In den Jahren, ehe er bei den Washington Redskins als Manager die Verantwortung für den sportlichen Erfolg eines der grandiosen alten Clubs in der NFL übernahm, hatte Vinny Cerrato andere Ambitionen: Er betätigte sich als Filmschauspieler – in einem grotesken Kinowerk names Kindergarten Ninja. Seine Mitdarsteller waren ganz offensichtlich ebenso hölzern und ungeschult wie er, wie man in einem Ausschnitt nachvollziehen kann, den Washington-Post-Blogger Dan Steinberg ausfindig machte und bei YouTube ablieferte. Aber während Cerratos Kollegen der Sprung ins Rampenlicht von Hollywood nicht gelang, kam er in den Jahren danach später voll zur Geltung. In der Washingtoner Inszenierung des Klassikers Dumb and Dumber, einer merkwürdigen Regieleistung, wenn man bedenkt, wieviel Geld er und sein Arbeitgeber, der Teambesitzer Dan Snyder, in die Produktion gesteckt haben.
Zu Snyders Stil im Umgang mit einer Footballmannschaft, Trainern, den Medien und vor allem den Fans gab es vor ein paar Wochen schon eine ausführliche Geschichte in der FAZ („Der schlimmste Klubbesitzer aller Zeiten“). Dies ist die Nachricht über den ersten bemerkenswerten Kollateralschaden der Entwicklung. Cerrato hat seinen Stuhl geräumt. Ton ab, Kamera ab, Action und Straße frei für Vinny, der in diesem Film einen Polizisten mimt, dessen Rollenname "Sarge" lautet. Viel Vergnügen.
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17. Dezember 2009
14. Dezember 2007
Hut ab vor Bobby
Wenn wir gedacht hätten, dass man mit Geschichten über Bobby Boswell alten und neuen Lesern eine Freude machen könnte, hätten wir hier schon häufiger über ihn geschrieben: über den mit Abstand kreativsten, geradlinigsten, meinungsfreudigsten und lustigsten Fußballprofi amerikanischer Provinienz. Aber das Phänomen Boswell und seinen Erfolg zu erklären, ist schwierig und bedarf einer ganzen Menge Sätze. Und so haben wir lieber gewartet, bis Top-Blogger Dan Steinberg ("Mr. Stone Mountain") in die Tasten greift und diese Geschichte erzählt.Es ist eine Hymne zum Abschied. Denn Boswell wurde soeben von D.C. United, wo er es von einem ungedrafteten Nachwuchsspieler in nullkommanichts bis in die Stammelf und dann auch in die All-Star-Auswahl von Major League Soccer schaffte, zum amtierenden Meister Houston Dynamo weitergereicht. Es gibt viel bemerkenswerte Details zur Karriere des 24jährigen Verteidigers, der inzwischen auch zum Kader der US-Nationalmannschaft gehört. Aber eines ist kaum zu steigern. Im Jahr eins der Beckham-Ära, in der ganze Füllhörner mit vielen Dollars über Schlappekicker aus dem Ausland ausgeschüttet werden, verdiente Boswell 30.000 Dollar. Davon kann man eigentlich gar nicht (über)leben. Er hatte unlängst ein Angebot für das Dreifache auf dem Tisch, aber ließ es sausen, weil er sich eine andere Option offen halten wollte: die Chance, auf eigene Rechnung nach Europa zu wechseln, wo man seine fußballerischen Qualitäten besser honorieren wird. Ob man dort auch aber seine fröhliche, unbekümmerte und unverblümte Art der Selbstdarstellung mit Spaß-Blog und Flickr-Bildern goutiert, ist kaum zu vermuten. Dieses Video enstand im Rahmen seiner Bewerbung für die Frauenzeitschrift Cosmopolitan, die immer wieder nach Amerikas begehrenswertesten Junggesellen fahndet. YouTube hat noch jede Menge andere Schnipsel bereitliegen.
