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17. Dezember 2009

Vinny ist weg

In den Jahren, ehe er bei den Washington Redskins als Manager die Verantwortung für den sportlichen Erfolg eines der grandiosen alten Clubs in der NFL übernahm, hatte Vinny Cerrato andere Ambitionen: Er betätigte sich als Filmschauspieler – in einem grotesken Kinowerk names Kindergarten Ninja. Seine Mitdarsteller waren ganz offensichtlich ebenso hölzern und ungeschult wie er, wie man in einem Ausschnitt nachvollziehen kann, den Washington-Post-Blogger Dan Steinberg ausfindig machte und bei YouTube ablieferte. Aber während Cerratos Kollegen der Sprung ins Rampenlicht von Hollywood nicht gelang, kam er in den Jahren danach später voll zur Geltung. In der Washingtoner Inszenierung des Klassikers Dumb and Dumber, einer merkwürdigen Regieleistung, wenn man bedenkt, wieviel Geld er und sein Arbeitgeber, der Teambesitzer Dan Snyder, in die Produktion gesteckt haben.

Zu Snyders Stil im Umgang mit einer Footballmannschaft, Trainern, den Medien und vor allem den Fans gab es vor ein paar Wochen schon eine ausführliche Geschichte in der FAZ („Der schlimmste Klubbesitzer aller Zeiten“). Dies ist die Nachricht über den ersten bemerkenswerten Kollateralschaden der Entwicklung. Cerrato hat seinen Stuhl geräumt. Ton ab, Kamera ab, Action und Straße frei für Vinny, der in diesem Film einen Polizisten mimt, dessen Rollenname "Sarge" lautet. Viel Vergnügen.

14. Dezember 2007

Hut ab vor Bobby

Wenn wir gedacht hätten, dass man mit Geschichten über Bobby Boswell alten und neuen Lesern eine Freude machen könnte, hätten wir hier schon häufiger über ihn geschrieben: über den mit Abstand kreativsten, geradlinigsten, meinungsfreudigsten und lustigsten Fußballprofi amerikanischer Provinienz. Aber das Phänomen Boswell und seinen Erfolg zu erklären, ist schwierig und bedarf einer ganzen Menge Sätze. Und so haben wir lieber gewartet, bis Top-Blogger Dan Steinberg ("Mr. Stone Mountain") in die Tasten greift und diese Geschichte erzählt.

Es ist eine Hymne zum Abschied. Denn Boswell wurde soeben von D.C. United, wo er es von einem ungedrafteten Nachwuchsspieler in nullkommanichts bis in die Stammelf und dann auch in die All-Star-Auswahl von Major League Soccer schaffte, zum amtierenden Meister Houston Dynamo weitergereicht. Es gibt viel bemerkenswerte Details zur Karriere des 24jährigen Verteidigers, der inzwischen auch zum Kader der US-Nationalmannschaft gehört. Aber eines ist kaum zu steigern. Im Jahr eins der Beckham-Ära, in der ganze Füllhörner mit vielen Dollars über Schlappekicker aus dem Ausland ausgeschüttet werden, verdiente Boswell 30.000 Dollar. Davon kann man eigentlich gar nicht (über)leben. Er hatte unlängst ein Angebot für das Dreifache auf dem Tisch, aber ließ es sausen, weil er sich eine andere Option offen halten wollte: die Chance, auf eigene Rechnung nach Europa zu wechseln, wo man seine fußballerischen Qualitäten besser honorieren wird. Ob man dort auch aber seine fröhliche, unbekümmerte und unverblümte Art der Selbstdarstellung mit Spaß-Blog und Flickr-Bildern goutiert, ist kaum zu vermuten. Dieses Video enstand im Rahmen seiner Bewerbung für die Frauenzeitschrift Cosmopolitan, die immer wieder nach Amerikas begehrenswertesten Junggesellen fahndet. YouTube hat noch jede Menge andere Schnipsel bereitliegen.

