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24. Dezember 2009

Rätselraten zu Weihnachten: Warum treffen die NFL-Kicker nicht mehr so gut?

Es ist der einzige relevante Teil an einem Footballspiel, der einen daran erinnert, weshalb das Spiel überhaupt so heißt, das im Prinzip nichts anderes ist als ein abgewandelte Form von Rugby. Aber das inspiriert die Spezialisten, die sich darum kümmern, so scheint es – überhaupt nicht. Zumindest die Jungs in der NFL nicht, wo die Kicker bekanntlich ordentlich bezahlt werden, um ein paar mal pro Match auf den Platz zu gehen und einen oder drei Punkte zu verbuchen. Wie das? Man schaue sich nur mal diese Statisitik an: Die Liga mit ihren 32 Teams fiel ein Jahr nach der besten Saison aller Zeiten (Treffergenauigkeit der Kicker: 84,5 Prozent) auf die niedrigste Quote seit 2003 (zur Zeit liegt man bei 80,5 Prozent). Die New York Times nennt das einen slump. Wir nennen das ein an den Haaren herbeigezerrtes Thema. Vor allem, wenn man es mit einer Bewertung für Wahnsinnige untermauern muss: Angeblich ist das der stärkste Leistungsabfall seit...seit...seit 1976. Also Panik-Modus an.

Damals lagen übrigens die Vergleichswerte bei um die 60 Prozent. Mit anderen Worten: Die viel besseren Kicker von heute, stehen wegen einer statistischen Auffälligkeit sogleich im Verdacht, so schlecht zu sein wie die aus der Zeit des Bulldozer-Footballs, als man die Wide Receiver noch überall auf dem Platz nach Belieben auf den Rasen donnern durfte. Wie immer, wenn man einen solchen Fund journalistisch abstützen will, aber keine vernünftigen Daten zur Hand hat, kommen kuriose Verknüpfungen dabei heraus: Das Nachlassen sei "besonders überraschend", weil noch vor gar nicht so langer Zeit "das Kicken so automatisch schien, dass es Diskussionen darüber gab, die Torstangen näher aneinander zu stellen oder die Markierungen auf dem Platz weiter auseinander zu ziehen, um schwierigere Winkel für den Schützen zu erhalten".

Wenn es diese Diskussionen wirklich gegeben haben sollte – dort wo ich mir meinen Footballkonsum abhole, gab es die nicht. Das einzige, was es wirklich gab: Weil die Kicker besser wurden, wurden die Trainer mutiger und ließen ihre Special Teams immer häufiger Kicks aus Distanzen probieren, die man früher gar nicht erwogen hätte. Heute sind Versuche aus mehr als 50 Yards, je nach Witterungsverhältnissen und Kicker, keine Seltenheit mehr. Aber mit der größeren Entfernung steigt unweigerlich auch das Risiko. Den ganzen Rest kann man in der Abteilung Wetter einordnen. Das ändert sich jedes Jahr. Da gibt es keinen Automatismus. Und ja, selbst in Zeiten von Global Warming gibt es Wintereinbrüche mit tiefen Temperaturen und viel Schnee.

Aber wer sich trotzdem in diese vermeintliche "Analyse" vertiefen will: hier noch mal das Link. Mit dem passenden Kommentar von Dallas-Cowboys-Trainer Wade Phillips: "It's a mystery to us."

Panik-Modus aus.

19. September 2009

Eine Footballmannschaft ohne Punter und Kicker

Alle Jahre wieder und trozdem viel zu selten beschäftigt sich jemand mit der Frage: Weshalb entscheiden sich Football-Trainer im Regelfall während eines Spiels lieber für den Punt und gegen einen Fourth-Down-Versuch? Weshalb meiden sie die Two-Point-Conversion wie die Pest? Woher kommt die Angst vorm Risiko?

Es geht doch auch anders: Wie im Fall dieser High-School-Mannschaft in Arkansas, die ohne Punter und ohne Kicker antritt. Die jedes Fourth Down mit der Angriffsformation spielt, um in Ballbesitz zu bleiben. Und die damit gar nicht so schlecht fährt. Die Arbeitsweise hatte Sports Illustrated neulich beschrieben. Jetzt hat sich Wall-Street-Journal-Blogger Carl Bialik damit beschäftigt und herausgearbeitet, dass zwischen den Punt-Leistungen der Teenager und denen der Profis ein erheblicher Unterschied besteht. Statistisch gesehen – also im Durchschnitt – mag sich das durchaus so abbilden. Aber eine solche Betrachtung verwischt eine andere Dimension des konservativen und ängstlichen Verhaltens der NFL-Trainer: Weil sie nichts riskieren wollen, berauben sie sich auch noch taktischer Varianten, mit denen sie den Gegner düpieren könnten. Es gibt so gut wie keine Fake Punts in der NFL oder Fake Field Goals.

