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18. Juli 2010

British Open: Kaymer schleicht sich an

ST ANDREWS, SCOTLAND - JULY 17: Martin Kaymer of Germany putts onto 18th hole during the third round of the 139th Open Championship on the Old Course, St Andrews on July 17, 2010 in St Andrews, Scotland. (Photo by Stuart Franklin/Getty Images)
Am 18. Grün legte Martin Kaymer am Samstag den Putt zur Annäherung an die Fahne ganz nah am Loch ab. Das Resultat: Birdie. Der Score für die Runde: eine 68. Der entscheidende Aspekt: Der Weltranglistendreizehnte arbeitete sich auf den dritten Platz der Zwischenwertung der British Open vor und geht am Sonntag mit seinem Freund Henrik Stenson und dessen Caddie Fanny Sunesson (seiner langjährigen Beraterin in Fragen der Spieltaktik) auf die entscheidende Runde. Sein Rückstand zum führenden Südafrikaner Louis Oosthuizen beträgt sieben Schläge.

Das ist durchaus eine Menge Holz. Aber auch nur dann, wenn Oosthuizen keine Fehler macht und die Nerven behält. Das gibt es im Golf jedoch so gut wie nie, dass einer vier Tage lang durch die Bank besser spielt als die Konkurrenz. Meistens kommt irgendwann der Einbruch – entweder früher oder später. Entweder weil man patzt. Oder weil man sich innerlich verspannt. Der letzte klassische Aussetzer: neulich bei den US Open, als der Amerikaner Dustin Johnson nach drei Tagen das Ding schon im Sack zu haben schien. Kollege Ron Sirak, mit dem ich einst eine Runde auf dem schweren US Open-Platz von Shinnecock gespielt habe, dem besten Links-Platz in den USA, erinnert an folgende Episoden neben Johnson:

"And how about Aaron Baddeley, who looked unbeatable in the third round of the U.S. Open at Oakmont in 2007 when he opened a two-stroke lead, and then unraveled to an 80 on Sunday that commenced with a triple bogey on the first hole? And don't forget the immortal Jean Van de Velde, who took a five-stroke lead into the final round of the 1999 British Open at Carnoustie and closed with a 77 -- including that memorable 7 on the final hole and lost the title to Paul Lawrie in a playoff."

Moral: Bei vielen Spielern, die sich zum ersten Mal in einer solchen Situation erleben, stottert irgendwann die Maschine, die drei Tage gut geölt gelaufen war.

10. Mai 2009

Cejka verspielt Rekordvorsprung

Alex Cejka hat drei Tage lang hervorragend Golf gespielt und ging deshalb am Sonntagmittag mit fünf Schlägen Vorsprung auf die letzte Runde der Players Championship. Der Vorsprung war so groß wie noch nie in der Geschichte des Turniers. Das Problem: Es war eine Runde mit Tiger Woods. Im Schatten einer solchen Figur werden die Finger der meisten Golfprofis klamm. Cejka produzierte eine desaströse vierte Runde mit sieben über Par und rutschte im Kampf um eine ordentliche Platzierung auf Rang neun ab. Tiger Woods hatte auch keinen guten Tag. Und auch Martin Kaymer schon gar nicht, der abgeschlagen ins Mittelfeld zurückfiel. Dafür sorgte der Schwede Henrik Stenson für einen hervorragenden Eindruck. Er erarbeitete sich mit einer 66 den Turniersieg.

15. März 2009

Hundert Pfund Nerven

Kleine Bestandsaufnahme zwischendurch vom Golf in Doral, wo in den nächsten Stunden die letzte Runde abgewickelt wird:

Sergio Garcia steht schlechter im Zwischenklassement als Tiger Woods. Sollte Phil Mickelson gewinnen, wird er zum stärksten Rivalen um den ersten Platz auf der Weltrangliste.

Henrik Stenson spielt seit dem Unterhosenzwischenfall wie ein Mann mit hundert Pfund Nerven im Gepäck. Er ist fast ans Ende der Wertung gerutscht. Den letzten Platz schafft er allerdings nur, wenn er (so wie Aaron Baddeley) disqualifizert wird.

Martin Kaymer steht ungefähr dort, wo man ihn aufgrund seiner Weltranglistenplatzierung erwarten darf. Damit fährt er weitere Punkte ein und wird diesen Sommer alle vier Majors buchen können. Das erste ist das Masters in Augusta im kommenden Monat. Danach das US Open in Bethpage.