27. November 2007
Gatorade-Erfinder gestorben
Es gäbe heute einen sehr guten Anlass, die Geschichte von der Erfindung eines berühmten Sportdrinks zu erzählen. Denn soeben erreicht uns die Nachricht, dass der Schöpfer der Erfrischungsbrause namens Gatorade gestorben ist. Aber die meisten Nachrufe enthalten das Wesentliche, also sparen wir uns das. Dr. Robert Cate wurde 80 Jahre alt, was für die Qualität seiner Kreation spricht. (Wir erinnern uns: der Mann, der das Joggen erfand, um dem Herztod zu entgehen, starb vergleichsweise jung an Jahren - am Herztod). Gatorade hat nicht nur Cate und seinem ehemaligen Arbeitgeber, der Universität Florida viel gebracht, von deren Spitznamen (Gators) sich der Produktname ableitet, es hat die Sportkultur bereichert. Kaum eine Werbeaussage hat je die Verbindung von Sport und Starkult so gut in einen Slogan gepackt wie "Be like Mike". Sie glorifizerte den Basketballer Michael Jordan auf eine fast schon religiöse Weise. Zum Beispiel so:
Zum Glück gab es auch Kreative, die so etwas gekonnt auf die Schippe genommen haben:
Gatorade steht aber noch für etwas anderes: für die eiskalte Dusche, die man Trainern nach dem Gewinn eines Titels über den Kopf kippt.
Erfunden wurde das nach Recherchen von Frank Deford vor etwa 20 Jahren von einem Footballprofi der New York Giants, der sich auf diese Weise bei seinem damaligen Trainer Bill Parcells für die herbe Behandlung im Laufe der Saison bedanken wollte. Wobei man Deford recht geben muss. Die einst so spontan wirkende
Aktion ist zu einem albernen Ritual verkommen. Man muss annehmen, dass Gatorade für die Ausschüttung bezahlt. Denn meistens sind ndie Fernsehkameras da, um den Augenblick und das Gesicht des Coaches einzufangen.
Während die eiskalte Ladung in den Nacken gesundheitsschädlich sein kann, wirkt das Getränk, über die richtigen Kanäle inhaliert, kleine Wunder. Manche schwören darauf als Kampftrunk gegen den Kater am Morgen. Manche halten es für ein Mittel gegen Kopfschmerzen und gegen Nierensteine. All das kann von dieser Warte aus nicht bestätigt werden. Wenn man nicht säuft und nicht raucht und einigermaßen schläft, kommt man wohl auch ohne aus. Ach ja. Und beim Sport tut's auch Wasser.
Zum Glück gab es auch Kreative, die so etwas gekonnt auf die Schippe genommen haben:
Gatorade steht aber noch für etwas anderes: für die eiskalte Dusche, die man Trainern nach dem Gewinn eines Titels über den Kopf kippt.

Erfunden wurde das nach Recherchen von Frank Deford vor etwa 20 Jahren von einem Footballprofi der New York Giants, der sich auf diese Weise bei seinem damaligen Trainer Bill Parcells für die herbe Behandlung im Laufe der Saison bedanken wollte. Wobei man Deford recht geben muss. Die einst so spontan wirkende
Aktion ist zu einem albernen Ritual verkommen. Man muss annehmen, dass Gatorade für die Ausschüttung bezahlt. Denn meistens sind ndie Fernsehkameras da, um den Augenblick und das Gesicht des Coaches einzufangen.
Während die eiskalte Ladung in den Nacken gesundheitsschädlich sein kann, wirkt das Getränk, über die richtigen Kanäle inhaliert, kleine Wunder. Manche schwören darauf als Kampftrunk gegen den Kater am Morgen. Manche halten es für ein Mittel gegen Kopfschmerzen und gegen Nierensteine. All das kann von dieser Warte aus nicht bestätigt werden. Wenn man nicht säuft und nicht raucht und einigermaßen schläft, kommt man wohl auch ohne aus. Ach ja. Und beim Sport tut's auch Wasser.
