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30. Juli 2009

Schmutzige Socken: Auch Ortiz war gedopt

Die Mannschaft, die im Jahr 2003 2004 nach Jahrzehnten der Erfolglosigkeit die World Series gewinnen konnte, hatte mehr als nur einen Doper im Team. Das berichtet die New York Times, die sich seit Wochen um die Frage kümmert: Welche Spieler wurden im Rahmen der damals durchgeführten so genannten anonymen Proben positiv getestet? Der neue Name ist David Ortiz von den Boston Red Sox. Offiziell sind die Namen unter Verschluss, auch nachdem die Ermittlungsbehörden bei einer Beschlagnahmeaktion bei der Spielergewerkschaft die fraglichen Daten sichern konnten. Statt die Unterlagen zu schreddern (etwas, was die Spieler vermutlich gerne gehabt hätten), waren sie aufbewahrt worden. 104 Spieler wurden vor sechs Jahren als Doper identifiziert, eine Zahl, die hoch genug war, um eine Vereinbarung der Liga mit der Gewerkschaft wirksam werden zu lassen, wodurch ab 2004 ein reguläres Testprogramm begann.

Die Einführung von Tests sorgte für ein auffälliges Phänomen: Spieler, die bis dahin wie Popeye-Klone aussahen, schrumpften gleich reihenweise. Die Home-Run-Flut ging zurück. Zu den Spielern, die inzwischen die Einnahme von Anabolika zugegeben haben, gehört der höchst bezahlte Spieler der Liga, Alex Rodriguez von den New York Yankees.

Bei den Red Sox konnte man bislang immer sehr ahnungslos tun. Denn ihr ehemaliger Outfielder Manny Ramirez wurde erst neulich offiziell positiv getestet. Er spielt jedoch seit dem letzten Jahr bei den Los Angeles Dogders und nicht mehr in Boston. Dank der Sache mit Ortiz wird man sich nun wohl doch befleißigen müssen, das Thema abzuarbeiten. Die Flecken auf der Weste werden wohl trotzdem bleiben.

Blick zurück: Der Name Sosa befindet sich vermutlich auch auf der Liste

1. Juli 2009

Der Klingelbeutel: Wenn man nicht zählen kann

Die Boston Red Sox zeigen einen interessanten Fall von Regelkenntnis. Sie traben in einem Inning gegen die Baltimore Orioles bereits nach zwei Outs vom Feld. Der Fernsehkommentator sagt, so was habe er noch nicht gesehen. Musst du gucken.

• Im Automobilrennsport haben Familien und deren patriarchalischen Strukturen schon immer einen Einfluss auf die Geschäfte gehabt. Man denke an die Familie France und NASCAR auf der Organisatorenseite oder an die Pettys und Earnhardts und Andrettis auf der Fahrerseite. Auf diese Weise wurde dann auch Familienmitglied Tony George in Indianapolis zum Chef in Sachen Speedway. Er spaltete CART, holte NASCAR und die Formel 1 auf die langweilige Rennstrecke (in deren Innenraum sich immerhin Teile eines ganz ordentlichen Golfplatzes befinden) und strickte weiter an dem völlig überkandidelten Anspruch, dass die Stadt der Nabel der PS-Welt sei. Was selten vorkommt (und ein hübsches Echo auf die ganze Mosley-Geschichte in der Formel 1 darstellt): Jetzt wurde George, obwohl jahrelang erfolgreich und noch jung an Jahren aus dem Amt hinausbefördert. Quelle: die Ortszeitung.

• Der erfolgreichste Trainer in der Geschichte der NBA wird wohl ab der kommenden Saison einen Gang zurück schalten. Phil Jackson soll aus gesundheitlichen Gründen die Reisen der Lakers nicht mehr mitmachen. Das sind eine Menge Spiele, denn die NBA hat eine Tabellenrunde mit 82 Begegnungen. Die Andeutungen, die es dazu gibt, haben Spekulationen verursacht, dass man in Los Angeles einen Nachfolger installieren will – und zwar niemand anderen als Coach K, den Mann aus Duke und Trainer der US-Nationalmannschaft, die sich in Peking rehabilitieren konnte. Der Herr mit dem unaussprechlichen Namen verneint. Er gehört nicht mehr zu den Jüngeren und hat finanziell längst ausgesorgt. Allein die Uni zahlt ihm reichlich. Nicht zu reden von seinen anderen Einnahmequellen. In diesem Wikipedia-Eintrag gibt es übrigens eine Unterweisung, wie man seinen Namen auf Polnisch phonetisch korrekt ausspricht. Das hätte man sich für diesen deutschen Wikipedia-Beitrag auch gewünscht und nicht diesen Unfug, er habe einen "komplizierten" Nachnamen.

• Falls es Leser des Blogs noch nicht gemerkt haben sollten: Das Schicksal von Moneyball und dem Versuch, das Buch zu verfilmen, geht uns nach. Über die jüngste Entwicklung hatten wir bereits berichtet. Dieser Nachklapp soll die Sache denn auch nur abrunden. Die Chefproduzentin von Sony erläutert, weshalb sie Regisseur Steven Soderbergh in den Arm gefallen ist und das Projekt gestoppt hat. Der Mann hatte doch tatsächlich versucht, einen kunstvollen Film zu drehen und den Anspruch formuliert, dass der Inhalt mit der Realität übereinstimmt. Nein. Realität im Kino, das geht nun echt zu weit.

