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3. August 2010

Die Welt zu Gast in Akron

Tiger Woods ist in der Stadt. Die Stadt heißt Akron. LeBron James ist auch irgendwie in der Stadt. Oder besser in der Zeitung von der Stadt. Die Zeitung heißt Akron Beacon-Journal. Woods spielt im Firestone Country Club im Rahmen der World Golf Championship. Ein Termin, bei dem die Besten aus den USA und aus Europa in einem exklusiven Feld um sehr viel Geld spielen. Dass Woods in Akron ist, wäre nicht weiter bemerkenswert. Denn er spielt schrottig und hat das Plateau seiner Leistungsfähigkeit überschritten (was auch eine Altersfrage ist, denn jenseits der 35 wird es schon rein körperlich immer schwieriger, vier Tage lang mit dem Können der Nachwachsenden mitzuhalten). Aber Woods ist noch immer das meal ticket der Sportschreiber in Amerika. Wenn sie einen Dreh finden können, sich über ihn auszulassen, dann tun sie es. Warum? Nicht wegen der Sex-Affäre und ihren Folgen. Sondern, weil er an Platz eins der Weltrangliste steht. Weil man ihm zutraut, zum ersten Mal seit seiner Rückkehr wieder ein Turnier zu gewinnen. Und, ja, wenn ihm das gelänge, das wäre doch bemerkenswert, oder nicht? Akron wurde so zum Testfall ausgerufen. Schließlich hat er hier in der Vergangenheit immer dominiert. Wenn er diesmal nicht gewinnt, muss man ihn wohl endgültig zum Has-Been herunterstufen, oder nicht? So geht das seit Tagen in den Sportteilen, die auf diese Weise kostbaren Platz verschwenden, den sie ganz anderen Golf-Themen widmen könnten.

Da macht es LeBron schon besser. Er verzichtet darauf – ganz der Narziss, der er nun mal ist – den Sportteil zu behelligen. Er kauft gleich eine ganzseitige Anzeige in der Zeitung, um den Lesern zu versichern, dass sein Wechsel aus dem nahen Cleveland in das ferne Miami, nichts an seinen heimatlichen Gefühlen zu Akron ändern wird. Oder in den gedrechselten Worten von King James:

"An meine Familie, Freunde und Fans in Akron:
Ich habe mein gesamtes Leben in Akron verbracht und bin deshalb ein wirklich glücklicher Mensch. Hier habe ich gelernt, Basketball zu spielen und die Leute getroffen, die zu für mein ganzes Leben zu meinen Freunden und Mentoren wurden. Ihre Art, ihre Aufmunterung und ihre Unterstützung werden immer mit mir sein. Akron ist meine Heimat und der zentrale Brennpunkt [sic!] meines Lebens. Hier habe ich begonnen, und hierher werde ich immer wieder zurückkehren. Ihr könnt versichert sein, dass ich für diese Stadt auch weiterhin alles tun werde, was ich kann, was für meine Familie und mich so wichtig ist. Vielen Dank für die Liebe und die Unterstützung. Ihr bedeutet mir alles."

Vielleicht sollte man an dieser Stelle erwähnen, dass Akron zwar viel Gummi, aber keine guten Wortschmiede produziert hat (der beste war wohl dieser Mann, ein reputierlicher Redakteur der New York Times). Und auch die Sache mit dem Gummi hat nachgelassen. Die – heute japanische – Firma Bridgestone wäre vor ein paar Jahren fast aufgrund der mangelhaften Qualität ihrer Reifen pleite gegangen.

Das mit den Anzeigen scheint übrigens Schule zu machen (und ist eine nette Geste in Richtung eines darbenden Zweigs der Medienindustrie). Der Litauer Zydrunas Ilgauskas spendierte gestern dem Cleveland Plain-Dealer eine Seite ("Dear Cleveland...."). Darin bitter er die Fans der Cavaliers um Verständnis für seine Entscheidung, in Miami neben James um den Meisterschaftserfolg zu spielen, der ihm in Ohio nicht vergönnt war. Ilgauskas war im März von den Cavaliers an die Wizards abgegeben worden, und dann als Free Agent für ein paar Groschen wieder eingekauft worden. Er hat im Laufe seiner langen Karriere in Cleveland mehr als 100 Millionen Dollar brutto abgesahnt. In Miami spielt er für 2,8 Millionen.

19. Februar 2010

Tiger Woods - Live-Blog

Die amerikanischen Medien haben gestern mal wieder gezeigt, dass in den Skeletten von so manchen noch so etwas wie Rückgrat steckt. Da beschloss das Führungsgremium der Golf Writers Association of America, dass man jene kuriose Veranstaltung boykottieren wird, bei der in ein paar Minuten ein gewisser Tiger Woods, die Gelddruckmaschine der Sportart Golf, eine öffentliche Erklärung abgeben will. Eine Kamera und eine Handvoll sogenannter Pool-Reporter sollten zugelassen werden. Fragenstellen nicht erlaubt. Für eine solche Inszenierung mögen sich die Kollegen vom GWAA nicht hergeben. Ich kann das verstehen und unterstütze das auch – als aktives Mitglied – auch wenn meine Solidaritätsadresse auf Deutsch vermutlich niemand im Verband auch nur registrieren wird.

Ein solcher Boykott ist natürlich eher eine symbolische Haltung im ewigen Tauziehen zwischen den Mächtigen und Einflussreichen im Sport und den Multiplikatoren aus der Kommunikaitonsindustrie. Ich vermute mal, vor einem Jahr wäre es zu einer solchen Auseinandersetzung nicht gekommen. Der Tiger wirkt waidwund. Die Meute riecht Schwäche.

Hier wird das Ereignis gleich mal aus der Perspektive des amerikanischen Fernsehzuschauers abgehandelt. Man darf davon ausgehen, dass alle News-Kanäle live mitmachen.

Bis gleich.

10: 50 Uhr Zu den Newskanälen gehören natürlich auch die, die der golffixierten britischen Klientel ständig den wichtigen Stoff bringen: Also Zeitungen wie der Guardian mit einer beachtlichen Blog-Leistung: http://www.guardian.co.uk/sport/blog/2010/feb/19/tiger-woods-statement-live

10:52 Uhr: ESPN 2 hat eine Expertin über die Bedeutung von Entschuldigungen im Alltag im Studio. Der Kanal wird live dabei sein.

10:54 Uhr: Den Wirtschaftskanal CNBC interessieren natürlich nur die geschäftlichen Belange und nennt die Veranstaltung im Streifen am unteren Ende des Bildschirms Tiger Woods' Media Culpa. Wortspiel oder Verschreiber?

10:57 Uhr: Die alte Tante CNN, die man in Zeiten der Krise immer so gerne als erstes und als vertrauenswürdigstes Guckloch anklickt, ist noch in Vancouver und bei Bode Miller. Werden die nicht rechtzeitig umschalten?

10:59 Uhr: Beim Golf Channel wird zwar berichtet, aber auf solche Nuancen wird Wert gelegt: "Es wird erwartet, dass Tiger Woods um 11 Uhr" spricht. Dabei wurde die Sache offiziell angekündigt.

11:00 Uhr: Das Live-Bild aus Florida zeigt eine seltsame Gruppe von Zuschauern in einem Raum. Jetzt kommt Tiger.

