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19. September 2008

Ryder-Cup 2008: Das Problem Nick Faldo

Nach einer superben Bilanz von acht Siegen in acht Foursome-Matches hat Sergio Garcia am Freitagmorgen in Louisville in Spiel Nummer neun einen halben Punkt geholt und wenig etwas später etwas extrem Merkwürdiges erlebt: Dass man auf einem Platz wie Valhalla auf eine Art und Weise beerdigt werden kann, die den Ruf ruiniert. Denn niemand anderer als sein eigener Team Captain hatte die Schaufel in der Hand. Symbolisch gesprochen. Nick Faldo beschied, dass der Spanier am Samstagmorgen trotz solcher Credentials besser mal eine Runde aussitzt. Es muss eine Reaktion auf die Four-Ball-Niederlage vom Nachmittag an der Seite Miguel Angel Jiménez gewesen sein. Aber es war eine wilde Idee. Erst recht, wenn man berücksichtigt, dass seine Mannschaft nach den ersten acht Begegnungen überraschend klar mit 2 1/2 zu 5 1/2 zurücklag.

Die erste Frage lautet: Woran liegt es?
Ganz sicher nicht nur an Garcia oder am stärksten Spieler im Team, Padraig Harrington, der trotz guter Puttleistungen nicht mehr zusammenkratzte als einen halben Punkt. Sondern vor allem am Gegner. Die zwei Gespanne Phil Mickelson und Anthony Kim sowie Justin Leonard und Hunter Mahan wirken perfekt aufeinander abgestimmt. Sie holten dreieinhalb Punkte .

Die zweite Frage ist schwieriger: Wie geht's weiter?
US-Captain Paul Azinger verzichtete für die Foursome-Begegnungen am Vormittag auf jedwedes Experiment. Das sagt schon viel. Faldo bastelt und setzt auf den Engländer Oliver Wilson anstatt auf seinen persönlichen Pick Paul Casey. Wilson hatte Martin Kaymer im Rennen um den zehnten Platz in der Qualifikation knapp geschlagen. Faldo vermied es, den Journalisten vor Ort seine Maßnahme zu erklären. Wozu auch gehört, Lee Westwood, den oftmaligen Partner von Sergio, ebenfalls auf die Bank zu setzen. Die Medienleute aus Großbritannien hätten ihn sicher gerne so auseinander genommen wie die Amerikaner vor vier Jahren Hal Sutton. Darauf wird man nun leider warten müssen.

Ein Hinweis für alle, die nicht Premiere schauen können: Es gibt Public Viewing und Streams.

16. September 2008

Kaymer beim Ryder-Cup auf der Reservebank

Martin Kaymer hat Anfang des Jahres einem Wunsch von Nick Faldo Folge geleistet, was aus der Ferne ein wenig voreilig und allzu strebsam schien. Er ließ sich nicht lange vom europäischen Ryder-Cup-Captain bitten, der die Aspiranten für sein Team aufgefordert hatte, sich in England einem Fitness-Test zu unterziehen. Viel Zeit gab es nicht in Wentworth, um alles überprüfen zu lassen. Aber immerhin: Während sich der Mann aus Mettmann dem Examen unterzog, blieben andere der Übung lieber fern. Zu anstrengend? Wahrscheinlich.

Es existiert nämlich noch immer unter professionellen Golfern eine alte Form des Sportsgeistes, zu dem Zigarren und scharfe Getränke gehören und Rettungsringe aus Fleisch und Blut in Nabelhöhe. "Angewandte Wissenschaft", wie sie Nick Faldo anzuwenden versucht, betrachten diese Herren allenfalls im Fernsehen – auf dem National Geographic Channel. Dabei ist – jenseits aller Technik und Nervenstärke – längst belegt, dass man vor allem körperlich leistungsfähig sein muss, wenn man im entscheidenden Moment Leistung im Hirn abrufen will. Oder in den Worten von Faldo, der mittlerweile 50 Jahre alt ist: "Erschöpfung spielt bei Golfern, die an den ersten beiden Tagen 36 Löchern angehen, eine große Rolle. Ich will sicher gehen, dass wir da einen Vorteil haben."

Er hat nicht gesagt, dass er den Leibesumfang bei Spielern wie Darren Clarke oder Colin Montgomerie für ein Problem hält. Aber wenn man sich anschaut, welche zwei er nominiert hat, darf man zumindest spekulieren, dass Fitness und der Fitness-Test vom Anfang des Jahres eine Rolle gespielt hat. Er wählte Poulter und Casey aus. Und er setzte Martin Kaymer als Nummer 13 auf die Reservebank, von wo aus er mit großer Wahrscheinlichkeit drei Tage lang nur zuschauen wird. Denn es müsste schon jemand vorher krank oder verletzt ausfallen, sonst käme er nicht zum Einsatz. Sobald der Cup begonnen hat, wird nicht mehr eingewechselt. Dann greift eine andere Regel, die dafür sorgt, dass in den Einzeln am Sonntag der nicht betroffenen Mannschaft kein Vorteil erwächst (die erklären wir notfalls dann, wenn es dazu kommt). Wieder reagierte der 23-jährige genau richtig: Statt sich in Selbstmitleid zu aalen und zu schmollen, weil er die Qualifikation fürs Team nur knapp verpasst hatte, griff er zu und flog nach Kentucky. Und zwar mit Vergnügen, wie er am Rande der Mercedes-Benz-Championship in Gut Lärchenhof erklärte.

