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25. November 2009

Mehr NBA-Schiedsrichter in Wettskandal verwickelt?

Im Schatten der umfangreichen Ermittlungen über den organisierten Betrug im Fußball wirken die Anschuldigungen eines der Gangster, die im NBA-Schiedsrichter-Skandal eine entscheidende Rolle spielten, fast schon harmlos. Aber der Vorwurf steht seit kurzem im Raum: Angeblich wurden damals 13 Referees in die Affäre hineingezogen. Die bestand nach dem bisherigen Wissensstand wohl nicht hauptsächlich daraus, den Ausgang von Spielen zu manipulieren, sondern Informationen von Unparteiischen zu erhalten, durch die sich das Resultat leichter voraussagen lassen kann. Die berühmteste Figur – Tim Donaghy – hat inzwischen die Gefängnisstrafe abgesessen und versucht ein Buch auf den Markt zu bringen. Der erste Verlag bekam allerdings kalte Füße, nachdem Auszüge aus dem Manuskript in der Öffentlichkeit auftauchten. Eine Reaktion seitens der Liga steht noch aus.
Blick zurück: Die erste Geschichte über die Anklage gegen Tim Donaghy in der FAZ
Blick zurück: Der jüngste Bericht über Donaghys Versuch, sein Enthüllungesbuch zu publizieren – ebenfalls in der FAZ
Blick zurück: Die American-Arena-Beiträge zu Stichwort Donaghy

29. Oktober 2009

Verlag zieht Enthüllungsbuch des NBA-Schiedsrichters zurück

Der amerikanische Verlag, der das Buch des verurteilten NBA-Schiedsrichters Tim Donaghy veröffentlichen wollte, hat sich kurzfristig dazu entschieden, von dem Projekt zurückzutreten. Das Unternehmen, eine Unterabteilung des Bertelsmann-Verlags, der seit einiger Zeit seine Buchaktivitäten unter dem Namen Random House betreibt, hat kalte Füße bekommen. Man ließ zumindest intern durchblicken, dass man Angst vor Prozessen wegen Verleumdung hat. Weshalb die Furcht erst so spät hochkroch, nachdem Blowing the Whistle – The Culture of Fraud in the NBA eigentlich in wenigen Tagen auf den Markt kommen sollte, lässt sich nicht ergründen. Denn Donaghys detaillierte Beschreibungen des merkwürdigen Verhaltens seiner Kollegen gegenüber bestimmten Spielern standen sicher bereits im Rohmanuskript. Wer angesichts solcher Vorwürfe nicht gleich den Hausanwalt konsultiert, macht sich selbst das Leben schwer.

Die Sache spitzte sich allerdings erst in dieser Woche zu, als Deadspin Auszüge aus dem Buch druckte, nachdem man eine Kopie zugespielt bekommen hatte. Darin wird namentlich genannten NBA-Schiedsrichtern vorgeworfen, dass sie Star-Spieler wie Kobe Bryant bei der Zumessung von Fouls besser behandelten, einer zeigte in seinem Hass auf Allan Iverson dem kleinen Dribbler meistens die kalte Schulter. Selbst wenn er regelwidrig behindert wurde.

Wegen üblicher Nachrede oder Verleumdung eines Prominenten belangt zu werden, ist in den USA übrigens ziemlich schwierig. Und dass NBA-Schiedsrichter den Status von Prominenten genießen, dürfte unbestritten sein. Dazu muss der Betroffene einem Gericht glaubwürdig nachweisen, dass der Urheber der Vorwürfe mit voller Absicht etwas behauptet hat, das komplett unwahr ist.

Dass das Buch das Zeug zu eine Beststeller hat, dürfte unbestritten sein. Da Donaghy keine Repressalien zu fürchten hat, dürfte er kein Blatt vor den Mund genommen haben. Dass in der NBA Manipulationen seitens der Unparteiischen vorkommen, ist ein offenes Geheimnis. Nur wie sie ablaufen und von wem sie auf welche Weise betrieben werden, das hat sich bisher noch niemand zu sagen getraut.

Blick zurück: Der NBA-Schiedsrichter und die Mafia

Das AP-Video zur Urteilserkündung:

24. September 2009

Der Klingelbeutel: Mach mal 'nen Punkt

Eine bestürzende Zahl: Seit dem Jahr 2000 wurden insgesamt 458 NFL-Profis von der Polizei festgenommen. Festnahme bedeutet nicht Verurteilung, aber zumindest einen Anfangsverdacht. Eine Zeitung in Kalifornien, die San Diego Union-Tribune, archiviert die einzelnen Fälle (via The Big Lead).

