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15. Juli 2010

Armstrongs Geschichten haben kurze Beine

AVORIAZ, FRANCE - JULY 11: American Lance Armstrong with team RadioShack speaks to the media following the end of stage eight of the Tour de France July 11, 2010 in Avoriaz , France. Armstrong crashed twice and lost 11 minutes to the leading group. The 189 km route through the Alps features two first category climbs from Station Des Rousses to the small alpine town of Morzine Avoriaz. Andy Schleck of Luxembourg from team Saxo Bank won the stage while Australia's Cadel Evans took over the race leader's yellow jersey. The iconic bicycle race will include a total of 20 stages and will cover 3,642km before concluding in Paris on July 25. (Photo by Spencer Platt/Getty Images)
Wenn Leute anfangen müssen, die entscheidenden Kleinigkeiten in ihrem Leben zu vernebeln und wegzudiskutieren, tun sie das oft, weil sie sich in der Vorstufe zu einer schwierigen Lage wähnen. So produziert der Mensch beim Versuch, Dinge zu erklären, die man gar nicht erklären kann, weil sie ganz anders abgelaufen sein müssen, eine fatale Tendenz zum Umgang mit der Wahrheit oder sagen wir besser mit der Wahrhaftigkeit. So wie heute der Anwalt von Lance Armstrong, der in Vertretung seines Mandanten die Glaubwürdigkeitskrise meistern soll, in die der Radfahrer geraten ist.

Armstrong war am Mittwochmorgen vor der zehnten Etappe der Tour de France nach seinen Anteilen an der Radsport-Managementfirma Tailwind gefragt worden, die das US Postal Team aufgezogen hatte, in dem er einst mit Floyd Landis an den Start ging. Und was sagte er in vielen, vielen Worten, die aus seinem Mund immer so farbig und gleichzeitig so eindeutig klingen und so, als ob der Rest der Welt zu doof ist, die Handlungsweise des siebenfachen Tour-Siegers zu verstehen: "Die krasseste Sache ist das Missverständnis, dass ich der Besitzer des Teams war. Das ist komplett falsch. Kein Besitzer, ganz und gar nicht. Es war nicht meine Firma. Ich kann es euch gegenüber nicht klar genug sagen. Ich hatte keine Stelle inne. Ich hatte keinen Anteil. Ich bekam keine Gewinnausschüttung. Ich saß nicht im Vorstand. Ich war ein Fahrer im Team. Klarer kann ich es nicht sagen."

Vielleicht sagt er solche Sachen, weil er denkt, dass der Rest der Welt zu doof ist, seine Einlassungen zu überprüfen. Oder weil er über die Jahre viele Leute in seinem Umfeld eingeschüchtert hat, die Angst bekamen vor dem langen mächtigen Arm seines Einflusses in der Branche. Auch die amerikanischen Medien haben sich lange Zeit als Cheerleader von Armstrong verstanden, weil sie einfach glauben wollten, dass er stets sauber war. Dass die Franzosen einfach nur gehässig waren und ihn zu Fall bringen wollten, weil er Amerikaner ist. Und dass die wenigen Menschen, die den Mut hatten, auszuplaudern, was sie wussten, irgendein niederes Motiv verfolgen. Obwohl sie mit ihren gegen Armstrong gerichteten Aussagen ihre beruflichen Aussichten gefährdeten.

Tempi passati. Es dauerte gestern nicht sehr lange, da hatten die ersten fleißigen Blogger und Reporter die entsprechenden Stellen im Protokoll der Vernehmung von Lance Armstrong in einem Schiedsgerichtsverfahren von 2005 gefunden. In der hatte er unter Eid etwas ganz anderes gesagt. So war also in ein paar Stunden war er und dieser ganze pseudo-puritanische Ernst desavouiert. Und das steht so in vielen Zeitungen. Auf die Frage des gegnerischen Rechtsanwalts, ob er einen Anteil an Tailwind halte, antwortete er damals: "Einen kleinen." Auf die Bitte hin, das zu präzisieren, sagte er: "Vielleicht zehn Prozent." Genaues über den Zeitpunkt seines Geschäftseintritts konnte er nicht mitteilen. Er wirkte so, als ob ihm die Details einer solcher geschäftlichen Beziehung eher wenig interessierten. So hackte der Anwalt nicht weiter darauf herum:
"Wer würde die Antwort wissen, wann Sie einen Anteil an Tailwind erworben haben?", wollte er wissen
Armstrong verwies auf seinen Manager und nannte dessen Namen: "Bill Stapleton."
"Ist das schriftlich dokumentiert? Gibt es einen Anteilsschein oder andere Papiere, die Ihren Anteil an Tailwind bestätigen?"
Armstrong: "Ich bin sicher, dass es das gibt."

Heute nachmittag versuchte Armstrong Anwalt Tim Herman den offensichtlichen und markanten Widerspruch zwischen den beiden Aussagen wegzuerklären. Der Radfahrer habe zwar laut Vorstandsbeschluss aus dem Jahr 2004 einen Anteil erhalten sollen, der wurde aber erst im Dezember 2007 vergeben. Interessant, denn das widerspricht Minimum der Aussage des erwähnten Bob Stapleton aus dem September 2005, der damals in der gleichen Sache vernommen wurde und folgendes erklärte: Armstrong sei einer von zehn oder 15 Tailwind-Partnern. Sein Anteil: 11,5 Prozent. Darauf dass auch diese Aussage unter Eid von damals nicht zur der heutigen Einlassung passt, ging Herman nicht ein. Gleich zwei Leute haben sich damals geirrt? Und war dann auch die Aussage von Stapleton falsch, wonach Tailwind vom Winter/Frühjahr 2003/2004 an von Stapletons Firma Capital Sports & Entertainment gemanaged wurde, an der Armstrong einen beachtlichen Anteil hatte? Auch das wissen wir aus den Protokollen der Vernehmung von 2005. Für die Managementrolle erhielt CSE einen Anteil an Tailwind von 11,5 Prozent.

