29. Februar 2008

Der Unterhosenträger

Nicht nur Gisele Bündchen ist hinter Tom Brady, dem Quarterback der New England Patriots, her. Calvin Klein will ihn auch haben - für die Unterwäschewerbung. Wahrscheinlich weil die Marketing-Experten diesen Sketch der Comedy-Show Saturday Night Live gesehen haben - eine Parodie auf die Schwarz-Weiß-Lehrfilme der 50er Jahre.
(via si.com)

28. Februar 2008

Hautsache bunt

Nicht ausgeschlossen, dass es Leser von American Arena gibt, die sich dafür interessieren, wie die Nationaltrikots von Fußballmannschaften wie Brasilien, Argentinien, Spanien, England und den USA aussehen, wenn sie jemand attraktiven Frauen direkt auf die Haut gepinselt hat. Das wären vermutlich jene, die sich bereits für die Rückseite von Serena Williams, die Badewanne von Julia Mancuso und die Unterwäsche von Britney Spears interessiert haben und die dabei am Ende doch wohl unzufrieden wieder ins große Google-Meer abgetaucht sind. Denn der voyeuristische Impuls ist leicht zu wecken, aber nur schwer zufriedenstellend zu bedienen. Bei diesem Fund (via With Leather) könnte die Enttäuschung schon darin bestehen, dass die Trikots nicht so aussehen wie aus dem Laden. Oder dass kein deutsches Leibchen dabei ist (weder in der Heimspiel- noch in der Auswärts-Variante). Das könnte am Pinsler liegen, der mit dem Namen Vargas vermutlich ganz bewusst arbeitet. Denn da war mal was.....

Richtig. Aber der echte, wahre einzigartige (Alberto) Vargas, lebt schon seit ein paar Jahren nicht mehr. Er war der Meister der Pinup-Zeichnung und lieferte einst seine Bilder bei Magazinen wie Esquire und Playboy ab. Wikipedia hat eines seiner Bilder: Das Cover eines Albums der Band The Cars.

Abheben und mit beiden Händen kräftig zupacken

Morgen ist mal wieder 29. Februar. Olympisches Jahr. Schaltjahr. Das Jahr, in dem ein Mann Präsident werden könnte, der weiß, wie man mit einem Basketball umgeht. Das wollen wir festhalten. Mit einem Bild, das eine deutliche Sprache spricht. Aufgespürt hat es der Washingtoner Polit-Blog Wonkette, der das Bild auf 2006 datiert, als Barack Obama die US-Marine-Basis in Dschibuti besucht hat.
Blick zurück: Das Video von Obama als ganz junges Basketballtalent

Wegen Erfolg gefeuert

Wenn das der neue Maßstab für das Leistungsvermögen von Trainern werden sollte, dann sollten sich schon mal einige ganz warm anziehen, die Mütze fest an den Kopf drücken und den Fallschirm falten. Was ist passiert? Die Ottawa Senators haben ihren Trainer John Paddock aus dem Stuhl gehievt, obwohl die Mannschaft in der Eastern Conference ganz weit oben rangiert. Aber nicht weit genug, wie der letztjährige Trainer meint, der nach dem Ende der Saison zum General Manager avancierte. Also kommandierte Bryan Murray sich selbst hinter die Bande und übernahm die gesamte Verantwortung für das Team, das mit Christoph Schubert im letzten Jahr bis ins Stanley-Cup-Finale kam. Kapitän Daniel Alfredsson war erst einmal ziemlich geschockt. Kein Wunder. Normalerweise werden Coaches wegen Erfolglosigkeit gefeuert.

27. Februar 2008

Mit IMG aufs Trampolin


Der Sportvermarkter IMG hat beschlossen, sich um eine neue Hybrid-Sportart zu kümmern. Weshalb man bei der New York Times wohl das Gefühl hat, dass es an der Zeit war, sich mit SlamBall zu beschäftigen. Es soll eine Liga geben. Und im April will man in New York und Los Angeles Sportler rekrutieren, die bereit sind, sich auf das Spielchen mit Trampolinen und einem Basketball einzulassen. YouTube gibt, wie so oft, bereits einen Vorgeschmack.

Glück mit Luck

Ist wieder Quiz im Fernsehen? Diese Frage brachte heute jemanden über google zu American Arena: "it elf Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften ist Frank Luck erfolgreichster Sportler seiner Sportart weltweit. Die ersten beiden gewann er 1989. In welcher Sportart?"

Solchen Leuten möchte man doch gerne helfen. Denn natürlich stand die Antwort nicht in diesem Blog, sondern nur all die einzelnen Wörter in irgendeiner bunt gestreuten Konfiguration in irgendeinem Monat im letzten Jahr.

