In den Jahren, ehe er bei den Washington Redskins als Manager die Verantwortung für den sportlichen Erfolg eines der grandiosen alten Clubs in der NFL übernahm, hatte Vinny Cerrato andere Ambitionen: Er betätigte sich als Filmschauspieler – in einem grotesken Kinowerk names Kindergarten Ninja. Seine Mitdarsteller waren ganz offensichtlich ebenso hölzern und ungeschult wie er, wie man in einem Ausschnitt nachvollziehen kann, den Washington-Post-Blogger Dan Steinberg ausfindig machte und bei YouTube ablieferte. Aber während Cerratos Kollegen der Sprung ins Rampenlicht von Hollywood nicht gelang, kam er in den Jahren danach später voll zur Geltung. In der Washingtoner Inszenierung des Klassikers Dumb and Dumber, einer merkwürdigen Regieleistung, wenn man bedenkt, wieviel Geld er und sein Arbeitgeber, der Teambesitzer Dan Snyder, in die Produktion gesteckt haben.
Zu Snyders Stil im Umgang mit einer Footballmannschaft, Trainern, den Medien und vor allem den Fans gab es vor ein paar Wochen schon eine ausführliche Geschichte in der FAZ („Der schlimmste Klubbesitzer aller Zeiten“). Dies ist die Nachricht über den ersten bemerkenswerten Kollateralschaden der Entwicklung. Cerrato hat seinen Stuhl geräumt. Ton ab, Kamera ab, Action und Straße frei für Vinny, der in diesem Film einen Polizisten mimt, dessen Rollenname "Sarge" lautet. Viel Vergnügen.
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17. Dezember 2009
6. Oktober 2008
Bull Durham: Fortsetzung im Gespräch
Alles noch im Gerüchtestadium, aber nicht ohne Reiz: Angeblich reden Kevin Costner und Ron Shelton über Möglichkeiten und Wege, dem besten Sportfilm aller Zeiten 20 Jahre später eine weitere Episode hinzuzufügen. Der Film – Bull Durham – spielt im Minor League-Baseball-Milieu und wird aus der Perspektive einer Frau erzählt: dem belesenen, selbstbewussten Sportgroupie Annie Savoy, das sich in jeder Saison einen Spieler ihrer Mannschaft herausgreift, aber sich diesmal zwischen zweien entscheiden muss: zwischen einem aufstrebenden Pitcher und Total-Dummkopf und einem alten Catcher am Ende seiner Karriere. Der wurde in die Mannschaft geholt, damit der Junge noch das lernt, was ihm fehlt: ein Verständnis für Taktik und Wurfauswahl. Costner spielt den Catcher namens Crash Davis. Der Pitcher wird von Tim Robbins gegeben, der bei der Gelegenheit Susan Sarandon kennenlernte, die Darstellerin der Annie Savoy. Die beiden leben seitdem zusammen und haben zwei Söhne.
Abgesehen von der gelungene Ensemble-Leistung und den glaubwürdigen sportlichen Fähigkeiten von Costner, der bei den Dreharbeiten zwei Home Runs erzielte, während die Kamera lief, war das eigentlich Bemerkenswerte an dem Projekt das Script von Ron Shelton, der einst selbst als Minor-League-Profi gespielt hatte. Die Essenz: Komödie statt Klamauk und Klischeee. Er sorgte anschließend noch für zwei weitere Kinofilme, die sich mit Sportthemen beschäftigen: White Men Can't Jump und Tin Cup (ebenfalls mit Costner). Übrigens: Der Film erhielt in Deutschland einen kuriosen Titel verpasst: Annie's Männer. Man mag sich gar nicht ausmalen, wie die deutschen Synchron-Stimmen klingen. Susan Sarandon zum Beispiel produziert einen fabelhaften Südstaaten-Akzent (der Film spielt in North Carolina), durch den die intellektuell angehauchten Statements von Annie einen besonderen Charakter erhalten.
Abgesehen von der gelungene Ensemble-Leistung und den glaubwürdigen sportlichen Fähigkeiten von Costner, der bei den Dreharbeiten zwei Home Runs erzielte, während die Kamera lief, war das eigentlich Bemerkenswerte an dem Projekt das Script von Ron Shelton, der einst selbst als Minor-League-Profi gespielt hatte. Die Essenz: Komödie statt Klamauk und Klischeee. Er sorgte anschließend noch für zwei weitere Kinofilme, die sich mit Sportthemen beschäftigen: White Men Can't Jump und Tin Cup (ebenfalls mit Costner). Übrigens: Der Film erhielt in Deutschland einen kuriosen Titel verpasst: Annie's Männer. Man mag sich gar nicht ausmalen, wie die deutschen Synchron-Stimmen klingen. Susan Sarandon zum Beispiel produziert einen fabelhaften Südstaaten-Akzent (der Film spielt in North Carolina), durch den die intellektuell angehauchten Statements von Annie einen besonderen Charakter erhalten.
