Die New York Times beschäftigt sich mit dem SSV Ulm, um dem Wettskandal im deutschen Fußball auf die Schliche zu kommen. Man könnte also sagen: Das Thema zieht weite Kreise. "In den unteren Ligen sorgt eine giftige Kombination aus hohen Erwartungen, bescheidendem Erfolg und erstaunlich niedriger Bezahlung dafür, dass die Spieler in Deutschlands 33 Clubs der Regionalgruppen Zielscheiben für Bestechung sind", schreibt die Zeitung.
Im jüngsten Ballpodder-Podcast haben wir versucht, diese Mischung etwas genauer zu betrachten. Interviewpartner: dogfood von allesaussersport.de und gses von rasenschach.eu. In einem separaten Gespräch mit Probek geht's um Bayern München. Er ist auch der Gastgeber der Podcast-Ausgaben. Link.
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7. Dezember 2009
2. November 2009
Trainer Baade: Das Exklusiv-Interview
Am 1. September hat dogfood von allesaussersport ein bisschen Mediengeschichte geschrieben. Und "geschrieben" ist in dem Zusammenhang nicht nur im übertragenen Sinne gemeint. Sein ausführlicher Blogbeitrag mit dem Titel Wie JAKO anderen Leuten das letzte Hemd auszieht bestand aus mehr als 2000 Wörtern und war damit dreimal so lang und dreimal so ausführlich und dezidiert wie ein herkömmlicher Artikel in einer Tageszeitung. Der Text begann so:
"Die Art und Weise wie der Sportartikelhersteller JAKO AG und die Rechtsanwaltskanzlei Horn & Kollegen derzeit gegen den Fußballblogger Trainer Baade vorgehen, stellt für mich einer der Tiefpunkte dar, die ich in meinen 8-9 Jahren Bloggerei und Schreiberei über Blogs erlebt habe. Es ist einer der Momente wo man ein Gefühl der Ohnmacht bekommt."
Heute stehen unter diesem Post mehr als 800 Kommentare. Und von einem Gefühl wie Ohnmacht ist vermutlich nicht mehr die Rede. Denn dogfood trat mit seinen Informationen über die Abmahn- und Abstrafaktivitäten der besagten Firma ein kleineres Lawinenbrett los. Das Thema wurde von mehr als hundert Blogs aufgegriffen, landete kurzfristig bei Twitter in den Top-Tags und erlangte auf diese Weise jenen Stellenwert, den klassische Medien für hinreichend hoch erachteten, um darüber zu berichten. Die Auseinandersetzung "mittelgroße Firma gegen kleinen Blogger", "Rechthaberei gegen gutes Recht" schlug sich innerhalb weniger Tage auf den Seiten des Handelsblatt, der Süddeutschen Zeitung, der taz, auf Spiegel Online und am Ende sogar in einem Hörfunk-Bericht des Bayrischen Rundfunks nieder. JAKO hatte sich den Streisand-Effekt eingehandelt und ruderte denn auch langsam wieder zurück. Wer sich einen Überblick über die Angelegenheit verschaffen möchte: probek.net hat die Links archiviert.
Während sich Blogger und ihre Leser über den Ausstatter des Bundesliga-Clubs Eintracht Frankfurt entrüsteten, bekam Trainer Baade auf seiner Seite sehr viel Besuch. Die Zahl seiner Twitter-Follower stieg rapide. Und das obwohl er mit keinem Wort auf die Angelegenheit einging. Er hatte beschlossen, nicht auch noch Öl ins Feuer zu gießen, wie er sagt, auch wenn er sich im Prinzip gar nichts vorzuwerfen hatte. Den beanstandeten Beitrag hatte er aus dem Netz genommen, als er von der Abmahnung der Firma erfuhr. Dafür, dass ein tschechischer Newsaggregator den alten Text noch immer im Speicher hatte, konnte man ihn nicht verantwortlich machen. Genausowenig wie für das Echo aus dem Netz, das den Abmahnwahn deutscher Unternehmen und Rechtsanwälte mit Grausen erlebt und eine heftigere Tonlage erreicht, je ungerechfertigter und vermessener die Anwaltschreiben klingen.