11. Mai 2009

Red Sox: Doping-Tipps vom Doktor?

Wir hatten das bereits in anderen Sportarten: Dopende Sportler sind gewöhnlich nicht nur Einzelgänger und Hasardeure, die ihre Gesundheit aufs Spiel setzen, weil sie Angst haben, andernfalls ihren Job zu verlieren. Hinter massenhaftem Doping steckt meistens eine gut verschleierte, verharmloste und verharmlosende Kompetenzstruktur, die sich nur selten einmal zu rechtfertigen oder gar Konsequenzen zu tragen hat (Warten wir mal ab, wie sich die Causa rund um die Freiburger Ärzte noch entwickelt).

Natürlich dauert es manchmal Jahre, bis irgendjemand einen Beitrag leistet, um den Schleier zu lüften. Den Fall haben wir jetzt im Baseball in Boston (dem ehemaligen Club von Manny Ramirez), wo man immer so tut, als besäße man keine schmutzige Unterwäsche. Interessant: Nicht, dass (wie jetzt herauskommt) ein Arzt den Spielern der Red Sox ganz offensichtlich Informationen gegeben hat, wie sie mit Nadeln und Spritzen umgehen müssen, wenn sie sich Anabolika geben. Sondern mit welcher Wucht vom ehemaligen Red-Sox-Chefmanager zurückgeschlagen wird. Statt darum zu bitten, dass die Sache gründlich untersucht wird, um angesichts einer nicht von der Hand zu weisenden Doping-Epidemie weitere Belege dafür zu sammeln, wie es zu einer solchen Entwicklung kommen konnte, wird einfach so getan, als könnte es das nicht gegeben haben: Doping-Beratung von Ärzten. Man kann davon ausgehen, dass es sich hierbei um eine Vorneverteidigung von Leuten aus den oberen Abteilungen der Baseball-Hierarchie handelt, die ganz gewiss immer genau gewusst haben, was los war, die aber damals alles getan haben, um die Seuche zu beenden, und jetzt Angst vor etwaigen harschen Reaktionen aus der Öffentlichkeit haben.

19. Oktober 2008

Bye-Bye Boston


Wir verabschieden uns für dieses Jahr mit dieser kleinen Filmszene von den Boston Red Sox. Wie sagte Adam Sandler in Anger Management (Deutscher Titel: Die Wutprobe) beim Anblick der Unterwäsche?
"I love to see you take that bra off, because it represents a team I've hated my entire life. But you gotto keep it on."

"Why?" fragte Heather Graham, die bereits an dem BH nestelte.
"I got a girlfriend", sagte Sandler. Und damit war der Fall erledigt.

Die Tampa Bay Rays gewannen Spiel 7 mit 3:1 und treten nun in der World Series gegen die Philadelphia Phillies an. Mittwoch geht's los. Kuriosität am Rande: Während die Rays sich im Rundbau des Tropicana Field in St. Petersburg mühten, trugen die NFL-Buccaneers in ihrem Stadion in Tampa ihr Heimspiel gegen die Seattle Seahawks aus (live von NBC übertragen). Jemand bei NBC hat wohl nicht damit gerechnet, dass es die Baseballmannschaft so weit bringt.

18. Oktober 2008

Der Klingelbeutel: Womit man immer rechnen muss

• Tampa Bay macht es wirklich spannend in diesem Jahr. Oder sind die Boston Red Sox dafür verantwortlich? Nach der 2:4-Niederlage im sechsten Match der Serie gibt es Spiel sieben am Sonntag. Komisch. Kaum jemand glaubt, dass die Rays noch nachlegen können. Und alles nur wegen dieser seltsamen Klatsche am Donnerstag. Am Samstag klappte auch beim übertragenden Sender TBS nicht alles. Es gab am Anfang einen längeren Bild- und Tonausfall.

• Wie bringt man amerikanischen Kindern Mathematik bei? In dem man sie im Unterricht Fantasy Football spielen lässt.

• Der größte Spieler im amerikanischen College-Basketball musste seine Karriere aufgeben. Der Grund: eine Teilamputation am rechten Fuß, die Ärzte vornahmen, weil sie kein anderes Mittel fanden, um eine antibiotikaresistente Infektion zu bekämpfen. Kenny George wäre sicher allein wegen seiner körperlichen Voraussetzungen als Rollenspieler in der NBA zum Einsatz gekommen: 2,31 Meter vom Scheitel bis zur Sohle, Spannbreite 2,60 Meter. (via The Big Lead).

• Camilo Villegas, einer der erfolgreichen neuen Spitzengolfer auf der amerikanischen PGA-Tour, bekam am Samstag schlechte Nachrichten aus seiner kolumbianischen Heimat. Sein Patenonkel wurde in Bogota bei einem Raubüberfall erschossen.

17. Oktober 2008

Die roten Socken sind nicht kaputtzukriegen

Was für ein Fehler: Nachdem Tampa Bay in Fenway Park im siebten Inning mit 7:0 in Führung ging, sind die ersten Fans aus dem Stadion abgewandert. Und ich habe auf die Politkanäle und danach auf Jon Stewart umgeschaltet. Andern Tags wacht man auf und muss lesen: Die Boston Red Sox haben das Ding im fünften Spiel der Serie um die American League Championship doch noch umgedreht und mit 8:7 gewonnen. Es ist kein Trost, dass Kollegen schreiben, das sei eines der unwahrscheinlichsten Resultate aller Zeiten gewesen. Denn tatsächlich möchte man solche Sachverhalte schon gerne so live wie möglich erleben und nicht erst Stunden später aus den Beschreibungen anderer Leute zusammenklauben. Die Serie, die schon zu Ende schien, geht also weiter: Das sechste Spiel ist am Sonntag in St. Petersburg.