13. März 2009

Halbnackt am dritten Loch

Henrik Stenson hat uns einen Grund mehr geliefert, jeden Tag eine frische Unterhose anzuziehen: Man kommt möglicherweise auf einem Golfplatz in die kitzlige Lage und will seinen Ball schlagen, der auf matschigen Grund gelandet ist, um keine Strafschläge zu kassieren. Das Problem: Wenn man sich dann nicht radikal entkleidet, sehen die hübschen Klamotten hinterher dank der herumfliegenden Sauce wie ein Schwein aus. Stenson hat das am Donnerstag in Doral am dritten Loch alles sehr genau bedacht und beschlossen, sich auszuziehen. Es entstand ein Bild für die Ewigkeit (via Deadspin). Für Stenson hat sich das Manöver gelohnt. Tiger Woods liegt im Mittelfeld. Martin Kaymer ziemlich weit hinten.

Nachtrag: Hier ist die Bildergalerie, die den Spaß 
noch etwas besser dokumentiert. Detail: Stenson trägt eine Unterhose
 der Marke Björn Borg. Nach dem Katalog zu urteilen handelt es sich um das Modell Fun Short Short, das man im Internet für 22,95 Euro das Stück beziehen kann. Werbespruch: "Ordinary people feeling extraordinary in these underwear."

1. März 2007

Wie weit daneben darf man eigentlich schießen?

Keine Ahnung, weshalb man bei der Online-Ausgabe von Sport Bild über Golf schreibt. Zuviel Platz? Zuviel Zeit? Zuviel emotionale Beziehung zu dem Spiel der Schotten? Zuviel Kompetenz kann es nicht sein. Das durfte man vor ein paar Tagen bei einer Geschichte über das Match-Play-Turnier in Arizona feststellen. Überschrift:
"1,35 Millionen Dollar für vier Tage Arbeit "
Klingt gut. Ist aber falsch. Während normale Zählwettspiel-Turniere in vier Runden tatsächlich an vier Tagen entschieden werden, kommt man damit bei einem 64er-Feld wie dem Lochwettspiel-Turnier unter der Flagge von WGC-Accenture nicht aus. Sechs Runden werden in fünf Tage hineingequetscht: Viertel- und Halbfinale finden samstags statt. Dazu kommen 36 Löcher als Doppelrunde beim Finale am Sonntag. Die werden meistens nicht komplett ausgespielt, weil der Sieger häufig eher feststeht. So war diesmal das Match an Loch 35 zu Ende. Aber theoretisch kann sich das Ganze auch noch weiter hinziehen, wenn die Partie auch auf dem letzten Grün all square steht. Unterm Strich: Stenson musste als Sieger in Marana das Äquivalent von sieben Golfrunden in fünf Tagen absolvieren.
"Nach dem Sieg gegen Titelverteidiger Geoff Ogilvy war Stenson um 1,35 Millionen US Dollar reicher".
Klingt gut, ist aber falsch. Zehn Prozent der Gewinnsumme gehen auf jeden Fall schon mal an den Caddie (siehe Geschichte über die Dame hier). Mehr als 30 Prozent von dem Rest gehen an die Steuer.
"Im Finale gegen Ogilvy über 36 Löcher musste Stenson allerdings eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle durchmachen."
Klingt gut, ist aber falsch. Erstens ging das Match nur über 35 Löcher, dann war es entschieden (siehe oben). Doch weit wichtiger: Der größte Rückstand, den Stenson hatte, war "2 Down" (zehn Löcher vor Schluss), was im Match-Play-Geschäft soviel Rückstand ist wie ein Break im Tennis - eine Blubberblase auf dem großen Teich. Kein Grund, sich Sorgen zu machen. Weit vorne lag er auch nie. Das Spiel plätscherte dahin und hatte nur wenige sportliche Highlights. Was auch an dem Platz liegt: Viel zu breite Bahnen und riesige, ziemlich harmlose Grüns.
"Die beiden Siege katapultierten ihn in der Weltrangliste auf den fünften Platz."
Klingt gut, ist aber falsch. Die Weltrangliste wird jede Woche berechnet. Ehe Stenson nach Amerika flog stand er auf Platz 8. Durch den Sieg gegen Geoff Ogilvy rückte er auf Platz 5 vor. Dafür braucht man ein Katapult? Vorher war er mit seinem Erfolg in Dubai von Rang 14 auf Rang 10 geklettert. Wie katapultig war das? Gar nicht.