11:02 Uhr: "I am deeply sorry for my irresponsibe behavior."

11:03 Uhr: "Elin and I have started a process to discuss the damage."

11:04 Uhr: "I am aware of the pain I have caused. I have let you down.... personally and professionally."

11:05 Uhr: "I have made you question who I am and how I could have done the things I did."

11:06 Uhr: "Elin never hit me....there has never been an incident of domestic violence....I was unfaithful. I had affairs. I cheated."

11:07 Uhr: "I thought I could get away with what I wanted to.... I felt I was entitled."

11:08 Uhr: "My failures have made me look at myself in a way I never wanted to before."

11:09 Uhr: "It is hard to admit that I need help, but I do....I have a long way to go."

11:10 Uhr: "These are issues between a husband and his wife....It is right to shield my familiy from the public limelight."

11:11 Uhr: "Please leave my wife and kids alone...I am the one who needs to change."

11:12 Uhr: "Part of following this path is Buddhism."

11:13 Uhr: "I lost track of what I was taught....I will leave for more treatment and therapy....I therapy I learned to look at my spiritual life and balance it with my professional life."

11:14 Uhr: "I do plan to return to golf one day. I just don't know when that day will be."

11:15 Uhr: "Today I want to ask for your help. I ask you to find room in your heart to one day believe in me again. Thank you."

11:16 Uhr: Nachdem er lange seine Mutter umarmt und dazu ein paar Zuschauer in der ersten Reihe, tritt er ab. Aus dem Raum. Ohne sich umzudrehen. Elin war nicht zu sehen.

Zusammenfassende Gedanken und Beobachtungen (während die Kommentatoren auf allen Kanälen ihren Senf verbreiten): Das moderne Medientheater verlangt nach solchen Auftritten, bei denen die Akteure mit den Strippen spielen, die ihnen die Öffentlichkeit bietet. Mehr als zehn Kanäle in den USA schalteten live auf. Die zwei Neuigkeiten, die Woods anzubieten hat: Zum ersten Mal hat er seine religiöse Affinität offiziell angesprochen. Er ist Buddhist, was ihn in einem von einer extremen, aufs Christentum und die Bibel fixierten Land zu einer kleinen Minderheit macht. Es muss ihm schwer gefallen sein, dass zuzugeben. Es gibt keine Entscheidung darüber, wann er wieder an den Turnieren der PGA Tour teilnehmen wird. Keine Ankündigung darüber, ob er schon beim Masters im April in Augusta wieder antreten will.

P.S. Die oben erwähnte Entschuldigungs-Expertin heißt Lauren Bloom. Ihr Buch trägt den Titel The Art of the Apology. Sie gab Tiger Woods für seine Erklärung die Note A-. Das entspricht in den USA der Note 1-.

Und weil das Internet so ergiebig ist, gibt es hier mit etwas Verspätung den Mitschnitt von dem Woods-Auftritt. 15 Minuten.

30. November 2009

Wie man sich lächerlich macht

Die einstmals ziemlich angesehene Sportzeitschrift Sports Illustrated arbeitet seit Jahren an einem Sinkflug, der nur zum Teil auf die Anziehungskraft des Internets zurückzuführen ist. Und auch nur zum Teil auf die Anstrengungen von ESPN, wo man mit einem zweiwöchentlich erscheinenden Magazin der wöchentlich publizierenden Konkurrenz auf den Fersen ist. So wie der Spiegel nie von Focus ernsthaft in Sachen journalistisches Angebot in die Enge getrieben wurde, sondern zu seinem eigenen größten Feind wurde, so hält man es auch bei SI: Was man selbst erledigen kann, das tut man. Und sei es die eigene Entleibung. Seppuku auf Raten, ganz stilvoll und ganz langsam. Wenn auch allerdings ohne den Charme der japanischen Samurai-Tradition, wo man mit dem Selbstmord im gesellschaftlichen Kontext seine Ehre wiederherstellen konnte.

Solche Selbstvernichtungsmechanismen ziehen in Redaktionen ein, sobald sie die wichtigste Währung ihres eigentlich überflüssigen Produkt ignorieren: ihre Relevanz. Im Fall von Sports Illustrated lässt sich das an einem simplen Beispiel zeigen. Da bemüht man sich seit ein paar Jahren, dem quer durch alle Sportarten betrachtet erfolgreichsten Athleten unserer Zeit den Titel "Sportler des Jahres" NICHT zu geben. So wurde in jenem Jahr, als die Miami Heat die Dallas Mavericks die NBA-Meisterschaft aus den Händen rissen, ein gewisser Dwayne Wade mit dieser Auszeichnung bedacht. Dann musste es unbedingt Brett Favre sein. Zwischendurch sah man sich genötigt, Schwimmer Michael Phelps zum Top-Mann des Jahres auszurufen. Und in diesem Jahr hat man auch wieder einen Pappkameraden gefunden: Derek Jeter von New York Yankees. Derek f...ing Jeter???

Irgendwo in der Internet-Walachei von si.com hat Redaktionsmitglied S. L. Price sanften Widerspruch deponieren dürfen. Es ist die simple Begründung dafür, weshalb man irrelevant wird, wenn man einen der besten Sportler aller Zeiten nicht würdigt. Schon gar nicht in dem Jahr, in dem er durch weitere Grand-Slam-Erfolge seinen Status zementiert hat.

26. November 2009

Eitel ja, Freude nein

Rund um die Entscheidung von Allen Iverson, seine Karriere als NBA-Spieler zu beenden, kreiste gestern eine hübsche Petitesse aus dem von vielen eitlen Menschen durchsetzten amerikanischen Sportmedienalltag. Im Mittelpunkt des Vorgangs: der Sportjournalist Stephen A. Smith, der einst als Kolumnist beim Philadelphia Inquirer unter Vertrag war und seinen beruflichen Aufstieg weniger seiner – eher beschränkten – Kapazität als Schreiber zu verdanken hat, sondern seinen hervorragenden Beziehungen zu den Philadelphia 76ers während der Iverson-Periode.

Seine Laufbahn, die viel damit zu tun hat, dass Smith im Fernsehen mit seiner scheinbar beredten Art und seinem ungebrochenen Selbstbewusstsein ganz gut einen scheinbar durchblickenden Experten gibt, katapultierte ihn von dort aus bis in die höheren Hemisphären von ESPN. Dort bekam er seine eigene Talk-Show (Quite Frankly With Stephen A. Smith), die allerdings aus Mangel an Zuschauerinteresse wieder eingestellt wurde. Parallel lieferte er beim Inquirer immer noch Texte ab, wenn auch zunehmend aus der Ferne und offenbar hauptsächlich auf dem Blackberry getippt. Weil der Inhaltsquotient gegen Null ging, die Fehlerquote aber stieg, trennte sich die Zeitung abrupt von Smith, nachdem sie ihn zunächst zu einem normalen Reporter herabgestuft hatten.

Weil dieser Abschied nicht von den Tarifvereinbarungen mit der zuständigen Journalistengewerkschaft gedeckt war, musste der Verlag seinen teuersten Mann wieder einstellen. Aber seitdem streitet man sich über die Details des Arbeitsverhältnisses. Und so stellte Smith seinen Iverson-Scoop einfach auf seiner eigenen Webseite ins Schaufenster und ließ den Inquirer im Dunkeln.

