Posts mit dem Label Wettskandal werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Wettskandal werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

7. Dezember 2009

"Eine giftige Kombination"

Die New York Times beschäftigt sich mit dem SSV Ulm, um dem Wettskandal im deutschen Fußball auf die Schliche zu kommen. Man könnte also sagen: Das Thema zieht weite Kreise. "In den unteren Ligen sorgt eine giftige Kombination aus hohen Erwartungen, bescheidendem Erfolg und erstaunlich niedriger Bezahlung dafür, dass die Spieler in Deutschlands 33 Clubs der Regionalgruppen Zielscheiben für Bestechung sind", schreibt die Zeitung.

Im jüngsten Ballpodder-Podcast haben wir versucht, diese Mischung etwas genauer zu betrachten. Interviewpartner: dogfood von allesaussersport.de und gses von rasenschach.eu. In einem separaten Gespräch mit Probek geht's um Bayern München. Er ist auch der Gastgeber der Podcast-Ausgaben. Link.

25. November 2009

Mehr NBA-Schiedsrichter in Wettskandal verwickelt?

Im Schatten der umfangreichen Ermittlungen über den organisierten Betrug im Fußball wirken die Anschuldigungen eines der Gangster, die im NBA-Schiedsrichter-Skandal eine entscheidende Rolle spielten, fast schon harmlos. Aber der Vorwurf steht seit kurzem im Raum: Angeblich wurden damals 13 Referees in die Affäre hineingezogen. Die bestand nach dem bisherigen Wissensstand wohl nicht hauptsächlich daraus, den Ausgang von Spielen zu manipulieren, sondern Informationen von Unparteiischen zu erhalten, durch die sich das Resultat leichter voraussagen lassen kann. Die berühmteste Figur – Tim Donaghy – hat inzwischen die Gefängnisstrafe abgesessen und versucht ein Buch auf den Markt zu bringen. Der erste Verlag bekam allerdings kalte Füße, nachdem Auszüge aus dem Manuskript in der Öffentlichkeit auftauchten. Eine Reaktion seitens der Liga steht noch aus.
Blick zurück: Die erste Geschichte über die Anklage gegen Tim Donaghy in der FAZ
Blick zurück: Der jüngste Bericht über Donaghys Versuch, sein Enthüllungesbuch zu publizieren – ebenfalls in der FAZ
Blick zurück: Die American-Arena-Beiträge zu Stichwort Donaghy

21. Oktober 2007

Folge der Mafia-Ermittlungen: NBA-Schiedsrichter mit Disziplinierstrafen belegt

Wir wissen noch immer nicht, in welchem Rahmen der ehemalige NBA-Schiedsrichter Tim Donaghy von der amerikanischen Strafjustiz in die Mangel genommen wird. Aber wir können uns jetzt zusammenreimen, dass aus seine Flüstertüte ein paar Informationen gekommen sein müssen, die zu einer kleinen Strafaktion gegen andere Referees geführt hat. Niemand wurde mit einer Sperre belegt. Und über das Ausmaß der Disziplinarmaßnahmen schweigt sich die Liga aus. Vermutung: Die Unparteiischen haben vemutlich etwas getan, was sie vertragsgemäß nicht dürfen - zum Beispiel ein Casino besuchen.
Blick zurück: Donaghy heißt der Pfeifenheini

1. September 2007

Laxe Haltung im Tennis gegenüber Wettbetrug

Es ist beruhigend zu wissen, dass die Öffentlichkeit nervös reagiert, wenn klar wird, dass ein NBA-Schiedsrichter in einen Wettskandal verwickelt ist und mit Typen von der Mafia zusammenarbeitet. Denn eine solche Reaktion alarmiert alle Beteiligten, nicht zuletzt die Verantwortlichen der Liga, die, wenn sie klug sind, ihr Kontrollsystem verbessern, damit sie beim nächsten Mal die offensichtlichen Missetäter selbst aufspüren.

Es ist keineswegs beruhigend zu wissen, dass die Öffentlichkeit völlig entspannt auf die Hinweise auf Wettbetrug im Profi-Tennis reagiert. Nicht nach dem Vorfall in Polen, nicht nachdem, was die französische Zeitung L'Equipe diese Woche geschrieben hat und was die Los Angeles Times darüberhinaus berichtet. Die Verharmloser sitzen in den oberen Etagen.

19. August 2007

Ab nach Canossa

Spätestens in jenem ausgiebigen Volontärsseminar vor vielen, vielen Jahren habe ich kapiert, dass es um die Gerichtsberichterstattung in Deutschland nicht gut bestellt ist. Es wird mit einer Hingabe sondergleichen vergröbert, klischiert, verdreht und ganz nebenbei auch immer gerne der (oder die Angeklagte) vorverurteilt. Das liest sich griffig und wirkt so, als ob der schreibende Journalist ein tugendhaftes Wächteramt inne habe. Sich gegen diese Mentalität und Vermessenheit zu stellen und den betreffenden Ressortleitern konkret Vorhaltungen zu machen, war schon damals schwierig. Selbst dann, wenn man die Fakten auf seiner Seite hatte. Die schönste Entschuldigung war immer: So schlimm wie die viel und oft gescholtene BILD-Zeitung sei man nicht.