Ehe wir uns in den Details verlieren, hier noch mal das Ganze vereinfacht: Armstrong bestreitet heute, was er und sein Manager 2005 unter Eid ausgesagt haben. Warum? Weil er gehört hat, dass ihm die ermittelnden Behörden, die die Landis-Vorwürfe ernst nehmen, als Teilhaber einen Anklage wegen Betrug und Verschwörung an die Kappe heften wollen. Also wird bestritten, dass er Teilhaber war. Interessant ist aber auch, mit welcher Nebelkerze sein Anwalt heute gearbeitet hat. Danach soll Armstrong Ende 2007 Anteilseigner von Tailwind geworden sein, obwohl die Firma just zu diesem Zeitpunkt ihre einzige relevante Einnahmequelle einbüßte - das Sponsorengeld des Discovery Channel? Das Discovery Team war schon vorher aufgelöst worden.

Erneut dauerte es nicht lange, bis heute ein amerikanisches Medien-Outlet – NBC Sports – diesen Sachverhalt aufdeckte und damit aufzeigte, dass sich Lance Armstrong beim Bau seiner Kartenhäuser einen schlechten Architekten ausgesucht hat: sich selbst. Der Druck der staatsanwaltlichen Ermittlungen und der ziemlich präzisen Beschuldigungen von Floyd Landis werden nicht weniger, sondern mehr. Eine Firma namens Tailwind Sports Corporation, die in Kalifornien registriert worden war, führte übrigens seit 2002 als Adresse die gleiche Anschrift wie Capital Sports & Entertainment und ein von Armstrong aufgemachter Fahrradladen.

Zur Einordnung: meine Geschichte für die Freitagausgabe der FAZ. Dazu der Hinweis auf ein informatives Interview von Sebastian Moll mit einem amerikanischen Spezialanwalt für dopingbeschuldigte Sportler in der Financial Times.

30. Juni 2008

Landis und ein Ende is'

Klappe zu. CAS hat gesprochen. Floyd Landis hat gedopt. Das Labor hat akzeptabel gearbeitet. Die Versuche seiner Anwälte, die Arbeit der Dopingfahnder zu diskreditieren, verdienen was auf die Augen. Wir sehen uns wieder im Januar 2009, wenn die zweijährige Sperre des Amerikaners ausläuft und er zum ersten Mal seine schon nicht mehr ganz neue, künstliche Hüfte unter Wettkampfbedingungen testen kann. Wir haben das Thema so ausgiebig durchgekaut, dass die pauschale Empfehlung an alle, die es nacharbeiten wollen, lautet: Es möge die Versatzstücke aus dem American-Arena-Archiv nachlesen, wer noch immer nicht genug hat. Von Landis.

18. März 2008

Landis: Alles noch einmal von vorne

Irgendwann zwischen all den Elogen auf den Ritter der Landstraße und den unablässigen Versuchen, ihn vor den schwersten Angriffen in Schutz zu nehmen, muss dem amerikanischen Autor und Radsportexperte Martin Dugard doch noch ein Licht aufgegangen sein. Kein großes. Denn dazu war er viel zu lange von den verwinkelten Facetten der klassischen Aufsteiger-Biographie von Floyd Landis gefangen. Aber ein kleines. Und also beschloss er, einen Artikel zu schreiben, der letzte Woche, nur wenige Tage vor dem Beginn der Berufungssverhandlung in der Dopingsache Floyd Landis in einem Lifestyle-Magazin in Kalifornien erschien und in der Radszene für Aufsehen sorgte.

Der Text enthält keine sensationellen Erkenntnisse. Außer vielleicht jenem hingeworfenen Zitat, mit dem Dugard zum ersten Mal andeutet, dass Landis wohl schon immer mehr über illegale Substanzen gewusst hat, als er öffentlich zugibt: “Nur dass du es weißt, Marty”, hat der 32-jährige Sportler seinem Bewunderer mal in einem achtlosen Moment in einem Restaurant in Kalfornien gesagt. “Lance hat gedopt.” Es war denn auch weniger der Mangel an handfesten Informationen, der die große Fangemeinde des berühmtesten Manipulateurs in der Geschichte der Tour de France in Wallung brachte. Sondern dass er am Ende erklärte, dass ein Mann mit seinem Wissensstand auf gar keine andere Schlussfolgerung als diese kommen kann: “Denkst du, dass er es getan hat? Ja.”

Das Schiedsmännergremium des Court of Arbitration of Sports (CAS), das ab Mittwoch in einer Anwaltskanzlei in New York mit einer auf sechs Tage angesetzten Beweisaufnahme den Fall Landis noch einmal aufrollt, könnte durchaus zu einem anderen Urteil kommen. Denn das Sportgericht wird sich nicht darauf beschränken, die rechtmäßige Abwicklung des erstinstanzlichen Verfahrens zu bewerten, das im September des letzten Jahres mit einem Schuldspruch und einer Sperre bis zum Januar 2009 endete. Bei der neuerlichen Verhandlung wird alles ganz genau ein zweites Mal durchgenommen, um zu bestimmen, ob Landis auf der 17. Etappe der Tour 2006 nach Morzine synthetisches Testosteron im Körper hatte und ob das französische Labor, das den Nachweis führte, korrekt gearbeitet hat.

