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3. Juni 2007

Der Mann hinter den Boston Red Sox verbrennt sein Geld

Das eigentliche Ziel von Investmentfirmen ist Geld zu vermehren und nicht zu verbrennen. Das ist John W. Henry, dem Haupteigentümer der Boston Red Sox, über weite Strecken seiner Karriere auch gelungen. Aber kaum konnte das Baseball-Team Ende 2004 das Martyrium einer mehr als achtzigjährigen Flaute beenden und die World Series gewinnen, da ging es mit Mr. Henry bergab. Sein größter Aktienfonds, Strategic Allocation, hat seitdem nominell mehr ein Drittel verloren. Ein weiterer mit Namen GlobalAnalytics sank um 20 Prozent. Und das obwohl der Aktienmarkt in den USA in er gleichen Zeit stetig nach oben kletterte. Noch dramatischer ist der Verlust an Kapital, dass Henry im Auftrag von Kunden verwaltet: Das ging von gigantischen 3,3 Milliarden Dollar auf fast anämische 500 Millionen Dollar zurück. Entsprechend schrumpfen die Gebühren, die Henry seinen Kunden abknöpfen kann, um sich solche Vergnügungen wie dieses legendäre Baseball-Team zu leisten.

Übrigens: die Red Sox spielen in diesem Jahr wieder ausnehmend gut. Ganz im Unterschied zu den Yankees, bei denen Alex Rodriguez ("A-Rod") allenfalls durch seine Kontakte zu männlich wirkenden Frauen auffällt, mit denen er nicht verheiratet ist (neuer Spitzname: "Stray-Rod"). Die jüngste Gefährtin kann man sich sowohl auf den Seiten der New Yorker Boulevardblätter anschauen als auch in ihrer puren Form auf diesen Seiten. Während dessen profiliert sich Red-Sox-Pitcher Curt Schilling immer mehr als Alpha-Blogger. Er kommt mit 38 Pitches nach Angaben von technorati auf mehr als 2000 Links. Das dürfte über allem liegen, was einem bekannten Sportler bislang auf die Beine gestellt hat.
Blick zurück: New York und die Beziehung der Fans zum teuersten Baseballprofi der Welt
Blick zurück: Das Sockenprogramm in Boston und Schillings Intimfeind

29. März 2007

Das Sockenprogramm wird heiß gewaschen: Schilling bloggt verschärft mit

Es gibt jetzt überall diese ausgedehnten Betrachtungen über die amerikanischen Baseballmannschaften. Das kommt wie die Krokusse und die Narzissen aus der Erde - jahreszeitbedingt. Es sieht auch hübsch aus und verwelkt dann gleich wieder, sobald die Saison auf Betriebstemperatur hochfährt. Wir haben nicht solche botanischen Ambitionen und verweisen deshalb lieber auf die Arbeit von Philipp Würfel vom Blog MLB Saison 2007. Da ist alles übersichtlich dargelegt. Mit Depth Charts und mehr.

