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4. Januar 2010

Nach dem Boom: In Arizona gegen die Golfplätze pleite

Tiger Woods ist nicht der einzige im Golfbusiness, der zur Zeit eine Krise durchläuft. In Arizona häufen sich die Probleme von Golfplatz-Eigentümern und Betreibern, weil man erstens in den Boom-Zeiten zuviele Plätze gebaut hat und zweitens die Leute immer weniger Geld für diese Form der Freizeitbetätigung haben oder übrig machen wollen. Das ist gut für Amateurspieler, die plötzlich zu Discount-Preisen auf guten Anlagen abschlagen können oder in Clubs aufteen können, zu denen sie sonst keinen Zutritt gehabt hätten, weil man die Spielflächen den Mitgliedern exklusiv überlassen wollte.

Ein Teil des Spiels läuft zur Zeit so: Wer mit seiner Clubanlage nicht profitabel wirtschaftet, meldet wegen der Schuldenlast Konkurs an. Im Rahmen der Insolvenzverfahren schnappen andere Investoren zu. Zu den Plätzen, die zuletzt unter den Hammer kamen gehören auch einige, an die ich mich ganz gut erinnere (unter anderem, weil sie ziemlich anspruchsvoll sind): darunter das Wigwam Resort außerhalb von Phoenix.

Besonders dramatisch scheint die Entwicklung bei abgeschlossenen Wohnanlagen, die in den letzten zwanzig Jahren Golfplätze in die Mitte pflanzten, um so die Bauplätze oder die Villen ringsherum zu höheren Preisen verkaufen zu können. Viele von denen sind in Gefahr, nicht mehr unterhalten zu werden. Die Natur bekommt zurück, was man aus ihr herausgebastelt hat.

16. September 2009

Ein Geschäftsmodell zeigt seine Schwächen

Bei den Miami Heat zeigt sich die wirtschaftliche Flaute auf folgende Weise: Die Angestellten des Clubs erklären sich bereit, auf bis zu 20 Prozent ihres Gehalts zu verzichten. Dadurch wurden zunächst mal Entlassungen verhindert. Für die Spieler mit ihren Millionengehältern gilt die Maßnahme nicht.

In Jacksonville, ebenfalls in Florida gelegen, zeigt sich die wirtschaftliche Flaute auf folgende Weise: Die Spiele der NFL-Mannschaft Jacksonville Jaguars sind nicht ausverkauft. Und zwar so sehr nicht ausverkauft, dass man davon ausgehen muss, dass alle acht Heimbegegnungen nicht lokal im Fernsehen übertragen werden. Das wird von der sogenannten Blackout-Regel der Liga bestimmt.

In Arlington, Texas, zeigt sich die wirtschaftliche Flaute in den Problemen von Sportunternehmer Tom Hicks (Mit-Eigentümer des FC Liverpool), der seine Schulden und die Zinsen nicht mehr bezahlen kann und bereits bei den Texas Rangers Personal entlassen hat. Der Club steht zum Verkauf. Wenn er 400 Millionen Dollar erlöst, ist das viel.

In der NBA zeigt sich die wirtschaftliche Flaute ligaweit in den ins Stocken geratenen Verhandlungen zwischen der Führung und den Schiedsrichtern um einen neuen Tarifvertrag. Die Liga will einen zehnprozentigen Abschlag auf das Referee-Budget durchdrücken, weil sie sparen will. Die Unparteiischen hätten gerne etwas mehr. Die NBA hat angefangen, Ersatzpfeifenmänner anzuheuern, damit im Fall eines Arbeitskampfes der Spielbetrieb weitergehen kann. Einen ähnlichen Fall hatten wir schon mal. Die Not-Schiedsrichter waren ihr weniges Geld nicht wert. Was verdient ein NBA-Referee? Zwischen 90.000 und 225.000 Dollar pro Saison, je nach Berufserfahrung und Einsatzzahl.

Weitere Hiobsbotschaften bei Gelegenheit.