21. September 2007

Der Klingelbeutel: Nix mit Styx und andere Merkwürdigkeiten

Was wir im Zusammenhang mit unserem Namen alles erleben und hin und wieder richtig stellen müssen:
"Styx is an American arena rock band."
Styx wird in diesem Haus als Musikphänomen für undiskutabel gehalten.

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Wir haben nichts zu verkaufen.

"Justin Timberlake rests voice and reschedules American arena dates".
Es gibt keinen Interview-Termin. Es gab auch noch nie einen. Allerdings ist dieses Video von einem Saturday Night Live Auftritt bemerkenswert und hatte den Emmy, den Spitzenfernsehpreis in den USA auch mehr als verdient.

"
That’s a lot of Mottram, and a lot of folks failing to include a certain exclamation point, namely that Russian blog at the end there."
Mr. Irrelevant in seiner Reaktion auf die vielen Leute, die seinen Umzug zu yahoo! vermelden (hier zur Abwechslung mit Ausrufezeichen) - darunter auch American Arena, wo man sich nicht so gerne als "russischen Blog" bezeichnen lässt, sondern lieber so wie Dan Steinberg von der WaPo in Kommentar Nummer 16 das tut.

14. August 2007

Die Beckham-Oper, Knöchelverzeichnis. Nr 2


Dan Steinberg, der Sport-Blogger der Washington Post, schreibt nicht nur viel und gut. Er serviert regelmäßig kleine Video-Schmankerl, die bei YouTube geparkt werden und teilweise auch auf einem Kanal im Lokal-TV der amerikanischen Hauptstadt laufen. Prognose von hier aus: Das ist die Richtung, in die sich die Sportbloggerei weiterentwickeln wird, sobald es eine gewisse finanzielle Grundlage gibt. Denn solche Elemente (gepaart mit einer besonderen Art von Fan-Haltung und Humor) werden auf den konventionellen Medienschienen keine Chance haben, weil sie nämlich ohne den überkandidelten Ernst daher kommen, mit dem das Fernsehen Sport präsentiert. Ihre wichtigste Qualität: Sie repräsentieren eine neue, ungefilterte, subversive und spontane Beschäftigung mit Sport mit dem Potenzial für andere Sichtweisen. Wer die abweisende Haltung der Bundesliga zu Fan-Videos und Fotos erlebt, kann sich kaum vorstellen, dass sich so etwas auch mal in Deutschland sich solche Expeprimente auch in Deutschland entwickeln wird. Aber es wird kommen...vermutlich über die Beschäftigung mit anderen Sportarten, denen etwas daran liegt, von der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden.

In dem Schnipsel ging es um David Beckham und seinen Auftritt in Washington, bei dem er zum ersten Mal offiziell im Trikot der Los Angeles Galaxy an einem MLS-Spiel teilnahm. Es ist bedeuted attraktiver und informativer als das Video von SpOn aus selbigem Anlass, das so tut, als wäre dies ein Ereignis gewesen, das eine Art von Nachrichtenbeitrag nach alter (pseudo-seriöser) Tagesschau-Fernsehmanier rechtfertigt, trotz schlapper Bilder und Interviews.
Blick zurück: "Die Sportblogosphäre ist ein Bewusstseinzustand"
Blick zurück: Die weisen Worte des Mr. Stone Mountain

17. Juli 2007

Verbeugung vor dem Spin-Meister

Die meisten amerikanischen Sportblogger träumen von nichts Größerem, als irgendwann von Branchenführer Deadspin wahrgenommen zu werden und durch ein Link jenen Traffic zu bekommen, den sie alleine nie auf die Beine stellen würden. Viele schaffen das auch irgendwann - mit kuriosen Fundsachen und verqueren Ideen. Denn Deadspin-Macher Will Leitch hat Sinn für Schräges, braucht viel Stoff und weiß sehr gut, wie man aus kleinen Geschichten große bunte Luftballons macht. Deshalb ist er die Nummer eins. Und deshalb verdient sein Arbeitgeber (Gawker Media in New York) richtiges Geld mit Blogs.

