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17. Dezember 2009

Vinny ist weg

In den Jahren, ehe er bei den Washington Redskins als Manager die Verantwortung für den sportlichen Erfolg eines der grandiosen alten Clubs in der NFL übernahm, hatte Vinny Cerrato andere Ambitionen: Er betätigte sich als Filmschauspieler – in einem grotesken Kinowerk names Kindergarten Ninja. Seine Mitdarsteller waren ganz offensichtlich ebenso hölzern und ungeschult wie er, wie man in einem Ausschnitt nachvollziehen kann, den Washington-Post-Blogger Dan Steinberg ausfindig machte und bei YouTube ablieferte. Aber während Cerratos Kollegen der Sprung ins Rampenlicht von Hollywood nicht gelang, kam er in den Jahren danach später voll zur Geltung. In der Washingtoner Inszenierung des Klassikers Dumb and Dumber, einer merkwürdigen Regieleistung, wenn man bedenkt, wieviel Geld er und sein Arbeitgeber, der Teambesitzer Dan Snyder, in die Produktion gesteckt haben.

Zu Snyders Stil im Umgang mit einer Footballmannschaft, Trainern, den Medien und vor allem den Fans gab es vor ein paar Wochen schon eine ausführliche Geschichte in der FAZ („Der schlimmste Klubbesitzer aller Zeiten“). Dies ist die Nachricht über den ersten bemerkenswerten Kollateralschaden der Entwicklung. Cerrato hat seinen Stuhl geräumt. Ton ab, Kamera ab, Action und Straße frei für Vinny, der in diesem Film einen Polizisten mimt, dessen Rollenname "Sarge" lautet. Viel Vergnügen.

18. November 2009

"Der schlimmste Klubbesitzer aller Zeiten"

Washington Redskins v Carolina Panthers
Es wäre ganz nützlich, den scharfen Verriss zu verlinken, den Matt Taibbi vom Rolling Stone in der letzten Ausgabe vom 12. November dem Besitzer der Washington Redskins hat angedeihen lassen. Aber das Magazin stellt nicht alle Texte online. Und so muss man sich auf Zitate stützen. Diese hier hat Dan Steinberg vom D. C. Sportsbog ausgewählt, der seit langem zu den Kreuzrittern der Washington Post gehört, die einen Kleinkrieg mit Klubeigentümer Dan Snyder führen:

O-Ton Taibbi:
"In typical Washington spirit, he spent a decade throwing gazillions at perpetual failure and this year attacked a crisis of his own making (in his case, an NFL team that couldn't score 17 points against a 145-pound-and-under Pop Warner club) with the same policies that got him there: big-ticket free agents, bad coaching hires and enough neurotic meddling to make George Steinbrenner look like the Dalai Lama."

"His performance this year has been a tour de force of executive [badwordery], solidifying his status as the very worst owner not just in football but in sports."

"He looks like a cross between Mitt Romney and a male nurse, with a spray-helmeted cube of black mannequin hair atop the pinched, entitled face of a guy [complaining to] a Howard Johnson's waitress about his curly fries not being curly enough."

"The players, for all the money he throws at them, look like they wouldn't touch him with a two-foot Whizzinator."

Anmerkungen zum besseren Verständnis der Passagen (ich habe das Heft mit dem Artikel vor mir liegen):

Das bad word lautet: douchery und geht auf die Slang-Verwendung für das Wort Vaginaldusche (douche bag) zurück. Ein Begriff, der Leute charakterisiert, die arrogant sind und sich anstößig betragen. George Steinbrenner ist der berühmt-berüchtigte Eigentümer der New York Yankees, der sich in seinen frühen Jahren in alles einmischte, was mit dem Spiel auf dem Platz zu tun hatte, Ein Whizzinator ist ein Gerät, mit dessen Hilfe man versucht, bei Urintests etwas von Arbeitgebern auf Drogenkonsum zu die Resultate zu verfälschen. Howard Johnson ist eine amerikanische Billighotelkette. Mitt Romney einer der republikanischen Präsidentschaftskandidaten aus dem letzten Jahr, der zuvor die Olympischen Spiele von Salt Lake City gemanagt hatte und Gouverneur in Massachusetts gewesen war.

Das soll zur Einstimmung genügen. Denn eigentlich wollte ich auf einen Artikel über Dan Snyder in der FAZ hinweisen. bei dem es sprachlich nicht ganz so in die Vollen geht. Der in der Substanz aber nichts anderes sagt: Snyder ist "Der schlimmste Klubbesitzer aller Zeiten".