15. Oktober 2008

Skipper Schmalhans hält den Kurs

Wir gehen in die entscheidende Phase der Baseball-Saison und müssen uns mit dem Gedanken anfreunden, dass sich demnächst zwei Mannschaften in der World Series gegenüberstehen, auf die sich kaum jemand freut. Die Tampa Bay Rays und die Philadelphia Phillies. Die meisten Leute wollen die Oligarchen-Teams sehen: die New York Yankees, Boston Red Sox oder die New York Mets. Die werfen mit dem Geld nur so um sich, kaufen die bekannteren Spieler vom Markt und inszenieren Baseball mit dem Hauch des Besonderen. Wer hat, der hat. Richtig?

Meistens ja. Aber in dieser Saison scheint Schmalhans der beste Skipper zu sein. Obwohl: Hinter den Rays zum Beispiel steckt durchaus jemand, der in den guten Wall-Street-Jahren beim Investmentbanker Golfman Sachs extrem viel Geld verdient hat. Aber jetzt spielt Tampa Bay mit der zweitniedrigsten Gehaltsliste von Major League Baseball. Mit anderen Worten: Da sitzen Leute, die ein Auge für junge Talente haben und sich nicht vom Glanz der großen Namen blenden lassen. Mehr zu Tampa Bay habe ich vor ein paar Tagen in einem Artikel für die FAZ zusammengetragen. Der steht jetzt auch online zur Verfügung.

Aktueller Stand: Phillies gegen Dodgers 3:1, Rays gegen Red Sox 3:1.

Hinweis: Im letzten Jahr lag Boston gegen die Cleveland Indians ebenfalls mit 1:3 zurück. Sie drehten den Spieß um, gewannen die Serie mit 4:3 und machten in der World Series den Sack zu. Ob sie aber auch in diesem Jahr die Pitcher haben, um so etwas hinzubekommen, darf man bezweifeln.

2. August 2008

Auf leisen Socken

Nur einen Tag nach dem Trade, der Manny Ramirez nach Los Angeles expedierte, hat man in Boston sehr gute Arbeit abgeliefert und die vielen Facetten aufgeblättert, die zu der Aktion führten. Zu den Neuigkeiten in der Geschichte gehörte, dass der Agent des Outfielders kurz nach dem Vollzug der Transaktion mitteilen ließ: Ramirez, der eine No-Trade-Klausel in seinem Vertrag hat, habe sich alles anders überlegt und wolle doch in Boston bleiben und – viel wichtiger – sich fortan mannschaftsdienlicher gerieren. Diese Information, die man im Umfeld von Club-Manager Theo Epstein vermutlich sehr gerne an wissbegierige Journalisten weitergegeben, um den teuren vorfristigen Abschied von einem Arbeitsverweigerer und Clown zu rechtfertigen, der an seinen guten Tagen unzweifelhaft zu den Leistungsträgern der Red Sox gehörte.

Solche atmosphärischen Aspekte des Geschäfts gehören in Boston wohl einfach dazu. Die Beziehung von Medien und Fans zum Club und den wichtigen Spielern ist intensiver als in anderen Städten in den USA. Leute, die einst in Boston zentrale Bausteine der Mannschaft waren, haben sich nach ähnlichen Tauschaktionen oft genug über die Taktik des Club-Managements beschwert. Auch dazu hatte der Boston Globe heute ein paar Zitate – aus dem Mund von Nomar Garciaparra zum Beispiel (Shortstop und Ehemann von Fußball-Halbgöttin Mia Hamm). Auch er habe nicht die Stadt verlassen wollen. Mit anderen Worten: Schuld an der abrupten Luftveränderung von damals hatte angeblich das Management der Red Sox. Pitcher Derek Lowe erinnerte sich ebenfalls nur ungerne an der Ausbürgerung aus der Red Sox Nation.

Denn auch wenn die Kohle in Los Angeles stimmt: Die Beachtung, die ein Baseballprofi in der Stadt findet, steht in einem reziproken Verhältnis zu den Vorstellungen von der Magie der Metropole im Showgeschäft. Die Basketballspieler der Lakers sind Stars in der Stadt. David Beckham zieht einen Schweif von Paparazzi hinter sich her. Dagegen fällt der Stellenwert der Dodgers ziemlich ab. Immerhin haben sich die wirtschaftlichen Eckdaten in den letzten Jahren verbessert. Der Club machte jahrelang im großen Stil Verluste, inzwischen bleibt auch wieder Geld in der Kasse. Die beste Invesition der jüngeren Vergangenheit: die 60 Millionen Dollar, die in eine Renovierung des Stadions gesteckt wurden. Man sieht: Es geht auch ohne einen Neubau, wenn der Eigentümer nicht auf großformatige Subventionen spekuliert. Sportlich zehrt das Team von der Vergangenheit. Und wir reden nicht von der Zeit in Brooklyn und dem schmählichen Umzug, sonder von den siebziger und achtziger Jahren, als die Mannschaft in der National League zu den Spitzenclubs gehörte. Letzten November wurde Joe Torre als Manager verpflichtet, der vorher bei den New York Yankees an den Gang getan wurde, weil die Mannschaft zu lahm geworden war und ganz offensichtlich frischen Wind brauchte. Für die Playoffs wird es jedoch nur dann reichen, wenn man in der schwachen Western Division den Arizona Diamondbacks die Taellenspitze abjagen kann. Beim ersten Auftritt von Ramirez gegen die Diamondbacks am Freitag hätte man dabei einen guten Schritt nach vorne tun können. Die Dodgers verloren mit 1:2.