Trainer Baade ist eine Kunstfigur. Hinter ihr verbirgt sich Frank Baade, der seit ein paar Jahren im Netz schreibt und die besten Fußball-Glossen in Deutschland verfasst. Seine Sprache und sein Humor liegen – leider – nicht jedem. Was hauptsächlich mit dem Milieu der klassischen Sportberichterstattung zu tun hat. Dort wird wenn überhaupt, eher nur nach Gutsherrenart gewitzelt. Selbstironie ist so gut wie unbekannt. Sprachliche Klischees und angebliches Expertenwissen bestimmen das Bild.
Über all das und den Fall JAKO haben Frank Baade und ich uns neulich ausführlich unterhalten – in seinem ersten Interview überhaupt seit dem besagten 1. September. Hier ein Vorgeschmack auf den Mitschnitt des Gesprächs.
Die ausführliche Fassung von rund 30 Minuten Länge gibt es als Teil der neuen und siebten Ausgabe des Ballpodder-Podcasts, eine Gemeinschaftsproduktion einer Gruppe von Fußballbloggern, die seit ein paar Monaten alle zwei Wochen veröffentlicht werden. Hier geht's zum Podcast. Kommentare auch bitte gerne dort bei probek.
"Die Art und Weise wie der Sportartikelhersteller JAKO AG und die Rechtsanwaltskanzlei Horn & Kollegen derzeit gegen den Fußballblogger Trainer Baade vorgehen, stellt für mich einer der Tiefpunkte dar, die ich in meinen 8-9 Jahren Bloggerei und Schreiberei über Blogs erlebt habe. Es ist einer der Momente wo man ein Gefühl der Ohnmacht bekommt."
Heute stehen unter diesem Post mehr als 800 Kommentare. Und von einem Gefühl wie Ohnmacht ist vermutlich nicht mehr die Rede. Denn dogfood trat mit seinen Informationen über die Abmahn- und Abstrafaktivitäten der besagten Firma ein kleineres Lawinenbrett los. Das Thema wurde von mehr als hundert Blogs aufgegriffen, landete kurzfristig bei Twitter in den Top-Tags und erlangte auf diese Weise jenen Stellenwert, den klassische Medien für hinreichend hoch erachteten, um darüber zu berichten. Die Auseinandersetzung "mittelgroße Firma gegen kleinen Blogger", "Rechthaberei gegen gutes Recht" schlug sich innerhalb weniger Tage auf den Seiten des Handelsblatt, der Süddeutschen Zeitung, der taz, auf Spiegel Online und am Ende sogar in einem Hörfunk-Bericht des Bayrischen Rundfunks nieder. JAKO hatte sich den Streisand-Effekt eingehandelt und ruderte denn auch langsam wieder zurück. Wer sich einen Überblick über die Angelegenheit verschaffen möchte: probek.net hat die Links archiviert.
Während sich Blogger und ihre Leser über den Ausstatter des Bundesliga-Clubs Eintracht Frankfurt entrüsteten, bekam Trainer Baade auf seiner Seite sehr viel Besuch. Die Zahl seiner Twitter-Follower stieg rapide. Und das obwohl er mit keinem Wort auf die Angelegenheit einging. Er hatte beschlossen, nicht auch noch Öl ins Feuer zu gießen, wie er sagt, auch wenn er sich im Prinzip gar nichts vorzuwerfen hatte. Den beanstandeten Beitrag hatte er aus dem Netz genommen, als er von der Abmahnung der Firma erfuhr. Dafür, dass ein tschechischer Newsaggregator den alten Text noch immer im Speicher hatte, konnte man ihn nicht verantwortlich machen. Genausowenig wie für das Echo aus dem Netz, das den Abmahnwahn deutscher Unternehmen und Rechtsanwälte mit Grausen erlebt und eine heftigere Tonlage erreicht, je ungerechfertigter und vermessener die Anwaltschreiben klingen.
Trainer Baade ist eine Kunstfigur. Hinter ihr verbirgt sich Frank Baade, der seit ein paar Jahren im Netz schreibt und die besten Fußball-Glossen in Deutschland verfasst. Seine Sprache und sein Humor liegen – leider – nicht jedem. Was hauptsächlich mit dem Milieu der klassischen Sportberichterstattung zu tun hat. Dort wird wenn überhaupt, eher nur nach Gutsherrenart gewitzelt. Selbstironie ist so gut wie unbekannt. Sprachliche Klischees und angebliches Expertenwissen bestimmen das Bild.
Über all das und den Fall JAKO haben Frank Baade und ich uns neulich ausführlich unterhalten – in seinem ersten Interview überhaupt seit dem besagten 1. September. Hier ein Vorgeschmack auf den Mitschnitt des Gesprächs.