Aber was wir hier auf jeden Fall ansprechen wollen, ist die bislang beste Profi-gegen-Journalisten-Fehde. Denn die basiert darauf, dass Curt Schilling von den Boston Red Sox (der mit der blutig roten Socke in der Vitrine in der Hall of Fame von Cooperstown) einen Blog begonnen hat: 38 Pitches (Foto: flickr/creativecommons/redperm) Und dass einer seiner Intimfeinde, diese arrogante Socke Dan Shaughnessy vom Boston Globe (Bild rechts), versucht hat, ihn deshalb lächerlich zu machen. Es gibt andere US-Athleten, die bloggen - wie etwa everybody's darling Gilbert Arenas. Aber die weichen alle gerne jeder Kontroverse aus. Schilling, Republikaner bis auf die Knochen und nicht auf den Mund gefallen, hat offensichtlich nicht vor, deren vielen leeren Platz im Internet mit Schönschreiben zu füllen. So ballerte er einen Tag nach der Satire von Shaughnessy kurz und knapp zurück. Besonders schön der alte Spruch, den er zitiert und der das Los des Athleten und des Popkünstlers im Verhältnis zu den Medien beschreibt: "Erst ignorieren sie dich, dann verspotten sie dich, dann kämpfen sie gegen dich. Und dann gewinnst du." Er nannte die Edelfeder einen "dope" - (Schnösel, Dussel, Idiot) und griff als Inside-Joke den Spitznamen auf, den ESPN-Mann Bill Simmons (in Boston groß geworden) einst über Shaughnessy geprägt hatte: Curly Haired Boyfriend. Eine Duftmarke, die der Kolumnist in einem anderen Inside-Joke in seinem Text verarbeitet hatte. Wer das verstehen wollte, musste wiederum Simmons zu dem Thema gelesen haben. Klingt mühsam? Vorläufig ja. Aber die Saison ist ja noch jung. Beziehungsweise sie hat noch gar nicht angefangen. Opening Day ist der 1. April. Und bei den Red Sox werden sich erst einmal alle Augen auf den neuen Pitcher aus Japan richten. Curly Haired Boyfriend hatte heute etwas Frisches über Dice-K im Globe. Und so wissen wir jetzt, dass Matsuzaka, der Mann, der angeblich einen Gyro-Ball wirft und den Spitznamen "Monster" aus seine Heimatland mitbringt, während der Saison Golf spielt, dass Schilling versucht japanisch mit ihm zu sprechen, dass er die Filme Lethal Weapon, Cliffhanger und When Harry Met Sally gut findet, aber auch Angelina Jolie. Enorm, was man alles herausfindet, wenn man die prominentesten Schreiber an die Front schickt.

26. Januar 2007

Republikaner wollen Schilling schicken

Es hat bereits einige Sportler gegeben von Rang und Namen gegeben, die sich in der amerikanischen Politik festsetzen konnten. Demokraten wie der Basketball-Olympiasieger und NBA-Profi Billl Bradley, der es in den Senat in Washington schaffte. Republikaner wie Jim Bunning, zur Zeit einer der beiden Senatoren des Staates Kentucky, der als Baseball-Pitcher bei den Detroit Tigers, Philadelphia Phillies, den Pittsburgh Pirates und den Los Angeles Dodgers sein Geld verdiente und es bis in die Hall of Fame brachte. Das heißt: Wenn seit gestern das Gerücht die Runde macht, dass Curt Schilling von den Boston Red Sox eventuell gegen einen ausgewachsenen Politiker in den Wahlkampf ziehen wird, dann ist das überhauipt nicht abwegig. Schilling, Mitglied der Mannschaft, die im Jahr 2004 erst die verhassten New York Yankees aus den Playoffs warf und dann gegen die World Series gewann, ist eine Legende. Damals pitchte er mit einem frisch operierten Fuß, dessen Wunde noch immer blutete. Die verschmierte Socke kann man bereits in der Hall of Fame in Cooperstown bestaunen.

Dass der 40jährige Schilling, ein Freund von George Bush, das auch noch schafft, gilt als ausgemacht. Allerdings wäre der Gegner etwas härter als die Batter-Elite der American League. Es handelt sich um John Kerry, der vor zwei Jahren nur knapp die Präsidentschaftswahlen verlor. Er hat schon öfter in dem stark demokratisch ausgerichteten Bundesstaat Massachusetts schwierige Wahlen gewonnen. Schilling, der vor zwei Jahren vor einem Ausschuss in Washington zum Thema Doping in Major League Baseball vorgeladen wurde und sich damals rechtschaffen zierte, äusserte sich denn auch erst mal eher skeptisch über die Vorstellung. Er sei zwar Wähler, aber passe wohl nicht so ganz in die politische Szene.

Und weil wir gerade so schön drin sind: Hier ist eine Liste für die totalen Insider, die jeden Tag NASN inhalieren und sich übers Internet mit den Kommentatoren des amerikanischen Sportmediengeschäfts beschäftigen. Deren politische Denke lässt sich unschwer an ihrem Spendenverhalten ablesen. Sports Media Watch hat sich ein paar namhafte Figuren herausgesucht und aufgelistet. Das Original-Kompendium gibt es hier. Die verblüffendste Zahl ist die hinter dem Namen von NBA Commissioner David Stern, der ein sehr ordentliches Gehalt bezieht. Der hat seit 1978 stattliche 837 200 Dollar in politische Kampagnen gesteckt. 98 Prozent davon ging an Demokraten. Die Republikaner bekamen nichts.
Blick zurück: Sport und Politik - Sieger und Verlierer