Der größte Unterschied zum ersten Verfahren in Santa Monica vor knapp einem Jahr, das mehr als eine Woche dauerte und eine 84 Seiten starke Urteilsbegründung produzierte: Die Öffentlichkeit ist diesmal, so wie sonst auch, ausgeschlossen. Und sie ist darauf angewiesen zu spekulieren. Immerhin wollen die CAS-Juroren am Ende der Beweisaufnahme in New York einen verbindlichen Termin dafür nennen, wann sie ihre Entscheidung verkünden wollen.

Während dessen hat Dugard erfahren dürfen, was es heißt, “der Prügelknabe dieser Quasi-Radsportfans” zu sein, die glauben, dass “Fahrer aus jedem anderen Land dopen, nur nicht aus Amerika”. Früher hat er von dieser engstirnigen Haltung durchaus profitiert. Sein Buch “Chasing Lance”, das den siebten Tour-de-France-Erfolg von Armstrong im Jahr 2005 unkritisch beschreibt, verzichtet auf die Auseinandersetzung mit dem Kernthema des Radsports.

Dabei signalisiert die wetterwendische Neuorientierung des Autors nicht mehr als einen Stimmungswandel im ganzen Land. Der geht vor allem auf die Meineidprozesse zurück, die als Ausläufer der BALCO-Ermittlungen Sportler wie Marion Jones ins Gefängnis gebracht haben. Ein ähnliches Schicksal versucht übrigens derzeit in San Francisco die ehemalige Radfahrerin Tammy Thomas abzuwenden. Sie war ebenfalls am Rand der staatsanwaltlichen Untersuchungen gegen Victor Conte und das von ihm vertriebene THG ins Räderwerk der Justiz geraten. Sie bestitt unter Eid, Mittel aus der Fabrikation des inzwischen ebenfalls verurteilten Steroid-Designers Patrick Arnold genommen zu haben. Inzwischen wurde im Rahmen der Anklageerhebung bekannt, dass sich bereits ihre Ärztin im Jahr 2000 besorgt darüber geäußert hatte, dass sich bei der Bahnradfahrerin der Bartwuchs eines Mannes eingestellt hatte und ihre Stimmlage in ein tieferes Fach gesunken war.

Thomas, die im zweiten Semester Jura studiert, bekannte sich im ersten Verfahrensgang erneut nicht schuldig. Die Beweisaufnahme beginnt am 24. März. Der Prozess wird vor allem von den Anwälten des Baseballprofis Barry Bonds mit großem Interesse verfolgt. Denn ihr Klient - ebenfalls im Rahmen der BALCO-Ermittlungen unter den Verdacht des Meineids geraten – ist als nächster an der Reihe. Die Verteidiger erhoffen sich Einblick in die taktische Vorgehensweise der Anklagevertreter, die bislang noch in keinem Fall ihr Arsenal auf den Tisch legen mussten. Alle Fälle endeten bislang mit Teilgeständnissen der Beschuldigten.

3. Oktober 2007

Der geistige Erbruch vom Herrn Armstrong

Irgendwo genau zwischen den Augen unter hinter der Stirn muss eine Stelle in meinem Gehirn sitzen, an der die ganze Arschigkeit von Lance Armstrong noch jedes Mal einen Impuls auslöst, sobald der Mann nur den Mund aufmacht und die Nachricht über den geistigen Erbruch über den Bildschirm kommt. Es ist wahrscheinlich pathologisch. Denn eigentlich könnte einem ein Radrennfahrer aus Texas so was von egal sein. Genauso wie in jener Zeit, als er noch keinen Krebs hatte und noch nichts bei der Tour de France gewonnen hatte und noch nicht dieses Prinzip an den Tag legte, wonach seine Logik die verbindliche sei. Und ich meine Logik mit Anführungszeichen. Denn mit den Grundsätzen abendländischer Denkkultur hat das nur die Sprache und Grammatik gemein, nicht jedoch die Reflektion über Konstellationen wie Ursache und Wirkung, Wissenschaft und Forschung, und unser Rechtsverständnis, das sehr viel feinsinniger daher kommt, als sich das in dem Grundsatz manifestiert: im Zweifel für den Angeklagten.

Aber Armstrongs Logik hat Durchschlagskraft. Am Anfang konnte er behaupten, die negativen Tests seien Beweis dafür, dass er nicht dedopt war. Als Tests von altem eingefrorenen Urin belegten, dass er gedopt war, attackierte er den Modus des Verfahrens. Als ihm eine Versicherung mehrere Millionen Dollar schuldete, attackierte er im Zivilprozess die Glaubwürdigkeit der Zeugen, die hinreichend Indizien für seine Vorgehensweise vorgebracht hatten, und einigte sich gütlich. Die Nebelkerzen seiner angeblichen Verleumdungsprozesse gegen Buchautoren in Europa sind alle abgebrannt. Der von ihm zum Extrem-Buhmann hochstilisierte Dick Pound von der Wada tritt ab. Was bleibt noch? Wie wär's mit einem ganz frischen Statement darüber, dass ein normales amerikanisches Zivilgericht mit Geschworenen, also etwa das, was gestern Knicks-Coach Isiah Thomas in New York verurteilt hat, dem Sportbetrüger Floyd Landis einen Freispruch besorgt hätte. Die damit verbundene Unterstellung: Ein Schiedsgerichtsverfahren wie das gegen Landis sei nicht fair: "Wenn du gegen jemandem ein Todesurteil verhängst, was sie hier im Grunde getan haben, dann kannst du keine schlampige Arbeit akzeptieren, was sie eindeutig getan haben."

Der Skandal besteht eigentlich darin, dass solch ein Unsinn auch noch von Associated Press verbreitet und nicht relativiert wird. Nichts an dem Schiedsgerichtsverfahren war fehlerhaft. Es basiert auf amerikanischen Rechtsnormen. Es wird in anderen Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft tagtäglich angewandt, solange sich die beiden streitenden Parteien auf diesen Regelungsmechanismus einigen können. Landis hat 2 Millionen Dollar für seine Verteidigung ausgegeben. Das einzige, was an dem Resultat nicht gepasst hat, war das....Resultat.