Als ich heute morgen die Will-Leitch-Steve-Van-Pelt-Geschichte gepostet habe, ist mir nicht im Traum eingefallen, dass sie bei Deadspin aufschlagen könnte. Die wenigsten US-Blogger verstehen Deutsch. Und humorvoll war der Beitrag auch nicht. Aber nur wenige Stunden später kam eine Reaktion:
That Van Pelt interview caused such a ruckus that they're even talking about it in other languages, languages that we do not understand. We're trying to find the German word for "he blew it!"
Kommentare folgten. Darunter eine dieser unsäglichen Babelfish-Übersetzungen. Und viele Leser, denen man anmerkt, dass sie stolz darauf sind, keine Fremdsprachen zu sprechen und wichtige Ereignisse aus der Geschichte durcheinander bringen (Pearl Harbor und die Deutschen?) Trotzdem haben bis jetzt mehr als tausend Deadspin-Leser American Arena angeklickt, was angesichts der offensichtlichen Sprachbarriere ganz erstaunlich ist. Bei einem ähnlichen multilateralen Austausch vor ein paar Monaten (mit Dan Steinberg von der Washington Post) war der Ansturm vergleichsweise nachgerade kläglich ausgefallen.

26. Februar 2007

"Die Sportblogosphäre ist vor allem ein Bewusstseinszustand"

Was in den USA online passiert, dürfte den deutschen Entwicklungen um rund zwei Jahre voraus sein. Das gilt für Qualität genauso wie für die Quantität. Zum Thema Polit-Blogs und deren Einfluss habe ich im August aus Anlass der Vorwahlen zum Senat ein großes Stück für die FAZ geschrieben. Die Sportbloggerei wird von draußen im Vergleich dazu eher ignoriert. Aber sicher nicht mehr lange. Ein Indiz: Die Arbeit des amerikanischen Blogs the big picture ("Sports news from the outside looking out"), der sein zentrales Thema gefunden hat: Er interviewt die profiliertesten US-Sport-Blogger und stellt allen im Großen und Ganzen die gleichen Fragen. Die Herrschaften reflektieren ausführlich, je nach Standpunkt und signalisieren, wohin die Reise geht.

Die Sammlung ist inzwischen so stark angewachsen, dass es an der Zeit war, sie zu durchforsten und die informativsten Stellungnahmen zu übersetzen und in einem Post zusammenzustellen. Regelmäßige American-Arena-Leser werden sich zumindest an einen der Protagonisten erinnern: Dan Steinberg ist "Mr. Stone Mountain", der Mann, der vor ein paar Tagen seine Leser um Übersetzungshilfe bat, als er in unserem Blog zitiert wurde.

Hier die drei interssantesten Feststellungen von drei High-Profile-Bloggern.

Dan Steinberg
(30), Journalist und Blogger (D. C. Sports Bog), der vor fünf Jahren als Reporter bei der Washington Post einstieg, auf die Frage, weshalb so viele Mainstream-Media-Outlets heute Blogs haben, aber keiner - außer seinem - mit der Blogosphäre identifiziert wird:
"Für mich ist die Sportblogosphäre ... vor allem ein Bewusstseinszustand. ... Es geht darum, sich nicht zu ernst zu nehmen, andere Informationsquellen als freundliche Hilfe anzusehen und nicht als Konkurrenz, nach Gutdünken diese Informationsquellen zu nennen und ihnen den Daumen drücken, dass sie Erfolg haben, eine eigenartige Abneigung gegen ESPN und all seine Ableger zu haben, obwohl man ESPN anschaut, das ESPN-Radioprogramm anhört und das Magazin abonniert hat, sein Leben dem Internet vermachen, darauf vertrauen, dass die Erwachsenen wirklich nicht kapieren, worüber du die halbe Zeit redest."
Dan Shanoff (34), New York, hat einen Betriebwirtschaftsabschluss in Harvard gemacht und war eine Zeitlang bei espn.com (The Daily Quickie). Schreibt jetzt einen Blog auf eigene Rechnung und sieht die Bloggerei ganz konsequent von der ökonomischen Seite - Angebot und Nachfrage:
"Die gute Nachricht für junge Journalisten ist, dass es es noch nie in unserem Leben einen solchen Augenblick in den Medien gegeben hat, in denen der Bedarf von Verbrauchern so wenig befriedigt wurde. Es gibt überall Gelegenheiten, weil Medienunternehmen Ressourcen aus ihren traditionellen Plattformen abziehen und sie neue Plattformen wie Online damit füttern (wo sie auch hingehören, denn dorthin geht der Verbraucher). Das sind gute Nachrichten für junge Schreiber oder ich könnte auch sagen: "Content-Produzenten". Das neumodische Etikett kommt ohne Scham daher."
Will Leitch (31), Brooklyn, langjähriger Sportjournalist und Gründer von Deadspin, dem erfolgreichsten amerikanischen Sport-Blog, auf die Frage, was am meisten Spaß macht am Bloggen und was am meisten frustriert:
"Einige Leute werden wirklich sauer, wenn Mainstream-Medien eine ihre Geschichten nimmt und sie nicht als Quelle nennt. Aber das bringt mich nicht in Rage. Die Seite wurde mit dem Gedanken gegründet, Sport nicht so ernst zu nehmen ... Ich meine, das ist ein Blog. Er ist hoffentlich lustig und kann hoffentlich ein bisschen Licht in die Sportwelt werfen, aber du solltest nicht übertreiben. Genauso wie Sport sollte es Spaß machen."