31. Mai 2008

Erschossene NFL-Profis: Ermittler kommen langsam voran

Mehr als ein Jahr nach den tödlichen Schüssen auf NFL-Profi Darrent Williams in Denver gibt es ein erstes starkes Indiz für eine schlüssige Tätertheorie. Der mutmaßliche Schütze soll in einem privaten Brief seine Sorgen darüber geäußert haben, dass ihn ein Augenzeuge verpfeifen könnte. Das Schreiben wurde von jemandem abgefangen, der damit die in Denver erscheinende Rocky Mountain News kontaktierte. Sein Motiv: Die Belohnung für die Aufklärung des Falles beträgt 100.000 Dollar (via SportsbyBrooks).

Die Staatsanwaltschaft in Florida kommt offensichtlich in ihrem Fall ebenfalls voran. Nachdem vor zwei Wochen ein fünfter Verdächtigter rund um Einbruch in das Haus von Washington-Redskins Safety Sean Taylor angeklagt wurde, gab der erste der Gruppe seine Mittäterschaft zu. Taylor hatte die Einbrecher überrascht und war einen Tag nach der Attacke an den Folgen einer Schussverletzung gestorben. Der geständige Venjah Hunte (Bild), hat 29 Jahre Gefängnis erhalten und hat zugesichert, den Anklagevertretern bei ihrer Prozessen gegen die restlichen Mitglieder der Gang behilflich zu sein. Das könnte bedeuten, das das Verfahren hinreichend belastende Aussagen produziert und die eine oder andere Todesstrafe obendrein. In Florida wird die Tat als Mord (first-degree murder) eingestuft. Alle Mitschuldigen gelten als gleichwertig involviert, unabhängig davon, wer die Schusswaffe besaß und wer gefeuert hat und welche Umstände bei den Ereignissen eine Rolle spielten. Nach deutschem Rechtsverständnis würde das Geschehen vermutlich als Körperverletzung mit Todesfolge behandelt (Paragraph 227 Strafgesetzbuch) und nicht als Mord (Paragraph 211). Das liegt an einer weitaus differenzierten Betrachtungsweise im deutschen Rechtsverständnis in der Bewertung von schweren Straftaten.

Man kann sich im Internet darüber informieren, wer aktuell in Florida auf seine Hinrichtung wartet: 386 Männer und eine Frau. Eine der ältesten Fälle ist der von Gary Alvord, der 1974 wegen dreifachen Mordes verurteilt wurde, obwohl es Anhaltspunkte gibt, dass er nicht zurechnungsfähig war. Er hält einen dubiosen Rekord: Länger als er hat seit der Wiedereinführung der Todesstrafe noch niemand in den USA in einer Todeszelle gesessen. Die Bundesstaaten mit den meisten, die ihrer Hinrichtung entgegendämmern:
Kalifornien 669
Florida 386
Texas 370
Pennsylvania 228
Alabama 201
Ohio 186
North Carolina 166
Arizona 114
Georgia 107

8. Januar 2008

Gibbs gibt ab

Joe Gibbs hängt die Trainermütze endgültig an den Nagel. Wir warten noch auf die Pressekonferenz, die am Nachmittag in Washington abgehalten wird. Aber die Anzeichen sind klar. Mit 67 hat man wohl auch andere Gedanken, als einen ganzen Stall mit 20 Assistenten und 53 Spielern zu managen und einem manischen Clubeigentümer Rede und Antwort zu stehen. Für die Redskins, die zuletzt ohne Erfolg eine ganze Reihe von Figuren ausprobiert hatten, stellt sich damit erneut die gleiche Frage: Wie finden Sie einen Mann, der's kann? Der Markt an Aspiranten ist ziemlich leer. Der attraktivste Name: Bill Cowher, der vor einem Jahr bei den Steelers in Pittsburgh in den Sack gehauen hatte und zur Zeit fürs Fernsehen arbeitet.