31. Juli 2008

Ken Griffey jr. zu den White Sox

Alles deutet darauf hin, dass Outfielder Manny Ramirez in diesem Jahr von den Boston Red Sox an einen anderen Club abgegeben wird. Wen nicht heute, dann am Ende der Saison. Manny ist hoch talentiert, aber im Laufe der Jahre schlichtweg zum Inbegriff des faulen Sacks geworden. Und der Satz "That's Manny being Manny..." ein geflügeltes Wort für das Achselzucken das einen erfasst, wenn man sieht, wie wenig er sich für das Konzept Baseball als Mannschaftssport interessiert. Wie sehr der Mann Leuten auf die Nerven geht, kann man in diesem Artikel des Wirtschaftsmagazins Portfolio nachlesen. Vorsicht: Der Einstieg ist etwas unappetitlich.

(Nachtrag um 18.30 Uhr: Manny geht zu den Los Angeles Dodgers in die National League. Die Red Sox zahlen das Gehalt für den Rest des Jahres.)

Während wir warten, dürfen wir allerdings vermelden, dass sich ein anderer berühmter Baseball-Profi auf dem Weg an einen neuen Arbeitsplatz befindet: Ken Griffey jr., sozusagen das Gegenstück zu Ramirez. Der Mann, der das Zeug hatte, den Namen Barry Bonds vom ersten Platz in der Home-Run-Statistik zu verdrängen, aber vorläufig nur dem anderen Doper Sammy Sosa auf den Schuhen steht. Sosa steht auf Platz fünf all-time. Griffey hat jahrelang in Seattle bei den Mariners unter Ausschluss der Öffentlichkeit gespielt und nicht die Spur einer Chance auf einen Auftritt in der World Series gehabt. Dann kam der Wechsel zu den Cincinnati Reds in die National League, zu einem Club, der über diese Personalie hinaus nichts getan hat, um an seinen hervorragenden Ruf aus den siebziger und frühen achtziger Jahren anzuküpfen. Die Zeit, in der sein Vater für die Reds spielte und in der er in der Industriestadt aufwuchs.

Griffey jr. wechselt zu den Chicago White Sox, zurück in die American League, wo man sich Chancen auf eine erfolgreiche Saison ausrechnet.

8. Juli 2008

Aus dem Wald zurück

Es ist noch nicht ganz klar, wo Alex Rodriguez überall in den Wald hinein gerufen hat. Aber dem Echo nach zu urteilen, dass wir derzeit vernehmen, muss es oft und viel gewesen sein. Der beste Baseballspieler diesseits des Mississippi klettert zwar weiterhin in der ewigen Home-Run-Statistik zielstrebig in Richtung Spitze und zog letzte Woche mit Mickey Mantle gleich, einem der ganz Großen des Spiels. Aber der Erfolg bleibt nicht ohne Folgen. Nicht ausgeschlossen, dass das Gedröhne sogar seine Leistungen beeinflusst. Aber der Reihe nach: Als erstes kam die Klatschgeschichte, wonach er ein Verhältnis zu niemand anderem als der Sängerin Madonna haben soll, was die Dame (verheiratet, Mutter von zwei Kindern) ein paar Tage später dementierte. Dann kam die Nachricht von der von seiner Frau Cynthia eingereichten Scheidung, zu der die Öffentlichkeit mittlerweile sogar Akteneinsicht nehmen kann. Und heute legte noch eine Stripperin aus Boston nach, die ihn einst nach und vor Red-Sox-Spielen nächtelang beim Entspannen half und das Gefühl hat, sie habe ihrer Mannschaft damals, im Jahr 2004, einen unschätzbaren Dienst erwiesen. Denn die Red Sox gewannen das American League Championat gegen Rodriguez und die Yankees erst nach einem furiosen Comeback.

Für A-Rod wird das größte Problem darin bestehen, sein Vermögen zusammenzuhalten. Die angedichteten und die tatsächlichen Verhältnisse werden eher seinen Ruhm mehren. Trophäen kommen schließlich in unterschiedlichen Ausführungen daher.
Blick zurück: Michael Jordan und das Thema "teure Scheidung"
Blick zurück: A-Rod, der unbeliebte Star

24. April 2008

Red-Sox-Trikot bei ebay versteigert

Das angeschmutzte Red-Sox-Trikot, das man aus dem Fundament des neuen Yankees Stadium herausgebohrt hat, wurde bei ebay versteigert. Die Auktion brachte 175.100 Dollar für eine Krebsstiftung.

13. November 2007

Der Klingelbeutel: Zanardi handgetrieben immer noch schnell

Nach etwas mehr als einer Woche ist ein Bericht über den Ritt von Alex Zanardi beim New York Marathon aufgetaucht. Nachdem wir seine Teilnahme angekündigt hatten, soll der Hinweis auf sein recht erfolgreiches Rennen nicht fehlen.

