30. Oktober 2008

Der Klingelbeutel: Es wird Winter

• Der Ordnung halber sei Vollzug gemeldet: David Beckham's Winter ist verplant. Er geht nach Mailand. Bleibt zu fragen: Wann ist er wieder da, um zu den Heimspielen der Lakers zu gehen? Und wohin geht Landon Donovan?

• Warum lassen die Anhänger amerikanischer Sportclubs eigentlich immer dann ihren Hass auf tote Gegenstände aus, wenn die Mannschaften gewonnen haben? Das jüngste Beispiel: Fans der Philadelphia Phillies nach dem Sieg gegen die Tampa Bay Rays im fünften und um zwei Tage in die Länge gezogenen fünften und entscheidenden Spiel der World Series.


• Dirk Nowitzki sieht in dem neuen Concerto grosso, das Trainer Rick Carlisle für die Dallas Mavericks komponiert hat, wie ein Maestro aus. Er wirft aus allen Lagen und trifft. Wenn jetzt noch jemand unter dem eigenen Korb stehen würde, der wirkungsvoll verteidigt, sähe das Team schon wie ein heißer Playoff-Anwärter aus. Hier wird das Spiel live auf Deutsch gebloggt. Sogar mit Fotos. Herr Niemeyer scheint nach einer langen Sommerpause wieder komplett neu aufgeladen. Gut so.

• Eine Zensur findet doch statt. Zumindest auf den Skihängen in Amerika, wo man als Snowboarder nicht einfach mit jedem Brett auf den Lift kommt. Beziehungsweise nicht mit diesen: Die Geschichte hat bisher wenig Traktion gehabt, aber sie ist bezeichnend: Sie repräsentiert den scheinheiligen Teil einer Gesellschaft, die nicht damit zurechtkommt, dass Menschen mit Beginn der Pubertät Hormone ausstoßen, die ihnen unweigerlich die Idee in den Kopf setzt, dass Vertreter des anderen Geschlechts attraktiv sind (inklusive graue Katzen, nachts). Der intellektuelle Bankrott ist erreicht, wenn solche Bilder auf Snowboards auch noch das Label "pornographisch" erhalten, obwohl nicht ein einziges primäres Geschlechtsmerkmal abgebildet ist. Der fragliche Snowboard-Hersteller ist übrigens die Nummer eins in der Welt und sicher über die Aufregung sehr erfreut. So viel kostenlose Werbung....

Rocky's Stadt

Es gibt beim Schreiben von journalistischen Textes immer wieder dieses Problem: Wie vermeidet man Wortwiederholungen, wenn man doch eigentlich das gleiche Wort ständig benutzen muss? Im Sport taucht das Problem vor allem dann auf, wenn man eine einzelne Person häufiger erwähnen und zitieren muss. Oder wenn es um Ortsangaben und Vereinsnamen geht. Da wäre also Kreativität gefragt. Aber statt dessen rattert es nur so vor abgewetzten Vokabeln. Wer regelmäßig die Bundesligaberichterstattung von A bis Z konsumiert, wird den Katalog der gebräuchlichen und zumeist völlig sinnfreien Konstruktionen zur Genüge kennen.

Ein wahlloses Beispiel aus dieser Woche in Focus Online (gefunden über eine Google-Suche mit den drei Begriffen "Knappen", "Fohlen", "Hanseaten") möge genügen, um das Panorama der gängigen Sprachlandschaft in Erinnerung zu rufen. Es enthält auch noch solche Klassiker wie "Werks-Elf" und "Geißböcke".

Da fällt einem doch glatt ins Auge, wenn, wie heute auf faz.net geschehen, jemand bei der Umschreibung für den Namen der Stadt Philadelphia auf folgende Idee kommt: "die Stadt von Rocky Balboa". Rocky Balboa hat nie gelebt. Er ist eine Kunstfigur, die der Hollywood-Schauspieler Sylvester Stallone für seinen Film Rocky erfunden hat. Wer sich nicht an derartigen Gedankensprüngen stört, der hat plötzlich völlig neue Möglichkeiten, um in der Zukunft seine Artikel mit pop-culture-Material zu besprenkeln. Auch wenn die Leinwand- und TV-Helden in Deutschland eher dünn gesät ist. Ideen? Vorschläge? Bitte in der Kommentarspalte abliefern.
Blick zurück: In Philadelphia hat Rocky sogar einen Platz vorm Museum

Marion Jones: Gold auch ohne Doping

Für Marion Jones begann das Leben nach dem Knast mit einem Auftritt im Fernsehen. Oprah Winfrey, die Königin des Seelen-Striptease-Nachmittagsprogramms hatte sie am Mittwoch zu Gast und ließ sich folgende Geschichte servieren: Jones glaubt, sie hätte in Sydney auch ohne Dopingmittel die Medaillen gewonnen. Klingt komisch, wenn man weiß, weshalb sie ins Gefängnis musste: Weil sie gelogen hatte.