23. Februar 2007

Die weisen Worte des Mr. Stone Mountain

Die Washington Post ist nicht nur eine der besten Zeitungen der Welt. Sie produziert die mutmaßlich beste Online-Ausgabe aller amerikanischen Blätter und hat mit Dan Steinberg einen Blogger ins tägliche Sportrepertoire integriert, der der Prototyp für eine neue Art von hellwachem humorvollem Reporter-Kommentator-Insider ist, ohne den eine gut gemachte Metropolen-Publikation in der Zukunft nicht mehr auskommen wird. Warum? Trotz ihrer Reputation lebt die Zeitung hauptsächlich von Lesern in Washington D. C. und den umliegenden Vorstädten. Die interessieren sich zu erst einmal für die Nachrichten mit lokalem Bezug. Für die Wizards und Redskins. Für Gilbert Arenas und Dan Snyder.

Steinbergs Blog nennt sich D.C. Sports Bog. Kein Tippfehler, sondern ein Wortspiel. Das Wort Bog bedeutet Moor, Morast und Sumpf, wird aber auch benutzt, um eingedeichte Flächen für den Anbau der Cranberry zu bezeichnen, die zur Ernte unter Wasser gesetzt werden. Die Cranberry ist Amerikas klassische Beerenfrucht, die beim Thanksgiving-Truthahn-Essen als Geschmacksverstärker einfach dazu gehört.

Gestern und heute tauchte im D. C. Sports Bog auch American Arena auf. Eine Premiere. Denn die meisten amerikanischen News-Outlets und Blogs machen sich nicht die Mühe, über den Tellerrand der englischsprachigen Medienwelt zu schauen. Steinberg hingegen war über ein Link zu einem seiner Beiträge gestolpert und neugierig geworden: Er bat seine Leser, ihm bei der Übersetzung dieses Beitrags zu helfen, in dem er ausgiebig zitiert worden war. Gesagt, getan. Sein Beitrag von heute gab seinen Lesern etwas zum Lachen (und zum Knobeln). Denn einer hatte eine Babelfish-Übersetzung eingereicht, die einmal mehr bewies, dass die Software nicht mal als Krücke taugt, um sich den Inhalt eines fremdsprachigen Textes zu erschließen. So wurde aus Sports Bog "Sports Bent" (bog: Präteritum von biegen). Aus dem Namen der Zeitung wurde Washington Post Office. Der Knüller war die neue Version des Namens Steinberg: stone mountain. Das hat auch Mr. Stone Mountain sehr erheitert. Ganz nebenbei empfahl er all seinen deutschsprachigen Lesern, sich mal American Arena anzuschauen. Wir danken für so viel Vertrauen.