Es kostet 300 Dollar Strafe, wenn man auf die Autohupe drückt und die Polizei findet, das sei nicht nötig gewesen. Warum sollte man dann nicht 1000 Dollar für das Füttern von Tauben bezahlen? Ausgemacht ist noch gar nichts. Aber wenn sich die Idee tatsächlich durchsetzt, schicke ich dem Politiker minimum ein Dankschreiben. Tauben sind eine Pest in Manhattan. Und die Leute, die sie füttern, auch. Aus diesem Grund an dieser Stlele der alte Song von Georg Kreisler:


Die Red Sox haben die World Series gewonnnen, die New England Patriots sind mit 9:0 Siegen in die neue Saison gestartet. Die Celtics sind das einzige ungeschlagene Team in der NBA (5:0), New England Revolution steht im Finale der Fußballmeisterschaft. Wo kommt das ganze Gewicht her, das sich plötzlich in der Nortdostecke des Landes aufstaut? Es kann da keinen Zusammenhang geben, oder? Keine noch so fadenscheinige Theorie, die alles erklärt? Sonst würde doch Marco Sturm die Boston Bruins in eine siegreiche Schlacht nach der anderen führen? Aber das klappt beim besten Willen nicht. Stephen Hawkings bitte übernehmen.

29. Oktober 2007

Red Sox gewinnen World Series - A-Rod macht von sich reden

So kurz und bündig wie die Boston Red Sox die World Series gewonnen haben, gibt es dann hier ebenso kurz und bündig das Resultat des letzten Spiels: 4:3 für die Red Sox, die erneut den Colorado Rockies in den vielen kleinen Dingen der hohen Baseballkunst überlegen waren.

Die Nachricht des Abends kommt aus New York: Die Wege von Alex Rodriguez und den New York Yankees trennen sich. A-Rod wollte nicht zu den alten Konditionen mit ein paar Millionen Aufschlag verlängern. Die Yankees sahen keinen Sinn darin, einen völlig neuen Deal auf die Beine zu stellen. Denn auf diese Weise hätten sie den enormen finanziellen Nachlass verloren, denen ihnen die Texas Rangers gewähren. Die Rangers hatten Rodriguez ursprünglich den 250-Millionen-Dollar-Wahnsinnskontrakt eingeräumt, dann aber nach einem Club gesucht, der ihnen die Last abnimmt. Es fanden sich nur George Steinbrenners Club und auch nur unter der Vorausetzung, dass die Rangers weiterhin knapp ein Drittel des Gehalts bezahlen. Welcher Club nun einsteigt, ist schwer zu sagen. Die Boston Red Sox haben die Mittel, aber theoretisch auch einen hervorragenden Third Baseman (Mike Lowell), der zum Most Valuable Player der World Series ernannt wurde. Allerdings ist der mit dem heutigen Tag Free Agent geworden. Das Tauziehen möge beginnen.

23. Oktober 2007

Der Klingelbeutel: Ali und ein Humidor für Basebälle

Die Amateur-Box-WM in Chicago hat angefangen. Muhammad Ali kam zur Eröffnung. In der heutigen FAZ gab es aus diesem Anlass einen Artikel, der beschreibt, weshalb die Veranstaltung in den USA gelandet ist: Chicago sprang ein, als sich Moskau als überfordert erwies. Der Grund: Die Stadt bewirbt sich für Olympia 2016 und will zeigen, dass sie eine Großveranstaltung aus dem Ärmel schütteln können. Morgen in der FAZ: Ein Bericht über den jungen General Manager der Boston Red Sox namens Theo Epstein zum Auftakt der World Series gegen die Colorado Rockies. Es ist nicht der erste Baseball-Artikel der letzten Tage. In der vergangenen Woche erschien der Bericht über den Humidor, in dem man in Denver die Bälle bei einer Luftfeuchtigkeit von 40 Prozent lagert. Warum? Die Luft in der Höhe von Colorado ist so trocken, dass man ohne diese Maßnahme die Bälle andere Flug- und Abpralleigenschaften besitzen. Das Problem ist dabei nicht mal die extreme Situation in Denver, sondern dass die Spieler der Rockies sich auswärts immer umstellen mussten, ehe diese Neuerung eingeführt wurde. Man darf spekulieren. Aber womöglich hat der anhaltende Erfolg der Mannschaft auch damit zu tun, dass sie seit ein paar Jahren mit diesen feucht gehaltenen Bällen spielt. Der Erfinder des Systems war der Hauselektriker.

19. Oktober 2007

Kleine Kinder zum Frühstück


Nach dem Spiel ist vor dem Spiel? Nicht für einen Baseball-Pitcher. Josh Beckett ist nach einer beeindruckenden Vorstellung mit elf Strikeouts erst mal durch. Entweder biegen seine Boston Red Sox die League Championship Series noch um. Was man ihnen nach dem 7:1-Sieg gegen die Cleveland Indians vom Donnerstagabend durchaus zutrauen darf. Dann pitcht Beckett im Auftaktmatch der World Series gegen die Colorado Rockies. Oder er darf in die Ferien gehen (weil am Samstag gegen die Indians Kurt Schilling an der Reihe ist und in einem etwaigen siebten und letzten Spiel wäre Dice-K an der Reihe). Weshalb nach dem Erfolg bei der Pressekonferenz auch jemand aus der Journalistenmeute den Mut hatte, nach der Sängerin der Hymne zu fragen. Der Mann, der immer so aussieht, als er kleine Kinder zum Frühstück verspeist, hatte eine Antwort parat.