Die ausführliche Fassung von rund 30 Minuten Länge gibt es als Teil der neuen und siebten Ausgabe des Ballpodder-Podcasts, eine Gemeinschaftsproduktion einer Gruppe von Fußballbloggern, die seit ein paar Monaten alle zwei Wochen veröffentlicht werden. Hier geht's zum Podcast. Kommentare auch bitte gerne dort bei probek.
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9. Oktober 2009
Neuer Podcast: Die besten Sportspielfilme
Podcast Nummer zwei ist im Kasten. Diesmal geht es um Kinofilme, die mit ihren Geschichten um Figuren aus dem Sportmilieu kreisen. Genauer gesagt: Es geht um die Glanzlichter des Genres. Interviewgast ist Carsten Elleszus, der unter dem Namen tumulder den lesenswerten Blog Zeitverschwender betreibt. Bei ihm geht es um Film, Musik und Schalke. Allerdings nicht immer in dieser Reihenfolge. Seine Kritiken sind ausführlich und bieten Stoff für eine kluge Auseinandersetzung mit einem emotionalen Material, das Sportspielfilme nun einmal sind. Denn sie wandern auf einem schmalen Grat zwischen heroisierendem Kitsch und distanzierter Sympathie, zwischen konventionellen Liebe-Triebe-Hiebe-Plots und einem Auge für eine glaubwürdige Darstellung der jeweiligen Sportart.
Eines der Probleme ist: Die meisten Filme werden in der Illusionsmaschine Hollywood produziert. Was bedeutet, dass sie von Geldgebern finanziert werden, denen mehr an formelhaftem und klischiertem Kino liegt als an eigenständigen, pointierten Produkten von Autoren, die auf der großen Leinwand vielleicht nicht den großen visuellen Punch besitzen, aber viele kleine Momente, die stimmen.
Trotzdem sind in Hollywood immer wieder bemerkenswerte Sportspielfilme entstanden. Von denen haben die besten oft allerdings diesen einen Haken: Weil sie sich mit einem Milieu wie Baseball oder Football beschäftigen, fehlt den Zuschauern in Europa die Beziehung zum Kern der Sache. So wirkt denn auch für viele Kinofans in Deutschland eine Rangliste wie die des American Film Institute – abgesehen von den beiden Topfilmen Raging Bull und Rocky mit ihren Boxer-Stories – eher mysteriös. Obendrein wurden von den im Rahmen einer Umfrage zu Wort gebetenen Drehbuchautoren, Kameraleuten, Regisseuren und Schauspielern Filme aus dem nicht-amerikanischen Teil der Kinowelt komplett ignoriert.
Wer sich wirklich einen Überblick verschaffen will, der wird spätestens beim Blick auf diese Wikipedia-Seite die Stirn in Falten legen. Hunderte von Titeln gibt es, und zig Sportarten sind vertreten. Auch Fußball. Bei sportwissenschafen.info kann man sich weiter in die Materie einlesen. Deren Verzeichnis umfasst sogar Kurzfilme.
Carsten a.k.a. tumulder ist da vielleicht sogar die etwas bessere Quelle. Denn er liefert im Blog auch die Antwort auf die Frage: Wie ordnet man die einzelnen Filme ein? Er hat ein Bewertungssystem mit maximal zehn Punkten eingeführt und pflegt seine Ansprüche. Selbst die unumstrittenen Klassiker müssen froh sein, wenn sie bei ihm neun Punkte bekommen.
Und weil er sich auskennt, während sich unsereins sich nur punktuell mit dem Thema beschäftigt, soll es in diesem Podcast in erster Linie um seine Einschätzungen gehen. Ganz nach dem Konzept dieses Formats. Denn der American Arena Podcast ist keine Videobude für Monologe eines Kappeskopps mit Mikrofon vorm Bauch noch soll er ein Debattierclub werden. Er soll anregen und informieren.
Obwohl: Meinungen und Kommentare – sei es hier im Blog oder auf
Selbstverständlich haben Carsten und ich uns ausführlicher über dieses breit gefächerte Thema unterhalten, als sich dies in einem Video in dem von
Blick zurück: Der erste Podcast – "Baseball zieht in den Krieg" war der Auslöser für eine Leserdebatte auf zeitonline über den Wert oder Unwert von Werbevideos, die sich martialischen Symbole der Geschichte des Zweiten Weltkriegs zu eigen machen. Titel: "Darf Werbung alle Waffen einsetzen?" Die Kommentare im Blog von Gesprächspartner Philip Würfel auf MLB-Insider.de beschäftigen sich mehr mit der Stimm-Performance der beiden Podcast-Protagonisten.
