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15. Juli 2010

Armstrongs Geschichten haben kurze Beine

AVORIAZ, FRANCE - JULY 11: American Lance Armstrong with team RadioShack speaks to the media following the end of stage eight of the Tour de France July 11, 2010 in Avoriaz , France. Armstrong crashed twice and lost 11 minutes to the leading group. The 189 km route through the Alps features two first category climbs from Station Des Rousses to the small alpine town of Morzine Avoriaz. Andy Schleck of Luxembourg from team Saxo Bank won the stage while Australia's Cadel Evans took over the race leader's yellow jersey. The iconic bicycle race will include a total of 20 stages and will cover 3,642km before concluding in Paris on July 25. (Photo by Spencer Platt/Getty Images)
Wenn Leute anfangen müssen, die entscheidenden Kleinigkeiten in ihrem Leben zu vernebeln und wegzudiskutieren, tun sie das oft, weil sie sich in der Vorstufe zu einer schwierigen Lage wähnen. So produziert der Mensch beim Versuch, Dinge zu erklären, die man gar nicht erklären kann, weil sie ganz anders abgelaufen sein müssen, eine fatale Tendenz zum Umgang mit der Wahrheit oder sagen wir besser mit der Wahrhaftigkeit. So wie heute der Anwalt von Lance Armstrong, der in Vertretung seines Mandanten die Glaubwürdigkeitskrise meistern soll, in die der Radfahrer geraten ist.

Armstrong war am Mittwochmorgen vor der zehnten Etappe der Tour de France nach seinen Anteilen an der Radsport-Managementfirma Tailwind gefragt worden, die das US Postal Team aufgezogen hatte, in dem er einst mit Floyd Landis an den Start ging. Und was sagte er in vielen, vielen Worten, die aus seinem Mund immer so farbig und gleichzeitig so eindeutig klingen und so, als ob der Rest der Welt zu doof ist, die Handlungsweise des siebenfachen Tour-Siegers zu verstehen: "Die krasseste Sache ist das Missverständnis, dass ich der Besitzer des Teams war. Das ist komplett falsch. Kein Besitzer, ganz und gar nicht. Es war nicht meine Firma. Ich kann es euch gegenüber nicht klar genug sagen. Ich hatte keine Stelle inne. Ich hatte keinen Anteil. Ich bekam keine Gewinnausschüttung. Ich saß nicht im Vorstand. Ich war ein Fahrer im Team. Klarer kann ich es nicht sagen."

Vielleicht sagt er solche Sachen, weil er denkt, dass der Rest der Welt zu doof ist, seine Einlassungen zu überprüfen. Oder weil er über die Jahre viele Leute in seinem Umfeld eingeschüchtert hat, die Angst bekamen vor dem langen mächtigen Arm seines Einflusses in der Branche. Auch die amerikanischen Medien haben sich lange Zeit als Cheerleader von Armstrong verstanden, weil sie einfach glauben wollten, dass er stets sauber war. Dass die Franzosen einfach nur gehässig waren und ihn zu Fall bringen wollten, weil er Amerikaner ist. Und dass die wenigen Menschen, die den Mut hatten, auszuplaudern, was sie wussten, irgendein niederes Motiv verfolgen. Obwohl sie mit ihren gegen Armstrong gerichteten Aussagen ihre beruflichen Aussichten gefährdeten.

