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15. Januar 2010

Agent Zero geht mindestens sechs Monate ins Gefängnis

Gilbert Arenas wird ins Gefängnis gehen müssen. Das ist die Konsequenz eines Schuldgeständnisses, das er am Freitag vor Gericht in Washington abgelegt hat. Zum Strafmaß wird noch spekuliert. Aber unter sechs Monaten Freiheitszentzug gibt's für diese Verstöße gegen das Waffengesetz nichts. Das ist die Unterkante. Täter in schwereren Fällen erhalten bis zu fünf Jahren. Die nächste Frage: Werden sich die Wizards auf den Rahmentarifvertrag berufen und den mit insgesamt 111 Millionen Dollar bestens dotierten Vertrag aufkündigen? Ein Experte in einem Online-Chat der Washington Post wusste zu diesem Thema zumindest so viel: "Obwohl der Text auf Arenas Handlungsweise anwendbar scheint, hat noch keine Mannschaft die Klausel 16 [des Vertrags] erfolgreich umsetzen können. Zwei kleine Beispiele: Die Warriores habe das mit Latrell Srrewell versucht, nachdem er seinen Trainer gewürgt hatte. Ein Schiedsgericht entschied, dass das Verhalten war schrecklich sei, aber nicht notwendigerweise schwer genug, um seinen Vertrag aufzulösen. Das andere Beispiel war Vin Baker und die Celtics. Die Celtics haben ihm am Ende zu einem Buyout überredet, bei dem er ungefähr die Hälfte des Geldes erhielt, das ihm andernfalls im Rahmen seines Vertrages zustand. "

Der Klingbeutel: Kugeldumm

Ein sehr ordentliches Stück Journalismus am Rand des Sportgeschehens kann man seit heute auf der Seite des amerikanischen GQ lesen (The Dirtiest Player geschrieben von Jason Fagone). ESPN hat gleich nachgelegt. Mit dem Interview des Mannes, der den ehemaligen Football-Profi Marvin Harrison (Indianapolis Colts) beschuldigt hatte, auf ihn geschossen zu haben. Mit einem Mann, der nicht mehr lebt, weil er ebenfalls erschossen wurde. Schauplatz der Geschichte, eines der schlimmeren Viertel von Philadelphia. Nebenschauplatz: Polizei und Staatsanwaltschaft haben die Sache bisher allzu unmotiviert vorangetrieben. Jetzt wird womöglich das FBI mit einsteigen. Für Harrison sieht es nicht gut aus. Denn seine bisherigen Aussagen beim Verhör passen einfach nicht zusammen. Und eine Pistole, die ihm gehört, konnte mit Hilfe der Ballistik als ein Tatwerkzeug identifziert werden. Natürlich bestreitet Harrison, geschossen zu haben. Aber das heißt ja nicht, dass er es nicht trotzdem getan hat.

• Ein paar Kilometer weiter südlich hat die Staatsanwaltschaft hingegen reagiert. Und das obwohl keine Kugeln gefeuert wurden. Und obwohl niemand zu schaden kam. Die strengen Waffengesetze in Washington D.C. machen's möglich. Über dem Kopf von Gilbert Arenas hängt damit das Damokles-Schwert einer Gefängnisstrafe. Der erste Termin im Rahmen des Strafverfahrens steht für den heutigen Freitag an.