P. S. Vielleicht an dieser Stelle noch ein Hinweis auf ein anderes, sehr vielversprechendes Podcast-Projekt: Am Dienstag erschien die fünfte Ausgabe jener Fußball-Blogger-Gemeinschaftsarbeit, die bislang noch unter dem Arbeitstitel Nullnummer firmiert. Die Themen: Die Lage bei Hertha BSC und Bayern München sowie ein Ausblick auf das WM-Qualifikationsspiel der deutschen Nationalmannschaft in Russland. Die Drähte laufen alle zwei Wochen in der Münchner Küche von probek zusammen, der zu den Initiatoren gehört. Weil er gewöhnlich als Moderator mit seinem Lieblingsthema – dem FCB – zu kurz kommt, wurden diesmal die Rollen verteilt. Er wurde interviewt. Die Produktionsweise des Podcasts ist übrigens bemerkenswert. So läuft während der Aufnahmesession über UStream das Live-Videobild aus der Küche übers Internet, während die Mitwirkenden aus den anderen Städten parallel in einem Chat-Room versammelt sind und nicht nur miteinander, sondern auch mit probek kommunizieren. Gemischt wird in Hamburg von dogfood, der bei der Gelegenheit die Musik einbaut. Wann die Stützräder abgenommen werden und das Ganze auch tontechnisch in der oberen Liga spielt, steht noch nicht fest. Die Trainingsphase geht zunächst noch weiter.
1. Oktober 2009
Kurzer Soundcheck
In der rechten Spalte ganz oben sind seit ein paar Tagen ein paar Links zu mehreren Audiodateien eingebettet, die man einfach anklicken und anklingen lassen kann. Vorausgesetzt man interessiert sich für Musik. Verbunden mit dem Angebot an Podcaster, die nach einer Untermalung suchen, diese Auswahl auf ganz praktische Weise zu nutzen. Kostenfrei. Ein erster Blog – Textilvergehen in Berlin – hat die Offerte angenommen und bei seiner letzten Podcast-Produktion den Titel Sports Theme 2 eingesetzt. Die nächste Produktion ist für das Wochenende angesetzt. Da sind die beteiligten Blogger ganz eisern. Was wohl vor allem daran liegt, dass sie nicht nur auf Berlin stehen, sondern vor allem auf Union.
In den Kommentaren gab es überwiegend positive Resonanz, wenn auch eine überraschende Bewertung. Da schrieb mööp über "die Mucke" (ein Begriff aus dem Musiker-Jargon): Die sei ihm zu "bon-jovi-like". Ich wünschte, ich könnte das beurteilen. Ich habe zwar in meinem Leben schon viele Songs live in Konzerten und auf Konserven gehört. Aber von Bon Jovi waren vielleicht drei Lieder dabei, und keines fand ich inspirierend.
Solche Einschätzungen der eigenen Darbietungen erfährt man natürlich nur dann, wenn man überhaupt ein Publikum erreicht. Was noch nie wirklich leicht war (wie ich vor einer ganzen Weile im Rahmen der Arbeit mit einer Münchner Rock-Band feststellen durfte). Aber heutzutage noch viel schwieriger ist. Das liegt an dem allgemeinen Konsumverhalten, das sich herausgeschält hat, und an dem völligen Versagen der Musikindustrie – CD-Hersteller und Verlage gleichermaßen. Diese oligopolistischen Betriebe haben längst aufgehört, den kreativen Output auch nur oberflächlich auf vielversprechende Klänge und Ideen hin abzuhören und gezielt zu vermarkten.
Es gibt mittlerweile eine Reihe von Mikropayment-Plattformen für Komponisten und Musiker. Aber man liest nirgendwo, dass die Zulieferer auf diese Weise den Lebensunterhalt bestreiten könnten. Weshalb man als Musiker vermutlich zunächst nur von ganz, ganz kleinen Brötchen träumen sollte. So wie sich Schreiber, die bloggen, auch keine riesigen Klickzahlen ausmalen.