John Daly: Falsche Freunde

Das frischeste Foto von John Daly zeigt ihn von einer ganz und gar nicht frischen Seite. Dafür sollte man nicht unbedingt dem Fotografen die Schuld geben. Der arbeitet bei der Polizei und knipst, was kommt. Die Hauptlast liegt sicher bei dem Golfer und bei seinen Kumpanen, mit denen er sich in Winston-Salem in North Carolina in der Nacht zum Sonntag die Hucke vollgesoffen hat. Zur Ausnüchterung wurde er 24 Stunden in Gewahrsam behalten und bei der Gelegenheit zu Buchhaltungszwecken abgelichtet. Die Pointe: seine Begleiter wollten ihn nicht in dem Tourbus mitnehmen, mit dem die ganze Mischpoke unterwegs war. Und die Leute von Hooters, der Kneipenkette, für die Daly Reklame macht, hatte auch kein Plätzchen für ihren Werbeträger. Dalys Geschichten, wozu Eheprobleme, Casinoschulden und der Alkohol gehören, sind nichts Neues. Neuer ist nur, dass seine Leistungen auf dem Golfplatz derart rapide in den Keller gehen, dass der Junge aus Arkansas sich demnächst seinen Lebensstil nicht mehr leisten können wird. Für solche Menschen gibt es in den USA kein soziales Netz. Die fallen tief.

29. Oktober 2008

Charles Barkley: Hungrig auf Politik

Der ehemalige Basketball-Profi Charles Barkley, der inzwischen als Fernsehkommentator reüssiert, war schon immer ein Mann mit viel zu großen Ambitionen. Die waren manchmal auch zu breit und zu rund. Wie etwa vor den Olympischen Spielen 1984, als ihn Nationaltrainer Bob Knight aus dem Team warf, weil er nicht in der Lage war, sich auf ein ordentliches Kampfgewicht herunterzuhungern. In den NBA-Jahren reichte es nie zum Titel, weil man nun mal mit Sprüchen allein jemanden wie Michael Jordan und die Bulls der neunziger Jahre nicht in Verlegenheit bringen konnte. Inzwischen gehen die Wunschvorstellungen noch sehr viel weiter: Barkley möchte Gouverneur in seinem Heimatstaat Alabama werden. Auch diesmal gibt es ernsthafte Gegner: Die weiße Mehrheit in diesem Landstrich zwischen Golf von Mexiko und dem Raketentechno-Center Huntsville wird sich nicht von einem Mann regieren lassen wollen, der regelmäßig im Casino viel Geld verspielt und einst den denkwürdigen Satz geprägt hatte: "Ich bin kein Vorbild. Eltern sind Vorbilder." Barkley ist auch politisch eher ein wetterwendischer Vertreter: "Ich war Republikaner, bis sie ihren Verstand verloren haben", hat er vor einer Weile mal erklärt.

Er ist auch kein Vorbild auf dem Golfplatz. Sein Schwung dürfte das hässlichste sein, was man je gesehen hat. Und dies wäre dann endlich eine wunderbare Gelegenheit, den mal zu zeigen:

NBA: Kaufen Ausländer die Nets?

Das ging aber schnell: Nur ein paar Wochen nach dem Abschmelzen der Knete-Kappen an Wall Street tauchen die ersten ausländischen Bieter an den Stränden Amerikas auf. Geld aus Russland und Geld aus Arabien soll angeblich bereit stehen, um die New Jersey Nets und das Immobilienprojekt in Brooklyn zu übernehmen, in dem das Team eine neue Heimstatt finden soll. Die Spekulationen klingen noch etwas dünn. Aber hinter der Meldungen dürfte sich mehr verbergen. Nicht nur weil David Stern Interesse aus Russland, dem Nahen Osten und China bestätigt hat. Der Dollar-Kurs befindet sich seit mehreren Wochen auf einem steilen Marsch nach oben. Das bedeutet, dass die Bewegung flight to safety eingesetzt hat: Menschen mit sehr viel Geld haben sehr viele Dollars gekauft und suchen als Nächstes voraussichtlich vielversprechende Investitionsmöglichkeiten. Auch Ende der achtziger Jahre, als das ausländische Geld vor allem aus Japan kam, gehörten Entertainment-Firmen (damals Schallplattenfirmen und Hollywood-Studios) zu den begehrten Besitztümern. Das Aufsichtsreglement der einzelnen Ligen in Bezug auf Clubbesitzer ist unterschiedlich.