Fernsehzuschauer einer Kabelsendung, in der er immer wieder Meinungsmacher für alles mögliche inklusive Politik und Barack Obama auftritt, erfuhren immerhin, dass Smith vermutet, dass Iverson sich das alles noch mal überlegt und vom Rücktritt zurücktritt. Allen ist schließlich erst 34 Jahre alt.

Smith über sich selbst in einem Flickr-Video.
Blick zurück: Ein erster Hinweis auf den "am meisten verlachten Sportschreiber des Landes"

3. November 2009

Wie Hollywood Frauen Baseball erklärt

Weil die World Series schon heute zu Ende gehen kann, hier eine kleine Reminiszenz. Im Film Woman of the Year (1942) lädt Sam Craig (Spencer Tracy), der Sportkolumnist des New York Chronicle, Tess Harding (Katherine Hepburn), eine politische Journalistin bei der gleichen Zeitung, zu einem Baseballspiel zwischen den Yankees und den A's ein (ab 6:35). Die Szene in der Pressbox ist von feinsinniger Komik. Nicht nur, weil man zu jener Zeit noch laut rufen durfte: "No women in the pressbox!", sondern weil Tracy der Dame die Grundzüge der Baseballregeln zu erklären versucht. Bei den A's dürfte es sich übrigens um die Philadelphia Athletics handeln, die zu den Gründungsmitgliedern der American League gehörten und später abwanderten (1955 nach Kansas City und dann 1968 weiter nach Oakland).

Frau Hepburn wundert sich übrigens an einer Stelle darüber, dass die gemeinsame Zeitung zwar gleich zwei Reporter zum Baseball schickt, aber nur einen an den provisorischen französischen Regierungssitz Vichy, von dem aus nach dem Überfall der deutschen Armee 1940 das teilbesetzte Land verwaltet wurde. Tracys Reposte ist ein Klassiker: "Vichy? Are they still in the league?"

19. Oktober 2009

Der Roboter schreibt die Spielberichte

Studenten vom Intelligent Information Laboratory der Northwestern University in der Nähe von Chicago ist etwas gelungen, was außergewöhnlich klingt, worüber man sich aber eigentlich gar nicht wundern sollte: Sie haben ein Programm entwickelt, das journalistische Spielberichte von Baseball-Begegnungen schreibt und die Reporter arbeitslos macht. Man gibt einfach nur während des Matches alle statistischen Details ein (und das sind in der statistikverliebten Welt des Baseball ziemlich viele) und drückt am Ende auf eine Taste, die aus dem Material einen lesbaren Text verfertigt. Lesbar und durchaus sinnig geschrieben, wirkt das Resultat, wie die New York Times berichtet. Was daran liegt, dass die Beschreibung von repetitivem Sportgeschehen auch in den Köpfen von klassischen Sportjournalisten mit Hilfe von irgendwelchen Baukastenschemata passiert. Gewinner und Verlierer, Favorit und Außenseiter, Erwartungen und Überraschungen – die Denkschablonen, die man braucht, um das geistig in den Griff zu bekommen, sind gar nicht so vielfältig. Man kann sich leicht vorstellen, dass das System auf fast alle Sportarten anzuwenden ist. Auch auf Fußball, dessen Free-Flow-Dynamik in Agenturberichten auf Kernauskünfte reduziert wird, die – angereichert – um ein paar Zitate von Trainern und Spielern, ebenso austauschbar werden wie in datendefinierten Sportarten. Wann das ganze in die Praxis vor allem der Agenturarbeit, weiß noch keiner. Nur soviel steht fest: Es wird kommen. Der Kostendruck in den Medien wird dafür sorgen.

30. September 2009

Die Dampfwalze kommt in Fahrt

Die Dampfwalze namens ESPN hat den Markt der lokalen Sportberichterstattung in den USA im Blick und wird den Tageszeitungen in den großen amerikanischen Städten schwer zu schaffen machen. Und nicht nur den Zeitungen in ihrer Printform, sondern vor allem bei den Online-Ausgaben. Einen Teil der Wegbegradigungen wird man in Form von Verpflichtungen von bekannten Sportjournalisten erleben, denen das Medienunternehmen gewohnheitsmäßig mehr bezahlt als die Verlage das wollen oder können. Einen anderen Teil werden wir im Rückzug der Zeitungsredaktionen von klassischer täglicher Team-Berichterstattung erleben. Der Kostendruck wäre schon ohne die aktuelle Anzeigenflaute enorm.

Das kann man beklagen oder mitleidig kommentieren wie The Big Lead das heute getan hat. Das kann man aber auch als Chance für ein paar andere Leute begreifen. Denn dies wirkt wie die bislang beste Gelegenheit, für talentierte Blogger mit Blick für den lokalen Stoff und einer news-orientierten Aufarbeitung des Sportgeschehens die Tür zu einer wirtschaftlich tragfähigen Perspektive. Entweder als integraler Bestandteil von existierenden Zeitungsseiten oder als Allein-Leistung.

Warum lohnt es sich, schon heute darüber zu reden? Weil ähnliche Entwicklungen auch auf Deutschland zukommen werden. Vor allem dann, wenn ESPN beschließt, in den deutschen Markt einzusteigen.

Blick zurück: ESPN-Partner im Testmarkt Boston – der Besitzer der Patriots
Blick zurück: Zumindest Yahoo scheint dem Konkurrenten gewachsen

28. September 2009

ESPN erobert Boston: Kraft mit Freude

Die Konzentration aufs Wesentliche sieht im Sport bisweilen so aus: Ein reicher Unternehmer investiert in einen oder mehrere Clubs. Und damit die Einnahmemöglichkeiten optimiert werden, kümmert er sich auch noch um die Medienauswertung. Beispiel: Robert Kraft und die New England Patriots (Football) und New England Revolution (Fußball).

Die Konzentration auf das Wesentliche sieht aber bisweilen gleichzeitig auch noch so aus: Der Mega-Medienkonzern Disney, der mit ESPN das Informationsangebot im Sport beherrscht und der als Nächstes in den lokalen Märkten der amerikanischen Großstädte den Zeitungen das Wasser abgräbt, arbeitet hier und da mit den Betreibern solcher Clubs eng zusammen. In diesem Fall: Mit der Kraft Sports Group, die in Boston das Anzeigengeschäft für die neue Web-Initiative des Konzerns übernehmen wird.

Eine mögliche Folge: Noch mehr Gegenwind für den Boston Globe, der ohnehin schon beinahe pleite gegangen wäre. Welche Eisen noch geschmiedet werden, um die Konkurrenz zu schwächen? Wir werden sehen.

1. September 2009

Trecker: Verband wirft Sand ins Getriebe

Der amerikanische Fußballverband spielt seine Macht aus, um einen missliebigen Journalisten die Arbeit zu erschweren. Das Angriffsziel ist Jamie Trecker, der seit Jahren für foxsports arbeitet. Die Behauptungen, die der Verband in die Welt gesetzt hat, um ihm Akkreditierungen zu verweigern, sind womöglich justiziabel. Heute wurde das Thema erstmalig in der Bloggeröffentichkeit abgehandelt. Es ist ein weiteres Beispiel dafür, wie Organisationen und Firmen Druck auf die Medien ausüben, um eine freundliche und unkritische Berichterstattung zu erzwingen.