Aber weg vom Blick über den Horizont und zurück zum Alltag. Auch beim Ballpod-Podcast, der zur Zeit noch unter dem Pro-Forma-Namen Nullnummer läuft, kommt ein Teil der Musik aus dieser Werkstatt hier in New York (den anderen Teil steuert Riks aus Freising bei). Und auch dort gab es eine Resonanz in den Kommentaren, die anspornt. Deshalb die Offerte an alle Blogger mit Podcast-Ambitionen. Wer Musik sucht und ein Ohr für solche Klänge wie diese hat:
der sollte sich melden.
Ansonsten geht die musikalische Produktion weiter. Das Stück aus dem ersten American-Arena-Podcast (Radio Days) bekommt in der nächsten Ausgabe eine Pause. Probieren geht über Studieren. Das Gesprächsthema steht übrigens fest. Auch der Interviewpartner. Mehr aber wird noch nicht verraten. Außer so viel: Am Sonntag wird aufgenommen. Anfang der nächsten Woche gibt's die fertige Version.
In den Kommentaren gab es überwiegend positive Resonanz, wenn auch eine überraschende Bewertung. Da schrieb mööp über "die Mucke" (ein Begriff aus dem Musiker-Jargon): Die sei ihm zu "bon-jovi-like". Ich wünschte, ich könnte das beurteilen. Ich habe zwar in meinem Leben schon viele Songs live in Konzerten und auf Konserven gehört. Aber von Bon Jovi waren vielleicht drei Lieder dabei, und keines fand ich inspirierend.
Solche Einschätzungen der eigenen Darbietungen erfährt man natürlich nur dann, wenn man überhaupt ein Publikum erreicht. Was noch nie wirklich leicht war (wie ich vor einer ganzen Weile im Rahmen der Arbeit mit einer Münchner Rock-Band feststellen durfte). Aber heutzutage noch viel schwieriger ist. Das liegt an dem allgemeinen Konsumverhalten, das sich herausgeschält hat, und an dem völligen Versagen der Musikindustrie – CD-Hersteller und Verlage gleichermaßen. Diese oligopolistischen Betriebe haben längst aufgehört, den kreativen Output auch nur oberflächlich auf vielversprechende Klänge und Ideen hin abzuhören und gezielt zu vermarkten.
Es gibt mittlerweile eine Reihe von Mikropayment-Plattformen für Komponisten und Musiker. Aber man liest nirgendwo, dass die Zulieferer auf diese Weise den Lebensunterhalt bestreiten könnten. Weshalb man als Musiker vermutlich zunächst nur von ganz, ganz kleinen Brötchen träumen sollte. So wie sich Schreiber, die bloggen, auch keine riesigen Klickzahlen ausmalen.
Aber weg vom Blick über den Horizont und zurück zum Alltag. Auch beim Ballpod-Podcast, der zur Zeit noch unter dem Pro-Forma-Namen Nullnummer läuft, kommt ein Teil der Musik aus dieser Werkstatt hier in New York (den anderen Teil steuert Riks aus Freising bei). Und auch dort gab es eine Resonanz in den Kommentaren, die anspornt. Deshalb die Offerte an alle Blogger mit Podcast-Ambitionen. Wer Musik sucht und ein Ohr für solche Klänge wie diese hat:
Bread and Butter
der sollte sich melden.
Ansonsten geht die musikalische Produktion weiter. Das Stück aus dem ersten American-Arena-Podcast (Radio Days) bekommt in der nächsten Ausgabe eine Pause. Probieren geht über Studieren. Das Gesprächsthema steht übrigens fest. Auch der Interviewpartner. Mehr aber wird noch nicht verraten. Außer so viel: Am Sonntag wird aufgenommen. Anfang der nächsten Woche gibt's die fertige Version.
20. September 2009
Podcast-Premiere: "Baseball zieht in den Krieg"
In Europa läuft zur Zeit eine bemerkenswerte Veranstaltung, die in mehreren Ländern parallel stattfindet und in der ersten Phase unter anderem in Regensburg Station machte: Der World Cup 2009 der IBAF – die Baseball-Weltmeisterschaft. Das Kürzel steht für den Internationalen Baseballverband, der gemerkt hat, dass man das stark wachsende Interesse an der Sportart östlich vom Atlantik vor allem dann weiter anschieben kann, wenn man dem Publikum das ganze Spektrum bietet: Spieler aus den Hochburgen und Talentschmieden und aus den aufstrebenden Baseball-Ländern. Angereichert mit einer Prise Nationalstolz.
