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5. November 2009

Football-Karriere mit Kino-Appeal

Soeben im Kino gab es den Trailer zu The Blind Side mit Sandra Bullock, eine Verfilmung des gleichnamigen Buches von Michael Lewis. Darin ist ein junger Schwarzer die zentrale Figur des einen Erzählstrangs. Er heißt Michael Oher und ist inzwischen in der NFL angekommen, und zwar bei den Baltimore Ravens, die ihn im Frühjahr an 23. Stelle gedraftet haben. Der andere Strang im Buch ist die Entwicklung des Offensivspiels im Football, der vor allem den Left Tackles eine wichtigere Rolle als den Beschützern des (rechtshändigen) Quarterbacks zukommen lässt und sie entsprechend gut dafür entlohnt. Darüber gab es vor einiger Zeit schon etwas mehr zu lesen - im Blog und in der FAZ.

Der Film beschäftigt sich nach den Vorberichten ausschließlich auf die Person des als Jugendlichem verwahrlosten Footballspielers, der von einer weißen Familie aufgenommen wird, die ihm die Chancen eröffnet, die ihm vorher gefehlt hatten. Sein Vater wurde umgebracht, als er noch klein war. Die Mutter war cracksüchtig.

Soweit sich das zur Zeit recherchieren ließ, hat der Film keinen deutschen Starttermin. Hier einer der Trailer, die im Moment zirkulieren.

24. Juni 2009

Brad Pitt kann's nicht ändern: Verfilmung von Moneyball gestoppt

Die Nachrichtenhappen der letzten Tage über die Verfilmung von Moneyball hatten alle einen Hauch von bizarr. Nicht weil die Chefproduzentin drei Tage vor Beginn der Dreharbeiten das 57-Millionen-Dollar-Projekt abgeblasen hatte. So etwas dürfte in Hollywood am laufenden Band vorkommen. Sondern weil einem nicht klar war, wieso diese Ambitionen nicht schon sehr viel früher beendet worden waren. Denn nicht mal Michael Lewis, der Autor des erfolgreichen Baseball-Sachbuchs, hatte verstanden, was so prominente Kinoleute wie Brad Pitt und Regisseur Steven Soderbergh in dem Stoff gesehen hatten (nicht dass er sich deshalb gegen die Verfilmung gesperrt hätte, was dafür spricht, dass die Lizenzgebühren im mittleren sechsstelligen Bereich liegen).

Immerhin hat sportsbybrooks seitdem weiter recherchiert und eine schöne Fundsache aufgetrieben: ein Drehbuch, das der Dreh- und Angelpunkt der Auseinandersetzung zwischen Produzentin und Regisseur ist. Niemand vermag zu sagen, ob dies eine alte oder eine aktuelle Version ist. Aber sicher ist es nicht die, die Soderbergh zuletzt daraus gemacht hatte. Denn die war zum Stein des Anstoßes geworden.

Kompliziert? Wenn man mal die Blaumilchkanal-Welt von Hollywood wegstreicht, wo sich Produzenten weniger Gedanken über die Qualität von Stoffen machen als viel mehr darüber, wie man wieviel Publikum ins Kino locken kann und ob Frauen die Filme sehen wollen und ob man mit einem solchen Werk im Ausland die Lichtspielhäuser füllen kann, bleibt immer noch ein Lesestück (als pdf-Datei). Der Drehbuchautor ist übrigens kein Unbekannter. Steven Ziaillian hat Schindlers Liste, American Gangster, Gangs of New York und Mission:Impossible geschrieben. Die Szene über die alle reden, ist allerdings kein Meisterwerk. Da hat der Oakland A's-Manager Billy Beane in einem Restaurant Sex mit der Kellnerin, die ihm das Essen serviert hat.

Blick zurück: Die Meldung über den Einstieg von Brad Pitt ins das Projekt,
Blick zurück: Wie Oakland im Baseball gegen die reichen Clubs besteht

Kleines Extra: Autor Michael Lewis in einem Interview zu seinem Football-Buch The Blind Side.