• Die drohende Aussperrung der NBA-Schiedsrichter, deren Gewerkschaft sich nicht mit der Liga einig wird, produziert eine kuriose Form der Anspruchslosigkeit. Zu den Referees, die als Ersatzkräfte eingesetzt werden sollen, gehört ein Mann, der vor Jahren wegen Unfähigkeit gefeuert wurde.

• Boxer Floyd Mayweather jr. schuldete der amerikanischen Steuer vor ein paar Tagen noch 5,7 Millionen Dollar für das Jahr 2007. Weil er das Geld auftreiben konnte, wurde seine Börse vom Wochenende nicht gepfändet. Mayweather siegte in einem einseitigen Kampf.

• Eine Geschichte, wie man sie gerne häufiger lesen würde: über das 25jährige Jubiläum eines Ballwechsels im Tennis, der 29 Minuten dauerte und bei dem Punkt erst entschieden wurde, als die beiden Frauen den Ball 642mal über das Tennis geschlagen hatten. An die Namen der Spielerinnen kann sich kein Mensch mehr erinnern. Dafür dank der New York Times nun an das Rekordereignis selbst.

31. März 2009

Kaum zu glauben, aber wahr

Wenn es die Abteilung "Zeichen und Wunder" hier gäbe, wäre dies ein guter Beitrag: Ein rumänischer Stürmer erklärt dem Schiedsrichter, dass sein Sturz im Strafraum kein Foul war und überzeugt ihn, den verhängten Strafstoß wieder zurückzunehmen.
(via The Offside)

23. September 2008

Das Tor, das keines war

Die UNO tagt in New York und ignoriert die Finanzkrise ganz nonchalant und ihre Besucher verstopfen die Straßen von Manhattan. Tony Blair, der Sidekick, ohne den George Bush nicht den Mumm gehabt hätte, den Irak-Krieg anzuzetteln, sitzt bei Jon Stewart am Tisch und tut so als sei alles nur halb so schlimm. Dabei geht in Großritannien dieser Tage auch ganz gut die nervöse Post ab. Mit einem Schotten in 10 Downing Street, der demnächst den Hut nehmen wird und mit Blair den Kreis der Ruheständler verstärken.

Ach ja, und in der Premier League geht es auch nicht mit rechten Dingen zu. Der Trikotsponsor von Manchester United, der amerikanische Versicherungskonzern AIG, schwankt gefährlich und brauchte US-Steuersubventionen (die man sich in Washington gewöhnlich bei den Chinesen borgt) zum Überleben. West Ham verlor seinen Gönner XL. Überhaupt sinken die Einnahmen von Trikotsponsoren in der Liga, schreibt die International Herald Tribune. Alles schwächelt irgendwie. Aber das kann man noch toppen. Indem man Tore gibt, die gar nicht gefallen sind. Hier der jüngste Fall aus dem Match vom Samstag zwischen Reading und Watford, in den der jüngste approbierte Schiedsrichter im englischen Profi-Fußballbetrieb verwickelt war. Das Ganze fand zwar eine Stufe unter der Premier League statt, in der sogenannten Football League Championship, aber die Aufregung ist dennoch groß (via The Big Lead).

12. August 2008

Der Klingelbeutel: Was man alles sieht, wenn man anders hinschaut

• Es kommt wahrscheinlich immer darauf an, welche Brille man gerade aufhat: So sah eine angesehene Publikation in Israel das Staffelrennen über die 4mal100 Meter Freistil: "Zwei Juden und ein Schwarzer helfen Phelps, sich seinen olympischen Traum zu erfüllen." (via Sports Point, wo man titelte: "Eine Olympia-Schlagzeile, die selbst Blogger nicht nehmen würden").