Blick zurück: Trecker und der Klinsmann-Scoop, der keiner war

26. August 2009

ESPN: Eine Forde-Setzungsgeschichte

Ist das eigentlich normal, dass ein Journalist, der zusammen mit einem bekannten Trainer ein Buch (links) geschrieben hat, als Berichterstatter eines Medienunternehmens wie ESPN fungiert, wenn exakt dieser Trainer in Schwierigkeiten ist? Falls es nicht normal sein sollte, müsste Pat Forde von seinem Auftraggeber aus der journalistischen Arbeit zum Thema Rick Pitino zurückgezogen werden. Was aber vermutlich nicht passieren wird, denn bei ESPN agiert man mit einem Verhaltenskodex, der selektiv das schöne auflackierte Imagebewusstsein pflegt.

Es macht den Leuten bei der Disney-Tochter offensichtlich nichts aus, dass die Nähe zwischen Subjekt (Autor, siehe Bild) und Objekt (Sportikone) zu einer heuchlerischen Sicht der Dinge führt. Was nicht nur schlecht ist, wenn man entscheidet, tagelang nicht über die Klage gegen einen NFL-Quarterback zu berichten oder andere negativen Nachrichten ignoriert. Es ist ganz besonders schlecht, wenn man einen narzistischen Maniac wie Rick Pitino deckt, der seitdem seine außerehelichen Aktivitäten publik wurden, so tut, als sei er das Opfer und nicht etwa ein ganz durchschnittlicher Trieb-Täter, der mal eben zwischendurch in Restaurants der Stadt Lousville wildfremde Frauen begattet.

Pitino, der vermutlich im Prozess gegen die mutmaßliche Erpresserin Karen Sypher (links in einem Screenshot von einem Interview mit Good Morning America von TV-Sender ABC) aussagen wird, aber bislang lieber den Mund gehalten hatte, ist heute um 15 Uhr komplett ausgerastet und hat eine kurze Pressekonferenz gegeben. Er attackierte die Medien und nicht etwa die Polizei, die die Vernehmungsprotokolle mit seinen Aussagen der Ortszeitung zur Verfügung gestellt hatte: "Alles, was gedruckt worden ist, alles, was berichtet worden ist, alles, was an dem Tag, an dem Teddy Kennedy gestorben ist, in den Nachrichten gebracht wurde, ist eine Lüge. Eine Lüge."

Pitino, der pro Jahr mehr als zwei Millionen Dollar verdient, ist im Prinzip nicht mehr tragbar. Und zwar aus einem eher nebensächlichen Grund. Je mehr die Öffentlichkeit von Sypher erfuhr – sie hatte nach der Sexkapade einen Anruf Pitinos auf ihrem Anrufbeantworter aufgezeichnet und die Aufnahme neulich einem örtlichen Fernsehsender gegeben, ihre Vergewaltigungsanschuldigungen wurden von der Polizei als nicht glaubwürdig eingestuft, Aufnahmen von Gesprächen mit den Ermittlern, die heute publiziert wurden, zeigen einen Menschen mit einer deutlichen Persönlichkeitsstörung – desto mehr regen sich die Zweifel an Pitino. Verfügt der Mann überhaupt über eine Spur von Menschenkenntnis? Sollte der wirklich die Kinder anderer Leute betreuen?

Man darf davon ausgehen, dass der Coach mit seinem jüngsten Auftritt eigentlich nur noch eine Strategie verfolgt: sich gegenüber der Leitung der Universität so zu positionieren, dass sie ihn feuern muss. Und dass er bei einer solchen Auseinandersetzung nicht den 3,6 Millionen Dollar Bonus verliert, der ihm laut Vertrag 2010 ausgeschüttet werden soll.

Übrigens das Buch von Pitino und Forde trägt einen seherischen Titel: Rebound Rules. Auch wenn der Trainer gezwungen werden sollte, in Louisville sein Amt aufgeben muss, wird er nach einer Pause woanders wieder auftauchen. Der Mythos des erfolgreichen College-Magiers ist ungebrochen. Solche Leute sind unbesiegbar. Hier noch eine Hörprobe aus dem Buch.

Blick zurück: Wie man bei ESPN mit Leuten umgeht, die man nicht mag
Blick zurück: Die Pitino-Saga, Teil 1
Blick zurück: Die Frau, die Michael Jordan per Blog hinterherlief

25. August 2009

Sportmonopole vs. Medienmacht: Das Beispiel SEC

Der Collegesport in den USA wird von mehreren Verwertungsmaschinen in Schwung gehalten. Das Reglement wird von der NCAA bestimmt (die im Football aber auch nach hundert Jahren noch keine amerikanische Meisterschaft auf die die Beine bekommen hat), die Organisationstruktur von den sogenannten Conferences. Die haben meistens engeren regionalen Zuschnitt, was die Reisekosten im Zaum und die traditionellen Rivalitäten zwischen einzelnen Universitäten in Schwung hält. Die Conferences sind mächtig. So mächtig, dass sie jetzt in der populärsten aller Sportarte – im Football – als Speerspitze im Kampf gegen die Verwertung von Informationen, Bildern und Videos durch die traditionellen Medien antreten.

Das interessante an dem aktuellen Tauziehen, ist, dass es nicht vor Gericht ausgetragen wird wie etwa der Streit des Württembergischen Fußballverbandes mit dem Internetportal Hartplatzhelden. Es ist mehr das typisch amerikanische Powerplay, in dem zwei Seiten die Muskeln spielen lassen und sich vermutlich am Ende irgendwo auf halbem Weg einigen werden. Die treibende Kraft ist zur Zeit die Southeastern Conference (SEC), die Journalisten, die sich zu ihren Spielen akkreditieren wollen, ein Papier vorgelegt hat, dass journalistische Arbeit im Internet-Zeitalter (mit Video, Audio-Dateien, Blogs) unmöglich macht. Wer das Papier unterschreibt, bekommt zwar Zugang, aber soll gleichzeitig noch seine eigenen Rechte zur Verwertung an die Conference abtreten. Zur SEC gehören überwiegend staatliche Universitäten in Arkansas, Louisiana, Kentucky, Tennessee, Alabama, Mississippi, Georgia und Florida.

Nun haben die Nachrichtenagentur Associated Press und der Großverlag Gannett (USA Today und rund zwölf Zeitungen im Verbreitungsgebiet der Conference) den Leuten von der SEC erklärt, dann müssten sie eben ohne die Berichterstattung dieser beiden Institutionen auskommen. Nicht schlecht. Aber die Frage stellt sich mittlerweile: Brauchen solche mächtigen Einrichtungen wie die SEC mit ihrem eingebauten Fan-Gerüst und eigenen Webseiten und modernen technischen Ausstattungen, um eigene Medienarbeit zu betreiben, überhaupt noch die klassischen Medien? Würden sie ohne den PR-Effekt der Agenturen und Verlage wirtschaftlich zurecht kommen?