Armstrongs Absicht geht vermutlich in zwei Richtungen: Er will das existierende Antidoping-System desavouieren, weil es ihn ins Zwielicht gerückt hat. Und er will seinen Ex-Domestiken Landis öffentlich unterstützen, damit der nicht eines Tages doch noch auspackt und erzählt, wie es damals im Team von United Postal Service war. Denn Landis würde das helfen, weil er sich damit eine kürzere Sperre einhandeln könnte. Aber Armstrong wäre der Gelackmeierte. Aber sicher auch dann noch hätte Lance irgendetwas aufzubieten, um eine solche Enthüllung als Erfindung zu brandmarken. Hat man dem Mann damals bei der Tumoroperation frankensteinmäßig am Hirn herumgefummelt?

20. September 2007

Landis und ein Ende is: Es war Doping, sagt das Schiedsgericht

Floyd Landis hat das Schiedsgerichtsverfahren verloren, das die amerikanische Anti-Dopingagentur gegen ihn im letzten Jahr angestrengt hatte, nachdem er bei der Tour de France 2006 mit synthetischen Testosteron im Urin aufgefallen war. Landis hatte die Rundfahrt im Schweizer Phonak-Team auf dem Papier gewonnen, wird nun aber den Titel und die damit verbundenen Einnahmen verlieren. Die anstehende automatische zweijährige Sperre läuft rückwirkend ab 30. Januar 2007. Landis hat sich selbst noch nicht geäußert. Es wäre aber eine Überaschung, wenn er nicht in die Berufung geht. Die Appellations-Instanz (CAS) sitzt im schweizerischen Lausanne. Das dreiköpfige Gremium mit zwei Kanadiern und einem Amerikaner hatte 2:1 entschieden, dass trotz gewisser Schlampereien im Labor in Frankreich die Analyse-Resultate nicht anfechtbar sind.
Blick zurück: Das Link zu der Übersicht aller Landis-Beiträge in American Arena
Blick zurück: Highlights der Berichterstattung mit Infos über den deutschen Professor, die deutsche Ärztin, die Stimmung im Gerichtssaal von Malibu, den amerikanischen Teamsponsor, der sich nach dem Bekanntwerden der Affäre zurückzog, über Landis an der Tour 2006 (in der FAZ). Da ist im Laufe der Monate eine Menge zusammengekommen.

1. Juli 2007

Landis: Warten auf den Schiedsspruch

Wir warten schon seit ein paar Wochen auf das Urteil des Schiedsgerichts in Sachen Doping und Floyd Landis. Aber während wir Däumchen drehen, ist Floyd wenigstens fleißig. Zuletzt wurde er in seiner Heimatregion in Pennsylvania erspäht, wo er sein neues Buch mit persönlichen Auftritten in Buchläden bewirbt. Der Mann braucht schließlich noch immer Geld, um die extravaganten Prozesskosten zu finanzieren (und die Reisen durchs Land, um das Geld aufzutreiben). Er findet zwar keine Top-Medienvertreter in den USA mehr, die sich seine ellenlange Geschichte anhören wollen. Aber es gibt ja noch andere, die in die Harfe greifen wollen. Und so entstehen dann so umfängliche, unkritische neue Texte wie dieser, in denen nicht die Spur von den ständig zunehmenden Geständnissen und Enthüllungen aus Deutschland die Rede ist, die beweisen, dass jede Menge Leute im Radsport gedopt waren, die nie erwischt wurden. Da kann einer wie Landis behaupten, dass er das Opfer irgendwelcher Machenschaften ist und dass er 10 Millionen Dollar Einnahmeeinbuße verzeichnet hat, weil er nicht fahren darf. Und niemand fragt auch nur nach und will wissen: Sag mal, Floyd, um dich herum bricht gerade ein Radsportkartenhaus zusammen, von dem sich potenzielle Sponsoren mit Schrecken abwenden. Und du willst behaupten, da seien für Leute wie dich noch Millionen mitzunehmen? Da wird in einer Woche eine Tour de France auf die Reise gehen, deren Version des Jahres 2007 man als den Anfang vom Ende einer großen Sporttradition ansehen muss. Dieses Rennen wird bald nicht länger die Alpen hoch gehen, sondern den Bach runter. Und da stellst du den Anspruch in den Raum, da sei doch nichts gewesen (außer einer behaupteten Vendetta gegen amerikanische Radrennfahrer wie Lance Armstrong und dich)? Das Buch trägt übrigens den Titel: Positively False: The Real Story of How I Won the Tour de France. Keine Ahnung, wie lange der Verlag an dieser Zeile gebastelt hat. Die Ironie an der Wortwahl muss ihm entgangen sein. Der Titel sagt beim genauen Lesen nämlich nichts anderes, als dass seine "wahre Geschichte" schlichtweg falsch ist. Und das hatten wir schon immer vermutet.
Blick zurück: Beim Ende der Beweisaufnahme vor Wochen war bereits klar: Das dauert:

18. Juni 2007

Gedrucktes Allerlei

In eigener Sache nachgereicht:

Die FAZ hatte zum Auftakt der US Open in der letzten Woche mein Interview mit dem australischen Vorjahressieger Geoff Ogilvy gedruckt. Der Text wurde online gestellt. Auch wenn er diesmal nicht vorne mitmischen konnte: Der Australier gehört zu den Sportlern, die was zu sagen haben. In dem Interview kamen leider einige Dinge zu kurz. Darunter Ogilvys große private Leidenschaft. Er spielt Hard-Rock-Gitarre - unterwegs im Hotel eingestöpselt in den Laptop und mit Kopfhörern. Und er ist der Vorzeigegolfer für Sportausrüster Puma, deren Zusammenarbeit mit der schwedischen Firma J. Lindeberg leider zu Ende geht. Die Schuhkollektion war hervorragend.