13. Januar 2010

Agent Zero hat nichts mehr zu lachen

Mit ein bisschen Verspätung. Dafür etwas gründlicher: Die Causa Gilbert Arenas, der nach einem ironisch gemeinten Auftritt neulich vor einem Spiel der Washington Wizards auf unbestimmte Zeit von NBA Commissioner David Stern gesperrt wurde. Der Artikel in der FAZ geht auch auf den Spannungszustand zwischen dem antiautoritären Aufbegehren junger Sportler ein, die sich über die Konsequenzen ihres Tuns nicht im Klaren sind, und einem paternalistischen Groß-Wesir, der nervös über alles wacht, was dem sauberen Image der Liga schaden könnte. Die Liste dessen, was in der NBA alles nicht erlaubt ist, ist ellenlang. Allerdings gehört auch das Waffentragen in einer Halle (oder im Mannschaftsbus) dazu. So steht es im Tarifvertrag, den sich die Spieler vermutlich nur selten genau genug anschauen. Sehr zu empfehlen zum selben Thema: Die ausführliche Kritik an Stern, die Tom Scocca in Slate formuliert. Untertitel: "Weshalb sich David Stern schlimmer benimmt als Gilbert Arenas". Kernaussage: "Waffengewalt ist ernst. Aber Gilbert Arenas ist nicht Waffengewalt. Wenn die letzten Berichte stimmen, war er unbewaffnet, der jemand anderem vorschlug, er könne ihn mit einer ungeladenen Waffe erschießen. Das war dumm und möglicherweise ein Verstoß gegen die Gesetze, aber nicht besonders gangsta. Wenn es um das Image der Liga geht, sollte sich der Commissioner weniger Sorgen über Ron Artest und mehr über Tim Donaghy Sorgen machen. Falls Arenas die Integrität der NBA bedroht, dann nicht durch seine Handfeuerwaffen, sondern weil er zu einer Gruppe von Stars gehört, deren Hang zum Wetten und zum Glücksspiel außer Kontrolle geraten ist."

Blick zurück: Arenas und seine Pistolen

26. Dezember 2009

Agent Zero weiß nicht, wie man mit Schusswaffen umgehen sollte

Die Haltung von Gilbert Arenas gegenüber Handfeuerwaffen war lange Zeit wohl ziemlich eindeutig: Haben ist besser als Nichthaben. Und registrieren derselben, wie das in einzelnen Bundesstaaten zum Teil verlangt wird, war nicht seine Sache. Siehe: die Episode aus jener Zeit in Kalifornien, wo die Gesetze etwas strenger sind und wo er sich 2003 eine Ordnungswidrigkeiten-Buße einhandelte. Dass man jetzt in der Umkleidekabine der Washington Wizards (die früher ironischerweise mal Bullets hießen) wieder Waffen fand, macht die Sache eher schlimmer. Nicht nur wegen der strikten Politik der NBA in solchen Dingen, sondern auch weil man in Washington D.C. mit dem Gesetz in Konflikt kommen kann, wenn man so etwas macht. Die Waffen waren angeblich nicht geladen. Und Munition hatte Arenas in seinem Spind wohl auch nicht aufbewahrt. Trotzdem klingt die Geschichte seltsam, die Agent Zero jetzt Reportern erzählte: Er habe die Knarren aus den Haus haben wollen und habe sie schlussendlich dem Sicherheitspersonal der Wizards-Halle gegeben, weil er sich von ihnen trennen wollte. Ein Konvertit sozusagen, der jetzt für seine Umsicht bestraft wird, weil er sich formaljuristisch falsch verhalten hat? Es gibt in den USA durchaus auch andere Möglichkeiten, seine Balerlmänner loszuwerden - auch ohne sie gleich in die Mülltonne zu werfen. Zwei fallen einem sofort ein: Man geht zur Polizei und gibt sie dort ab. Oder man geht zu einem Waffenhändler und verkauft sie ihm. Es ist allerdings in beiden Fällen besser, man hat sie legal erworben und kann das beweisen.

11. November 2009

Der Klingelbeutel: Triangle Offense mit Shaq und Agent Zero?

Shaquille O'Neal & Oscar De La Hoya Tape TV Show "Shaq Vs."
Neu-Clevelander Shaquille O'Neal, dessen gekittete Ehe wohl endgültig auseinandergeht, und die Verlobte von Gilbert Arenas haben angeblich einen anregenden E-Mail-Verkehr. Wie die Protokolle der Kommunikation zwischen den beiden (Textprobe: "as long as u taste me and make me cum LOL") an die Öffentlichkeit geraten sind, ist noch nicht klar. Oder ob sie überhaupt echt sind. Wir erinnern uns: Das letzte Opfer einer größeren gefälschten Kampagne in der NBA war der Franzose Tony Parker von den San Antonio Spurs. Auch hier wurden Textmessages als Pseudo-Belege für die behauptete Affäre vorgelegt. Die Schwierigkeiten in seiner Beziehung hatte Agent Zero einst in seinem Blog öffentlich gemacht (via Huffington Post, die seit neuestem auch eine Sportseite betreibt).