Bei dem Versuch, den Zuschauern den World Cup schmackhaft zu machen, sind die Produzenten eines Werbevideos in Italien, wo das Finale stattfindet, jedoch weit über das Ziel hinausgeschossen. Sie inszenierten in Anspielung an eine der blutigen Schlachten des Zweiten Weltkriegs in Italien eine Landeoperation für die Kamera. Die Baseballspieler kommen vom Meer und stürmen – nur mit Baseballschlägern bewaffnet – den mit Panzersperren und Stracheldraht übersäten Strand. Vermutlich haben sich die Macher an der Auftaktsequenz des Films Saving Private Ryan (deutscher Titel: Der Soldat James Ryan, spielt in der Normandie) orientiert und fanden das militaristische Sujet irgendwie passend (hergestellt von der italienischen Werbeagentur Link, Regisseur Mauro Mancini).
Tatsächlich ist die Darstellung nichts anderes als eine Verhöhnung all jener, die von ihren Generälen in den Kugelhagel geschickt wurden, um das von den Nazis besetzte Europa zu befreien. Die Webseite The Daily Tube meinte über den Missgriff, bei dem am Ende im Stile der Reality-TV-Serie Survivor ein Baseball-Schläger als Fackel über dem leeren Strand lodert, das Video zeige "eine generelle Unfähigkeit".
Der eingeblendete englische Text am Anfang des Videos lautet:
"Am 22. Januar 1944 landeten 36.000 Soldaten an der italienischen Küste zwischen Anzio und Nettuno südlich von Rom. Sie wurden in eine der berühmtesten Schlachten des Zweiten Weltkriegs verwickelt. In diesem Jahr machen sich Wettkämpfer aus allen Teilen der Welt bereit, über dasselbe Feld der Ehre zu laufen."
Die historischen Fakten: Die Landeoperation, an der auf alliierter Seite Truppen aus den USA, Kanada und Großbritannien beteiligt waren, wurde vor allem deshalb berühmt, weil sie als abschreckendes Beispiel für einen militärischen Fehlschlag gilt. Sie führte zu monatelangen Gefechten auf engstem Raum und kostete auf beiden Seiten knapp 10.000 Soldaten das Leben. Die Zahl der Verwundeten lag bei über 30.000.
Es geht auch anders, wie ein zweiter Werbefilm aus dem gleichen Haus zum gleichen Anlass zeigt: Hier ließ man sich von einem der erfolgreichsten Baseballfilme aller Zeiten inspirieren: Field of Dreams (Feld der Träume, Hauptrolle Kevin Costner), der in den Maisfeldern von Iowa spielt und die Sportart und einen ihrer Traditionsclubs mythologisiert.
Über beide Videos und den Baseball World Cup (der noch bis Ende September läuft) geht es im ersten America-Arena-Podcast. Gesprächspartner ist der deutsche Baseball-Journalist Philipp Würfel, der unter anderem für die Webseite Mister Baseball und den MLB Insider schreibt.
Den Podcast wird es von jetzt ab regelmäßig geben – zu unterschiedlichen Themen und aktuellen Anlässen. Ziel ist nicht, einfach nur geschriebene Texte zu vertonen oder zu bebildern, sondern die vielen technischen Möglichkeiten da zu nutzen, wo sie sich anbieten: um Impressionen und Atmosphären einzufangen, wie man sie sonst nur aus dem Radio oder dem Fernsehen kennt. Der inhaltliche Anspruch? Alles aus dem weiten Feld der Themen, die American Arena seit den Anfängen abdeckt.
Feedback? Sehr willkommen.
P. S. Zu einem gewissen Grad geht die Inspiration zu diesem Podcast auf die ambitionierte und vielversprechende Arbeit einer Gruppe von Fußballbloggern in Deutschland zurück, die soeben – noch immer im Stadium des Experimentierens (deshalb auch der Arbeitstitel Nullnummer) die vierte Ausgabe aufgenommen hat. Diesmal auch mit einem kleinen Beitrag von dieser Stelle aus. Federführend ist probek in München, der am Montag übrigens zum ersten Mal im Alleingang eine Produktion gefahren hat und das hervorragend hinbekommen hat. Zu seinem Live-Mitschnitt in seiner Küche schalten sich regelmäßig Blogger aus anderen Städten über einen parallel laufenden Chat ein. Die Mitstreiter wiederum können die Studioarbeit über Stream live im Netz per Video verfolgen. Auf probeks Blog laufen auch die Kommentare ein. Reinhören lohnt sich.
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