• Wenn Kommentatoren im amerikanischen Fernsehen olympischen Sport hochjubeln müssen, gehen ihnen nicht gleich die Worte aus. Sie benutzen manche einfach nur etwas öfter. Slate hat die Liste und den Sap-o-Meter, um den Schmus einzuordnen. Die schlimmste Zeile bislang: Behind the smiles, they'll never be able to explain the sacrifices made, or adversities overcome." (Kursiv herausgehoben: drei Wörter von der schlimmen Liste in einem Satz)
via Deadspin

• Kaum zu glauben, aber blinde Athleten zelebrieren ihre Siege genauso wie Sportler mit voll funktionsfähigem Augenlicht. Und noch weniger zu glauben: dass es Wissenschaftler gibt, die solche Dinge untersuchen. Wobei: Schiedsrichter, die keine Tomaten auf den Augen haben, sich durchaus anders verhalten. Sie haben eine Tendenz, den Sportlern in roten Trikots zur Seite zu stehen. Diese Studie aus dem Jahr 2005 wurde übrigens in Münster verfertigt. Damals wurden Informationen von den Spielen in Athen aus den Kampfsportarten ausgewertet. Gut. Das wäre ein Anfang. Aber wie wäre es mal mit einer Untersuchung des Farbeinflusses beim Fußballspiel? (via SportsbyBrooks)

15. Juli 2008

Der NBA-Schiedsrichter und die Mafia: War noch ein anderer Referee verwickelt?

Seit Wochen wird von Seiten des Gerichts die Verkündung des Strafmaßes für den geständigen NBA-Schiedsrichter Tim Donaghy verschoben. Parallel sickern allerdings immer wieder ein paar Informationen durch, die so wirken, als könnten sie den Referee in einem etwas besseren Licht darstellen. Was schwierig wird – von wegen Mafia-Kontakte und so. Sportfans wird vor allem die Frage interessieren, ob und, wenn ja, wie er Spiele verschoben hat. Dazu gibt es keine konkreten Anhaltspunkte. Allerdings ist jetzt eine Auffälligkeit bekannt geworden, die dafür spricht, dass der Unparteiische zumindest mit einem anderen Kollegen immer sehr viel besprochen hat. Und zwar am Telefon. Die NBA hat die mit dem Fund verbundene Unterstellung pauschal zurückgewiesen. Der fragliche Schiedsrichter sagt nichts von Belang.

2. Juli 2008

Ex-General soll NBA-Schiedsrichter stramm stehen lassen

Die vielen Geräusche rund um die Arbeit der Schiedsrichter in der NBA und der Verdacht zielstrebiger Manipulation von oben hat die Geschäftsführung der Liga auf eine interessante Idee gebracht: Sie haben einen pensionierten Zwei-Sterne-General verpflichtet, um die Referee-Abteilung zu leiten. Die Verpflichtung von Generalmajor Ronald L. Johnson ist aber keine richtige Kriegserklärung. Der Mann kommt aus dem Army Corps of Engineers. Da kämpft man mit Hacke, Spaten und Bulldozern und manchmal auch mit den Grenzen des Machbaren. Das Corps gilt als hauptveranwortlich für das Brechen der Deiche in New Orleans, wodurch die unter dem Meeresspiegel liegende Stadt beim Hurricane Katrina unter Wasser gesetzt wurde. Die jüngsten Belege für das Qualitätsverständnis der Einheit sind die Überschwemmungen des eingedeichten Mississippi.

24. Januar 2008

Warten auf das Urteil für den Pfeifenheini

Wir warten weiter auf das Urteil gegen den NBA-Schiedsrichter Tim Donaghy, der mit seinen Kontakten zur Mafia die Liga in Bestechungs- und Betrugsverdacht gebracht hat. Warum die Verkündung des Strafmaßes, die für den 25. Januar angesetzt war, erneut hinausgeschoben wurde, lässt sich nicht nachvollziehen. Es darf spekuliert werden, dass der Ex-Referee erst mal noch den Staatsanwälten als Zeuge im Rahmen assoziierter Verfahren zeigen muss, dass er auf den richtigen Weg zurück gefunden hat. Gut für ihn. Schlecht für uns. Wir wissen noch immer nichts Genaues über seinen Modus operandi.
Blick zurück: Ab nach Canossa - wie man in Deutschland den Fall abgehandelt hat

21. Oktober 2007

Folge der Mafia-Ermittlungen: NBA-Schiedsrichter mit Disziplinierstrafen belegt

Wir wissen noch immer nicht, in welchem Rahmen der ehemalige NBA-Schiedsrichter Tim Donaghy von der amerikanischen Strafjustiz in die Mangel genommen wird. Aber wir können uns jetzt zusammenreimen, dass aus seine Flüstertüte ein paar Informationen gekommen sein müssen, die zu einer kleinen Strafaktion gegen andere Referees geführt hat. Niemand wurde mit einer Sperre belegt. Und über das Ausmaß der Disziplinarmaßnahmen schweigt sich die Liga aus. Vermutung: Die Unparteiischen haben vemutlich etwas getan, was sie vertragsgemäß nicht dürfen - zum Beispiel ein Casino besuchen.
Blick zurück: Donaghy heißt der Pfeifenheini