• Die Oakland Raiders sind im Begriff, den amtierenden Trainer Tom Cable herauszukomplimentieren, nachdem der in eine hässliche Szene verwickelt war, nach der ein Assistenzcoach einen gebrochenen Unterkiefer hatte. Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf eine Anklageerhebung, nachdem sie die Ermittlungen aufgenommen hatte. Bei Al Davis, dessen Team mit den Lions und den Rams um die Wette um die Laterne in der NFL spielt, gehört das Kappen von Vertragsverpflichtungen zum Alltag. Zur Auffrischung des Gedächtnisses: ein Link zu einem Beitrag für die FAZ über das Geschehen in Oakland in der vergangenen Saison.

• Gefühlte 150 Jahre nach dem Ende des amerikanischen Bürgerkriegs wurde in Mississippi den Anhängern der Universitäts-Footballmannschaft von Ole Miss in Oxford das Abspielen eines Instrumentals untersagt (“From Dixie With Love”), weil Zuschauer während der Darbietung den Schlachtruf anstimmen: "The south will rise again". Das erste ist harmlos, das zweite sowohl geschmacklos als auch verräterisch. So ähnlich wie die alte Südstaaten-Flagge, die sich die Konföderierten gaben, als sie 1861 die Abspaltung vom Norden betrieben. Die wird zwar heute gerne eher als Symbol für eine rebellische Haltung und einen unabhängigen Geist angesehen, wird aber von den Nachfahren der Sklaven, die damals befreit wurden, als kompletter Affront empfunden. Also ungefähr das, was Nicht-Deutsche erleben, wenn sie heutzutage die erste Strophe vom Lied der Deutschen hören. Die wurde durch die Assoziation mit den militärischen Überfällen der Nazi-Wehrmacht auf halb Europa komplett desavouiert. Und das obwohl Textautor August Heinrich Hoffmann von Fallersleben mit seinem "Deutschland, Deutschland über alles" einen ganz anderen Gedanken verband.

31. März 2009

Der Klingelbeutel: Plaxico muss rein, Vick kommt raus

Mr. Plaxico Burress hat eine Frist bekommen, in der er die frische Luft da draußen in New Jersey noch ein bisschen genießen kann. Der Wide Receiver der New York Giants, der sich neulich mit einer illegal herumtransportierten Schusswaffe in einer Kneipe ins eigene Fleisch schoß, muss mit Gefängnis rechnen. Alles sieht nach einem Geständnis und einer Vereinbarung mir der Staatsanwaltschaft aus (plea bargaining). Einen Prozess will der Footballprofi wohl nicht riskieren.

• Mr. Michael Vick wird demnächst (im Mai) das Gefängnis verlassen können, weil er seine Strafe wegen Tierqäulerei abgesessen hat. Heute lief die Meldung über eine Einigung zwischen ihm und seinem alten Team, den Atlanta Falcons, über den Ticker. Der Club erhält Geld von ihm. Viel Geld: 6,5 Millionen Dollar. Auf diese Weise kommt der Quarterback aus seinem alten Vertrag heraus und kann seine Dienste anderen Mannschaften in der NFL anbieten. Für diese Dienste rechnet er mit einem Salär von 10 Millionen Dollar pro Jahr. Davon müsste er allerdings einen erheblichen Teil bei seinen Schuldnern abliefern. Er hatte vor einer Weile privat Konkurs angemeldet, weil er zahlungsunfähig wurde.