Tempi passati. Es dauerte gestern nicht sehr lange, da hatten die ersten fleißigen Blogger und Reporter die entsprechenden Stellen im Protokoll der Vernehmung von Lance Armstrong in einem Schiedsgerichtsverfahren von 2005 gefunden. In der hatte er unter Eid etwas ganz anderes gesagt. So war also in ein paar Stunden war er und dieser ganze pseudo-puritanische Ernst desavouiert. Und das steht so in vielen Zeitungen. Auf die Frage des gegnerischen Rechtsanwalts, ob er einen Anteil an Tailwind halte, antwortete er damals: "Einen kleinen." Auf die Bitte hin, das zu präzisieren, sagte er: "Vielleicht zehn Prozent." Genaues über den Zeitpunkt seines Geschäftseintritts konnte er nicht mitteilen. Er wirkte so, als ob ihm die Details einer solcher geschäftlichen Beziehung eher wenig interessierten. So hackte der Anwalt nicht weiter darauf herum:
"Wer würde die Antwort wissen, wann Sie einen Anteil an Tailwind erworben haben?", wollte er wissen
Armstrong verwies auf seinen Manager und nannte dessen Namen: "Bill Stapleton."
"Ist das schriftlich dokumentiert? Gibt es einen Anteilsschein oder andere Papiere, die Ihren Anteil an Tailwind bestätigen?"
Armstrong: "Ich bin sicher, dass es das gibt."

Heute nachmittag versuchte Armstrong Anwalt Tim Herman den offensichtlichen und markanten Widerspruch zwischen den beiden Aussagen wegzuerklären. Der Radfahrer habe zwar laut Vorstandsbeschluss aus dem Jahr 2004 einen Anteil erhalten sollen, der wurde aber erst im Dezember 2007 vergeben. Interessant, denn das widerspricht Minimum der Aussage des erwähnten Bob Stapleton aus dem September 2005, der damals in der gleichen Sache vernommen wurde und folgendes erklärte: Armstrong sei einer von zehn oder 15 Tailwind-Partnern. Sein Anteil: 11,5 Prozent. Darauf dass auch diese Aussage unter Eid von damals nicht zur der heutigen Einlassung passt, ging Herman nicht ein. Gleich zwei Leute haben sich damals geirrt? Und war dann auch die Aussage von Stapleton falsch, wonach Tailwind vom Winter/Frühjahr 2003/2004 an von Stapletons Firma Capital Sports & Entertainment gemanaged wurde, an der Armstrong einen beachtlichen Anteil hatte? Auch das wissen wir aus den Protokollen der Vernehmung von 2005. Für die Managementrolle erhielt CSE einen Anteil an Tailwind von 11,5 Prozent.

Ehe wir uns in den Details verlieren, hier noch mal das Ganze vereinfacht: Armstrong bestreitet heute, was er und sein Manager 2005 unter Eid ausgesagt haben. Warum? Weil er gehört hat, dass ihm die ermittelnden Behörden, die die Landis-Vorwürfe ernst nehmen, als Teilhaber einen Anklage wegen Betrug und Verschwörung an die Kappe heften wollen. Also wird bestritten, dass er Teilhaber war. Interessant ist aber auch, mit welcher Nebelkerze sein Anwalt heute gearbeitet hat. Danach soll Armstrong Ende 2007 Anteilseigner von Tailwind geworden sein, obwohl die Firma just zu diesem Zeitpunkt ihre einzige relevante Einnahmequelle einbüßte - das Sponsorengeld des Discovery Channel? Das Discovery Team war schon vorher aufgelöst worden.

Erneut dauerte es nicht lange, bis heute ein amerikanisches Medien-Outlet – NBC Sports – diesen Sachverhalt aufdeckte und damit aufzeigte, dass sich Lance Armstrong beim Bau seiner Kartenhäuser einen schlechten Architekten ausgesucht hat: sich selbst. Der Druck der staatsanwaltlichen Ermittlungen und der ziemlich präzisen Beschuldigungen von Floyd Landis werden nicht weniger, sondern mehr. Eine Firma namens Tailwind Sports Corporation, die in Kalifornien registriert worden war, führte übrigens seit 2002 als Adresse die gleiche Anschrift wie Capital Sports & Entertainment und ein von Armstrong aufgemachter Fahrradladen.

Zur Einordnung: meine Geschichte für die Freitagausgabe der FAZ. Dazu der Hinweis auf ein informatives Interview von Sebastian Moll mit einem amerikanischen Spezialanwalt für dopingbeschuldigte Sportler in der Financial Times.