15. September 2008

Ryder-Cup 2008: Zwei Kapitäne, die sich nicht leiden können

Manche alten und sehr guten Golfplätze in den USA haben seltsame Namen: Medinah im Weichbild von Chicago ist ein solcher Fall. Denn so heißt die andere wichtige große Stadt in Saudi-Arabien, die dem Islam als Wallfahrtsort sehr viel bedeutet. Aber das war den Gründungsvätern vermutlich egal. Sie hatten Lust auf ein Clubhaus im byzantinischen Stil, das an eine Moschee erinnert und ließen nach Darstellung von Wikipedia auch noch ein paar orientalische, französische (aus der Epoche des Sonnenkönigs) und italienische Facetten hineinmischen. Fertig war die Laube. 2012 gastiert hier der Ryder-Cup.

Valhalla in Louisville im Bundesstaat Kentucky ist auch so ein wirres Konstrukt. Eine Anspielung an die nordische Mythologie und deren Bestattungsriten. Sicher, die Wikinger haben tatsächlich mal in langer Vorzeit in Schottland ihre Spuren hinterlassen. Und ja, manche Golfplätze sehen wie Friedhöfe ohne Grabsteine aus. Aber man braucht trotzdem viel Einbildungskraft, um eine Beziehung zwischen Wort und Wirklichkeit herzustellen. Schwamm drüber. Valhalla richtet den Ryder-Cup 2008 aus.

Der fängt am Freitag an und wird unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Hinfahren hat leider nicht geklappt. Also heißt das Motto: stundenlang Fernsehen schauen. Und sich schon mal darauf einstimmen, wie die beiden Mannschaften so ganz ohne Tiger Woods (und Colin Montgomerie) zur Sache gehen. Weil es an der Strahlkraft der Spieler mangelt, müssen vorneweg die beiden Captains das zitierfähige Material liefern. Und das tun sie gerne. Denn obwohl sie beide zwischendurch ziemlich kollegial als Fernsehkommentatoren nebeneinander saßen, können sie sich deutlich nicht riechen.

Azinger wirkt immer wie ein wuscheliger netter Mann, der mit einer sanften Stimme fast väterlich kleine Kinder zeiht. Faldo ist Mr. Klapptaschenmesser aus Schweizer Produktion: Er mag charmant in die Kamera blinzeln und etwas entspannter auftreten als einst auf dem Golfplatz, wo niemand so intensiv war wie er. Aber seine Rhethorik sticht, schnippelt, feilt und knipst ab. Je nach Bedarf.

Azinger, schreibt die Londoner Times, sei eigentlich eher der kriegerische Typ, durch und durch Republikaner, der nicht mal Golffanatiker Bill Clinton die Hand schütteln wollte, weil der sich seiner Ansicht nach damals in Zeiten des Vietnam-Kriegs um den Wehrdienst gedrückt hat. "Zinger" (so sein Spitzname) hätte demnach so etwas wie Prinzipien. Faldo hat solche Schmerzen nicht. Aber sicher viele gute Erinnerungen daran, wie die Amerikaner in all den Jahren beim Cup aufgetreten sind, wenn sie den Europäern ihre vermeintliche Großartigkeit unter die Haut reiben wollen. Obendrein hat der Engländer zwar einen exquisiten Ryder-Cup-Rekord als Spieler, aber in den Auseinandersetzungen mit Azinger gab's meistens Saures. Das hat Faldo ebensowenig vergessen. Mehr über die Rivalität in der New York Times. Mehr über den Cup in den folgenden Tagen.

1. November 2006

Azinger bekommt Zuschlag als Ryder-Cup-Captain

Wie langweilig, wenn immer alles so ausgeht, wie man sich das vorstellt. Aber die Vollzugsmeldung muss sein. Und hier ist sie: Paul Azinger wurde heute zum Captain des nächsten amerikanischen Ryder-Cup-Teams ernannt. Sein Job: 2008 im Valhalla Golf Club in Louisville/Kentucky den Europäern den Pokal streitig machen, den sie inzwischen im Abonnement halten. Azinger drängte sich nicht von seinem Leistungsportfolio her auf (er hat, wie sein Vorgänger Tom Lehman auch, nur ein Major gewonnen), sondern durch seine Popularität. Die stieg, als er vor ein paar Jahren an Krebs (Lymphoma) erkrankte und geheilt wurde. Sein Kontrahent steht bereits fest: der Engländer Nick Faldo, der als Spieler Europas beste Ryder-Cup-Statistik aufweist und zuletzt mit Azinger gemeinsam als Kommentator im amerikanischen Fernsehen agierte. Bälle mit Azingers Autogramm werden nun sicher im Wert steigen.
Blick zurück: Die Prognose in Sachen Azinger direkt nach dem Sieg der Europäer in Irland