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18. November 2009

"Der schlimmste Klubbesitzer aller Zeiten"

Washington Redskins v Carolina Panthers
Es wäre ganz nützlich, den scharfen Verriss zu verlinken, den Matt Taibbi vom Rolling Stone in der letzten Ausgabe vom 12. November dem Besitzer der Washington Redskins hat angedeihen lassen. Aber das Magazin stellt nicht alle Texte online. Und so muss man sich auf Zitate stützen. Diese hier hat Dan Steinberg vom D. C. Sportsbog ausgewählt, der seit langem zu den Kreuzrittern der Washington Post gehört, die einen Kleinkrieg mit Klubeigentümer Dan Snyder führen:

O-Ton Taibbi:
"In typical Washington spirit, he spent a decade throwing gazillions at perpetual failure and this year attacked a crisis of his own making (in his case, an NFL team that couldn't score 17 points against a 145-pound-and-under Pop Warner club) with the same policies that got him there: big-ticket free agents, bad coaching hires and enough neurotic meddling to make George Steinbrenner look like the Dalai Lama."

"His performance this year has been a tour de force of executive [badwordery], solidifying his status as the very worst owner not just in football but in sports."

"He looks like a cross between Mitt Romney and a male nurse, with a spray-helmeted cube of black mannequin hair atop the pinched, entitled face of a guy [complaining to] a Howard Johnson's waitress about his curly fries not being curly enough."

"The players, for all the money he throws at them, look like they wouldn't touch him with a two-foot Whizzinator."

Anmerkungen zum besseren Verständnis der Passagen (ich habe das Heft mit dem Artikel vor mir liegen):

Das bad word lautet: douchery und geht auf die Slang-Verwendung für das Wort Vaginaldusche (douche bag) zurück. Ein Begriff, der Leute charakterisiert, die arrogant sind und sich anstößig betragen. George Steinbrenner ist der berühmt-berüchtigte Eigentümer der New York Yankees, der sich in seinen frühen Jahren in alles einmischte, was mit dem Spiel auf dem Platz zu tun hatte, Ein Whizzinator ist ein Gerät, mit dessen Hilfe man versucht, bei Urintests etwas von Arbeitgebern auf Drogenkonsum zu die Resultate zu verfälschen. Howard Johnson ist eine amerikanische Billighotelkette. Mitt Romney einer der republikanischen Präsidentschaftskandidaten aus dem letzten Jahr, der zuvor die Olympischen Spiele von Salt Lake City gemanagt hatte und Gouverneur in Massachusetts gewesen war.

Das soll zur Einstimmung genügen. Denn eigentlich wollte ich auf einen Artikel über Dan Snyder in der FAZ hinweisen. bei dem es sprachlich nicht ganz so in die Vollen geht. Der in der Substanz aber nichts anderes sagt: Snyder ist "Der schlimmste Klubbesitzer aller Zeiten".

31. Mai 2009

NFL: Wann verlassen die Rams St. Louis?

Das Wanderlust-Virus war in den letzten Jahren in der National Football League als ansteckende Krankheit im Grunde besiegt. Mal abgesehen von der Ödnis in Los Angeles hat die Liga wirklich alle Fernsehmärkte in den USA mit Teams besprenkelt, die sich ein solches Aushängeschild leisten können. Obendrein hat die konsequente Verteilung der enormen Fernseheinnahmen an alle Clubs und die härteste Salary Cap im amerikanischen Mannschaftssport etwaige Begehrlichkeiten weitgehend gedämpft. Die Sache läge anders, wenn die Politiker in Los Angeles und Umgebung mit attraktiven Stadienbauplänen winken würden. Dann kämen sicher eine ganze Reihe von Club-Eignern angerannt. Die New Orleans Saints vorneweg, die Oakland Raiders gleich hinterher. Aber dem ist nicht so.

Umso überraschender sind die lauten Geräusche in St. Louis, wo die Rams 1995 andockten, nachdem sie vorher in LA und dann in Anaheim gleich nebenan zuhause waren. Die Rams füllten eine Lücke, die mit dem Abschied der Cardinals 1987 nach Arizona entstanden war. Der eigentliche Grund für den Umzug der Rams war ein unwiderstehlicher Vertrag, der dem Club so gute wie alle Mietkosten in einem neuen Hallenstadion erließ. Aber solche Zückerli finden die Erben der vor einem Jahr verstorbenen Besitzerin Georgia Frontiere längst nicht ausreichend. Sie müssen auf die Hinterlassenschaft nämlich jede Menge Steuern bezahlen und sind weder flüssig, um dem Fiskus das Geld aus eigener Tasche zu bezahlen noch scheint ihnen derzeit irgendeine Bank die notwendigen Beträge leihen zu wollen.

Nachdem sie den Verkauf der Rams an einen Interessenten in St. Louis ohne Erfolg ventiliert hatten, soll nun die Investmenbank Goldman Sachs nach einem Käufer Ausschau halten. Und das könnte gut und gerne jemand sein, der mit dem Team nach Westen umziehen will. Denn die einst so attraktive Halle mit jenem Kunstrasen, auf dem die von Kurt Warner angetriebenen Rams Tempo-Football der allerschnellsten Kategorie inszenierten, wirkt längst alt und angeschrammt. 30 Millionen Dollar werden zur Zeit hineingesteckt. Aber das könnte sich als verlorene Liebesmüh erweisen. Der Club hat einen Mietvertrag, der es ihm erlaubt, spätestens 2014 mit dem Hinweis auf eine unzureichende Ausstattung das Weite zu suchen.