26. November 2007

Wie spielt man gegen Devin Hester?

Football der amerikanischen Provinienz wirkt oft wie das Treiben in Pamplona. Ein paar Stiere, die blind durch die Gegend laufen. Eine Schar von Verrückten, die herausfinden wollen, ob sie reaktionschnell genug sind, um nicht totgetrampelt zu werden. Und eine Faszination aus dem Blickwinkel der Medien, die Leuten, die in ihren weichen Sesseln die Kanäle abzappen diese Mischung aus Neugier und Kopfschütteln besorgen, die beim Kampf um die Quote so wichtig ist.

Wie jede Metapher ist auch diese schief. Denn Football bietet doch noch etwas mehr: zum Beispiel Diskussionsstoff zur Taktik und Strategie einzelner Teams. Beispiel gefällig? Selten gab es eine derartige Debatte wie die um die Frage: Wohin kickt man den Ball, wenn ein gewisser Devin Hester auf der anderen Seite steht? Seit Sonntagabend sagen fast alle Kommentatoren übereinstimmend: Bloß nicht Richtung Hester. Denn der mutmaßlich beste Punt- und Kick-Returner aller Zeiten hat am Sonntagabend mit Macht zugeschlagen und im Alleingang gleich zwei Touchdowns erzielt. Keine Frage: Seine zwölf Punkte (und die beiden aus den Point-After-Versuchen) waren der entscheidende Grund dafür, dass die Chicago Bears überhaupt die Verlängerung erreichen konnte, in der sie die eindeutig besseren Denver Broncos mit einem Field Goal abfertigten.

Hesters Laufstärke und seine Reflexe sind nur schwer einzuzäunen. Im letzten Super Bowl hatte er nach 14 Sekunden seine Mannschaft in Führung gebracht. Wer das Match gewann, wissen wir: Die Indianapolis Colts. Und zwar verdient. Mit anderen Worten: Dass Hester eine Gefahr darstellt, ist unbestritten. Aber er spielt bei einem Team, dass nur selten die Früchte seiner Arbeit erntet. Mit noch ganz anderen Worten: Wer eine Phobie vor Hester entwickelt, hat ohnehin gegen Chicago nichts zu bestellen. Dazu kommt: Hester verliert gerne den Ball. Und das tat er auch gegen die Broncos. Allerdings scheint eine Ansicht dieses Puzzles eher abwegig. Es gibt Leute, die sich auf die statistische Dimension der Hester-Sprints eingeschossen haben und aus dem eher dürftigen Datenmaterial zu der Schlussfolgerung kommen, dass man ruhig in seine Richtung kicken soll. Im Schnitt holt Hester nur fünf Yards an Field Position heraus. Wer anfängt, ihn bewusst zu vermeiden, macht sich hingegen das Leben schwer. Es gibt keine Kicker, die das Ei zielsicher genug und kurz vor der gegnerischen Endzone ins Aus befördern können. Das Spiel mag ja Football heißen. Aber das heißt nicht, dass die Leute, die vor allem mit ihrem Fuß arbeiten, einen Mann wie Hester ausschalten können.

8. November 2007

Wir schreiben einen bin-Laden-Hüter

Wieviel Leute das wohl interessiert, wenn der Kicker der Denver Broncos einen Roman schreibt, in dem es darum geht, dass muslimische Terroristen einen Anschlag auf den Austragungsort eines Monday Night Football-Spiels der NFL planen? Jason Elam (siehe Kommentare) muss annehmen, dass seine Schwarte Kreise zieht, sonst hätte er wohl nicht folgendes von sich gegeben: “Falls Osama bin Laden das Buch in die Hand nimmt und liest, will ich, dass er sagt: 'Ja, deshalb tue ich was ich tue. So rechtfertige ich es, so sehe ich das, dass ist das, woran ich glaube."

Ich weiss, dass Football-Kicker (ähnlich wie Eishockey-Torleute) als ziemlich abgedrehte Sorte gelten. Aber das einer von ihnen denkt, der gute Osama liest seine Machwerke, übertrifft den Grad an Gaga noch gewaltig. Das Buch kommt erst im Januar heraus. Sein Co-Autor ist ein Pastor.

23. Oktober 2006

Er schießt. Er trifft

Das sieht man nicht alle Tage: Wie Kicker Matt Bryant aus einer Entfernung von 62 Yards (56 Meter) das Lederei durch die Torstangen befördert und so in letzten Sekunde den Sieg für seine Mannschaft klarmacht. 23:21 lautete das Ergebnis, mit dem Tampa Bay die Philadelphia Eagles kalt abgeduscht hat. Der Kick war der drittlängste in der NFL-Geschichte (der Rekord steht auf 63 Yards). Vorher hatte Bryant im Verlaufe des Spiels drei Stück vergölst - und zwar aus kürzerer Distanz.