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21. April 2007

Bomben und Baseball: Eine explosive Mischung

Wenn einem Reporter die Phantasie durchgeht, drohen irgendwann Konsequenzen. Der Radiomann John Sterling ließ neulich seiner Begeisterung freien Lauf, als er einen Home Run von Alex Rodriguez, dem hochbezahlten, aber bislang ungeliebten Third Baseman der New York Yankees, als "A-Bomb" bezeichnete. Rodriguez hat den Spitznamen "A-Rod". Daraufhin fragten sich einige laut, ob dem Kommentator so etwas eventuell auch in einem Match gegen den japanischen Pitcher Daisuke Matsuzaka ("Dice-K") passieren würde. Die Sache wäre mehr als peinlich. A-Bomb ist ein Kurzwort für Atombombe. Die Amerikaner warfen gegen Ende des Zweiten Weltkriegs gleich zwei davon auf die Industriestädte Hiroshima und Nagasaki, in dessen Inferno 155.000 Menschen unmittelbar ums Leben kamen. Weitere 110.000 Menschen starben innerhalb weniger Wochen an den Folgen radioaktiver Verstrahlung und geschätzte 100.000 weitere dürften an Folgeschäden in den Jahren und Jahrzehnten langsam zu Grunde gegangen sein. Das Audio-Zitat gibt es hier (via SportsbyBrooks)

"A-Rod" hat übrigens einen berauschenden Saisonstart vollbracht. Seine Home-Run-Bilanz steht bereits bei zwölf. Aber vor allem die Art und Weise, wie er mit seinen Treffern noch Spiele spät im neunten Inning zu Gunsten seiner Mannschaft dreht, hat die Zahl seiner Fans in New York rubbeldiekatz sagen wir mal verdoppelt. Wer weiß, ob ihm das öffentliche Genöle endlich so zugesetzt hat, so dass er sich darauf besann, seinen vielen Widersachern zu zeigen, was er kann. Er selbst schweigt sich dieser Tage lieber, trabt ausgelassen von Base zu Base und genießt die Ovationen.
Blick zurück: Wie A-Rod im Spring Training seine privaten Probleme mit Mannschaftskollege Derek Jeter abhandelte

29. März 2007

Das Sockenprogramm wird heiß gewaschen: Schilling bloggt verschärft mit

Es gibt jetzt überall diese ausgedehnten Betrachtungen über die amerikanischen Baseballmannschaften. Das kommt wie die Krokusse und die Narzissen aus der Erde - jahreszeitbedingt. Es sieht auch hübsch aus und verwelkt dann gleich wieder, sobald die Saison auf Betriebstemperatur hochfährt. Wir haben nicht solche botanischen Ambitionen und verweisen deshalb lieber auf die Arbeit von Philipp Würfel vom Blog MLB Saison 2007. Da ist alles übersichtlich dargelegt. Mit Depth Charts und mehr.

Aber was wir hier auf jeden Fall ansprechen wollen, ist die bislang beste Profi-gegen-Journalisten-Fehde. Denn die basiert darauf, dass Curt Schilling von den Boston Red Sox (der mit der blutig roten Socke in der Vitrine in der Hall of Fame von Cooperstown) einen Blog begonnen hat: 38 Pitches (Foto: flickr/creativecommons/redperm) Und dass einer seiner Intimfeinde, diese arrogante Socke Dan Shaughnessy vom Boston Globe (Bild rechts), versucht hat, ihn deshalb lächerlich zu machen. Es gibt andere US-Athleten, die bloggen - wie etwa everybody's darling Gilbert Arenas. Aber die weichen alle gerne jeder Kontroverse aus. Schilling, Republikaner bis auf die Knochen und nicht auf den Mund gefallen, hat offensichtlich nicht vor, deren vielen leeren Platz im Internet mit Schönschreiben zu füllen. So ballerte er einen Tag nach der Satire von Shaughnessy kurz und knapp zurück. Besonders schön der alte Spruch, den er zitiert und der das Los des Athleten und des Popkünstlers im Verhältnis zu den Medien beschreibt: "Erst ignorieren sie dich, dann verspotten sie dich, dann kämpfen sie gegen dich. Und dann gewinnst du." Er nannte die Edelfeder einen "dope" - (Schnösel, Dussel, Idiot) und griff als Inside-Joke den Spitznamen auf, den ESPN-Mann Bill Simmons (in Boston groß geworden) einst über Shaughnessy geprägt hatte: Curly Haired Boyfriend. Eine Duftmarke, die der Kolumnist in einem anderen Inside-Joke in seinem Text verarbeitet hatte. Wer das verstehen wollte, musste wiederum Simmons zu dem Thema gelesen haben. Klingt mühsam? Vorläufig ja. Aber die Saison ist ja noch jung. Beziehungsweise sie hat noch gar nicht angefangen. Opening Day ist der 1. April. Und bei den Red Sox werden sich erst einmal alle Augen auf den neuen Pitcher aus Japan richten. Curly Haired Boyfriend hatte heute etwas Frisches über Dice-K im Globe. Und so wissen wir jetzt, dass Matsuzaka, der Mann, der angeblich einen Gyro-Ball wirft und den Spitznamen "Monster" aus seine Heimatland mitbringt, während der Saison Golf spielt, dass Schilling versucht japanisch mit ihm zu sprechen, dass er die Filme Lethal Weapon, Cliffhanger und When Harry Met Sally gut findet, aber auch Angelina Jolie. Enorm, was man alles herausfindet, wenn man die prominentesten Schreiber an die Front schickt.

26. Februar 2007

Katze aus dem Sack: Alle staunen über Dice-K

Nichts ist besser als Spring Training, um Profi-Baseball aus nächster Nähe zu sehen. Die Stadien sind nicht nur kleiner. Wenn die Spieler sich auf dem Platz aufwärmen, darf man sogar die Tribünen verlassen und sich um den Batting Cage herum gruppieren. Und dann begreift man ziemlich schnell, wie schwierig das Spiel auf dem Niveau von Major League Baseball ist. Das enorme Tempo, mit dem die Bälle anfliegen. Und das Geschick, das man braucht, um die Bälle mit dieser dünnen Keule zu treffen. In Fort Myers bestaunt man dieser Tage den neuen Pitcher aus Japan: Daisuke Matsuzaka, den die Boston Red Sox verpflichtet haben und dessen Qualitäten bislang niemand richtig einschätzen konnte. Bei seinem ersten ernsthaften Auftritt im Training warf er allein beim Aufwärmen doppelt so viele Pitches wie seine verzärtelten amerikanischen Kollegen. Das wurde vermeldet. Das japanische Fernsehen war da. Das wurde vermeldet. Und dass er den Gyroball nicht warf, jenen mythischen unberechenbaren Pitch, den noch keiner gesehen hat, wurde vermeldet. Dice-K hat viel Geld gekostet und galt bislang als Katze im Sack. Jetzt nicht mehr. Manager Terry Francona, dessen Karriere als Trainer einst in Alabama in den Minor Leagues begann, blieb gelassen, als er gefragt wurde, ob er solch einen Rummel schon mal erlebt hat: "Ja, ich hatte Michael Jordan." (Via Swing and a Miss)