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28. September 2008
Zum Tod von Paul Newman
Die Nachricht vom Tod des Schauspielers Paul Newman war gestern eines der ganz großen Themen. Was sicher auch daran liegt, dass es in Hollywood nicht mehr so viele Schauspieler von seiner Statur gibt. Newman war aber mehr als nur eine Hollywood-Figur, der im Actors Studio in New York die handwerklichen Grundlagen gelernt hatte. Er war obendrein ein ernstzunehmender Rennfahrer, der 1979 in Le Mans den zweiten Platz belegte und irgendwann sogar einen Champ-Car-Rennstall (Newman-Haas) betrieb, in dem die Andrettis fuhren. Und er war ein Mensch mit Sinn für Menschen, die Hilfe brauchen. So entwickelte sich aus einer humorvollen Idee, bei der es nur um Salatasauce ging, ein kleines Lebensmittelimperium namens Newman's Own, das all seine Erträge an karitative Einrichtungen verteilte. Wieviel Geld? Mehr als 200 Millionen Dollar.
Gegenüber den Medien gab er sich eher zurückhaltend und wenn, dann wirkte er nachdenklich, klug, selbstkritisch und wie jemand, der alles vermied, den Eindruck zu erzeugen, er sei von dem Selbstdarstellungbazilllus angesteckt, der viele in die Schauspielerei treibt. Es gibt eine Reihe von Filmen, bei denen Paul Newman das Kunststück gelang, hervorragende Arbeit zu leisten und gleichzeitig ein enormes Publikum zu begeistern. Das sind The Sting, Butch Cassidy and the Sundance Kid (hier die Anfangssequenz mit Robert Redford)
Ein schon ziemlich altes, aber erhellendes Fernsehinterview, aufgesplittert in mehrere Teilen, enthält eine enorme Menge an wohlabgewogenen Gedanken und Ratschlägen für junge Schauspieler und andere Menschen mit Ambitionen: Teil eins, Teil zwei, Teil drei, Teil vier, Teil fünf, Teil sechs, Teil sieben. Im zweiten Teil gibt es die hübsche Anekdote aus der Zeit, als er sich auf die Rolle des Boxers Rocky Marciano vorbereitete und ihm der Schwergewichtsweltmeister erzählte, wie intensiv Marlon Brando für seine Kunst Marciano beobachtet hatte.
Newman und Sport in einer denkwürdigen Kombi im Film Slap Shot. Hier der Trailer.
Gegenüber den Medien gab er sich eher zurückhaltend und wenn, dann wirkte er nachdenklich, klug, selbstkritisch und wie jemand, der alles vermied, den Eindruck zu erzeugen, er sei von dem Selbstdarstellungbazilllus angesteckt, der viele in die Schauspielerei treibt. Es gibt eine Reihe von Filmen, bei denen Paul Newman das Kunststück gelang, hervorragende Arbeit zu leisten und gleichzeitig ein enormes Publikum zu begeistern. Das sind The Sting, Butch Cassidy and the Sundance Kid (hier die Anfangssequenz mit Robert Redford)
Ein schon ziemlich altes, aber erhellendes Fernsehinterview, aufgesplittert in mehrere Teilen, enthält eine enorme Menge an wohlabgewogenen Gedanken und Ratschlägen für junge Schauspieler und andere Menschen mit Ambitionen: Teil eins, Teil zwei, Teil drei, Teil vier, Teil fünf, Teil sechs, Teil sieben. Im zweiten Teil gibt es die hübsche Anekdote aus der Zeit, als er sich auf die Rolle des Boxers Rocky Marciano vorbereitete und ihm der Schwergewichtsweltmeister erzählte, wie intensiv Marlon Brando für seine Kunst Marciano beobachtet hatte.
Newman und Sport in einer denkwürdigen Kombi im Film Slap Shot. Hier der Trailer.
29. August 2007
Kinostart der Ping-Pong-Parodie
Der folgende Trailer ist mit Vorsicht zu genießen, sozusagen nur als Geschmacksprobe, um ein paar Aspekte der überkandidelten Komödie Balls of Fury auf sich einwirken zu lassen. Die Parodie auf die Sportart Tischtennis, die am Freitag dieser Woche in die amerikanischen Kinos kommt, vermochte es sich nicht zu verkneifen, in platten Stereotypen zu handeln. Die Kritikermeinungen kann man in einer Übersicht auf dieser Seite von Rotten Tomatoes studieren. Der Daumen geht bei den meisten tendenziell nach unten. Eine Anmerkung: Der Film veräppelt nicht nur die Chinesen, sondern dreht auch einen Vorzeigedeutschen durch den Wolf. Das hat man davon, dass der Boll so gut mit dem Ball ist.
11. Juli 2007
Chick-Lit auf der Leinwand - mit ungefiltertem Blick
Zugegeben, es ist nicht besonders einfallsreich, nur deshalb am hellichten Tag ins Kino zu gehen, weil es dort so schön kühl ist, während in den Straßen von New York ein schwüler Sommer mit mehr als 36 Grad im Schatten wütet. Aber am Ende kommt es auf das Kino an. Wenn man zum Beispiel bei den Lincoln Plaza Cinemas vor der Kasse steht und feststellt, dass man alle halbe Stunde in einen anderen Streifen von einer gewissen Reputation gehen kann, dann muss man gar nicht lange überlegen. Ich bin früher bei Filmfestspielen in Cannes oder Berlin schließlich auch in Filme gegangen, über die es so gut wie keine Vorabinformationen gab. Eine Vorgehenweise, die sehr viel für sich hat. Man sieht das Werk mit ungefilterten Augen.