Wenn man bei google nur "Frank Luck" eingibt, wird die Sache sofort aufgeklärt. Denn der oberste Fund ist die Webseite www.frankluck.de. Und da klärt der gute Mann auch auf, was an der Suchanfrage schief war: "...viele Erfolge und mit mittlerweile 18 Weltmeisterschaftsmedaillen, von denen neun in Gold sind, sowie fünf Olympiamedaillen (zweimal Gold und dreimal Silber) bin ich derzeit der erfolgreichste aktive Biathlet." Er hat nur neunmal den WM-Titel geholt. Alles klar? Er steht übrigens nicht auf der von der Zeitung Österreich publizierten Liste der angeblichen Kunden des Wiener Laborbetriebes Humanplasma.

Der Pate

Dass Leute abseits vom Baseball-Betrieb die Namen der besten und erfolgreichsten Trainer nicht kennen, darf einen nicht wundern. Die Männer, die in diesem Geschäftsfeld offiziell mit dem Titel Manager ausgestattet sind, betrachten sich als Organisatoren, die im Zweifel lieber aus dem Halbschatten der Trainerbank heraus arbeiten und ansonsten den Spielern das Scheinwerferlicht überlassen. Trotzdem sollte man ein paar Figuren kennen. Tony La Russa zum Beispiel, der seit 1979 in dieser Rolle amtiert. Zuerst bei den Chicago White Sox, dann bei den Oakland A's und derzeit bei den St. Louis Cardinals. Und das nicht nur, weil seine Teams die World Series gewonnen haben, sondern weil er als der Pate der Anabolika-Welle im Baseball zu gelten hat. Unter seiner Regentschaft in Oakland wurde das von seinen Spielern Jose Canseco und Barry McGwire betriebene Muskelprogramm Stück für Stück auf die Spitze getrieben (was dann später Barry Bonds dazu brachte, sich ebenfalls für Doping zu interessieren). Und niemand in Major League Baseball hat derzeit mehr Profis im Team, die im Mitchell-Report auftauchen, wie Tony La Russa. Oder sollten wir sagen Dr. Tony La Russa? Denn diesen akademischen Titel hat er sich bei einem Jura-Studium in Florida vor langer Zeit - hoffentlich redlich - verdient.

Vielleicht sollten wir ihn auch den Unbelehrbaren nennen. Denn das wird deutlich, wenn man nachliest, wie ein Journalist von der Zeitung St. Louis Post-Dispatch beim Spring Training La Russa mit den Fakten konfrontierte. Ausgestattet mit der Fähigkeit, die Absurdität seiner Einlassungen gar nicht zu begreifen, zwingt La Russa den Reporter, den geschickt eingefädelten Dialog abzubrechen. Der Baseball-Mann, der nichts sieht, nichts hört und nichts begreift, ist kein besonders hilfreicher Gesprächspartner.

Es dürfte allerdings kein besseres Dokument für die lange im Baseball gepflegte Haltung in Sachen Doping geben als diese, die erst durch den Druck von außen aufgebrochen wurde. Und zwar vor allem durch die Politiker im Kongress und mit Hilfe ganz eindeutiger Dopingregeln in den olympischen Sportarten. Es wäre also an der Zeit, La Russa, der neulich andeutete, dass er an dem zur Zeit arbeitslosen BALCO-Kunden Barry Bonds Interesse hat, mal etwas schärfer zu betrachten. Zum Beispiel in diesem Video aus dem letzten Jahr, als ihn die Polizei am Wickel hatte.

Baseballs neuer Beelzebub

Major League Baseball hängt schon eine ganze Weile am Tropf. Denn immer mehr junge Spieler kommen aus armen Ländern im kulturellen Einzugsbereich wie der Dominikanischen Republik und Venezuela. Die kann man mit billigen Verträgen ködern, um sie zu tausenden ins Ausbildungssystem der Minor Leagues einzuspeisen. Wie das so ist mit dem Selektionsprozess im Profisport: Die Jungs vom Dorf sind froh um die Chance. Die Liga-Bosse sind froh, dass sie auch weiterhin ein preiswertes Farm-Team-Konzept finanzieren können, das als Unterbau in den Anfängen der MLB entwickelt wurde. Gar nicht froh ist Venezuealas Präsident Hugo Chávez, dessen Land derzeit nach der DomRep mit 50 Abgesandten die zweitmeisten Ausländer in der Major League stellt. Er hätte gerne für den Baseball-Betrieb in seinem Land im Gegenzug einen Anteil an den Bonuszahlungen, die die Spieler bei Vertragsunterzeichung in der Top-Klasse bekommen.

Solche Verhältnisse gelten in anderen Mannschaftssportarten als ganz normal oder werden, weil etwa die Russen im Eishockey die von der NHL gezahlten Summen nicht akzeptieren, zu normalen Störfällen im täglichen Geschäft. Man darf davon ausgehen, dass Major League Baseball das Thema dazu benutzen wird, den vor einer Weile zum Feindbild hochstilisierten Politiker aus Südamerika als Beelzebub zu verunglimpfen. Dass sie dabei dass klassische Motto (Wir sind die USA. Wir plündern den Rest der Welt nach Belieben aus. Und Lateinamerika sowieso.) gerne verschweigen, versteht sich von selbst. Wenn sich ein kleines Land den wirtschaftlichen Interessen der Vereinigten
Staaten in den Weg stellt, wird es als Feind der Freiheit abgestempelt.