16. August 2007

NBA-Wettskandal: Kein Wort über Manipulationen

So steht es zur Zeit bei SpOn im Vorspann einer dpa-Geschichte über den ehemaligen NBA-Schiedsrichter Tim Donaghy. Erstaunlich, wie falsch man in nur zwei Sätzen seine Leser informieren kann, wenn man sich keine Mühe macht, sich mit dem Sachverhalt zu beschäftigen:

"Er hat bisher immer dementiert, Spiele in der Nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA manipuliert zu haben. Nun aber gab der frühere Schiedsrichter Tim Donaghy vor einem Gericht in New York seine Schuld zu."


Satz eins, Teil eins: ...hat bisher immer dementiert..."
Donaghy hat seit Bekanntwerden des Skandals, über die die ersten herausgesickerten Informationen vermutlich vom FBI stammten und nicht von der NBA, gar nichts gesagt. Absolut gar nichts.
Satz eins, Teil zwei: "...manipuliert zu haben..."
Die Anklageschrift gegen Donaghy, die gestern von The Smoking Gun in Kopie hochgeladen wurde, ist eindeutig: Von Manipulation ist überhaupt nicht die Rede. Dem Mann wird vorgeworfen, Insiderinformationen an Mafia-Leute weitergeben und dafür 30 000 Dollar kasssiert zu haben. Das ist auch strafbar. Und deshalb droht Donaghy jetzt Gefängnis. Ob er Spiele manipuliert hat, werden wir vielleicht nie erfahren. Bis dahin wird man ihm auch diesen Vorwurf nicht machen können und ein Dementi, wenn er sich denn je äußern wird, auch akzeptieren müssen. Logisch, oder?
Satz zwei: "...gab...seine Schuld zu". Die Logik ist falsch. Er hat nicht zugegeben, was er (angeblich) dementiert hat. Er hat zugegeben, Mafia-Leuten Tipps gesteckt und dafür Geld genommen zu haben. Und er hat sich am Mittwoch in Brooklyn nicht en detail geäußert.

Der Artikel enthält ein Link zu einer alten SpOn-Geschichte, in der ebenfalls geschludert wird. Zitat: "Inzwischen glauben die Ermittler zu wissen, wie der gar nicht unparteiische Referee bei seinen Manipulationen vorging." Anschließend folgt eine Ausführung darüber, wie man - unter Umständen - als Schiedsrichter in einem Spiel das Resultat hochputschen kann. Leider verbunden mit einer falschen Erklärung zum Begriff Point Spreads (dabei handelt es sich nicht, wie SpOn meint, um die Gesamtpunktzahl einer Begegnung, sondern um die Punktedifferenz zwischen Sieger und Verlierer.) Der Unterschied ist gravierend. Während sich die Gesamtpunktzahl sehr wohl nach oben pfeifen lässt (man gibt einfach ganz viele Fouls, möglichst auf beiden Seiten), lässt sich die Differenz in einem Gespann von drei Schiedsrichtern (mit zweien, die nicht wissen, dass einer was im Schilde führt) nur sehr schwer beeinflussen.

Nachtrag: Die Geschichte mit dem letzten Stand zu Donaghy ist auf faz.net zu lesen.
Blick zurück: Erste Hinweis und Erklärungen zur Affäre Donaghy

14. August 2007

NBA-Wettskandal und Vicks Anklage: Schuldgeständnisse?

Noch immer keine Details darüber, wie der beschuldigte NBA-Schiedsrichter Tim Donaghy den Ausgang von Spielen manipulierte. Dafür aber ein Gerücht, dass AP aus mehreren Quellen bestätigt sieht: Der Referee wird sich am Mittwoch in Brooklyn schuldig bekennen. Mehr darüber, wenn es mehr gibt.