Vermutlich durchaus. Das einzige, was sie nicht gewinnen können, ist guter Wille. Die Universitäten betreiben nämlich mit Hilfe ihrer Vermarktungsstrategien ein perverses Spiel. Sie nutzen zu einem erheblichen Teil öffentliche Ressourcen (in Form von Steuersubventionen und kostenlosen Polizeieinsätzen), um Trainern von lupenreinen Amateuren Gehälter jenseits der 2 Millionen Dollar pro Jahr zu bezahlen. Obendrein sind sie als steuerbefreite und staatliche Bildungseinrichtungen, die sich über hohe Studiengebühren finanzieren, dem Grundgedanken des Allgemeinnutzens verpflichtet. Da kann man nicht so ohne weiteres der Öffentlichkeit den nackten Allerwertesten ins Gesicht strecken.

Ähnlich wie bei den Hartplatzhelden geht es um mehr als um den Einzelfall. Andere Ligen und Sporteinrichtungen dürften sich brennend dafür interessieren, wie die Sache ausgeht. So viel ist klar: Dass die Monopolbetriebe des Sport freiwillig und ohne Druck irgendetwas aufgeben, was sie für ihres halten, sollte man gar nicht erst vermuten. Sie ticken da so ähnlich wie die Ölkonzerne und die Investmentbanken an Wall Street. Sie betrachten das Ganze als ihr Casino. Wir sind nur willkommen, solange wir die einarmigen Banditen mit Chips füttern und am Roulette-Tisch brav unser Erspartes verzocken.

5. August 2009

Über die Integrität des Sportjournalismus

Wir haben noch immer nichts vom neuen Ombudsman bei ESPN gelesen. Worauf wartet der eigentlich?

In der Zwischenzeit mehren sich die Stimmen von Leuten aus dem amerikanischen Sportjournalismus, die sich mit der Macht und der Rolle des Konglomerats kritisch beschäftigen. Natürlich liegt das zuerst einmal am Verhalten von ESPN selbst (siehe Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit hier und hier). Aber es liegt vermutlich auch daran, dass erfolgreiche Sportblogs wie Deadspin und The Big Lead schon seit einer Weile am Lack der omnipotenten Disney-Tochter kratzen. Auch das ist eine neue Medienrealität und mit verantwortlich dafür, dass ein beachtlicher Teil des jungen Publikums einen eher zynischen Blickwinkel gegenüber dem Gesamtpaket und seinen Protagonisten entwickelt hat. Solche Regungen mögen den mächtigen Männern in Bristol/Connecticut egal sein, denn die sind sicher nicht minder zynisch bei dem Versuch unterwegs, ihre Position im Markt weiterauszubauen.

Etwas anderes sind Meinungsäußerungen wie die heute bei National Public Radio von Frank Deford, einem der namhaften Sportautoren des Landes, der einst die Redaktion der ambitionierten Sporttageszeitung The National leitete und in langen Texten in Sports Illustrated und anderen seinen besonderen Sinn für die Qualität von Sportgeschichten hinreichend unter Beweis gestellt hat. Sein Wort hat Gewicht. Deford charakterisiert die Stellung von ESPN so: Das wäre als würde die Zeitschrift Vogue nicht nur über Mode berichten, sondern auch noch die wichtigstem Modeschauen veranstalten. Und als würde das Wall Street Journal nicht nur das Geschäft der Börse beobachten und kommentieren, sondern Rechte an den Informationen über die Aktienkurse besitzen. Der Höhepunkt der Kameraderie: ESPN leiste in seiner Allianz mit Starsportlern, die sich bereitwillig für – witzige – ESPN-Werbung zur Verfügung stellen der ganzen Branche einen Bärendienst: "Es mindert die Integrität des gesamten Sportjournalismus herab."

Besonders diese Vorwurf hat Deford dann nicht weiter ausgeführt. Aber man fragt sich jetzt: Wird Ombudsman Ohlmeyer nun den Sender verteidigen? Oder haut erin die gleiche Kerbe? Wir sind gespannt.

27. Juli 2009

ESPN: Konsequentes Abstrafen

Vor ein paar Tagen hat sich ein Leser anonym beschwert, weil ihm eine Formulierung in einem Text über ESPN nicht gepasst hat: Geschrieben stand da, dass der Sender so wirke, als werde er mittlerweile "von einem klerikalen Übergremium mit irgendeinem moralischen Kompass in der Tunika" gelenkt. Ich hatte in diesem Zusammenhang an die politischen Verhältnisse im Iran gedacht (man kann sich auch andere Theokratien ausmalen), wo von oben nach unten regiert wird und alles seinen geordneten Gang geht, solange niemand muckt oder etwas verändern will.

Wie das im Prinzip funktioniert, wissen wir. Wie es ein Sender umsetzt, nicht so gut. Immerhin hat sich heute Mike Freeman bei CBS Sports zur Wort gemeldet und folgende Einschätzung abgeliefert:

"Nach Angaben mehrerer Leute bei ESPN sind bis zu hundert Leute – überwiegend Journalisten – vom ESPN verbannt worden oder werden zur Zeit verbannt. Die Zahl könnte höher sein."

Kein Medienunternehmen habe sich "so stalinistisch in der Behandlung abweichender Meinungen" gezeigt, schrieb Freeman, der ein Buch über die Geschichte des Senders geschrieben hat, in dem auch der interne Umgang mit dem Thema "sexuelle Nötigung" abgehandelt wird. Freeman geht in seinem Vorwurf allerdings weiter. Auch das NFL Network, das zwar der Liga gehört, aber in den höheren Etagen eine Reihe von Ex-ESPN-Leuten beschäftigt, scheibt sich an dem Boykott bestimmter Journalisten zu beteiligen.

Die absichtsvolle Abstinenz schließt ganz offensichtlich auch die beiden profiliertesten amerikanischen Sport-Blogs ein: Deadspin und The Big Lead.

Warum ist das alles von Belang? Der Sender mit seinen Tentakeln im Print-, Radio- und Online-Sektor ist eine Geldmaschine und inzwischen so groß und einflussreich, dass es kein Gegengewicht im US-Mediengeschäft mehr gibt. Zwar halten in manchen Bereichen die großen Networks wie CBS, NBC und Fox (ABC gehört wie ESPN zu Disney) noch eine gewisse Position, weil sie im Rechtgeschäft für eine Reihe von Sportarten noch hinreichend mithalten können. Aber die sich abzeichnende Konsolidierung dieses Mediensegments, vor dem die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des ganzen Landes nicht Halt machen werden, werden die Position des Kabelanbieters weiter stärken. Ehe nicht NBC Universal, das einen umfangreichen Kanal-Mix betreibt, ernsthaft in den Wettbewerb einsteigt, wird es kein ernsthaftes Gegengewicht geben. Der Sender ist allerdings zur Zeit noch immer auf die Olympischen Spiele fixiert, wo er sich eine Stellung als Monopolist aufgebaut hat. Für andere Ambitionen scheinen die Ressourcen zu knapp. Man macht NHL-Eishockey nur als schnelle Drive-in-Kost, hat nur ein bescheidenes Bein im NFL-Geschäft und konzentiert sich ansonsten hauptsächlich auf Tennis und Golf. Vermutung von dieser Stelle aus: Da die Fernsehrechte für die Olympischen Spiele nach 2012 in London noch nicht vergeben sind und der Austragungsort der Sommerspiele 2016 noch nicht feststeht, könnten sich ab Oktober neue Kräftefelder auftun. Prognose: Sollte Chicago bei der Kandidatur verlieren, wird es für NBC keinen Grund mehr geben, sich mit diesem enormen Drahtseilakt zu beschäftigen., bei dem man eine Milliarde Dollar ausgeben muss, um etwas mehr als eine Milliarde Dollar einzunehmen.