• Es gab den Pferdeflüsterer in Buchform und dann mit Robert Redford im Kino (nicht zu vergessen mit einer gewissen Scarlett Johansson, deren riesiger Schmollmund quasi über allem schwebte). Dann kam der Dog Whisperer, der Hundebesitzern hilft und auf einem Kabelkanal tief hinten im Sendergestrüpp einen Köter nach dem anderen an die Kandarre nimmt. Die nächste Flüstertüte ist ein ehemaliger Anwalt ohne brauchbare sportliche Erfahrung, dem einige NBA-Profis trauen, wenn sie ihr Spiel verbessern wollen. Ihn nennt man den Hoops Whisperer. Seine Methoden sind noch unkonventioneller als die des Nowitzki-Mentors Holger Geschwindner. Und das will was heißen. Ausgegraben hat ihn das Wall Street Journal. Zu seinen Kunden gehören: Carmelo Anthony (Denver Nuggets), Jason Richardson (Phoenix Suns) und Gilbert Arenas (Washington Wizards), um den es zuletzt etwas sehr still geworden ist. Idan Ravin heißt der Zauberer.

• Im Internet sind noch Stellen frei. Auch für Sportschreiber, die bei den Printerzeugnissen keine Zukunft mehr sehen. AOL Fanhouse hat gerade sechs Leute angestellt.

2. September 2008

Wer die Wahl hat....

Basketballprofis in den USA haben ihre Ansichten. Mit denen über Politik halten sie gerne hinterm Berg. Die alte Angst, dass sie damit eine Gruppe von Sportfans mit ihrer Meinung vor den Kopf schlagen könnten, lässt sich nicht ausrotten. Umso bemerkenswerter: die beiden Blogger Gilbert Arenas, der bereits über seine privaten Verhältnisse sehr offen geschrieben hat, und Baron Davis, der ab der kommenden Saison bei einem anderen Club spielt: den Los Angeles Clippers. Es sind keine Geniestreiche, was die beiden verzapfen, aber kleine Farbtupfer in einer Welt, die eben einfach aus mehr besteht als nur aus dem quietschenden Geräusch von Schuhen auf Hallenböden und dem dumpfen Klang eines Balls beim Dribbling (via The Big Lead). Die Begründung von Arenas, dass er nicht wählt, weil er nicht registriert werden will, damit er nicht als Geschworener in einem Prozess herangezogen werden kann, ist übrigens von keiner Sachkenntnis getrübt. Obwohl nur amerikanische Staatsangehörige wählen und sich registrieren und nur amerikanische Staatsangehörige als Geschworene zum Einsatz kommen dürfen, weiß ich aus eigener Erfahrung, dass das regional zuständige Gericht seine Benachrichtungsschreiben auch an Leute richtet, auf die diese Kriterien nicht erfüllen. Sie müssen ihre Namenslisten also aus anderen Quellen beziehen. Ich würde sehr gerne mal die Erfahrung machen und in einer Jury sitzen und mit anderen zusammen Recht sprechen. Aber leider....

26. November 2007

Wenn bei Agent Zero etwas kaputt geht, dann gleich richtig

Wer schon immer mal wissen wollte, wie ein Mann, der sein Leben von innen nach außen gedreht hat, mit der Trennung von seiner Freundin fertig wird, sollte sich mal den Blog von Gilbert Arenas anschauen. Nur wenig Gesülze. Nur wenig Herzschmerz und dies und das. Einfach nur eine - fast- sachliche Abarbeitung einer Krise. Jetzt fehlt eigentlich nur der Standpunkt der Gegenseite (und die Erinnerung an diese Äußerung über Sex mit Halle Berry).

Bei Arenas läuft's nicht gut dieser Tage. Agent Zero, zwischendurch wegen seines Humors und seiner Präsenz auf dem Spielfeld eine Art Jim Knopf der NBA (neben David Stern, der Lukas, den Lokomotivführer gibt) fällt nach einem erneuten Eingriff am Knie auf jeden Fall drei Monate aus. Es gibt Kommunikationsprobleme mit dem Club in Sachen Vertragsverlängerung. Und eine unglaublich schreckliche Ansammlung an neuen adidas-Werbespots, die zeigen, wie man einen verwundeten Krieger mit Hang zum Clown NICHT veräppeln sollte.