Es hat seither sicher haufenweise grandiose Beispiele für diese alltägliche Medienkrankheit gegeben. Aber der nächste Volontärskurs möchte vielleicht mal etwas sportlich Frisches durchnehmen. Etwas aus dem globalen, digitalen Dorf. Nicht verfasst von gerne als unzuverlässig abgestempelten Bloggern, sondern von den "Seriösen", den sogenannten Qualitätsmedien. Den Leuten, den man gemeinhin traut. Bevor die folgende Übung als Korinthenkackerei abgetan wird oder als Versuch, irgendjemanden in Schutz zu nehmen, möge der geneigte Leser sich doch mal die Mühe machen, sich mit dem Stoff zu beschäftigen. Der Fall des ehemaligen NBA-Schiedsrichters Tim Donaghy.

Fangen wir nun mit dem ersten Kinken an:
Donaghy und die Praxis des Gestehens - auf Deutsch auch gerne vollmundig "auspacken" genannt ("soll auspacken", "will auspacken", "hat...ausgepackt") - hier eingepackt in dieser Überschrift auf N24 und auf einer dpa-Geschichte basierend:
"NBA-Schiedsrichter will weiter auspacken"
Mit Verlaub: Donaghy hat bislang nichts "ausgepackt" (i. e. enthüllt, aufgedeckt, offenbart), kann demnach logischerweise nicht "weiter" auspacken. Er hat zugegeben, was wegen der Abhöraktion des FBI ohnehin nicht zu leugnen war: seine Beziehung zum organisierten Verbrechen und seine Tipps an die zwei mitangeklagten Mafiosi aus Philadelphia . Und abgesehen davon: Hätte er wirklich ausgepackt, würden wir darüber schreiben können, wie man als Basketball-Referee zusammen mit der Mafia NBA-Spiele manipuliert. Können wir aber nicht, weil wir's nicht wissen.

Aber weiter im Takt: Denn dazu passt diese Headline auf süddeutsche.de:
"Schiedsrichter gesteht Wettbetrug"
Donaghy hat keineswegs irgendwelche Betrugsdelikte gestanden. Er hat nur zugegeben, Mafiosi mit unlauteren Wettabsichten mit Informationen versorgt und dafür Geld kassiert zu haben. Er hat auch zugegeben, selbst gewettet zu haben. Das sind beides ganz erhebliche, strafbewehrte Verstöße, und sie lassen den Verdacht von Manipulationen aufkommen. Dieser Verdacht jedoch wurde weder von der Staatsanwaltschaft erhoben noch belegt. Und von Donaghy gibt's zu dem Thema nichts, außer einer kryptischen Entschuldigung via New York Daily News. Kennt der Autor den Unterschied zwischen Betrug und dem Ausplaudern von Interna? Oder ist ihm der Unterschied einfach egal - nach dem Motto: alle Kriminellen sind irgendwie auch Betrüger?

Basierend auf der ersten Fantasieinfo kann man natürlich eine zweite draufpacken:
"Donaghy stürzt die amerikanischen Basketball-Profiliga NBA in eine tiefe Krise" (süddeutsche.de) und braucht auch das nicht mehr zu belegen. Man schreibt einfach: "Der strenge NBA-Commissioner Stern bangt nun um den Ruf seiner Liga" - fertig ist die Laube. Kein Zitat von Stern zur Abstützung oder von anderen einflussreichen Leuten, die etwa von einem Sturz oder einer Krise reden. Na, Bravo. Gerichtsberichterstattung in Andeutungen und Mutmassungen - eine feine Sache.

Wie man von der stillen Post weiß, geht es natürlich immer auch noch schlimmer. Wie etwa im Tagesspiegel, der eine dpa-Geschichte mitnimmt, die er aber nicht genauer kennzeichnet: "Durch das Geständnis von Schiedsrichter Tim Donaghy, zwei Spiele unter seiner Leitung manipuliert und darauf gewettet zu haben, hat die glamouröse Eliteliga einen immensen Imageschaden erlitten." Wieviele falsche Sachbehauptungen in einem Satz? Minimum zwei (zwei Spiele manipuliert, immensen Imageschaden erlitten). Darüber eine irreführende Überschrift ("Schiedsrichter-Beichte"). Na, prima. Werden diese Feststellungen wider Erwarten weiter hinten noch belegt? Nein. Weil das angesichts der Informationslage auch gar nicht klappen würde. Man redet lieber von einem "Büßerhemd", in dem Donaghy angeblich vor Gericht auftrat. Das soll seriöser Journalismus sein? Oder wäre da nicht mal ein Gang nach Canossa fällig (siehe Bild weiter unten, wo man das berühmteste Büßergewand der letzten tausend Jahre betrachten kann)?