Ähnlch kryptisch ist die Lage rund um Quarterback Michael Vick und seine Anklage wegen Tierquälerei und Betreiben von verbotenen Hundekämpfen. Angeblich sind zwei weitere Mitangeklagte im Begriff, Geständnisse abzulegen, um auf diese Weise einen Prozess und längere Gefängnisstrafen zu vermeiden. Und noch angeblicher soll auch Vick mit so etwas liebäugeln. Sein Hauptproblem: Er muss sich mit der NFL arrangieren, um auch nach einer eventuellen Strafe wieder Football spielen zu können (es gibt da einige prominente Fälle in der Vergangenheit, die das sehr geschickt gelöst haben).
Blick zurück: Der Wett-Skandal bekommt Konturen
Blick zurück: Gedanken zum Kampf schwarzer Quarterbacks in der NFL
Blick zurück: Anklage gegen Vick

28. Juli 2007

Wenn der Mafiosi erzählt: NBA-Skandal aus Sicht eines Fachmanns

Wirklich sehr empfehlenswert: ein Lesestück bei espn.com, in dem ein ehemaliger Mafiagangster erzählt, wie man im Basketball manipuliert, um beim Wetten Geld zu verdienen. Seine Geschichte von damals wurde von Martin Scorsese im Film Goodfellas umgesetzt. Das Interview wirkt authentisch und nicht kummermäßig getürkt. Der Mafia-Mann mutmaßt darin übrigens, dass der verdächtigte NBA-Schiedsrichter Tim Donaghy nicht alleine gearbeitet hat. Wettbetrug im Sport ist etwas komplizierter und braucht gewöhnlich ein paar Mitwisser und Mittäter, damit es klappt. Man sollte aber auch die Kommentare lesen (und auch den unteren Abschnitt des hier gelinkten Wikipedia-Eintrags). Mit der Reputation des Ex-Mafiosi ist es nicht gut bestellt.

23. Juli 2007

NBA-Wettskandal: Ein Name und mehr Indizien

Inzwischen gibt es weitere Indizien dafür, dass an dem Wettskandal in der NBA etwas dran ist. Die Liga hat bestätigt, dass der Schiedsrichter, gegen den ermittelt wird, Tim Donaghy heißt. Der hat sich einen Anwalt genommen und wird in dieser Woche zum Verhör beim FBI antreten. Des weiteren wurde bekannt, dass Donaghys Name bei einer Abhöraktion gegen Mitglieder einer Mafia-Organisation in Philadelphia auftauchte. Der 40jährige Donaghy lebte bis vor kurzem noch in Philadelphia, wohnt jetzt in Florida und kündigte in der letzten Woche nach 13 Jahren angesichts der Vorwürfe seinen Job. Die Gerüchteküche brodelt. Er soll angeblich selbst von einer erheblichen Wettleidenschaft geplagt sein und Schulden haben. Die Analyse seiner Pfeifleistung ergibt, dass er schon immer zu den merkwürdigen Fällen gehörte. Aber: Eindeutige Hinweise auf Manipulationsversuche hat offensichtlich noch keiner aus dem legalen Zweig des Wettgeschäfts ausmachen können.

Da muss nichts heißen. Denn die Experten haben als Ausgangsmaterial nur die Quoten und sogenannten Point Spreads von Wetten aus Las Vegas, wo man sehr genau über die legalen Aktivitäten wacht. Sehr viel wahrscheinlicher wäre, dass man den Referee dazu benutzt hat, so zu pfeifen, dass sich sein Verhalten bei illegalen Wettabschlüsse um große Summen auswirkt.

Ich habe in einer Geschichte für die heutige Ausgabe der FAZ das amerikanische Wettsystem ein wenig erklärt:
Im Basketball wie in vielen anderen Mannschaftsportarten auch wird in den USA während der monatelangen regulären Saison anders als im deutschen Fußball-Toto kaum auf Sieg oder Niederlage gesetzt. Die populärste Wette ist die auf die Punktedifferenz (“Point Spread”), mit der der Favorit gewinnen wird. Dieses Schema ist besonders anfällig für geschickte und schwer nachweisbare Manipulationen. Das gilt insbesondere für eine Sportart wie Basketball, in der die Punktzahl pro Begegnung hoch ist, die Leistung einiger weniger Mitwirkender sich jedoch relativ stark auf das Resultat auswirkt, während das Spieltempo den Blick auf einzelne Aktionen verwischt. Der klassische Betrugsfall ist das sogenannte “Point Shaving”, bei dem ein oder mehrere Spieler der stärkeren Mannschaft bewusst Korbwürfe knapp verziehen oder den Ball vertändeln, um die eigene Punktausbeute zu reduzieren, ohne jedoch dabei den Sieg zu riskieren.

Kaum jemand hatte bisher für möglich gehalten, dass sich gut verdienende NBA-Profis mit ihren Millionengehältern zu derartigen Manipulationen anwerben lassen. Allenfalls Collegespieler, die kein Geld verdienen, schienen in Gefahr. Schiedsrichter galten ebenfalls als unverdächtig. In der NBA erhalten die Unparteiischen pro Saison je nach Erfahrung und Einsatzumfang zwischen 90.000 und 225.000 Dollar. Obendrein wird jedes Match von drei Referees gepfiffen, und zwar in ständig wechselnden Kombinationen.