Wieviel besser geht da Nike mit Steve Nash um. Der darf zeigen, wie er mit dem Fußball umgeht. Die meisten Bilder wurden im Sommer in New York gedreht, als Nash auch sein Interview für die große Geschichte in der New York Times gab.

14. Oktober 2007

...oder Sex?

Das ist doch mal eine Idee für junge Reporter, die die Gelegenheit bekommen, einen ziemlich berühmten Sportler zu interviewen: Die Frage nach dem Qualitätsunterschied zwischen Sex und einem verwandelten Fallrückzieher, zwischen Sex und dem Gewinn einer Alpenetappe, zwischen Sex und dem Sieg im Hahnenkammrennen, zwischen Sex und dem ersten Platz beim Grand Prix in Monte Carlo. Man kann das auf jede Sportart ausdehnen und bekommt vermutlich nie eine gelangt. Und wenn man Glück hat, bekommt man sogar eine Antwort wie diese von Gilbert Arenas, der von einem Abgesandten des völlig unbedeutenden Magazins complex gefragt wurde (webexklusiv wohlgemerkt):
"Was fühlt sich besser an, Sekunden vor Schluss einen Korb zum Sieg zu erzielen [auf Englisch kurz und knapp: buzzer beater] oder Sex?
Gilbert Arenas: Verdammt. Weißt du was? Ein buzzer beater, weil es schwer ist. Sex kannst du jeden Tag haben. Wenn es Sex mit Halle Berry wäre? Dann würde ich allerdings Halle Berry sagen."
(via si.com)

Wer wissen will, wen er für Frau Berry von der Bettkante schubsen würde und welche Probleme Arenas in seiner gegenwärtigen Beziehung abarbeitet, sollte mal diese Geschichte lesen (Foto von Freundin Laura weiter unten).

2. Oktober 2007

Agent Zero setzt auf Zeichentrick

Wenn es nicht im Blog von Dan Steinberg ausführlich abgehandelt würde, wäre die erste Reaktion auf die Info: Das muss sich um einen Scherz handeln. Gilbert Arenas plant eine neue Zeichentrickfernsehserie für Kinder und Teenager? Aber warum eigentlich nicht? Der Mann der Washington Wizards ist schon längst mehr als ein normaler Basketballprofi, sondern so etwas wie eine kuriose überlebensgroße Figur, der manchmal so aussieht, als existiere er vor allem in seinem eigenen Film. Das Projekt unter dem Titel Gazo the Pranksta wurde offensichtlich kurzfristig gestoppt, weil Agent Zero die Dialoge nicht scharfsinnig genug sind. Die Konkurrenz und Vergleichsmöglichkeiten sind schließlich nicht von schlechtern Eltern. Da sind The Simpsons, Family Guy und vor allem South Park, wo man sich mit dem gleichen Milieu beschäftigt, das Arenas im Auge hat: den Schulalltag.

28. September 2007

Agent Zero: Der Bilderbuch-Blogger spricht

Unter den Leuten, die die NBA verfolgen, hat sich Gilbert Arenas und sein Blog schon vor einer Weile herumgesprochen. Agent Zero ist der Inbegriff des bloggenden Athleten, der nicht ein interessantes Leben führt, sondern auch eine Meinung vertritt und am Ende darüber schreibt. HALT. Er schreibt nicht selbst. Es gibt da einen Ghostwriter. So steht's in einem Interview mit Deadspin, das Bloggerkollege Will Leitch geführt hat. Aber das wirklich erstaunliche, das das Gespräch produziert hat: Andere Profi-Basketballer haben keinen Dunst, was das mit Blogs auf sich hat und wie diese Mitteilungen an die Welt ihren Beitrag zur Popularitätssteigerung eines Sportlers leisten können. Der beste Mann der Wizards weiß das durchaus. Der Rest lebt wie im Nebel ohne eine Vorstellung davon, wie sich die Medienlandschaft derzeit verändert.