Das heißt nicht, dass man sich hinterher, nachdem man sich einen Film wie Broken English von Zoe Cassavetes angeschaut hat, ungemein besser fühlt als vorher (man muss schließlich aus der angenehmen Kühle wieder hinaus in den Brutkasten Manhattan), aber man kommt sich vor, als habe man zusammen mit den anderen Untentwegten in ihren Sesseln ringsherum das eine oder andere entdeckt. Der eine das andere. Der andere das eine. Ich habe vier Sachen entdeckt:
1. Gerolsteiner in Halb-Liter-Flaschen im Ausschank des Kinos.
2. Hauptdarstellerin Parker Posey sieht so aus wie Claudia W., was angenehme Erinnerungen provoziert.
3. Mark Cuban hat den Film mitfinanziert und wird mir, weil zunehmend allgegenwärtig, immer unheimlicher.
4. Chick-Lit auf der Leinwand wirkt auch in High-Definition nicht erbaulicher als in Buchform.
Vielleicht sollte ich zum letzten Punkt noch etwa mehr erzählen: Broken English ist leider ein allzu glatter, klischeedurchzogener Film, in dem zwei New Yorker Frauen ihre Neurosen vorführen, von Beziehungen träumen, die ihnen etwas bieten, und die dann, obwohl uns keine hinreichende Erklärung für ihr zielloses Verhalten gegeben wird, mit der ultimativen Kraft des cinematografisch Faktischen in Paris landen, wo es vor Charmeuren nur so wimmelt.
Chick-Lit-Leserinnen mögen das gut finden, weil sie im Training sind und keine großen Ansprüche an die plausible Darstellung von Figuren stellen, zumal der Film handwerklich gediegen gearbeitet ist (auch wenn sie nicht viel Geld für die Produktion gehabt haben). Hätte mir einer vorher gesagt: Die Regisseurin ist die Tochter eines bedeutenden Regisseurs (John Cassavetes) und einer hervorragenden Schaupielerin (Gena Rowland, hat eine kleine Rolle) und ist die beste Freundin von Sofia Coppola (Lost in Translation) und ahmt deren Impetus nach, wäre ich enttäuscht gewesen.
So habe ich einfach nur aufmerksam zugeschaut und war am Ende froh, dass ich die Flasche Gerolsteiner bei mir hatte. Aus der kam wenigstens ein gewisses Prickeln.
Das heißt nicht, dass man sich hinterher, nachdem man sich einen Film wie Broken English von Zoe Cassavetes angeschaut hat, ungemein besser fühlt als vorher (man muss schließlich aus der angenehmen Kühle wieder hinaus in den Brutkasten Manhattan), aber man kommt sich vor, als habe man zusammen mit den anderen Untentwegten in ihren Sesseln ringsherum das eine oder andere entdeckt. Der eine das andere. Der andere das eine. Ich habe vier Sachen entdeckt:
1. Gerolsteiner in Halb-Liter-Flaschen im Ausschank des Kinos.
2. Hauptdarstellerin Parker Posey sieht so aus wie Claudia W., was angenehme Erinnerungen provoziert.
3. Mark Cuban hat den Film mitfinanziert und wird mir, weil zunehmend allgegenwärtig, immer unheimlicher.
4. Chick-Lit auf der Leinwand wirkt auch in High-Definition nicht erbaulicher als in Buchform.
Vielleicht sollte ich zum letzten Punkt noch etwa mehr erzählen: Broken English ist leider ein allzu glatter, klischeedurchzogener Film, in dem zwei New Yorker Frauen ihre Neurosen vorführen, von Beziehungen träumen, die ihnen etwas bieten, und die dann, obwohl uns keine hinreichende Erklärung für ihr zielloses Verhalten gegeben wird, mit der ultimativen Kraft des cinematografisch Faktischen in Paris landen, wo es vor Charmeuren nur so wimmelt.
Chick-Lit-Leserinnen mögen das gut finden, weil sie im Training sind und keine großen Ansprüche an die plausible Darstellung von Figuren stellen, zumal der Film handwerklich gediegen gearbeitet ist (auch wenn sie nicht viel Geld für die Produktion gehabt haben). Hätte mir einer vorher gesagt: Die Regisseurin ist die Tochter eines bedeutenden Regisseurs (John Cassavetes) und einer hervorragenden Schaupielerin (Gena Rowland, hat eine kleine Rolle) und ist die beste Freundin von Sofia Coppola (Lost in Translation) und ahmt deren Impetus nach, wäre ich enttäuscht gewesen.
So habe ich einfach nur aufmerksam zugeschaut und war am Ende froh, dass ich die Flasche Gerolsteiner bei mir hatte. Aus der kam wenigstens ein gewisses Prickeln.
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