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19. März 2009

Madness und Anwälte: Die NCAA fährt einen harten Kurs

Das kommt dabei heraus, wenn eine Institution, die dem Allgemeinwohl verpflichtet ist, sich geistig zu einer Cash-Maschine entwickelt. Nein, wir reden diesmal nicht vom IOC und nicht vom Württembergischen Fußballverband, sondern von der NCAA und jenem Theater, das heute offiziell beginnt und ein paar Wochen lang die meisten Sportfans in den USA in Bann schlagen wird. Die National Collegiate Athletic Association ist derart angetan von der Begeisterung, dass sie jetzt die Anwälte losschickt, um jene Leute zu Schadensersatzzahlungen heranzuziehen, die einfach warenzeichenrechtlich geschützten Begriffe wie "March Madness," "Elite Eight" oder "Final Four" benutzen. Angeblich bringt die schwierige wirtschaftliche Lage immer mehr Leute auf die Idee, sich per Huckepack-Marketing an der Euphorie zu beteiligen.

2. April 2007

Florida und Ohio State regieren Football und Basketball

Es gibt mehr als 300 Colleges in der Division I in Amerika, in der die besten Sportabteilungen gegeneinander wetteifern. Dennoch gibt es heute abend in Atlanta nichts anderes als das zweite Finale innerhalb weniger Monate zwischen den Universitäten Florida (Sitz in Gainesville) und Ohio State (Sitz in Columbus). Das Football-Endspiel gewann Florida (Spitzname: Gators), nachdem sich das Team nur um Bruchteile von Punkten im Rahmen der Bowl Championchip Series qualifizieren konnte. Die Basketball-Meisterschaft sollten die Jungs aus dem Südosten des Landes ebenfalls gewinnen. Sie wirkten in den letzten Spielen stets um ein Quantum besser und souveräner als ihre Gegner, während Ohio State (Spitzname: Buckeyes) froh sein kann, so weit gekommen zu sein. Die wirklich interessante Frage ist: Welche Topspieler werden sich neben Lee Humphrey anschließend bei der NBA zur Draft anmelden: Joakim Noah? Greg Oden? Wir bleiben am Ball.

31. März 2007

Final Four: Floridas letztes Hurra

Man sollte davon ausgehen, dass man das erfolgreiche Team der Universität Florida an diesem Wochenende in dieser Zusammensetzung zum letzten Mal erleben wird. Heute gegen UCLA im Halbfinale der Final Four. Und, wenn sie gewinnen, am Montag noch einmal gegen den Sieger Ohio State gegen Georgetown. Eigentlich könnten Joakim Noah und seine Nebenleute noch ein Jahr dranhängen. Schließlich studiert man in den USA bis zum Abschluss vier Jahre. Und nur der schussgewaltige Lee Humphrey hat seine Studienzeit komplett abgewickelt. Aber nachdem man zumindest Noah im letzten Jahr schon dringend angeraten hatte, sich für die NBA-Draft anzumelden und auf einen hohen Draftplatz zu spekulieren, sollte sich das Thema in diesem Jahr von selbst erledigen. Diplom hin oder her. Die Aktien für den Start in eine vielversprechende Profikarriere können auch fallen. Aber nicht nur die Spieler werden sich vermutlich vorzeitig trollen. Es sieht ganz so, als ob sich sich Coach Billy Donovan ebenfalls für eine andere Aufgabe interessiert. Die Buschtrommeln besagen, dass die University of Kentucky in Lexington, wo man Basketball wichtiger nimmt als Wissensvermittlung (nur Vollblutzucht und Galoppsport rangieren höher) über 2 Millionen Dollar pro Jahr anbietet, um den erfolgreichsten College-Trainer der letzten Jahre abzuwerben. Donovan hat bislang nicht durchblicken lassen, ob ihn das reizt oder ob er nur pokert, um in Gainesville einen besseren Vertrag herauszuholen. Üblicherweise verursachen solche Hintertreppengeschichten böses Blut und sorgen dafür, dass der Umworbene sich für den Ortswechsel entscheidet. Damit ist auch diesmal zu rechnen. Donovans kuriosester Augenblick (mit symbolischer Bedeutung): Im letzten Jahr bei der Rückkehr nach Florida ließ er bei der großen Siegerfeier den gläsernen Meisterschaftspokal fallen.