27. Mai 2009

Zeig mir das Geld

Die amerikanische Sportindustrie als Ganzes war mehrere Jahrzehnte lang wirtschaftlich unantastbar. Es gab Auseinandersetzungen um zu hohe Gehälter und Streiks und Aussperrungen, aber das waren Ausnahmezustände und (noch) keine Anzeichen für eine Trendumkehr. Warum? Weil die Ligen und Clubs in den Mannschaftssportarten genauso wie die Veranstalter von Einzelsportarten immer wieder neue Geldquellen aufstöberten, um Löcher mehr als nur zu stopfen. Der Umzug von Clubs in eine andere Stadt war eines der ersten Regulative, dann kam der ertragreiche Verkauf von Clubs an neue hochmotivierte und wohlhabende Besitzer, die den Prestigewert einer solchen Rolle zu schätzen wissen. Es gab Neuerungen wie den Verkauf von Namensrechten von Arenen, die Luxussuiten im zweiten und dritten Stock, das Melken von Städten und Staaten und Steuerzahlern, wenn es um den Bau von Stadien und Hallen ging, und schließlich das neue Kabelfernsehuniversum, das seine Einnahmen hauptsächlich in Form von Gebühren erzielt und nur zu einem Teil über den Verkauf der Werbeplätze. Auch hier war man bereit, im großen Stil Geld auszuhusten. ESPN zeigte das am deutlichsten. Aber andere Sender spielen in diesem Spiel eine ebenso wichtige Rolle – seien es die lokalen Programmanbieter wie MSG Network oder YES in New York oder solche Konstruktionen wie Versus, wo zur Zeit die Eishockey-Playoffs abgespielt werden. Es ging alles gut, solange man mit den unvergleichlichen Worten des unvergleichen Jerry Maguire sagen konnte: "Show me the money". Denn das Geld war da.

Und weil es da war, setzten viele junge Amerikaner auf eine Karriere in dieser scheinbar so krisenfesten Branche. Was bedeutete, sie belegten das entsprechende Fach – Sportmanagement – an der Universität und fanden anschließend einen Weg in ein bezahltes Engagement. Die New York Times hat heute diese Träume aus dem Himmel geschossen. Denn es gibt an allen Ecken und Kanten Anzeichen dafür, dass der kommerzielle Sport schrumpft. Und zwar nicht allein wegen einer allgemeinen Wirtschaftsflaute, die zunächst bei den Banken am dramatischsten war und inzwischen die Arbeitslosenquote nach oben getrieben hat.

Der Wirtschaftszweig Sport hat seinen eigenen Abschwung zu verdauen, der als Gegenreaktion auf eine simple Übersättigung zu deuten ist: auf zu viele Sportarten im Fernsehen, zuviele Mannschaften in den Ligen, zu viele Golf- und Tennisturniere an zu vielen Orten auf der Welt, zu teure Eintrittskarten und zu viele Athleten, die zuviel Dreck am Stecken haben und in ihrer Gesamtheit eine höhere Kriminalitätsrate aufweisen als andere Berufsgruppen. Die Zeit wird kommen und man wird das alles mal umfassender und gründlicher zusammentragen müssen. Aber vorläufig rutschen einem die Sachverhalte nur als Einzelbeispiele über den Tisch. Neulich die Geschichte über Hicks und Gillet und Liverpool. In den nächsten Tagen wird es einen langen Artikel in der FAZ über Frank Stronach und seine Pleite im Zusammenhang mit dem angeschlagenen Galopprennbahnen in den USA geben. Stronach, ein Austrokanadier, der mit seiner Firma Magna als Retter von Opel auftritt, hat sich ebenso verspekuliert wie die Leute, die an die Phoenix Coyotes geglaubt haben.

Die Gründe für die langsame Demise des Spitzensports dürften sehr viel mit einem neuen Entertainment-Konkurrenzangebot zu tun haben: Videospiele. Und mit dem Internet als Absorptionsfaktor, der Zeit und auch Geld aus dem Markt der Ideen absaugt. Deshalb noch ein Lesehinweis. Die Betrachtungen des Bloggers von SportsbyBrooks zum Thema.

Nachtrag am Donnerstag: Soeben sehe ich auf allesaussersport, dass die Baseball-Leute eine Krisensitzung anpeilen. Die Einschaltquoten befinden sich seit einer Weile im Tiefflug. Das passt zwar nicht zu den an und für sich ganz guten Zahlen beim Eintrittskartenverkauf, aber ist natürlich ein Problem. Nämlich dann, wenn die Einnahmen aus dem Verkauf von Fernsehrechten drohen.