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24. Oktober 2007
Wildern und Kapern: Das Karussell bei den US-Sportmedien kommt in Schwung
Mag sein, dass der Sportreporter von Richard Ford in die letzte Kurve seines Lebens einbiegt und im dritten Band der Serie müde über seinen dahin mäandernden Alltag nachdenkt. Der Mann ist krank und älter geworden. Und Die Lage des Landes (so der Titel des soeben in der deutschen Übersetzung erschienenen Buches) macht beim besten Willen keinen Mut. Fords Kunst-Figur Richard Bascombe, der mit sehr viel Erfolg als profilierter Journalist für ein Sportmagazin arbeitete, gab irgendwann das Schreiben auf und wurde Immobilienmakler. Wer wissen will, warum, sollte das zweite Buch lesen. Es heißt Unabhängigkeitstag und ist das literarisch stärkste der Reihe, deren epischen Teilwerke der Schriftsteller im Zehn-Jahres-Takt herausgebracht hat.
Für Bascombes Realwelt-Kollegen allerdings dürfte das Leben noch nie so gut ausgesehen haben wie heute. Zumindest für die Burschen (und neuerdings auch Frauen) mit Namen und Reputation, was sich amerikaweit auf eine Liste mit rund 50 Schreibern reduziert. Die spielen neuerdings in einer Liga, in der es keine Salary Cap zu geben scheint. Das stärkste Indiz: Die 2 Millionen Dollar Jahresgehalt, für die Rick Reilly, der langjährige Kolumnist von Sports Illustrated, dem Vernehmen nach zu ESPN wechselt. Sports Illustrated war jahrzehntelang der Olymp des amerikanischen Sportjournalismus, nach einer Gründungsphase in den fünfziger Jahren, als das Magazin aus dem Hause Time (heute heißt der Verlag Time Warner) mehrfach auf der Kippe stand. Das Wochenblatt produzierte nicht nur Qualität und lange Lesestücke auf einem Sprachniveau, das der Typ von der Tailgate-Party vor dem NFL-Stadion gar nicht mehr begreift. Es produzierte Auflage. In seinen besten Jahren waren es weit mehr als 2 Millionen verkaufte Exemplare. Fast alle gehen über Jahresabos an die Kundschaft. Der Risikofaktor Kioskverkauf ist ausgemerzt.
Als ESPN
vor ein paar Jahren ein zweiwöchentliches Magazin auf die Beine stellte, um sein bis dahin auf Fernsehen (und ein bisschen Radio) beschränktes Angebot zu erweitern, sah noch niemand die Zeichen an der Wand. Der neue Konkurrent wirkte bisweilen fast wie eine Parodie auf das Genre und nicht wie ein verlässlicher Wegbegleiter und Informant, von dem man sich regelmäßig mit Einschätzungen und Werturteilen versorgen lässt. Weshalb die Redaktion auch nie eine Anziehungskraft für Journalisten mit Ambitionen besaß. Immerhin: Das Hochglanzprodukt auf stumpfem Papier brachte es auf mehr als 500.000 Bezieher und verdiente Geld.
ESPN baute während dessen jedoch nicht nur die Fernsehpalette aus (vier englischsprachige Kanäle in den USA). Die Tochter des Unterhaltungskonzerns Disney investierte irgendwann so geschickt und zielstrebig in eine Internet-Plattform, dass man auch dort um die Position des Marktführers kämpft. Kein Anbieter offeriert eine derartige Vernetzung zwischen den einzelnen Abspielkategorien - TV, Radio, Print, Online. Schon gar nicht Sports Illustrated beziehungsweise Time Warner, wo man zwar vor einiger Zeit den Fernsehsender CNN erworben hatte und in eine Fusion mit der Internetfirma AOL einging (und kurzfristig den Firmennamen AOL Time Warner trug) aber nie einen Weg fand, die vielen losen Enden produktiv ineinander zu integrieren.