28. Oktober 2008

Angst vor Steuer-Mann Obama

Kurz vor den Wahlen haben Milliardäre mal wieder ganz andere Sorgen als der Rest der Welt: Wayne Huizenga will den Rest der Miami Dolphins noch in diesem Jahr verkaufen, weil er Angst hat, dass er im nächsten Jahr eine höhere Kapitalertragssteuer auf den Profit zahlen muss. Der Plan geht von der Voraussetzung aus, dass Barack Obama die Wahlen in der kommenden Woche gewinnt, was sehr wahrscheinlich ist, aber nicht sicher. Huizenga sollte sich aber vermutlich mal einen Taschenrechner besorgen. Wenn er glaubt, dass er dieser Tage angesichts der Finanzkrise so viel Geld für den Football-Club bekommt wie vor einem Jahr oder sechs Monaten, dann sieht er eine Fata Morgana. Die inflationären Wertschätzungen von amerikanischen Sportclubs sind auf dem Weg nach unten. So wie bei allen anderen Luftschlössern auch. Wer in diesen Markt hineinverkauft, drückt die Preise. Die Spirale kommt zwar erst langsam in Fahrt, aber sie dreht sich.

27. Oktober 2008

Von Toten und Tuten keine Ahnung

In einem Augenblick extremer Umnachtung hat eine Football-Sideline-Reporterin von Fox am Sonntag den neuen Head Coach der San Francisco 49ers vor seinem ersten Spiel gefragt, wie denn das Telefonat mit seinem Mentor Bill Walsh gelaufen sei. Ein Gespräch, dass er doch sicher sofort geführt habe, als er den Job übertragen bekam. Die Frage und die Antwort gingen nie über den Sender, weil jemand in der Regie den großen Schnitzer bemerkte: Die Trainerlegende Walsh ist vor einem Jahr gestorben. Aber sideline hottie Danyelle Sargent verstand überhaupt nicht, was man ihr in den Ohrknopf trompetete: "Was habe ich gemacht? Was war falsch?"

Die Episode lief am Ende trotzdem in New York, weil das fragliche Material über Satellit routinemäßig an alle Lokalfernsehstationen gegangen war. Den Moderator, der vermutlich die Duftnote "mysogyn" trägt, hatte der Lapsus mächtig amüsiert. Was den Top-Typen von Fox wiederum natürlich extrem ärgerte. Vor allem, weil der Schnipsel auf diese Weise zwischendurch auch noch bei YouTube zu sehen war. Über das Hauptproblem ärgert man sich wohl nur hinter verschlossenen Türen: die Neigung der Sender, gutaussehende Frauen von der Straße aufzulesen, sie mit einem Mikrofon zu bewaffnen und den Trainern und Spielern irgendwelche Soundbites zu entlocken. Die Verantwortlichen könnten das ändern. Aber welche Männer wollen überhaupt diesen undankbaren Job?

Nachtrag: Der Videoschnipsel ist wieder aufgetaucht (via The Big Lead). Und er zeigt, dass der Moderator ein Riesenschnösel ist. Er sagt: Wir wollen nicht auf der Frau herumhacken, ehe er auf die Fehler hinweist und sie korrigiert. Warum wurde etwas gezeigt, das andernfalls überhaupt nicht im Fernsehen zu sehen gewesen wäre?

Vor der neuen NBA-Saison: Oklahoma etc. pp.

Das Aus für die SuperSonics in Seattle und der Umzug nach Oklahoma City kam nicht über Nacht. Darüber haben wir schon sehr gründlich hier, hier, hier und hier geschrieben. Aber zum Auftakt der neuen NBA-Saison bot sich das Thema einfach an, um einem größeren Publikum das Phänomen des Ortswechsels in den amerikanischen Ligen zu erläutern. Am Sonntag lief ein Radiobeitrag beim Deutschlandfunk. Morgen druckt die FAZ einen ausführlichen Bericht, in dem auch der deutsche Bezug zu der Geschichte etwas stärker zum Tragen kommt. Seattle ist Detlef-Schrempf-Country. Dort hat er damals fast den Meistertitel errungen. Dort war er zwischendurch Assistenztrainer. Und dort ist er zuhause.

P. S.: Die Geschichte über den aktuellen Stand bei den Dallas Mavericks in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom Wochenende gibt es nun auch online.

26. Oktober 2008

Ein Sack Rice für die 49ers

Vom Außenminister zum Verantwortlichen bei den San Francisco 49ers. Das ist ein Karriereschritt, wie er wahrscheinlich nur jemandem in den USA einfallen würde. Frau Rice bleibt uns erhalten? Warum steigt sie nicht auf ihr Pferd und reitet in den Sonnenuntergang? Sie hat schließlich mit ihrer kompletten Dummheit und mangelnden Intelligenz in verantwortlicher Position schon genug angerichtet.