25. Dezember 2008

Jingle Bells: Vanek, Mets und Lomong

Ein paar neue FAZ-Geschichten aus dem amerikanischen Sport, auf die ich gerne in eigener Sache hinweisen möchte:

1. Thomas Vanek von den Buffalo Sabres hat sich ins Scheinwerferlicht gespielt. Er ist der Topscorer der NHL.

2. Die Finanzkrise und der New Yorker Super-Schwindler Bernie L. Madoff, der zugegeben hat, 50 Milliarden Dollar verknallt zu haben, sorgen bei den New York Mets für Fragen nach dem wirtschaftlichen Fundament.

3. Für die Ausgabe vom 27. Dezember geplant: ein ausführliches Interview mit dem aus dem Sudan stammenden Mittelstreckler Lopez Lomong, der in Peking bei der Eröffnungsfeier die Flagge der USA getragen hatte.

4. Dezember 2008

Mavs machen Miese

Die Wirtschaftszeitschrift Forbes hat ihre jährliche Liste über den Marktwert von NBA-Teams veröffentlicht. Die Daten basieren auf einer erfolgreichen Saison, in der dank einer Finalserie zwischen den Los Angels Lakers und den Boston Celtics und dank LeBron James die Einschaltquoten nach oben gegangen waren. Ob und wie die gegenwärtige Krise den Clubs zu schaffen machen wird, ist in diese Kalkulationen nicht eingeflossen. Die Dallas Mavericks haben übrigens laut Forbes in der letzten Saison ganz erheblich Geld verloren: 13, Millionen Dollar. Hauptgrund: Das frühe Aus in den Playoffs mit mageren zwei Heimspielen. Hier nur die Top Ten.


NBA-TeamMarktwert in Dollar



Geschäftsjahr
1 New York Knicks 613 Mio.


29,6 Mio.
2 Los Angeles Lakers 584 Mio.


47,9 Mio.
3 Chicago Bulls 504 Mio.


55,4 Mio.
4 Detroit Pistons 480 Mio.


40,4 Mio.
5 Cleveland Cavaliers 477 Mio.


13,1 Mio.
6 Houston Rockets 469 Mio.


31,2 Mio.
7 Dallas Mavericks 466 Mio.


-13,6 Mio.
8 Phoenix Suns 452 Mio.


28,9 Mio.
9 Boston Celtics 447 Mio.


20,1 Mio.
10 San Antonio Spurs 415 Mio.


19,0 Mio.

30. November 2008

Super-Bowl-Werbespots: Schwer zu verkaufen

Ein weiterer Indikator dafür, dass die Wirtschafts- und Finanzkrise in den USA das Sportgeschäft ramponiert: NBC müht sich seit September vergeblich, der Werbewirtschaft Buchungen für die Übertragung vom nächsten Super Bowl zu verkaufen. Die meisten Verträge sind zwar unter Dach und Fach, aber die restlichen teuren Slots gähnen die Verantwortlichen beim Sender jeden Tag aufs Neue an. Da viele Firmen radikal mit dem Rotstift arbeiten, schrumpfen die Marketing- und Sponsorenbudgets querbeet. Der professionelle Sport, der seit mehreren Jahrzehnten erfolgreich den Mythos einer idealen Werbefläche kultiviert hat, ist davon in vielen Bereichen betroffen. Nachdem General Motors sogar Tiger Woods ein Jahr vor Ablauf aus seinem Vertrag entließ, kam die Nachricht aus dem Frauengolf, dass man im nächsten Jahr gleich drei Turniere streichen wird. Don Dahlmann hatte freundlicherweise in einem Kommentar auf die besonderen Aspekte der turmhohen NASCAR-Probleme hingewiesen. Eine umfangreiche Geschichte zu dem Thema wurde heute von der FAS gebracht (nicht online). Die Probleme der Veranstalter der Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver klingen in diesem Radiobeitrag im Deutschlandfunk an.

19. November 2008

Gehen die Stock-Car-Leute bald am Stock?