27. Februar 2010

Alte Kamellen mit viel zu jungen Turnern

Es hat ein Jahr gedauert, den Fall zu untersuchen, und zehn Jahre, um den Regelverstoß offiziell zu brandmarken. Entsprechend leise kam die Nachricht über den Ticker, die bestätigt, was in China an der Tagesordnung ist: Sie fälschen das Alter ihrer Turnerinnen. Der Internationale Turnverband konnte vor anderthalb Jahren in Peking nicht viel ausrichten, obwohl die Indizien überwältigend waren. Jetzt will er die Bronzemedaille aus dem Mannschaftswettbewerb von Sydney wiederhaben und den Amerikanerinnen geben, die damals auf dem vierten Platz landeten. Die fragliche Turnerin heißt Dong Fangxiao und war damals ganze 14 Jahre alt.

25. November 2009

Mehr NBA-Schiedsrichter in Wettskandal verwickelt?

Im Schatten der umfangreichen Ermittlungen über den organisierten Betrug im Fußball wirken die Anschuldigungen eines der Gangster, die im NBA-Schiedsrichter-Skandal eine entscheidende Rolle spielten, fast schon harmlos. Aber der Vorwurf steht seit kurzem im Raum: Angeblich wurden damals 13 Referees in die Affäre hineingezogen. Die bestand nach dem bisherigen Wissensstand wohl nicht hauptsächlich daraus, den Ausgang von Spielen zu manipulieren, sondern Informationen von Unparteiischen zu erhalten, durch die sich das Resultat leichter voraussagen lassen kann. Die berühmteste Figur – Tim Donaghy – hat inzwischen die Gefängnisstrafe abgesessen und versucht ein Buch auf den Markt zu bringen. Der erste Verlag bekam allerdings kalte Füße, nachdem Auszüge aus dem Manuskript in der Öffentlichkeit auftauchten. Eine Reaktion seitens der Liga steht noch aus.
Blick zurück: Die erste Geschichte über die Anklage gegen Tim Donaghy in der FAZ
Blick zurück: Der jüngste Bericht über Donaghys Versuch, sein Enthüllungesbuch zu publizieren – ebenfalls in der FAZ
Blick zurück: Die American-Arena-Beiträge zu Stichwort Donaghy

27. September 2009

Betrug nach Art des Keepers: Er macht sein Tor kleiner


Es gibt die kleinen und die großen Betrüger im Sport. Fur den Schmu der meisten gibt es keine hinreichende Beweise. Manchmal allerdings findet der Betrugsversuch vor laufender Kamera statt. Und auf YouTube können sich dann all jene mit dem Fall beschäftigen, die die Fernsehaufzeichnung nicht erlebt haben. Das aktuelle Beispiel aus Schweden hat bereits mehr als 300.000 Clicks geschafft. Es zeigt einen Torwart, der die in Schweden nicht fest in den Rasen eingelassenen Torpfosten malträtiert und auf diese Weise seinen Kasten deutlich verkleinert. Ein Grund mehr, Torrichter im Fußball einzuführen. Denn der Schiedsrichter entdeckte die Missetat erst später um Verlaufe des Spiels und zog das Tor auf die richtige Breite auseinander. Oder könnte IKEA Abhilfe schaffen?

Die Infos zum Goalie: Er heißt Kim Christensen, ist Däne, spielt für IFK Göteborg und gab hinterher zu, dass er diese Technik häufiger praktiziert (via Deadspin)

Nachtrag: Irgendwie passt dazu diese Geschichte ganz gut, die die Londoner Times publiziert hat: Die UEFA beschäftigt sich mit der Untersuchung von 60 Spielen in den europäischen Club-Wettbewerben, weil sie den Verdacht hat, dass geschoben wurde.