Während eines Spiels kann sich die einzelne Schiedrichterleistung jedoch durchaus entscheidend niederschlagen: Je mehr Freiwürfe einer Mannschaft zuerkannt werden, desto größer ist ihre Chance, ihr Punktekonto aufzubessern. Gleichzeitig werden Spieler, die zahlreiche persönliche Fouls verbucht haben, von ihren Trainern au
s dem Spiel genommen. Sobald Leistungträger betroffen sind, kann eine Partie rasch kippen.
Solange es aber keine Informationen darüber gibt, ob und, wenn ja, wie manipuliert wurde, bleibt alles reine Spekulation. Die NBA-Spitze ist allerdings übers Wochenende hellwach geworden. Das Gerücht, dass Spiele verschaukelt werden, kratzt am Lack des Milliardenunternehmens.

Nachtrag: Eine erste Auffälligkeit wurde inzwischen dokumentiert: Donaghy ist Mr. Whistle.

20. Juli 2007

Bericht über Wett-Mafia: Hat NBA-Schiedsrichter Spiele verschoben?

Man sollte die Meldung mit Vorsicht genießen (und nicht nur weil sie in der New York Post steht, Rupert Murdochs Version der Bild-Zeitung ). Man muss sie vor allen Dingen erst einmal herunterrechnen. Dann wird aus der Überschrift NBA in a "Fix" nämlich dieses: Dass das FBI ermittelt, ob ein Schiedsrichter in der Basketballliga Geld auf Basketballspiele gewettet hat, darunter "welche, in denen er in den letzten zwei Spielzeiten im Einsatz war". Das wäre, falls zutreffend zwar schlecht für die NBA, aber nicht halb dramatisch wie die Hoyzer-Enthüllungen aus dem deutschen Fußball. Denn in der NBA wird jede Begegnung von drei Unparteiischen gepfiffen. Wenn nur einer manipuliert, sind die Aussichten auf Erfolg nicht sehr groß. Aber auf der anderen Seite muss man davon ausgehen, dass die Ermittler nicht deshalb auf das Thema gestoßen sind, weil ihnen langweilig war und sie sich beim abendlichen Bier angesichts merkwürdiger Schiedsrichterentscheidungen gefragt haben: Könnte da vielleicht die Mafia dahinter stecken? Und die dann beschlossen haben: Lasst uns das mal genauer untersuchen. Vermutlich lief die Geschichte, zu der es bislang von den Behörden offiziell noch keine Stellungnahme gibt, etwa anders. Gewöhnlich tauchen solche Erkenntnisse im Rahmen anderer Ermittlungen auf. Wir nehmen mal an: Da hat jemand aus der Branche der illegalen Wettgeschäfte, als er in irgendeiner Angelegenheit zum Verhör vorgeladen war, den G-Men etwas freiwillig erzählt, um sich als potenzieller Angeklagter in eine bessere Position zu bringen.

Interessant aus Sicht von Sportfans ist allerdings: Ist das Ganze ein Einzelfall? Oder ist womöglich ein kleiner Ring Referees verwickelt? Und haben sie gemeinsam versucht, Spiele zu verschieben? Die Mafiosi und der - bislang nicht namentlich bekannte - Schiri sollen nach Angaben der Post in der nächsten Woche verhaftet werden. Dann werden tausende von Basketballanhängern durch die Spielstatistiken gehen und herauzulesen versuchen, ob es etwas Verdächtiges und Auffälliges gab. Bis dahin warten wir mal ab.
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10. Juli 2007

Endlich enthüllt: Die Schiedsrichterin ist eine Frau

Irgendwie lässt einen das Gefühl nicht los, dass Menschen, die das gelesen haben, sich auch für das Resultat interessieren. Dass sie also vermutlich gerne auch auch das anschauen wollen. Zur Erklärung: Dies ist eine Seite mit einer Liste von Links, die zu Abbildungen wie dieser führen und zu Fotografien wie dieser. Klingt mysteriös? Nicht wirklich. Wer sich die Mühe macht und wissen will, wie die brasilianische Fußballschiedsrichterin Ana Paula Oliveira aussieht, wenn sie nach Spielen wie diesem ihre Unparteiischenrobe ablegt, sollte sich zumindest ein bisschen Mühe geben und nicht jedes Mal hoffen, dass er hier immer alles auf dem Tablett serviert bekommt. Wer sucht, der findet...