Ganz, ganz dunkle Wolken hängen über der einst so intakten und vielversprechenden Zirkus-Show namens NASCAR. Die amerikanische Autoindustrie kann sich nämlich im Prinzip die Ausgaben für die Rennserien nicht mehr leisten. Dazu kommen abnehmendes Zuschauerinteresse und ungünstige Prognosen aus der Sponsorenecke. Wenn man es mit den Meterologen sagen will: the perfect storm. Viel mehr zum Thema gibt es hier. Aber das wird noch nicht das letzte Wort gewesen sein.

13. Oktober 2008

Hicks salta

Man darf davon ausgehen, dass ein amerikanischer Sportclub-Besitzer ein bisschen von dem Geschäft versteht, in dem er sich tummelt. Selbst wenn er einen Club in England kauft und der Verdacht nahe liegt, dass er weder die Feinheiten der Sportart begreift noch die Seele der Fans. In guten Zeiten ist "ein bisschen" vielleicht sogar gut genug. Aber dies sind keine guten Zeiten – weder in den USA noch in England, wo die enorme Überschuldung von Clubs in der Premier League bereits zum guten Ton gehört. Solches Wirtschaftsgebaren wird nicht ohne Folgen bleiben. Man kann sich schon mal das eine oder andere Kollaps-Szenario ausmalen und sich fragen, ob der britische Staat den Fußball-Unternehmen im entscheidenden Moment ähnlich unter die Arme greifen wird wie jetzt den Banken.

Aber das scheint einen Mann wie Gil LeBreton nicht zu interessieren. Der hat beschlossen, von seinem Pappeimer aus, seinem persönlichen Hyde Park Corner, dem Fort Worth Star Telegram, dem Sportclub-Besitzer Tom Hicks (FC Liverpool) den Rücken zu stärken. Moralisch. Und ideologisch. Wäre Tom Hicks ein wirklich erfolgreicher Sportclub-Unternehmer und nicht der Besitzer von solchen Schlappmachern wie dem Baseball-Team Texas Rangers und dem Eishockey-Team Dallas Stars hätte man vielleicht Sympathien für diesen Schreib-Versuch, der darin besteht Mr. Hicks Zucker in den Arsch zu blasen. Warum interessiert einen das, wenn sich in Texas zwei Leute auf diese Weise näher kommen? Weil es als Anschauungsunterricht ganz gut taugt, um zu verstehen, wie reiche Leute in Texas (und ihre journalistischen Fellationäre) ticken. Viele Menschen dort glauben tatsächlich, dass ihre Haltung und ihr Umgang zu Geld, zu Investitionen und Überschuldung eine seligmachende Prämisse ist. Und weil sie sich bislang mit diesem Geld und dieser Wahnsinnsschulden-Mechanik im Rest der Welt als dickster Elefant austoben konnten, erleben wir jetzt den GAU der Finanzmärkte.

Dass Clubs in Ligen mit diesen enormen Fernseheinnahmen Schulden haben, ist im Grunde ein unverständliches Phänomen. Sie könnten doch auch ganz anders wirtschaften, Gewinne machen und sicher weglegen, damit sie in schlechten Zeiten etwas zu beißen haben, oder nicht? Sie könnten, aber sie tun es nicht. In manchen Fällen entspringen die Verbindlichkeiten einer Stadionfinanzierung. Gut, da hat man dann zumindest eine Immobilie als Gegenwert. Aber Stadien- und Hallenbau ist nicht der einzige Faktor. Der größte Teil des Problems hat mit der Entlohnung von Spielern zu tun. Denen möchte man ihre Millionen gönnen. Denn dort, wo die Salary Cap einen unmissverständlichen Deckel auf die Gehälter legt wie etwa in der NFL, geht das Geld in andere Kanäle. In beiden Fällen sind die Clubbesitzer die Verantwortlichen. Sie sind es, die hinter jeder Spirale stecken, die sich dreht. Warum geht für die meisten die Rechnung trotzdem auf? Weil man spätestens beim Verkauf des Clubs mit einen enormen Wertzuwachs materialisieren kann, der einen für etwaige angehäufte Verluste mehr als entschädigt. Der Marktwert eines Clubs basiert allerdings nie auf einer Kalkulation, wie man sie in anderen Bereichen der Wirtschaft anstellt, wenn Unternehmen, die nichts herstellen und keine Waren lagern, den Besitzer wechseln. Da zieht man die Gewinne der Vergangenheit zu Rate und rechnet die auf eine Frist von maximal zehn Jahre hoch und addiert den Betrag. Wenn man so im Sport arbeiten würde, läge der Marktwert der meisten Clubs (ohne Stadion) zwischen 20 und 50 Millionen Dollar. Tatsächlich reden wir in fast allen Ligen vom Zehn- bis Zwanzigfachen.