Die Entwicklung sieht demnach nicht nach einer baldigen Nacht- und Nebelaktion aus, sondern nach einer, die sich mittelfristig zuspitzen wird. Minderheiteneigner der Rams ist übrigens Stan Kroenke, den wir nicht nur als Besitzer der Denver Nuggets (NBA), Colorad0 Avalanche (NHL), Colorado Rapids (Major League Soccer) kennen, sondern auch als einer der Amerkaner, der in der Premier League seine Finger im Spiel hat (Arsenal). In der NFL kann er nichts mehr werden als ein Minderheitenanteilseigener, solange er in den anderen Ligen mitmischt. So streng sind hier die Statuten. Aber das heißt ja nicht, dass seine Stimme bei einer Entscheidung über die Zukunft der Rams nichts gilt. Es steht ja auch sein Geld auf dem Spiel (via SportsbyBrooks)

13. Oktober 2008

Hicks salta

Man darf davon ausgehen, dass ein amerikanischer Sportclub-Besitzer ein bisschen von dem Geschäft versteht, in dem er sich tummelt. Selbst wenn er einen Club in England kauft und der Verdacht nahe liegt, dass er weder die Feinheiten der Sportart begreift noch die Seele der Fans. In guten Zeiten ist "ein bisschen" vielleicht sogar gut genug. Aber dies sind keine guten Zeiten – weder in den USA noch in England, wo die enorme Überschuldung von Clubs in der Premier League bereits zum guten Ton gehört. Solches Wirtschaftsgebaren wird nicht ohne Folgen bleiben. Man kann sich schon mal das eine oder andere Kollaps-Szenario ausmalen und sich fragen, ob der britische Staat den Fußball-Unternehmen im entscheidenden Moment ähnlich unter die Arme greifen wird wie jetzt den Banken.

Aber das scheint einen Mann wie Gil LeBreton nicht zu interessieren. Der hat beschlossen, von seinem Pappeimer aus, seinem persönlichen Hyde Park Corner, dem Fort Worth Star Telegram, dem Sportclub-Besitzer Tom Hicks (FC Liverpool) den Rücken zu stärken. Moralisch. Und ideologisch. Wäre Tom Hicks ein wirklich erfolgreicher Sportclub-Unternehmer und nicht der Besitzer von solchen Schlappmachern wie dem Baseball-Team Texas Rangers und dem Eishockey-Team Dallas Stars hätte man vielleicht Sympathien für diesen Schreib-Versuch, der darin besteht Mr. Hicks Zucker in den Arsch zu blasen. Warum interessiert einen das, wenn sich in Texas zwei Leute auf diese Weise näher kommen? Weil es als Anschauungsunterricht ganz gut taugt, um zu verstehen, wie reiche Leute in Texas (und ihre journalistischen Fellationäre) ticken. Viele Menschen dort glauben tatsächlich, dass ihre Haltung und ihr Umgang zu Geld, zu Investitionen und Überschuldung eine seligmachende Prämisse ist. Und weil sie sich bislang mit diesem Geld und dieser Wahnsinnsschulden-Mechanik im Rest der Welt als dickster Elefant austoben konnten, erleben wir jetzt den GAU der Finanzmärkte.

Dass Clubs in Ligen mit diesen enormen Fernseheinnahmen Schulden haben, ist im Grunde ein unverständliches Phänomen. Sie könnten doch auch ganz anders wirtschaften, Gewinne machen und sicher weglegen, damit sie in schlechten Zeiten etwas zu beißen haben, oder nicht? Sie könnten, aber sie tun es nicht. In manchen Fällen entspringen die Verbindlichkeiten einer Stadionfinanzierung. Gut, da hat man dann zumindest eine Immobilie als Gegenwert. Aber Stadien- und Hallenbau ist nicht der einzige Faktor. Der größte Teil des Problems hat mit der Entlohnung von Spielern zu tun. Denen möchte man ihre Millionen gönnen. Denn dort, wo die Salary Cap einen unmissverständlichen Deckel auf die Gehälter legt wie etwa in der NFL, geht das Geld in andere Kanäle. In beiden Fällen sind die Clubbesitzer die Verantwortlichen. Sie sind es, die hinter jeder Spirale stecken, die sich dreht. Warum geht für die meisten die Rechnung trotzdem auf? Weil man spätestens beim Verkauf des Clubs mit einen enormen Wertzuwachs materialisieren kann, der einen für etwaige angehäufte Verluste mehr als entschädigt. Der Marktwert eines Clubs basiert allerdings nie auf einer Kalkulation, wie man sie in anderen Bereichen der Wirtschaft anstellt, wenn Unternehmen, die nichts herstellen und keine Waren lagern, den Besitzer wechseln. Da zieht man die Gewinne der Vergangenheit zu Rate und rechnet die auf eine Frist von maximal zehn Jahre hoch und addiert den Betrag. Wenn man so im Sport arbeiten würde, läge der Marktwert der meisten Clubs (ohne Stadion) zwischen 20 und 50 Millionen Dollar. Tatsächlich reden wir in fast allen Ligen vom Zehn- bis Zwanzigfachen.

Wie ist eine solche Verzerrung möglich? Weil jeder der kauft, glaubt, er könnte irgendwann den viel zu teuren Laden für einen noch höheren Preis an jemand anderen verkaufen. Das ist pure Spekulation. Es hat aber in den letzten hundert Jahren in der Profi-Welt des amerikanischen Sports immer funktioniert. Aber geht es auch so weiter? Laufen da nicht Leute einer ähnlichen Fata Morgana hinterher wie in den letzten Jahren an Wall Street? Wahrscheinlich schon. Wie dort wird es sich im Sportbusiness auch erst ändern, wenn Menschen, die den kommerziellen Sport über Kredite finanzieren wollen, pleite gehen, weil die Banken ihr Geld wiederhaben wollen/müssen. Der Tag ist nicht mehr fern.