18. Oktober 2007

Hymne an die Chuzpe

Heute abend haben die Boston Red Sox eine schwere Aufgabe vor sich. Und wenn sie die schaffen, haben sie die nochmal vor sich und nochmal. Die Aufgabe lautet: einen Weg finden, die entscheidenden kleinen Fehler zu vermeiden, die sich bei einem Baseballspiel rasch zu katastrophalen Niederlagen ausweiten. Die Fehler bestehen nicht immer aus dem schlechten Pitch, den ein Batter dann lässig zu einem Drei-Run-Home-Run über den Zaun drischt. Die Fehler von Belang finden meistens vorher statt, wenn man verhindert, dass der Gegner überhaupt auf die Bases kommt oder Bases stiehlt und und und. In diesen kleinen Verfaltungen und verstiegenen Verwinnkelungen des Spiels liegt die Crux. Nicht überraschend: Hochbezahlte Topmannschaften tun sich oft schwerer, solche Schnitzer zu vermeiden, weil sie nicht mehr so minuziös denken und weil der Manager Angst davor hat, den teuren Super-Pitcher früh genug vom Platz zu holen.

Und dann kommt so eine Mannschaft wie die Cleveland Indians daher und spielt hochmotiviert und hochkonzentriert, obwohl die Gehälter der Spieler weit unter dem liegen, was die BoSox-Profis bekommen und bringen genau jene Anspannung mit, die man vier Stunden lang aufbringen muss, wenn man die kleinen Sachen nicht verbocken will. Die Indians werden vielleicht nicht heute abend gewinnen. Schon gar nicht nach dieser Provokation an die Adresse von Red-Sox-Pitcher Josh Beckett. Das macht die trägen Bostoner sicher endlich wach. Aber man möchte die Chuzpe trotzdem bewundern: Welches Team bringt schon vor dem Match die Ex-Freundin (Danielle Peck, siehe Bild) der zentralen Figur des Gegners auf den Platz und lässt sie die Nationalhymne singen?
Blick zurück: Nationalhymnen von Zwergstaaten

15. Oktober 2007

Wenn im Herbst in Boston die bunten Blätter fallen...

Man wünscht sich, es wäre einfacher, den sauberen Strich zwischen berechtigter Kritik und sogenannter Korinthenkackerei zu ziehen. Um Korinthenkackerei handelt es sich, wenn pedantische und kleinliche Menschen mit dem Rotstift herumhantieren. Kritik ist ein substanzieller Einwand gegen eine Gedanken- und Arbeitsleistung.

Manche Menschen halten sich aus Takt lieber mit Einwänden zurück (das Glashaus-Syndrom). Vor allem dann, wenn man Sorge hat, ob man mit seinen Hinweisen falsch verstanden werden könnte. Ich sehe das bei Stefan Niggemeier und bei Indiskretion Ehrensache, deren Blogbetreiber einen Hang zum Aufspüren von Sachen haben, die schon mal so wirken wie der Splitter im Auge des anderen. Da kommen dann immer die Nörgler zum Vorschein, die es offensichtlich lieber sehen, wenn Fehler nicht benannt und richtig gestellt werden. Das könnte man verstehen, wenn die Leistung so vieler Medien-Outlets nicht so grotesk unter Niveau ausfallen würde.

Um es deshalb klar vorneweg zu sagen: Es geht bei diesem Post nicht um Personen, sondern um die Sache. Die Sache heißt: der unerträgliche Hang von Leuten im Sportjournalismus zum Superlativ. Unterabteilung: Nichts ist schlimmer als jener Superlativ, der auf mangelhaftem Wissen beruht.

Normalerweise wissen wir diese Disziplin in den festen Händen von BILD-Zeitungsreportern. Und wir verstehen auch warum (und zwar seit Günter Wallraf Hans Esser war). Und was jene Schreibkräfte in diesen Tagen auf die Beine stellen, kann man zum Glück seit Beginn des BILDBlog jeder Zeit nachlesen. Warum aber auch SpOn so arbeitet, wissen wir nicht. Denn wir wollen erst mal nicht unterstellen, dass man in der Online-Redaktion vom Spiegel ein ähnliches Verhältnis zu den Fakten hat.

Aber wenn dann ein einziger Artikel so viele Behauptungen auf einmal aufstellt (die man als Unsinn bezeichnen muss), die mehr als nur fehlerhaft sind, sondern superlativ fehlerhaft, dann ist vielleicht mal eine leise Anmerkung fällig. Besonders, wenn es um einen Themenbereich wie amerikanischen Sport geht, an dem zumindest unsereinem etwas liegt.

Wir gehen mal der Reihe nach vor. Es geht um die Teams aus Boston.