Wie ist eine solche Verzerrung möglich? Weil jeder der kauft, glaubt, er könnte irgendwann den viel zu teuren Laden für einen noch höheren Preis an jemand anderen verkaufen. Das ist pure Spekulation. Es hat aber in den letzten hundert Jahren in der Profi-Welt des amerikanischen Sports immer funktioniert. Aber geht es auch so weiter? Laufen da nicht Leute einer ähnlichen Fata Morgana hinterher wie in den letzten Jahren an Wall Street? Wahrscheinlich schon. Wie dort wird es sich im Sportbusiness auch erst ändern, wenn Menschen, die den kommerziellen Sport über Kredite finanzieren wollen, pleite gehen, weil die Banken ihr Geld wiederhaben wollen/müssen. Der Tag ist nicht mehr fern.

19. September 2008

Die Krise hinterlässt Spuren

Wenn die Wirtschaft angeschlagen ist und der Aktienmarkt so wirkt, als leide er unter der Kurzatmigkeit eines Tuberkulosekranken, dann spüren die großen Sportligen so etwas irgendwann auch. Die NBA entlässt Leute. Aus Vorsicht, weil Commissioner David Stern die ganze Porzellankiste im Auge hat. Im Baseball gehen die Zuschauerzahlen in den Stadien zurück. Und zumindest ein Team bietet sehr billige Eintrittskarten an, um gegen den Trend anzukämpfen. Keiner klingt nach Panik. Ein Geräusch, das nur Zeit manchmal durch die Canyons rund um Wall Street pfeift. Aber das kann ja noch kommen. Vor allem, wenn die ersten angeschlagenen Unternehmen nicht mehr die Luxussuiten in den Stadien mieten wollen oder können.

23. August 2007

Von Fantasy Football zur Wirtschaftskrise: Nur ein kleiner Schritt

Das kommt davon, wenn man Leuten nur zwei Wochen Ferien im Jahr gibt, ihnen keine Gehaltsfortzahlung im Krankheitsfall einräumt (außer einer Handvoll von sogenannten sick days) und erwartet, dass Angestellte Überstunden ohne Extrabezahlung absolvieren: Dann revanchieren sich die Leute am Arbeitsplatz mit solchen Privatvergnügen wie Fantasy Football und verursachen einen Produktivitätsschaden, der in den neunstelligen Bereich geht. You say , WHAT? Würde ich auch sagen, wenn ich das lese: 435 Millionen Dollar werden amerikanische Unternehmen angeblich voraussichtlich in den kommenden Wochen während der NFL-Saison verlieren. Das hat eine Firma in Chicago hochgerechnet und wurde vom Washington Business Journal als Nachricht verbreitet, ohne auch nur irgendetwas an dieser präsumptiven Kalkulation in Frage zu stellen. Zu dieser Zahl kam man, weil die untersuchende Firma davon ausgeht, dass mehr 13 Millionen Amerikaner aktive Fantasy-Fanatiker sind (siehe Kommentar). Der Niedergang der amerikanischen Wirtschaft beginnt offiziell am 6. September (via The Big Lead).

5. Juni 2007

Ligasport in den USA: Ein paar Zahlen mit vielen Nullen

Endlich mal ein paar Zahlen zu den Dimensionen es amerikanischen Ligasports, mit denen man etwas anfangen kann. Hat-Tip an den Nachrichtendienst Bloomberg und seinen Reporter Curtis Eichelberger, der aus Anlass des Verkaufs der Nashville Predators für die beachtliche Summe von 220 Millionen Dollar (der Umzug in eine andere, noch nicht benannte Stadt ist Teil des Planes) die wichtigsten Zahlen durchleuchtet.