Des weiteren: Am heutigen Montag erscheint die Print-Ausgabe mit einem Bericht über Juan Pablo Montoya. Ob faz.net mitzieht, lässt sich in diesem Augenblick nicht sagen.

Nachlesen kann man hingegen einen Artikel über das finanzielle Ausmaß der Floyd-Landis-Verteidigung im Doping-Verfahren von Malibu. Der war Teil eines umfangreichen Doping-Dossiers im Züricher Tages-Anzeiger am letzten Freitag.

28. Mai 2007

Landis auf Video: Das Doping-Verfahren von Malibu

Man darf davon ausgehen, dass die Flut der Geständnisse aus dem deutschen Dopingsumpf die meisten Menschen ermattet. Wenn Jan Ulrich es nicht so spannend machen würde, hätten die meisten wohl längst schon die Mütze über den Kopf gezogen und sich geistig vom Radsport verabschiedet. Die amerikanische Variante ist das Verfahren gegen Floyd Landis, dessen Beweisuafnahme in der letzten Woche nach neun Verhandlungstagen zu Ende ging. Wer sich wirklich dafür interessiert, was im Sitzungssaal geschah und wie die Hauptbeteiligten aussehen, kann sich stundenlange Videoaufzeichnungen vom Courtroom View Network anschauen. Das Kreuzverhör der Usada mit Landis findet man unter dem Datum des 22. Mai in der Morgensession (mit AM gekennzeichnet). Das Besondere an dem Vorgang: das Landis-Verfahren ist das erste öffentliche in der Geschichte des Kampfs der Sportorganisationen gegen illegale Leistungsmanipulation. Landis, der schätzungsweise 2 Millionen Dollar für die gesamte Show bezahlen wird, hatte es so beantragt. (via Trust But Verify).
Blick zurück: Berichte über das Verfahren in Malibu in der Arena

23. Mai 2007

Landis: Heute noch die Plädoyers und dann lange warten

AP rechnet in der letzten Meldung vom Landis-Doping-Verfahren damit, dass heute noch die Plädoyers gehalten werden. Und damit, dass die drei unabhängigen Schiedsmänner, die die Entscheidung treffen, mehr als einen Monat zubringen werden, bis sie sich durch das Beweismaterial, die Indizien und die Zweifel an der Zuverlässigkeit des französischen Labors durchgearbeitet haben.

Die ehemalige Phonak-Ärztin Dr. Denise Demir tauchte zwar nicht in personam in Malibu auf. Aber von ihr war dann doch noch die Rede. Velo News berichtete von einer ominösen E-Mail-Kommunikation zwischen ihr und einem Vertreter des internationalen Radsportverbandes UCI, was am Dienstag innerhalb des Verfahrens die Frage aufwarf: Sollten da womöglich Langzeit-Blut-Profile vertuscht werden, die etwas anderes bewiesen hätten, als Dr. Demir in ihrem Interview mit der Bild-Zeitung verbreitet hatte ("Wir können anhand von Trainingsdaten beweisen, daß Floyd solche Leistungen erbringen kann..."). Aber dann erklärte die Landis-Seite, sie hätten die Unterlagen gefunden und würde sie zur Verfügung stellen. Eine Einlassung, die die Herzfrequenz des Usada-Anwalts wieder auf akeptable Werte senken half. Wir spekulieren: Dr. Demir wurde wohl deshalb nicht nach Kalifornien geladen, weil die Unterlagen, zu denen sie hätte aussagen können und Landis entlasten, zwischendurch verschollen waren. Wie gesagt: Wir spekulieren.

Mehr lässt sich auch nicht über das zu erwartende Urteil sagen. Einer der zwei Schiedsmänner (der Amerikaner) ist klar auf Seiten von Landis, was sich bereits im Vorverfahren zeigte. Die beiden Kanadier haben bisher wie ein Tandem gewirkt, das sich nicht von den Nebelwürfen der Verteidigung beeindrucken lässt. Das Labor in Paris kann man nicht verteidigen. Da arbeiten Amateure. Ob die Resultate ihrer Arbeit juristisch bestehen können? Vielleicht.

Morgen, Donnerstag, in der Print-Ausgabe der FAZ gibt es eine kleine Abhandlung von dieser Stelle aus. Der Artikel wurde nicht online geschaltet. Das Foto stammt von der New Yorker Rad-Webseite Trackstar und wurde dort vor einem Jahr herausgegeben. Im Moment ist deren Store nicht anklickbar. Wer sich für das Hemd interessiert, sollte auf anderem Weg Kontakt mit den Jungs aufnehmen.

Nachtrag: Dr. Denise Demir hat per Email mitgeteilt, dass sie aufgrund einer Auflage des Schiedsgerichts in Malibu (auf Englisch: "gag order") bis nach dem Urteil im Fall Landis keine Stellungnahmen abgeben kann. Ich bin nicht sicher, ob dies auch für prozesstaktische Themen gilt, aber das muss man akzeptieren.

