kann man nicht planen und nicht kontrollieren. Stewarts Karriere blieb - leider - so etwas wie eine unvollendete Symphonie.

Das droht jetzt auch Michael Vick, dem ersten schwarzen Quarterback, der zumindest auf dem Platz die alten Barrieren endgültig überwinden konnte und der zweitbestbezahlte Spieler in der NFL ist. Aber nicht weil er bei den Atlanta Falcons nicht den ganz großen Erfolg vorweisen kann (die Mannschaft brachte es mit ihm bisher nur bis zum Spiel um die NFC Championship, also bis unter die letzten vier), sondern weil er im Verdacht steht, ein Tierquäler zu sein, der seine Zeit mit Hundekämpfen verbringt. Und mit Verwandten und Freunden, die Hunde grausam umbringen und auf seinem Grundstück einbuddeln.

Wenn man sich das Spektrum der Reaktionen in den USA anschaut, wird man erkennen, dass unter der Oberfläche einer ganz legitimen Arbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft die Hautfarbe von Vick und sein Status als erfolgreicher schwarzer Sportler ebenfalls mitspielt. Das Ausmaß an moralischer Entrüstung, das der Fall ausgelöst hat, steht in keinem Verhältnis zu seiner eigentlichen Relevanz. Man muss nicht mal die Meinung des (weißen) Kolumnisten Dave Zirin teilen, der den amerikanischen Sportbetrieb schon lange aus einer linken politischen Haltung heraus attackiert, und neulich mit Chuck D. ein Buch herausgebracht hat (Welcome to the Terrordome). Der wundert sich zurecht, wie eine Gesellschaft, die unter anderem auch im Sport ein derartiges Maß an Gewalttätigkeit gutheißt, förmlich ausrastet, wenn es um tote Hunde geht. Man muss auch nicht die ständige Rassismus-Keule schwingen, wie das im sehr anregenden Blog The Starting Five von Co-Autor dwil bei jedem Thema (Barry Bonds etc. ) getan wird. Schließlich gibt es Gesetze, die das Verhalten von Menschen verbindlich regeln. Wer sie bricht, kann sich nicht den Mantel der verfolgten Unschuld überwerfen und so tun, als habe man ihn nur wegen seiner Hautfarbe festgenommen.

Auf der anderen Seite weiß man spätestens seit Muhammad Ali (einem genialen Techniker und Stilisten im Ring, aber eigenwillig und unberechenbar) und der gegen ihn verhängten Sperre der Boxverantwortlichen (er hatte den Kriegsdienst verweigert), dass schwarze Amerikaner sehr viel schneller sozial geächtet werden als Weiße, wenn sie aus dem Rahmen fallen (und nicht nur dann). Im Fall von Vick passiert das schrittweise: Die NFL hat ihn vom Trainingsbetrieb ausgeschlossen. Nike hat den Werbevertrag mit ihm aufgehoben. Andere Werbepartner kündigten verbindliche Vereinbarungen. Und alles, ehe das Strafverfahren begann. Es mag sein, dass Vick ein Tierquäler ist. Aber falls nicht: Seinen Stempel als Pariah hat er weg.

2. Mai 2007

Studie belegt: Weiße NBA-Schiedsrichter pfeifen bei schwarzen Spielern mehr Fouls

Eine wissenschaftliche Studie von Justin Wolfers, einem Assistenzprofessor an der Wharton School of Business, und Joseph Price, einem Wirtschaftswissenschaftsstudenten, der an der Cornell Universität seinen Masters macht, hat einen erstaunlichen Beleg für den unterschwelligen Rassismus im amerikanischen Sport gefunden: Weiße NBA-Schiedsrichter pfeifen bei schwarzen Spielern mehr Fouls ab als bei weißen. Die Studie wertete Datenmaterial aus den 13 Jahren zwischen 1991 und 2004 mit insgesamt 600.000 Fouls aus und ermittelte, dass die Diskrepanz groß genug ist, um den Ausgang von Spielen entscheidend zu beeinflussen. Die Kerninformationen über die Arbeit wurde heute in der New York Times veröffentlicht, die im Rahmen ihrer Recherchen NBA Commissioner David Stern um eine Stellungnahme gebeten hatte. Offensichtlich hatte das Ligamanagement bereits vor einem Jahr von der Studie erfahren und analysierte in diesem Frühjahr auf eine Faust den Sachverhalt. Stern erklärte der Zeitung, dass sein Datenmaterial zu anderen Schlussfolgerungen führt: "Es gibt keine Vorurteile."

Der Anteil an schwarzen Schiedsrichtern in der NBA beträgt 38 Prozent, die offensichtlich auch nicht von Vorurteilen verschont sind. Die Studie kommt der beiden Akademiker kommt zu dem Ergebnis, dass sie weiße Spieler, wenn auch in einem nicht ganz so signifikanten Maß benachteiligen. Die beiden Autoren sehen das Problem nicht auf die Liga beschränkt, sondern halten es für repräsentativ für die gesamte amerikanische Gesellschaft. Die Besonderheit ist allerdings dabei ist, dass auf diese Weise Spiele entschieden werden, deren Resultate eigentlich durch die Profis auf dem Platz ermittelt werden sollten.