SpOn: "Der Rekordmeister ... hat in der Sommerpause gleich sieben Spieler zu den Minnesota Timberwolves geschickt..." (falsch: es waren fünf Spieler und zwei zukünftige Draft-Picks, daraus können Spieler werden oder auch nicht. Auf jeden Fall fehlen sie nicht den Celtics in der kommenden Saison.)
• Bei dem Tausch handele es sich um "den spektakulärsten Transfer der NBA-Geschichte" (falsch: es war allenfalls eine Bestleistung dafür, wieviele Leute man für einen Spieler bekommen kann. Aber das liegt an der Tarifordnung der NBA, die verlangt, dass bei einem Tausch das Gehalt auf der einen Seite mit dem auf der anderen aufgewogen werden muss. Wer viele billige Spieler hat, muss dann einfach mehr Personal abgeben. Wenn es um das Kriterium "spektakulär" geht, kann man dies ganz gewiss nicht toppen: die Transfers von Wilt Chamberlain und Kareem Abdul-Jabbar, die von Philadelphia beziehungsweise Milwaukee zu den Los Angeles Lakers wechselten. Sie waren jeweils im Alleingang für die Erfolge ihres neuen Teams verantwortlich.)
• "...seit Jahren ist jedes Spiel im Fenway-Park ausverkauft" (irreführend: Das Stadion war lange Zeit das kleinste in Major League Baseball und ist nach kleinen Modifikationen mit 38.000 Sitzplätzen nur das drittkleinste von 30. Gleichzeitig gehörten die Red Sox schon immer zu den populärsten Teams Amerikas, weit über die Grenzen von Boston hinaus. Es heißt übrigens nicht, dass bei allen Spielen alle Sitze besetzt sind. Auch die Red Sox haben Gegner, für die sich so gut wie niemand interessiert.)
• "Objektiv betrachtet hat Boston auf jeden Fall den teuersten Baseball-Spieler der Welt. Pitcher Daisuke Matsuzaka kam zu Saisonbeginn für 100 Millionen Dollar aus Japan an die Ostküste...." (wenn wir mal die Kleinigkeit vergessen, dass sich die komplizierte Transaktion zu 103 Millionen Dollar und ein paar zerquetschte hochrechnet, teilen wir den Betrag durch sechs Jahre Laufzeit und kommen auf eine Summe, die weit unter der für Alex Rodriguez liegt - 10 Jahre/252 Millionen Dollar. A-Rod ist der teuerste Baseball-Spieler der Welt nicht Dice-K.)
• "Im selben Jahr holten auch die New England Patriots den Superbowl" (falsch: man kann den Super Bowl nicht holen. Das ist der Name einer Veranstaltung, nicht der Name der Trophäe, die dabei ausgespielt wird. Die heißt Vince Lombardi Trophy.)
• "Ron Jaworski, bekannter Analytiker beim Sportsender ESPN" (problematisch: die Fachkommentatoren beim amerikanischen Fernsehen werden zwar schon mal analysts genannt. Unter Analytikern versteht man auf Deutsch etwas ganz anderes. Schlag nach bei Freud. In der Sprache der Finanzwirtschaft werden analysts mit Analysten übersetzt).

Und diese Anmerkungen schließen noch keine Beschwerden über den stilistischen Verhau ein ("Man muss kein Patriot sein, um zu sehen, dass die Patriots Nummer eins sind" - man muss nicht mal Sportjournalist sein, um zu sehen, dass man gar nichts sein muss, um das zu sehen). Oder: "Noch nie in der NFL-Historie war ein Passgeber nach sechs Spieltagen erfolgreicher" (WÄHREND der ersten sechs Spieltage? Oder hatte NACH den ersten Spieltagen keine bessere Leistungsstatistik?)

Normalerweise müsste der Text zumindest überarbeitet werden. Vielleicht sogar eingestampft. Denn wenn die heiße Luft mal weg ist, bleibt nicht mehr viel übrig. Aber für so etwas hat man in Hamburg womöglich keine Zeit. Schließlich müssen die nächsten Geschichten voller Superlative angekurbelt werden. Wie hält man sonst die Einschaltquote?

3. Juni 2007

Der Mann hinter den Boston Red Sox verbrennt sein Geld

Das eigentliche Ziel von Investmentfirmen ist Geld zu vermehren und nicht zu verbrennen. Das ist John W. Henry, dem Haupteigentümer der Boston Red Sox, über weite Strecken seiner Karriere auch gelungen. Aber kaum konnte das Baseball-Team Ende 2004 das Martyrium einer mehr als achtzigjährigen Flaute beenden und die World Series gewinnen, da ging es mit Mr. Henry bergab. Sein größter Aktienfonds, Strategic Allocation, hat seitdem nominell mehr ein Drittel verloren. Ein weiterer mit Namen GlobalAnalytics sank um 20 Prozent. Und das obwohl der Aktienmarkt in den USA in er gleichen Zeit stetig nach oben kletterte. Noch dramatischer ist der Verlust an Kapital, dass Henry im Auftrag von Kunden verwaltet: Das ging von gigantischen 3,3 Milliarden Dollar auf fast anämische 500 Millionen Dollar zurück. Entsprechend schrumpfen die Gebühren, die Henry seinen Kunden abknöpfen kann, um sich solche Vergnügungen wie dieses legendäre Baseball-Team zu leisten.