28. August 2009

Komplott im Hause Stanford: Erstes Geständnis

Die massiven Vorwürfe gegen Sir Allen Stanford verdichten sich. Der Texaner, der sich durch seine Sponsorenrolle im Golf und Cricket eine gutes Quantum an Sympathien erkauft hatte, kann seit gestern nicht mehr behaupten, in seinem Finanzimperium sei alles mit rechten Dingen zugegangen. Sein ehemaliger Finanzchef hat im Rahmen des gegen ihn gerichteten Verfahrens gestanden, an einem riesigen Betrugskomplott beteiligt gewesen zu sein. Wir reden im Moment von 7 Milliarden Dollar, die über die Karibikinsel Antigua kanalisiert wurden, wo der Chef den Adelstitel Sir verliehen bekommen hatte. So bleibt Stanford jetzt nur noch jene klassische Verteidigungslinie, von der sich bisweilen die Geschworenen in Wirtschaftstrafprozessen in den USA tatsächlich überzeugen lassen: Er habe von dem Gewese in seinem Laden überhaupt nichts gewusst.

Der Betrugsfall muss offensichtlich nach dem Konzept eines Pyramidenspiels oder eines Schneeballsystems abgelaufen sein. Dabei verleitet man Investoren über das Versprechen von hohen Renditen, sich von ihrem Geld zu trennen, legt es aber nicht an, sondern verbraucht es für die eigenen Zwecke. Solange frische Summen hereinkommen, lassen sich Rückzahlungsforderungen bedienen. Die Finanzkrise brachte jedoch solche Aktivitiäten zu Fall. Denn plötzlich versuchten mehr Anleger ihr Geld zurückzuerhalten als noch da war. Der riesigste Betrugsfall ist mit dem Namen Bernard Madoff verbunden, der vor ein paar Wochen zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Der Erfinder dieses Betrugskonzept war übrigens nicht jener Charles Ponzi, der in den USA dafür bekannt wurde. Aber der Name hat sich eingeprägt.

13. März 2009

Paraolympische Goldmedaillengewinnerin: Nicht wirklich behindert

Man musste damit rechnen, dass sich mäßig begabte Sportler bei den Behinderten einfinden, wo sie die Medaillen gewinnen, nachdem sie ihre eigene Behinderung schlichtweg gefaked haben. Man durfte allerdings nicht damit rechnen, dass solche Dinge hin und wieder herauskommen. Deshalb heute diese Meldung aus Kroatien und eine Speerwerferin, die bei den Paraolympischen Spielen in Peking Gold gewann. Es gab übrigens für den Erfolg auch noch eine hübsche Prämie seitens der kroatischen Regierung. Es lohnt sich offensichtlich inzwischen, im Behindertensport die Konkurrenz zu betuppen.

4. Dezember 2008

Mit dem Geld anderer Leute

Möge niemand sagen: Vor solchen Leuten sei der, ach, so redliche Sportkommerz in Deutschland bewahrt. Vielleicht vor exakt diesem. Aber es gibt ja noch mehr. Deshalb der Hinweis an dieser Stelle auf einen Fall aus den USA: Dort hat die Aufsichtsbehörde die betrügerischen Manöver ein Venture-Capital-Financiers aus Kalifornien aufgedeckt und zur Anklage gebracht. Dem Herrn gehört auf dem Papier ein Anteil am NHL-Club Nashville Predators. Früher hatte er auch mal seine Finger bei den San Jose Sharks mit drin. den Anteil hat er mit geliehenem Geld erworben, mit dem er auch noch seinen teuren Lebenssstil bezahlen konnte. Wir reden von einer Größenordnung von 65 Millionen Dollar. Kurioses Ergebnis der Ermnittlungen: ein gewisser Joe Montana, einst Quarterback der San Francisco 49ers, ist heute Vize einer Bank (Modern Bank of New York), die dem Burschen 10 Millionen Dollar vorgestreckt hat und jetzt sehr gerne das Geld wieder hätte. Kann man verstehen, in diesen schlechten Zeiten.

22. August 2008

Respekt, Respekt

Die neue Realität des internationalen Sports wurde soeben vom Trainer der chinesischen Turner so formuliert: "The Chinese government and the Chinese athletes must be respected." Wenn sie sagen, sie fälschen keine Dokumente, dann fälschen sie keine. Wenn sie sagen, sie dopen nicht, dann dopen sie nicht. Und wenn sie sagen, sie erlauben Proteste, dann..... Geschenkt.