5. Januar 2008

NFL: Die ersten Wild-Card-Spiele machen Lust auf mehr

Zwei richtig gute Playoff-Spiele zum Auftakt der K.O.-Runde in der NFL machen Lust auf mehr. Die 14:35-Niederlage der Washington Redskins in Seattle wirkt klarer, als sie war. Die Mannschaft fand durchaus Mittel und Wege gegen die unglaublich schnelle und athletische Verteidigung der Seahawks und schaffte zwischendurch die Führung mit 14:13. Am Ende waren die Interceptions, die Quarterback Todd Collins warf, nicht wett zu machen. Der einzige Redskin, der in diesem Jahr noch mit von der Partie ist: Der tote Safety Sean Taylor, dessen Rückennummer alle Spieler auf dem Helm tragen. Ob er heute als der Top-Mann der Mannschaft der Begegnung einen anderen Dreh gegeben hätte? Wohl kaum. Die Offensivleistung war das Problem. Seattle spielt am kommenden Wochenende in Green Bay. Die Konstellation hat zumindest eine pikante Note: Seahawks-Coach Mike Holmgren hat bei den Packers deren letzten Super-Bowl-Sieg bewerkstelligt und sicher noch heute dort, wenn man ihm so viel Macht und Einfluss gegeben hätte wie in Seattle.

Rasierklingenscharf ging es in Pittsburgh zu, wo der Rasen mal ausnahmsweise trotz des schlechten Wetters halbwegs hielt und nicht zum Faktor wurde. Das vierte Viertel war großartig, rasant und spannend, weil die Steelers einen 18-Punkte-Rückstand aufholten und knapp drei Minuten vor Schluss zum 29:28 in Führung gingen. Die Jacksonville Jaguars hatten zu dem Zeitpunkt durchaus genug Zeit, um die Line of Scrimmage in den Field-Goal-nahen Bereich zu schieben. Aber wenn nicht Quarterback David Garrard bei einem 4th Down alles auf eine Karte gesetzt und mit dem Ball unterm Arm nach vorne gestampft wäre, hätte sich die Chance beizeiten erledigt. Die Quarterback-Entdeckung des Jahres legte nicht nur die zwei Yards zurück, die er brauchte, um seiner Mannschaft den Ballbesitz zu erhalten. Er schleppte das Ei fast unwiderstehlich über 32 Yards nach vorne und schlug dabei auf seinen riesigen Oberschenkel-Tröten noch einen wirkungsvollen Haken. Wenige Spielzüge machten die Jaguars mit eine Field Goal zum 31:29 den Sack zu.

Ihr Gegner in einer Woche steht noch nicht fest. Der hängt davon ab, wer am Sonntag im zweiten Wild-Card-Spiel der AFC gewinnt: die San Diego Chargers oder die Tennessee Titans. Leichter wird's auf keinen Fall. Denn es sind entweder die Indianapolis Colts oder die New England Patriots.

4. Januar 2008

Kige: Das war wohl nichts


Am Anfang der NFL-Saison hatte der unvergleichliche Kige Ramsey einen erstaunlichen Riecher. Er tippte 14 Spiele und sah alle Sieger richtig voraus. Also ist es an der Zeit zu überprüfen, wie es mit seiner Super-Bowl-Prognose steht. Die Antwort? Nicht gut. Die New Orleans Saints haben die Playoffs verpasst, die morgen beginnen. Und die San Diego Chargers können froh sein, wenn ihnen nicht einer von drei formidablen Gegnern in der AFC schon vorzeitig die Lampe ausdreht: die Jacksonville Jaguars, Indianapolis Colts oder die extrem formidablen New England Patriots.

Unsereins hält sich mit Prognosen gerne zurück. Zumal der Sport so viele andere Ansätze für Themen und Geschichten bietet. Der Football-Beitrag für die Samstagausgabe der FAZ dreht sich um die Washington Redskins, die nach dem Tod von Sean Taylor aus dem Tritt gekommen schienen, sich aber trotzdem noch unter die besten sechs in der National Conference spielten und die am Samstag in Seattle gegen die Seahawks antreten werden.

Die besten Betrachtungen vorab zu den vier Spielen des Wochenendes findet man wie immer auf allesaussersport.

1. Dezember 2007

Ein Toter, vier Verdächtige und ein paar Merkwürdigkeiten

Das Thema hat seit Tagen die Leute beschäftigt. Vor allem auch weil es eine Reihe von Journalisten gab, die voreilig Rückschlüsse auf den Lebensstil des Footballprofis zogen und das Gefühl hatten, es sei mal an der Zeit eine populistische Haltung zu beziehen. Seit gestern stellt sich die Sache so dar: Die Polizei hat vier Verdächtige verhaftet, die für den Tod von Sean Taylor, dem begabten Safety der Washington Redskins, verantwortlich sein sollen. Und sie hat eine Vorstellung davon, wie es zu der tödlichen Konfrontation kam: Die Tat hatte als Einbruch begonnen, weil niemand damit gerechnet hatte, dass sich der NFL-Profi (und seine Lebensgefährtin mit dem gemeinsamen Kind) während der Saison in der Villa in Miami aufhält. Als Taylor sich den Eindringlingen in den Weg stellte, wurde er von einem Pistolenschuss getroffen. Das Projektil verletzte eine der wichtigen Arterien. Er starb Stunden später, nachdem er Unmengen an Blut verloren hatte.