21. Juli 2009

Blondinen bevorzugt

Vor ein paar Tagen wurde Erin Andrews das Opfer ihres Berufs. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Erin Andrews läuft in den USA unter sideline reporter. Und das bedeutet, dass man bei einem Baseballspiel einer ständig drohenden Gefahr ausgesetzt ist: dass man von einem herumirrenden Ball getroffen wird. Ein Baseball ist ein steinhartes Objekt aus Kork und Leder und hat schon so manchen Spieler schwer verletzt. Erin Andrews erlitt zum Glück nur eine Prellung am Kinn und wurde ins Krankenhaus gebracht. Inzwischen scheint die Sache verheilt. Es gab ein paar Meldungen auf den Seiten von amerikanischen Sportbloggern, die mit einer auffallenden Hingabe das Wohl und Wehe der blonden Fernsehfrau verfolgen. Das war's.

Am Wochenende wurde Erin Andrews Opfer ihres Ruhms. Einer Bekanntheit und Popularität, die sehr wenig mit ihrer Fähigkeit zu tun hat, vor laufender Kamera gerade Sätze zu formulieren, sondern mit ihrem Aussehen. Wie wichtig das ist, erkennt man schon an der gängigen Kategorisierung jener Arbeit, die Erin Andrews erledigt, wenn sie während der Liveberichterstattung von Spielen Trainer und Akteure interviewt. Man nennt die Leute (inzwischen sind es überwiegend Frauen): sidelinehotties. Niemand ist hotter als Erin Andrews.

Deshalb schlug auch die Aktion ihres Arbeitgebers ESPN große Wellen, nachdem ein durch eine kleine Öffnung in der Wand (womöglich auch durch das Guckloch in der Tür) eines Hotelzimmers geschossenes Video von ihr im Internet zu kursieren begann. An dem Video ist nur eines bemerkenswert: Erin Andrews trägt keine Kleidung und bedient damit – ungewollt und ohne es verhindern zu können – die erotischen Phantasien einer ganzen Generation von jungen Sportfans, die auf einer reichen Diät aus ESPN-Berichten und Blog-Beiträgen groß geworden sind. Das Video, obwohl von den meisten Seiten angesichts der möglichen rechtlichen Konsequenzen, sofort wieder getilgt, geistert auch noch weiter herum. Cache-Links helfen den unerbittlichen Suchern, die in den letzten beiden Tagen die nackte Erin Andrews zum Spitzenreiter der Such-Charts gemacht hatten.

Das heißt, die Prognose von letztem Jahr – "Es wird nicht mehr lange dauern, und Leute werden Sportübertragungen anschauen, um Erin Andrews zu sehen. Nicht wegen des Sports." – ist damit eingetroffen. Wer sich für die Hintergründe des Phänomens interessiert, sollte sich die alte Geschichte zu Gemüte führen. Sie selbst wurde damals mit den Worten zitiert: " I don’t look at myself as a sex object. I’ve never carried myself in that way." So unschuldig. So naiv. So lange her.

Dies ist ein anderes Video mit der Dame, in dem ein College-Trainer beim Interview versucht, ihr etwas sehr nahe zu treten.

12. Juli 2009

Fixiert auf Star

Es ist noch keine anderthalb Jahre her, da brachen sich die Medien in Deutschland sprachlich bei dem Versuch einen ab, den Entwicklungsstand des jungen Profigolfers Martin Kaymer in den Griff zu bekommen. Das war kein Ruhmesblatt für die Zunft, denn solche Sprachbilder wie "Lehrgeld", des kleinen Bernhards Langers "große Fußstapfen" und "Shooting Star" dominierten und ließen einen ratlos zurück: Wo bleibt die angemessene journalistische Leistung, wenn mal ein Sportler aus Deutschland in die Weltklasse vorstößt, lautete die Frage. Die Urenkel von Goethe und Schiller können zwar hervorragende Autos bauen. Ihre Alltagssprache jedoch kommt wie ein Gogo daher. Man befürchtet das Schlimmste. Wird die schöpferische Leistung inzwischen billig in Indien oder Slowenien hergestellt?

Zum Glück hat Martin Kaymer mittlerweile durch seine Leistungen höchstpersönlich die Wortfindungsprobleme der jüngeren Vergangenheit für obsolet erklärt. Er gehört inzwischen zu den Topleuten der Branche. Und wenn man davon ausgeht, dass bei jemandem mit seinem Talent tatsächlich noch Luft nach oben ist, darf man gefahrlos Folgendes prophezeien: Dieser Typ wird sich demnächst in den Top Ten festsetzen und bei wichtigen Turnieren – den sogenannten Majors – mit einer Handvoll von Konkurrenten um die Pötte spielen.

Ob aber die deutschen Medien ein solches Phänomen sprachlich verdauen können, halte ich für sehr viel unwahrscheinlicher. Wie stand heute über der Nachricht über den erneuten Turniererfolg des 24-jährigen etwa auf der Online-Seite der Financial Times? "Golfstar Kaymer". Und was hatte Focus zu bieten? "Golf-Shootingstar", Zu dem Unsinnswort Shootingstar gibt es hier eine ausführliche Erläuterung. Die Ortsangabe "in Glasgow" im selben Text kann ich leider nicht erklären. Die Südspitze von Loch Lomond, wo die Scottish Open ausgetragen werden, liegt mehr als 30 Kilometer von der schottischen Metropole entfernt, der Golfplatz mehr als 50 Kilometer.

Die neue Diktion scheint übrigens quer durch viele Blätter der Begriff "Golfstar" zu sein. Verzeihung: Aber es stellen sich einem die Nackenhaare auf, vor allem, wenn man solche Begriffe aus angelsächsischen Sportteilen nicht gewöhnt ist. Da wird nicht mal Tiger Woods so etikettiert. Und der hat wenigstens gewisse Glamourwerte (und eine riesige Villa, und eine riesige Yacht und ein eigenes Flugzeug). Mal abgesehen von dem inflationären Gebrauch der Vokabel "Star", die aus der Filmindustrie stammt, wo man einst die Hauptdarsteller gerne mit einem hübschen weichen Lichtkranz um den Kopf fotografierte: Das Wort ist einfach extrem unsachlich und wertet die sportliche Leistung nicht auf, sondern ab. Es ist in diesem konkreten Fall nicht mal in einem übertragenden Sinne sinnvoll eingesetzt. Der Martin Kaymer, den ich kennengelernt habe, ist ein zurückhaltender, nachdenklicher, entspannter Typ, der viel arbeitet und sich extrem gut auf seinen Beruf konzentriert. Nun kommt zu diesem Ehrgeiz und diesem Fleiß ein wachsender Erfolg. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger.