15. Juli 2008

Der NBA-Schiedsrichter und die Mafia: War noch ein anderer Referee verwickelt?

Seit Wochen wird von Seiten des Gerichts die Verkündung des Strafmaßes für den geständigen NBA-Schiedsrichter Tim Donaghy verschoben. Parallel sickern allerdings immer wieder ein paar Informationen durch, die so wirken, als könnten sie den Referee in einem etwas besseren Licht darstellen. Was schwierig wird – von wegen Mafia-Kontakte und so. Sportfans wird vor allem die Frage interessieren, ob und, wenn ja, wie er Spiele verschoben hat. Dazu gibt es keine konkreten Anhaltspunkte. Allerdings ist jetzt eine Auffälligkeit bekannt geworden, die dafür spricht, dass der Unparteiische zumindest mit einem anderen Kollegen immer sehr viel besprochen hat. Und zwar am Telefon. Die NBA hat die mit dem Fund verbundene Unterstellung pauschal zurückgewiesen. Der fragliche Schiedsrichter sagt nichts von Belang.

18. Januar 2008

Der Lauf der Dinge: Wie Katie Holmes einen Marathon absolviert

Das hat sich aber schnell herumgesprochen: Katie Holmes und ihr Auftritt beim New York Marathon riecht nach einer Riesenschummelei. Nun kann man der FAZ nicht vorhalten, dass sie die Geschichte nur sehr knapp serviert. Denn wer interessiert sich schon wirklich intensiv für die Frau von Tom Cruise? Aber die Details der Enthüllung sind süffisant und reizvoll. Und so wollen wir eine kleine Tour anbieten, die es Neugierigen gestattet, die ganze Sache ein bisschen besser nachzuvollziehen. Federführend ist der Blog Defamer, der sich auf Hollywood-Tratsch spezialisiert hat. Der bringt das Foto mit dem geheimnisvollen Mitläufer, der eine Startnummer trägt, die im offiziellen Verzeichnis nicht existiert. Das heißt: Sie existierte im Jahr 2003, aus dem auch der Stofffetzen stammt. All das kann man wiederum über eine Flickr-Seite nachvollziehen, die ganz nebenbei dokumentiert, dass der Bursche einen dieser Computer-Chips am Schuh trägt, mit dem der Zentralcomputer die Zeiten der einzelnen Läufer nachhält. Es gibt auch ein Bild, in dem die Holmes durch Abwesenheit glänzt, was wiederum den Verdacht nährt, dass die Lady zwischendurch einen Teil der Strecke auf andere Weise absolviert hat. Dieses Foto deutet zwei weitere Details an: Neben ihr läuft der Mann, der bei allen Zwischenzeiten oft auf die Tausendstelsekunde genau die Holmes-Zeiten zu Buche stehen hat. Etwas, was theoretisch starke Zweifel aufwirft. Und die Lady hat die langen Hosen über ihre Schuhe und Schnürsenkel gestülpt. Dort wo man normalerweise die Transponder anbringt.

Übrigens: Prominente glauben offensichtlich überall und jeder Zeit, sie könnten mit ihren Betrugsversuchen durchkommen. Hier ist der Fall von einem mexikanischen Präsidentschaftskandidaten, der in Berlin auf einem Zwischenstück die Schallmauer durchbrochen haben muss, um die Zeit zu erzielen, mit der er am Ziel registriert wurde.

29. September 2007

Der Klingelbeutel: Ein Solo für Hope

Das deutet noch keine Epidemie an, was die beiden belgischen Tennisspieler da über Bestechungsgelder erzählt haben. Aber es signalisiert einen Trend. Der wurde durch die Dawidenko-Geschichte von neulich mit dem ersten prominenten Fall ans Tageslicht gebracht.