Und damit wenden wir uns zu den voreiligen Betrachtungen von Leuten, die diesmal gar nicht erst abwarten wollten, zu welchen Ermittlungsergebnissen die Behörden kommen. Und denen es so leicht fiel, den schwarzen Sportler als Vertreter aus dem Ghetto abzustempeln, obwohl sein Vater der Polizeichef im benachbarten Florida City ist. In der Washington Post, die die Meinungsführerschaft rund um die Redksins beansprucht und nicht erst seit Watergate einen Ruf als ausgezeichnete Zeitung genießt, waren gleich zwei Leute ziemlich sicher, dass Taylor nicht das unschuldige Opfer einer Attacke gewesen sein konnte. Leonard Shapiro schrieb (nach ein paar eloquenten Vorbemerkungen, die die Aussage abmildern sollten: "Trotzdem, könnte irgendjemand ehrlich sagen, er hätte das nicht kommen sehen? Man muss blind sein, um nicht die schillernde Vergangenheit von Taylor in Betracht zu ziehen." Sein Kollege Michael Wilbon, der im Nebenberuf bei ESPN die Sendung Pardon the Interruption mitmoderiert, hatte in einem Chat mit Lesern erklärt: Taylor sei in einer gewallttätigen Welt groß geworden und habe sie gut geheißen und "sich geweigert, sich davon zu verabschieden". Ein ESPN-Radiomann (Colin Cowherd), der über ein beachtliches Publikum verfügt, insinuierte in einer ausführlichen Tirade ganz ohne konkrete Anhaltspunkte, dass da bestimmt noch irgendeine Enthüllung käme, die den Toten in einem schlechteren Licht erscheinen lassen würde.

Solche Reaktion produzierten ein enormes Echo und Beschwerden. Besonders die Klagen aus dem schwarzen Lager über die Mainstream-Media-Rufschädigung provozierten Jason Whitlock, sich mit einem weitreichenderen Gedanken zu beschäftigen: der Tendenz von schwarzen Amerikanern, die Verbrechen von Schwarzen an Schwarzen zu verharmlosen. Whitlock nannte in diesem Zusammenhang die Täter mit Hilfe eines drastischen historischen Vergleichs: Black KKK.

Die vier Fotos, die die Polizei nach den Festnahmen von den Verdächtigen veröffentlichte, zeigen drei dunkelhäutige Gesichter. Das vierte zeigt einen Latino.

31. August 2007

NASCAR: Gibbs und Stewart demnächst mit Toyota?

Die NASCAR-Rennen waren jahrelang reines Insider-Getöse: Amerikanische Autofirmen und amerikanische Sponsorenkämpfen um die Aufmerksamkeit von amerikanischen Zuschauern. Allmählich verschieben sich die Gewichte. Nicht von den tradionellen Zentren in den Redneck-Provinzen im Süden in andere Längen- und Breitengrade, sondern auch im Innern der Blechkarossen. Das Engagement von Toyota in diesem Jahr war ein erstes Indiz, auch wenn es ziemlich unaufällig ablief, weil die Japaner offensichtlich bei der Auswahl der Teams und Fahrer keine gute Hand hatten. Ab dem nächsten Jahr schalten sie aber einen Gang hoch. In der kommenden Mittwoch wird voraussichtlich Joe Gibbs Racing bekannt geben, dass sie auf Toyota umsteigen. Gibbs, das ist jener Football-Coach, der in den achtziger Jahren mit den Washington Redskins dreimal den Super Bowl gewann, dann von Langeweile befallen wurde und 1992 einen Rennstall aufmachte. In den 15 Jahren haben seine Fahrer dreimal den Winston/Nextel-Cup gewonnen. Sein bestes Pferd ist Tony Stewart. Ab der nächsten Saison kommt Kyle Busch dazu.

Joe Gibbs hat inzwischen die Leitung des Teams an seinen Sohn abgegeben und arbeitet wieder als Trainer der Washington Redskins. Mit weniger Erfolg, als er das gewohnt ist. Die tragen ihr erstes Saisonmatch gegen die Miami Dolphins am 9. September aus.