So steht man nicht nur ziemlich hilflos den Abwerbemethoden der Konkurrenz gegenüber, sondern erlebt den Super-GAU im eigenen Schaffen. Sports Illustrated wirkt schon lange wie ein Heft aus einer anderen alten Zeit, geschrieben für eine andere, ältere Generation. Die Online-Bemühungen sind kläglich. Nicht nur wenn man es mit solchen Informationsangeboten wie Page 2 vergleicht. Und zum Thema Fernsehen gibt es bestenfalls Reminszenzen an den gescheiterten Versuch, ein Publikum für den Sportnachrichtenkanal CNN/Sports Illustrated zu finden.
Dass man sich bei Sports Illustrated inzwischen ernsthafte Gedanken über die Zukunft macht, überrascht denn auch nicht. Zur Zeit sieht es so aus, als ob das Management zumindest eine Defensiv-Strategie verfolgt: Statt hervorragend bezahlte Autoren mit höheren Gagen zu halten, schaut man sich lieber nach neuen Leuten um. Talente gibt es genug. Die reichen von den üblichen Verdächtigen, die man von den Kolumnisten-Diskussionsrunden auf ESPN und der Nonsense-Sendung Around the Horn kennt, bis zu den in der Branche als Geistesgrößen eingestuften Journalisten wie Selena Roberts (New York Times), in deren Kielwasser sich eine ganze Reihe
von bemerkenswerten weiblichen Talenten (Liz Robbins, Lynn Zinser) bei Amerikas bedeutendster Tageszeitung nach oben gearbeitet hat.
Dass sich die Unruhe und Bewegung in den Glamourzonen des Sportmediengeschäfts bei einigen extrem gut auf die Einkommenssituation auswirkt, heißt jedoch nicht, dass auch der gesichtslose Sportjournalist an seinem Computer davon profitiert. Im Onlinegeschäft wird nachwievor schlechter bezahlt als in den Bastionen des Metiers, wo alles nach Stellenabbau riecht. Obendrein drängen Blogger nach, die mittlerweile mitunter intern schon hübsche kleine Scharmützel ausfechten (so bei der Washington Post, wo sich Top-Blogger Dan Steinberg, der mit einer unglaublichen Energie und Schreiblust einen konsequenten und innovativen Weg geht und neulich von einem einem Football-Beat-Reporter der Zeitung mit Profilierungsproblemen angepupt wurde.
Die Aufwallungen werden nicht nur von den Eitelkeiten der beteiligten Personen vorangetrieben. Sie spiegeln einfach nur ein ähnliche Entwicklung im Kommerzsport wider, wo Primadonnen und Wasserträger das Entertainmentbedürfnis von Millionen befriedigen. Und sie symbolisieren die Verunsicherung, von der die Entscheidungsträger im Medienbusiness gepackt worden sind. Niemand - außer ESPN - scheint zu wissen, wo die Reise hingeht.
Für Bascombes Realwelt-Kollegen allerdings dürfte das Leben noch nie so gut ausgesehen haben wie heute. Zumindest für die Burschen (und neuerdings auch Frauen) mit Namen und Reputation, was sich amerikaweit auf eine Liste mit rund 50 Schreibern reduziert. Die spielen neuerdings in einer Liga, in der es keine Salary Cap zu geben scheint. Das stärkste Indiz: Die 2 Millionen Dollar Jahresgehalt, für die Rick Reilly, der langjährige Kolumnist von Sports Illustrated, dem Vernehmen nach zu ESPN wechselt. Sports Illustrated war jahrzehntelang der Olymp des amerikanischen Sportjournalismus, nach einer Gründungsphase in den fünfziger Jahren, als das Magazin aus dem Hause Time (heute heißt der Verlag Time Warner) mehrfach auf der Kippe stand. Das Wochenblatt produzierte nicht nur Qualität und lange Lesestücke auf einem Sprachniveau, das der Typ von der Tailgate-Party vor dem NFL-Stadion gar nicht mehr begreift. Es produzierte Auflage. In seinen besten Jahren waren es weit mehr als 2 Millionen verkaufte Exemplare. Fast alle gehen über Jahresabos an die Kundschaft. Der Risikofaktor Kioskverkauf ist ausgemerzt.