Eigentlich schon. Denn aus dem Ärmel geschüttelt kommt dann noch die Behauptung, dass "Vieles an den "Fall Hoyzer" im deutschen Fußball" erinnere. Belege? Keine. Ist ja auch nicht notwendig. Der Fall des deutschen Schiedsrichters hatte ja auch irgendwie mit Wetten zu tun und mit kriminellen Anstiftern. Das ist dann bei soviel müder Gedankenarbeit bereits "Vieles". Dass Hoyzer (man erinnere sich an das Pokalspiel zwischen dem HSV und Paderborn) ganze Begegnungen umgebogen hat und dass man von Donaghy gar nicht weiß, ob er und wenn ja, wie er gebogen hat, damit will man den Leser wohl lieber nicht behelligen. Es gilt der alte Grundsatz: Zuviele Informationen schaden dem Duktus einer Nachricht. Besonders die korrekten Informationen.

Das gilt auch für korrekte Übersetzungen aus dem Englischen? Ja, klar. Zurechtgebasteltes Deutsch wirkt einfach besser. Wie schreibt dpa hier: Stern habe Donaghy als "Ratte" bezeichnet und als "einen isolierten Kriminellen". Teil eins: Die Durchsicht der Mitschrift der Pressekonferenz von David Stern am 24. Juli, wo der Commissioner das einzige Mal ausgiebig Stellung genommen hat, fördert das Wort "Ratte" (rat) nicht zutage. Weitere Recherchen in amerikanischen Zeitungsarchiven ebenfalls nicht. Teil zwei: Stern spricht auch nicht von einem "isolierten Kriminellen " (wie sollte er auch - der Mann hatte Mafiapartner). Seine Vokabel - isolated criminal - kann man nur mit "einzelner Krimineller" oder "vereinzelter Krimineller" übersetzen. Hat jemand bei dpa das einzige vorhandene Wörterbuch isoliert und in Quarantäne getan oder in Isolierband eingepackt, damit es niemand auspacken kann?

16. August 2007

NBA-Wettskandal: Kein Wort über Manipulationen

So steht es zur Zeit bei SpOn im Vorspann einer dpa-Geschichte über den ehemaligen NBA-Schiedsrichter Tim Donaghy. Erstaunlich, wie falsch man in nur zwei Sätzen seine Leser informieren kann, wenn man sich keine Mühe macht, sich mit dem Sachverhalt zu beschäftigen:

"Er hat bisher immer dementiert, Spiele in der Nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA manipuliert zu haben. Nun aber gab der frühere Schiedsrichter Tim Donaghy vor einem Gericht in New York seine Schuld zu."


Satz eins, Teil eins: ...hat bisher immer dementiert..."
Donaghy hat seit Bekanntwerden des Skandals, über die die ersten herausgesickerten Informationen vermutlich vom FBI stammten und nicht von der NBA, gar nichts gesagt. Absolut gar nichts.
Satz eins, Teil zwei: "...manipuliert zu haben..."
Die Anklageschrift gegen Donaghy, die gestern von The Smoking Gun in Kopie hochgeladen wurde, ist eindeutig: Von Manipulation ist überhaupt nicht die Rede. Dem Mann wird vorgeworfen, Insiderinformationen an Mafia-Leute weitergeben und dafür 30 000 Dollar kasssiert zu haben. Das ist auch strafbar. Und deshalb droht Donaghy jetzt Gefängnis. Ob er Spiele manipuliert hat, werden wir vielleicht nie erfahren. Bis dahin wird man ihm auch diesen Vorwurf nicht machen können und ein Dementi, wenn er sich denn je äußern wird, auch akzeptieren müssen. Logisch, oder?
Satz zwei: "...gab...seine Schuld zu". Die Logik ist falsch. Er hat nicht zugegeben, was er (angeblich) dementiert hat. Er hat zugegeben, Mafia-Leuten Tipps gesteckt und dafür Geld genommen zu haben. Und er hat sich am Mittwoch in Brooklyn nicht en detail geäußert.

Der Artikel enthält ein Link zu einer alten SpOn-Geschichte, in der ebenfalls geschludert wird. Zitat: "Inzwischen glauben die Ermittler zu wissen, wie der gar nicht unparteiische Referee bei seinen Manipulationen vorging." Anschließend folgt eine Ausführung darüber, wie man - unter Umständen - als Schiedsrichter in einem Spiel das Resultat hochputschen kann. Leider verbunden mit einer falschen Erklärung zum Begriff Point Spreads (dabei handelt es sich nicht, wie SpOn meint, um die Gesamtpunktzahl einer Begegnung, sondern um die Punktedifferenz zwischen Sieger und Verlierer.) Der Unterschied ist gravierend. Während sich die Gesamtpunktzahl sehr wohl nach oben pfeifen lässt (man gibt einfach ganz viele Fouls, möglichst auf beiden Seiten), lässt sich die Differenz in einem Gespann von drei Schiedsrichtern (mit zweien, die nicht wissen, dass einer was im Schilde führt) nur sehr schwer beeinflussen.

Nachtrag: Die Geschichte mit dem letzten Stand zu Donaghy ist auf faz.net zu lesen.
Blick zurück: Erste Hinweis und Erklärungen zur Affäre Donaghy