P.S. Es war nur eine Nachahmung. Die Aktion war geplant, um das eigene Publikum zu düpieren. College-Humor.

26. März 2007

March Madness: Nur einer kam nicht durch

Wir hatten bislang ein March-Madness-Turnier ohne wirkliche Überraschungen. Es gab zwar Außenseiter und Aschenputtel-Teams, die im Laufe eines Spiels beachtliche Vorsprünge herausspielen konnte. Aber am Ende waren die Favoriten cool und gut genug, um sich jedes Mal an den eigenen Schnürsenkeln aus der sumpfigen Gemengelage herauszuziehen. Die einzige Topmannschaft, die auf unerklärliche Weise verlor, war North Carolina am Sonntag. Den Tar Heels ging zum denkbar falschesten Zeitpunkt das Zielwasser aus. Am Ende der Verlängerungen gegen Georgetown sahen sie wirklich so aus, als gehören sie nicht in die Final Four. Egal, was die T-Shirts sagen, die eilige Produzenten vor dem Wochenende bedrucken ließen (siehe Foto, via deadspin). Nun haben wir also zwei Prominentenkinder am kommenden Samstag in Atlanta im Visier - Floridas Joakim Noah, über den ich in der vergangenen Woche eine ausführliche Geschichte in der Printausgabe der FAZ hatte, und Georgetowns Patrick Ewing jr. Nachdem Noah bereits im letzten Jahr die Tabloidinstinkte von all jenen Medienleuten bediente, die lieber über das Drumherum schreiben als über die temporeichen und risikofreudigen Spiele selbst, und zum MVP der Final Four ausgerufen wurde, wird vermutlich diesmal der Scheinwerfer auf Ewing gerichtet werden. Das werden wir sicherlich auch tun. Denn Vater Patrick war selbst eine College-Basketball-Legende, später Mitglied des Dream Team in Barcelona und jemand, dem die größte sportliche Auszeichnung einer NBA-Karriere versagt blieb. Ihm gelang es mit den New York Knicks nicht, den Titel zu gewinnen.

10. März 2007

March Madness um eine Stunde verkürzt


Foto: flickr/creativecommons/chasingfun


Heute nacht wird die Uhr in den USA auf Sommerzeit vorgestellt. Eine Stunde weniger Schlaf. Und eine Stunde weniger für das Phänomen, das seit ewigen Zeiten unter dem griffigen Spitznamen March Madness läuft. Richtig verrückt daran ist gar nichts, wenn 65 Collegemannschaften über drei Wochenenden verteilt ein bestens organisiertes Turnier austragen, bei dem es um die amerikanische Universitätsmeisterschaft im Basketball geht. Aber das bisschen Neben-der Kappe-Getue daran genügt bereits. Und so kommt die NCAA-Meisterschaft mit diesem unausrottbaren Kunstwort daher. Sicher: Diese Titelkämpfe sind anders als alle anderen im Ligasport in den USA. Es machen mehr Teilnehmer mit. Die Teams und ihre Anhänger sind übers ganze Land verstreut. Es gibt keine Best-of-Seven-Serien, sondern ein eiskaltes KO-System. In den Rängen sitzen Studentenorchester und betuten sich gegenseitig in einem eigenen inoffiziellen Blechblaswettbewerb. Und am Ende begeht der Sieger einen Akt der Sachbeschädigung und schneidet in einem uralten Ritual die Schnüre vom Basketballkorb ab. So ist das nun mal im STUDENTEN-Basketball.