26. Juni 2009

John Daly verliert Rechtsstreit – und eine Menge Geld

Manchmal kann es in den USA für einen Sportler ziemlich teuer werden, wenn er einen Journalisten und den Verlag vor Gericht bringt, der ihn beschäftigt. Das aktuelle Beispiel: Der Golfer John Daly hatte den Medienmann Mike Freeman und seinen Arbeitgeber wegen einer Reihe von Behauptungen verklagt, weil er die als rufschädigend. Da ging es um alte Geschichten, zum Beispiel, die, dass der populäre, aber ziemlich unbeherrschte Golfprofi, bekannt für seine Alkohol- und Wettprobleme, dereinst in Schwierigkeiten geriet, weil ihn seine Frau mit dem Vorwurf vor Gericht zerrte, er habe sie geschlagen. dass er drei Kinder mit drei Müttern hat und überhaupt "Thug Life qualifcations" aufweise.

Es dauerte eine Weile, bis sich ein Gericht in Florida mit dem Fall beschäftigte und die Klage zurückwies. Keiner der von Freeman zitierten Tatbestände sei falsch. Also habe der Journalist auch das Recht diese Fakten als Fundament für eine Meinungsäußerung zu nutzen. Es handle sich mithin nicht um üble Nachrede ("libel"). Das Problem für Daly. Er hat nicht nur seinen eigenen Kosten für das Verfahren zu tragen, sondern wurde dazu verdonnert, die 271.763,99 Dollar zu übernehmen, die der Gegenseite entstanden waren.

25. Juni 2009

Das Kornheiser-Syndrom

Was passiert, wenn Journalisten Stars werden und sehr viel Geld verdienen? Dann entwickeln sie einen Sinn für die Medienarbeit, die nicht mehr viel mit Journalismus zu tun hat, aber ganz viel mit Eitelkeit und Narzismus. Es dürfte schwer sein, sich dem zu entziehen. Amerikanische Wertkategorien wie Erfolg (messbar in Geld) und Aussehen (messbar in Popularität) gekoppelt mit dem enormen Tempo des Wirtschaftssystems und dem riesigen potenziellen Markt von mehr als 300 Millionen Verbrauchern beeinflussen schlichtweg jeden. Sagen wir mal: fast jeden. Ausnahmen wie den Einsiedler J. D. Salinger da oben in New Hampshire, der seit Jahren allen Versuchen widerstanden hat, sich auch nur in der Öffentlichkeit zu zeigen, gibt es natürlich auch. Aber die sind sehr selten.

Im Sportjournalismus ist die Lust auf Selbststilisierung eher neu, wurde aber keineswegs von ESPN erfunden. Die Disney-Tochter spielt das Instrumentarium einfach nur aus. Die Imageaufwertung von profilierten Sportschreibern geht auf eine langjährige hochwertige Arbeit bei Sports Illustrated zurück, wo man einen Reportagestil entwickelt und gepflegt hat, der dem profanen Milieu Sport den Stempel von Nachdenklichkeit und Analysetiefe aufdrückte. So konnte eine Buchserie wie "The Best American Sportwriting" entstehen. Die Hinwendung von Qualitätszeitungen wie New York Times und Washington Post zu einer anspruchsvolleren Beschäftigung mit Sportthemen hatte einen zusätzlichen Effekt. Dort konnten Kolumnisten ihr Profil schärfen. Nicht jeder von diesen exponierten Figuren hat den Hang dazu, aus jedem Fenster hinaus auf die Straße hinabzubrüllen. Aber sehr viele können es nicht lassen. Was oft – zumindest kurzfristig – durchaus der eigenen Karriere nützen kann.

So sind solche Biographien wie Stephen A. Smith entstanden, der am meisten verlachte Sportschreiber des Landes. Der hatte zwischendurch sogar seine eigene Fernsehtalkshow bei ESPN und durfte während des Obama-Wahlkampfs bei anderen Sendern seine Ansichten zu politischen Themen äußern. Der Mann hat nichts Interessantes zu sagen. Er besteht aus nichts anderem als attitude. Seine Fahrkarte hatte er beim Philadelphia Inquirer gelöst, als er es verstand, sich in den Allen-Iverson-Jahren bei den 76ers als Basketball-Journalist in den Vordergrund zu spielen. Sein Abstieg begann, als er seinen Job bei der Zeitung verlor, wo man keine Lust mehr hatte auf im Blackberry hastig getippte und eingesandte Texte.

Wir könnten auch über Mike Lupica reden, den kleinen Vielschreiber, der den Chef des Sportreporter-Corps mimt, wenn sonntags bei ESPN diese Quasselrunde zusammensitzt. Der Mann scheint noch im Sattel zu sitzen, weil er sich zumindest jeden Tag hinreichend anstrengt und nicht mit anderen Medien-Outlets flirtet.

Etwas ähnliches ist Tony Kornheiser nicht gelungen. Nach dem Aufstieg hin zu Pardon The Interruption und zu Monday Night Football (wo angeblich er in den Sack gehauen hat, vielleicht war es ja auch ganz anders, who knows?) kam die Schattenseite ins Spiel. Die Washington Post hatte keine Lust mehr auf einen Mitarbeiter, dessen Texte sie den Lesern nicht mehr allzu oft präsentieren konnte. Das akzeptiert man bei dieser Zeitung nur bei einem: dem angesehenen Ex-Watergate-Reporter Bob Woodward, der nur noch Bücher schreibt, das dort akkumulierte Wissen zwischendurch für sich behält, aber bei Erscheinen der Werke dem Blatt jeweils einen Vorabdruck gewährt. Kornheisers aktuelles Lamento fällt vergleichsweise milde aus. Wenn auch die Verteidigungsrede einen Grad an Selbstüberschätzung verrät, der uns zum eingangs aufgeworfenen Phänomen zurückbringt. Zitat: "...wenn Michael Wilbon und Tony Kornheiser keine Marke für die Washington Post sind, was wäre es dann?"

Ich nehme an, dass Wilbon, der noch viel für die Zeitung schreibt, aber längst bei seinen vielen Auftritten vor den Fernsehkameras die Aura eines Pfaus ausstrahlt, schon bald seinen Kolumnistenposten verliert. Zeitungen, die Auflagen einbüßen und (noch stärker) Anzeigenumsätze, haben eine Strukturkrise zu bewältigen, die eitle Luxusgeschöpfe, die sich nicht mehr als Dienstleister, sondern als Stars betrachten, nicht länger finanzieren kann. Hinter dieser Entwicklung verbirgt sich das Ende einer Ära. Das Prestige, das man sich durch die Arbeit für Zeitungen und Zeitschriften erarbeiten kann, geht ebenfalls flöten. Das neue Erfolgsprodukt (und springen wir jetzt mal zur Verdeutlichung nach Deutschland) ist so etwas wie Rheinische Post Online, die sich nicht daran stören, dass ihnen das journalistische Format fehlt, um ein gutes Produkt abzuliefern, und dass sie zum Lachsack einer medienkritischen Kundschaft werden. Sie laufen Klickzahlen hinterher. Typisch: eine der Hauptverantwortlichen und ihre Berichte aus ihrer Freizeit in einem prätentiösen vollgefaselten Blog. Autorenleistung? Fehlanzeige. Wie sagt man hierzulande? When you live by the sword you die by the sword.

