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2. August 2009

Blackhawks: Liga nimmt Hossa-Vertrag unter die Lupe

Bei den Chicago Blackhawks läuft vieles nicht richtig rund. Die Panne mit den Briefen an die restricted agents war hier neulich schon ein Thema. Aber diese Geschichte zeigt, dass man sich Löcher, in denen man sitzt, ohne Probleme auch noch tiefer graben kann. Die NHL hat nämlich eine Untersuchung eingeleitet, in der geklärt werden soll, ob der neue Vertrag mit Marian Hossa (Laufzeit: 12 Jahre, Gesamt-Gehaltsvolumen 62,8 Millionen Dollar) gegen die Salary-Cap-Regeln verstößt. Der Kontrakt ist nicht nur extrem lang (Hossa wäre 42 Jahre alt, wenn die Vereinbarung ausläuft), sondern auch auf eine Weise strukturiert, dass ihm in den ersten sieben Jahren 55,3 Millionen Dollar ausgezahlt werden. Für die Salary-Cap-Thematik ist folgender Aspekt wichtig: Ein Sieben-Jahres-Vertrag mit Hossa über 55,3 Millionen Dollar würde jedes Jahr mit 7,9 Millionen Dollar gegen die Salary Cap gerechnet. Sollte der Zwölf-Jahres-Deal von der Liga akzeptiert werden, müssen die Blackhawks nur 5,23 Millionen Dollar anrechnen – den Durchschnittswert aus der Laufzeit. Für den Unterschied bekommt man einen einzelnen, ziemlich guten Spieler mehr in den Kader.

Die Faktenlage legt demnach nur eine Vermutung nahe: Der Club hat kreativ getrickst. Ob das gegen die Regeln der NHL verstößt, werden wir bald erfahren.

Hossa ist übrigens jener geniale Taktiker, der im letzten Jahr von den Pittsburgh Penguins zu den Detroit Red wings wechselte, weil er sich dort eine bessere Chance auf den Gewinn des Stanley Cup ausrechnete. Wir wissen inzwischen, wie die Sache ausging: Die Penguins schlugen die Red Wings und Hossa in sieben Spielen.

15. Juli 2009

Blackhawks-Manager muss gehen

Der Chef-Manager der Chicago Blackhawks ist für seinen exorbitanten Fehler massiv abgestraft worden. Er wurde seines Amtes enthoben. Wirtschaftlich wirkt sich das nur halb so schwerwiegend aus. Das Gehalt wird ihm auch in der kommenden Saison bezahlt und danach darf er einen – sicher weniger gut dotierten – Posten als Berater des Clubs wahrnehmen. Wir erinnern uns: Dale Tallon war mitverantwortlich dafür, dass die Teamführung insgesamt wohl acht Spielern (die Zahlen sind aus den Medienberichten nicht ganz einfach herauszulesen) , die man eigentlich behalten wollte, die aufgrund des Tarifvertags notwendige rechtsverbindliche Erklärung Papiere zu spät und per Post zuschickte. Entscheidend für die Rechtsverbindlichkeit ist nicht das Datum des Poststempels, sondern wann der Brief beim Spieler eintrifft.

5. Juli 2009

Ja, bei der Post geht's nicht so schnell

Die realtiv kompliziert angelegten Tarifverträge im amerikanischen Mannschaftssport kennen ein Relikt aus der guten alten Zeit, durch das einem Spieler der erhoffte Ortswechsel vermasselt werden kann. Das ist der Status des sogenannten restricted free agent. Free ist daran nur soviel, dass eine andere Mannschaft mit viel Geld um den Profi buhlen kann, dass aber der alte Club, wenn er sein Angebot auf den gleichen Betrag erhöht, automatisch das Rennen macht. Vor einer Weile gab es um diese Regel in der NHL schon mal Stunk, weil die Edmonton Oilers auf der Suche nach interessanten jungen restricted free agents die Preise nach oben trieben. Sie bekamen nicht die Leute, die sie sich ausgeguckt hatten, aber die anderen Clubs mussten tief in die Tasche greifen, um ihre Spieler zu behalten.

Viel kurioser ist das, was jetzt in Chicago passiert ist, wo das Management die notwendigen schriftlichen Erklärungen an die eigenen Spieler kurz vor Ablauf der Frist in die Post gesteckt haben. Die amerikanische Post ist nicht besonders schnell. So kamen alle Briefe zu spät an. Einer wartet noch immer auf den Bescheid. Formal juristisch haben damit die Blackhawks ihren Zugriff auf die fraglichen Profis verwirkt. Die können jetzt mit jedem verhandeln. Natürlich auch mit Chicago – einem Team, das zuletzt zum ersten Mal seit Äonen wieder richtig unter Dampf stand und gegen die Detroit Red Wings ein Türchen vor dem Stanley-Cup-Finale aus dem Rennen geworfen wurde.

Die Panne spricht nicht für die Leute, die bei den Blackhawks das Sagen haben. Schon ein Fax hätte genügt. Andernfalls wäre FedEx die bessere Route gewesen und alle mal das extra Geld wert, das die kosten.

20. Januar 2009

In Chicago ist die Lotto-Fee ein NHL-Profi

Man kratzt sich den Kopf, wenn man liest, dass es bei den Chicago Blackhawks in der NHL eine Werbeaktion gibt, bei der ein Zuschauer eine Million Dollar gewinnen kann. Sind das jetzt die Versprechungen, die man Leuten machen muss, damit sie eine Eintrittskarte kaufen? Dass sie an einer Lotterie teilnehmen? Wie genau der Gewinner ermitelt wurde, ist auch nach dieser Geschichte nicht ganz klar. Nur, dass es etwas damit zu tun hatte, dass ein Spieler der Heimmannschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Tor schießen musste, um die Ausschüttung zu triggern.