Amerika, Land der unbegrenzten Schadensersatzsummen, produziert jede Woche ein paar Verrückte, die sich mit solchen Meldungen in die Schlagzeilen hieven: Ein Dauerkartenbesitzer der New York Jets will die New England Patriots verklagen, weil ihr Trainer regelwidrig Videoaufzeichnungen von der gegnerischen Trainerbank gemacht hat und ausgerechnet bei einem Match gegen die Jets erwischt (und von der Liga bestraft) wurde. Die Summe? 184 Millionen Dollar.

Die Amerikaner wollen sich ernthaft um die Ausrichtung der Fußball-WM 2018 bewerben. Das hat Verbandspräsident Sunil Gulati in Schanghai unterstrichen. Und danach hat er von Don Sepp, dem Granden der FIFA, vernommen, dass sich der wünscht, dass China als potenzielles Ausrichterland gegenhält. Wer da wohl den kürzeren zieht? Das kleinere oder das größere Land? Wenn Blatter allerdings noch solange FIFA-Präsident sein sollte, muss man befürchten, dass die Association bis dahin implodiert. Noch zehn Jahre eines solchen verlustträchtigen Regimes hält keine Organisation aus. Und die WM von Südafrika, die ein Desaster werden könnte, steht erst noch vor der Tür. Übrigens streiten sich Kanada und Deutschland um die Frauen-WM 2011. Australien und ein südamerikanisches Land mit vier Buchstaben wollen mitbieten.

Das Foto zeigt übrigens amerikanische Fußballerinnen in besseren Tagen, als man sich für Werbepartner Nike in Positur warf und hoffte, in China zum dritten Mal Weltmeister zu werden. Das Spiel um den dritten Platz gegen Norwegen am Sonntag symbolisiert eine Zäsur. Die Mannschaft hat beschlossen, ihre Nummer eins im Tor vom Spiel auszuschließen, weil sie sich nach der Niederlage gegen Brasilien offenherzig darüber beklagt hatte, dass sie ohne erkennbaren Grund nicht vom Trainer aufgestellt wurde. Hope Solo - der Name scheint wirklich Programm - erklärte unter anderem, dass sie die Tore verhindert hätte. Und dass 2004 vorbei sei, eine Anspielung an den Goldmedaillengewinn der USA in Athen, wo ihre sehr viele ältere Nebenbuhlerin Brianna Scurry zwischen den Pfosten gestanden hatte. Während es unmittelbar nach der Brasilien-Pleite so aussah, als könne sich Coach Greg Ryan einen neuen Job suchen, wirkt nun alles so, als habe man den Sündenbock für die Niederlage gefunden: die Frau, die alles hält, bloß nicht ihren Mund.

28. Juli 2007

Wenn der Mafiosi erzählt: NBA-Skandal aus Sicht eines Fachmanns

Wirklich sehr empfehlenswert: ein Lesestück bei espn.com, in dem ein ehemaliger Mafiagangster erzählt, wie man im Basketball manipuliert, um beim Wetten Geld zu verdienen. Seine Geschichte von damals wurde von Martin Scorsese im Film Goodfellas umgesetzt. Das Interview wirkt authentisch und nicht kummermäßig getürkt. Der Mafia-Mann mutmaßt darin übrigens, dass der verdächtigte NBA-Schiedsrichter Tim Donaghy nicht alleine gearbeitet hat. Wettbetrug im Sport ist etwas komplizierter und braucht gewöhnlich ein paar Mitwisser und Mittäter, damit es klappt. Man sollte aber auch die Kommentare lesen (und auch den unteren Abschnitt des hier gelinkten Wikipedia-Eintrags). Mit der Reputation des Ex-Mafiosi ist es nicht gut bestellt.

10. Mai 2007

Die Spur führt zu...Pelé

Die Polizei in Brasilien auf der Jagd nach Norwegern, die Verbindungen zu einer pakistanischen Gang haben soll. Das klingt schon wirr genug. Aber dann noch dies: Pelé soll verwickelt sein. So ist es dann zumindest eine brauchbare Klatschmeldung. Es geht um ein vermutlich betrügerisches Immobilienprojekt im Wert von rund 50 Millionen Dollar in der Stadt Natal. Es wurden bereits reihenweise Leute verhaftet, meldet der norwegische Aftenposten.