26. Februar 2008

Washington und Doping: Wird Sportbetrug gesetzlich definiert?

Es ist nicht ganz leicht, die Umstände und Entwicklungen rund um die Doping-Anhörungen im amerikanischen Kongress in einem Atemzug zusammenfassend und en detail zu beschreiben. Denn derzeit steht vor allem ein Mann im Schaufenster: Pitcher Roger Clemens, der damit rechnen muss, sich eine Anklage wegen Meineids einzufangen. In seinem Fall geht es weniger um die Frage, wie verbreitet war (und ist) Doping im Baseball, sondern um die moralische Dimension: Wer lügt? Clemens? Oder sein ehemaliger Fitnesstrainer, dessen Aussagen im Mitchell-Report eine großen Stellenwert erhalten haben?

Die Dynamik dieses Einzelfalls überschattet leider - ganz nach typischer Medienlogik - jede andere wichtige Facette des Themas. Selbst die großen amerikanischen Zeitungen werden in solchen Momenten von der alten Krankeheit befallen. Man möchte eher die Neugier anregen und lenken, anstatt sie durch vernünftige Sachinformationen zu befriedigen. Dabei brütet Bobby Rush, Demokrat aus Chicago und Vorsitzender eines Unterausschusses für Handel, Wirtschaft und Verbraucherschutz, derzeit einen Gesetzentwurf aus, dessen Einzelheiten nicht bekannt sind, die aber logischerweise nur in eine Richtung weisen können: dass Sportbetrug in den USA rechtlich definiert und gleichzeitig in den Stand eines Offizialdelikts erhoben wird.

Das nächste Hearing am morgigen Mittwoch wird uns vielleicht etwas mehr Einblick in die Rush'sche Gedankenarbeit geben. In Washington vorgeladen sind die Chef-Manager der großen Sportligen und ein paar Figuren aus der Ecke der Olympischen Sportarten. Zur Einstimmung sollte man vielleicht die Geschichte lesen, die in der gedruckten Ausgabe der FAZ erscheinen wird.

Vom Lehrgeld und anderen falschen Sprachbildern

Memo an alle Medienarbeiter, die sich in der Zukunft mit dem deutschen Golfprofi Martin Kaymer beschäftigen werden. Da man in Deutschland ein solches Talent nur alle 20 Jahre oder mehr hat, wäre es da nicht angemessen, sich stilistisch ein bisschen an der Weltklasse des Sportlers zu orientieren und als ersten Schritt erstmal alle schiefen Sprachbilder und Metaphern zu beerdigen?

Wäre doch mal ein Arbeitsziel. Denn dann würde nie wieder geschrieben werden, dass Martin Kaymer bei einem Turnier Lehrgeld gezahlt habe. Der Mann hat bei dem fraglichen Turnier (in Tucson) nach dem Ausscheiden in der ersten Runde nichts bezahlt, sondern verdient: ein Preisgeld von 40.000 Dollar und 2,05 Weltranglistenpunkte. Und gut gespielt hat er dabei auch noch, wie dieselbe Meldung nur einen Satz später ausdrücklich konstatiert ("nahezu fehlerfrei").

Und dann würde der eher langsame, aber stetige Aufstieg des 23jährigen in den letzten 24 Monaten nicht mehr als kometenhaft bezeichnet. Mir sind ja Sterne schnuppe, aber nicht die verkorkste Verwendung ihrer Erscheinung am Firmament. Es gibt aperiodische und periodische Kometen, denen das "Aufsteigen" ziemlich schwer fallen dürfte. Was das Schicksal der ersten Sorte angeht, so fehlt der Astronomie die Möglichkeit, hinterherzujagen, um herauszufinden, was jenseits des Sonnensystems passiert. Die zweite Sorte ist auf einer Umlaufbahn unterwegs und ist manchmal, wie Hale-Bopp, ziemlich lange am Himmel zu identifizieren. Wo wir schon bei Phänomenen der Sternenkunde sind: Auch das Wort Shootingstar gilt es es auszurangieren. Damit bezeichnet man im Englischen Meteroide, die beim Eintritt in die Erdatmosphäre durch die entstehende Kompression aufleuchten, aber sich just dabei in ihre Bestandteile auflösen. Die Sternschnuppe ist das letzte Stadium des Meteroiden auf dem Weg nach unten. Wie soll das auf einen Sportler passen, der gerade am Anfang seiner Karriere steht?

A propos passen: Wie wäre es, wenn auch noch die ausgelatschte Vokabel von den "großen Fußstapfen" verbannt würde, die der Golf-Yeti Bernhard Langer angeblich hinterlassen haben soll. Kaymer hat nicht nur eine andere Schuhgröße. Er hat schon jetzt Leistungen vorzuweisen, die mindestens so bemerkenswert sind wie die frühen Erfolge von Langer. Man denke nur an die 59er Runde vor fast zwei Jahren bei einem Turnier. So etwas ist dem Mann aus Anhausen in seiner wahrlich bemerkenswerten Karriere nie gelungen.