Zusätzlicher Hinweis: Die Bilder haben nebenbei geklärt, dass die Dame wirklich kein Kerl ist, was man [Klischee-Klappe hoch] bekanntlich in Brasilien nicht immer auf den ersten Blick verbindlich erkennen kann [Klischee-Klappe runter]. Das dürfte die Futbol-Verantwortlichen des Verbandes sicher auf eine bestimmte Art beruhigt haben. Denn nun kann als abgehakt gelten, dass eine attraktive Frau nicht genug von Fußball versteht (das hatte man ihr bereits vor dem Playboy-Fototermin vorgehalten, für den sie umgerechnet 200.000 Dollar bekommen haben soll) Und damit können die Machos erst mal wieder unter sich bleiben. Ana Pauls eigene Webseite ist noch nicht auf dem letzten Stand.

2. Mai 2007

Studie belegt: Weiße NBA-Schiedsrichter pfeifen bei schwarzen Spielern mehr Fouls

Eine wissenschaftliche Studie von Justin Wolfers, einem Assistenzprofessor an der Wharton School of Business, und Joseph Price, einem Wirtschaftswissenschaftsstudenten, der an der Cornell Universität seinen Masters macht, hat einen erstaunlichen Beleg für den unterschwelligen Rassismus im amerikanischen Sport gefunden: Weiße NBA-Schiedsrichter pfeifen bei schwarzen Spielern mehr Fouls ab als bei weißen. Die Studie wertete Datenmaterial aus den 13 Jahren zwischen 1991 und 2004 mit insgesamt 600.000 Fouls aus und ermittelte, dass die Diskrepanz groß genug ist, um den Ausgang von Spielen entscheidend zu beeinflussen. Die Kerninformationen über die Arbeit wurde heute in der New York Times veröffentlicht, die im Rahmen ihrer Recherchen NBA Commissioner David Stern um eine Stellungnahme gebeten hatte. Offensichtlich hatte das Ligamanagement bereits vor einem Jahr von der Studie erfahren und analysierte in diesem Frühjahr auf eine Faust den Sachverhalt. Stern erklärte der Zeitung, dass sein Datenmaterial zu anderen Schlussfolgerungen führt: "Es gibt keine Vorurteile."

Der Anteil an schwarzen Schiedsrichtern in der NBA beträgt 38 Prozent, die offensichtlich auch nicht von Vorurteilen verschont sind. Die Studie kommt der beiden Akademiker kommt zu dem Ergebnis, dass sie weiße Spieler, wenn auch in einem nicht ganz so signifikanten Maß benachteiligen. Die beiden Autoren sehen das Problem nicht auf die Liga beschränkt, sondern halten es für repräsentativ für die gesamte amerikanische Gesellschaft. Die Besonderheit ist allerdings dabei ist, dass auf diese Weise Spiele entschieden werden, deren Resultate eigentlich durch die Profis auf dem Platz ermittelt werden sollten.

17. April 2007

NBA: Pause für den Pfeifenkopf

Nur die wenigsten Briefträger werden Schiedsrichter. Und von denen schaffen es noch weniger in die NBA. Joey Crawford hat es sogar zweimal geschafft. Das erste Mal mit 25, als die Liga noch nicht Abend für Abend solche Drahtseiltänze verlangte. Und das zweite Mal etwas mehr als zwanzig Jahre später, nachdem er genauso wie eine Reihe seiner Kollegen wegen einer Steuersache von seinem Amt zurückgetreten war. Ob der Mann, der sehr viel älter aussieht, als die 55 Jahre, die in seinem Pass stehen, es ein drittes Mal schafft, ist schwer zu sagen. Es gibt nicht so viel Konkurrenz um das Amt des Referees, die nachdrängt. Erst einmal darf Crawford allerdings zu Hause bleiben und in sich gehen. Denn am Dienstag haben ihn die Verantwortlichen für den Rest der Saison gesperrt. Der seltsame Platzverweis (zweites Technisches Foul) gegen Tim Duncan von den San Antonio Spurs im Spitzenspiel gegen die Dallas Mavericks war einfach zu bizarr, als dass ihn die Liga einfach hätte schleifen lassen können. Duncan hatte nicht mehr gemacht, als gelacht.