22. Mai 2007

Zweiter wichtiger Hinweis für Doper: Diese Frau kann Ihnen nicht helfen

Die medizinische Betreuung von Floyd Landis im Team Phonak lag bis zur Tour de France in den Händen der deutschen Ärztin Dr. Denise Demir (Foto). Nach dem Bekanntwerden der positiven A-Probe wurde sie von der Bild-Zeitung gefragt: "War Landis gedopt?" Und sie antwortete: "Natürlich nicht. Ich lege meine Hand für ihn ins Feuer." Sie sagte aber noch mehr:
"Wir können anhand von Trainingsdaten beweisen, daß Floyd solche Leistungen erbringen kann. Auf der 17. Etappe ist er fünf Stunden mit rund 360 Watt gefahren. Im Training hat er das schon acht Stunden geschafft. Dabei muß man auch bedenken, daß sich Floyd auf der Etappe davor ja quasi ausgeruht hat.“
Natürlich kommt einem dann der Gedanke: Wenn Dr. Denise Demir wirklich so etwas belegen kann, müsste sie doch die ideale Zeugin für die Verteidigung im Verfahren gegen Landis in Malibu sein? Aber bisher ist die Medizinerin aus dem Münsterland nicht in Kalifornien aufgetaucht. Heute ist Landis im Kreuzverhör an der Reihe. Und am Mittwoch soll Schluss sein mit der Beweisaufnahme. Wir rufen Doktor Demir? DOKTOR DEMIR?
Blick zurück: Landis und LeMond und ein Manager, der gefeuert wurde

21. Mai 2007

Wichtiger Hinweis für Doper: Dieser Mann kann Ihnen helfen

Kleiner Tipp für alle, die die Absicht haben, ihre sportlichen Leistungen mit ein paar Schuss Testosteron oder ähnlichem aufzupäppeln. Dieser Mann kann Ihnen helfen, wenn Sie in Schwierigkeiten kommen: Er heißt Dr. Wolfram Meier-Augenstein und arbeitet am Queens College in Belfast. Hat seinen Doktor in Heidelberg gemacht und wurde von den Landis-Leuten nach Malibu eingeflogen, um die Laborarbeit in Frankreich zu diskreditieren. Sein Vernehmungsprotokoll kann man auf dem Blog Trust But Verify nachlesen. Es wird in Scheiben dargereicht und ist nahezu unverdaulich. Aber das kommt den Landis-Anwälten entgegen. Sie arbeiten als Nebelwerfer-Schwadron an einer taktischen Lösung ihres Problems. Sie wollen einfach nur dokumentieren, dass die ganze Welt Fehler gemacht hat und Vorurteile pflegt, weil sie von Anfang an einen unbescholtenen Tour-de-France-Gewinner aus Amerika aus dem Verkehr ziehen wollten, um einem Spanier namens Oscar Pereiro zum Sieger ausrufen zu können.

Herr Doktor, Sie haben das Wort...

20. Mai 2007

Doping: Giambi hat ein schlechtes Gewissen

Seit ein paar Jahren ribbelt sich der warme dicke Pullover auf, den man sich in den USA gestrickt hat, um den Dopingskandal zu verhüllen, der die ganze Bigotterie des Mythos vom amerikanischen Sport auf den Punkt bringt. Im Zweifel war das Publikum meistens für den Angeklagten, a.k.a "die arme Sau", die erwischt wurde. So wie man auf der Straße in Manhattan erst mal unwillkürlich den Mitmenschen zur Seite springen will, wenn ihn die Polizei am Wickel hat. Wir mögen keine Polizisten. Im Zweifel war das Publikum auch eher für nicht groß nachfragen, lieber wegschauen, für "was ist das Problem?" Betrügen nicht alle irgendwann ein bisschen, um sich einen kleinen Vorteil zu verschaffen?

Vor ein paar Tagen müsste ein gewisser Jason Giambi, Baseballprofi in Diensten der New York Yankees, den letzten die Augen geöffnet haben, um was beim Doping geht. Nicht um arme Säue, sondern um reiche. Nicht um kleine Vorteile, sondern um große Verträge. Jason Giambi will zwar inzwischen zumindest ein bisschen sein schlechtes Gewissen los werden, aber nicht die 120 Millionen Dollar, die ihm die Hilfe aus dem Hause BALCO bei den Verhandlungen 2001 mit den Yankees eingebracht hat. Giambi war einer der Kunden von Victor Conte. Einer der Zeugen bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Einer, der eine verworrene Entschuldigungslitanei von sich gab, ohne sagen zu wollen, um was es sich handelt. Einer, der sich wundert, ob sein gutartiger Tumor an der Hirnanhangdrüse durch seinen Drogenkonsum verursacht wurde.

Am Samstag saß Floyd Landis zum ersten Mal im Zeugenstuhl bei seiner Anhörung in Malibu und bestritt alles. Wahrscheinlich hätte er auch bestritten, dass Luft in den Reifen ist, wenn er sich davon etwas versprochen hätte. Am Montag ist Kreuzverhör. Dann wird die Usada das Unmögliche versuchen: einen Mann, der es faustdick hinter den Ohren hat und der hundert seiner Artgenossen in den Alpen das Gesäß gezeigt hat, von vorne anzufassen. Dorthin, wo's weh tut. Ich muss gestehen, das würde ich mir gerne aus der Nähe anschauen. Vielleicht klappt's beim nächsten Mal.

Nachtrag: Noch ist es reine Spekulation. Aber nach einer Meldung der New York Daily News versuchen die Yankees den Vertrag mit Giambi zu kippen. Das wäre eine interessante Wendung der Ereignisse.