9. April 2007

Ex-Weltrekordler Tim Montgomery: Nach Doping-Sperre nun Gefängnis

Als ob das was Neues wäre: Hin und wieder spielt einem die Erinnerung einen Streich. Kein Wunder, wenn man die Zahl der seit dem letzten Juli hier abgehandelten Themen addiert. Erst dachte ich, die Such-Funktion der Blogger-Software schummelt und streikt, als im Zusammenhang mit dem Namen Tim Montgomery nichts von seiner Verwicklung in einen Scheckbetrugsring hoch kam. Dann habe ich beim Blick ins Archiv der FAZ gesehen: Die Geschichte lief bereits im Mai 2006, eine Weile, ehe American Arena auf Kiel ging. Aber da die Mühlen der Justiz langsam mahlen, dauerte es ein Jahr, bis sich wieder etwas Berichtenswertes tat. Here it is: Der ehemalige 100-Meter-Weltrekordler und ehemalige Lebensgefährte der Sprinterin Marion Jones (und Vater eines gemeinsamen Kindes) hat sich in der Angelegenheit für schuldig erklärt und darf mit einer Gefängnisstrafe von drei Jahren plus rechnen. Sein ehemaliger Trainer Steven Riddick - Bild links - (noch immer der Betreuer von Frau Jones), der ebenfalls in die Angelegenheit verwickelt ist, will lieber den Prozess riskieren, während insgesamt acht Mitangeklagte bereits ihre Teilschuld eingestanden haben. Der Prozess beginnt morgen in New York und wird voraussichtlich drei Wochen dauern. Der Betrugsring soll nach Informationen der Strafverfolgungsbehörden mehr als zehn Mitglieder gehabt haben, die danach ein Betrugsvolumen von über 5 Millionen Dollar zu verantworten haben. Marion Jones soll ebenfalls einen dieser dubiosen, nicht gedeckten Schecks eingelöst haben. Und zwar über einen Betrag von 25.000 Dollar. Die Ermittler sahen jedoch davon ab, ihr irgendwelchen kriminellen Motive nachzuweisen. So wird sie auch nicht als Zeugin erwartet.

13. Februar 2007

Betrogene NFL-Spieler verklagen Gewerkschaft

Wenn es um 20 Millionen Dollar geht, die zwei Profis wieder haben wollen, weil sie an einen schlimmfingrigen Anlageberater geraten sind, wird man hellhörig. Besonders wenn es sich um gestandene NFL-Spieler handelt. Wir bringen Licht mit Hilfe einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg Licht ins Dunkel: Der achtfache Pro-Bowler Steve Atwater von den Denver Broncos und der vierfache Pro Bowler Blaine Bishop von den Philadelphia Eagles haben letzten Sommer Klage gegen die Gewerkschaft (und die Liga) eingereicht, weil diese beiden Institutionen ein Schlitzohr weiterempfohlen haben, das inzwischen unter der Anklage steht, seine Kunden betrogen zu haben. Der Finanzberater Kirk Sean Wright und seine Firma International Management Associates (IMA) in Atlanta sollen insgesamt zwischen 115 und 185 Millionen Dollar hinterzogen haben. Summen, die vermutlich auch ein Sieg im Strafverfahren nicht wieder ans Tageslicht bringen wird. Aber die Gewerkschaft hätte die Kohle durchaus. Und nun soll ein Gericht in Atlanta entscheiden, ob sich deren Spezialisten etwas zu Schulden kommen ließen, als sie den Spielern nichts von den existierenden wirtschaftlichen Problemen von Mr. Wright erzählten. Die Gewerkschaft betreibt ein spezielles Beratungsprogramm für ihre Mitglieder, das genau dazu da ist, solche Informationen herauszufinden und weiterzugeben und die Athleten vor Betrügern zu schützen. Die Aussichten der Spieler auf das Geld sind gut, wenn sie der Gewerkschaft Fahrlässigkeit nachweisen können (via Steroid Nation).