6. August 2007

Agent Zero hat null Verständnis für Leute, die ihm auf die Finger klopfen

Wir haben uns hier schon mehrfach mit der bloggenden Figur Gilbert Arenas beschäftigt, was daran liegt, dass es nur wenige Sportprofis mit Profil gibt, die kaum ein Blatt vor den Mund nehmen und dabei noch witzig wirken. Seine Kreativität schien spontan und authentisch. Die Hoffnung darf man inzwischen getrost beerdigen. Agent Zero bedient sich ganz offensichtlich so wie einst Udo Lindenberg gerne bei anderer Leute Material. Wie bei diesem Text über Haie und Menschen. Und nicht nur das. Er findet es nachgerade störend, daran erinnert zu werden. Das gute alte Urheberrecht oder der Hinweis auf die Quelle ist in der Welt von Arenas nicht vorgesehen (Merke: "Ich bin kein Dieb. Ich habe es nur wiederverwertet.") Seine arrogante Replik: Er habe den von ihm beklauten Komiker erst durch diese Affäre bekannt gemacht. Immerhin. Nun wissen wir endlich, dass die Idee für die Vokabel Hibachi ebenfalls von jemand anderem abgekupfert ist. Agent Zero, die Blogger werden dich über kurz oder lang zerreißen, wenn du so weitermachst.

5. April 2007

NBA: Agent Zero ist kaum aus der OP, da bloggt er bereits

Keine Ahnung, was die Washington Wizards in diesem Jahr in den Playoffs gerissen hätten, wenn er dabei gewesen wäre. Nur soviel war seit Monaten klar: die Eastern Conference ist in dieser Saison so schwach, dass jede Mannschaft ins Finale kommen kann. Aber die besagten Wizards sicher nicht. Denn Gilbert Arenas wurde am Sonntag bei einem Zusammenprall mit Jake Voskuhl von den Charlotte Bobcats so schwer am Knie verletzt, dass er mindestens zwei Monate ausfällt. Die notwendig gewordene Meniskusoperation fand bereits statt. Den besten Informationsstand hat Don Steinberg ("Mr. Stone Mountain") vom D. C. Sports Bog, der berichtet, dass Arenas schon wieder bloggt. Bei den Wizards fehlt außerdem Caron Butler wegen einer gebrochenen Hand. Zum Trost hier der Werbespot von adidas. Der Sportausrüster hatte zuletzt eine ganze Serie mit Fußballern wie David Beckham und Lionel Messi und der Sprinterin Allyson Felix unter der Tagline "Impossible Is Nothing" herausgebracht. Darin erzählen die Stars jeweils, wie schwer es ihnen anfänglich in ihrer Karriere ergangen ist, und fabrizieren kleine und große Kinderzeichnungen, deren Charme die dünnbrüstige Theorie "Schwierigkeiten überwinden macht groß, stark und reich" auf attraktive Weise übertüncht.

Adidas hat eines dieses heute üblichen Extras - "Blick hinter die Kulissen der Werbespot-Studio-Session" - mit all den Sportlern ins Netz gestellt. Auch das Video ist zumindest einen Klick wert.

11. Februar 2007

Was hat Barack Obama mit Agent Zero zu tun? Jeder Außenseiter kämpft sich auf seine Art nach oben

Was die öffentlichen Sympathiebekundigungen wert sind, die jemanden dazu aninieren, sich um das Amt des amerikanischen Präsidenten zu bewerben, wird sich erst in den nächsten Monaten zeigen. Die Vorwahlen beginnen in einem Jahr. Dies ist die Zeit, um die Wassertemperatur zu testen und herauszufinden, ob man überhaupt das Geld auftreiben kann, um den Wahlkampf durchzustehen. Das gilt insbesondere für Senator Barack Obama, der am Samstag im eiskalten Springfield/Illinois offiziell seine Kampagne einläutete. Sein stärkster Gegner ist eine Frau: Hillary Clinton, ehemalige First Lady, inzwischen ebenfalls im Senat, ausgestattet mit den besten Verbindungen und einer halbgaren Position zum Krieg im Irak. Ein Umstand, der ihr innerhalb der eigenen Partei noch sehr viele Schwierigkeiten bereiten wird.