Als ESPN
ESPN baute während dessen jedoch nicht nur die Fernsehpalette aus (vier englischsprachige Kanäle in den USA). Die Tochter des Unterhaltungskonzerns Disney investierte irgendwann so geschickt und zielstrebig in eine Internet-Plattform, dass man auch dort um die Position des Marktführers kämpft. Kein Anbieter offeriert eine derartige Vernetzung zwischen den einzelnen Abspielkategorien - TV, Radio, Print, Online. Schon gar nicht Sports Illustrated beziehungsweise Time Warner, wo man zwar vor einiger Zeit den Fernsehsender CNN erworben hatte und in eine Fusion mit der Internetfirma AOL einging (und kurzfristig den Firmennamen AOL Time Warner trug) aber nie einen Weg fand, die vielen losen Enden produktiv ineinander zu integrieren.
So steht man nicht nur ziemlich hilflos den Abwerbemethoden der Konkurrenz gegenüber, sondern erlebt den Super-GAU im eigenen Schaffen. Sports Illustrated wirkt schon lange wie ein Heft aus einer anderen alten Zeit, geschrieben für eine andere, ältere Generation. Die Online-Bemühungen sind kläglich. Nicht nur wenn man es mit solchen Informationsangeboten wie Page 2 vergleicht. Und zum Thema Fernsehen gibt es bestenfalls Reminszenzen an den gescheiterten Versuch, ein Publikum für den Sportnachrichtenkanal CNN/Sports Illustrated zu finden.
Dass man sich bei Sports Illustrated inzwischen ernsthafte Gedanken über die Zukunft macht, überrascht denn auch nicht. Zur Zeit sieht es so aus, als ob das Management zumindest eine Defensiv-Strategie verfolgt: Statt hervorragend bezahlte Autoren mit höheren Gagen zu halten, schaut man sich lieber nach neuen Leuten um. Talente gibt es genug. Die reichen von den üblichen Verdächtigen, die man von den Kolumnisten-Diskussionsrunden auf ESPN und der Nonsense-Sendung Around the Horn kennt, bis zu den in der Branche als Geistesgrößen eingestuften Journalisten wie Selena Roberts (New York Times), in deren Kielwasser sich eine ganze Reihe
von bemerkenswerten weiblichen Talenten (Liz Robbins, Lynn Zinser) bei Amerikas bedeutendster Tageszeitung nach oben gearbeitet hat.Dass sich die Unruhe und Bewegung in den Glamourzonen des Sportmediengeschäfts bei einigen extrem gut auf die Einkommenssituation auswirkt, heißt jedoch nicht, dass auch der gesichtslose Sportjournalist an seinem Computer davon profitiert. Im Onlinegeschäft wird nachwievor schlechter bezahlt als in den Bastionen des Metiers, wo alles nach Stellenabbau riecht. Obendrein drängen Blogger nach, die mittlerweile mitunter intern schon hübsche kleine Scharmützel ausfechten (so bei der Washington Post, wo sich Top-Blogger Dan Steinberg, der mit einer unglaublichen Energie und Schreiblust einen konsequenten und innovativen Weg geht und neulich von einem einem Football-Beat-Reporter der Zeitung mit Profilierungsproblemen angepupt wurde.
Die Aufwallungen werden nicht nur von den Eitelkeiten der beteiligten Personen vorangetrieben. Sie spiegeln einfach nur ein ähnliche Entwicklung im Kommerzsport wider, wo Primadonnen und Wasserträger das Entertainmentbedürfnis von Millionen befriedigen. Und sie symbolisieren die Verunsicherung, von der die Entscheidungsträger im Medienbusiness gepackt worden sind. Niemand - außer ESPN - scheint zu wissen, wo die Reise hingeht.
