17. Juli 2008

Der erste geht nach Europa

Die von David Stern betriebene Politik, wonach High-School-Absolventen nicht mehr direkt in der NBA zugelassen werden, hat die schon heraufbeschworenen Folgen. Der 18jährige Brendan Jennings wird im nächsten Winter für 600.000 Dollar Gage in Italien spielen. Sein Wechsel nach Europa wird nicht nur andere US-Nachwuchsspieler ermuntern, sich nicht mehr mit einem Jahr College-Basketball abzumühen, wo es keinen Cent zu verdienen gibt. Er wird auch für die dortigen Clubs wirtschaftlich interessant. Denn für jemanden wie Jennings muss das NBA-Team, das ihn irgendwann draftet, eine Ablöse bezahlen. Während Stern hofft, das Altersminimum um noch ein Jahr mehr nach oben zu schrauben – von 19 auf 20 – , dürften sich die Colleges allmählich Gedanken darüber machen, wie sie mit den alten strengen Amateurregeln umgehen werden. Die Ein-Jahres-Studenten wie O. J. Mayo sind schließlich ganz offensichtlich nicht an der Einhaltung dieser Regeln interessiert und höhlen die Integrität des Konzepts schon seit seiner ganzen Weile wie die Maulwürfe aus. Natürlich könnte man Collegesportler theoretisch bezahlen. Sie fungieren schließlich in den populären Sportarten Football und Basketball als Teil eines Einnahmen erzeugenden Geschäftsbetriebs, aus dem die Trainer mit ihren Millionengehältern einen unverschämt hohen Anteil für sich abzweigen. Sie werden als Werbefiguren für Schuh-Verträge missbraucht und können sich gegen keine einzige dieser Rahmenbedingungen wehren.

Der Fall Jennings entwickelte nur deshalb diese Dynamik, weil der Junge aus Kalifornien trotz guter Schule nicht die Noten produzieren konnte, die man als Mindestanforderung für ein Studium an einer normalen Universität braucht. Die Alternative wäre ein sogenanntes Junior College gewesen (etwa mit einer Fachhochschule zu vergleichen). Aber da lungern keine NBA-Scouts herum und Geld gibt es auch keines. Und das nächste Ziel ist schließlich klar: So weit oben wie möglich gedraftet werden.

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