Was stand nicht in der Meldung? Dass Stenson damit der in der Weltrangliste bestplatzierte Europäer ist. Dass er den bislang höchsten Rangplatz eines Schweden inne hat. (Jesper Parnevik kam nur bis auf 7.) Dass er mit Abstand die europäische Order of Merit anführt. Dass er einen Sportpsychologen (der Schwede Torsten Hansson) beschäftigt, der ihn nach einer ziemlichen Leistungskrise vor fünf Jahren wieder aus der Tiefe herausgeholt hat (zusammen mit einem vom Engländer Peter Cowan völlig überarbeiteten Schwung, der zuerst alles nur noch schlimmer machte, bevor es besser wurde). Und dass er Fanny hat, den einzigen weiblichen Caddie im Topgolf der Männer. Auf der Scorekarte von Stensons und Ogilvys Finalbegegnung kann man übrigens das Match genau nachverfolgen. Das Link ist hier.
Manche Leute, die sich ein Golfsouvenir in der Wüste von Arizona angeln wollen, erleben übrigens schon mal solche Augenblicke:
Blick zurück: Fanny trägt immer den besten die Tasche
Blick zurück: Wenn man Tiger Woods einen Putt andichtet, ist Sport Bild dabei

25. Februar 2007

Klein, aber fein: Der Fanny-Effekt

Als Fanny Sunesson noch zusammen mit Nick Faldo über die Golfplätze der Welt trottete, war sie trotz ihres eher kleinen Wuchses eine der auffälligsten Figuren in einer Sportart, die aus Tradition besonders langsam ist, irgendwelche Veränderungen zu akzeptieren. Sie schien nicht nur - als Frau - wie die Abgesandte von einem anderen Planeten. Sie verdiente mehr als ihre Kollegen. Mehr sogar als damals die meisten Profi-Golferinnen auf der LPGA-Tour. Die BBC schätzte später ihre Einnahmen aus der Jahren mit dem extrem schwierigen, aber extrem erfolgreichen Engländer auf knapp 2 Millionen Euro. Die Schwedin fand zwar danach keinen Majors-Gewinner mehr für ihre Dienste (es kam zwischendurch noch mal zu einer zweijährigen Zusammenarbeit mit Faldo), aber eine Reihe von anderen Spielern, die mit ihrer Hilfe gute Resultate einfuhren: der junge Sergio Garcia, der soignierte Herr Fred Funk, der kaum größer als sie ist, der Zwei-Richtungs-Putter Notah Begay in seiner erfolgreichen Phase und dann - auf Free-lance-Basis - Michelle Wie, Ian Poulter, Mark Hensby und Zach Johnson. Mit Hensby trat sie im letzten Frühjahr unter anderem in Augusta an - in einem dieser klassischen weißen Masters-Overalls, in denen die Caddies wie Anstreicher aussehen.

Zwischendurch schien die 38jährige genug zu haben: genug Geld auf der Bank, genug von den Launen ihrer Chefs und genug vom ständigen Reisen. Aber irgendwann liess sie sich wieder bitten. Ihr jüngster Job ist wieder extrem lukrativ: Sie trägt den Bag ihres Landsmanns Henrik Stenson, der Anfang Februar an seinem Wohnsitz Dubai zum ersten Mal in der neuen Saison ein Turnier gewann. Das zählte für die Order of Merit in Europa und die Weltrangliste. Stenson produzierte am Sonntag seinen bisher größten Zahltag: Beim Matchplay-Turnier auf dem von Wüste und Kakteen eingerahmten Dove Mountain's Gallery Golf Club außerhalb von Tucson/Arizona schlug der 30jährige Schwede im 36-Löcher-Finale Vorjahressieger Geoff Ogilvy mit 2&1 auf dem 35. Grün und verdiente 1,35 Millionen Dollar. Zehn Prozent davon gehen in die Tasche von Fanny. Stenson hatte in Dubai bereits angedeutet, wie er froh über die neue Hilfe an seiner Seite ist: "Sie gehört zu den erfahrensten und besten. Ich habe das sichere Gefühl, dass sie mir die beste Information gibt, die ich erhalten kann."