29. Dezember 2008

Neujahrs-Walzer in Wrigley Field

Am Neujahrstag gibt es die zweite Auflage des "Winter Classic" der National Hockey League. Diesmal in Wrigley Field in Chicago und mit den Chicago Blackhawks und dem Stanley-Cup-Gewinner Detroit Red Wings. Die Hintergrundgeschichte zum Erfolg der Veranstaltung steht morgen in der gedruckten Ausgabe der FAZ, ging aber vor kurzem bereits online. Wer noch mal ein wenig zurückblättern will und mehr über die Veranstaltung wissen will, die am 1. Januar 2008 in Buffalo erstmals ausgerichtet wurde, kann das auf diesen Seiten tun. Das Spiel wurde damals live mitgebloggt. Alle Beiträge zum Thema gibt es hier.

Man kann aber dieser Tage nicht so einfach über Eishockey in den USA reden, ohne das Elend der Phoenix Coyotes zu erwähnen. Viele werden einfach zu jung sein, um sich daran zu erinnern, dass es sich hierbei um die Winnipeg Jets handelt, die 1996 in einer dieser typischen Umzugsaktionen aus der kanadischen Provinz Manitoba nach Arizona umgetopft wurden. Was nur auf dem Papier eine gute Idee war. Damals hielt man es einfach für ganz selbstverständlich zu erwarten, dass Eishockey mitten in der Wüste jede Menge Zuschauer anlockt. So lange die Kältemaschinen für gutes Eis in der Halle sorgen.

Es ist an der Zeit, das Experiment für gescheitert zu erklären. Und zwar sowohl sportlich – das Team hat so gut wie jedes Jahr die Playoffs verpasst und noch nie die erste Runde überstanden. – als auch wirtschaftlich. Dass Wayne Gretzky als Galionsfigur, Trainer und Minderheitseigner den Büttel nicht hinwirft, bedeutet nicht, dass er das nicht tun sollte. Derzeit produziert man pro Saison einen Verlust von 35 Millionen Dollar und hat substanzielle Probleme mit der Schuldenlast, die durch den mehrfachen Weiterverkauf des Clubs allein in Phoenix aufgehäuft wurden. Mehr zu der akuten Situation gibt es bei allesaussersport, wo bei der Gelegenheit auch ein Tabuthema gestreift wurde. Die Liga mit ihrem nutzlosen Fernsehvertrag ist nicht der Lage, Clubs in Regionen zu finanzieren, die nicht selbst genügend wirtschaftliche Ressourcen haben. Selbst wenn die Coyotes Konkurs anmelden (was im amerikanischen Wirtschaftsrecht nicht unbedingt das Aus sein muss, sondern erstmal nur alle Gläubiger an einen Tisch bringt, wo man über die weiteren Chancen des Unternehmens debattiert und möglicherweise auf alte Forderungen verzichtet), sind die Überlebenschancen absurd niedrig. Zwar käme man so vermutlich aus der dicksten Zwangsjacke heraus – aus dem Vertrag, der das Team langfristig an die neue Halle in Glendale außerhalb von Phoenix bindet. Aber ein Umzug an einen anderen Ort (in Kansas City wartet eine hübsche neue Halle) würde nur das größte Defizit von allen vertuschen: Die NHL hat zuviele Clubs und käme mit 24 statt 30 an strategisch gesehen vernünftigen Standorten sehr viel schneller an ihr Publikum (und das dringend benötigte Geld). Die hohen Durchschnittsgehälter (trotz Salary Cap) sind ein weiteres Problem. Aber erst die gegenwärtige Finanzkrise dürfte selbst dem letzten Agenten in der Liga klar gemacht haben, dass man die hochgestochenen Wunschträume der meisten Spieler abschreiben kann.

Die nächste (ausgemachte) Krise steht übrigens bereits vor der Tür: Der kanadische Dollar hat in den letzten Monaten wieder sehr viel an Wert gegenüber dem US-Dollar verloren. Das macht den kanadischen Teams zu schaffen, die eigentlich ansonsten sehr gut im Futter sind. Sie bezahlen nämlich ihre Spieler genauso in US-Dollar wie die Teams in den Vereinigten Staaten. Mit anderen Worten: Sie zahlen mehr (im Moment rund 20 Prozent mehr). Das sah zwischendurch mal sehr viel besser aus, als die beiden Währungen nominal fast pari standen (in Kanada sind die Lebenshaltungs- und andere Kosten etwas niedriger als in den USA).

16. Juli 2008

NHL: Open Air am Neujahrstag in Chicago

Weil das Spiel am Neujahrstag in Buffalo eine Unzahl von Zuschauern ins Stadion lockte und die Einschaltquoten im US-Fernsehen gegen die Übertragungen vom populären College-Football standhalten konnten, probiert die NHL, das eiskalte Vergnügen noch einmal aufwärmen. Der Winter Classic könnte das Zeug zu einem Klassiker haben. Diesmal soll das Match in einem uralten Baseball-Stadion stattfinden: in Wrigley Field in Chicago. Die Gegner: der amtierende Stanley-Cup-Sieger Detroit Red Wings und die Chicago Blackhawks, die seit Jahren nur eine obskure Rolle in der Liga spielen. Mit anderen Worten: Rein sportlich riecht die Ansetzung am 1. Januar 2009 nach einer einseitigen Vorführung. Open-Air-Eishockey hängt natürlich von den Launen des Wetters ab. Wenn man von Erfahrungswerten in der Windy City am Lake Michigan ausgeht, gibt es nicht viel zu befürchten.