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14. August 2007
Die Beckham-Oper, Knöchelverzeichnis. Nr 2
Dan Steinberg, der Sport-Blogger der Washington Post, schreibt nicht nur viel und gut. Er serviert regelmäßig kleine Video-Schmankerl, die bei YouTube geparkt werden und teilweise auch auf einem Kanal im Lokal-TV der amerikanischen Hauptstadt laufen. Prognose von hier aus: Das ist die Richtung, in die sich die Sportbloggerei weiterentwickeln wird, sobald es eine gewisse finanzielle Grundlage gibt. Denn solche Elemente (gepaart mit einer besonderen Art von Fan-Haltung und Humor) werden auf den konventionellen Medienschienen keine Chance haben, weil sie nämlich ohne den überkandidelten Ernst daher kommen, mit dem das Fernsehen Sport präsentiert. Ihre wichtigste Qualität: Sie repräsentieren eine neue, ungefilterte, subversive und spontane Beschäftigung mit Sport mit dem Potenzial für andere Sichtweisen. Wer die abweisende Haltung der Bundesliga zu Fan-Videos und Fotos erlebt, kann sich kaum vorstellen, dass sich so etwas auch mal in Deutschland sich solche Expeprimente auch in Deutschland entwickeln wird. Aber es wird kommen...vermutlich über die Beschäftigung mit anderen Sportarten, denen etwas daran liegt, von der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden.
In dem Schnipsel ging es um David Beckham und seinen Auftritt in Washington, bei dem er zum ersten Mal offiziell im Trikot der Los Angeles Galaxy an einem MLS-Spiel teilnahm. Es ist bedeuted attraktiver und informativer als das Video von SpOn aus selbigem Anlass, das so tut, als wäre dies ein Ereignis gewesen, das eine Art von Nachrichtenbeitrag nach alter (pseudo-seriöser) Tagesschau-Fernsehmanier rechtfertigt, trotz schlapper Bilder und Interviews.
Blick zurück: "Die Sportblogosphäre ist ein Bewusstseinzustand"
Blick zurück: Die weisen Worte des Mr. Stone Mountain
26. Februar 2007
"Die Sportblogosphäre ist vor allem ein Bewusstseinszustand"
Was in den USA online passiert, dürfte den deutschen Entwicklungen um rund zwei Jahre voraus sein. Das gilt für Qualität genauso wie für die Quantität. Zum Thema Polit-Blogs und deren Einfluss habe ich im August aus Anlass der Vorwahlen zum Senat ein großes Stück für die FAZ geschrieben. Die Sportbloggerei wird von draußen im Vergleich dazu eher ignoriert. Aber sicher nicht mehr lange. Ein Indiz: Die Arbeit des amerikanischen Blogs the big picture ("Sports news from the outside looking out"), der sein zentrales Thema gefunden hat: Er interviewt die profiliertesten US-Sport-Blogger und stellt allen im Großen und Ganzen die gleichen Fragen. Die Herrschaften reflektieren ausführlich, je nach Standpunkt und signalisieren, wohin die Reise geht.
Die Sammlung ist inzwischen so stark angewachsen, dass es an der Zeit war, sie zu durchforsten und die informativsten Stellungnahmen zu übersetzen und in einem Post zusammenzustellen. Regelmäßige American-Arena-Leser werden sich zumindest an einen der Protagonisten erinnern: Dan Steinberg ist "Mr. Stone Mountain", der Mann, der vor ein paar Tagen seine Leser um Übersetzungshilfe bat, als er in unserem Blog zitiert wurde.
Hier die drei interssantesten Feststellungen von drei High-Profile-Bloggern.