Weshalb ist der Betrag beachtlich? Weil NHL-Clubs bislang für einen Preis vom Zwei- bis Dreifachen des Jahresumsatzes den Besitzer wechselten. Die Predators gingen für das 3,7-fache an den Chef der kanadischen Firma Research In Motion Ltd. Man darf also schlussfolgern, dass der betriebswirtschaftlich beschlagene neue Eigentümer den Eindruck hatte, in den Predators steckt ein Wert, den er über eine jährliche Rendite oder beim späteren Verkauf realisieren kann. Und das bei einem Team, das zuletzt 15 Millionen Dollar pro Jahr Minus gemacht hat. Es wird spekuliert, dass er dies an einem neuen Standort in Kanada hinbekommen will.

Bis dahin sollte man folgende Zahlen studieren: Clubs in der National Football League erzielen bem Weiterverkauf gewöhnlich zwischen dem Vier- und dem Sechsfachen des Jahresumsatzes. Die in der National Basketball Association liegen beim Drei- bis Viereinhalbfachen. Die entsprechende Spanne in Major League Baseball liegt beim Zweieinhalb- bis Vierfachen.

Woher kommen die Unterschiede zwischen den Ligen? Die Einnahmen aus den Fernsehrechten sind der entscheidende Faktor. Denn die liegen langfristig fest und sind ein Gradmesser für die Popularität einer Sportart beim Massenpublikum.

Die NFL erzielt etwa die Hälfte ihres Jahresumsatzes von 6 Milliarden Dollar durchs Fernsehen. Für Major League Baseball sind es nur 18 Prozent von 5,5 Milliarden Dollar Jahresumsatz. Die NHL kommt auf 7,6 Prozent. Natürlich glauben die Optimisten unter den Eishockey-Managern, dass das nur noch besser werden kann. Wenn die Einschaltquoten jedoch eines zeigen, dann dies: Die Liga kann außerhalb der Städte mit NHL-Clubs keinen Blumentopf gewinnen. und selbst dort (siehe New York mit drei Mannschaften) kann man den Fernsehfaktor vergessen.

18. Februar 2007

Die Rechnung geht nicht mehr auf: Clubs reißen Luxus-Suiten heraus

Foto: flickr/creativecommons/Scott Ableman

Sport in Amerika ist ein riesiges Geschäft. Quer durch alle populären Sportarten. Vernetzt mit allen möglichen gesellschaftlichen Bereichen: den Medien, den Werbepartnern aus unterschiedlichen Industrien, den Sportausrüstern und den Herstellern von Statussymbolen wie Porsche oder Rolex, die bei den Stars einen Gutteil ihrer teuersten Modelle absetzen können. Dieses Geschäft zu finanzieren, verlangt Kreativität. Also begann irgendwann das Spiel, bei dem man Politiker erpresst, damit sie moderne Hallen und Stadien bauen - als sei es die soziale Aufgabe der Öffentlichkeit, die Clubs nicht nur über Eintrittsgelder und Fernsehgebühren zu finanzieren, sondern auch noch über Steuersubventionen.

Das reicht natürlich nicht, wenn die Gehälter der Spieler schneller steigen als die Löhne der Sportanhänger. Also entdeckten die ersten Clubs vor ein paar Jahren ein Instrument der Einnahmesteigerung, das lange Zeit als Druckmittel benutzt wurde, um neue Arenen einzufordern: abgeschlossene Luxus-Suiten im mittelhohen Rang mit eigener Bar, Kühlschrank, Fernsehapparaten, Kellnern und ausreichend Sitzen, die für jeweils eine ganze Saison an interessierte Firmen vermietet werden. Die benuzten diese Logen dazu, um Geschäftsfreunde einzuladen oder Angestellten eine Freude zu machen.