Übrigens: die Red Sox spielen in diesem Jahr wieder ausnehmend gut. Ganz im Unterschied zu den Yankees, bei denen Alex Rodriguez ("A-Rod") allenfalls durch seine Kontakte zu männlich wirkenden Frauen auffällt, mit denen er nicht verheiratet ist (neuer Spitzname: "Stray-Rod"). Die jüngste Gefährtin kann man sich sowohl auf den Seiten der New Yorker Boulevardblätter anschauen als auch in ihrer puren Form auf diesen Seiten. Während dessen profiliert sich Red-Sox-Pitcher Curt Schilling immer mehr als Alpha-Blogger. Er kommt mit 38 Pitches nach Angaben von technorati auf mehr als 2000 Links. Das dürfte über allem liegen, was einem bekannten Sportler bislang auf die Beine gestellt hat.
Blick zurück: New York und die Beziehung der Fans zum teuersten Baseballprofi der Welt
Blick zurück: Das Sockenprogramm in Boston und Schillings Intimfeind

29. März 2007

Das Sockenprogramm wird heiß gewaschen: Schilling bloggt verschärft mit

Es gibt jetzt überall diese ausgedehnten Betrachtungen über die amerikanischen Baseballmannschaften. Das kommt wie die Krokusse und die Narzissen aus der Erde - jahreszeitbedingt. Es sieht auch hübsch aus und verwelkt dann gleich wieder, sobald die Saison auf Betriebstemperatur hochfährt. Wir haben nicht solche botanischen Ambitionen und verweisen deshalb lieber auf die Arbeit von Philipp Würfel vom Blog MLB Saison 2007. Da ist alles übersichtlich dargelegt. Mit Depth Charts und mehr.

Aber was wir hier auf jeden Fall ansprechen wollen, ist die bislang beste Profi-gegen-Journalisten-Fehde. Denn die basiert darauf, dass Curt Schilling von den Boston Red Sox (der mit der blutig roten Socke in der Vitrine in der Hall of Fame von Cooperstown) einen Blog begonnen hat: 38 Pitches (Foto: flickr/creativecommons/redperm) Und dass einer seiner Intimfeinde, diese arrogante Socke Dan Shaughnessy vom Boston Globe (Bild rechts), versucht hat, ihn deshalb lächerlich zu machen. Es gibt andere US-Athleten, die bloggen - wie etwa everybody's darling Gilbert Arenas. Aber die weichen alle gerne jeder Kontroverse aus. Schilling, Republikaner bis auf die Knochen und nicht auf den Mund gefallen, hat offensichtlich nicht vor, deren vielen leeren Platz im Internet mit Schönschreiben zu füllen. So ballerte er einen Tag nach der Satire von Shaughnessy kurz und knapp zurück. Besonders schön der alte Spruch, den er zitiert und der das Los des Athleten und des Popkünstlers im Verhältnis zu den Medien beschreibt: "Erst ignorieren sie dich, dann verspotten sie dich, dann kämpfen sie gegen dich. Und dann gewinnst du." Er nannte die Edelfeder einen "dope" - (Schnösel, Dussel, Idiot) und griff als Inside-Joke den Spitznamen auf, den ESPN-Mann Bill Simmons (in Boston groß geworden) einst über Shaughnessy geprägt hatte: Curly Haired Boyfriend. Eine Duftmarke, die der Kolumnist in einem anderen Inside-Joke in seinem Text verarbeitet hatte. Wer das verstehen wollte, musste wiederum Simmons zu dem Thema gelesen haben. Klingt mühsam? Vorläufig ja. Aber die Saison ist ja noch jung. Beziehungsweise sie hat noch gar nicht angefangen. Opening Day ist der 1. April. Und bei den Red Sox werden sich erst einmal alle Augen auf den neuen Pitcher aus Japan richten. Curly Haired Boyfriend hatte heute etwas Frisches über Dice-K im Globe. Und so wissen wir jetzt, dass Matsuzaka, der Mann, der angeblich einen Gyro-Ball wirft und den Spitznamen "Monster" aus seine Heimatland mitbringt, während der Saison Golf spielt, dass Schilling versucht japanisch mit ihm zu sprechen, dass er die Filme Lethal Weapon, Cliffhanger und When Harry Met Sally gut findet, aber auch Angelina Jolie. Enorm, was man alles herausfindet, wenn man die prominentesten Schreiber an die Front schickt.

26. Februar 2007

Katze aus dem Sack: Alle staunen über Dice-K

Nichts ist besser als Spring Training, um Profi-Baseball aus nächster Nähe zu sehen. Die Stadien sind nicht nur kleiner. Wenn die Spieler sich auf dem Platz aufwärmen, darf man sogar die Tribünen verlassen und sich um den Batting Cage herum gruppieren. Und dann begreift man ziemlich schnell, wie schwierig das Spiel auf dem Niveau von Major League Baseball ist. Das enorme Tempo, mit dem die Bälle anfliegen. Und das Geschick, das man braucht, um die Bälle mit dieser dünnen Keule zu treffen. In Fort Myers bestaunt man dieser Tage den neuen Pitcher aus Japan: Daisuke Matsuzaka, den die Boston Red Sox verpflichtet haben und dessen Qualitäten bislang niemand richtig einschätzen konnte. Bei seinem ersten ernsthaften Auftritt im Training warf er allein beim Aufwärmen doppelt so viele Pitches wie seine verzärtelten amerikanischen Kollegen. Das wurde vermeldet. Das japanische Fernsehen war da. Das wurde vermeldet. Und dass er den Gyroball nicht warf, jenen mythischen unberechenbaren Pitch, den noch keiner gesehen hat, wurde vermeldet. Dice-K hat viel Geld gekostet und galt bislang als Katze im Sack. Jetzt nicht mehr. Manager Terry Francona, dessen Karriere als Trainer einst in Alabama in den Minor Leagues begann, blieb gelassen, als er gefragt wurde, ob er solch einen Rummel schon mal erlebt hat: "Ja, ich hatte Michael Jordan." (Via Swing and a Miss)