18. Mai 2007

At-Landis: Die Insel sinkt

Foto: flickr/creative commons/zlink33

Die Sache mit Greg LeMond gestern in dem nachgebauten Gerichtssaal der juristischen Fakultät der Pepperdine University hat den für Amerikaner scheinbar undurchsichtigen Fall Floyd Landis endlich auf die Ebene gehoben, auf der sich alle einmischen können: Die Clowns wie David Letterman und Jay Leno abends im Fernsehen mit ihren Witzen. Besorgte Mütter, die schon immer wussten, dass jeder Onkel ein potenzieller Päderast ist. Menschen, die gerne Kriminalromane lesen und der Meinung sind, dass sich niemand die schlimmsten Dinge ausmalen kann, weil die Wirklichkeit schon so schlimm genug ist. Und die Sportseiten der Tageszeitungen, denen das Gerede über Laborwerte und die genaue Durchführung von Dopingtests viel zu langweilig war. Jetzt haben wir endlich ein kolportiertes Halbgeständnis von Landis und einen rausgeworfenen Manager, der zwar vermutlich nicht ohne Wissen seiner Auftraggeber gehandelt hat, aber weil diese dumme Einschüchterungsversuch aufflog, die Verantwortung zugeschoben bekam. Und so haben wir einen Plot und die Aussicht auf die eine oder andere mediengerechte Konfrontation. Und alles nur, weil Floyd Landis dachte, er käme am besten bei einer öffentlichen Verhandlung seiner Dopingakten weg. So kann man sich vertun...

Mehr zum Thema findet man hier - bei Steroid Nation und hier bei ESPN (hervorragendes Video mit Bildern aus dem Verhandlungssaal. Und demnächst sicher auch auf diesen Seiten.

16. Mai 2007

Wie auf Montage: Der undankbare Job, die Landis-Affäre zusammenzustückeln

Wir werden uns ab heute die Mühe machen und ein Bild zusammensetzen. Ein Bild von der Landis-Doping-Affäre, die seit heute morgen Ortszeit in der Pepperdine Universität im kalifornischen Malibu (Bild rechts) von den Vertretern der USADA aus ihren Einzelteilen in einer Collage zusammenmontiert wird. Und von den Anwälten des amerikanischen Radfahrers sicher ganz konsequent auseinandergenommen wird. Wer also am Ende noch einen Überblick oder gar einen Durchblick haben will, muss wohl in der Lage sein, sehr viele Stücke zusammenzumontieren.

Hier Auszüge aus dem Bericht, der am Mittwoch in der Printausgabe der FAZ erscheint:
"Es gibt Augenblicke im Leben eines Athleten, die geben auf den ersten Blick optisch nicht viel her. Aber Mütter denken oft anders. Und so stand Arlene Landis am Montagmorgen von ihrem Platz in der ersten Zuschauerreihe auf und knipste ein Erinnerungsfoto. Ihr Sohn kaute Kaugummi und lächelte, ehe das Dopingverfahren der bereits offiziell begann. Und die alte Frau mit dem weißen Kopftuch, das an die strengen Bräuche ihrer mennonitischen Religionsgemeinschaft in Pennsylvania erinnert, lächelte ebenfalls. “Er weiß, dass er unschuldig ist,” sagte sie. “Also gibt es auch nichts, dass einen frustrieren kann.”

Die Szene aus dem fensterlosen Gerichtssaal in der juristischen Fakultät der Pepperdine University in Malibu wird sich in den nächsten zehn Tagen vermutlich noch häufiger abspielen. Denn der amerikanische Radrennfahrer Floyd Landis hat beschlossen, dass er auf seine Art gegen den Vorwurf der Leistungsmanipulation antreten will: mit einer öffentlichen pauschalen Anklage gegen das ganze System der Dopingkontrolleure, Labore und Schiedsgerichte....

...Floyd Landis kämpft seit neun Monaten gegen den Vorwurf, dass er einen Tag nach einem massiven Leistungseinbruch bei der 17. Etappe der Tour de France mit synthetischem Testosteron gedopt war. Die Entscheidung über die Beweislage werden in den nächsten Tagen drei eigens für dieses Verfahren berufene Schiedsmänner treffen, die nach den Regeln der American Arbitration Association agieren, einer Institution, die sich um viele Streitfälle im amerikanischen Geschäftsalltag kümmert. Eigentlich sind sie die Hauptpersonen: die beiden kanadischen Rechtsanwälte Richard McLaren und Patrice Brunet und der ehemalige Ringer Chris Campbell, ein Jurist aus Boston, der im Verfahren gegen Olympiasieger Tyler Hamilton in der gleichen Rolle gewirkt hat und damals als einziger im Gremium für einen Freispruch des amerikanischen Radrennfahrers gestimmt hat.


Aber am liebsten würde wohl Maurice Suh, der das vielköpfige Landis-Team aus Anwälten und Medizinern vertritt, die drei gleich mit anklagen. “Dieser Fall ist eine absolute Katastrophe”, erklärte er, ehe er die vielen angeblichen Fehlleistungen im französischen Labor auflistete, die seinem Mandanten eine mehrjährige Sperre und den Ruf des Sportbetrügers einhandeln könnten....

23. April 2007

Landis und kein Ende is'

Floyd Landis - den Namen hatten wir schon fast vergessen. Jetzt bringt er sich höchstpersönlich wieder in Erinnerung. Mit einer Attacke auf die Franzosen (immer wieder populär in den USA) und auf die US-Anti-Doping-Agentur Usada (das dürfte schon sehr viel weniger Sympathien finden). Der seit vergangenem Sommer von Dopingvorwürfen verfolgte Radrennfahrer fand es gar nicht gut, dass heute die Nachricht durchsickerte, dass die nachträglich gestesteten B-Proben von im letzten Jahr als negativ eingestuften A-Proben Spuren von synthetischem Testosteron aufweisen. Das lässt wohl nur einen Schluss zu: Der Amerikaner, der ursprünglich als Tour-de-France-Sieger über die Champs-Elysée rollte, hat sich offensichtlich mit System gedopt. Was ja auch viel mehr Sinn macht als ein einmaliger Schluck aus der Ampulle am Tag nach dem grotesken Leistungsabfall.