So weit, so gut. Nun berichtet das Wall Street Journal, dass die ersten Clubs im Begriff sind, die Zahl ihrer Suiten zu reduzieren. Warum? Immer weniger Firmen wollen - aus jeweils unterschiedlichen Gründen - das Geld ausgeben und die Räumlichkeiten mieten. Besonders hübsch: Eine Firma hat herausgefunden, dass es mehr bringt, Geschäftsfreunde auf eine Angelpartie einzuladen als zu einer Sportveranstaltung. Man kommt sich einfach leichter näher. Was die Trendumkehr im Denken von großen Banken und Zulieferfirmen der Autoindustrie für die Clubs und deren Einnahmesituation bedeutet, lässt sich nicht so leicht abschätzen. Vermutlich wird der Druck auf den Steuerzahler größer. Ebenso wahrscheinlich ist, dass nach Jahren relativer Standortstabilität wieder mehr Clubs in andere Städte umziehen werden. Dorthin wo sie mehr Publikum, mehr örtliches Gewerbe und mehr Subventionen finden können. Interessanterweise sind die Möglichkeiten nicht halb so groß wie noch vor ein paar Jahren. Eine intensive Expansionspolitik - sei es in der NFL, Major League Baseball oder NHL - hat viele Städte mit Major League Clubs versorgt, die damit wirtschaftlich so gut wie überfordert sind. Die besten Beispiele sind Tampa Bay (nach Football kam noch Baseball und Eishockey dazu) und Nashville (Football und Eishockey). New Orleans bräuchte auch ohne Hurricane Katrina künstliche Beatmung für das NBA-Team.

Weshalb man zum ersten Mal die Vermutung äußern darf, dass der professionelle Mannschaftssport einen Gipfel erreicht hat, von dem es nur noch in eine Richtung weitergeht: nach unten. Im Baseball hat man vor ein paar Jahren angesichts der Probleme in Montreal erstmals in der Geschichte der Liga ernsthaft eine Reduktion diskutiert. Das Modell: alle verbleibenden Clubs zahlen den Team-Eigentümer in der betreffenden Stadt aus einem gemeinsamen Topf aus. Das einzige Problem: auch das Geld muss irgendwo herkommen. Damals fand man eine andere Lösung: den Umzug nach Washington, wo aus den Expos die Nationals wurden.

Die National Hockey League, die nach dem einjährigen Lockout und der Einführung der Salary Cap auf gesünderen Füßen steht als vorher, ist sicher der stärkste Kandidat für ein Abschmelzen auf stabilere Fundamente. Besonders wenn man sieht, wie die Situation in Nashville aussieht, wo die Predators ihre Heimspiele nicht ausverkaufen können, obwohl sie - insbesondere nach dem Zugang von Peter Forsberg vor ein paar Tagen - das beste Team der Liga sind. Der Club hat seit Gründung 1999 noch nie Gewinn gemacht. Der Zuschauerschnitt pro Heimspiel liegt bei 14.700, darunter sind rund 1.500 Besucher, denen die Karte im Rahmen von Werbemaßnahmen geschenkt wurde. Die Halle hat Platz für 18.000 Zuschauer. Nur 60 der 72 Luxuslogen sind fest vermietet. Und niemand vor Ort sagt: Das wird besser, selbst wenn die Mannschaft den Stanley Cup gewinnt. Das hat schon den Carolina Hurricanes in der Diaspora einer basketballverliebten Region in Raleigh nicht geholfen. Der Club konnte zwar dank der Playoffs im letzten Jahr zum ersten Mal seit ewigen Gedenken Überschüsse erwirtschaften, aber das wachsende Interesse bei den Fans nicht in ein Mehr an Interesse bei der örtlichen Wirtschaft umsetzen. Wenn man jedes Jahr den Cup gewinnen muss, um zu überleben, wird es schwierig. Denn das schafft pro Saison immer nur eine Mannschaft.

8. Februar 2007

Italienischer Fußball ein Wirtschaftsfaktor?

Fundsache in der in den USA sehr populären Wochenzeitschrift The Economist, aufgespürt vom Blog The Sports Economist: Nach Angaben von Aldo Spinelli, dem Präsidenten von Livorno, ist Fußball der drittgrößte Wirtschaftszweig in Italien. "Falls ja," schreibt der Blogger, dann ist Italiens Wirtschaft in großen Schwierigkeiten." Und die anderen Branchen, die laut Wikipedia so bedeutend schienen - Torismus, Maschinenbau, Eisen- und Stahlindustrie, Chemie, Lebensmittelindustrie, Auto, Bekleidung, Schuhe und Keramik sind es dann wohl auch. Denn die müssen wohl abgesackt sein.