Dan Steinberg (30), Journalist und Blogger (D. C. Sports Bog), der vor fünf Jahren als Reporter bei der Washington Post einstieg, auf die Frage, weshalb so viele Mainstream-Media-Outlets heute Blogs haben, aber keiner - außer seinem - mit der Blogosphäre identifiziert wird:
Die Sammlung ist inzwischen so stark angewachsen, dass es an der Zeit war, sie zu durchforsten und die informativsten Stellungnahmen zu übersetzen und in einem Post zusammenzustellen. Regelmäßige American-Arena-Leser werden sich zumindest an einen der Protagonisten erinnern: Dan Steinberg ist "Mr. Stone Mountain", der Mann, der vor ein paar Tagen seine Leser um Übersetzungshilfe bat, als er in unserem Blog zitiert wurde.
Hier die drei interssantesten Feststellungen von drei High-Profile-Bloggern.
Dan Steinberg (30), Journalist und Blogger (D. C. Sports Bog), der vor fünf Jahren als Reporter bei der Washington Post einstieg, auf die Frage, weshalb so viele Mainstream-Media-Outlets heute Blogs haben, aber keiner - außer seinem - mit der Blogosphäre identifiziert wird:
"Für mich ist die Sportblogosphäre ... vor allem ein Bewusstseinszustand. ... Es geht darum, sich nicht zu ernst zu nehmen, andere Informationsquellen als freundliche Hilfe anzusehen und nicht als Konkurrenz, nach Gutdünken diese Informationsquellen zu nennen und ihnen den Daumen drücken, dass sie Erfolg haben, eine eigenartige Abneigung gegen ESPN und all seine Ableger zu haben, obwohl man ESPN anschaut, das ESPN-Radioprogramm anhört und das Magazin abonniert hat, sein Leben dem Internet vermachen, darauf vertrauen, dass die Erwachsenen wirklich nicht kapieren, worüber du die halbe Zeit redest."Dan Shanoff (34), New York, hat einen Betriebwirtschaftsabschluss in Harvard gemacht und war eine Zeitlang bei espn.com (The Daily Quickie). Schreibt jetzt einen Blog auf eigene Rechnung und sieht die Bloggerei ganz konsequent von der ökonomischen Seite - Angebot und Nachfrage:
"Die gute Nachricht für junge Journalisten ist, dass es es noch nie in unserem Leben einen solchen Augenblick in den Medien gegeben hat, in denen der Bedarf von Verbrauchern so wenig befriedigt wurde. Es gibt überall Gelegenheiten, weil Medienunternehmen Ressourcen aus ihren traditionellen Plattformen abziehen und sie neue Plattformen wie Online damit füttern (wo sie auch hingehören, denn dorthin geht der Verbraucher). Das sind gute Nachrichten für junge Schreiber oder ich könnte auch sagen: "Content-Produzenten". Das neumodische Etikett kommt ohne Scham daher."Will Leitch (31), Brooklyn, langjähriger Sportjournalist und Gründer von Deadspin, dem erfolgreichsten amerikanischen Sport-Blog, auf die Frage, was am meisten Spaß macht am Bloggen und was am meisten frustriert:
"Einige Leute werden wirklich sauer, wenn Mainstream-Medien eine ihre Geschichten nimmt und sie nicht als Quelle nennt. Aber das bringt mich nicht in Rage. Die Seite wurde mit dem Gedanken gegründet, Sport nicht so ernst zu nehmen ... Ich meine, das ist ein Blog. Er ist hoffentlich lustig und kann hoffentlich ein bisschen Licht in die Sportwelt werfen, aber du solltest nicht übertreiben. Genauso wie Sport sollte es Spaß machen."
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23. Februar 2007
Die weisen Worte des Mr. Stone Mountain
Die Washington Post ist nicht nur eine der besten Zeitungen der Welt. Sie produziert die mutmaßlich beste Online-Ausgabe aller amerikanischen Blätter und hat mit Dan Steinberg einen Blogger ins tägliche Sportrepertoire integriert, der der Prototyp für eine neue Art von hellwachem humorvollem Reporter-Kommentator-Insider ist, ohne den eine gut gemachte Metropolen-Publikation in der Zukunft nicht mehr auskommen wird. Warum? Trotz ihrer Reputation lebt die Zeitung hauptsächlich von Lesern in Washington D. C. und den umliegenden Vorstädten. Die interessieren sich zu erst einmal für die Nachrichten mit lokalem Bezug. Für die Wizards und Redskins. Für Gilbert Arenas und Dan Snyder.