"Insbesondere im Licht ähnlicher vorheriger Aktionen" sei eine solche Maßnahme gerechtfertigt, erklärte NBA-Commissioner David Stern. Duncan wurde ebenfalls bestraft. Er erhielt eine Buße von 25.000 Dollar, weil er angeblich den Unparteiischen verbal attackiert hatte. Der Spurs-Center glaubt schon seit einer Weile, dass Crawford "eine persönliche Vendetta gegen mich hat".

Den härtesten Ausreißer des Referees erlebten die Zuschauer im zweiten Spiel der Playoff-Serie zwischen den Spurs und Mavericks im Jahr 2003. Innerhalb der ersten zehn Minuten verhängte er vier Technische Fouls und sorgte dafür, dass sowohl Trainer Don Nelson und sein Assistent Del Harris die Halle verlassen mussten.

27. März 2007

Profipfeifen werden gut bezahlt. Doch Frauen erhalten kaum eine Chance

Eine junge Frau tastet sich langsam, aber sicher auf das höchste Niveau im amerikanischen Schiedsrichterwesen hoch: Sie wird als einer der Umpire bei einem Freundschaftsspiel zwischen den Arizona Diamondbacks und den Chicago Cubs auf dem Platz stehen. Ihre Name ist Ria Cortesio. Und normalerweise arbeitet sie zwei Etagen tiefer - im Double-A-Baseball (nachträglich korrigiert - siehe Kommentare). Aber anscheinend will die Liga zeigen, dass die Verantwortlichen mindestens ein Auge für neue Entwicklungen offen halten. Wir sind schließlich im 21. Jahrhundert (via deadspin).

Man kann nicht behaupten, dass das Experiment mit weiblichen Schiedsrichtern in den USA so wahnsinnig gut läuft. Während sich eine langsam wachsende Zahl von weiblichen Sportjournalisten unter Mühen in die erste Reihe kämpfte, blieb etwa in der NBA von dem 1997 bewusst eingegangen Experiment nicht viel übrig. Violet Palmer ist die einzige Unparteiische, die noch zum Aufgebot gehört. Sie gilt bei den Spielern nichts als große Leuchte. Aber die Ligaverantwortlichen scheinen sie zu mögen.

Die Webseite AskMen.com hat die finanziellen Aspekte der Schiedsrichter-Arbeit zusammengestellt. Hier die Essenz:

Major League Baseball von 100.000 bis 280.000 Dollar für eine reguläre Saison mit 162 Spielen. Dazu kommen etwa 50.000 Dollar an erstatteten Reisekosten. Erster-Klasse-Flugtickets bekommen die Umpires gestellt. Wer in den Playoffs dabei ist, kann noch mal 20.000 Dollar Extra verdienen.

In der National Basketball Association (NBA) liegen die Gehälter pro Saison zwischen 90.000 und 225.000 Dollar. Ich hörte Ober-Schiri Dick Bavetta neulich, wie er im Fahrstuhl im Madison Square Garden erzählte, wie schön das Leben in Ocala/Florida eine Stunde von Orlando entfernt ist. Da wohnen viele reiche Vollblutzüchter und halten die Grundstücke schön groß (gut gegen die hässliche Zersiedlung von populären Wohngebieten).

In der National Hockey League (NHL) werden die Neueinsteiger bereits mit 115.000 Dollar pro Saison honoriert. Nach 15 Jahren im Puckhagel liegt das Salär bei rund 220.000 Dollar.

Der Job in der National Football League (NFL) bringt relativ wenig, weil die Liga vergleichsweise nur sehr wenige Spiele ausrichtet. So kommt man hier auf 25.000 bis 70.000 Dollar pro Saison.

Die Kennziffer für die Schiedsrichter in der Women's National Basketball Association (WNBA), die jeden Sommer in die hübsch runtergekühlten Hallen einzieht, lautet: 500 Dollar Gage pro Spiel. Damit kommt man bei einer Saison, die aus 32 Begegnungen besteht, auf maximal 16.000 Dollar.

Zum Vergleich: Der Durchschnittsamerikaner (männlich) verdient rund 40.000 Dollar im Jahr. Der Durchschnittsamerikaner (weiblich) kommt auf 27.000 Dollar im Jahr. Beiträge mit Listen gibt es in der Arena immer wieder. Wer sich über die Auswahl informieren will, geht einfach zu diesem Beitrag. Der enthält eine Übersicht. Die Alternative: in der Spalte rechts gibt es ebenfalls eine Zusammenstellung unter der Rubrik Schlag nach bei American Arena.