Landis hatte zuletzt eine Amerika-PR-Tour absolviert, auf der seine Berater eine umfassende Strategie zur Diskreditierung der Laborarbeit in Frankreich präsentierten. Danach müsse man davon ausgehen, dass Landis' fragliche Probe mit der von einem anderen Fahrer verwechselt worden sei. Vielleicht sogar mit Absicht... (entweder weil die Franzosen keine Amerikaner leiden können oder weil sie inkompetent sind). Die ganze Reinwaschungskampagne bekam heute mit einem Schlag wieder dicke Flecken ab.

Landis klagte sogleich laut und vernehmlich an (Émile Zola und sein "J'accuse" waren ein Dreck dagegen): Die Usada und das französische Labor hätten bei dem Verfahren mit ihm im Mittelpunkt seine Bürgerrechte verletzt und das Gerechtigkeitsprinzip verspottet. Es habe "absichtliche Verfälschungen von Resultaten" gegeben. In jedem anderen Industriezweig würden solche Fehlleistungen als kriminelle Unterlassungssünden verfolgt. Der 31jährige hatte ausdrücklich den Tests der B-Proben widersprochen.
Blick zurück: Der Hinweis auf 300 Seiten Online-Material und die Links zur Vorgeschichte

8. Februar 2007

Der Landis-Prozess kommt nicht in die Gänge

Dies ist - aus aktuellem Anlass - die Zwischenbilanz von Evi Simeoni in der FAZ zum Thema Sportsgerichtsbarkeit in Sachen Floyd Landis, komprimiert auf einen Satz:
"So hurtig Landis im Juli 2006 auf der 17. Etappe nach seinem schweren Einbruch vom Vortag nach Morzine hinaufgeradelt ist, so langsam kommt also nun die Sportjustiz in die Gänge."
Es lohnt sich trotzdem, den ganzen Artikel zu lesen.
Blick zurück: Eine Meldung im Oktober mit den Arena-Links zur Vorgeschichte

14. November 2006

Hacker machen Dopingfahndern das Leben schwer

Ganz viel Wasser auf die Mühlen des Anwalts von Floyd Landis: Hacker haben die Computer des französischen Dopinglabors Chatenay-Malabry geknackt, in dem die Untersuchungen der Tour de France-Proben stattfinden. Was die Entdeckung mit den Befunden im Fall des diskreditierten amerikanischen Radrennfahrers zu tun haben soll, bleibt schleierhaft. Denn die Analyse findet nicht im Computer statt. Aber die Entdeckungen der Polizei reichen aus, um erneut alle jenen eine Angriffsfläche zu geben, die sich immer dann gegen die Arbeit der Dopingfahnder wenden, wenn es sie betrifft.

13. Oktober 2006

Dopingfall Landis: 300 Seiten online

Auf die Gefahr hin als ignorant eingestuft zu werden: Ich werde nicht die über 300 Seiten an Dokumenten herunterladen, die Floyd Landis auf einer Archivseite im Internet deponiert hat, um sich und seine Seite der Doping-Sache Tour de France in einem positiven Licht darzustellen. Das Verfahren gegen ihn läuft vor der Usada. Die entscheidenen Punkte sind klar: Sein Anwalt argumentiert formaljuristisch, dass die Bewertung der Testosteron-Analyse nicht den Regeln entsprach. Die Dame, die das von der Wada lizensierte Labor in Montreal leitet, hat die Begründung bereits ad absurdum geführt. Landis selbst erholt sihc von seiner Hüftgelenksoperation. Wer sehen will, wie das Implantat aussieht, geht auf seine Webseite.

Blick zurück: Ein erster Bericht über die Verteidigungsstrategie
Blick zurück: Die Auswirkungen auf das alte Team
Blick zurück: Man nennt es Testosteron - die Antwort auf die Frage: Was treibt ihn?
Blick zurück: Die Geschichte über die kaputte Hüfte

13. September 2006

Rad Los

Hier wie versprochen das Link zur Geschichte in der FAZ von heute über Landis und Verteidungsstrategie im anstehenden Dopingverfahren sowie die späten Geständnisse zweier amerikanischer Ex-Radfahrer - Frankie Andreu und ein anonymer Teamkollege - im Umfeld von Lance Armstrong. Der hat wie nicht anders zu erwarten, seine Hände in Unschuld gewaschen. Und wenn selbst die ganze Welt gedopt war. Armstrong war es nicht...

17. August 2006

Landis Schwiegervater begeht Selbstmord

Der Schwiegervater von Floyd Landis hat sich am Dienstag in seiner Garage in Kalifornien erschossen. Über die Motive wird gerätselt. Der 57jährige David Witt, ein aktiver Amateurradfahrer, hatte den gedopten Tour-de-France-Sieger vor ein paar Jahren kennengelernt und davon überzeugt, dass er vom Mountainbike auf die Straße umsteigen soll. Zusammen mit seiner Frau hatte Witt vor einer Weile Hawthorn's Restaurant in San Diego eröffnet. Dem Vernehmen nach lief es jedoch nicht gut.

Die interessantere Entwicklung aus deutscher Sicht betreibt die Polizei in Thüringen und Sachsen-Anhalt voran. Sie hat einen Narkosearzt aus dem Südharz besucht, der als Doping-Lieferant des verdächtigten spanischen Mediziners Eufemanio Fuentes identifiziert worden ist. Paragraph 95, Absatz 1, Nummer 2a des Arzneimittelgesetzes scheint also doch für etwas gut zu sein. Er gibt den Ermittlern nämlich eine Handhabe, um das anzupacken, was die Dopingfahnder im Sport nie im Leben in den Griff bekommen: den kriminellen Unterbau der regelwidrigen Leistungsmanipulation.

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