Steinbergs Blog nennt sich D.C. Sports Bog. Kein Tippfehler, sondern ein Wortspiel. Das Wort Bog bedeutet Moor, Morast und Sumpf, wird aber auch benutzt, um eingedeichte Flächen für den Anbau der Cranberry zu bezeichnen, die zur Ernte unter Wasser gesetzt werden. Die Cranberry ist Amerikas klassische Beerenfrucht, die beim Thanksgiving-Truthahn-Essen als Geschmacksverstärker einfach dazu gehört.
Gestern und heute tauchte im D. C. Sports Bog auch American Arena auf. Eine Premiere. Denn die meisten amerikanischen News-Outlets und Blogs machen sich nicht die Mühe, über den Tellerrand der englischsprachigen Medienwelt zu schauen. Steinberg hingegen war über ein Link zu einem seiner Beiträge gestolpert und neugierig geworden: Er bat seine Leser, ihm bei der Übersetzung dieses Beitrags zu helfen, in dem er ausgiebig zitiert worden war. Gesagt, getan. Sein Beitrag von heute gab seinen Lesern etwas zum Lachen (und zum Knobeln). Denn einer hatte eine Babelfish-Übersetzung eingereicht, die einmal mehr bewies, dass die Software nicht mal als Krücke taugt, um sich den Inhalt eines fremdsprachigen Textes zu erschließen. So wurde aus Sports Bog "Sports Bent" (bog: Präteritum von biegen). Aus dem Namen der Zeitung wurde Washington Post Office. Der Knüller war die neue Version des Namens Steinberg: stone mountain. Das hat auch Mr. Stone Mountain sehr erheitert. Ganz nebenbei empfahl er all seinen deutschsprachigen Lesern, sich mal American Arena anzuschauen. Wir danken für so viel Vertrauen.
Steinbergs Blog nennt sich D.C. Sports Bog. Kein Tippfehler, sondern ein Wortspiel. Das Wort Bog bedeutet Moor, Morast und Sumpf, wird aber auch benutzt, um eingedeichte Flächen für den Anbau der Cranberry zu bezeichnen, die zur Ernte unter Wasser gesetzt werden. Die Cranberry ist Amerikas klassische Beerenfrucht, die beim Thanksgiving-Truthahn-Essen als Geschmacksverstärker einfach dazu gehört.
Gestern und heute tauchte im D. C. Sports Bog auch American Arena auf. Eine Premiere. Denn die meisten amerikanischen News-Outlets und Blogs machen sich nicht die Mühe, über den Tellerrand der englischsprachigen Medienwelt zu schauen. Steinberg hingegen war über ein Link zu einem seiner Beiträge gestolpert und neugierig geworden: Er bat seine Leser, ihm bei der Übersetzung dieses Beitrags zu helfen, in dem er ausgiebig zitiert worden war. Gesagt, getan. Sein Beitrag von heute gab seinen Lesern etwas zum Lachen (und zum Knobeln). Denn einer hatte eine Babelfish-Übersetzung eingereicht, die einmal mehr bewies, dass die Software nicht mal als Krücke taugt, um sich den Inhalt eines fremdsprachigen Textes zu erschließen. So wurde aus Sports Bog "Sports Bent" (bog: Präteritum von biegen). Aus dem Namen der Zeitung wurde Washington Post Office. Der Knüller war die neue Version des Namens Steinberg: stone mountain. Das hat auch Mr. Stone Mountain sehr erheitert. Ganz nebenbei empfahl er all seinen deutschsprachigen Lesern, sich mal American Arena anzuschauen. Wir danken für so viel Vertrauen.
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