Die Obama-Euphorie hat US-Blogger Dan Shanoff inspiriert, ihn mit einem anderen neuen Sympathieträger zu vergleichen. Überschrift: "Ist Barack Obama der Gilbert Arenas der Politik? (Oder ist vielleicht Arenas der Obama der NBA?)" Arenas von den Washington Wizards ist der faszinierendste Spieler der Eastern Conference in dieser Saison und selbst ein Blogger. Das Interesse an ihm steigt permanent, seitdem ihn der Trainerstab der US-Mannschaft vor der Basketball-WM in Japan im Rahmen einer letzten Streichaktion aus dem Kader warfen (die offizielle Begründung: eine Verletzung).

Bei Coach K (siehe hier und hier) kann er sich nicht revanchieren. Der trainiert die Collegemannschaft von Duke. Braucht er auch nicht. Duke spielt in dieser Saison so schlecht wie schon lange nicht mehr. K's Assistenten allerdings werden von Arenas (Spitzname Agent Zero, eine Anspielung an seine Rückennumer 0) auf eine deutliche Weise vorgeführt: Im Dezember machte er gegen die Phoenix Suns (Coach Mike D'Antoni) 54 Punkte - eine Basketballshow ersten Ranges. Für das heutige Spiel gegen die Portland TrailBlazers (Coach Nate McMillan) hat er 50 Punkte angekündigt. (Nachtrag: Das ging schwer in die Hose. Er holte ganze neun Punkte und die Mannschaft verlor das Match.)

Zurück zu Shanoff und seiner Betrachtung über Arenas und Obama:
• "Beide werden von fast allen geliebt und respektiert" - Obamas Buch ist Nummer eins der Bestsellerliste, Arenas wurde von den Fans in die Startaufstellung der Eastern Conference beim All-Star-Spiel in Las Vegas gewählt.
• Beide wirken zugänglich und medienbewusst: Man denke nur an Arenas' spontanen Dreier-Wettstreit mit Wizards-Teamkollege DeShawn Stevenson (siehe unten), bei dem es um 20.000 Dollar ging. Mehr als 200.000 Menschen haben es bereits gesehen.

• Obama wäre der erste schwarze Präsident der USA. Gilbert Arenas nennt sich selbst The Black President auf seiner MySpace-Seite.
• Beide haben noch nicht sehr viel geleistet. Obama ist er seit zwei Jahren in Washington. Arenas hat bisher in den Playoffs noch nichts reißen können.
• Sie führen beide nicht in den Umfragen, mit denen alles steht und fällt. Obama liegt hinter Clinton zurück. Arenas ' Name fällt nichts als erstes, wenn über MVP-Ehren gesprochen wird (Steve Nash, Dirk Nowitzki, LeBron James werden höher gehandelt).

Das Wall Street Journal hat am Freitag eine ausführliche Würdigung von Arenas gebracht. Überschrift: "More Than Zero". Ein hübsches Zitat aus dem langen Beitrag: "Die Fans nennen es es 'Gilbertology'. Das Wort bezieht sich auf Mr. Arenas' weitschweifigen, auf ungewöhnliche Weise öffentlich zugänglichen Gedankenprozess, der unredigiert zum Vorschein kommt, wenn er redet." Der Artikel erhält einen Hinweis darauf, weshalb er die Nummer 0 trägt: Er hat schon immer mit Zweiflern zu kämpfen gehabt. Null Minuten, so wurde ihm prophezeit, würde er für die Mannschaft der Universität Arizona spielen. In seinem zweiten Jahr schaffte es die Mannschaft bis zu den Final Four. Arenas war die treibende Kraft.