20. Oktober 2007

Die Leibwächter machen Reibach

Nachdem vor ein paar Tagen ein netter Kommentator den Hinweis anbrachte, der Blogger könne ja vielleicht mal vorher auf einen bestimmten Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hinweisen (anstatt hinterher, wenn die Zeitung längst vom Markt ist), probieren wir das heute mal: Das Thema am morgigen Sonntag dreht sich um ein Phänomen in der National Football League, wo in aller Stille die Offensive Linemen zur am zweitbesten bezahlten Berufsgruppe aufgestiegen sind. Am besten verdienen die riesigen Tackles auf der linken Seite (im Fall von rechtshändigen Quarterbacks), weil von dort durch die Pass Rusher die stärkste Gefahr droht. Der Mann, der dieses Entwicklung erstmals ausführlich darstellte, ist der Journalist Michael Lewis - in seinem Buch The Blind Side - Evolution of a Game. Lewis, der einst mit Wirtschaftsthemen reüssierte, hat eine feine Nase für Sportthemen. Er ist der Mann, der Money Ball geschrieben hat und damit auf das Talent von Managern aufmerksam machte, mit relativ kleinen Gehaltsbudgets starke Mannschaften auf die Beine zu stellen. Es war ihnen möglich, weil sie wussten, wie man das statistische Datenmaterial einzelner Spieler am klügsten auswertet und als Projektionsgrundlage für die Entwicklung eines Baseball-Profis nutzt.
Blick zurück: Ein Hinweis auf Money Ball aus Anlass der letzjährigen Baseball-Playoffs

4. Oktober 2006

Baseball: Oakland kann rechnen

Die Oakland A's sind nicht wirklich gut. Aber manchmal sehen sie wirklich gut aus. So wie heute nachmittag im Metrodome gegen die Minnesota Twins im zweiten Spiel der ersten Playoff-Runde in der American League. Die Twins wären aus dem Papier die bessere Mannschaft. Nicht nur weil sie einen Catcher haben, der auf den schönen deutschen Nachnamen Mauer hört (Vorname: Joseph Patrick) und in St. Paul aufwuchs und mit einem Batting-Durchschnitt von .347 (34,7 Prozent) die American League anführte. Sie hatten einfach am Ende der Saison mehr Schwung als die anderen und verdrängten noch die Detroit Tigers von der Spitze der überdurchnittlich starken Central Division.

Nach dem zweiten Spiel der ersten Runde der Playoffs (offiziell: American League Division Series oder auch kurz ALDS) liegen sie mit 0:2 hinten und fliegen ziemlich desillusioniert nach Oakland, wo am Freitag das dritte Match stattfindet. Der Zwischenstand ist nicht unüberwindbar. Das haben die Oakland A's vor drei Jahren gegen die Boston Red Sox gesehen, als sie den gleichen Vorsprung vermurksten. Vielleicht ist der Club in diesem Jahr endlich reif, nachdem die Mannschaft zwischen 2000 und 2003 viermal die Playoffs erreichte, aber jedes Mal gegen den ersten Gegner eliminiert wurde.

Oakland ist auch aus anderen Gründen ein interessanter Fall. Das Team wurde von Autor Michael Lewis analysiert und in seinem Buch Moneyball - The Art of Winning an Unfair Game als positives Beispiel für die Verwendung von Baseball-Statistiken in der Einschätzung des Potenzials einzelner Profis herausgestellt. Die A's können auf diese Weise mit einem Viertel der Gehaltssumme haushalten, die die New York Yankees ausgeben, und haben immer noch eine Chance.

Das Buch war gut getimet. Es erschien im Jahr 2003 - am Ende des erfolgreichen Laufs der A's. Es ist inzwischen ein Klassiker, und seine Einsichten werden auch von anderen Teams angewandt. Eine der geistigen Institutionen hinter dieser anderen statistischen Betrachtungsweise - Sabermetrics. Sabermetrics sollte Pflichtstoff für jeden neuen Baseballfan sein, der in den Sog des Spiels hineingezogen wird und sich seine eigene Meinung über die Qualität und das Können der prominentesten Spieler bilden will. Wikipedia hat eine gute Seite zum Thema.

Link zur detaillierten Baseball-Berichterstattung: MLB Saison 2006 von Philipp Würfel. Mit Dank an allesaussersport für den Hinweis.