23. Juni 2009

Gutes Rad ist teuer

Es ist wirklich nicht so klug, sich mit Lance Armstrong anzulegen oder sich seinen Privatbesitz anzueignen. Der Heilige der Velo-Welt hat überall seine Freunde. Auch in Kreisen der Justiz. sonst wäre sicher nicht dieses Urteil zustande gekommen: Drei Jahre Gefängnis für den Mann, der vor ein paar Monaten in Kalifornien aus dem Astana-Lager Armstrongs Rad gestohlen hatte. Kein Schreibfehler: DREI Jahre Gefängnis.

Der Mann aus Texas hat trotz seines Comebacks viel Zeit. Neulich legte er sich per Leserbrief mit dem Wall Street Journal an und bestritt Aussagen, die ein Reporter über seine Rolle im Hintergrund eines Rechtsstreits zwischen Greg LeMond und dem Radhersteller Trek getroffen hatte. Wie immer, wenn er sich beschwert oder sich verteidigt, argumentierte Armstrong nicht besonders genau und faktenorientiert, sondern wie ein getroffener Hund mit Hirn, der hofft, dass die anderen Mitleid mit ihm haben, weil er bellt. Aber so kennen wir ihn – als großen Nebelwerfer vor dem Herrn. Beispiel aus dem Schrieb, den er auf seinem eigenen Blog komplett publizierte, nachdem sich die Zeitung weigerte, den ganzen Sermon ("generell gesprochen lag der Artikel auf vielen Ebenen unter einem Minimum an journalistischen Standards") zu publizieren.

Ein Beispiel für Armstrong und seine Verdrehungsmethode: "Wäre ich für Treks Verhalten verantwortlich, wäre ich in diesem Fall ein Beklagter; hätte ich mit böser Absicht seine Geschäftsaktivitäten behindert, wäre ich in diesem Fall ein Beklagter. Ich bin es nicht."

Das hatte die Zeitung aufgrund ihrer Recherchen geschrieben: "Die Zivilklage behauptet ebenfalls, dass Herr Armstrong mit böser Absicht andere Geschäftsaktivitäten von LeMond behindert hat."

Ehe wir das hier zu einem Seminar über die Kunst des Schreibens ausarten lassen: Das Blatt zitiert ein Rechercheergebnis. Armstrong zieht daraus seine eigene Schlussfolgerung, baut darauf eine Absurdität ("wäre ich in diesem Fall ein Beklagter") und bemüht sich auf diese Weise den Originaltext zu desavouieren. Armstrong ist nur deshalb kein Beklagter, weil LeMond ihn nicht vor den Kadi gezerrt hat. Das ist keine Frage der Rechtslogik, sondern eine der angewandten Rechtsmechanik. LeMond hat sich einfach ein anderes Ziel ausgesucht als den Mann, den er vor Monaten bei einer Pressekonferenz mit kritischen Fragen auf den Keks gegangen war.

Die Taktik von LeMonds Anwälten ist nicht schlecht. So versuchen sie, Armstrongs Ex-Frau Kristin im Rahmen des Vorverfahrens als Zeugin zu vernehmen. Sie soll beschwören, dass Lance einst bei einem Abendessen gesagt haben soll, er würde dafür sorgen, dass Trek LeMond in die Mangel nimmt. Die Radfirma stellte lange Jahre die Räder des dreifachen Tour-de-France-Siegers und ersten amerikanischen Radheroen her. Im letzten Jahr beendete sie die Geschäftsbeziehung vorfristig, offensichtlich weil LeMond erneut die alten Dopingvorwürfe an die Adresse von Armstrong aufgegriffen hatte. Trek ist auch Geschäftspartner von Armstrong, der wichtigsten Werbefigur des Unternehmens, und hatte einst LeMond abgenötigt, den Mund zu halten.

11. Juni 2009

Die Hügel der Maulwürfe sind unübersehbar

Setzen Sportblogs in den USA jetzt schon die Themen? Vielleicht noch nicht oft. Aber man wird den Verdacht nicht los, dass wir bald so weit sein werden. Zumindest wenn man sich anschaut, wie und auf welche Weise eine Generalverdachtsgeschichte zum Thema Doping in Philadelphia hochgespült wurde. Der Sportler, um den es geht, ist Baseballprofi Raul Ibanez von den Philadelphia Phillies, dessen Leistungswerte auffällig besser geworden sind – im stolzen Alter von 37 Jahren. Das wurde im Blog Midwestsportsfans thematisiert und nahm von dort aus ziemlich schnell Fahrt auf. Beim Philadelphia Inquirer, der alteingesessenen Tageszeitung, spitzte man die Sache zu, ließ Ibanez zu Wort kommen und watschte den Blogger ab. Von dort aus wanderte die Geschichte in die Fernsehsendung Outside The Lines bei ESPN, wo man sich anstrengt, kritische Gedanken zum Sport aufzugreifen.

Natürlich dient die Ereigniskette in erster Linie einem politischen Zweck: Die etablierten Medien zeigen den nachwachsenden jungen Medien bei einer solchen Gelegenheit gerne, dass sie das Verantwortungsbewusstsein in Person sind und weit davon entfernt wären, Gerüchte welcher Art auch immer in die Welt zu streuen. Aber mal abgesehen davon, dass die Etablierten viel und lange schlafen, wenn es um kritische Berichterstattung geht und darüberhinaus ebenso gerne Gerüchte fabrizieren, gibt einem diese Auseinandersetzung das Gefühl, dass sich die tektonischen Platten verschieben. Niemand wäre gezwungen gewesen, das Thema überhaupt zu vertiefen oder aufzuwerten. Aber in diesen Tagen, in denen Zeitungen schließen oder Stellen abbauen, kann man sich offensichtlich nicht mehr leisten, heiße Eisen nach Wunsch zu ignorieren. Denn so viel steht fest: Die Frage, ob Ibanez gedopt ist und ob die Tests in der Baseball-Liga wirklich viel bringen, ist legitim.

28. April 2009

Wie die Schimpansen am Lostopf

Ja, sischer, dat. Es gab vor ein paar Tagen eine Draft in der NFL. Und mächtig war die Meute jener, die vorher, während und nachhher nichts anderes unternommen haben, um ihren Senf dazu zu tun. Und das Resultat von all diesen Bemühungen? Die angeblichen Experten erzielen Trefferquoten eines Schimpansen, der einfach in den Topf gegriffen hätte. Im nächsten Jahr wird das niemanden dieser sogenannten Experten davon abhalten, das gleiche Spiel zu spielen. Das Karussell muss sich drehen. Und natürlich wird sich bis dahin zeigen, dass auch viele Clubs mit ihren Entscheidungen daneben lagen. Aber das ist etwas anderes. Die müssen für ihre Fehler wenigstens sportlich büßen. Die sogenannten Experten (vor alem die im Fernsehen) hingegen müssen für gar nichts büßen. Ein ähnliches Phänomen haben wir in der Berichterstattung vom Finanzmarkt erlebt und zwar vor allem bei der Arbeit des Senders CNBC. Die hätten doch vorher schon mal berichten können, dass an Wall Street der GAU bevorsteht. Aber dazu waren sie nicht in der Lage. Wurden die Leute nach Hause geschickt? Nur ein bisschen von Jon Stewart zur Rechenschaft gezogen und lächerlich gemacht. Das war alles.
The Daily Show With Jon StewartM - Th 11p / 10c
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