Es macht wenig Sinn, sich die brackets - sprich den Setzplan - vorab auch nur spekulativ anzuschauen. Obwohl die beteiligten Fernsehsender und ihre weisen Propheten seit Wochen nichts anderes tun. Denn das Programm füllt sich nur zu einem Teil qua Qualifikation. Wobei hierbei nicht zählt, was eine Mannschaft im Laufe der voraufgegangenen Saison mit ihren 20 bis 25 Spielen geleistet hat, sondern der Sieg in der Conference Tournaments (ebenfalls KO-System), die in diesem Moment überall in den Vereinigten Staaten ihre entscheidende Phase erreichen.

Damit aber alles etwas gerechter zugeht, gibt es eine anonymes Komitee, das am Sonntagabend die restlichen Teilnehmer des Meisterschaftsturniers nominiert und dabei die unterschiedlichsten Kriterien abwägt. Diese burschen bestimmen darüberhinaus, wer von den Auserwählten in welches der vier Regional-Brackets gesetzt wird. Dieser Prozess ist sicher der verrückteste Aspekt an March Madness. Denn er ist durch nichts zu beeinflussen und durch nichts zu begreifen. Natürlich reicht es, sich erst bei den Final Four wieder einzuklinken, wenn die vier verbleibenden Mannschaft in zwei Halbfinal- und dem Finalspiel den Meister ermitteln. Denn das halten auch die meisten Amerikaner so, weshalb die Final Four ein hochrespektables Fernsehereignis sind. Aber wer trotzdem gerne schon vorher sein Herz an eine Mannschaft hängen will, darf es ruhig probieren. Warnung: Das Turnierformat macht die Sache ziemlich unvorhersehbar. Das beste an der Veranstaltung: Weil Boris Beckers Kinder noch kein College besuchen, muss man nicht damit rechnen, dass er bei einem Spiel auftaucht und irgendjemanden interviewt.

Obwohl es ihm bestimmt in den Fingern juckt. Denn einer der Spieler ist Joakim Noah, der Sohn von Yannick Noah, nach dem Beckers Ältester benannt ist. Joakim spielt für die University of Florida, die im letzten Jahr Meister wurde, woraufhin mal wieder eine dieser merkwürdigen Pawlowschen Gossip-Momente im deutschen Sportjournalismus ausbrach: Geschichten zu Hauf über einen Basketballer, den bis dahin keiner kannte, der in einem Turnier gewonnen hatte, das keinen interessiert. Der bei seiner Mutter (einer Schwedin) in New York aufgewachsen ist, von der noch nie jemand gehört hat. Und der ziemlich roh und unfertig eine Sportart praktiziert, die mit der seines Vaters nicht mal entfernt verwandt ist.

Aber das genügte:
Joakim, übrigens Amerikaner und kein Franzose, habe "augenscheinlich Agilität, Schnelligkeit und Charisma von seinem Vaters geerbt" (schrieb die Welt).
"Die erstaunliche Entwicklung hat ihren Ursprung in Kamerun. Im vergangenen Sommer nutzte Joakim die Semesterferien, um in die Heimat seiner Vorfahren zu reisen" (schrieb SpOn).
"Joakim eifert Vater Yannick nach" (schrieb Eurosport).
"An sportlicher Begabung hat der letzte Spross der Familiendynastie einiges mitbekommen" (schrieb die NZZ, die in ihrer Geschichte auf den Opa hinwies, den ehemaligen Fußballprofi Zacharie Noah aus Kamerun).

In diesem Jahr spielt Florida nicht halb so stark wie vor zwölf Monaten. Und der junge Noah, der im letzten Juni bei der NBA-Draft sicher als einer der Top Ten genommen worden wäre, sieht auch nicht aus, als ob er sehr viel dazu gelernt habe. Theoretisch dauert sein Studium noch ein weiteres Jahr. Es sei denn, er verzichtet auf den Abschluss und wird Profi.